Porsche Cayman S in der Praxis

Nach einer sehr erholsamen Nacht weckte mich heut morgen das Prasseln eines sanften Frühlingsregens. Innerlich verfluchte ich kurz die Wetterstation, welche mir eine derartige Entwicklung bereits vorraus sagte, beschloss dann aber das Beste aus dem Tag zu machen.

Nach den üblichen Hygienemaßnahmen schaute ich zunächst nach unserem sportlichen Gast, denn heute stand ja die etwas umfangreichere Probefahrt auf dem Plan. Wie erwartet schmollte der basaltschwarze Cayman vor dem Haus, ziemlich durchnässt aber nicht weniger attraktiv als sonst.

Verheißungsvolle Symbolik an der Front
Genau wie am Heck

Mit derartigen Impressionen frühstückt es sich doch gleich viel besser und nach einer angemessenen Stärkung und dem Packen des notwendigen Gepäcks ging es unserem Testdrive entgegen. Ziel unserer kleinen Runde durch den Schwarzwald sollte die Schwarzatalsperre sein, welche durch ein attraktives Restaurant und einen Bootsverleih lockte. Da Dani von der Idee Wassertreter zu fahren über die Maßen beeindruckt war und mit Hilfe von Google Maps schnell ein abwechslungsreicher Parcours ausgewählt war, schien die Tagesplanung beschlossene Sache.

Nach den ersten 500 Metern dann noch ein Stopp an der Tankstelle – Schnappi möchte schließlich artgerecht gehalten werden.

Er schien mindestens genauso viel Lust auf den Tag zu haben wie wir

Bereits auf den ersten Metern unserer Reise wurden mir schlagartig zwei Dinge bewusst: Zum einen vergisst man den absolut genialen Sound des Fahrzeugs viel zu schnell wieder und zum anderen haben die 265er Reifen hinten relativ schnell ihre liebe Mühe die 320PS auf nassen Asphalt zu bringen. Während der Motor also langsam warm wurde gondelten wir die B3 entlang und Kilometer für Kilometer wurde die Landschaft beeindruckender und die Laune besser.

Leichter Nebel, gute Laune bei Dani und noch viele Kurven auf der geplanten Route

Irgendwann verließen wir dann die viel befahrenen Bundesstraßen und näherten uns dem besten Abschnitt des heutigen Tages: Einer Anreihung zahlreicher Kurven, die insgesamt wenig befahren sind. Was wir dort erlebt haben, lässt sich in Bildern leider nicht festhalten, wird uns aber umso mehr im Gedächtnis bleiben. Begleitet vom Schreien des Sechszylinders und immer die Sicherheit absoluter standfester Bremsen mit perfektem Pedalgefühl im Hinterkopf machte das Kurvenräubern so viel Spaß wie noch nie. Das Umrunden der bergigen Strecken gelingt dem Cayman viel leichtfüßiger als dem allradgetriebenen TT. Mit Hilfe der extrem präzisen und direkten Lenkung kann man das Auto äußerst spurtreu durch die Kurven treiben, die knackige Schaltung hilft einem dabei stets den richtigen Gang zu finden.

Spannend welche soundtechnischen Nuancen einem geboten werden, wenn man bei konstanter Geschwindigkeit einfach mal den zweiten, dritten und vierten Gang durchschaltet. Sollte Ratlosigkeit bezüglich der richtigen Übersetzung herrschen, hilft gern die unauffällige Schaltempfehlungsanzeige. In Form dezenter Dreiecke drängt diese einen dazu Geschwindigkeiten wie 30km/h im vierten Gang zu bewältigen und bei ca. 60km/h den sechsten Gang zu wählen. Freilich, der Cayman klingt dabei angenehm röhrig und potent, besonders viel Agilität hat man beim Befolgen dieser Empfehlungen logischerweise nicht.

Andererseits wird diese nette Spielerei vielleicht verhindern, dass am Ende des Tages einen Durchschnittsverbrauch wie der von uns erlebte auf dem Tacho bzw. PCM angezeigt werden. Dabei muss ich ganz klar sagen: Das war eine Probefahrt, wir sind immer mindestens einen Gang zu niedrig gefahren und haben mit dem Fahrzeug (im Rahmen der StVO – wirklich!) Spaß gehabt. Ich bin überzeugt, dass im Alltagsbetrieb die 10l/100km drin sind und man den Cayman auch „ganz bodenständig“ gut fahren kann.

Nach der Hälfte der Strecke zeigte sich Schnappi ziemlich bedürftig (man beachte in diesem Zusammenhang auch den laufenden Musiktitel)

Nach rund 70km erreichten wir unser Ziel – die Talsperre. Mit jeder Menge Adrenalin im Körper entstiegen wir dem Cayman, welcher offensichtlich auch ziemlich dankbar für die Pause war. Wenn gleich sich die Bremsanlage recht unbeeindruckt von der Kurvenhatz zeigte, entwich dem Aggregat doch jede Menge warme Luft und die Reifen schienen eine Temperatur „im Wohlfühlbereich“ erreicht zu haben. Während der bisherige Teil des Tages super lief, kippte die Gesamtstimmung an der Talsperre etwas. Das „Superior“ Restaurant entsprach so gar nicht unseren Vorstellungen, die Staumauer selbst wird wohl gerade „gewartet“ und der Bootsverleih ist eh erst ab Mitte Mai geöffnet.

Leider fiel unsere Pause daher deutlich kürzer als erwartet aus und wir mussten schneller wieder ins Fahrzeug zurückkehren, als zunächst vermutet. Bei kuschligen 3°C Außentemperatur und molligen 22°C im Porsche stärkten wir uns kurz an Danis M&Ms (weibliche Voraussicht sei Dank) und begaben uns dann auf den Rückweg gen Heimat (mit Umweg über McDonalds).

Rückgriff auf die mitgebrachte Notration

Auf den nächsten Kilometern konnte der Cayman abermals beweisen, was für ein grandioser Kurvenkünstler er ist. Zeitweise probierte ich die Fahrerlebnis dann mittels des Sportmodus des adaptiven Fahrwerks nochmals zu intensivieren – was ziemlich gut funktioniert. Leider fühlt man sich dem Asphalt nicht nur näher (die Karosserie senkt sich um 10mm), man spürt selbigen auch viel deutlicher. Da die von uns selektierten Straßen jedoch nicht alle in einem optimalen Zustand waren, kann die Sporteinstellung des PASM nicht durchgängig empfohlen werden 😉

Kurzer Zwischenstopp am Mehliskopf (mit Restschnee)

Unabhängig vom Fahrwerksmodus bleibt eines immer gleich: Der vorprogrammierte Adrenalinschub, wenn man vor der Kurve anbremst, diese im zweiten durchfährt, danach bis ca. 110km/h beschleunigt (und dabei ein infernalisches Schreien des Motors zu hören bekommt) um mittels knackiger Schaltung in den dritten rauf zu schalten (was der Motor erneut mit einem basslastigen Brummen quittiert). Das ganze lässt sich nur noch steigern, in dem man am Kurvenausgang etwas früher aufs Gas geht, was ziemlich vorhersehbar zu einem leichten Ausbrechen des Hecks führt. Dabei fühlt man sich niemals überfordert, denn das Stabilitätssystm (PSM) greift konsequent und zuverlässig ein, bevor es brenzlig wird. Soviel Gänsehaut hatte ich jedenfalls beim Kurvenräubern definitiv noch nie.

Als das Gelände dann wieder flacher und der Verkehr mehr wurde, spürte ich die Spuren der vergangenen Stunden. Müdigkeit kehrte ein und genau wie Dani kuschelte ich mich tief in die bequemen Sportsitze, schmiegte meinen Kopf an die Kopfstütze (im TT geht das übrigens nicht – da ist selbige äußerst unflexibel) und folgte den Ratschlägen der Schaltempfehlungsanzeige. Letztes Highlight des Tages war dann ein kurzes Stück (tempolimitierte) Autobahn, welches auf Grund der unbeschreiblichen Souveränität des Caymans zur Kür wurde. Mit immer ausreichenden Leistungsreserven gelingt jeder Einfedelungsvorgang und das Fahrzeug bedankt sich artig mit einem aufschreien des Triebwerks im Heck.

Die 150km Kurvenhatz heute lassen sich eigentlich nur wie folgt zusammenfassen: Achterbahnfahren mit Selberlenken – Klingt doof, ist aber so. Die Kurvengeschwindigkeiten sind gigantisch, die Positionierbarkeit des Autos von mir bisher so nie erlebt, der Seitenhalt in den Sitzen perfekt und der Motor spielt dazu zu jedem Zeitpunkt den richtigen Soundtrack. Das so ein Auftritt nicht nur dem Fahrer Spaß macht, mussten wir mitten auf der Schwarzwaldhochstraße feststellen. Nach einigen spannenden Kurvenkombinationen näherten wir uns einer Spitzkehre mit Tempolimit 50km/h. Kurz nachdem ich diese (mehr oder weniger) erreicht hatte, entdeckten wir mehrere Polizisten und Wanderer an einem Parkplatz nahe der Kehre. Ich hätte am liebsten in den Schleichmodus gewechselt, doch anstatt böser Blicke gab es von allen Beteiligten nur ein breites Grinsen und dazu ein herzhaftes Lachen meiner Beifahrerin.

Der Cayman, ein Sympathieträger
Bis zum Horizont...

Ein wenig Statistiken über den Tagesverlauf – ganz frisch aus dem PCM (cooles Feature):

Die Zahlen des Tages - der Ölpreis: steigend

Abschließend die GPS-Aufzeichnung der Tagestour – toll für Technikbegeisterte 😉

GPS-Aufzeichnung unserer Probefahrt [deltazoom=0;gpxelevationcolor=green;gpxspeedchart=show;gpxcheckpointinterval=10;]

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