MINI on Fire: Probefahrt im MINI John Cooper Works Roadster

Augenblicke nachdem der rechte Zeigefinger den zierlichen, fast schon unauffälligen „Start“-Knopf gedrückt hat, vernimmt das Ohr, was das Auge zuvor schon voller Erwartung erfasste: Wir sitzen im stärksten Serien-MINI – dem John Cooper Works Roadster – und dieser macht sich mit einem sehr definierten „WROOM“ akustisch bemerkbar.

Kompakt, frech, schnell - der JCW Roadster

Kurz danach fällt die Drehzahl wieder gen Leerlauf; das kleine Monster brabbelt friedlich (aber ganz anders als im 120PS starken „normalen“ Cooper) vor sich und wir haben Zeit uns an das Neuland zu gewöhnen.

Der Innenraum unseres Probefahrzeugs ist fein aber nicht zu heftig ausgestattet. Das belederte bzw. teilweise mit Dynamica bespannte Amaturenbrett kennen wir nahezu 1:1 aus unserem MINI, neu sind jedoch die grau hinterlegten Anzeigen (sehr sehr chique), der Always-Open-Timer neben dem Drehzahlmesser (Spielerei), das deutlich höher aufgelöste und nun viel schnellere Navi (richtig klasse) sowie die Interieurleisten in Chili-Red (genial!).

Interieur und Exterieur lassen sich perfekt aufeinander abstimmen - so passt alles zusammen.

Der sonst dunkel gehaltene Innenraum ist hervorragend auf das äußere Erscheinungsbild abgestimmt, welches durch Chili-rote Rennstreifen auf Midnight-Black bestimmt wird. Während die Farbwahl nur begrenzt meinem Geschmack (White Silver metallic ist da viel spannender) entspricht, trifft das serienmäßige John Cooper Works Bodykit selbigen – genau wie die schwarzen Felgen – umso mehr. Einziger Wermutstropfen: Das zur Verfügung gestellte Exemplar verzichtet auf die JCW-Typenbezeichnung .. schade eigentlich, denn Understatement passt eher weniger zu diesem Über-MINI.

Nach einer kurzen Orientierungsphase im rund 1200kg schweren Roadster versinkt die Kupplung recht leicht am Bodenblech, auch der Schaltknauf gleitet weitestgehend widerstandsfrei in die Startposition „1“. Erwartungsvoll kupple ich ein und der Cooper setzt sich ganz brav und absolut intuitiv fahrbar (d.h. vollkommen alltagstauglich) in Bewegung. Die ersten Meter der Hanauer Landstraße sind erfreulicherweise recht frei, so dass ich bereits Augenblicke nach unserem Start auf die Probefahrt eine Gelegenheit erhalte, das 1,6l große Triebwerk nebst Turboaufladung kurz zu fordern. Selbiges reagiert willig aber nicht ruppig und beschleunigt den JCW mit einem spürbaren Tritt ins Kreuz ungewohnt schnell in den verantwortbaren Bereich der innerstädtischen Geschwindigkeitslimits.

Zwei MINI Piloten im frühlingshaften Feierabendverkehr

Bereits nach weniger als 1km geraten wir in allerfeinsten Feierabendverkehr und beschließen spontan das manuelle Stoffverdeck zu Gunsten eines einigermaßen sonnigen Himmels und 13°C zu öffnen. Schnell ist der manuelle Verschluss entriegelt; weitaus anstrengender gestaltet sich da das Zurückschieben des erst 1800km alten Verdecks. Als selbiges endlich in seiner Behausung einrastet und das Windschott ausgeklappt ist, steht fest: Wir brauchen das elektro-hydraulische Verdeck (bis 30 km/h funktional), denn dieser Kraftakt ist eher etwas für Puristen.

Während wir also etwas gelangweilt bis fast schon genervt im Verkehr mitschwimmen, entdeckt Dani ganz plötzlich die meiner Meinung nach spaßigste Taste des John Cooper Works. Der Schriftzug „Sport“ erscheint im Display des Drehzahlmessers und in meinem Kopf rufen sich Worte für „Overboost“ und „Gaspedalkennlinie“ in Erinnerung. Spätestens an der nächsten Ampel wissen wir auch warum, da plötzlich statt 1700 Umdrehungen pro Minute bei ähnlichem Pedalweg ca. 4000 Umdrehungen anliegen. Mit einem gewissen Kreischen beißen sich die 17″ Reifen in den Asphalt und der MINI stürmt nach vorn. Geht man vom Gas, quittiert das Fahrzeug dies zunächst mit einem dezenten Brabbeln (1,6l .. 4 Zylinder .. trotzdem richtig gut anzuhören!) um im Schiebebetrieb dann stets deutlich wahrnehmbar vor sich hin zu Röhren. So unterwegs spürt man zu jedem Augenblick, dass man sich im stärksten Serien MINI befindet, was insbesondere mit geöffnetem Verdeck (geschlossen ist die Wahrnehmung doch deutlich leiser) sehr viel Spaß macht.

Einige Staukilometer später entdecke ich die nächste Spielerei: Den automatischen Heckspoiler mit manueller Steuerungsoption (mittlerweile aus TT, Cayman und Boxster natürlich wohl bekannt). Im MINI ist selbiger jedoch abermals etwas fieser, da man im Rückspiegel sehr deutlich sieht, wenn sich die freche Theke in den Wind stellt. Herausfordernd grinsen mich die zwei Rennstreifen auf schwarzem Grund an und verbauen den Rest der ohnehin schon recht eingeschränkten Sicht nach hinten: Macht nichts.

Der automatische Heckspoiler: Ein Exemplar der frecheren Sorte

Irgendwann (nach rund 50 Minuten unserer zwei stündigen Probefahrt) erreichten wir dann ENDLICH etwas weniger befahrene Straßen. Dabei stellt sich heraus, dass der MINI absolut unaufgeregt aber sehr spaßig zu bewegen ist. Die Leistungsentfaltung ist quasi im gesamten Drehzahlband weitestgehend homogen, was ihn sehr intuitiv fahrbar macht. Im Vergleich zum Boxster / Cayman fehlt mir etwas der Kick und das Kreischen nach oben heraus (mit Hinblick auf die Motorenkonzepte natürlich völlig nachvollziehbar); dafür mag ich das äußerst berechenbare Fahrverhalten des Fahrzeugs.

Noch deutlich mehr als der normale Cooper fühlt man sich wie im Go-Kart, dass begierig nach jeder weiteren Kurve verlangt und aus dieser mindestens so souverän herausbeschleunigt, wie es sie vorher durchfahren hat. Geht man dabei zu optimistisch vor, wird man ganz unspektakulär, und genau wie man es als unbedarfter Mensch erwartet, vom ESP eingebremst. Selbiges geht jedoch weitestgehend dezent vor, so dass ein harter und stark spürbarer Eingriff in der Regel die Seltenheit bleibt. Anders der Sound des Turbos, den man insbesondere beim plötzlichen Lupfen des Gaspedals in Form eines klar wahrnehmen „Pfff“ präsentiert bekommt.

Auf den letzten Kilometern mit dem JCW vor dem Fahrerwechsel habe ich ein rundum gutes Gefühl: Der Wagen fährt sich vorhersehbar, rundum harmonisch und uneingeschränkt alltagstauglich (wenn man Alltag nicht als lange Autobahnetappen definiert). Die 211PS sorgen jedoch in Kombination mit dem Sound des Aggregats dafür, dass jeder Kilometer Spaß macht und man „Cabriofeeling at its best“ präsentiert bekommt. Die deutlich bessere Zugfreiheit als im Porsche (lockere Kommunikation in Zimmerlautstärke bei 130km/h stets möglich) tragen dazu sicherlich auch einen signifikanten Anteil bei. Meiner Meinung nach ist der John Cooper Works der Held der Landstraße, denn mit Hinblick auf die kompakten Abmessungen und die hervorragende Agilität fühlt man sich hier stets gut gewappnet und überholt das ein oder andere Hindernis mit spielerischer Leichtigkeit.

Der Über-MINI sieht von allen Seiten aus rundum stimmig aus

Nach ca. 40km stoppen wir für einen kleinen Fahrerwechsel und nehmen den MINI dabei auch nochmals von Außen etwas genauer unter die Lupe. Rote Bremssättel, tolles Aerokit, schön anzusehende Abgasanlage .. hier passt soweit alles. Die auch im Cooper S schon vorhandene Öffnung in der Motorhaube passt hervorragend zum frechen Heckspoiler. Etwas schade finde ich die nicht funktionalen Lüftungsöffnungen an den Seitenschwellern – dem Auge schmeicheln sie trotzdem 😉 An dieser Stelle sei auch noch kurz der Kofferraum nebst Durchreiche erwähnt, welcher ebenfalls absolut zu überzeugen weiß. Rund 240l Stauraum sollten für den täglichen Einsatz genügen und lassen sich mit Hinblick auf die recht simple Form hervorragend beladen. Sehr positiv fällt in diesem Kontext neben dem Platz hinter den Sitzen die vergleichsweise große Ladeöffnung auf, die der Konstruktion klassischer Kompaktwagencabrios ala SLK, MINI Cabrio, Audi A3 Cabrio etc um Längen überlegen ist. Hier passt ein Wasserkasten auch ohne größere Verränkungen ganz locker rein. Durch den Verzicht auf die (im Cooper sowieso völlig deplatzierte) Rücksitzbank ergibt sich somit ein hervorragendes Lade- und Staukonzept.

Ausreichende Staukapazität für den Alltag

Nachdem Dani das Steuer ihres (vermutlich) zukünftigen Alltagsbegleiters übernommen hat, habe ich etwas mehr Zeit mich mit den Feinheiten des kleinen Roadsters zu beschäftigen. Da wäre zunächst das stark überarbeitete Navi, welches nach wie vor Mitten im Tacho thront (wo auch sonst). Im Vergleich zu unserem R56 ist die Auflösung wie bereits erwähnt deutlich erhöht wurden und auch die Reaktionszeit wurde signifikant verbessert. Ferner freut sich das Ohr über die nun wahrnehmbare Stille, da die Kartendaten (wie mittlerweile üblich) auf eine eingebaute Festplatte verlagert wurden. Wenn man das Bedienkonzept des MINIs schon gewohnt ist, hangelt man sich in geübter Manier durch die minimal überarbeiteten Menüs, was sicher nicht jedem gefällt, aber durchaus annehmbar ist. Auf den Test der Smartphone-Anbindung nebst Twitter, Facebook, Musik-Streaming via Bluetooth etc. haben wir aus Zeit- und Akkugründen leichter verzichten müssen. In jedem Fall klingen sich die Weiterentwicklungen in diesem Bereich ebenfalls sehr interessant.

Spurassistent, MINI-Fahrzeugsymbol, Überarbeitete Auflösung: Eine schöne Weiterentwicklung

Während Dani uns mit spielerischer Leichtigkeit zurück in Richtung MNI-Niederlassung steuert (und dabei ebenfalls so ihre Erfahrungen mit der Sport-Taste macht 😉 ) teste ich die Einstellungen des Harman und Kardon Soundsystems. Selbiges steht für uns zwar fest auf der Must-Have-Liste, klingt aber insgesamt ein wenig unspektakulär. Da Sound jedoch wie so vieles im Leben hochgradig subjektiv ist, verzichte ich hier auf eine weitere Erörterung und sage einfach: Für den Alltag reicht es aus und kann das Cabriofeeling an der ein oder anderen Stelle sicher positiv unterstützen.

Ein wenig enttäuschend fallen jedoch die Sportsitze auf, was wir bereits im Vorfeld im Ausstellungsraum befürchteten. Der Seitenhalt ist hier gefühlt nur minimal besser als im Seriengestühl und wird dem Anspruch des kurvenräubernden Spaßmobils insbesondere im Rücken- und Schulterbereich nur mangelhaft gerecht. Ein Ausweg könnten hier die Recaro-Sitze sein, welche neben ihrer wirklich genialen Optik möglicherweise auch durch eine deutlich definiertere Sitzposition überzeugen könnten (da man diese Ausstattungsdetail jedoch so gut wie nirgends probesitzen kann, kann diese Frage nicht abschließend geklärt werden). Ob wir die rund 1500€ Aufpreis für unseren MINI später in Kauf nehmen werden, ist zum aktuellen Zeitpunkt jedenfalls noch nicht abschließend geklärt 😉

Rund 2km vor dem Autohaus möchte sich Dani dann nochmals der relativ schlechten Rundumsicht (insbesondere beim Schulterblick) versichern, weshalb ich mich hochmotiviert mit dem Dach abmühe. Bei ca. 20km/h muss ich dabei in einer relativ unangenehmen Sitzposition viel Kraft aufbringen, was ich für den Alltag erneut ablehnen würde. Spätestens hier ist sicher: Das Hydraulikverdeck ist Pflicht 😉

Gegen 18:45 Uhr geht unsere Probefahrt dann (wie so oft) viel zu schnell zu Ende. Das Gesamtfazit ist jedoch mit minimalen Ausnahmen (Seitenhalt der Sitze, manuelles Verdeck) rundum positiv. Der MINI John Cooper Works Roadster bietet genau das, wonach wir suchen: Ein alltagstaugliches Spaßmobil mit Open Air-Feeling. Intuitiv fahrbar, mit einer überzeugenden Dynamik ausgestattet aber dabei trotzdem sozialkompatibel und allwettertauglich.

Der Spaß beginnt spätestens nach dem Öffnen der Tür

Nun beginnt (mal wieder) die quälende Wartezeit bis sich das zeitliche Fenster für die geplante Anschaffung auch tatsächlich öffnet.