Teilnahme am Bad Homburger Kurparklauf 2011

Die Oberschenkel brennen etwas, die Beine sind schwer .. was war passiert? Ich bin erstmals und relativ kurz entschlossen beim Bad Homburger Kurparklauf 2011 mitlaufen.

Neben dem Volkslauf (10km) gab es beim recht traditionsreichen, zum 18. Mal stattfindenden Event auf die Möglichkeit am „Jedermannslauf“ über 5km teilzunehmen .. aber wenn schon, denn schon. Auf größtenteils asphaltieren Straßen bzw. Wegen galt es also vier Runden im Herzen Bad Homburgs zu drehen, die mit mehr oder minder starken Steigungen bzw. Gefällen gar nicht so einfach waren, wie man es zunächst vermuten würde.

Da ich bis zu letzt nicht 100%ig von der Teilnahme überzeugt war (unsichere Wochenendplanung und unklare Wetterverhältnisse) entschloss ich mich gegen eine Online-Anmeldung, weshalb wir bereits eine halbe Stunde vor dem Start und damit spätestens um 10:00 Uhr vor Ort sein mussten. Das war soweit absolut unproblematisch, als dass wir sowieso schon um 06:45 Uhr wach waren .. wenn Sebastian Vettel schon jüngster Doppelweltmeister wird, will man das ja zumindest aus der Ferne miterleben 😉 Gut 5 Runden vor Schluss brachen wir also auf und steuerten zielsicher die von den Veranstaltern empfohlene Garage der Spielbank an. Da Bad Homburg (zumindest zu diesem Zeitpunkt) noch angenehm leer war, erreichten wir das Ziel zügig und ohne Umwege; freie Kapazitäten waren zudem im Überfluss vorhanden.

Wenige Minuten später fanden wir uns auch schon in der Schlange vor dem Schalter „Nachmeldungen“ wieder und zügig war der Anmeldebogen gegen die Startnummer 276 getauscht. Da ich – was öffentliche Events angeht – bisher ja erst 2x am JP Morgan Run teilgenommen hatte und über keinerlei Erfahrungen mit öffentlichen Laufveranstaltungen verfügte, war ich ob der vielen recht professionell wirkenden Teilnehmern doch recht überrascht. Wirkt man beim JPMCC mit einer Laufhose schon beinahe overdressed, waren beim Kurparklauf doch nahezu alle Teilnehmer in entsprechender Ausrüstung vor Ort. So verbrachte ich die letzte halbe Stunde beim Start außer mit Frieren (8°C) auch mit der Überlegung, ob ich wohl als Letzter oder Vorletzter durchs Ziel kommen würde. Dani wirkte meinen aufkeimenden Zweifeln in gewohnt liebevoller Art entgegen, in dem sie sich beiläufig nach der Maximalparkdauer in der Tiefgarage erkundigte 😉

Irgendwann war es dann so weit und das Gedränge um den Startbereich wurde merklich enger. Allerorts piepsten die Puls- und Stoppuhren, während die Organisatoren ein paar letzte Hinweise („10km bedeutet VIER mal hier durchlaufen“) gaben. Wenige Augenblicke später unterbrach ein einigermaßen lauter Schuss die sonst recht fetzige Livemusik der Band (Stimmung schadet nie) und 275 Läufer begaben sich auf die 10km lange Strecke. Während die Morgensonne den Kurpark in ein tolles Licht tauchte, versuchte ich einen einigermaßen freien Laufbereich zu finden und suchte – wohlwissend das 10km etwas länger als meine übliche Laufstrecke sind – mein ganz eigenes Lauftempo.

Auf die Plätze, fertig, *Peng*

Wie bei jedem Massenlauf dominierte auf den ersten Kilometern natürlich der Spaß. Es ist (übrigens ganz ähnlich wie bei einer Porscheausfahrt) einfach cool jede Menge Läufer vor einem auf der Strecke zu sehen und bei einem kurzen Schulterblick noch mehr Sportler zu entdecken, die sich wie an einem langen Band gezogen entlang des vorgegebenen Pfades bewegen. Am Wegesrand stehen ab und an interessierte Zuschauer und als völlig unbedarfter Teilnehmer freut man sich in Runde 1 über den bis dahin noch nicht 100%ig klaren Rundenverlauf .. schön. Auf Höhe der Kaiser Friedrich Promenade entdeckte ich dann plötzlich auch Dani am Wegesrand, was mir abermals ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Da war die Welt noch in Ordnung 😉

Kurz nach diesem Schnappschuss kippte die Stimmung minimal, denn nicht alles war so wirklich optimal. Zum einen rutschte mein (vorher eigentlich extra enger gestellter) Brustgurt permanent in Richtung Erde und konnte nur durch meinen Bauch gestoppt werden (okay, diesmal also keine Pulsauswertung) und zum anderen hatte ich beim ca. 300m langen Bergabstück zwischen Schwedenpfad und Kisseleffstraße zunehmend und wie befürchtet mit Seitenstichen zu kämpfen. Selbige erwischen mich auch beim sonstigen Training vornehmlich bei Abschnitten mit negativem Gefälle und führen (zumindest in meinem Fall) nicht selten zu einer Zwangspause. Okay, es war Runde 1, mir ging es noch richtig gut und die Schmerzen gingen zum Glück sehr schnell wieder vorbei. Schneller als gedacht (rund 11:30min nach dem Start) überquerte ich das erste Mal die Start- und Zielgrade und freute mich ein weiteres mal über die gute Stimmung nebst Anfeuerungsrufen im Kurpark.

Während Dani sich den Bauernmarkt nahe des Kurhauses anschaute, begab ich mich (langsam schon etwas durchgeschwitzt) auf Runde zwei. Auch diese lief soweit sehr gut, wobei die Anzahl der mich Überholenden deutlich geringer als während der ersten 2,5km war. Unerfreulicherweise  kehrten genau beim gleichen Abschnitt wie beim ersten Durchlauf die Seitenstiche zurück .. diesmal jedoch deutlich intensiver als zuvor. Die Schmerzen waren kurzzeitig so heftig, dass ich tatsächlich einen frühzeitigen und schmachhaften Rennabbruch in der Nähe des Steigenbergers in Erwägung zog .. das dann aber nicht mit meinem Ego vereinen konnte. Glücklicherweise ließen die Schmerzen nach einer Veränderung der Atemtechnik einigermaßen nach, so dass ich nach weiteren rund 13 Minuten die zweite Runde absolviert hatte.

Weil es so schön war nochmals ein paar Impressionen vom Start

Bedingt durch diesen kleinen „Defekt“ verlor ich jedoch jeglichen Anschluss an meine eigentliche Laufgruppe, was ich zu diesem Zeitpunkt schon etwas frustrierend fand. Runde drei lief ansonsten richtig und machte zunehmend mehr Spaß. Auf den ebenen Abschnitten und solchen mit positiver Steigung fühlte ich mich sehr wohl, versuchte es aber im bereits beschriebenen „Problemsektor“ eher ruhiger angehen zu lassen. Während man so unterwegs ist, macht man sich manchmal aber doch Gedanken um die eigene Platzierung. Dies tritt umso stärker in den Vordergrund, wenn man einigermaßen erschöpft aber voller Zuversicht von einer mindestens 30 Jahre älteren Dame überholt wird, die mit Hinblick auf ihren Erschöpfungsgrad noch in der ersten Runde zu seien scheint.

Die vierte und damit letzte Runde war dann an und für sich kein Problem mehr und ich merkte, dass ich – abgesehen von „Vorsichtsmaßnahmen“ durchaus optimistischer hätte ins Rennen gehen können. Die letzten 300m legte ich folglich auch im Sprint zurück, den Dani im Rahmen des „Finisherfotos“ auch effektvoll eingefangen hat 😉 Das Ziel erreichte ich nach 53:02min gemäß der offiziellen Zeit und damit „nur“ (…) 18 Minuten nach dem Erstplatzierten.

Kamerafreundlicher Endspurt

Da ich mich in den durchgeschwitzten Klamotten und mit Hinblick auf die nach wie vor recht kühlen Temperaturen nicht so wirklich wohl fühlte, setzten wir zügig Kurs nach Haus und damit direkt in eine wärmende Dusche.

Nach einer kurzen Pause haben wir uns übrigens abermals in Richtung Bad Homburg begeben, dass jedoch so voll war, wie lange nicht mehr. Nach einer rund 25 Minütigen Parkplatzsuche war uns dann durchaus bewusst, dass Erntedankfest und verkaufsoffener Sonntag bei absolut traumhaftem Wetter doch deutlich mehr Menschen als zunächst erwartet anlockten und unser Plan eines „lockeren Spaziergangs“ in der City doch etwas realitätsfern war. Trotzdem wurde irgendwann alles gut, wir fanden einen Parkplatz, mischten uns unters bunte Volk und genossen – so wie viele andere – die schöne Atmosphäre auf der Luisenstraße.

Viel Gewusel in der City

Pünktlich um 20:00 Uhr abends gab es dann übrigens die Ergebnisse, die – für mich ganz persönlich – doch etwas frustrierend ausfielen: Platz 19 von 22 in der Gruppe von 20 – 29 und Platz 174 von 275 Finishern insgesamt. Okay, ich stehe derzeit nicht voll im Training, war mit meiner eigenen Performance ganz zufrieden und habe ja eh nur zum Spaß mitgemacht .. aber insgesamt hatte ich doch gehofft etwas weiter vorn zu landen. Um in meiner Klasse unter die Top 10 zu kommen, hätte ich übrigens insgesamt 10 Minuten schneller laufen müssen .. eine ziemlich heftige Herausforderung.

Insgesamt war die Teilnahme am Kurparklauf eine gute Entscheidung .. das Event war sehr gut organisiert, es herrschte bei Weitem nicht so ein Gedränge wie beim JP Morgan Run und nach den 1okm und dem erfolgreichen Zieleinlauf fühlt man sich einfach toll 😉 Fazit: Nächstes Jahr bestimmt mehr!

Zur Abwechslung gibt es heute mal einen Verweis zur Trainingsanalyse bei Garmin und keine Trackaufzeichnung: Link (bitte beachten: Der Brustgurt ist verrutscht .. die Messwerte für den Puls sind also völlig sinnfrei).

Spätsommertag am Edersee

Was macht man nach einer ziemlich anstrengenden Arbeitswoche, wenn zudem das – zumindest laut Wetterbericht – schönste Wochenende in den nächsten Monaten ansteht? Man schnappt sich zum Beispiel das Cabrio und verbringt einen richtig schönen Tag am Edersee. Doch der Reihe nach ..

Wie an jedem Wochenendmorgen wurden wir mehr oder weniger lieblos vom aufregt trötenden Smartphone geweckt .. dieses Mal jedoch ungewohnterweise von Danis (hat alles so seine Gründe 😉 ). Bereits Augenblicke (und das obligatorische Zähneputzen) später eilte ich hoch motiviert in Richtung Bäcker – wir hatten heute schließlich viel vor und wollten uns angemessen für die Herausforderungen des Tages stärken. Obgleich unser lokaler Brötchenlieferant hinsichtlich der Auswahl nicht so ganz mit der Konkurrenz in Warnemünde mithalten kann (ich berichtete..), war ich doch in der Lage ein paar leckere Brötchen nebst abermals deliziöser Quarkbällchen zu erstehen .. die ideale Basis für ein bewegungsintensives Programm 😉

Kurz nach 09:00 Uhr fanden wir uns dann auch schon auf der A5 wieder und segelten unter freiem Himmel (und verpackt in wärmende Jacken) gen Norde. Während die ersten 80km bis Marburg eher langweilig aber dafür schnell waren, kam spätestens auf den letzten 70km bis zum Ziel Spätsommer- und Herbstfeeling auf. Die Sonne beleuchtete unser Cabrio durch einen strahlend blauen Himmel und bereits leicht verfärbte Bäume säumten unseren Weg zum Edersee.

Die Straße kurvig, der Himmel blau .. was will man mehr?

Ziemlich genau gegen 11:00 Uhr erreichten wir auch schon die erste Station des Tages: Die Eder-Draisine (Link zur Homepage). Nachdem wir den Boxster auf dem sehr schönen und großzügig dimensionierten Parkplatz der Touristeninformation abgestellten hatten, fragten wir in selbiger gleich ganz munter nach dem Startpunkt unserer Bahnfahrt mit Muskelkraft. Die freundliche Dame verwies uns direkt auf die gegenüberliegende Straßenseite, wo die sich die Draisinen-Strecke malerisch entlang des Affolderner Sees schlängelte. Dieses sehr schöne Bild erinnerte mich etwas an meinen Kurzbesuch in der Schweiz, und während ich noch so vor mich hin träumte, trat Dani schon an die Herrin der fahrbaren Untersätze heran. Bevor wir auf die Strecke gehen konnten, mussten wir jedoch noch ein paar Minuten warten, da zum einen nur ein Gleis vorhanden ist und dieses zum anderen bereits von einer anderen Gruppe sportlicher Touristen belegt wurde. Die kurze Wartezeit überbrückten wir mit einem kleinen Spaziergang am See .. so muss ein Septembermorgen aussehen.

Hintergrund toll, Vordergrund noch tollerer 🙂

Schließlich stand unser Vehikel auch schon bereit und nach einer kurzen Einstellung der Sättel (leider handelte es sich um eine Tret-Draisine, weshalb die abendlichen Liegestütze keinen unterstützenden Effekt haben sollten) setzten wir uns langsam in Bewegung. Bereits auf den ersten Metern fiel uns auf, dass man als Draisinen-Antreiber Gefühl braucht, da andernfalls die mühevoll aufgebrachte Energie durch Schlupf der Räder sinnlos verpufft. Trotzdem erreichten wir recht bald die vermeintliche Höchstgeschwindigkeit unseres rollbaren Untersatzes und ratterten ein wenig wie ein ICE auf einem Baustellenabschnitt mitten durch die Natur. Selbige versucht das Gleis übrigens permanent für sich zurückzugewinnen, so dass man oftmals das Gefühl hat die rankenden Büsche würden einen jeden Moment streifen. Dem ist aber nicht so, weshalb sich die Strecke wirklich sehr harmonisch in die Landschaft einfügt und die rund 2,5km bis zum Wendepunkt viel Spaß machen. Wir hatten sogar soviel Freude am Treten, dass wir ein paar Augenblicke vor dem Streckenwart ankamen, der uns von seinem Fahrrad aus leicht keuchend fragte, ob wir denn auf der Flucht seien 😉

Nur keine Schwäche zeigen..

Nachdem unser Tretmobil fachmännisch gewendet wurde, begaben wir uns nach einer kurzen Pause erneut zurück in Richtung Startpunkt. Dabei ergaben sich immer mal wieder tolle Blicke auf den See, während die Fahrer der Draisine vor uns – angetrieben von ihren Kindern bzw. Enkeln – offensichtlich arg damit zu kämpfen hatten, den obligatorischen Sicherheitsabstand von 50m aufrecht zu erhalten 😉 Die wirklich lustige Draisinenfahrt in traumhafter Landschaft war nach rund 45 Minuten und ca. 5km viel zu schnell beendet .. die 12€ waren es aber trotzdem wert.

Ein lustiges Vehikel - nur nicht allzu schnell

Nach derart erheiternder Morgengymnastik wechselten wir abermals in einen motorisierten Untersatz und steuerten den Boxster auf schönen Straßen zum nur 3km entfernten Baumkronenweg; neudeutsch „TreeTopWalk“ getauft. Bereits auf diesem kurzen Abschnitt gab es immer mal kurze Sichtachsen zum Edersee (den wir übrigens – passenderweise – bei einer Porscheausfahrt kennengelernt haben), was viel Lust auf mehr machte.

Am bereits recht gut frequentierten Parkplatz angekommen, entrichteten wir schnell den üblichen Obolus und begaben uns anschließend zielsicher über den Eichhörnchenpfad in Richtung Baumkronen. Allerdings ist hier sprichwörtlich der Weg das Ziel, denn auf dem Weg zum „Aufstiegspunkt“ gibt es allerlei sehr liebevoll umgesetzte Exponate u.a.. in Form eines überdimensionalen Kobels, verschiedener Skulputren sowie mehrere Hufabdrücke zu sehen. So wird bereits der Weg zur Sehenswürdigkeit zum Highlight und macht viel Spaß. Irgendwann kamen wir dann auf einer Art Lichtung an, die ein wenig an ein neu gebautes Fort erinnerte und bereits aus der Ferne unglaublich aufwändig aussah. Da man im Hintergrund bereits die sehr ansprechend umgesetzten „Tulpen“ (Stützpfeiler mit ansehnlichen Verzierungen) des TreeTopWalks sah, hatten wir ganz offensichtlich den Eingangsbereich desselben erreicht.

Aufstieg zum TreeTopWalk

Bereits der Aufstieg zum Baumkronenweg wirkt also äußerst modern und ansprechend, über mehrere gewundene Pfade erreicht man schnell die verschiedenen Zwischenstationen auf dem Weg zum Gipfel. Unterwegs finden sich ab und an tierische Exponate (aus Holz, versteht sich), die sich liebevoll in die Szenerie einfügen und die gesamte Anlage zugleich liebevoll und detailreich wirken lassen – schön.

Garantiert handzahm!

Von Meter zu Meter hebt man sich mehr vom Erdboden ab und der Blick nach unten wirkt (trotz der semitransparenten Gitter) zunehmend spektakulärer. Leider erreichten wir viel zu schnell den höchsten Punkt, der sich in rund 30m Höhe befindet und eine tolle Aussicht über den Edersee bietet. Wie an dieser Stelle das ebenfalls buchbare Dinner stattfinden soll, konnten wir uns übrigens nicht so recht vorstellen 😉

Nach ein paar Minuten in luftiger Höhe machten wir uns so langsam auf den Rückweg und verglichen den an sich sehr schön realisierten, 250m langen TreeTopWalk mit der Raubtier-WG im Natur und Umweltpark Güstrow. Obgleich beide auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam zu haben scheinen, finden sich in der Realität doch einige Parallelen. An beiden Orten hat man die Gelegenheit in einigermaßen luftiger Höhe (okay, 5m vs. 30m) zu wandeln und dabei die Natur zu genießen. Ferner sind beide Anlagen recht naturnah (u.a. in Form von Handläufen aus Holz) angelegt, was ebenfalls zu einem gewissen Wiedererkennungswert führt. Dabei fällt auf, dass der Panoramaweg im NUP zum einen deutlich länger als am Edersee ist und zum anderen auch die Verarbeitung hier liebevoller wirkt (keine herausstehenden Splitter im Holz etc.). Wenn man noch die sonstigen Highlights des NUPs betrachtet, könnte man vom Baumkronenweg also etwas enttäuscht sein .. ich würde ihn mir trotzdem nochmal anschauen 😉

Aus Sicht eines leidenschaftlichen Autofahrers folgten auf dem Weg vom TreeTopWalk zur Sommelrodelbahn in Nieder-Werbe die schönsten Kilometer des Tages. Auf sehr guten Straßen ging es – zwar bei einem permanenten Tempolimit von 50 km/h recht langsam – auf vergleichsweise engen Kurven stets entlang des Wassers. Durch das gemäßigte Tempo hat man auch als Fahrer ein wenig Zeit die beeindruckende Landschaft zu genießen und wird auch – zumindest während unseres Aufenthalts – nicht von Bikern auf Speed geärgert. Irgendwann wurde der tolle Blick auf den See zu beeindruckend, so dass wir spontan einen der vielen Parkplätze nutzten um die Aussicht ganz in Ruhe zu genießen.

Porschi sonnt sich..

In der nächsten Ortschaft schlug Dani dann vor auf einem bereits aus der Ferne erspähten Parkplatz zu halten und ein paar Fotos zu machen. Dort hat es uns jedoch ad hoc so gut gefallen, dass wir uns dazu entschieden fix ein Parkticket zu lösen und eines der zahlreich vorgehaltenen Wasserfahrzeuge für eine weitere Sporteinlage zu mieten. Leider wurde unser Marsch zum recht tief liegenden Bootsverleih je gestoppt, als Dani auf dem recht unbefestigten Untergrund ausrutschte, was eine unangenehme Schotterflechte auf beiden Schienbeinen (und kleinere Blessuren beider Handinnenflächen) zur Folge hat. Als Revanche für Danis Schmerzen tauften wir den Hang anschließend passenderweise „Schicksalsberg“.

Kaputt 🙁

Nach einer kurzen Phase der Frustration setzten wir unsere Reise in Richtung See jedoch fort, um benutzten das Ponton des Bootsverleihs zunächst für eine intensive Reinigungsaktion. Da Ablenkung ja bekanntlich am besten hilft, entschlossen wir uns dann recht zeitnah gegen die vielen spießigen Elektroboote und für einen stylish aussehenden Wassertreter in Form eines Käfers. Während die ersten Minuten auf dem Wasser noch viel Spaß gemacht haben und ich fast schon geneigt war meine Vorurteile gegen derartige Wasserfahrzeuge fallen zu lassen, spürte ich spätestens nach 20 Minuten in Beinen und Rücken die unbequeme Sitzposition .. was solls 😉

Tut schon gar nicht mehr weh!

Eifrig trampelten wir über den See .. mal allein, mal zu zweit, während ein Elektroboot nach dem anderen an uns vorbei summte. Spätestens als ein offensichtlich einigermaßen angeheiterter Jugendlicher uns ein „Kann sich halt nicht jeder leisten“ zurief, war die Motivation jedoch wieder völlig hergestellt. Unter dem Schein einer heiß brennenden Sonne (26°C) bewegten wir den Wassertreter Meter für Meter über den See, bis wir nach rund 30 Minuten eine Stelle mit der gewünschten Sicht auf die Staumauer erreicht hatten. Da wir das Vehikel nur eine Stunde angemietet hatten, mussten wir anschließend auch sehr zeitnah wenden und mit voller Kraft in Richtung Hafen zurücksteuern. Dabei ergab sich abermals ein toller Blick die Szenerie und insbesondere die alles überragende Burg, obgleich mein Rücken zunehmendes Unwohlsein signalisierte. Auf jeden Fall war es sehr schön, dass gerade an diesem Tag der Wasserstand außergewöhnlich niedrig war und daher tolle Blicke auf sonst verborgene Unterwasserlandschaft freigab. Das Ufer erreichten wir übrigens ganz pünktlich nach 60 Minuten und beendeten damit die spontane aber doch sehr lustige Fahrt mit dem Beetle.

Typische Haltung eines Sportwagenfahrers

Zurück am etwas leistungsfähigeren (und vor allem motorisierten) Untersatz setzten wir unsere Fahrt in Hauptrichtung Vöhl zügig fort. Obgleich wir uns kurz vor dem Ziel noch ein wenig verfuhren (genauer gesagt: Das Navi Pfaden folgen wollte, die sogar für Fußgänger bedenklich gewesen wären), erreichten wir recht zeitnah die sehr gut besuchte Sommerrodelbahn im Hundertwasser-Stil. Da wir bereits wieder recht hungrig waren, begab sich Dani zügig an die Theke, während ich einen schönen Platz suchte und mich anschließend intensiv fragte, ob das Prädikat „Familienfreundlich“ meint, dass Mama und Papa möglichst ungestört eine Zigarette nach der anderen rauchen können, während die Kinder auf der Suche nach Junkfood und Milchshakes möglichst lange an der Kasse anstehen. Wie auch immer .. manchmal bin ich einfach kein Freund unserer Gesellschaft. Trotzdem kam Dani dann irgendwann mit der sehnlichst herbeigesonnenen Nahrung zu mir an Tisch und wir hatten sogar das unbeschreibliche Glück während der Mahlzeit nur zeitweise vollgequalmt zu werden. Leicht angesäuert ließen wir den Restaurantbereich sowie die Rodelbahn hinter uns und begaben uns zielsicher in Richtung Mini Golf .. es stand schließlich noch eine Revanche aus 😉

Der Parcours der Sommerrodelbahn Edersee umfasst insgesamt 18 Löcher, ist mit 3,50€ per Person sehr bezahlbar und zumindest für Neulinge wie uns sehr herausfordernd. Es gab nicht wenige Löcher, bei denen wir uns beide mit der schlechtesten Punktzahl von 7 zufrieden geben mussten, was vermutlich primär mit der starken Abschüssigkeit der Bahnen zusammenhing. Zumindest hatten wir beide mehrfach das frustrierende Erlebnis, dass sich der Ball zwar nach zwei Schlägen bereits in Zielnähe befand, das Loch selbst dann aber auch nach drei weiteren Zügen nur desinteressiert umkreiste 😉 Ansonsten mussten wir die vorgesehene Reihenfolge des Parcours ein wenig würfeln, da mehrere Familien vor uns mit vier Personen naturgemäß mehr Zeit benötigten als unser kompaktes Duo. Ein ganz klein wenig von den teilweise doch sehr herausfordernden Bahnen frustriert, stand nach rund 1h der Endstand unseres Turniers fest: Mit 81:89 konnte ich mich auch dieses mal minimal gegenüber Dani durchsetzen, was jedoch mit großer Sicherheit auf eine gehörige Portion Glück zurückzuführen war 😉

Gaaaanz konzentriert ...
... gaaaaanz traurig

Wenngleich wir an diesem schönen Tag in der touristisch hervorragend erschlossenen Region um den Edersee schon sehr viel erlebt und gesehen hatten, entschlossen wir uns auch den letzten Punkt der Planung anzugehen: Das Maislabyrinth in Basdorf. Auch auf dem Weg zu selbigem verfuhren wir uns kurz (was diesmal aber an einer falschen Adresse lag) und fanden uns nach einer offensichtlich falschen Abbiegung spontan einer in der Wanderung befindlichen Kuhherde gegenüber. Ich weiß nicht genau wer sich mehr gefreut hat, der Hirte über Danis Begeisterung oder Dani über die Tiere .. aber es war auf jeden Fall eine sehr erheiternde Situation 😉 Nachdem ich uns mittels Rückwärtsgang vorsichtig in Sicherheit bringen konnte, bevor uns die wandernde Gruppe umschlossen hat, erreichten wir einige Minuten später doch noch wohlbehalten das Ziel. Eifrig schnappten wir uns das Garmin, entrichteten das übliche Eintrittsgeld und stürzten uns mit dem erforderlichen Fragebogen gewappnet in den Irrgarten. Ein wenig irritiert und zugleich verunsichert waren wir jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt ob der Tatsache, dass (entgegen der meisten anderen Maislabyrinthe) keine Übersichtskarte am Eingang des Irrgartens ausgestellt war. Da jedoch nur fünf Fragen zu beantworten waren und wir bereits nach rund 30 Sekunden vor der ersten gesuchten Informationstafel standen, waren wir zu diesem Zeitpunkt noch guter Dinge zügig alle Informationen zusammentragen zu können.

Unsere Zuversicht wurde jedoch recht schnell gedämpft, da uns das Labyrinth von Meter zu Meter mehr an unsere frustrierende Erfahrung in Bad Kissingen erinnerte. Sehr viele Abbiegungen, sehr viele „tote Enden“, permanentes Auf und Ab bedingt durch die Hanglage und keine Ahnung ob wir irgendeinem System folgen sollten .. suboptimale Voraussetzungen für einen Erfolg nach einem bereits sehr langen Tag. Trotzdem marschierten wir eifrig alle Gänge entlang, die wir finden konnten, drehten alle paar Sekunden am Ende einer Sackgasse um, nur um anschließend noch entschlossener die nächste Kreuzung zu suchen. Als wir dann jedoch insgesamt zwei große Schneisen durchschritten und uns aus Versehen auf den Mountainbike-Trail verlaufen hatten, begann die Hoffnung auf einen zügigen Erfolg doch langsam zu schwinden. Nach vielen Hügeln und noch mehr Schrägen half nur noch ein Besuch des nebenbei entdeckten Himbeerfeldes, welches etwas für die Mühen entschädigte. Nachdem fast alle anderen Besucher die wir trafen ähnlich „begeistert“ waren und wir mindestens zwei Ein- bzw. Ausgänge des Irrgartens auf einen verlassenen Feldweg entdeckten, entschlossen wir uns nach 1h Suche und 3km Verwirrung mit Hinblick auf den baldigen Sonnenuntergang zur Aufgabe. Fazit des Labyrinths in Basdorf: Nix für Warmduscher .. und erst recht nichts für den einsetzenden Abend 😉

Jaja, war eine super Idee 😉

Etwas geschafft kuschelten wir uns in die Sportsitze des Boxsters und bereiteten uns geistig auf eine rund zwei Stunden lange Heimreise vor. Da wir eher etwas fürs Auge als für den Geschwindigkeitsrausch wollten, wählten wir kurzerhand die Routenoption „Autobahnen vermeiden“, was uns bereits nach wenigen Kilometern ein breites Grinsen in das Gesicht trieb. Begleitet von Limp Bizkits „Keep rollin“ fanden wir uns auf einem ca. 4 Minuten andauernden Stück sehr kurviger und gut ausgebauter Landstraße wieder, das wir mit sehr viel Freude entlangfuhren. Der Rest unserer Heimreise verlief dann über recht stark frequentierte Straßen, weshalb wir eher auf ChillOut-Musik wechselten und den einsetzenden Sonnenuntergang bewunderten.

Perfekte Abendstimmung irgendwo in der Nähe von Bad Vilbel

Nach sehr viel klarer Landluft und bereits nach Sonnenuntergang erreichten wir die heimische Garage gegen 19:40 Uhr nach einem wirklich tollen – und unbedingt nach Wiederholung verlangenden – Tag am Edersee.

Weitere (schöne) Eindrücke dieses tollen Spätsommertages gibt es drüben in der Gallery: Link.

Reisetagebuch Warnemünde Tag 8 – Abschied

Es war ein recht trauriger Sonntagmorgen, an dem wir unsere Augen wie immer gegen 08:00 Uhr öffneten, denn unser Warnemünde-Urlaub näherte sich unaufhaltsam seinem Ende. Die meisten Sachen hatten wir schon am Vorabend gepackt und so minimierten sich die Spuren unserer Präsenz an der Ostsee auf ein kleines Häufchen an Koffern und Tüten, die schon bald erneut im Auto verstaut werden sollten. Entgegen der sonstigen Urlaubs-Routine bestand die erste Handlung nach den üblichen Hygiene-Maßnahmen also im finalen Verpacken aller noch herumliegenden Dinge und einem anschließenden Spaziergang zur Tiefgarage – Schnappi sollte noch einmal auf den Alten Strom fahren dürfen.

Noch einmal in erster Reihe geparkt

Anders als bei unserer Ankunft vor genau einer Woche (aber zu einer deutlich populäreren Zeit) war die Flaniermeile jedoch so gut wie leer, so dass wir nach einer sehr kurzen Fahrt zügig ein letztes Mal unsere Ferienwohnung erreichten. Schnell war unser Hab und Gut erneut im Porsche verstaut und nach einer kurzen, herzlichen Verabschiedung von unseren Vermietern fuhren wir direkt auf den Kirchenplatz .. irgendwo muss der Wagen ja auch in den letzten Stunden geparkt werden. So früh am Morgen waren (erfreulicherweise) auch noch jede Menge Stellplätze verfügbar, so dass wir eilig den Obolus von 3€ für die Maximalparkdauer von 3h entrichteten.

Deutlich später als gewohnt steuerten wir die Stadtbäckerei am Teepott an – mein Magen war an eine so späte Nahrungsaufnahme mit vorhergehender sportlicher Einlage definitiv nicht mehr gewöhnt 😉 Während Dani uns eine stärkende Mahlzeit besorgte, konnte ich uns durch Glück und mittels schneller Reaktionen einen Platz in einem der beiden bereitstehenden Strandkörbe der Bäckerei ergattern – ideale Bedingungen für ein letztes maritimes Frühstück! Unsere „Henkersmahlzeit“ (man muss auch mal ein bisschen auf die Tränendrüse drücken dürfen) bestand in einem warmen Franzbrötchen nebst warmem Schokocroissant für mich („Schatz, überrasch mich!“ ..-„Es ist warm, das ist die Überraschung“) und einem frischen Rührei für Dani.

Ein nahezu idealer Platz für ein tolles (letztes) Frühstück

So gestärkt und mit viel küstischem Flair im Kopf begaben wir uns an der Promenade entlang in Richtung Neptun und bogen einige Strandaufgänge nach selbigem in Richtung Meer ab. Obgleich das Wetter recht grau war, erzeugte das leise Rauschen des ansonsten recht ruhigen Meeres in Kombination mit dem omnipräsenten Geschrei der Möwen und dem Plätschern und Schlagen des sich brechenden Wassers eine tolle Atmosphäre. Fast wortlos gingen wir am Strand entlang zurück in Richtung Mole und bogen dort angekommen nach links in Richtung Seezeichen ab.

Abschiedsstimmung am Strand

Erstaunlicherweise bot sich uns von dort aus der Anblick zahlloser kleinerer und größerer Boote, während auch im Hafen bereits rege Betriebsamkeit herrschte. Spontan entschlossen wir uns auf einem der einladenden Steine Platz zu nehmen und dem munteren Treiben ein paar Minuten zuzuschauen .. die letzten Stunden wollten schließlich standesgemäß ausgenutzt werden.

Gewusel im morgendlichen Hafen

Vom Leuchtfeuer aus begaben wir uns am zunehmend mehr frequentierten Alten Strom entlang über die Drehbrücke zur Mittelmole, die wir langsam bis zum alten Yachthafen entlang spazierten. Dort angekommen bewunderten wir ein weiteres mal die kleineren und größeren Boote, bevor die Uhr uns dringend ermahnte zum Auto zurückzukehren: 2,5h der bereits entrichteten Parkdauer waren bereits vergangen. Brav legten wir weitere 1,5€ nach und erkauften uns damit einen Stellplatz für die letzten Stunden in Warnemünde.

Den Abschluss des Urlaubs wollten wir – mit Rücksicht auf unsere bereits recht geschundenen Füße und schon wieder einigermaßen leeren Bäuche – ganz standesgemäß im Pier 7 verbringen. Da am Seekanal außer der recht alten und auf ersten Blick wenig attraktiven Braemar kein neues Schiff festgemacht hatte, entschlossen wir uns spontan sofort die Premium-Sessel direkt an das Glasfront (Meeresseite, versteht sich) des „Erlebnispunktes“ (nennt die Webseite so) zu verbringen. Da dieser Platz – ähnlich wie Sitzplätze in erster Reihe beim McDonalds im Frankfurter Airport – jedoch sehr oft „langzeitbelegt“ ist, freuten wir uns sehr nach mehreren Anläufen endlich auch mal zum Zuge gekommen zu sein.

Zum Abschied nochmal ein leckeres Essen..
...mit idealer Aussicht

Als Mittagessen teilten wir uns ein gigantisches Stück Apfelkuchen nebst heißer Schokolade, wobei das bereits mehrfach erwähnte Hafeninformationssystem leider durch eine unangenehme Fehlermeldung verdrängt wurde („…funktioniert nicht mehr“). Mit einer gewissen Genugtuung stellte ich fest, dass IT offensichtlich immer bzw. überall benötigt wird 😉

Nach rund einer Stunde beschlossen wir spontan einen kurzen Abstecher in die Souvenirabteilung von KARLs zu machen und rangen uns endlich zum Kauf zweier Muschelketten nebst verschiedenen Kleinteilen durch. Die größte Herausforderung bestand hierbei übrigens in der Selektion der „richtigen“ Kette, wobei die Auswahl mit rund 50 Exemplaren nicht gerade klein war. Ob wir die ideale Wahl getroffen haben, wird sich erst deutlich später zeigen, wenn die maritimen Accessoires ihren Weg in unser heimisches Domizil gefunden haben. Auch bei diesem Besuch im Pier 7 fiel uns ein weiteres Mal das äußerst zuvorkommende und freundliche Personal auf .. ein Lichtblick inmitten der sonst etwas rauen Nordlichter 😉

Den kulinarischen Abschluss unseres Ostseeaufenthalts bildete ein finales Fischbrötchen – hier hat Dani definitiv eine neue Leidenschaft gefunden. Ohne groß zurückzuschauen oder zu grübeln begaben wir uns anschließend zum Auto, gaben zielstrebig das Zwischenziel (Hauptbahnhof Hannover .. Danis und meine Wege sollten sich für ein paar Tage trennen) ein und fuhren direkt los. Nach einigen Kilometern wich dann auch die leichte Betroffenheit so langsam von uns und spätestens auf der A20 wurde der Wehmut vom Kreischen des Motors verdrängt (die A20 ist fast vollständig nicht tempolimitiert).

Rund 1,5h nach unserem Start erreichten wir Hamburg und hatten damit bereits einen großen Teil der Strecke zurückgelegt. Leider gab es zwischen Soltau und Hannover-Nord einen 18km langen Stau (trotz der an sich sehr günstigen Uhrzeit), weshalb wir die letzten 40km über die blitzerträchtige B3 zurücklegen mussten. Nach insgesamt 3,5h kamen wir am sehr stark frequentierten Hauptbahnhof an und um Dani zum Gleis zu bringen bzw. zu verabschieden, musste ich anschließend nur noch die Kleinigkeit von 2€ für 9 Minuten im Parkhaus entrichten.

Die letzten Kilometer auf dem Weg zu meinen Eltern vergingen dann recht schnell, da die rund 170km in 1:10h zurückgelegt waren (bei meiner Ankunft roch es auch nur ein ganz kleines bisschen nach verbrannten Gummi). Mit dem erneuten Ausladen unserer Habseligkeiten war der Warnemünde-Urlaub dann leider (und wie immer viel zu schnell) beendet.

Etwas wehmütig kann man zurückblickend nur sagen, dass wir dieses mal ganz sicher nicht erst in vier Jahren wiederkommen werden. Zusammenfassend ist die Woche an der Ostsee mit vielen, ganz tollen Erinnerungen, Momenten und Stimmungen verbunden. Insbesondere der Aufenthalt im Strandkorb unter einem strahlend blauen Himmel, der Zwischenstopp in Herberts Stromdampferlounge mit perfekter Aussicht, der Abend in Schusters Strandbar in einer einfach nur genialen Atmosphäre und die Erkundung der Steilküste mit dem Segway wecken schon jetzt wieder Fernweh.

Mit Hinblick auf tolle anstehende Events (wie u.A. die Warnemünder Woche sowie das Stromerwachen) ertappe ich mich jedenfalls regelmäßig beim Besuch der üblichen Flugportale – Frankfurt –> Rostock für 55€ pro Person und Strecke lassen das wunderbar maritime Warnemünde jedenfalls sehr nah rücken.

Weitere Impressionen dieses letzten Tages gibt es (erneut) drüben in der Gallery: Link.

Damit geht das Reisetagebuch Warnemünde nach rund 15 000 Wörtern zu Ende – vielen Dank und meine aufrichtige Anerkennung an alle, die es tatsächlich geschafft haben uns in diesem Blog vom Sonntag bis zum Sonntag zu begleiten. In jedem einzelnen Tagesbericht stecken übrigens inklusive Sichtung, Auswahl und Bearbeitung der Fotos rund 4h Arbeit .. ich habe mich also ziemlich intensiv mit der Nachbereitung unseres Urlaubs beschäftigt (und diesen Prozess das erste mal erfolgreich abgeschlossen). In den nächsten Tagen gibt es dann wieder eher leichtere bzw. kürzere Kost .. versprochen 😉

Reisetagebuch Warnemünde Tag 7 – Vertrautes und Neues

Nach einer unruhigen Nacht (Dani hat sich leider ganz termingerecht vor dem Urlaub einen Schnupfen eingefangen) starteten wir mit gewohnter Pünktlichkeit in unseren letzten vollen Tag in Warnemünde. Bereits beim Öffnen der noch kleinen Augen bemerkte ich eine signifikante Abweichung der Wetterprognose von den aktuellen Bedingungen: Die vorhergesagte Sonne war recht diesigen Bedingungen mit schlechter Sicht gewichen. Ein kurzer Griff zum Smartphone später bestätigte die aufkeimenden Befürchtungen: 4h Sonnenscheindauer waren 0,1h gewichen. An dieser Stelle musste ich zwangsläufig an einen Artikel auf Spiegel Online denken, den ich wenige Tage vorher gelesen hatte. Selbiger sagte aus, dass drei von vier Wetterprognosen für die kommenden drei (!) Tage im Wesentlichen korrekt sind. Merke: Die Sonnenscheindauer ist also unwesentlich.

Ein wenig enttäuscht begaben wir uns also aus dem Feriendomizil auf den Alten Strom, wo uns eine recht herbstliche Atmosphäre erwartete. Da wir am Vortag von der Aussicht der Stadtbäckerei Junge am Teepott sehr angetan waren, beschlossen wir die allmorgendliche Stärkung zwar beim gewohnten Bäcker aber in einer anderen Filiale zu uns zu nehmen. Wie an jedem Tag waren wir vor den meisten Touristen dran und konnten uns daher über ein angenehm ruhiges Frühstück in einer relativ leeren Bäckerei mit toller Aussicht auf die morgendliche Ostsee freuen. Bereichert wurde unsere übliche Produktauswahl diesmal übrigens von einem sehr geschmacksintensiven Apfel-Zimt-Muffin, der weihnachtliche Gefühle aufkommen ließ und durchaus weiterempfohlen werden kann 😉

Wetter suboptimal, Aussicht ideal

Nach der obligatorischen Stärkung entschlossen wir uns zunächst zu einem kurzen Spaziergang durch das erwachende Warnemünde. Als erstes begaben wir uns in diesem Zusammenhang auf die Mole, die – wie immer – mit einem tollen Blick auf die See, den Alten Strom und den Seekanal lockte und ebenfalls noch angenehm leer waren. Unterwegs hatten wir die Gelegenheit einen ufernah arbeitenden Fischer zu beobachten, der eine unbedarfte Urlauberin zu dem wahnsinnig zweckmäßigen (und mehrmals ausgeführten) Zuruf „Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser“ ermunterte. Spätestens an dieser Stelle konnte ich die nordische Ignoranz zu einem guten Stück nachvollziehen 😉

Ehrliches Handwerk früh am Morgen

Mit einer frischen Brise Meeresluft in der Nase begaben wir uns zielsicher auf die schon recht bevölkerte Mittelmole, auf welcher am Samstag der Warnemünder Fischmarkt stattfindet. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Touristen schoben wir uns Schritt für Schritt durch das Gedränge, atmeten die vom Geruch von Räucherfisch geschwängerte Luft und beobachteten Fischer beim Anlanden ihrer Beute. Inmitten dieses Getummels kriegt man auch mal einen anderen Eindruck vom sonst vordergründig so touristisch orientierten Warnemünde und erkennt durchaus dessen Wurzeln in der Fischerei .. Den Fischmarkt sollte man bei Gelegenheit also durchaus mal mitnehmen.

Weiter ging es mit einem Abstecher an den Seekanal um anschließend zur Touristeninformationen zu wandern: Da die abendliche Nachtwächterführung ja leider ausfallen musste, wollten wir zumindest an einer regulären Stadtführung teilnehmen. Selbige war auch schnell für 11:00 Uhr terminiert, so dass wir nur noch einige Minuten Wartezeit überbrücken mussten. Die Führung selbst begann dann recht pünktlich bei frischen 12°C, drohenden Regenwolken und bestand aus einer recht großen Gruppe von ca. 25 Personen. In den anschließenden zwei Stunden erfuhren wir recht viele (für uns neue) Hintergrundinformationen über die Geschichte von Warnemünde und dessen ganz spezielles Verhältnis zu Rostock. Akustisch konnte man dem Guide zumindest dann sehr gut folgen, wenn man an den verschiedenen Stationen der Tour (es waren nur ca. 5) Erfolg bei der passenden Platzwahl hatte 😉 Besonders im Gedächtnis ist mir die Tatsache geblieben, dass Warnemünde bereits im 13. Jahrhundert an Rostock verkauft wurde, seit dem quasi „unterworfen“ war und die Einwohner keinerlei Gewerbe außer dem Fischfang sowie der Seefahrt ausüben durften. Dieser Umstand wurde erst im 19. Jahrhundert durch die Einführung der allgemeinen Gewerbefreiheit beendet, wonach sich rasch die verschiedensten Gewerke ansiedelten und auch die bis dahin über mehrere Jahrhunderte stabile Einwohnerzahl von ca. 700 Personen langsam anstieg. In etwa zum gleichen Zeitraum begann übrigens auch der Tourismus, welche heute einen Löwenanteil der lokalen Wirtschaft ausmacht. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass die ersten Gäste („Berliners“) Teile der Fischerkaten mieteten und diese für den Zeitraum des Besuchs selber möblieren mussten. Zumindest als (natürlich deutlich kurzweiligerer) Urlauber heute, wäre es jedenfalls unvorstellbar neben jeder Menge Klamotten, Schuhen und technischen Spielereien auch noch eigene Möbel nebst Geschirr etc. in den Kurzaufenthalt mitzunehmen. Um den Bade- bzw. Erholungsgästen mehr Platz für ihr zahlreich mitgebrachtes Gut zu geben, kamen die Warnemünder übrigens auf die Idee die bestehenden Gebäude durch den Anbau von Veranden zu erweitern, was in der jüngsten Zeit zu finanziellen Forderungen seitens der Stadt an die Eigentümer führte (und vermutlich in einen andauernden Rechtsstreit mündete). Interessant war es auch den gen Westen doch deutlich anderen Baustil im Vergleich zu den „historischen“ Quartieren in Stromnähe zu sehen, an welchem man das Wachstum der Siedlung doch sehr gut erkennen konnte.

Oben mittig: Unser Wohnzimmer

Nachdem uns die Tour direkt an unserer FeWo vorbei den Strand führte und mit nur 10 Minuten Überlänge pünktlich gegen 13:00 Uhr am Leuchtturm endete, begaben wir uns nach einem kurzen Zwischenstopp in unserer Unterkunft direkt zum Pier 7. Dort ließen wir uns in sehr bequemen Ledersesseln nieder und stärkten uns mit Blick auf das (bereits an anderer Stelle beschriebene) Infosystem von Digital-Seas.com bei zwei extrem leckeren Stückchen Torte (Schokosahne bzw. Himbeerkäse) und einer heißen, sehr süßen Schokolade. In diesem tollen, maritimen Ambiente, begleitet von entspannter Musik und mit dem Blick auf den Seekanal, könnte man gefühlt den gesamten Tag verbringen. Dies wäre mit Hinblick auf die vergleichsweise entspannende Ruhe und die Freundlichkeit des Personals auch durchaus machbar, hätte sicher aber nicht mit unserer restlichen Tagesplanung vertragen 😉

Ich krieg schon Appetit beim Hinsehen..

Gegen 14:00 Uhr sah der strickte Zeitplan nämlich eine kurze Fährfahrt nach Hohe Düne vor, dass wir während unseres diesjährigen Aufenthalts an der Ostsee noch gar nicht besucht hatten. Bevor wir uns jedoch der Aussicht von der vergleichsweise einsamen Mole und dem „neuen“ Yachthafen widmeten, begaben wir uns auf die relativ neu (2008) eingerichtete Seehundforschungsstation der Universität Rostock. Selbige besteht aus einem umgebauten Flussschiff und bietet in einem abgetrennten Bereich des Hafens ein 30mx60mx6m großes Becken um das Verhalten und die Fähigkeiten von 9 Seehunden und einem (manchmal etwas aggressiven und daher isolierten) Seebären zu untersuchen. Um das ganze Unterfangen zu finanzieren, kann man die Station nach Entrichtung des üblichen Obolus betreten und sich dann in regelmäßig stattfindenden Führungen über die Aktivitäten und Vorgänge auf dem Schiff informieren. Wem das nicht reicht, der kann das Programm „Seehund hautnah“ buchen und darf dann u.a. direkt an den Rand des Forschungsbeckens .. wir haben uns dagegen entschieden 😉

Ein Seehund! (rechts im Bild natürlich)

Alle Tiere wurden übrigens in Gefangenschaft bzw. Zoos geboren und sind daher an den engen Kontakt mit Menschen gewöhnt. Eine Auswilderung ist in diesem Kontext ebenso wenig vorgesehen wie die Zucht; die Seehundstation ist daher als reine Männer-WG angelegt (wer da wohl Ordnung hält?). Rund 1h haben wir uns ausgiebig Zeit genommen den leicht erhöhten Blick über den Hafen und die See zu genießen und die recht strenge Forscherin dabei zu beobachten, wie sie die Seehunde wiederholt verschiedene Übungen wie z.B. Reifen apportieren sowie aus dem Becken springen, durchführen ließ. Die Tiere wirkten dabei sehr neugierig und verspielt, weshalb das Zusehen durchaus Spaß machte und zum Verweilen einlud.

Nach dieser „tierischen Einlage“ entschlossen wir uns die Mole einmal bis zum Seezeichen entlang zu gehen, was in der Tat eine deutlich längere Strecke ist, als man zunächst vermuten würde. Obgleich das Wetter nach wie vor recht trüb und der Blick auf den spätsommerlichen Alten Strom daher einigermaßen getrübt war, ließen wir uns den Besuch auf der „falschen Seite“ nicht vermiesen. Vom roten Leuchtfeuer aus ging es zurück in Richtung Yacht Hafen Residenz, die auf ersten Blick gar nicht so riesig wirkt, wie sie eigentlich ist und ad hoc auch noch sehr neu aussieht. Bei näherer Betrachtung zeigen sich dann doch bereits erste Spuren des Alters an den Fassaden der einzelnen Bauten und Schritt für Schritt wird einem das Ausmaß der Anlage bewusst. Gebäude reiht sich an Gebäude, dazu kommen verschiedene Häuser für Spa, Gastronomie, Seglerbedarf und sonstige kleinere Shops. Die gesamte Aufmachung der YHD ist dabei sehr schön, als Gast würde ich mir aber einfach nur verloren vorkommen.

Durchaus imposant und sehr großzügig dimensioniert: Die Yacht Hafen Residenz

Als chronisch neugierige Menschen mit einem gewissen Interesse an Booten entschlossen wir uns spontan zu einer etwas ausführlicheren Besichtigung der Marina, in welcher zahlreiche beeindruckende Segel- und Motoryachten vor Anker lagen.  Neben einigen Katamaranen gab es auch das ein oder andere motorisierte Modell von Sunseeker zu bewundern, dass doch durchaus Fernweh wecken kann 😉 Die sehr schön angelegten Steganlagen waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs nur mittelgut besetzt, weshalb wir nach rund einer halben Stunde auch langsam den Rückweg gen Fähre antraten. Dabei fiel abermals die Außergewöhnlichkeit der Anlage auf, in der sich die Angestellten mit Golf-Karts von Gebäude zu Gebäude bewegen und sogar ein eigener Hubschrauberlandeplatz nicht fehlen darf.

Sunseeker beim Auslaufen *yam yam*

Nach der neuerlichen Fährtfahrt entschlossen wir uns zu einer spontanen Besichtigung des Warnemünde Cruise Centers, an das man – da zu diesem Zeitpunkt ausnahmsweise kein Kreuzfahrtschiff vor Ort war – ungewohnt nah heran kam. Bei näherer Betrachtung des Glaspalasts überkam uns übrigens recht schnell der Eindruck einer überdimensionalen Bushaltestellte .. von Außen schick aber letztendlich primär zweckmäßig 😉 An das Cruise Center schließt sich der „Zwiebelschuppen“ von Karls an, an dem wir (natürlich) nicht vorbei kamen. Da hier jedoch im Wesentlichen die gleichen Waren wie im Pier 7 bzw. in Rövershagen angeboten werden, war unser Besuch dort eher von kurzer Dauer.

Haltestelle für Kreuzfahrer

Nach einem schönen und interessanten Tag auf der einen und anderen Seite des Seekanals wurde es so langsam Zeit für die obligatorischen Formalitäten: Die Ferienwohnung musste bezahlt werden. Selbiges war jedoch schnell erledigt, so dass wir uns zügig mit einem Fischbrötchen und einem separaten warmen Brötchen gewappnet in Richtung Strand begaben. Dabei fiel auf, dass ganz offensichtlich das Wochenende in Warnemünde angekommen war, denn im Vergleich zu den letzten Tagen bevölkerten ungewohnt viele Menschen den Alten Strom.

Bei wenig Wind und angenehmen 16°C spazierten wir am Strand die mittlerweile schon fast ausgetretene Strecke bis zum Neptun und entschlossen uns auf der Rückkehr zur spontanen Einkehr bei Schusters Strandbar. Obgleich ich die Location ja bereits an anderer Stelle umfänglich und intensiv gelobt habe, kann ich diesen Aspekt auch diesmal nicht aussparen: Dezente Beleuchtung, strahlend weiße Möbel, eine freundliche Bedienung gepaart mit toller Aussicht auf Promenade und Ostsee – was will man mehr? Genau .. eines der kuschligen „Betten“, auf welchen man es sich auch an kühlen Abenden (und es war ein eben solcher) mit Decken und Kissen gemütlich machen kann. Inmitten eines solchen Betts, dezent beleuchtet von blauen Deckenspots und bestens versorgt mit einer heißen Schokolade, ließen wir den Ostsee-Urlaub so langsam ausklingen. Mit Blick auf den langsam einsetzenden Sonnenuntergang klingt die Cafe del Mar-Musik abermals stimmiger und neben dem Besuch bei Herberts, zählte unser Aufenthalt in der Strandbar defintiv zu den Highlights der gesamten Woche.

Abendstimmung in der Strandbar

Nach rund 1h im Kuschelbett wurde uns dann aber doch etwas kühl und wir entschieden uns – auch mit Hinblick auf die angreifenden Mücken – erneut in Richtung Alter Strom aufzubrechen. Dabei kamen wir nicht ohne einen Zwischenstopp beim dänischen Softeis-Stand aus, der uns ein weiteres mal mit seinen leckeren Spezialitäten versorgte. So gewappnet begaben wir uns auf einen letzten nächtlichen Spaziergang an der Mittelmole und dem Seekanal, bevor wir zum Tagesabschluß einem Musiker am Alten Strom bei seiner sehr gelungenen Interpretation von Mecky Messer lauschten.

Viel zu schnell ging dieser letzte Tag in Warnemünde zu Ende, was sicher auch der (leider) viel zu früh einsetzenden Dunkelheit geschuldet war.

Weitere Eindrücke des Samstags gibt es drüben in der Gallery: Link.