Reisetagebuch 2012 Tag 7 – Abschied

Unser letzter (ganzer) Tag in Warnemünde erinnerte uns ein wenig an das deutlich kühlere Sylt: Schon beim Aufstehen war das Blau des Himmels von Wolken bedeckt, obgleich die Sonne kurz vor einem Durchbruch zu stehen schien. So machten wir uns auf den Weg zum Bäcker und genossen dabei ausgiebig die kühle, aber trotzdem recht freundliche Morgenluft. Wie so oft konnten wir einen tollen Frühstücksplatz erhaschen und mit toller Aussicht ganz entspannt unsere Franz-Brötchen genießen.

Danach wollten wir eigentlich – ganz sportlich und um unsere gestressten Füße etwas zu schonen – eine Fahrradtour entlang der Küste unternehmen. Da wir in der Vergangenheit ja bereits (suboptimale) Erfahrungen mit Pedelecs gemacht hatten, dachten wir uns, die langen, ebenen und weitestgehend hindernisfreien Wege an der Ostsee wären hierfür ideal geeignet. Scheinbar waren wir jedoch die einzigen, die in Warnemünde auf diese wahnwitzige Idee kamen. Zwar gibt es quasi überall Fahrräder zur Vermietung (inkl. eines Services, der die Bikes sogar auf Anruf nahezu überall hin liefert), doch ein Rad mit elektrischem Hilfsmotor war quasi nicht aufzutreiben. Ein einziger Laden schien Pedelecs zu haben, doch diese waren scheinbar aus der aller ersten Produktgeneration und wirkten ebenso alt wie wenig vertrauenserweckend. Das wir in fast allen Geschäften auf unserer Suche auch noch mit einem absolut Minimum an Freundlichkeit bedient wurden (Vorsicht: Kunde droht mit Auftrag) trug nicht eben zur Verbesserung der Stimmung bei.

Also entschlossen wir uns auf bewährte Tugenden zurückzugreifen und zogen die für den Nachmittag geplante Hafenrundfahrt einfach vor. Zwar bestand der einzige sportliche Effekt hierbei (wie sich später herausstellen sollte) aus dem Zittern im kalten Wind, doch immerhin wurde unser Frust sofort durch spannende und neue Eindrücke überlagert. So enterten wir einige Minuten später einen Platz mit bester Sicht an Board der blauen Flotte und freuten uns auf die Tour mit dem modern wirkenden Schiff. Unsere Vorschusslorbeeren sollten sich nicht als übereilig vergeben herausstellen, denn sowohl die Kommentare, als auch die angenehme Art des Skippers waren sehr angenehm. Wir schaukelten also gemächlich in Richtung Rostocker Stadthafen, lernten dabei allerlei Neues über die Stadt und frischten bereits Gehörtes auf. Definitiv neu war für uns die Geschichte des gesunkenen Kutters, der nun mehr seit geraumer Zeit geborgen, aber dafür hoch verschuldet (und beschädigt) am Ufer der Warnow auf seine Anschlussverwendung wartet. Einige Zeit später erreichten wir Rostock, wo die meisten unserer Mitfahrer für eine Besichtigung der Stadt ausstiegen – wir schlossen uns diesem Massenphänomen ausnahmsweise nicht an, sondern warteten darauf, dass uns die wenigen Sonnenstrahlen wieder aufwärmten.

Vor dem Auslaufen sah noch alles ganz prima aus ;-)
Vor dem Auslaufen sah noch alles ganz prima aus 😉
Unterwegs auf der Warnow - mit sichtbarer Kälte
Unterwegs auf der Warnow – mit sichtbarer Kälte

So vergingen rund 20 Minuten, bevor wir bei etwas weniger Wind (sehr angenehm) und weitestgehend identischen Kommentaren (die Sache mit der Rundfahrt inklusive Zwischenstopp hat also nicht nur Vorteile) erneut in Richtung Ostsee bzw. Warnemünde tuckerten. Dort trafen wir gegen 14:00 Uhr ein und steuerten sofort die Ferienwohnung an. Alles Kuscheln auf dem frischen Bootsdeck hatte nichts geholfen, so dass wir uns kurzer Hand zu einem wärmenden Bad hinreißen ließen – schließlich wollten wir nicht den restlichen Tag mit Bibbern verbringen 😉

Als wir uns also von diesem rein körperlich nicht optimalen Erlebnis erholt hatten, wollten wir eine weitere Erfahrung des Vorjahres wiederholen und steuerten zielsicher den Pier 7 von Karl an. Leider wurden wir hier ein wenig enttäuscht (oder unsere Erinnerungen waren einfach unrealistisch positiv), denn zum einen war es bei Karl recht kühl (schon wieder) und zum anderen gab es weniger Auswahl bei den Kuchen, die uns auch nicht ganz so gut schmeckten wie 2011. Nun ja, immerhin die frischen Erdbeeren, welche wir zum Abschied mitnahmen, waren wie gewohnt absolut excellent 🙂

Eindruck vom Pier 7 - leider etwas dunkel
Eindruck vom Pier 7 – leider etwas dunkel

Da sich das Wetter mittlerweile etwas freundlicher zeigte und wir bedingt durch die verschiedenen „Ausfälle“ bis dahin ja eher wenig sportlich aktiv waren, entschlossen wir uns anschließend zu einem ausgedehnten Strandspaziergang inklusive Wassertreten (und mehrerer Telefonkonferenzen zur Deeskalation eines Kundenprojekts) – so ein wenig Meer jeden Tag wäre schon etwas Tolles. Anschließend gönnten wir uns weiteres Eis beim dänischen Fachmann, wobei ich Dani mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen versuchte .. dieses mal hat es auch geklappt.

Dani trägt die Verantwortung ;-)
Dani trägt die Verantwortung 😉

Gegen Abend wurde die Stimmung dann abermals besser: Endlich hatte die Stromdampfer Lounge geöffnet und wie schon im Vorjahr genossen wir dort bei heißen Getränken und ruhiger Musik einen phänomenalen Blick auf den Warnemünder Hafen kurz vor Sonnenuntergang. Dank Heizstrahler, weniger Gäste und einer sehr freundlichen Bedienung fühlten wir uns rundum wohl, so dass der Lounge-Besuch sogar noch positiver als zunächst vermutet verlief. Diese Location kann für einen entspannten Abend mit wirklich schöner Rundumsicht nur uneingeschränkt empfohlen werden!

Blick von der Stromdampfer Lounge - im Beitrag von 2011 gibt es da noch beeindruckendere Impressionen
Blick von der Stromdampfer Lounge – im Beitrag von 2011 gibt es da noch beeindruckendere Impressionen

Unsere Abendplanung war nun jedoch noch nicht beendet, da wir (wie anno 2007 – lang, lang ist’s her) beim Griechen im Teepott essen wollten. Auch dies eine ganz klare Empfehlung – schönes Ambiente inklusive passender Einrichtung und angenehmer Beleuchtung, sowie modernem Mobiliar und seinem sehr sauberen Gesamteindruck treffen hier auf zuvorkommendes und freundliches Personal, dass zudem noch durch einen sehr schnellen Service glänzt. Für ein leckeres Abendessen im Urlaub kann man hier also jederzeit guten Gewissens einen Tisch reservieren!

Hellas im Teepott - sehr empfehlenswert!
Hellas im Teepott – sehr empfehlenswert!

Anschließend begaben wir uns ein weiteres Mal auf einen kurzen Spaziergang durch die Nacht bis zum Neptun Hotel, wobei die Promenade an diesem Abend merklich voller als unter der Woche war – der wochenendliche Trubel kehrte langsam nach Warnemünde zurück.

Ein unverwechselbarer Anblick - der Abschied fällt schwer
Ein unverwechselbarer Anblick – der Abschied fällt schwer

So ging dieser Tag – und damit auch der Urlaub (dieses Jahr gibt es keinen Bericht vom Abreisetag) – mit vielen tollen neuen und alten Eindrücken zu Ende. Dank Danis perfekter Planung erlebten wir eine sehr schöne Woche im für uns neuen Sylt und dem schon sehr vertrauten Warnemünde (willkommen zu Haus). Beide Ferienziele könnten unterschiedlicher kaum sein, und sind doch unbedingt einen Besuch wert. Rückblickend würden wir aber empfehlen den hohen Norden spätestens Anfang September unsicher zu machen, oder zumindest auf einen goldenen Spätsommer zu hoffen. Während in Warnemünde nur unter der Woche recht wenig los war und auch verschiedene Locations schon nicht mehr geöffnet hatten, zeigte sich Sylt doch schon sehr von seiner ruhigen Seite.

Good Bye, Warnemünde
Good Bye, Warnemünde

Nach fast einem Jahr Bearbeitungszeit geht dieser Reisebericht nun also doch noch zu Ende (wer hätte es geglaubt) – mal schauen, ob wir das dieses Jahr besser hinbekommen 🙂

Weitere Eindrücke der letzten beiden Tage finden sich wie immer der Galerie: Hier  und dort.

Reisetagebuch 2012 Tag 6 – Zurück zu Karl

Nach den durchaus suboptimalen ersten Tageseindrücken auf Sylt, begrüßte uns Warnemünde nach unserer ersten Nacht im maritimen Kleinod auf seine schönste Weise: Mit blauem Himmel und kitzelnden Sonnenstrahlen. Auf diese Art geweckt zu werden, macht wohl auch den ausdauerndsten Langschläfer munter und so fanden wir uns bereits kurz nach 08:00 Uhr auf der absolut leeren, sauberen und friedlichen Promenade am Alten Strom ein.

Wie an jedem Sommermorgen zu dieser Uhrzeit waren wir nahezu allein; einzig begleitet von ein paar zur Arbeit schlendernden Verkäuferinnen und den ersten LKWs, die die hiesigen Lokale gemächlich mit Nachschub versorgten. Glücklicherweise war das Leben in der Stadtbäckerei bereits in vollem Gange, so dass wir nach einem Jahr Abstinenz endlich wieder genüsslich in ein warmes Franz-Brötchen beißen konnten. Schade, dass die Bäckerein im Mitteldeutschen Raum diese Köstlichkeiten noch nicht für sich entdeckt haben 😉

Franz-Brötchen am Morgen .. der perfekte Start in den Tag
Franz-Brötchen am Morgen .. der perfekte Start in den Tag

Beim Blick auf die leere Flaniermeile, die langsam hin und her schaukelnden Kutter, gewärmt von den morgendlichen Strahlen der Sonne und mit leiser ChillOut-Musik im Hintergrund kommt Urlaubsstimmung auf und jeder Wunsch auf Sightseeing und Adrenalin, alle Gedanken an Projektpläne, Timelines und kritische Pfade sind vergessen – so fühlt sich Erholung an und kann schöner kaum sein.

Warnemünde erwacht - gaaaanz langsam
Warnemünde erwacht – gaaaanz langsam

Nach diesem perfekten Frühstück zog es uns erneut dorthin, wo wir „zu Hause“ nicht hingehen können: Zum Strand. Dieser präsentierte sich ähnlich friedlich wie der Rest Warnemündes und so wartete heut anstelle von Flugsand nur ein leise rauschendes, wenig aufgeregtes Meer auf uns. Mutig zogen wir die Schuhe aus und stapften erneut auf den uns mittlerweile schon so vertrauten Pfaden in Richtung Westen bzw. Stoltera / Nienhagen. Vor einem Jahr summten wir wenige Meter weiter landeinwärts auf Segways dahin .. ebenfalls eine ziemlich coole Erfahrung 😉 Nach rund 4km drehten wir wieder um und schlenderten in ca. 45 Minuten zurück in Richtung Mole, wo das Leben mittlerweile erwacht war. Wie an (gefühlt) jedem Tag rangen die Werber der verschiedenen Reedereien für ihre Hafenrundfahrten und schlängelte sich die Bimmelbahn durch die zunehmenden Besucherströme. Wir gingen zielgerichtet zurück in die Ferienwohnung, tauschten unsere Thermounterwäsche gegen lockerer Kleidung (Sylt hat doch irgendwie Spuren hinterlassen) und schnappten uns kurze Zeit später das Auto.

Morgenstimmung am Strand
Morgenstimmung am Strand

Das erste Ziel unseres Tages sollte Karls Hof in Rövershagen sein, der uns schon im letzten Jahr mit so vielen tollen Erinnerungen im Gedächtnis geblieben ist. Ganz traditionell wollten wir dieses mal auch eigentlich mit der Warnow-Fähre fahren (rein optisch einfach etwas schöner als der Tunnel) und begaben uns dazu (sicher ist sicher) in die fachkundigen Hände des PCMs (Porsche Communication Management inkl. Navigationsmodul) 😉 Wie wir einige Kilometer und mehrere Minuten später feststellen mussten, lag die kleine Kiste aber irgendwie „daneben“. Zwar wussten wir natürlich wo der Fähranleger sein sollte, doch der Weg dorthin wollte sich uns auch „manuell“ nicht zeigen. Nach mehreren Wendemanövern gaben wir uns also unserem Schicksal hin und lenkten den Boxster – was auch sonst – erneut in Richtung Tunnel. Zwar mussten wir hierzu eine nervige Baustelle durchqueren, doch ging es auf diese Weise wenigstens grundsätzlich weiter. Ca. 20 Minuten später erreichten wir bei bestem Wetter Karls Erlebnishof, auf dem augenscheinlich nicht allzu viel los war.

Obgleich wir ja schon mehrmals bei Karls waren, ist ein Wiedersehen immer lohnenswert und bietet stets Potential neue Details zu entdecken. Am besten geht dies selbstverständlich bei frischen, kühlen Erdbeeren, die es in Rövershagen auch Mitte September noch zu kaufen gibt – allein das wäre die Reise (bei dieser Qualität der Ware!) schon wert. So frisch gestärkt ging es direkt weiter in das Erlebnisdorf und von dort aus mittels Minibahn ins Mailabyrinth. Den Eintritt in selbiges fanden wir mit 4,50€ pro Person zwar ungewöhnlich kostenintensiv, dafür stellten die Tickets gleich Jahreskarten dar (okay, davon hatten wir nicht allzu viel). Ich weiß nicht so recht, ob es an der fortgeschrittenen (Nach-)Saison oder den in diesem Jahr besonders aggressiven Besuchern lag, aber leider präsentierte sich der semi-natürliche Irrgarten in einem ziemlich traurigen Zustand.

Bei Karl dominiert Liebe zum Detail
Bei Karl dominiert Liebe zum Detail

Sehr viele Maispflanzen waren abgeknickt, überall fanden sich ungewollte Abkürzungen und Sichtschneisen. Hier war das Stapfen durch den Schlamm beim letzten Mal doch deutlich unterhaltsamer 😉 Auch das Layout des Labyrinths war weniger spannend, da man im Prinzip recht vorhersehbar drei großere Bereiche besuchen muss .. aber gut, für den kurzen Spaß zwischendurch war es schon okay. Nach der (recht zeitnahen) Rückkehr aus dem Labyrinth wartete die nächste große Enttäuschung, denn ERNEUT gab es keine Mutzenpommes. Diesem unglaublich leckeren Gebäck (?) mit Erdbeer-Konfitüre jagen wir schon hinterher, seit wir sie ein einziges mal bei Karls kaufen konnten .. leider ohne Erfolg. Auch dieses mal war der liebevoll hergerichtete Verkaufsstand schon geschlossen – Nachsaison ist doof 🙁

Dani: Verliert (fast nie) die Orientierung und (definitiv nie) die gute Laune ;-)
Dani: Verliert (fast nie) die Orientierung und (definitiv nie) die gute Laune 😉

So zogen wir ohne Stärkung weiter und kauften uns in eine Partie Minigolf ein – hier hatten Dani und ich noch eine Rechnung aus dem Vorjahr offen. Damals gelang es mir (überraschenderweise) Dani in gleich zwei Durchgängen relativ komfortabel zu besiegen. Dieses mal sollte alles anders kommen. Ich schiebe es auf die Mutzenpommes. Aus völlig ungeklärten Gründen schien ich jegliches Talent verloren zu haben und bin leistungstechnisch völlig eingebrochen. So konnte Dani sich am Ende über einen jederzeit ungefährdeten Triumph mit 11 (!) Schlägen Vorsprung freuen .. was für eine Niederlage. Dank vieler aufmunternder Worte ließ ich mich übrigens einige traurige Minuten später doch noch dazu überreden das Golf-Equipment gegen meinen als Pfand hinterlegten Autoschlüssel zurückzutauschen .. meine Profikarriere schien schließlich sowieso beendet.

Mit solchen Schlägen ging meine Karriere zu Ende
Mit solchen Schlägen ging meine Karriere zu Ende

Nach dieser enttäuschenden Zwischenstation feierte Dani ihren Triump ausgiebig auf dem völlig leeren Riesentrampolin – Nachsaison hat halt auch Vorteile. Nun wurde es aber wirklich Zeit für eine Stärkung, mit der wir uns im nahegelegenen Stall versorgten (Dani Wünsche waren so speziell, sie mussten sogar extra zubereitet werden. Damit sie nicht mit einem allzu leeren Tablett da saß, gab man ihr aber wenigstens eine lustig piepsende, blinkende und vibrierende Scheibe). Anschließend besichtigten wir ausgiebig das riesige, unglaublich detailverliebt gestaltete und sehr saubere Innen- und Außengelände des Hofes. An der ein oder anderen Stelle gab es neue Bauprojekte zu sehen und auch die unfassbare große Kannensammlung schien abermals gewachsen zu sein.

Ja, Dani wollte an diesem Tag besonders hoch hinaus
Ja, Dani wollte an diesem Tag besonders hoch hinaus

Nach rund 4h traten wir gegen 15:00 Uhr die Rückfahrt in Richtung Warnemünde an – nicht ohne das Fährproblem dieses Mal von der anderen Seite aus anzugehen 😉 Vorher hielten wir aber noch in der nach wie vor riesigen, imposanten und zumindest was Besucher und Gäste angeht chronisch leeren Yacht Hafen Residenz. Wie auch schon bei unserem letzten Besuch gab es jede Menge freie Parkplätze, eine kleine Vortragsveranstaltung, tolle Yachten und sonst sehr viel Stille zu sehen. Besonders spannend fand ich die ausliegenden Prospekte zu Bootsführerscheinen und Charterpreisen .. hier könnte sich in ferner Zukunft unter Umständen ein neues Hobby andeuten 😉 Zwar spazierten wir auch dieses mal auf der Mole entlang bis zum Leuchtfeuer, doch einen neuerlichen Besuch der Robbenstation ließen wir ausfallen .. man muss ja nicht jedes Erlebnis wiederholen 😉

Auf der Suche nach dem nächsten Fortbewegungsmittel ;-)
Auf der Suche nach dem nächsten Fortbewegungsmittel 😉

Anschließend setzten wir mit der Fähre über (ist übrigens nach unserer Erfahrung etwas teurer als die Fahrt durch den Tunnel) und entdeckten so endlich die überarbeitete Verkehrsführung. Diese ist irgendwie sehr ungewohnt und scheint mit Hinblick auf die verlängerte Fahrzeit durchaus noch Verbesserungspotential zu bergen. In jedem Fall erreichten wir früher oder später die Basis (also unsere Ferienwohnung), nur um diese wenige Augenblicke später wieder zu verlassen. Praktischerweise residierte der dänische Eisverkaufsstand quasi direkt neben unserer Haustür, so dass es nun endlich Zeit für diese Spezialität wurde, auf die wir uns ebenfalls schon so lange gefreut hatten. Unglücklicherweise dauerte Danis Vergnügen nicht allzu lang an, denn keine 300m stromabwärts wurde sie heimtückisch von einer gierigen Möwe attackiert, die nahezu das gesamte Eis quer über den Boden verteilte. Mit Hinblick auf den eher weichen Charakter der sahnigen Masse hatte von dieser Aktion jedoch niemand etwas .. außer einem Waffelfragment (und einer gewissen Schadenfreude, da bin ich mir sicher) konnte die böse Möwe quasi keinen Profit aus dieser Aktion schlagen.

Seerohr ausfahren..
Seerohr ausfahren..

Um diesen kleinen Dämpfer unserer maritimen Erholungstour zu verdrängen, stapften wir leicht gefrustet schnell weiter in Richtung Kreuzfahrtterminal. Vorbei ging es Pier 7 von Karl (tja, eine der Partys bei Anwesenheit von drei Kreuzfahrtschiffen oder mehr werden wir wohl auch dieses Jahr leider nicht erleben) und dem Forschungsschiff Alkor bis hin zum einsam wartenden Riesenschlepper Baltic. Unser Rückweg wurde durch die Vorfreude auf Herberts Stromdampfer Lounge beschleunigt, welche gemäß der Webseite heute auf haben sollte. Am Ort des Geschehens waren wir bereits leicht irritiert, als die entsprechende Taste im Fahrstuhl nicht leuchtete. Ein paar erfolglose Versuche später (und mit Hinblick auf die fehlende Beleuchtung des Dachgeschosses) stand dann fest, dass das Internet uns belogen hatte. Ein wenig frustriert ob dieser zweiten kleinen Niederlage spazierten wir nochmals bis zum Strand, drehten jedoch kurz nach dem Neptun ziemlich erschöpft um.

Abendstimmung nach einem langen Tag
Abendstimmung nach einem langen Tag

Nachdem wir auf dem Rückweg noch die hiesigen Immobilienofferten studierten (wer das Rhein-Main-Gebiet gewohnt ist, kommt auch hier nicht ins Stocken), erreichten wir die Ferienwohnung nach rekordverdächtigen 35253 Schritten an diesem Tag erschöpft, aber zufrieden – so muss Aktivurlaub aussehen 😉

Weitere Fotos gibt es drüben in der Galerie: Klick.

Reisetagebuch 2012 Tag 5 – Von der Nordsee an die Ostsee

Auch der Start in den fünften Tag unseres Sommerurlaubs begann einigermaßen unentspannt, wurden wir doch durch das Geräusch eines kräftigen Hagelschauers geweckt. Spätestens nachdem der Wecker gegen 6:40 Uhr einige Augenblicke später offiziell das Ende der Nacht verkündete, begann also unsere finale Vorbereitung der Flucht gen Festland. Schnell wurden die letzten Habseligkeiten verpackt und in mehreren Durchgängen im Auto verstaut, so dass wir bereits um 07:26 Uhr nach einer kurzen Stärkung die Fahrt zum Autozug antreten konnten.

Dort reihten wir uns keine 10 Minuten später am recht altbacken wirkenden Bahnhof in die Schlange wartender Touristen und Anwohner ein und bildeten eins der ca. 40 abtransportbereiten Fahrzeuge. Ein wenig überraschend fand ich an dieser Stelle die vergleichsweise „klassische“ Infrastruktur am Bahnhofsbereich – wirklich neu und modern wirkt hier nach meiner Wahrnehmung nichts. Irgendwann – es war gegen 08:00 Uhr – war die langweilige Wartezeit vorbei und wir durften erneut auf den Zug auffahren. Leider wurden meine Hoffnungen ein weiteres Mal enttäuscht, denn wir mussten wie auch schon bei der Fahrt auf die Insel im unteren Deck der Bahn parken. Wie wir in den nächsten Minuten feststellen mussten, ist die Fahrt mit dem Sylt Shuttle bei 12°C, leichtem Regen, etwas stärkerem Wind und ohne Motor bzw. Heizung gar nicht so angenehm, wie man gemeinhin vermuten würde 😉 Der Umstand, dass der Zug unterwegs mehrmals seine Geschwindigkeit verringern und teilweise stoppen muss (es gibt nicht durchgängig zwei Gleise), machte die Sache nicht gerade komfortabler 😉 Positiv sind mir hingegen die sehr individuellen Ansagen im Gedächtnis geblieben, die Touristen wie Einheimische jeweils separat ansprechen.

Ganz offensichtlich war es "etwas" frisch
Ganz offensichtlich war es „etwas“ frisch

Keine 40 Minuten später verließen wir die zuckelnde und ruckelnde Enge des Shuttles und nahmen erneut den Asphalt des Festlandes unter unsere Reifen. Unsere zielgerichtete Reise gen Ostsee nahm jedoch ein recht frühzeitiges Ende, da nach rund 20km erst einmal ein Tankstopp fällig war. Nach selbigem nahm der bis dahin eher ruhige Verkehr etwas zu und zumindest die Strecke bis zur Autobahn gestaltete sich eher zäh. Angekommen auf dem „Highway“ wurde unsere Reise deutlich schneller, obgleich sie von vielen Baustellen gekennzeichnet war. Auf den letzten rund 100km unserer insgesamt problemlosen Fahrt lachte uns dann ein blauer Himmel an, und so beschleunigte sich unsere Reise auf der A20 mit einem zunehmenden Maß an Vorfreude auf die „zweite Heimat“ Warnemünde. Dort kamen wir gegen 12:10 Uhr an und steuerten den Boxster – natürlich offen – in Richtung Promenade, um dann über kleinere Straßen unsere Ausladebucht in der Alexandrinenstraße anzufahren. Warnemünde begrüßte uns schon in den ersten Minuten so, wie wir es in den vergangen Jahren kennen und lieben gelernt haben: Viel Gewusel, maritimes Feeling allerorten und schönstes (wenn auch saisonalbedingt etwas kühles) Ostseewetter. Fix waren unsere Habseligkeiten in der Ferienwohnung verstaut (wir kannten sie ja schon aus demVorjahr) und ebenso rasch war der Porsche in der nahegelegenen Tiefgarage versteckt. Danach begaben wir uns – natürlich – sofort an den Alten Strom, an dem wir viel zu lange nicht waren.

Hier ist es schon viel wärmer - besser!
Hier ist es schon viel wärmer – besser!

Auch hier tobte das Leben, wuselten viele Besucher am Kai entlang und war die Luft gefüllt vom Dröhnen der Kutter und dem omnipräsenten Läuten der Werbeglocken für die vielen verschiedenen Hafenrundfahrten. Auf der anderen Seite der Promenade warten die bereits wohlvertrauten Geschäfte mit neugierigen Touristen gefüllt – willkommen zu Haus.

Für uns galt es zunächst so viele Eindrücke wie möglich aufzusaugen und das tolle Wetter bestmöglich auszunutzen. So setzten wir entschlossen Kurs in Richtung Leuchtturm, nicht ohne unterwegs (wie schon so oft zuvor) beim Futterkutter einen stärkenden Zwischenstopp einzulegen. Mit Hinblick auf Danis negative Erfahrungen mit diebischen Möwen im Jahr zuvor, waren wir dieses mal übrigens noch ein wenig vorsichtiger als sonst 😉 Angekommen am grünen Leuchtfeuer bot sich uns ein fantastischer Ausblick auf den malerischen, unglaublich lebendigen Vorort der Hansestadt: Rundfahrtschiffe, Fähren, Tanker, Kreuzfahrtschiffe .. alles wuselte kreuz und quer durch die Gewässer um die Warnow, während im Kontrast dazu ein klassischer Dreimaster am Kai vertäut lag – was für ein Unterschied zum mondänen, zu dieser Zeit schon so viel ruhigeren Sylt.

Blick von der Mole in Richtung Stadt und Strand - fast schon herbstlich, aber schön
Blick von der Mole in Richtung Stadt und Strand – fast schon herbstlich, aber schön

Noch auf dem Rückweg in Richtung Zentrum traf uns der Flugsand des an diesem Tag sehr breiten und weißen Strandes von der Seite, so dass wir kurzer Hand zu einem Strandspaziergang aufbrachen. Schnell zogen wir unsere Schuhe aus, krempelten unsere Hosen hoch und stapften durch die auslaufende Brandung der Ostsee. Da das Wasser in den natürlichen Becken am Strand sogar wärmer als die Luft war (na, zumindest das, was schon einige Zeit dort „eingelagert“ war), ergab sich ein tolles und sehr angenehmes Meeresfeeling, welches uns nach den vielen Regenschauern und der vergleichsweise kühlen Zeit auf Sylt mehr als willkommen war. So spazierten wir guter Laune den Strand entlang, vorbei am traditionellen Neptun, dem im Bau befindlichen neuen Ressort und immer weiter gen Westen, bis wir die Anfänge des Waldes erreichten (für Insider: Bis zum Beach 23). Dort drehten wir um und wiederholten die Übung, da es ja so schön war 😉

Wirkt doch richtig warm, oder?
Wirkt doch richtig warm, oder?

Wieder am belebten Alten Strom angekommen, zogen wir die Schuhe über und begaben uns sogleich in Richtung Kreuzfahrtterminal – wie gesagt, wir hatten Nachholbedarf 😉 In dessen unmittelbarer Nähe lag auch der bereits angesprochene Dreimaster, den wir sogleich aus der Nähe besichtigten. Auch am Pier 7 schien alles beim Alten zu sein .. augenscheinlich ist seit unserem letzten Besuch erstaunlich wenig passiert. Zu einem ausgedehnten Spaziergang durch Warnemünde gehört sicherlich auch ein Abstecher auf die Mittelmole und den Yachthafen, was wir direkt im Anschluss auch taten. Gaaanz langsam wurden die Füße träger und es stellte sich das Gefühl ein, angekommen zu sein.

Nachwuchssegler auf "fast" hoher See
Nachwuchssegler auf „fast“ hoher See

Um die Versorgung für die nächsten Tage zu gewährleisten, begaben wir uns anschließend auf den Marktplatz und zum dortigen EDEKA – die Verwendung eines Roadsters als Langstreckenfahrzeug (mit vergleichsweise wenig Stauraum) verlangt halt in manchen Details doch seinen Tribut. Auf dem Rückweg vom Einkaufen – voll bepackt und schwer tragend – fühlte ich mich ein wenig an Studentenzeiten in Stuttgart erinnert, als die frisch erstandenen Wasserkästen ebenfalls durch gefühlt die halbe Stadt getragen werden wollten 😉 Nach einem kurzen Stopp in der Ferienwohnung ging es erneut in Richtung Strand – da es aber mittlerweile ein wenig später und frischer war, hatten wir in der Zwischenzeit mit unauffälliger, aber höchst komfortabler Thermounterwäsche aufgerüstet.

Das vertraute Warnemünde-Panorama mit Leuchtturm und Teepott
Das vertraute Warnemünde-Panorama mit Leuchtturm und Teepott

So vorbereitet unternahmen wir einen ausgedehnten Abendspaziergang strandabwärts, verzichteten dieses mal aber wohlweislich auf das Wassertreten des Nachmittags 😉 Auf dem Rückweg in Richtung Mole hatten wir anschließend Gelegenheit Kite Surfern bei der Ausübung ihres spannenden Hobbys zuzuschauen .. ach ja, würden wir doch nur etwas näher an der Küste wohnen. Für das erste Abendessen in Warnemünde hatten wir bereits Wochen zuvor die Cubar ausgedeutet, schließlich hatten wir hier schon 2011 sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei einem sehr leckeren Hähnchen mit Brokkoli und Kartoffelwedges (Dani) bzw. einem mundenden Salat (ich), sowie gewärmt durch einen Mojito und MaiTai, kehrte langsam Ruhe ein und ein sehr intensiver erster Tag an der Ostsee ging bei toller Stimmung zu Ende.

Verdientes Abendbrot - lecker!
Verdientes Abendbrot – lecker!

Auch wenn wir nur ein Jahr nicht in Warnemünde waren, hatten wir doch ganz vergessen, wie wohl wir uns hier fühlten. Noch bevor wir nach über 29.000 Schritten (trotz 400km Fahrt an diesem Tag) müde ins Bett fielen (unterstützt von der Wirkung der Cocktails), freuten wir uns auf die morgendlichen Leckereien in der Stadtbäckerei, keine 150m von der Haustür unserer Ferienwohnung.

Gute Nacht, Ostsee
Gute Nacht, Ostsee

Wie so oft gibt es weitere Impressionen in der Galerie: Klick.

Reisetagebuch 2012 Tag 4 – Literweise Sonnenschein

Der vierte Tag auf Sylt begann im weitesten Sinne romantisch, wurde er doch durch das leise Prasseln eines feinen Regenschauers eingeleitet. Dies war zum einen nicht unbedingt das Geräusch, dass den Start in einen perfekten Urlaubstag angekündigt und führte zum anderen kurze Zeit später auch noch zu weiteren unangenehmen Effekten: Der akustische Eindruck wurde von Reizungen des Tastsinns abermals intensiviert.

Nachdem das Dachfenster geschlossen und das kalte Rinnsal gestoppt war, konnten wir leicht zerknirscht mit der weiteren Tagesvorbereitung beginnen. Diese sah jedoch eher suboptimal aus, da das Wetter tendenziell die Planung von Indoor-Aktivitäten nahelegte. Es gab jedoch eine letzte Hoffnung: So wirklich nass sollte es eigentlich (…) erst gegen Mittag werden. Also ab ins Auto und los in Richtung Wasser, denn für diesen Dienstag war ein Nordsee-Pflichtprogrammpunkt geplant – der Besuch des Wattenmeers. Als naiver Sylt-Besucher tut man sich hier jedoch etwas schwerer als gedacht, denn so richtig viel Watt zeigte sich uns während der Tage zuvor nicht. So versuchten wir unser Glück zunächst in Keitum, dass kurz vor 10:00 Uhr noch recht verschlafen wirkte. Der am Vortag erspähte Parkplatz in Meeresnähe war dann auch völlig leer und wenige Schritte später standen wir auch schon vor dem nicht (bzw. erst in einiger Entfernung) vorhandenen Wasser. Allerdings zeigte sich ein etwas eigenartiges Bild, denn das Schlickbecken war von vielen Buhnen und Schildern umsäumt und zudem recht klein. So zogen wir zunächst auf befestigten Wegen einige hundert Meter an der Küste entlang, bis wir auf eine neugierige Kuhherde trafen. Diese zeigte sich hochgradig interessiert an uns .. und wir an ihnen .. und vor allem an ihrer schier riesigen Weide (wow, so verwöhnt sind die Kühe im Rhein/Main-Gebiet nicht).

Die Kuhflüsterin am Werk (scheinbar lecker!)
Die Kuhflüsterin am Werk (scheinbar lecker!)

Kurz nachdem wir uns ausgiebig mit den nordischen Rindern bekannt gemacht hatten, entdeckten wir ein markantes Hinweisschild, dass uns mitteilte, dass abseits der Wege in diesem Bereich des Küstenstreifens eigentlich gar nichts erlaubt ist – vor allem kein Wattwandern. So erleuchtet traten wir schnellen Schrittes den Rückweg gen Auto an und begannen bereits unterwegs eifrig zu googeln. Durch irgendeinen Beitrag in irgendeinem Blog kamen wir dann auf die heiße Spur nach Morsum zu fahren. Gesagt, getan .. ziemlich genau dort, wo wir vermutet hatten, bog eine geteerte Straße von der Hauptstraße ab und führte uns auf recht direktem Weg durch die Felder in Richtung Deich. So fanden wir uns ganz unverhofft auf einem kleinen Parkplatz in unmittelbarer Nähe zu einer großen Treppe wieder und begaben uns nach kurzer Überlegung (der Himmel sah schon ZIEMLICH unfreundlich aus) in Richtung Watt.

Grün und grau - eine verheißungsvolle Mischung
Grün und grau – eine verheißungsvolle Mischung

Dank präziser Zeitplanung trafen wir ca. 45 Minuten vor Niedrigwasser ein und konnten die Nordsee daher eifrig dabei beobachten, wie sie immer mehr Landmasse den Füßen neugieriger Besucher freigab. Außer ein paar Schafen waren tatsächlich auch zwei oder drei andere Spaziergänger am Horizont erkennbar .. im Schlamm war jedoch niemand unterwegs. Niemand bis zu diesem Zeitpunkt, denn wir setzten fest entschlossen Kurs in Richtung des flüchtenden Nasses. Nach einigen Metern mit Schuhen mussten erst diese weichen und als der kühle Schlamm immer lockerer und tiefer wurde, sahen wir uns zunehmend gezwungen unsere Hosen dem Pegelstand entsprechend hoch und höher zu krempeln. Nachdem wir uns an das zunächst kühl wirkende Wasser der Priele gewohnt hatten, machte die Wanderung immer mehr Spaß. Wir stapften durch den lockeren Schlamm, freuten uns über Plätschern zu unseren Füßen und genossen den imposanten Blick auf einen kaum differenzierbaren Horizont aus Himmel und Meer.

Ich (mittig) bei der Wattwanderung - man kann die Außentemperatur erahnen
Ich (mittig) bei der Wattwanderung – man kann die Außentemperatur erahnen

Gerade als wir die Situation so richtig auskosteten, entschloss sich der Wettergott dazu alle Prognose zu ignorieren und einfach mal großzügig mit der Flutung des Watts von oben zu beginnen. Binnen weniger Augenblicke traf uns ein recht intensiver, erster Schauer, dessen Flüssigkeit mit Windböhen der Stärk 7 eher waagerecht auf unsere Körper traf. Dieses spannende Gefühl wurde abermals verstärkt, als sich dem Regen auch noch einige Hagelkörner beimischten .. grundsätzlich war hier von einer durchblutungsfördernden Wirkung auszugehen 😉 Der in den letzten Minuten gesunkene Pegel stieg wieder, während wir versuchten unsere Wanderung mit dem Rücken zum Niederschlag fortzusetzen. Typisch Nordsee ändert sich das Wetter binnen kürzester Zeit wieder, so dass wir schon wenige Augenblicke später Zeugen von mehreren, sehr schön anzusehenden Regenbögen wurden.

Dani am Ende des Rogenbogens - den Goldtopf hatte ich schon im Rucksack verstaut
Dani am Ende des Rogenbogens – den Goldtopf hatte ich schon im Rucksack verstaut
Kurze Zeit später
Kurze Zeit später war der Regenbogen verschwunden – komisch!

Wie sich wenige Minuten später (mehr als 10 waren es wirklich nicht) herausstellen sollte, wurde unser Enthusiasmus im Folgenden erneut auf eine harte Probe gestellt. Dem ersten Schauer folgte ein zweiter, dessen Intensität jedoch signifikant höher war. Binnen kürzester Zeit schienen wir nichts Trockenes mehr am Körper zu haben, der peitschende Wind trieb die Regentropfen von allen Richtungen unter unsere Kleidung. So vereinigte sich der am Nacken eindringende Schwall irgendwo in der Hüftregion mit dem Wassereinbruch in beiden Ärmeln, bevor ein größerer Strom gen Watt abfloss. Kurz gesagt war nun absolut alles nass .. von unseren Klamotten, über die tapfere kleine Kamera, bis zum iPhone (es hat übrigens alles überlebt). Mit einer derart intensiven Wanderung hätten wir zwar nicht gerechnet, ließen uns die Freude aber trotzdem nicht nehmen. Da man ja aber bekanntlich aufhören soll, wenn es am schönsten ist, begaben wir uns mit Hinblick auf den anstehenden dritten Schauer etwas demütig zurück in Richtung Auto. Kurz bevor wir dieses erreichten, begegnete uns eine geführte Wandergruppe, dessen Grinsen kaum breiter hätte sein können.

Auch unser Gesichtsausdruck war ähnlich erheitert, denn kaum hatten wir Unterschlupf unter der Stoffmütze des (temporär von einem anderen Auto eingeparkten) Boxsters gefunden, öffnete sich der Himmel erneut. Nachdem wir die triefenden Klamotten notdürftig verstaut hatten, düsten wir mit aktivierter Sitzheizung und Klimaanlage auf Anschlag (Entfeuchten, schnell!) zurück in Richtung Ferienwohnung. Dort legten wir nur einen gaaaanz kurzen Stopp inkl. Dusche ein, denn verrückt wie das Wetter war, zeigte es sich mit 17°C und blauem Himmel nun unerwartet von seiner besten Seite. So konnten wir bei herrlich duftender Spätsommerluft (eine sehr positive Interpretation!) und mit offenem Verdeck die Sylter Landschaft genießen, bevor wir nach wenigen Kilometern erneut in List ankamen. Entgegen unserer letzten Erfahrungen mit diesem netten „Städtchen“ war hier jedoch sehr viel los; der zunächst angesteuerte Parkplatz restlos gefüllt. Glücklicherweise fanden wir wenige Minuten später einen schönen und legalen Parkplatz in einer nahegelegenen Seitenstraße.

Sehr leckere Fischsuppe (laut Dani) und Dani, daneben: Gosch von Innen!
Sehr leckere Fischsuppe (laut Dani) und Dani, daneben: Gosch von Innen!

Nach so vielen intensiven Eindrücken am Morgen wurde es wieder einmal Zeit für eine Stärkung bei der Lokalgröße Gosch. Obgleich der Himmel durchaus einladend war, entschlossen wir uns dieses mal etwas konservativ einen Sitzplatz im Innenraum zu wählen. Auch hier war die Stimmung vom maritimen Feeling geprägt und wir hatten eine prima Aussicht auf das Geschehen am Sylter Hafen. Dieser Panoramablick wurde umso attraktiver, als bereits nach wenigen Minuten erneut ein Wolkenbruch niederging und das scheinbare Idyll in kühles Grau tränkte. Wo eben noch Heiterkeit herrschte, drängten die Besucher plötzlich auf jedem trockenen Fleckchen zusammen .. Naturgewalten verbinden offensichtlich 😉

Nach der dringend benötigten Mittagspause und in einer kurzen Phase ohne Schauer begaben wir uns dann auf den kurzen Weg hinüber zum Erlebniszentrum Naturgewalten in List. Von der überall ausliegenden Flyern glaubten wir einen einigermaßen guten Eindruck über das „Museum“ zu haben und freuten uns auf eine ansprechende, multimedial aufbereitete Informationspräsentation mit bleibenden Erinnerungen. Die Praxis sah leider nicht ganz so optimal aus, denn anders als andere „High Tech“-Museen (wie z.B. das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart) muss man in der Lister Ausstellung seine Old-School-Kopfhörer an jeder Station manuell einstecken um dann einer Endlosschleife an Informationen („Ahh .. das muss der Anfang gewesen sein“) zu lauschen. Kann man sicherlich so machen, ist bestimmt auch relativ zeitfüllend, aber hat uns spontan nicht so wirklich begeistert. Ansonsten war das Erlebniszentrum gefüllt von neugierigen und spielwütigen Kindern (okay, dass war nicht anders zu erwarten), die die verschiedenen Modelle und interaktiven Stationen ausdauernd blockierten. Trotzdem blieben uns verschiedene Installationen (z.B. zum Verlauf des Inselumrisses über die vergangenen Jahrhunderte, sowie zu den Effekten von Ebbe und Flut) positiv im Gedächtnis. Besonders die einstellbare Wellenmaschine fand ich durchaus imposant und auch ein Wiedersehen mit dem Seehund-Retter durfte nicht fehlen. Nachdem wir das Gefühl hatten als gesehen und die Aussicht ausreichend genossen zu haben, begaben wir uns zurück in Richtung Basislager. Zwischendurch nahmen wir noch probeweise Platz in einem nassen Renault Twizzy .. leider war dies so emotionslos, dass ich mich heute kaum noch dran erinnern kann.

Ein bisschen Wind, ein bisschen Wasser und viel Dani
Ein bisschen Wind, ein bisschen Wasser und viel Dani

In den letzten Tagen haben wir ja grob alle möglichen Winkel der Insel erkundet – den nördlichen Ellenbogen, den wilden Süden, den malerischen Osten und natürlich Kampen und seinen tollen Strand mittendrin. An diesem Nachmittag wollten wir nun ausnahmsweise mal nahe der Ferienwohnung bleiben und entschlossen uns zu einer neuerlichen Erkundung von Westerland.

So optimistisch wie möglich schlenderten wir daher durch die Stadt, besuchten einige der vielen kleinen Geschäfte und versuchten den sogar besungenen Mythos Westerland zu begreifen. So richtig gelang es uns um ehrlich zu sein jedoch nicht. Zwar bietet die vergleichsweise große Stadt an der Westküste eine recht große Auswahl an verschiedenen Shops, und auch die Promenade ist nett hergerichtet, und auch die Besuchermengen sind sogar zur Nachsaison nicht wenige – Begeisterung wollte trotzdem nicht so ganz aufkommen. So vergnügten wir uns dennoch bei einem extrem schnell weglaufenden Eis, schlenderten den Strand entlang und kehrten mit der Gewissheit in die Ferienwohnung zurück, dass das nächste Mal doch eine Unterkunft in Kampen oder Wenningstedt eine tolle Idee wäre.

Bereits während unseres ausgedehten Spaziergangs durch Westerland fassten wir den Entschluss, auch an diesem Abend nocheinmal ins tolle Kampen zurückkehren zu wollen. Gesagt getan, wenige Minuten später fanden wir uns an unserem Lieblingsort wieder. Leider hatte das Wetter scheinbar immer noch eine Rechnung mit uns offen, denn (wie so oft in dieser Woche) schlug uns ein strammer Wind entgegen und auch die in einiger Entfernung deutlich erkennbaren dunklen Wolken, wirkten nicht eben vertrauenserweckend. Wir begaben uns trotzdem auf die mittlerweile vertraute Strecke und bereuten es keinesfalls. Ein letztes mal bewunderten wir brandete Dünung, den breiten Strand und den Duft der Nordsee .. herrlich. Kurz vor der Rückkehr ans Auto schien uns der Wettergott den Abschied dennoch erleichtern zu wollen, denn die ersten Tropfen prasselten auf uns ein. So begannen wir eifrig durch die Dunkelheit zu Joggen um zumindest größeres Unheil nach Möglichkeit abwenden zu können. Dies gelang uns auch; obgleich Augenblicke nach der Ankunft am Boxster erneut ein kräftiger und nun auch ausdauernder Regenschauer einsetzte – Punktlandung.

Naturgewalten am Werk
Naturgewalten am Werk

So ging unser letzter, eindrucksvoller Tag auf Sylt zu Ende – gekennzeichnet war er neben vielen tollen Eindrücken nun durch ein paar traurige Minuten des Packens.

Auf Wiedersehen, Kampen!
Auf Wiedersehen, Kampen!

Weitere Eindrücke finden sich (für die Neugierigen) drüben in der Galerie: Klick.

Reisetagebuch 2012 Tag 3: Ab zur Südspitze Sylts

Nach einem ereignisreichen, aber gleichzeitig auch recht anstrengenden zweiten Tag in Sylt, fielen wir schnell in einen sehr tiefen Schlaf. Dieser wurde – zumindest in meinem Fall – relativ unsanft beendet, als Dani mich um 06:00 Uhr nachts morgens auf das laute Prasseln des Regens aufmerksam machen wollte.

Eben jener Klang, verstärkt durch den Wind, welcher die Tropfen mit zusätzlicher Wucht auf das Dachfenster aufschlagen ließ, versprach nicht unbedingt ideale Aussichten für den kommenden Urlaubstag. Etwas zerknirscht schlief ich wieder ein, um rund 1,5h später von einer abermals optimierten Geräuschkulisse geweckt zu werden: Auf dem Nachbargrundstück wurden Pflastersteine mit so einer tollen, technisch beeindruckenden, hydraulischen Betonsäge passgerecht in Form gebracht. Dies geschah naheliegender Weise in einer sehr deutlich wahrnehmbaren Lautstärke, welche das generell schon nicht angenehme Kreischen abermals in den Vordergrund treten ließ. Zusammenfassend könnte man sagen, dass der Start in unseren dritten Tag auf Sylt also alles andere als entspannt verlief.

Wie dem auch sei – der Wetterbericht deutete daraufhin, dass dieser Montag der schönste Tag der Woche (gemessen an Sonnenstunden und Höchsttemperaturen) werden sollte und während wir noch leicht schläfrig frühstückten, bahnte sich dann auch bereits die Sonne einen Weg durch die Wolken. So kam es dann auch, dass wir wie überraschend oft während unseres Kurztripps nach Sylt um 09:30 Uhr mit geöffnetem Verdeck gen Tagesplanung aufbrechen konnten. Nachdem wir am Vortag ja bereits den nördlichsten Punkt Deutschlands erkundet hatten, stand heute der Sylter Süden auf dem Plan. Die 19km bis Hörnum verliefen erneut auf recht leeren Straßen und führten uns sowohl durch einige kleine Ortschaften, als auch vorbei am Parkplatz der legendären Sansibar (später mehr..). Angekommen am Zielort fand sich ein sehr zentral gelegener und fast völlig leerer Parkplatz, welcher mit 2€ für 3h auch noch sehr günstig war.

Morgendliche Idylle am Hörnumer Strand
Morgendliche Idylle am Hörnumer Strand

Unter blauem Himmel und bei leichtem Wind stapften wir also am sehr sauberen Oststrand der Insel gen Süden und ließen unseren Blick dabei über das fast völlig platte Meer schweifen. Die Bedingungen waren wirklich traumhaft (so traumhaft sie zumindest an einem September Morgen an der Nordsee sein können) und im Schatten des schönen Hörnumer Leuchtturms ließen wir fast völlig ungestört und begleitet nur vom Schreien einiger Möwen und dem Rauschen des Meeres die Seele baumeln. Während wir den Hafen Meter um Meter hinter uns ließen, fielen uns immer wieder die ungewohnt großen Quallen auf, welche in Form blauer Buckel in unregelmäßigen Abständen den Strand schmückten und dabei reglos der Brandung trotzten.

Die Sylter Küste von ihrer friedlichen Seite
Die Sylter Küste von ihrer friedlichen Seite

Die Beschaulichkeit der Ostküste endete abrupt am Südkap, dass sich durch eine vom Meer umkämpfte (und zum Baden gesperrte) Landzunge ankündigte. Auf einer Entfernung von wenigen Schritten traf Landschutz auf relativ starken Wind; prallte die bewegte See auf das platte Meer direkt vor der Insel. Unmittelbar vor uns fand ein Naturschauspiel statt, dass ich in dieser Intensität bisher fast noch nirgendwo gesehen hatte (dagegen empfand ich das Aufeinandertreffen von Ost- und Nordsee an der Nordspitze des dänischen Festlandes langweilig. Dies mag jedoch an den damaligen Witterungsbedingungen gelegen haben). Gebannt starten wir auf die bewegten Wassermassen, deren lautes Rauschen sich mit dem Tosen des Windes vermischte und einem buchstäblich die Sorgen aus dem Kopf wehte.

Links Ruhe; rechts Sturm .. beeindruckend
Links Ruhe; rechts Sturm .. beeindruckend

Nach einigen Minuten der ausgiebigen Bewunderung dieser imposanten Kraftdemonstration setzten wir unseren Weg langsam entlang der Sylter West-Seite gen Norden fort – begleitet von einer einsetzenden Flut und einer angenehm erwärmten Frühherbst-Luft (17°C .. man wird bescheiden). Kurze Zeit später erreichten wir eine weitere Variante der auf Sylt vielfach anzutreffenden Wellenbrecher – diesmal in Form von Tetrapoden. Auch diese bildeten erneut eine tolle Kulisse für das Schauspiel Kraft des Meeres gegen Insel: Wieder und wieder prallte die Dünung gegen die eigenwilligen Betonkonstrukte; flog die Gischt in mehr oder minder fein zerstäubten Tropfen durch die Luft. Der Geruch des Meeres drückte sich – wohl auch getrieben durch den Wind – tief in unsere Lungen, während unsere Haut mehr und mehr von der salzhaltigen Luft aufnahm. Insgesamt fand ich diese Szenerie so toll, dass man hier durchaus auch mehrere Stunden hätte verbringen können: Der sich ständig verändernde Anblick der Wellen, die mal mehr, mal weniger durch die Tetrapoden zischten, die ihrerseits zum Klettern, Sitzen und Ausguck nehmen einluden, faszinierte mich.

Dani bringt sich in Sicherheit
Dani bringt sich in Sicherheit
Die Wellenbrecher in Action
Die Wellenbrecher in Action

Einige Minuten des Staunens später setzten wir unsere Wanderung fort und erreichten recht schnell eine beschauliche Katensiedlung in den Dünen. Naiverweise könnte man den sich bietenden Anblick am ehesten mit Schlumpfhausen vergleichen: In relativ weitläufigem Abstand steht hier Haus an Haus, tief eingekuschelt in den Hang und verbunden über kleine Holztreppen. Neben vielen liebevollen Details auf und an den Grundstücken wird der Eindruck dominiert vom Blau des Meeres und dem Grün der Dünenbepflanzung, die scheinbar jeden freien Fleck zwischen den vergleichsweise kleinen Behausungen einzunehmen scheint. Gerüchteweise ist diese Wohnsiedlung besonders begehrt – u.a. beim Showmaster der wohl bekanntesten Quiz-Sendung auf RTL 😉

Schlumpfine sucht ihr Haus
Schlumpfine sucht ihr Haus

Zurück im Hörnumer Hafen wurde es erneut Zeit für eine kurze Stärkung – diesmal in Form von leckeren Crepes, die wir uns direkt am Strand und mit einer malerischen Aussicht auf das Meer und den Leuchtturm schmecken ließen. Anschließend statteten wir dem Hafen noch einen kurzen Besuch ab und nutzten die Gelegenheit einem Austern-Kutter beim Anlegen und dem anschließenden Löschen seiner Ladung zuzusehen. Als Landratte ist allein das schon ein recht interessanter Prozess, da die eingesetzten Geräte – genau wie der Kutter selbst – doch schon einigermaßen interessante Dimensionen haben 😉

Stärkung am Strand - perfektes (und leckeres) Urlaubsfeeling
Stärkung am Strand – perfektes (und leckeres) Urlaubsfeeling

Auf dem Rückweg vom Südkap hielten wir unterwegs auf dem Parkplatz einer weiteren Sylter Institution, die schon von Weitem her mit wehenden Piratenflaggen auf sich aufmerksam macht: Der Sansibar. Dank eher untypischer Besuchszeit und Nachsaison gab es hier mehr als ausreichend freie Parkkapazitäten, so dass einem weiteren kleinen Spaziergang nichts im Wege stand. So ließen wir das Mercedes-Benz VIP-Shuttle links liegen und begaben uns zunächst auf einem großzügig dimensionierten Sandweg durch die Dünen in Richtung Süden. Kaum hatten wir den Strand erreicht, drehten wir erneut gen Norden ab und näherten uns so „auf der Seeseite“ dem legendären Restaurant. Bereits die letzten Meter vor diesem waren einigermaßen enttäuschend, wirkte der Stand hier weder besonders weiß, noch besonders aufgeräumt. Der Aufgang zur Sansibar erfolgte dann über einen recht netten Steg und schon standen wir mitten im Mythos. Was soll ich sagen .. mir kam es vor, wie eine tiefergelegte Skihütte mit durchaus ambitionierten Gästen mitten in den Dünen. Will sagen: Definitiv nicht schlecht, aber letztendlich doch absolut greifbar und keinesfalls atemberaubend. Zu den kulinarischen Eindrücken kann ich natürlich an dieser Stelle nichts sagen. Was mich aber in jedem Fall als Gast des Hauses zumindest irritieren würde, wären die Menschenmasse, die zwischen „Haupthaus“ und Außenbereich auf dem Weg zum Strand munter durchlaufen. So entsteht doch ein sehr unruhiger Eindruck, der zumindest nicht meinen Präferenzen entsprechen würde.

Jaaaa, das ist die Sansibar (ohne den Leuten auf den Teller zu fotografieren)
Jaaaa, das ist die Sansibar (ohne den Leuten auf den Teller zu fotografieren)

Anschließend hieß es zurück in den Boxster und auf zur nächsten Tagesstation: Nun sollte es nach Keitum im Sylter Osten gehen. Da wir ausnahmsweise mal nicht die üblichen Hauptverkehrsstraßen fahren wollten, entschieden wir uns eine der vielen Nebenstrecke zu fahren, die das Navi in reichlicher Vielfalt anbot. Wie sich nach einigen Kilometern zeigen sollte, führte unser Weg über so manchen Abschnitt, den man landläufig eher als (bestenfalls noch geteerten) Feldweg bezeichnen würde 😉 So fuhren wir kreuz und quer auf legalen (!) Strecken durch die Felder der Insel und mussten so manchem Trecker ausweichen .. eine witzige Zwischeneinlage. Nach einigen imposanten Kilometern erreichten wir letztendlich auch unser Ziel und lernten erneut eine ganz neue Seite von Sylt kennen.

Sichtachse durch Keitum
Sichtachse durch Keitum

Wenn ich Hörnum spaßeshalber mit Schlumpfhausen verglichen habe, so ist mir Keitum als ein extrem sauberes, bis ins letzte Detail gepflegtes und sehr malerisches Hobbingen im Gedächtnis geblieben. Selten (vielleicht noch nie?) habe ich eine Ortschaft gesehen, die derart perfekt in Szene gesetzt wurde und den Eindruck versprühte, einem Bilderbuch entsprungen zu sein. Kleine Gasse münden hier in Straßen, die sich in perfektem Zustand befinden und Katen schmiegen sich nahtlos an imposante, größere Häuser. Dazwischen finden sich vereinzelt sehr renommierte Einzelhändler, die als solche jedoch kaum zu erkennen sind. Zusammenfassend hinterließ Keitum auf mich den Eindruck eines Museumsdorfes, das aus einer Zeit zu stammen scheint, als die Welt noch in Ordnung und frei von omnipräsenten Hundekot war.

Malerisch, stimmig, schön
Malerisch, stimmig, schön

Diese nahezu perfekte Idylle wurde während unseres Spaziergangs nur von einem Detail unterbrochen: Die zunehmend Frequenz von parkenden Fahrzeugen mit roten Zetteln hinter der Windschutzscheibe – wie so oft, ergibt sich der Eindruck von Perfektion also nicht von selbst 😉 Während wir also leicht verträumt an den verwarnten Fahrzeugen entlang schlenderten, ergab sich ein durch interessanter Dialog: Er: „Sag mal, parken wir eigentlich auch so wie die?“ Sie: „Oh .. guck mal, da steht unser Auto .. genau zwischen den anderen mit Zettel“. Glücklicherweise hatten wir kein Knöllchen, fuhren aber dennoch rasch weiter 😉 Auf dem Weg zu unserer nächsten Station schauten wir noch kurz beim La Martina Heritage Store vorbei – da es von dieser Art quasi nur genau einen einzigen in Deutschland gibt, kann ein Besuch ja nicht schade. Der Laden selbst ist übrigens (für alle Interessierten) sehr nett umgesetzt und erinnert ein klein wenig an Hollister in edel: Schicke Ausstattung, feine Waren, die gesamte Produktpräsentation im Stile eines gediegenen Strandhauses. Obgleich unser Besuch leider nicht von Erfolg gekrönt war, waren die Eindrücke doch durchaus sehenswert.

Nordische Dorfidylle
Nordische Dorfidylle

Von Keitum aus fuhren wir bei offenem Verdeck und bester Stimmung weiter in die Braderuper Heide, stoppten jedoch zwischendurch im kleinen aber feinen Munkmarsch. Neben dem ein oder anderen recht netten Hotel besticht dieses primär durch seinen malerischen Hafen, der auch die ein oder andere Sunseeker Yacht beherbergt – immer wieder schön zu sehen.

Unser anschließender Spaziergang durch die Braderuper Heide blieb uns als eine sehr empfehlenswerte und vor allem für Menschen mit Blick für die schönen Details der Natur tolle Erfahrung im Gedächtnis. Auf kleinen Pfaden und über viele Treppen geht es quasi quer durch die Dünen, während man mal längere, mal kürzere Sichtachsen auf das Meer, die Landschaft und umliegende Ortschaften hat – sehr abwechslungsreich und erneut sehr malerisch. Während uns eine frische Brise um die Nase wehte und wir von einer freundlichen September Sonne beschienen wurden, meldeten sich unsere Füße mehr und mehr zu Wort. So toll die Natur hier auch war und so sehr wie die Nähe zum Meer genossen .. ganz langsam wurde es Zeit für eine Pause. So erreichten wir nach einigen sich in die Länge ziehenden Minuten das Auto und wiederum einige Kilometer später gegen 16:00 Uhr unsere Ferienwohnung – zu diesem Zeitpunkt lagen bereits 22.000 Schritte hinter uns.

Die Braderuper Heide: Kleine Pfade, verspielte Treppen, schöne Aussicht
Die Braderuper Heide: Kleine Pfade, verspielte Treppen, schöne Aussicht
Einige von uns fanden den Tag zu anstrengend
Einige von uns fanden den Tag zu anstrengend

Nach 1,5h Erholung ging es wieder los – Erholen kann man sich schließlich auch nach dem Urlaub noch 😉 Erneut fuhren wir nach Kampen und diesmal nahmen wir auch die digitale Spiegelreflex mit .. die tollen Impressionen des Vortages sollten diesmal auch in digitale Memoiren umgewandelt werden. So wandelten wir auf vertrauten Pfaden und erklommen bei tollster Abendstimmung noch einmal die Uwe-Düne (ich glaube dieses mal hat Dani den Wettlauf auch gewonnen). Langsam schien sich eine gewisse Ruhe über die Insel zu legen, steuerten mehr und mehr Autos aus dem Sylter Norden zurück in Richtung der größeren Gemeinden.

Wie schon am Vortag gingen wir entlang des Roten Kliffs einige hundert Meter gen Süden, bevor wir über eine Treppe den Strand betraten. Auch an diesem Abend hatten wir Glück, bildete doch die Kombination aus untergehender Sonne, wenig Wind und rauschendem Meer eine urlaubsgerechte Komposition aus romantischen Sinneseindrücken für Ohr und Auge.

Panoramablick von Uwe Düne (höchste Erhebung Sylts)
Panoramablick von Uwe Düne (höchste Erhebung Sylts)
Das Rote Kliff - ist klar, oder? (keine digitale Nachbearbeitung!)
Das Rote Kliff – ist klar, oder? (keine digitale Nachbearbeitung!)

Die Harmonie des Augenblicks wurde dann durch den Anblick eines „armen“ Seehund-Babies unterbrochen, das aus ungeklärten Gründen allein am Strand lag und scheinbar hilfsbedürftig war. Noch bevor wir zum Handy greifen konnten, stand bereits eine andere Familie um den „Kleinen“ und hatte das Telefon in der Hand. So setzten wir uns in einen nahegelegenen Strandkorb und beobachteten das Geschehen. Bereits nach wenigen Minuten kam ein Pick-Up über den Strand gedüst, der sich (irgendwie ein wenig wie bei Baywatch) der kleinen Robbe näherte. Mit kundigem Blick wurde das Tier zunächst ausgiebig beobachtet, dann umrundet und wenige Handgriffe später mittels einer speziellen Bahre auf die Ladefläche des Fahrzeugs gehoben. Der Seehundretter verschwand ebenso schnell wie er kam .. und bevor wir uns versahen, war die Sonne ebenfalls hinter den Horizont gesunken.

Die kleine Robbe - ihr Schicksal nahm ein gutes Ende!
Die kleine Robbe – ihre Reise nahm ein gutes Ende!

 

So ging eine weitere tolle Strandwanderung zu Ende und wenige Minuten später erreichten wir erschöpft, aber glücklich (wie eigentlich jeden Abend), die Ferienwohnung. Nach 30.000 Schritten an diesem Tag schliefen wir schnell, sehr schnell, ein.

Ein toller Tag und eine Saison gehen zu Ende
Ein toller Tag und eine Saison gehen zu Ende

Und auch für diesen tollen Tag gilt: Viel mehr weitere Eindrücke finden sich in der Galerie: Klick.

Reisetagebuch 2012 Tag 2: Der Sylter Norden

Die erste Nacht auf Sylt verlief deutlich unruhiger als erwartet – irgendwie waren wir das getrennte Schlafen in (eifrig durch die Gegend rutschenden) zwei vergleichsweise kleinen Betten nicht gewohnt. Der anschließende Start in den ersten richtigen Urlaubstag erfolgte daher nicht ganz so gut gelaunt wie erwartet, was nicht zuletzt an einer gewissen Unentschlossenheit hinsichtlich des Themas „morgendliche Nahrungsaufnahme“ lag.

Normalerweise präferieren wir es am Wochenende uns ganz besonders im Urlaub frische Brötchen von oder idealerweise sogar beim Bäcker zu essen. Dies hat z.B. während unseres Urlaub 2011 in Warnemünde auch so gut funktioniert, dass wir ein Scheitern dieses Vorhabens erst gar nicht in Erwägung zogen. In Westerland kam es anders. Mit Hinblick auf die Tatsache, dass der nächste Bäcker über 1km entfernt lag und dieser Umweg so gar nicht in unsere Tagesplanung passte, griffen wir kurzer Hand doch zu den Aufbackbrötchen. Kurz vor unserem Aufbruch gegen 09:30 Uhr berichtete das Radio dann ganz motivierend von 4-6h Sonnenscheindauer an diesem lieblichen Sonntag, während mein iPhone (WeatherPro) nur von knickrigen 0,2h Sonne zu wissen glaubte.

Wie dem auch sei, rein in die warmen Klamotten, raus ins Auto, dieses in gefühlten zwanzig Zügen aus der Parklücke manövriert (schade, dass die Nachbarin ihren Fiesta mit einem Hummer verwechselte und der Meinung war, 1,5 Stellflächen okkupieren zu müssen) und ab gen List. Bereits nach den ersten Metern öffneten wir guter Dinge das Dach, blinzelten uns doch überraschend einige Sonnenstrahlen entgegen. Auf dem Weg nach Norden wirkte die nördlichste Insel Deutschlands dann sogar noch verschlafener als Warnemünde zur gleichen Zeit. Kaum ein Auto kreuzte unseren Weg, das fast schon legendäre Kampen schien noch im Tiefschlaf zu liegen und der Parkplatz im Zielgebiet (Naturerlebniszentrum) war völlig leergefegt.

Unterwegs auf unbekannten Pfaden
Unterwegs auf unbekannten Pfaden

Trotzdem machte die verträumte Gemeinde im hohen Norden einen sehr malerischen und freundlichen Eindruck auf uns. So erkundeten wir den Hafen, die lokalen Premiumgeschäfte und sogleich den Strand. An diesem gingen wir rund 3km gen Süden, vorbei an alten Kapitänshäusern mit Meerblick und dem Premium-Ressort Arosa. Nachdem uns der Wind kräftig durchgepustet hatte (und wir beim Ausflug auf eine Landzunge beinahe nasse Füße bekommen hatten), entschlossen wir uns auf dem Rückweg einen Pfad etwas mehr im Landesinneren zu suchen. Bei diesem Unterfangen verliefen wir uns so gleich in einer kleinen Siedlung, die aus einer überschaubaren Anzahl regionaltypischer Häuser bestand und äußerst beschaulich wirkte. Grundstück, reiht sich an Grundstück, überall finden sich verspielte Details und alles wirkte unglaublich sauber und aufgeräumt – wirklich sehr schön anzusehen und wie aus einer anderen Zeit.

Verträumter Blick in Richtung Lister Hafen
Verträumter Blick in Richtung Lister Hafen

Da wir uns für diesen Tag noch viel vorgenommen hatten (das Wetter sollte tendenziell eher noch schlechter werden), entschlossen wir uns den Exkurs durch den Lister Speckgürtel langsam zu beenden und kehrten – zunächst nochmals kurz über den Strand, dann entlang der Hauptstraße – gen Hafen zurück. Dort angekommen waren wir ob des nun völlig gefüllten Parkplatzes sehr überrascht und entschlossen uns spontan zu einer kurzen Stärkung bei Gosch (wo auch sonst ;-)) Zuvor ergatterten wir schnell noch ein paar Karten für die Fangfahrt ins Wattenmeer, die quasi ebenfalls schon seit Wochen fest auf dem Programmplan stand. Bei Gosch war es im Übrigen erneut wie fast überall in Sylt: Nordisch freundlich 😉 Nach der dringend erforderlichen Nahrungsaufnahme ging es dann auch schon in Richtung Kutter, der (leider) ebenfalls bereits sehr gut gefüllt war. Kurz haderten wir etwas mit einem passenden Sitzplatz, bevor wir uns letztendlich backbord achtern etwas ab vom Schuss niederließen. Die Stimmung war trotzdem gut, als sich das urige Gefährt bei leichtem Wellengang langsam aber stetig aus der Hafenausfahrt bugsierte. Der Decksmann erzählte auf angenehm lockere und humoristische Weise ein paar Dinge zum Kutter, dem Fischen und dem Watt, während wir uns den Wind um die Nase wehen ließen.

Unterwegs lockerte sich die Sitzordnung erfreulicherweise etwas auf, so dass wir beim Auslegen des Fangkorbes am Heck quasi aus nächster Nähe zuschauen konnten. Bereits nach wenigen Minuten wurde das Netz aus nur 3-4m Tiefe wieder nach oben gewuchtet und sein Inhalte – bestehend aus einer Vielzahl von Seesternen, Seeigeln, Krabben und Schwertmuscheln; garniert von einer großen Qualle – zu Anschauungszwecken in eine Kiste überführt.

Auf hoher See
Auf hoher See

Der restliche Teil der Fahrt bestand dann abwechselnd aus den Erklärungen des Decksmann zu den einzelnen Bestandteilen der „Beute“ (inklusive optionaler „HandsOn“-Erfahrung), der Sichtung von Seehunden irgendwo ganz weit am Horizont und einer Besichtigung des sogenannten Ellenbogens von der Seeseite aus. Insgesamt war die Kuttertour absolut empfehlenswert und sehr kurzweilig, so dass sie leider viel zu schnell schon wieder vorbei war.

Wieder an Land angekommen bestiegen wir so gleich unser etwas schnelleres Fortbewegungsmittel und steuerten selbiges in Richtung Sylter Ellenbogen. Bei diesem handelt es sich um den nördlichsten Teil der Insel, welcher gegen eine Gebühr von 5€ auch befahren werden darf. Neben zwei Leuchtürmen, mehreren Parkplätzen und einer wahnsinnig hohen Dichte an (Kite)Surfern gibt es hier auch (wie überraschend) den nördlichsten Punkt Deutschlands zu bewundern. Da wir dieses beschauliche Flecken Land nun schon einmal unter die Räder genommen hatten, ließen wir es uns natürlich auch nicht nehmen, alle touristischen Highlights zu besichtigen. Insbesondere die extrem hohe Anzahl an Surfern war äußerst beeindruckend – man fragt sich hier wirklich, wie sich Kollisionen bei so vielen Brettern und Schnüren auf engstem Raum zuverlässig vermeiden lassen 😉 Nach einer Stippvisite an beiden Leuchttürmen schnallten „wir“ dann hoch motiviert unseren Trinkrucksack (liebevoll „Kaupe“ genannt) um und machten uns zur Ostumrundung des Ellenbogens auf.

So viel Schnüre und kein Knoten - bemerkenswert
So viel Schnüre und kein Knoten – bemerkenswert

Unerfreulicherweise schien die Sylter Natur diese Idee nicht ganz so toll zu finden, da uns neben einer steifen Brise auch vermehrt Regentropfen (horizontal) entgegen kamen – nun, dass ist nun mal Nordsee-Urlaub im September 😉 Wir ließen uns die Stimmung davon natürlich nicht kaputt machen und stapften im losen Sand Meter für Meter in Richtung Festland – das reichhaltige Mittagessen musste auch wieder umgesetzt werden. Um ganz ehrlich zu sein, zog sich unsere Wanderung doch deutlich länger als zunächst vermutet in die Länge, so dass wir uns leider nicht mehr zu einem ca. 600m langen Umweg zu einem der nördlichsten Geocaches Deutschlands durchringen konnten .. nunja, es müssen halt immernoch Pläne offen bleiben. Irgendwann erreichten wir nach ca. 6km – relativ erschöpft und ziemlich durchnässt – erneut das Auto. Selbiges steuerte ich gegen 15:30 Uhr Augenblicke später über die schmale Straße, vorbei an freilaufenden und hochgradig ignoranten Zuchtschafen, langsam wieder in Richtung Süden.

Meeresstimmung
Meeresstimmung (und ich)

Auf dem Rückweg fuhren wir dann noch einen kurzen Umweg um die berüchtigte Whisky Meile in Kampen (Strönwai) zumindest gesehen zu haben. Ergebnis: Unspektakulär, überhaupt gar keine automobile Rarität .. offensichtlich ist die Nachsaison zum Carspotting nicht geeignet.

Eine quasi legendäre Straße - irgendwann werden wir nochmal zurückkehren, wenn mehr los ist
Eine quasi legendäre Straße – irgendwann werden wir nochmal zurückkehren, wenn mehr los ist

So steuerten wir den Boxster flinken Fußes zurück in Richtung Ferienwohnung, nicht jedoch ohne unterwegs bei einem Supermarkt Halt zu machen (jüngste Studien haben ergeben, dass das Zähneputzen mit Seife keine wirkliche Option ist und herkömmliche Zahnpasta daher zukünftig dringend im Reisegepäck zu berücksichtigen ist).

Dani sucht (und findet) neue Freunde
Dani sucht (und findet) neue Freunde

Mit bereits 21000 Schritten unter den Sohlen freuten sich unsere Füße über eine kurze Pause und während ich Notizen für den Blog schrieb, verabschiedete sich Dani kaum merklich aber dafür umso zügiger ins Traumland. Die Pause musste eine kurze bleiben, denn schließlich sind wir ja nicht zum Schlafen rund 700km gen Norden gereist 😉 Gegen 18:00 Uhr rafften wir uns daher – zum Leidwesen unseres Bewegungsapparats – erneut auf: Der Kurzbesuch in Kampen hatte doch Lust auf mehr gemacht.

Ganz offensichtlich haben wir Spuren hinterlassen ;-)
Ganz offensichtlich haben wir Spuren hinterlassen 😉

Dort angekommen (die Fahrt dauert ja nur ca. 10 Minuten) erwarteten uns jede Menge freier Parkplätze und eine tolle Abendstimmung. Zügig stellten wir den Porsche ab und begaben uns gen Westen und damit direkt an den Strand. Unterwegs bewunderten wir die äußerst gepflegten und zugleich vom Design her absolut stimmigen Nobelunterkünfte, bevor wir im Wettlauf den höchsten Berg der Insel – Uwe Düne genannt – erklommen. Ein paar anstrengende Schritte später erwartete uns in der luftigen Höhe von 52,5m über dem Meeresspiegel eine tolle Aussicht auf Kampen, das Sylter Umland und natürlich die aufgewühlte Nordsee. Letztere rollte unter dem Druck einer relativ steifen Briese kraftvoll und Woge um Woge auf den Strand, der sich (bei Ebbe .. wie zu diesem Zeitpunkt) über sicherlich 100m Breite erstreckt. Dieser Anblick lockte uns so sehr, dass wir einfach darauf zu gingen. Auf dem Weg gen Wasser passierten wir unweigerlich das ebenfalls recht bekannte Rote Kliff, dessen Name auf eine deutlich wahrnehmbare Färbung im Sonnenuntergang zurückgeht. Während wir unsere Körper kräftig gegen den Wind neigten, kämpften wir uns oben auf dem Kliff entlang ein paar hundert Meter gen Süden. Bei der nächstbesten bzw. erstbesten Treppe begaben wir uns dann endlich hinab in Richtung Strand, der bereits von einigen anderen Urlaubern bevölkert wurde.

Auf dem Weg von Uwe Düne zum Meer
Auf dem Weg von Uwe Düne zum Meer

Wie sich in den nächsten Tagen herausstellte, betraten wir an dieser Stelle das für uns schönste Fleckchen Sylt. Bei Niedrigwasser, mit dem Wind im Rücken und der Sonne, die im Augenwinkel langsam gen Horizont sinkt und dabei das Rote Kliff auch wirklich rot scheinen lässt, kommt Urlaubsstimmung auf. Insbesondere der Anblick des herrlich breiten, absolut sauberen Strandes bildet einen beeindruckenden Kontrast zu der aufgewühlten See, die sich wieder und wieder in den Uferanlagen bricht und Sylt dabei nebenbei gesagt jedes Jahr um ein paar Zentimeter wertvoller Landmasse bringt. Getragen vom Wind und bei angenehmen 17°C spazierten wir gedankenversunken in Richtung Norden und erreichten relativ schnell das Strandrestaurant La Grande Plage (an dieser Stelle sei nochmals betont, wie hervorragend sich der noch feuchte Sand läuft. Ein Traum zum Joggen, hätte man denn Gelegenheit dazu). Von dort aus ging es durch die Dünen und am sich in Restauration befindlichen Leuchtfeuer vorbei erneut in Richtung Auto. Unterwegs kamen wir am etwas mysteriös wirkenden Haus Kliffende vorbei (hohe Hecken, große Kameras, äußerst stabil wirkendes Tor), während die Sonne bereits fast völlig verschwunden war. Unvergessen bleibt mir übrigens auch die kleine Strichliste an einem Kurkartenkontrollhäuschen in Strandnähe, dass die täglich abnehmende Zahl von Besuchern erfasste.

Dani am "großen Strand"
Dani am „großen Strand“

Wieder in Kampen angekommen betrieben wir noch etwas Window Shopping, bewunderten die hiesigen Immobilienpreise und trauerten um die nicht vorhandenen Luxuskarossen. Anstelle der auf so vielen Fotos scheinbar omnipräsenten Kunstwerke aus Maranello stand vor dem Gogärtchen nur ein uralter Citroen – schade eigentlich 😉

Gegen 22:00 Uhr erreichten wir nach einer schönen nächtlichen Rückfahrt mit geöffnetem Verdeck mit vielen neuen Erinnerungen im Kopf erneut die Ferienwohnung – ein toller zweiter Tag auf Sylt ging zu Ende.

Weitere Impressionen gibt’s drüben in der Galerie: Klick.

Reisetagebuch 2012 Tag 1: Ich will wieder an die Nordsee..

Irgendwie ist das Thema Sommerurlaub bei uns bereits traditionell ein eher schwieriges. Zum Ende eines jeden Urlaubs nehmen wir uns vor das nächste mal „vieeeeeeeel mehr im Voraus“ zu planen und uns irgendeinen schone lange gehegten Reisewunsch zu erfüllen.

Dieses Jahr sah es sogar fast so aus, als ob uns das gelingen würde. Pläne wurden geschmiedet, Flüge verglichen, Reiserouten geplant, Mietwagen gesucht. Doch dann kam privat das ein oder andere „Projekt“ dazwischen und als diese soweit abgearbeitet waren, machte uns dann plötzlich der Job einen Strich durch die Rechnung. Vor Ende November gab es keine Chance mehr als eine Woche am Stück gemeinsam frei zu bekommen. Da ich so lange nicht mehr durchgehalten hätte (immerhin hatte ich dieses Jahr schon vier freie Tage) und die Bedingungen für eine nationale Reise (zumindest dieses Jahr) nicht mehr wirklich besser werden würden, entschieden wir uns mit rund drei Wochen Vorlaufzeit für 4 Tage Sylt + 3 Tage Warnemünde.

Und da sind wir nun: Beim Reisetagebuch 2012, Tag 1, der Anreise und Ankunft in Westerland nebst erster Eindrücke. Wie bei jedem Urlaubstripp kam vor der Erholung natürlich etwas Stress in Form des obligatorischen Großeinkaufs (am Donnerstag) sowie des möglichst effizienten Packens (am Freitag). Nach rund 3h Arbeit dachten wir Freitagabend auch noch auf einem guten Weg zu sein und das Schlimmste hinter uns zu haben. Um unser Ziel noch vor Sonnenuntergang zu erreichen, stellen wir den Wecker also frohen Mutes auf 06:45 Uhr und gingen beruhigt schlafen.

Das passt schon – das Auto hat ja gleich zwei Kofferräume!

Am ersten Urlaubstag erlebten wir dann unerfreulicherweise nach weniger als 20 Minuten den ersten Rückschlag: Obgleich wir das Auto schon teilweise beladen hatten, fügte sich die geplante Zusammenstellung an Koffern und Boxen für den vorderen Kofferraum des Boxsters nicht so zusammen, wie wir es gehofft hatten. Es gab ad-hoc nur drei Optionen: Ladung reduzieren (irgendwie konnte aber nix mehr da bleiben), die vordere Klappe ca. 5 cm offen lassen und mit Tape fixieren (nicht verkehrssicher und erst gar nicht stilecht) oder Umladen von stabilen und schönen Boxen in wenig ansehnliche Tüten. Keine 15 Minuten später und damit immer noch voll im Zeitplan, verließen wir die heimische Garage mit einem absolut randvoll gepackten Boxster. Sowohl der vordere als auch der hintere Kofferraum waren bis Oberkante Unterkiefer gefüllt und auch hinter den Sitzen waren die letzten Liter Stauraum beladen. Unser Anblick bewies: Man KANN mit dem Boxster zu zweit gut in den Urlaub fahren, MUSS man aber nicht. Nunja, in zwei Wochen sollten diese Sorgen der Vergangenheit angehören 😉

Gegen 07:30 Uhr schlugen wir also mit noch etwas kleinen Augen aber frohen Mutes beim Bäcker (gefrühstückt wurde während der Fahrt)  bzw. bei der Sparkasse (Ferienwohnung gab es nicht umsonst) auf. Wenige Minuten später fanden wir uns gemeinsam mit relativ wenigen Autos auf der A5 gen Norden wieder und näherten uns sogleich Meter um Meter dem 708km entfernten Ziel.

Man wächst an seinen Herausforderungen 😉

Bereits nach rund 40km – ich hatte mich gerade an das etwas andere Fahrgefühl des vollgeladenen Wagens gewöhnt – geriet unsere Reise das erste Mal ins Stocken. Ein ML hatte sich überlegt Feuer zu fangen, und im Rahmen der Bekämpfung dieser Störung beschlossen Feuerwehr und Polizei die Autobahn auf einen Fahrstreifen zu verengen – nicht lustig. Zum Glück verloren wir so nur rund 15 Minuten und spätestens nach diesem Zwischenfall galt das Zitat des Piloten aus „Pilots Eye – Düsseldorf – Male“ der da sagte: „Ab jetzt zieht sich’s“.

Um diese doch eher träge Transitphase zu verkürzen, brachte ich das PCM dazu „Blackout“ von Marc Elsberg wiederzugeben. Dabei handelt es sich um eines der interessantesten Hörbücher, dass ich bisher gehört habe (Hintergrund: IT-Angriff auf die Stromversorgungsinfrastruktur, soweit ich das beurteilen kann relativ realitätsnah, sehr spannend, absolute Empfehlung).

Studium der letzten Details noch während der Reise

Spätestens 30km vor Hamburg fing die Strecke an zäh zu werden und meine Lust zum Autofahren neigte sich bedächtig dem Ende. Im Elbtunnel stockte es wie immer, die Verkehrsdichte war hoch, die Durchschnittsgeschwindigkeit sank, die Stimmung tat es ihr gleich. Trotzdem erreichten wir irgendwann die letzte Ausfahrt der A7 vor der Bundesgrenze, welcher wir in Richtung Niebüll folgten. Spätestens hier war ich vom Tourismus in Schlewsig Holstein etwas enttäuscht. Die letzten ca. 50km bis zur Verladung auf den Autozug müssen auf einer einspurigen Bundesstraße zurückgelegt werden, welche dank mehrerer Ampeln und abknickender Vorfahrten dem touristischen Verkehrsaufkommen natürlich in keinster Weise gewachsen ist. Auch an der DB-Station konnte ich meine Begeisterung nicht so recht wiederfinden, herrschte doch allgemeiner Informationsmangel. Eine Tafel welche die aktuelle Wartezeit angibt fehlt ebenso wie (zumindest stellenweise) eine vernünftige Spurführung. So steht man also in langen Schlangen, starrt auf große rote Ampeln, beobachtet die anderen Autofahrer beim Kampf mit den Ticketautomaten und fragt sich, ob die Einordnung in Zone A oder Zone E jetzt irgendwie etwas Schlimmes zu sagen hat. Nebenbei kann man sich Gedanken darüber machen, ob es noch irgendwo eine Toilette gibt und wie man zu dieser Vordringen soll, ohne dem Nachbarn ein Autogramm der eigenen Tür zu geben. Kurzum: Ich fand die Situation schon zu zweit stressig; wie man diese mit Kindern meistern soll, ist mir ein Rätsel. Erfreulicherweise dauerte das gesamte Prozedere bei uns nur rund 40 Minuten, so dass wir uns (leider im Untergeschoss) und bei leicht einsetzendem Nieselregen ruckelnd und zuckelnd in Richtung Hindenburgdamm auf den Weg machten (Ticketkosten für Hin- und Zurück zusammen übrigens 86€).

Auffahrt auf den Autozug (perfektes Timing zum Drücken des Auslösers)

Ab hier wurde die Stimmung besser: Durch minimal geöffnete Fenster drang der Geruch des Meeres an unsere Nase, und während riesige Schaf- und Rinderherden an uns vorbei zogen, wurde das Land immer weniger und zunehmend mehr Meer umgab uns. Nach ca. 30 Minuten erreichten wir dann auch schon Westerland, wo wir in etwa genauso unspektakulär und fast schon unmerklich den Autozug verließen, wie wir ihn in Niebüll enterten. Die letzten 1,5km auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung waren dann schnell zurückgelegt, so dass wir unser Urlaubsdomizil für die nächsten vier Tage rund 8h nach Aufbruch in Friedrichsdorf in Augenschein nehmen konnten.

Rechts das Mutterschiff, links unser Domizil

Die aus dem Vergleich vieler Angebote als „Sieger“ hervorgegangene Ferienwohnung bestand in einem separaten Gebäude (am besten vergleichbar mit einem ausgebauten zwei-etagigen Bootsschuppen, ob gleich Dani der Meinung ist, da es sich um einen Neubau handelt) in der Nähe eines typischen Sylter Einfamilienhauses. Relativ zentral in Westerland gelegen, gingen wir von kurzen Strecken zu allen relevanten Orten (und damit natürlich auch zum Strand aus) und freuten uns auf einen modernen Standard. Tatsächlich befand sich das Objekt tatsächlich erst seit kurzem im Angebot und begeisterte uns mit einem absolut erstklassigen Zustand. Vor allem die vielen kleinen Details wie z.B. die Türknäufe in Form von Muscheln und das Sylt-Logo auf dem Stöpsel des Waschbeckens sorgten für das ein oder andere Lächeln – so fühlt man sich wohl. Auch sonst gab es in Form der separaten Schlafetage nebst Dachfenstern (tolles Prasseln bei Regen!), Einbauschränken, einem modernen Bad sowie einem eigenen Strandkorb mit Sichtschutz viele schöne Ausstattungsmerkmale zu finden. Entsprechend schnell waren auch die Formalitäten erledigt und der Schlüssel nebst Kurkarten übergeben.

Allgemeine Eindrücke des stimmigen Innenraums

Unmittelbar nach dem Auspacken eilten wir dann schnellen Schrittes in Richtung Promenade und Strand .. das frühe Aufstehen musste sich schließlich amortisieren – und außerdem knurrte uns beiden gehörig der Magen. Nach rund 800m befanden wir uns dann auch schon in Mitten der Westerländer Einkaufsmeile, die uns zurückblickend nicht so wirklich begeisterte. Zwar gibt es hier auffallend viele hochwertige Boutiquen (vorrangig für Bekleidung), die auch teilweise in schönen Gebäuden untergebracht sind, doch diese bestimmen (zumindest unserer subjektiven Wahrnehmung nach) nicht unbedingt das Bild der Promenade. An relativ zentralen Stellen finden sich vereinzelt recht angestaubt wirkende Geschäfte, die den eigentlich hochwertigen Eindruck einfach trüben.

Neutraler Eindruck der Westerländer Promenade – möge man sich selbst eine Meinung bilden

Wie dem auch sei .. zügig näherten wir uns dem entfernten Rauschen und nach einer kurzen Kontrolle der Kurkarten standen wir dann bereits mitten im Wind, aber mit tollem Blick auf das Meer.

Das erste Strandfeeling 2012

Da sich das Wetter hielt und das Gewusel nicht zu groß war, bogen wir spontan nach rechts ab und begaben uns vorbei an der Konzertmuschel in Richtung Norden. Vereinzelte Kite-Surfer fegten über die Wellen und während wir uns so langsam von der langen Fahrt erholten, kamen die ersten Begehrlichkeiten auf. Dani kämpfte mit dem Wind in den Haaren und mein Bauch meldete sich mit zunehmender Vehemenz und erinnerte an fehlenden Nachschub. So drehten wir nach ca. 2km wieder um und steuerten erneut die Promenade an. Zwar war eine erste Suche nach einer Mütze erfolglos, dafür verlief unser Erstkontakt mit der Lokalgröße „Gosch“ bzw. seinen Restaurants sehr positiv. Nach wenigen Minuten hielten wir eine stärkende Mahlzeit in den Händen, nach deren Genuss wir erneut in Richtung Strand aufbrachen.

Abendstimmung mit Blick auf das Hotel Miramar

Während die Sonne sich langsam aber unaufhaltsam auf den Horizont zu bewegte und sich das Meer Meter um Meter dem Niedrigwasserstand näherte, flanierten wir – ganz ungewohnt – auf einer Art gut ausgebautem Steg in Richtung Süden. Bei diesem Spaziergang kamen wir dann auch so langsam zur Ruhe und beschlossen erneut die Ferienwohnung anzusteuern. Noch unterwegs fiel uns dabei ein sonst so selbstverständliches Detail auf: Man sah weit und breit keine Schiffe, einen Hafen hat Westerland naheliegender Weise ebenfalls nicht zu bieten. Kein Problem, die folgenden Tage sollten uns ja noch ausreichend Gelegenheit geben die anderen „Ecken“ Sylts zu erkunden.

Sonnenuntergang am Strand von Westerland

Nach ca. 12.000 Schritten ging dieser Tag zur Neige, und wir fielen ziemlich müde in die etwas unvertrauten Betten. Leider verbrannte sich Dani kurz vorher an der Unterbaubeleuchtung (Halogen) der Küche, was eine schmerzliche Brandblase am Finger hinterließ 🙁

Weitere Foto finden sich wie immer in der Galerie: Klick.