Der Gletscher ruft: Skiurlaub im Stubaital – Part 1

Nachdem unser Skiequipment nach Oberstdorf „schon“ rund 10 Tage repräsentativ in einer nicht übersehbaren Ecke des Wohnzimmer stand, wurde es wirklich mal wieder Zeit für einen Ausflug in den schneesicheren Süden 😉

Mit Hinblick auf die Wahl unserer Destination könnte man tatsächlich meinen, dass ich Wolfgang Ambros hier schon mehrfach zitierte Skifahrerhymne ein wenig zu oft gehört hätte („Und Dann Begib I Mi / Ins Stubeital Oder Nach Zell Am See“), doch die Wahl des Gebiets oblag erneut allein Dani 😉 Zunächst war ich von Ihrem Vorschlag auch völlig begeistert („nur 550km“), solange bis ich feststellen musste, dass Google und TomTom bevorzugt über den Fernpass fahren wollten. Mit Hinblick auf das damit verbundene Risiko und die Tatsache, dass es für unser aktuelles Snowmobil keine Schneeketten gibt, entschlossen wir uns einen kleinen Umweg über München einzuplanen, welcher die Anreise auf dezente 602km verlängerte *hust*

Auch sonst fand dieser Skitrip eher spontan statt, da wir eigentlich ein Wochenende später fahren wollten. Wie wir jedoch unisono von allen befragten Stellen erfahren mussten, sei das Karnevalls / Faschingswochenende die mit einigem Abstand am stärksten frequentierteste Zeit des Jahres, weshalb wir mit nur  vier Tagen Vorlaufzeit unseren Urlaub im Stubaital fixierten.

Obgleich Spontanität ja durchaus spannend ist, bringt sie auch das ein oder andere Problem mit sich. So mussten wir mit einer sehr kurzen Vorlaufzeit feststellen, dass unsere Ausrüstung mit Hinblick auf vorhergesagte -26°C noch einige Lücken aufwies, weshalb wir eiligst noch ein paar Bestellungen tätigten.

An einem kalten Donnerstag Morgen fuhr ich also mit einem vollgepackten Auto erst Dani und danach mich zur Arbeit, um dann den gesamten Tag über mit viel Spannung die Sendungsdaten des dringend benötigten Equipments zu verfolgen. Da es hier wiedersprüchliche Aussagen gab, telefonierten Dani und ich lediglich 6x mit DHL (die sich übrigens ebenfalls nicht sicher waren, ob die Pakete jetzt gerad in der Zustellbasis oder im Wagen liegen würden) und spielten eifrig das „Sie kommen“, „Sie kommen nicht“-Spiel. Um für das Schlimmste vorbereitet zu sein, begab sich Dani in der Mittagspause nach telefonischer Recherche vorbeugend in die Frankfurter Innenstadt und organisierte kurzfristig qualitativ sehr hochwertige Skimasken – Wochenende gerettet!

Um 15:00 Uhr konnte ich dann doch noch die Pakete aus der Packstation abholen (+30km) und anschließend Dani abholen (+30km), welche unsere Abfahrt dann doch noch einige Minuten verzögerte 😉 Kurz vor 16 Uhr setzten wir dann endlich Kurs gen Süden .. passenderweise von etwas Schneefall begleitet. Bereits auf den ersten Kilometern war der Verkehr recht dicht, so dass unser Wischwasserbehälter sich schneller leerte als die Restkilometer zum Ziel abnahmen 😉

Bis München kamen wir so mit ca. 110km/h in weitestgehend akzeptabler Geschwindigkeit voran und hörten dabei zur Einstimmung auf den Gletscher Alfred Lansings „635 Tage im Eis“ weiter (wir sollten dieses Wochenende noch einige Momente erleben, die es uns leichter machen würden das Gehörte visualisieren zu können). Rund um die bayerischer Hauptstadt nahm der Spaß dann jedoch ein recht abruptes Ende, da der Schnee deutlich zunahm und wir in eine Schneepflug-Phalanx nach der anderen gerieten. Dies führte zwar zu einigermaßen gut geräumten Straßen, drückte die Geschwindigkeit über recht lange Zeit auf anstrengende 50km/h. Mit insgesamt 40 Minuten Verspätung und nervlich etwas angekratzt, erreichten wir gegen 20:40 Uhr die letzte Shell Station vor der Deutsch-Österreichischen Grenze. Diese kam uns vor Ort dann plötzlich sehr bekannt vor, hatten wir doch auf dem Weg zum Schliersee hier bereits getankt. Fix war das Snowmobil nochmals aufgefüllt und auch die erforderliche Vignette für die österreichischen Autobahnen war ebenfalls schnell erworben.

Nach dieser Rast fanden wir uns auf weitestgehend leeren Autobahnen wieder, die jedoch in etwa zum Zustand des Rasthofes entsprachen: Räumdienst? Überbewertet! Dank der geringen Verkehrsdichte kamen wir trotzdem recht gut voran und fuhren kurze Zeit später über die Grenze. Dann passierte etwas, dass ich zu so später Stunde nicht wirklich erwartet hatte und auch nicht wahr haben wollte: Nahezu die gesamte A12 war per dynamischer Beschilderung mit dem schlichten Wort „Glättegefahr“ auf 60km/h (!!) limitiert. Während wir uns diesem, mit Hinblick auf die perfekt geräumte Straße nicht recht nachvollziehbaren, Diktat brav unterordneten, wurden wir von gefühlt jedem Österreicher, Tschechen, Polen und Offenbacher überholt, der scheinbar ein liberaleres Verständnis für das Tempolimit hatte. Um diesem monotonen Teil unserer Fahrt ein wenig die Langeweile zu nehmen, begannen wir spontan das lustige Personenraten („Mann oder Frau?“ „Über 50?“ „Real?“). Batman, Bill Gates, Heidi das Opposum, Michaela Schaffrath und Ferdinand Porsche später erreichten wir dann auch endlich die avisierte Ausfahrt, an der wir nochmals 2,50€ Mautgebühr entrichten durften („Privatstraße“).

Während sich die (vermutlich) eindrucksvolle Landschaft um uns herum nur erahnen ließ, waren die vielen Papp-Polizisten am Straßenrand deutlich klarer wahrnehmbar. Gegen 22:10 Uhr bogen wir dann endlich in die Zielstraße ein, die entgegen der sonstigen österreichischen Fahrbahnen in einem recht „spannenden“ Zustand war. Die letzten 700m in Richtung unserer Unterkunft waren steil, schneeig und glatt. Das Snowmobil wühlte eifrig mit allen vier Hufen, so dass wir unser Ziel trotzdem weitestgehend problemlos erreichten.

Was dann folgte war ein sehr herzlicher Empfang unserer Gastgeberin und eine schnelle Führung durch die Wohnung. Selbige war erneut sehr modern, hochwertig ausgestattet und bot alles, was das Skifahrerherz begehrt (bequeme Betten, eine Dusche, Skistiefelheizung und WLAN). Trotz allem Komfort empfanden wir diese Ferienwohnung etwas unpersönlicher als in Oberstdorf, strahlte sie doch ein wenig die Atmosphäre eines (guten) Hotels aus.

Diesmal leider keine Fotos vor dem "Einzug" 😉

Der Abschluss des Tages kam dann mindestens so schnell, wie man es nach rund 700km, einem Arbeitstag und ca. 6h Fahrt erwarten würde.

Hart erkämpft und dringend benötigt

Der Start in unseren ersten Skitag – den Freitag – erfolgte nach einer erholsamen aber doch etwas unruhigen Nacht in Kampl (gehört zu Neustift im Stubaital) ein wenig trödelig. Nach einem ausgiebigen Frühstück schälten wir uns vorsorglich noch in ein paar Lagen Kleidung als sonst, da auf dem Gletscher sportliche -26°C angesagt waren (eine Prognose, die sich als völlig zutreffend herausstellen sollte). Gegen 08:20 Uhr brachen wir also in Richtung Mutterbergalm auf, und fanden erfreulicherweise weitestgehend gute Straßenverhältnisse vor.

Irgendwo dahinten muss das Ziel sein..

Kurz vor 09:00 Uhr erreichten wir folglich bester Laune und bereits in gewohnter „Skigeilheit“ den noch sehr leeren Parkplatz der Seilbahn und konnten nach dem obligatorischen Erwerb der Skipässe auch zügig eine leere Gondel in Richtung Gletscher entern. Langsam aber stätig verließen wir das Tal und fuhren bei leichtem Hochnebel in Richtung Mittelstation (2100m). Von dort aus ging es direkt weiter zum Eisgrat (2.900m) und nach einem kurzen Umsteigen auch direkt zur Bergstation Schaufeljoch (3200m) – naive Menschen braucht die Welt. Während das Wetter aus der Gondel nämlich noch recht gut aussah („Was die nur wollen .. ist doch gar nicht so schlecht?“), schlug uns oben angekommen ein heftiger und vor allem schneidend kalter Wind ins Gesicht. Bei -26°C und über 30km/h Windgeschwindigkeit schmerzte augenblicklich jeder Quadratzentimeter Haut, der ungeschützt mit dieser unwirtlichen Umgebung in Kontakt kam. Auch das Skifahren lief zunächst alles andere als gut, da die Pisten von reichlich Neuschnee bedeckt waren und auf den Ziehwegen das Fahren eher zu einem Wandern mutierte.

Da ganz oben ging's los 😉

Schlechte Sicht, kaum erkennbare Pisten, eisige Verhältnisse .. JETZT fühlten wir uns wie in Lansings Berichten. Trotzdem fanden wir irgendwann eine „rettende“ Piste, auf der wir uns langsam wieder Richtung Tal begaben. Rund 200m tiefer sah die Welt schon deutlich besser aus und uns gelangen die ersten Kurven im ca. 5cm hohen Pulverschnee.

Kaum waren wir an der ersten Mittelstation angekommen, bemerkten wir auch die Schließung des oberen Teils des Skigebiets – damit waren dann „nur noch“ 77km der sonst 110 Pistenkilometer befahrbar – mit Hinblick auf die recht geringe Besucherzahl kein Problem und definitiv nachvollziehbar. Während das Wetter zügig besser wurde, erkundeten wir eifrig das Skigebiet und seine verschiedenen Abfahrten.

It's cool man!

Obgleich uns die breiten und leeren Pisten sehr gut gefielen, fanden die zahlreichen Plateaus weniger Anklang. Allzu häufig mussten wir längere Strecken mit Hilfe der Skistöcke quasi schiebend überbrücken, was doch sehr auf die Kondition ging. Dieser Fakt nahm uns vor allem am Nachmittag dann auch etwas die Experimentierfreude neue Pisten auszuprobieren, da unser Interesse primär doch dem Fahren und weniger dem Wandern galt.

Finde das neue Accessoire..

Ein wenig ungewohnt waren zudem auch die vielen Gondelbahnen, welche wir deutlich öfter frequentierten als die wenigen Sessellifts. In direkter Konsequenz ergaben sich zwar sehr angenehme Pausen mit der Möglichkeit gefrorene Snickers zu lutschen und Caprisonne „on the rocks“ zu genießen (definitiv äußerst empfehlenswert um auch vor dem Einkehrschwung etwas Energie zu tanken), trotzdem nervt das ständig An- und Abschnallen der Ski ein wenig. Nebenbei bemerkt hatte ich auch ein wenig mit der Höhe zu kämpfen, was sich in einer deutlich gesteigerten Atemfrequenz ausdrückte (anders gesagt: Trotz recht geringer Erschöpfung war ich ein wenig kurzatmig).

Gegen 13:00 Uhr entschlossen wir uns dann zu einer rund 60 Minütigen Pause im Martkrestaurant Eisgrat, dass auf rund 2900m mit einer tollen Aussicht sowohl in Richtung Gipfel als auch zum Tal lockt. Schnell fanden wir ein paar schöne Plätze und konnten eine passende Stärkung ergattern.

Futter .. wurde auch Zeit und macht gute Laune

Auch nach dem Mittag setzte sich unser Skivergnügen weitestgehend problemlos fort, bis wir gegen 16:15 Uhr – die Sonne verschwand bereits langsam wieder hinter den Bergen – die 10km „hochalpine“ Talabfahrt „Wilde Grub’n“ ansteuerten. Auf dem Weg zu dieser mussten wir erneut mehrere hundert Meter mit den Skiern über der Schulter über einen Ziehweg wandern (es hätte zurückblickend sinnvolle Alternativen gegeben), bevor wir uns auf die rote Piste bzw. Route begeben konnten. Diese war zwar stellenweise recht eng und auch vergleichsweise stark frequentiert, bot jedoch ein tolles Panorama auf die Landschaft und das Tal. Auf dem letzten Kilometer kündigte sich die Talstation bereits stimmungsvoll mit den Bässen der Apres Ski Bar an, die bei unserer Ankunft jedoch nur mäßig frequentiert war.

Nachmittagsstimmung auf 3000m
Equipmentversagen im Tal

Auf dem Rückweg zu unserer Ferienwohnung hielten wir dann noch kurz beim einzigen Supermarkt weit und breit, um „nur das Notwendigste“ einzukaufen. Dies bestand neben verschiedenen Kleinigkeiten primär aus Toilettenpapier (merke: FeWo nicht gleich Hotel .. eine Erkenntnis, die uns bereits in Oberstdorf kam) und Butter (kann man ja immer mal vergessen). Bei der abendlichen Herstellung stärkender Spaghetti fiel uns dann auf, dass unter Umständen auch noch Salz in die Kategorie „Notwendig“ gefallen wäre. Überraschenderweise macht sich ein Mangel desselben beim Endprodukt doch recht bemerkbar, was durch die gesteigerte Verwendung von Ketchup jedoch kompensiert werden konnte 😉

Während wir in der kuschlig warm geheizten Ferienwohnung (Fußbodenheizung UND Raumbelüftungssystem sind ein Traum) zu „The Voice of Germany“ entspannten, schloss ich den Tag mit der verheißungsvollen Frage: „Braucht man für Grießbrei eigentlich Milch?„.

Nach soviel Prosa gibt es jetzt auch noch ein paar Zahlen nebst Trackaufzeichnung unseres Tages (beachte: Liftzeiten bzw. Kilometer sind immer mit dabei):

  • Länge gesamt: 52,96km (verspätet mit der Aufzeichnung begonnen, Akku noch vor der Talabfahrt alle :-()
  • Reine Fahrzeit: 5:25h
  • Überwundene Höhe Bergauf: 5910m
  • Überwundene Höhe Bergab: 5480m
  • Höchstgeschwindigkeit: 57,75 km/h
  • Herzfrequenz Minimal / Maximal / Mittel: 90 / 176 / 135

GPS-Aufzeichnung vom Freitag [deltazoom=0;maptype=G_SATELLITE_TYPE;gpxelevation=show;gpxelevationcolor=green;gpxspeedchart=show;gpxheartratechart=show;gpxheartratechartcolor=red;urldisplaymode=none;gpxcheckpointinterval=none]

Weitere Fotos gibt es wie immer in der Galerie: Klick.

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