Aus einer anderen Welt: Vergleich Porsche Cayman vs. Audi TT

Da ich ja seit einigen Monaten glücklicher Fahrer eines Audi TT quattro bin, erscheint es nahezu zwingend den Porsche Cayman mit selbigem zu vergleichen. Da die Probefahrt mit dem Zuffenhausener Meisterstück nicht ganz grundlos stattfindet, liegt jedoch an diesem Punkt schon nahe, dass der TT für mich offensichtlich nicht alles sein kann.

Doch der Reihe nach: Was erwartet den geneigten Leser in den nächsten Zeilen? Ein emotionaler Vergleich zwischen zwei Fahrzeugen, welche beide (der ein mehr, der anderen weniger) dem Segment „Sportwagen“ zugerechnet werden und für mich ganz persönlich die Beantwortung der Fragestellung: Cayman oder TT? Ich werde dabei subjektive Empfindungen und Eindrücke wiedergeben, die ich in 5 Monaten TT und zwei Tagen Porsche sammeln konnte – man sieht also bereits hier: der Vergleich hinkt etwas. Darüber hinaus wird es keine penible Gegenüberstellung einzelner Features wie beispielsweise des Navis ö.ä. geben.

Vorab vielleicht noch eines: Dieser Beitrag stammt von einem Autoverrückten, der gut 10 Jahre unverbesserlicher Bewunderer des TTs (logischerweise erst das alte Modell, dann das neue) war und der lange Zeit auf die Erfüllung dieses Traums warten musste. Der Audi war bzw. ist für mich also nicht nur irgendein „Gelegenheitsfahrzeug“.

Misanorot vs Basaltschwarz

Da stehen sie also, die beiden Kontrahenten. Beide leben auf großem Fuß (19″), haben nominell nur zwei Sitze (beim TT kommt natürlich die Notbank hinzu), einen geschwindigkeitsabhängingen Heckspoiler und im vorliegenden Fall ein adaptives Fahrwerk (PASM bzw. Magnetic Ride) .. das war’s dann aber auch schon mit Gemeinsamkeiten. Während der TT mit allen vier Hufen scharrt, ist der Cayman ein Hecktriebler. Der TT schiebt sein Aggregat brav vor sich her, beim Cayman schlägt das Herz hinter den Sitzen. An dieser Stelle die ganz freche Frage: Merkt man den Unterschied? Jeder autoerfahrene Liebhaber und Kenner verlangt jetzt wahrscheinlich die Antwort: Sofort und zu 100%. Ich muss jedoch ganz ehrlich sagen: Der TT bekommt seine Kraft sehr gut auf die Straße, der Porsche selbstverständlich ebenso. Zerrende Kräfte in der Lenkung spüre ich beiden nicht und die Kurvengeschwindigkeiten sind ebenfalls bei beiden Fahrzeugen sehr beeindruckend und machen jede Menge Spaß (beim TT jedenfalls spätestens seit er seine Sommerschuhe mit 255er rundum wieder drauf hat).

Zwei ganz unterschiedlicher Fahrzeugfronten im Vergleich

Während das reine Fahrgefühl (zumindest im kurzen Testzeitraum) noch vergleichbar erscheint, ist die Emotionalität des Porsches in keinster Weise mit der des Audi TT zu vergleichen. Das fängt beim Starten (und dem damit verbundenen Aufheulen des Triebwerks) an und setzt sich beim Fahren fort. Im Porsche fühlt man sich einfach viel mehr wie in einem Sportwagen. Der Motor mit seinem kehligen Sound verleitet einen das ein ums andere mal dazu mit dem Gaspedal zu spielen und mal einen Gang niedriger als notwendig zu fahren, sein Fauchen macht Lust auf mehr und die niedrige Sitzposition lässt einen noch mehr eins mit der Straße werden als im TT. Insgesamt fühlt sich der Audi eher an wie ein A3 mit anderer Optik, während der Porsche eindeutig der Kategorie „Sportwagen“ zugehörig sein möchte.

Vielleicht noch ein kurzes Wort zur Sitzhöhe: Diese ist nochmals um einiges niedriger als im TT aber auf gar keinen Fall störend. Die Übersicht ist deutlich besser als hinter der langen Haube des Z4s und die Türen angenehm kürzer als beim Wagen aus Ingolstadt – insgesamt ein sehr angehmes Feeling, welches durch die hervorragenden Sportsitze mit genial weichen Kopfstützen weiter verstärkt wird. Aufallend sind übrigens auch die deutlich größeren Scheiben, welche einen die Landschaft sehr gut beobachten lassen 😉

Riesige Scheiben im Vergleich zum TT

Apropros beobachten der Umwelt: Diese reagiert selbstverständlich auch recht intensiv auf den 987er .. und zwar signifikant mehr als beim Audi. Während der TT sich seine Beachtung das ein ums andere mal verdient, kann der Porsche diese zu jedem Zeitpunkt einfordern – dazu reicht ein kurzer Tritt auf das rechte Pedal. Fahren Audi und Cayman hintereinander her (heut ca. 40km erlebt) bleibt die Aufmerksamkeit immer beim Sportwagen aus Zuffenhausen hängen. Menschen schauen einem nach, Kinder freuen sich einfach, Jugendliche starren nur. Bedingt durch die auffällige Farbe des TTs bin ich so etwas ja bereits ein wenig gewohnt, doch im Vergleich zum Cayman fällt der Audi quasi nicht auf.

Ingolstädter Perfektion und Zuffenhausener Emotion

Nach sovielen Emotionen und subjektiven Eindrücken vielleicht noch ein paar Worte zur Praxistauglichkeit beider Fahrzeuge im Vergleich. Da wir über kein größeres Auto verfügen, ist der TT momentan quasi unser „Lastenesel“. D.h. Familienheimfahrten muss das Auto genauso ermöglichen wie Urlaube. Mit der Zeit lernt man natürlich das Fahrzeug zweckmäßig zu packen und den vorhandenen Laderaum bestmöglich auszunutzen. Beim TT empfiehlt es sich hierbei übrigens zunächst die Rückbank zu beladen, dann den Kofferraum und darüber hinaus ggf. von der hinteren Ladeluke aus die Rücksitzbank weiter zu befüllen. Auf diese Weise haben wir bisher nahezu alles transportieren können, was wir wollten.

Mangels Rücksitzbank verlangt der Cayman hier etwas Umdenken. Das ist jedoch schnell getan, denn der Bugraum bietet mehr als genug Strauraum für vermutlich zwei Trolleys und zwei Laptoptaschen (o.ä.). Über dem Motor bleibt dann genug Platz für flexibles Gepäck, während hinter dem Motor ein weiterer Trolley oder eine große Reisetasche verstaut werden können. Insgesamt ist der zur Verfügung stehende Raum im Porsche vermutlich leichter zu beladen und steht den Kapazitäten im Audi in nichts nach. Praktisch sind übrigens auch die Haken für Jacken etc. hinter den Sitzen.

Wo beim Einen der Motor ist, lagert beim Anderen das Gepäck

An dieser Stelle auch noch ein paar (wenige) Worte zu den Radio-/Navigationssytemen beider Fahrzeuge, die ich aber mangels Erfahrung kaum Vergleichen kann. Das aktuelle RNS-E das Audios (Modelljahr 2010, verbesserte Auflösung, Anzeige von Tempolimits etc.) hat mich in den letzten Monaten eigentlich nie so wirklich im Stich gelassen. Die Navigationsfunktion steht so gut wie immer zur Verfügung (es soll ja Fahrzeuge aus dem Hause Volkswagen geben, wo zunächst mehrere Minuten ein tröstendes „Die Navigation wird aktiviert“ abgewartet werden muss) und die Routenführung ist absolut brauchbar. Die Anzeige der erlaubten Höchstgeschwindigkeit ist ebenso wie die Sprachsynthese sehr praktisch. Weniger toll ist die leichte Verzögerung beim Eingeben von Adressen via MMI-Drehrad (Sprachdialogstörung kompensiert dieses Problem) und die meiner Meinung nach schlechte Einbindung von Verkehrsinfo mittels TMC Pro (ich liebe es erst 10km VOR einem Stau davon zu erfahren). Hier sind mobile Navis wie TomTom oder Navigon bzw. andere Hersteller wie BMW deutlich weiter.

So .. nach dem Audi kurzer Wechsel zum Cayman: Was sofort positiv auffällt, ist die Touchscreen-Bedienung des PCM II. Sämtliche Eingaben gehen extrem schnell von der Hand und man hat nie das Gefühl mit dem Finger „daneben“ getroffen zu haben. Ich war hier absolut überrascht, wie positiv diese Technologie funktioniert. Sehr erfreulich ist auch die Tatsache, dass die Navidaten auf einer integrierten Festplatte vorgehalten werden. So bleiben nervige Geräusche des Laufwerks (wie beim TT) erspart und selbiges kann zur Musikwiedergabe genutzt werden. Auch das Soundsystem des Porsche (BOSE) überzeugt in vollem Umfang (GAR kein Vergleich zum Audi, auch nicht mit Bose und meiner Meinung auch besser als Bang & Olufsen z.B. im A4) wird aber auf Grund des genialen Motorsounds kaum benötigt.

Nachdem es nach rund 1200 Wörtern so langsam Zeit wird ein Ende zu finden, möchte ich die Eindrücke der beiden Fahrzeuge im Vergleich nochmals ganz kurz zusammenfassen. Der TT ist ein komfortables Langstreckenfahrzeug (andere mögen das nicht so sehen) mit spannender Optik und geringen Bedienkräften. Es macht Spaß ihn im Alltag zu bewegen, im Parkhaus sieht er toll aus und wenn er in der Sonne glänzt, macht er Lust auf mehr. Der Cayman dagegen ist viel purer. Er ist laut (in gewissem Umfang und niemals störend), er ist etwas schwerer zu bedienen (dafür deutlich präzieser) und er ist einfach viel mehr Sportwagen.

Für mich steht fest: Wer jung ist, die Möglichkeit hat beide Fahrzeuge zu erreichen und vor der Wahl steht, wird angesichts technischer Perfektion, unvergleichlich mehr Emotionalität und dem Gefühl soviel mehr unter dem Hintern zu haben als „nur einen Cayman“ kaum Zögern und zum Meisterwerk aus Zuffenhausen greifen, dessen kehliger Motor sogar im Stand, an der Ampel bei Leerlaufdrehzahl flüstert: Gut gemacht, Junge.

Je flacher desto besser?
Emotion schlägt Kompromiss

Eins noch: Während ich den TT immer als weiblich ansehe, könnte man diese Eigenschaft dem Cayman niemals attestieren. Die Geräuschkulisse die dieses Fahrzeug verbreitet, kann nicht von einer Dame stammen 😉

3 Gedanken zu „Aus einer anderen Welt: Vergleich Porsche Cayman vs. Audi TT

  1. Deine Texte sind einfach Emotion pur! Das Lesen macht riesigen Spaß und wir können deine Gefühle hautnah mitempfinden. DANKE dafür!

  2. Deine so treffend beschriebenen Emotionen kann ich gut nachvollziehen. Da treibt einem das Lesen ja ein ähnliches Grinsen ins Gesicht wie das Fahren mit dem Krokodil.

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