BMW 535i GT Testdrive

Ein jeder Autonarr kennt wahrscheinlich die folgenden Problemchen:

  • Die Automatik schaltet zu ruckelig oder mit Vorliebe in den falschen Gang
  • Das iPhone klingt über die Freisprecheinrichtung zu leise
  • Die Sprachdialogsteuerung versteht alles, nur nicht die eigene Sprache
  • Das Handy nimmt sein Adressbuch eher mit ins Grab, als es mit dem Auto zu teilen
  • Das Display des Tachos wirkt pixelig
  • Die Großraumlimousine versprüht die Sportlichkeit eines Stachelschweins
  • Das Coupe ist so übersichtlich wie die Queen Mary 2
  • Das Multimediasystem wirkt wie auf dem Stand eines 486ers

Auch ich hab all das schon erlebt – natürlich nicht in ein und dem selben Fahrzeug aber verstreut über die verschiedensten Klassen hinweg. Nun scheint es aber so, als ob ich ein Fahrzeug gefunden hab, dass einen Großteil dieser Probleme löst und dabei noch wahnsinnig viel Spaß macht: Den 535i GT.

Doch der Reihe nach: Eine tolle Sixt Aktion, mal wieder ein Jubiläum (noch dazu ein relativ „rundes“) und die Sehnsucht nach einem tollen Fahrzeug. So landete ich auf der Aktionspage von Sixt zum Thema LDAR – klingt gut. Fix über den ADAC gebucht (gibt bei nahezu gleichem Preis kostenlos die Vollkasko- und Insassenversicherung dazu) und sofort mit der Vorfreude begonnen.

Am Abend vor dem Mietbeginn dann ein Besuch bei der Zielstation: Okay, noch kein Fahrzeug in der gebuchten Klasse vor Ort. Leider entdeckte ich jedoch ein 320i Coupe, was laut mietwagen-talk.de ja gern als LDAR-Ersatz vermarktet wird. Einige Stunden später stand dann fest: SLK 200, 320i Coupe oder E200 T-Modell könnten mein Fortbewegungsmittel für die nächsten Tage sein. Mit riesigen Begeisterungsstürmen verließ ich die Station in Richtung Frankfurt Flughafen .. vielleicht geht ja da was. Es ging natürlich nichts. LDAR ist ja ganz schwierig und alle seien am Suchen und sonst natürlich gar keine Alternative verfügbar. Jam jam, so stell ich mir Kundenservice vor.

Nach dem Arbeitstag und auf dem Weg zum Hotel startete ich sie dann, meine Mission Impossible: Halte an jeder größeren Sixt Station, die auf deiner Route liegt.

Einige Irrungen in Darmstadt-Weiterstadt und noch mehr Wirrungen in Mannheim am Hauptbahnhof später, landete ich in der Allemanenstraße in Mannheim und wie sich kurze Zeit später herausstellte beim kooperativsten Sixt Partner, den ich kenne. Der Mitarbeiter vor Ort gab sich wirklich viel Mühe ein passendes Fahrzeug für mich zu finden, bis er schließlich meinte: „Wir hätten da was am Baden Airpark .. aber der ist wahrscheinlich zu weit ausserh..“ – Nix da – 18km Umweg sind heut mein geringstes Problem. Also wurde kurzerhand der Wechsel vereinbart und ich begab mich schleunigst zurück in „mein“ 320i Coupe. Selbiges ist übrigens ganz nett, die 170 PS fühlen sich allerdings nicht wirklich spannend an. Angenehm: Keyless go, weniger toll: das kleine Navi.

Eine Stunde später erreichte ich den Baden Airpark und nach kurzem Laufen den Sixt Counter. Dieser händigte mir nach einem kurzen und freundlichen Dialog DIE Schlüssel aus und ich wusste: Jetzt kann ja nix mehr schief gehen. Ich fuhr das Spaßbremsen-Cabrio neben seinen großen Bruder und bereits beim Umladen kam ich aus dem Grinsen nicht mehr raus. Das helle Leder der Innenausstattung im Kombination mit den dunklen Holzapplikationen und dem Panoramaglasdach führten zu einem Raumgefühl, das kaum zu überbieten ist und das enormes Wohlfühlpotential birgt.

Coupe meets GT - eine "geringfügige" Steigerung
Ein 7er, ein X6 und eine kalte Winternacht - schon war der 5er GT geboren.. (möchte man meinen)
Der Innenraum - über alle Zweifel erhaben

Zwar ist der Kofferraum des 5er GTs recht klein, doch das kompensiert das Fahrzeug durch umso mehr Ausstattung. Das von mir gefahrene Modell verfügt über jede Menge Nettigkeiten wie z.B. das Navi mit Internetanbindung, Spurwechselassistent, Rearseat Entertainment, Aktivsitze, Sitzheizung 4x, Panoramadach, Rückfahrkamera, Komfortzugang, Automatisch schließende Türen (total geil), Adaptives Fahrwerk, Verkehrszeichenerkennung, 19″ Felgen sowie eine Acht-Gang Automatik, welche an einen 6 Zylinder mit Biturboaufladung anknüpft.

Das sportliche Herz des Bayern - 6 Zylinder, 2 Turbolader, 306 PS

Zusammenfassend führt das zu einem absolut eleganten Fahrgefühl mit jeder Menge Power. Dank Turbo dreht das Aggregat willig hoch und wenn die Automatik bei knapp 7000 Umdrehungen schaltet, entwickelt die Maschine dabei einen ziemlich genialen Sound. Wenn man diesen nicht abrufen möchte, gleitet man einfach nur dahin und erfreut sich an viel Souverenität, nicht spürbaren Schaltvorgängen und einem beispielosen Multimedia System.

Selten gelang es mir so problemfrei und flüssig beim Fahren zu telefonieren und dabei komfortabel aus dem Adressbuch des Handys zu wählen und noch seltener fühlten sich 230 km/h auf der Autobahn an wie eine Sonntagsspazierfahrt mit 90km/h auf der Landstraße (kein Wunder bei 3500 Umdrehungen dank achtem Gang).

Wenngleich der 5er GT über eine gewöhnungsbedürftige Optik verfügt, ist das Fahrzeug aus technischer Sicht wirklich vollends überzeugend und begeistert durch Perfektion, intuitive Bedienbarkeit und ein großartiges Fahrgefühl. Die leicht erhöhte Sitzposition in Kombination mit der sehr angenehm zu bedienenden Lenkung und der guten Abschätzbarkeit des Fahrzeugs (zumindest nach links und rechts) machen das Reisen auch auf längeren Strecken sehr angenehm und kurzweilig.

Prägnante Impressionen auch am Heck

Natürlich gab es auch unangenehme Seiten an diesem tollen Auto: Beispielsweise den Verbrauch. Dank 70 Liter dank ist zwar trotz einem Durchschnittsverbrauch von teilweise >15l / 100km eine annehmbare Reichweite realisierbar, doch wenn nach einem Auftankvorgang die hübsch realisierte Restreichweitenanzeige 490km verkündet, ist man doch etwas frustriert. An dieser Stelle sei natürlich nicht unerwähnt, dass es auch möglich war auf einer Strecke von 210km nur 10,4l/100/km im Schnitt zu verbrauchen .. aber dann schwimmt man auch mit Mühe und Not und niemals schneller als 130km/h im Autobahnverkehr mit. Darüber hinaus waren beim von mir gefahrenen Fahrzeug sehr deutlich pfeifende Windgeräusche ab ca. 210km/h zu vernehmen – absolut nervig und einem Fahrzeug im Segment: 80 000€+ nicht wirklich angemessen.

Ein Anblick den man wohl öfter als gewünscht sehen wird - der 5er beim Tanken

Nach diesen kleinen Minuspunkten möchte ich an dieser Stelle gern noch auf einige Ausstattungsmerkmale eingehen. So macht das Rearseat Entertainment System den ohnehin schon einladenden Fond nochmals attraktiver, konnte aber mangels nicht mitgelieferter Fernbedienung kaum getestet werden. Dafür erfreute ich mich umso mehr an der Rückfahrkamera und dem SideView System. Wenngleich man sicher etwas Zeit braucht um sich an die neuen Hilfsmittel zu gewöhnen (zumindest ich hatte beim Rückwärtsfahren so meine Probleme Rückspiegel, Außenspiegel, sonstige Umwelt und Rückfahrkamera unter einen Hut zu bekommen) stellen sie einen enormen Gewinn an Sicherheit um Komfort dar.

Sideview - allerdings auf einem leeren Parkplatz
Rückfahrkamera mit Hindernis-Erkennung: Bitte lächeln!

Selbiges gilt auch für das große Navigationssystem mit Internetanbindung, welches in einem längeren Stau durch die sprachlich sehr beeindruckende Vorlesefunktion für Nachrichten begeisterte. Sprachsynthese in dieser Qualität habe ich bisher so jedenfalls nur sehr selten erlebt.

Drahtlose Anbindung an die Neuigkeiten der Welt

Zusammenfassend ist der 5er GT für mich ein Fahrzeug das technisch auf dem neusten Stand ist als Reiselimousine mit sportlichen Ambitionen vollends überzeugen kann. Weniger empfehlenswert fand ich das Aggregat (ein 530d ist sicher völlig ausreichend) und auch der Kofferraum ruft den ein oder anderen Schmunzler hervor. Positive bis fragende Blicke fängt der Wagen jedoch auf Grund seiner ziemlich eigenwilligen Karosserieform und seiner ausladenden Front- und Heckpartie ein. An dieser Stelle sei auch das Nachtdesign mit den LED-Celis-Ringen und den großdimensionierten Rückleuchten erwähnt, welche ich wirklich sehr gelungen fand.

Ästhetik bis ins Detail: Frontscheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht
Gut gelaunter Reisender in einer Reiselimousine

Folgend noch ein paar gemischte Impressionen für den neugierigen Betrachter:

Kurzurlaub in Trier

Wenn der Job stressig ist, muss es manchmal etwas Außergewöhnliches sein .. wie zum Beispiel ein Urlaub auf Speed 😉 Unsere Version dieser Idee bestand in zwei Nächten und insgesamt 2 Tagen Trier – also Kultur pur.

Los ging es am Freitag gegen 14:00 Uhr und nach einer nicht ganz so tollen Fahrt erreichten wir rund 2,5h später unsere Heimat für nächsten zwei Nächte: Das nicht mehr ganz frische, äußerlich wenig attraktiv und innen ebenfalls recht lieblose Mercure Hotel. Insgesamt eine annehmbare Behausung, der jedoch ein wenig das Moderne fehlt und in der einfach nicht das Gefühl der „Gastlichkeit“ .. also dem „zu Hause fühlen“ aufkommen will. Wer schon mal in einem wirklich tollen Hotel war, weiß was ich meine.

Das tolle am Mercur ist jedoch seine Lage und so konnten wir nach einer kurzen Pause zum Auspacken sofort in die City starten. Diese befindet sich quasi unmittelbar vor der Tür des Hotels und wartete auch an einem Freitag Abend mit zahlreichen Besuchern und tollen Eindrücken auf uns.

Trierer Innenstadt am Freitag Abend

Nach einem kurzen Bummel durch die Einkaufsmile begaben wir uns gegen 21:00 Uhr zur Erlebnisführung „Der Teufel in Trier“. Diese vermittelte teils im Frankenturm, teils an historischen Plätzen in Trier eine unterhaltsame Geschichte und war ideal um etwas touristische Urlaubsstimmung einzufangen. Im Fackellicht und zusammen mit ca. 30 anderen Interessierten folgten wir unserem „Erzähler“ etwas mehr als 1:15h durch die Innenstadt, um abschließend eine recht aufwändige Aufführung im Frankenturm zu sehen.

Insgesamt ein nettes Erlebnis, dass wir bei einem McSundae auf dem Weg zurück zum Hotel ausklingen ließen.

Der Samstag war dann unser einziger vollwertiger Tag in Trier und verfügte daher über eine ziemlich straffe Agenda. Gleich zu Beginn des Tages (nagut, kurz nach dem Frühstück auf dem Hauptmarkt) besuchten wir die äußerst beeindruckende Multimediashow „Im Reich der Schatten“. Wer nicht glaubt dass sich die Motive auf mehr als 1500 Jahre alten  Säulen bewegen können, dem sei ein Besuch dringend empfohlen. Die insgesamt 45 minütige Vorführung kombiniert eine relativ interessante Geschichte mit historischen Funden und modernster Technik. Selten zog ein Gewitter so realistisch auf, schwammen Fische so lebensecht um einen herum. Hier wird wirklich gezeigt, was heute möglich ist und auch technisch anspruchsvolle Naturen kommen definitiv auf ihre Kosten. Ich fühlte mich zeitweise etwas an ein Holodeck erinnert 😉

Anschließend schauten wir uns dann noch ausgiebig die Exponate des Rheinischen Landesmuseums an und Dani konnte ein weiteres mal neue Freunde finden 😉

Fragt mich nicht warum der Bär dem Schwein die Augen zu hält..

Nach diesem ziemlich modernen Event, ging es mit den eher klassischen Sehenswürdigkeiten der ältesten Stadt Deutschlands weiter.

So trugen uns unsere Füße zunächst in die Kaiserthermen und anschließend in das Amphitheater. Dabei konnten wir uns stets über besten Sonnenschein und 26°C freuen – wirklich tolles Wetter um einen so erlebnisreichen Tag zu verbringen. Insbesondere beim Amphitheater vermisst man zwar einige erklärende Tafeln, kommt jedoch aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn man sich rekonstruierte Fotos vom Originalzustand des Gebäudes und seiner riesigen Dimensionen ansieht. Unbedingt empfehlenswert ist auch der Gang durch die unteren Katakomben .. unbeschreiblich, wie sich die Darbieter der blutigen Schlachten hier vor dem Kampf wartend gefühlt haben müssen.

Die Ruinen der Kaiserthermen vor strahlend blauem Himmel
Das Amphitheater - heute nur noch ein Schatten seiner selbst

Nachdem wir uns diese eher weltlichen Gebäude angesehen hatten, ging es zurück in die Stadt .. genauer gesagt zum Dom und zur Basilika. Da an diesem tollen Samstag jedoch gleich mehrere Trauungen stattfanden, musste wir zunächst noch ein paar Minuten in der Dschungelausstellung der neuen Trier Gallerie verbringen, was jedoch ebenfalls sehr interessant war.

Sowohl Dom als auch Basilika beeindruckten uns durch ihre gigantischen Dimensionen (Höhe der Basilika: 33m) und sind unbedingt einen Besuch wert. Wem nach soviel Ehrfurcht das Bedürfnisse nach etwas eher „blumigen“ aufkommt, dem sei das angrenzende Palastgarten dringend empfohlen. Dieser strahlt eine wirklich tolle Harmonie aus und lädt geradezu zum Entspannen ein.

Beweglicher Springbrunnen im Palastgarten
Blick vom Palastgarten auf die Basilika

Wer denkt so langsam wäre es genug für einen Tag, der irrt. Schließlich ist das Wochenende kurz und diese Stadt viel zu vielseitig für so wenige Stunden. Mit schon recht schmerzenden Füßen begaben wir uns also zum Hotel, holten das Auto aus der Versenkung (Tiefgarage für nur 9,50€ / 24h) und fuhren zum Petrisberg. Dort angekommen vergnügten wir uns ausgiebig mit den dort montierten Klangspielzeugen und dem Wasserspielplatz. Auch die atemberaubende Aussicht in den Sonnenuntergang soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

Eigentlich ist ein einziger Abend viel zu kurz um die vielen Facetten des Areals um den Petrisberg auch nur ansatzweise einfangen zu können und so werden wir sicher nochmal wiederkommen!

Dani auf den Spuren von Safri Duo
Ganz klassische Fördertechnik
Und auch ganz moderne Varianten der Wasserbeförderung (die nicht ganz so toll funktionierten)
Am Ende der Kette dann wieder gute alte Baufahrzeuge
Soviel Freude verlangt einfach nach einer Nahaufnahme

Auch nach diesen tollen Erlebnissen und bei einsetzender Dunkelheit sollte der Tag für uns noch nicht beendet sein. Bevor wir unseren Nachtspaziergang durch die Stadt starteten, ließen wir uns erst noch aus einem Kartoffelrestaurant rauswerfen .. Essen gegen 22:00 Uhr sollte man hier vielleicht nicht unbedingt 😉

Der Dom bei Nacht
Auch die Porta wird effektvoll angestrahlt

Danach ging es dann aber wirklich ins Bett .. nur um am nächsten Tag ähnlich weiterzugehen. Leider war uns das Wetter am Sonntag (wie vorhergesagt) nicht mehr ganz so hold und so absolvierten wir die absolut mitreißende, unterhaltsame und dringendst empfehlenswerte Erlebnisführung „Das Geheimnis der Porta Nigra“ in Jacke und mit langen Hosen. Die etwas über 75 Minütige Vorstellung über die Geschichte der Porta und das mit ihr verknüpfte Schicksal des Kriegsgottes Mars hat einfach nur Spaß gemacht und war für mich das persönliche Highlight unseres Kurzrurlaubs. Das mag möglicherweise auch damit zusammenhängen, dass ich als Soldat der römischen Legionen mit lautem Brüllen einen imaginären Stein auf die ebenfalls imaginären Feinde vor dem Tor (tatsächlich standen da ziemlich viele Touristen…) werfen musste und dabei aus vollem Halse von meinen Mitkriegern akutstisch unterstützte wurde.

Nach einem abschließenden Spaziergang entlang der Mosel setzten wir dann Kurs gen Heimat – die insgesamt zwei Tage Druckbetankung voller Impressionen und Emotionen haben einfach ausgereicht und so langsam ihren Tribut von Fuß und Geist gefordert.

Wer Interesse an Kultur und römischer Geschichte hat, dem sei ein Kurzurlaub in Augusta Trevorurm jedenfalls wärmstens empfohlen.