Reisetagebuch Warnemünde Tag 7 – Vertrautes und Neues

Nach einer unruhigen Nacht (Dani hat sich leider ganz termingerecht vor dem Urlaub einen Schnupfen eingefangen) starteten wir mit gewohnter Pünktlichkeit in unseren letzten vollen Tag in Warnemünde. Bereits beim Öffnen der noch kleinen Augen bemerkte ich eine signifikante Abweichung der Wetterprognose von den aktuellen Bedingungen: Die vorhergesagte Sonne war recht diesigen Bedingungen mit schlechter Sicht gewichen. Ein kurzer Griff zum Smartphone später bestätigte die aufkeimenden Befürchtungen: 4h Sonnenscheindauer waren 0,1h gewichen. An dieser Stelle musste ich zwangsläufig an einen Artikel auf Spiegel Online denken, den ich wenige Tage vorher gelesen hatte. Selbiger sagte aus, dass drei von vier Wetterprognosen für die kommenden drei (!) Tage im Wesentlichen korrekt sind. Merke: Die Sonnenscheindauer ist also unwesentlich.

Ein wenig enttäuscht begaben wir uns also aus dem Feriendomizil auf den Alten Strom, wo uns eine recht herbstliche Atmosphäre erwartete. Da wir am Vortag von der Aussicht der Stadtbäckerei Junge am Teepott sehr angetan waren, beschlossen wir die allmorgendliche Stärkung zwar beim gewohnten Bäcker aber in einer anderen Filiale zu uns zu nehmen. Wie an jedem Tag waren wir vor den meisten Touristen dran und konnten uns daher über ein angenehm ruhiges Frühstück in einer relativ leeren Bäckerei mit toller Aussicht auf die morgendliche Ostsee freuen. Bereichert wurde unsere übliche Produktauswahl diesmal übrigens von einem sehr geschmacksintensiven Apfel-Zimt-Muffin, der weihnachtliche Gefühle aufkommen ließ und durchaus weiterempfohlen werden kann 😉

Wetter suboptimal, Aussicht ideal

Nach der obligatorischen Stärkung entschlossen wir uns zunächst zu einem kurzen Spaziergang durch das erwachende Warnemünde. Als erstes begaben wir uns in diesem Zusammenhang auf die Mole, die – wie immer – mit einem tollen Blick auf die See, den Alten Strom und den Seekanal lockte und ebenfalls noch angenehm leer waren. Unterwegs hatten wir die Gelegenheit einen ufernah arbeitenden Fischer zu beobachten, der eine unbedarfte Urlauberin zu dem wahnsinnig zweckmäßigen (und mehrmals ausgeführten) Zuruf „Herr Fischer, Herr Fischer, wie tief ist das Wasser“ ermunterte. Spätestens an dieser Stelle konnte ich die nordische Ignoranz zu einem guten Stück nachvollziehen 😉

Ehrliches Handwerk früh am Morgen

Mit einer frischen Brise Meeresluft in der Nase begaben wir uns zielsicher auf die schon recht bevölkerte Mittelmole, auf welcher am Samstag der Warnemünder Fischmarkt stattfindet. Gemeinsam mit zahlreichen anderen Touristen schoben wir uns Schritt für Schritt durch das Gedränge, atmeten die vom Geruch von Räucherfisch geschwängerte Luft und beobachteten Fischer beim Anlanden ihrer Beute. Inmitten dieses Getummels kriegt man auch mal einen anderen Eindruck vom sonst vordergründig so touristisch orientierten Warnemünde und erkennt durchaus dessen Wurzeln in der Fischerei .. Den Fischmarkt sollte man bei Gelegenheit also durchaus mal mitnehmen.

Weiter ging es mit einem Abstecher an den Seekanal um anschließend zur Touristeninformationen zu wandern: Da die abendliche Nachtwächterführung ja leider ausfallen musste, wollten wir zumindest an einer regulären Stadtführung teilnehmen. Selbige war auch schnell für 11:00 Uhr terminiert, so dass wir nur noch einige Minuten Wartezeit überbrücken mussten. Die Führung selbst begann dann recht pünktlich bei frischen 12°C, drohenden Regenwolken und bestand aus einer recht großen Gruppe von ca. 25 Personen. In den anschließenden zwei Stunden erfuhren wir recht viele (für uns neue) Hintergrundinformationen über die Geschichte von Warnemünde und dessen ganz spezielles Verhältnis zu Rostock. Akustisch konnte man dem Guide zumindest dann sehr gut folgen, wenn man an den verschiedenen Stationen der Tour (es waren nur ca. 5) Erfolg bei der passenden Platzwahl hatte 😉 Besonders im Gedächtnis ist mir die Tatsache geblieben, dass Warnemünde bereits im 13. Jahrhundert an Rostock verkauft wurde, seit dem quasi „unterworfen“ war und die Einwohner keinerlei Gewerbe außer dem Fischfang sowie der Seefahrt ausüben durften. Dieser Umstand wurde erst im 19. Jahrhundert durch die Einführung der allgemeinen Gewerbefreiheit beendet, wonach sich rasch die verschiedensten Gewerke ansiedelten und auch die bis dahin über mehrere Jahrhunderte stabile Einwohnerzahl von ca. 700 Personen langsam anstieg. In etwa zum gleichen Zeitraum begann übrigens auch der Tourismus, welche heute einen Löwenanteil der lokalen Wirtschaft ausmacht. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass die ersten Gäste („Berliners“) Teile der Fischerkaten mieteten und diese für den Zeitraum des Besuchs selber möblieren mussten. Zumindest als (natürlich deutlich kurzweiligerer) Urlauber heute, wäre es jedenfalls unvorstellbar neben jeder Menge Klamotten, Schuhen und technischen Spielereien auch noch eigene Möbel nebst Geschirr etc. in den Kurzaufenthalt mitzunehmen. Um den Bade- bzw. Erholungsgästen mehr Platz für ihr zahlreich mitgebrachtes Gut zu geben, kamen die Warnemünder übrigens auf die Idee die bestehenden Gebäude durch den Anbau von Veranden zu erweitern, was in der jüngsten Zeit zu finanziellen Forderungen seitens der Stadt an die Eigentümer führte (und vermutlich in einen andauernden Rechtsstreit mündete). Interessant war es auch den gen Westen doch deutlich anderen Baustil im Vergleich zu den „historischen“ Quartieren in Stromnähe zu sehen, an welchem man das Wachstum der Siedlung doch sehr gut erkennen konnte.

Oben mittig: Unser Wohnzimmer

Nachdem uns die Tour direkt an unserer FeWo vorbei den Strand führte und mit nur 10 Minuten Überlänge pünktlich gegen 13:00 Uhr am Leuchtturm endete, begaben wir uns nach einem kurzen Zwischenstopp in unserer Unterkunft direkt zum Pier 7. Dort ließen wir uns in sehr bequemen Ledersesseln nieder und stärkten uns mit Blick auf das (bereits an anderer Stelle beschriebene) Infosystem von Digital-Seas.com bei zwei extrem leckeren Stückchen Torte (Schokosahne bzw. Himbeerkäse) und einer heißen, sehr süßen Schokolade. In diesem tollen, maritimen Ambiente, begleitet von entspannter Musik und mit dem Blick auf den Seekanal, könnte man gefühlt den gesamten Tag verbringen. Dies wäre mit Hinblick auf die vergleichsweise entspannende Ruhe und die Freundlichkeit des Personals auch durchaus machbar, hätte sicher aber nicht mit unserer restlichen Tagesplanung vertragen 😉

Ich krieg schon Appetit beim Hinsehen..

Gegen 14:00 Uhr sah der strickte Zeitplan nämlich eine kurze Fährfahrt nach Hohe Düne vor, dass wir während unseres diesjährigen Aufenthalts an der Ostsee noch gar nicht besucht hatten. Bevor wir uns jedoch der Aussicht von der vergleichsweise einsamen Mole und dem „neuen“ Yachthafen widmeten, begaben wir uns auf die relativ neu (2008) eingerichtete Seehundforschungsstation der Universität Rostock. Selbige besteht aus einem umgebauten Flussschiff und bietet in einem abgetrennten Bereich des Hafens ein 30mx60mx6m großes Becken um das Verhalten und die Fähigkeiten von 9 Seehunden und einem (manchmal etwas aggressiven und daher isolierten) Seebären zu untersuchen. Um das ganze Unterfangen zu finanzieren, kann man die Station nach Entrichtung des üblichen Obolus betreten und sich dann in regelmäßig stattfindenden Führungen über die Aktivitäten und Vorgänge auf dem Schiff informieren. Wem das nicht reicht, der kann das Programm „Seehund hautnah“ buchen und darf dann u.a. direkt an den Rand des Forschungsbeckens .. wir haben uns dagegen entschieden 😉

Ein Seehund! (rechts im Bild natürlich)

Alle Tiere wurden übrigens in Gefangenschaft bzw. Zoos geboren und sind daher an den engen Kontakt mit Menschen gewöhnt. Eine Auswilderung ist in diesem Kontext ebenso wenig vorgesehen wie die Zucht; die Seehundstation ist daher als reine Männer-WG angelegt (wer da wohl Ordnung hält?). Rund 1h haben wir uns ausgiebig Zeit genommen den leicht erhöhten Blick über den Hafen und die See zu genießen und die recht strenge Forscherin dabei zu beobachten, wie sie die Seehunde wiederholt verschiedene Übungen wie z.B. Reifen apportieren sowie aus dem Becken springen, durchführen ließ. Die Tiere wirkten dabei sehr neugierig und verspielt, weshalb das Zusehen durchaus Spaß machte und zum Verweilen einlud.

Nach dieser „tierischen Einlage“ entschlossen wir uns die Mole einmal bis zum Seezeichen entlang zu gehen, was in der Tat eine deutlich längere Strecke ist, als man zunächst vermuten würde. Obgleich das Wetter nach wie vor recht trüb und der Blick auf den spätsommerlichen Alten Strom daher einigermaßen getrübt war, ließen wir uns den Besuch auf der „falschen Seite“ nicht vermiesen. Vom roten Leuchtfeuer aus ging es zurück in Richtung Yacht Hafen Residenz, die auf ersten Blick gar nicht so riesig wirkt, wie sie eigentlich ist und ad hoc auch noch sehr neu aussieht. Bei näherer Betrachtung zeigen sich dann doch bereits erste Spuren des Alters an den Fassaden der einzelnen Bauten und Schritt für Schritt wird einem das Ausmaß der Anlage bewusst. Gebäude reiht sich an Gebäude, dazu kommen verschiedene Häuser für Spa, Gastronomie, Seglerbedarf und sonstige kleinere Shops. Die gesamte Aufmachung der YHD ist dabei sehr schön, als Gast würde ich mir aber einfach nur verloren vorkommen.

Durchaus imposant und sehr großzügig dimensioniert: Die Yacht Hafen Residenz

Als chronisch neugierige Menschen mit einem gewissen Interesse an Booten entschlossen wir uns spontan zu einer etwas ausführlicheren Besichtigung der Marina, in welcher zahlreiche beeindruckende Segel- und Motoryachten vor Anker lagen.  Neben einigen Katamaranen gab es auch das ein oder andere motorisierte Modell von Sunseeker zu bewundern, dass doch durchaus Fernweh wecken kann 😉 Die sehr schön angelegten Steganlagen waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs nur mittelgut besetzt, weshalb wir nach rund einer halben Stunde auch langsam den Rückweg gen Fähre antraten. Dabei fiel abermals die Außergewöhnlichkeit der Anlage auf, in der sich die Angestellten mit Golf-Karts von Gebäude zu Gebäude bewegen und sogar ein eigener Hubschrauberlandeplatz nicht fehlen darf.

Sunseeker beim Auslaufen *yam yam*

Nach der neuerlichen Fährtfahrt entschlossen wir uns zu einer spontanen Besichtigung des Warnemünde Cruise Centers, an das man – da zu diesem Zeitpunkt ausnahmsweise kein Kreuzfahrtschiff vor Ort war – ungewohnt nah heran kam. Bei näherer Betrachtung des Glaspalasts überkam uns übrigens recht schnell der Eindruck einer überdimensionalen Bushaltestellte .. von Außen schick aber letztendlich primär zweckmäßig 😉 An das Cruise Center schließt sich der „Zwiebelschuppen“ von Karls an, an dem wir (natürlich) nicht vorbei kamen. Da hier jedoch im Wesentlichen die gleichen Waren wie im Pier 7 bzw. in Rövershagen angeboten werden, war unser Besuch dort eher von kurzer Dauer.

Haltestelle für Kreuzfahrer

Nach einem schönen und interessanten Tag auf der einen und anderen Seite des Seekanals wurde es so langsam Zeit für die obligatorischen Formalitäten: Die Ferienwohnung musste bezahlt werden. Selbiges war jedoch schnell erledigt, so dass wir uns zügig mit einem Fischbrötchen und einem separaten warmen Brötchen gewappnet in Richtung Strand begaben. Dabei fiel auf, dass ganz offensichtlich das Wochenende in Warnemünde angekommen war, denn im Vergleich zu den letzten Tagen bevölkerten ungewohnt viele Menschen den Alten Strom.

Bei wenig Wind und angenehmen 16°C spazierten wir am Strand die mittlerweile schon fast ausgetretene Strecke bis zum Neptun und entschlossen uns auf der Rückkehr zur spontanen Einkehr bei Schusters Strandbar. Obgleich ich die Location ja bereits an anderer Stelle umfänglich und intensiv gelobt habe, kann ich diesen Aspekt auch diesmal nicht aussparen: Dezente Beleuchtung, strahlend weiße Möbel, eine freundliche Bedienung gepaart mit toller Aussicht auf Promenade und Ostsee – was will man mehr? Genau .. eines der kuschligen „Betten“, auf welchen man es sich auch an kühlen Abenden (und es war ein eben solcher) mit Decken und Kissen gemütlich machen kann. Inmitten eines solchen Betts, dezent beleuchtet von blauen Deckenspots und bestens versorgt mit einer heißen Schokolade, ließen wir den Ostsee-Urlaub so langsam ausklingen. Mit Blick auf den langsam einsetzenden Sonnenuntergang klingt die Cafe del Mar-Musik abermals stimmiger und neben dem Besuch bei Herberts, zählte unser Aufenthalt in der Strandbar defintiv zu den Highlights der gesamten Woche.

Abendstimmung in der Strandbar

Nach rund 1h im Kuschelbett wurde uns dann aber doch etwas kühl und wir entschieden uns – auch mit Hinblick auf die angreifenden Mücken – erneut in Richtung Alter Strom aufzubrechen. Dabei kamen wir nicht ohne einen Zwischenstopp beim dänischen Softeis-Stand aus, der uns ein weiteres mal mit seinen leckeren Spezialitäten versorgte. So gewappnet begaben wir uns auf einen letzten nächtlichen Spaziergang an der Mittelmole und dem Seekanal, bevor wir zum Tagesabschluß einem Musiker am Alten Strom bei seiner sehr gelungenen Interpretation von Mecky Messer lauschten.

Viel zu schnell ging dieser letzte Tag in Warnemünde zu Ende, was sicher auch der (leider) viel zu früh einsetzenden Dunkelheit geschuldet war.

Weitere Eindrücke des Samstags gibt es drüben in der Gallery: Link.

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