Der Schöne und das Biest (Teil 2)

Nachdem ich im ersten Teil dieser Serie (Link) ja bereits über den groben Findungs- und Anschaffungsprozess unseres MINIs berichtet habe, soll es hier nun mit der Abholung und den ersten Eindrücken weitergehen (kurz als Auffrischung: Probefahrt im April, total begeistert, lange nach Angeboten gesucht, nahezu perfektes Fahrzeug beim Stammhändler gefunden, sehr kurzfristig alles klar gemacht, acht Wochen bis zur Abgabe des bisherigen MINIs ausgehalten).

Blauer Himmel, rotes Auto, Schäfchenwolken. Perfekt.

Meine Laune am Tag der Abholung hätte dann trotz der „Strapazen“ und emotionalen Anstrengungen am Vortag nicht besser sein können: Der 5er stand sicher in der Garage und nun hieß es die letzten Minuten bis zur Abholung des MINIs zu überbrücken. Frisch ausgeruht begaben wir uns gegen 08:45 Uhr gemeinsam in Richtung S-Bahn, da wir die ersten Kilometer im neuen Auto nicht getrennt fahren wollten. In rund 50 Minuten ruckelte und zuckelte uns die Bahn in Richtung Haltesteller Schwedlerstraße in Frankfurt, und wenn nicht ein Junggesellenabschied gröhlend und lallend den gesamten Waggon unterhalten hätte, wäre die Anreise sogar als durchaus entspannt zu bezeichnen gewesen. Dani nahm das alles – ebenso wie die Wartezeit und eventuell drohende Nervosität ob so einer großen Neuerung – übrigens relativ gelassen. Nach den Hochs und Tiefs des Vortags freute ich mich an dieser Stelle eigentlich auch nur noch über das (so nicht vorhergesagte) hervorragende Wetter und war zugleich neugierig und gespannt, was uns da so erwarten würde.

Mit geringer Verspätung verließen wir also gegen 10:00 Uhr die Straßenbahn und legten die letzten Meter zum Händler an Frankfurts Automeile zu Fuß zurück. Meter um Meter wurde das „MINI“-Schild größer und wir begannen uns bereits zu fragen, wo in der Auslieferungshalle (diese ist vom Verkaufsraum separiert und befindet sich auf der anderen Straßenseiten in einem eigenen Gebäude) der Kleine auf uns warten würde. Diese Frage klärte sich unerwartet schnell, da unser rotes Spaßmobil dann doch auf der Freifläche neben dem Showroom parkte und bereits auslieferungsbereit auf seine neuen Eigentümer wartete.

Überraschung, da steht er ja schon 🙂

Ein eigenartiger Moment, dass neue Fahrzeug das erste mal in natura, bei Tageslicht und mit dem eigenen Wunschkennzeichen zu sehen .. aber ein schöner.

Drinnen lief dann alles wie erwartet und ganz entspannt ab. Gekühlter Red Bull wurde wunschweise in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen gereicht und bei lockerem und fast schon freundschaftlichen Small Talk wurden die letzten Formalitäten erledigt. Mit dem vom Design her passenden MINI-Ordner unterm Arm traten wir dann (endlich) direkt zum Fahrzeug und ich war nach langer Zeit mal wieder so richtig begeistert. Das frisch aufbereitete, makellose und glänzende chili red harmoniert einfach hervorragend mit den schwarzen Bonnet Stripes nebst farblich abgestimmten Außenspiegelkappen und 17″-Cross Spoke Challenge Felgen. Hinter diesen grinsen frech die farblich ebenfalls passenden Bremssättel der Sportbremse, deren Couleur im Innenraum von den Interieurleisten sowie den roten Nähten (nebst rotem Schaltschema) aufgegriffen wird. Perfekt. Zwar hätte ich auch nichts gegen roten Keder an den Sitzen einzuwenden gehabt, aber der beige Ton unser „Leder Lounge Carbon Black“-Austattung harmoniert seinerseits recht gut mit dem Chrompaket innen und außen.

Einladend: Hervorragend aufeinander abgestimmtes Interieur und Exterieur

Klein, geduckt und angriffslustig stand unser John Cooper Works Roadster also da, gerade so als wollte er sagen: „Spiel mit mir!“. Bevor wir diesem Wunsch nachgehen konnten, mussten wir natürlich erst noch die Übergabe vollenden. Da wir ja bereits zwei Jahre Erfahrung mit den kleinen Autos aus Oxford haben, ginge diese erwartungsgemäß recht zügig. Kurz wurde uns die Bedienung des klimatisierten Handschuhfachs erläutert (warum gibt es sowas in einem Kleinwagen, aber nicht beim 5er?) und die Funktionsweise des elektrohydraulischen Verdecks näher gebracht (dazu später mehr). Dann war es auch schon so weit, und der Reihenvierzylinder-Motor nebst Turboaufladung erwachte frech grummelnd zum Leben. Nach einer kurzen Verabschiedung rollten wir dann unter geöffnetem Verdeck mit Dani am Steuer vom Platz – ein tolles Gefühl.

Glückliche Besitzerin vor neuem Alltagsbegleiter

Bereits nach den ersten 50m wurden wir sehr deutlich spürbar an unsere Wunschausstattung erinnert: Sportliche Fahrwerksabstimmung. Selbige sorgt zwar für ein authentisches Fahrgefühl, ist jedoch nur bedingt kompatibel zu den Querfugen der Tiefgarage, welche wir in Richtung Ausfahrt zwangsläufig durchqueren mussten. Wieder vom Tageslicht beschienen, fädelten wir uns zügig in den fließenden Verkehr ein und hörten nach knapp fünf Monaten Abstinenz erstmals wieder den JCW-Sound. Frech, auffällig, selbstbewusst posaunt der MINI mit Spitzenmotorisierung seinen Sound heraus und macht das Mitschwimmen zwischen all den eintönigen (man könnte sagen langweiligen) anderen Autos zum Vergnügen. Gibt man Gas, wird man durch das Pfeifen des Turbos belohnt; wechselt man in den Schiebebetrieb, untermalt der MINI dies mit einem stets deutlich wahrnehmbaren Grummeln. So macht Autofahren Spaß 😉

Fahren macht sogar noch mehr Spaß als Stehen – hier mit passender Kopfbedeckung

Da das Navi während der Abholung leicht schüchtern ein „Achtung: Batterie stark entladen“ anzeigte, entschlossen wir uns (auch mit Hinblick auf das tolle Wetter) zu einer ungeplanten Spritztour in Richtung Taunus und Feldberg. Über uns thronte der strahlend blaue Himmel, während wir in unseren Nacken sanft den Fahrtwind spürten .. ein wirklich toller Tag für die Abholung eines Cabrios bzw. Roadsters. Meter um Meter wurde das Auto vertrauter, obgleich das Grinsen im Gesicht der Piloten um keinen Zentimeter wich 😉 Zu überraschend, zu begeisternd war das Feeling im John Cooper Works Roadster, den wir in dieser frechen, aber absolut stimmigen Farbkombination sonst sicher so nicht bestellt hätten.

Erste Pause auf der Jungfernfahrt

Mein Grinsen wurde abermals breiter, als wir kurz vor dem Taunus einen ersten Fahrerwechsel vornahmen. Zwar war ich bereits mit unserem bisherigen MINI sehr gern unterwegs, doch fehlte es mir bei diesem regelmäßig an Drehfreudigkeit und Druck. Dieses Gefühl war nach den ersten Metern im Übermini wie weggeblasen. Der Turbo treibt das kleine Aggregat bereits kurz über Leerlaufdrehzahl kräftig an, so dass man als Fahrer beide Hände sicher am Steuer haben sollte, um die Krawallkiste auf Kurs zu halten. Insbesondere bei aktiviertem Sportmodus hat man anfangs (durch die verschärfte Gaspedalkennlinie) fast das Gefühl, dass Auto führe einem davon. Als soundaffiner Lenker befindet man sich im MINI nahezu ununterbrochen im kritischen Dialog mit dem eigenen Ohr. Dieses spornt einen wieder und wieder dazu an das rechte Pedal doch bitte etwas kräftiger durchzudrücken, um dem Pfeifen des Turbos zu lauschen, welches beim Lupfen des Gases in ein kräftiges Zischen übergeht, welches von Zeit zu Zeit sogar von einem Bollern begleitet wird. Wie ich in der Zwischenzeit erfahren durfte, macht sich der MINI beim abrupten Lastwechsel teilweise sogar mit einem äußerst deutlich wahrnehmbaren Knallen aus dem Auspuff bemerkbar, was ich von einem Serienfahrzeug mit 1,6l-Motor nie und nimmer erwartet hätte.

Spiel mit mir! Jetzt!

Durch die direkte Lenkung, das geringe Leistungsgewicht und das sehr intuitive Handling giert der Wagen förmlich nach Kurven und man verspürt den intensiven Wunsch, einfach mal Urlaub zu nehmen und erstmal mehrere Tage irgendwo hinzufahren, wo es wenig Verkehr aber viele Serpentinen gibt. Dabei sei nicht unerwähnt, dass eine variabel einstellbare Lenkung dem Kleinen nicht schaden würde, da man das Volant so (zumindest bei forscher Gangart) doch recht aufmerksam und sensibel bewegen muss.

Trotzdem vermittelt der MINI eine Leichtigkeit und einen Spaßfaktor, den ich so zuletzt bei der Probefahrt mit dem Cayman S gespürt habe. Bedingt durch die kompakten Abmessungen (Länge: 3,76m, Breite: 1,68m) hat man sehr viel Platz auf der Straße und findet auch im Stadtverkehr jederzeit und relativ mühelos seinen Platz. Noch heute, vier Tage nach der Abholung des Fahrzeugs fasziniert mich jeder Meter in selbigem auf eine kindlich-naive Weise. Wann immer ich den Giftzwerg nach einigen Stunden der Abwesenheit frech und herausfordernd auf seinem Parkplatz stehen sehe, kann ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen.

Diesem Auto kann man keinen Wunsch abschlagen .. auch nicht den, nach einem überteuerten Grillbadge

An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass es wohl kaum zwei krassere Gegensätze gibt, als das Fahrgefühl in unserem 5er und dem im MINI. Während man sich im großen BMW an die Pilotierung eines Airbus erinnert fühlt (zumindest stell ich mir das so vor), vermittelt das Fahren des John Cooper Works das Gefühl sich im Körper einer angriffslustigen, von kleinen Kindern bereits arg geärgerten Wespe zu befinden. Man ist klein, man ist wendig, und insbesondere im Stadtverkehr und auf der Landstraße fühlt man sich wie zu Hause. Wieder und wieder erwischt man sich dabei kritisch zu hinterfragen, warum der Pampersbomber der untere Mittelklassekombi vor einem mit den verheißungsvollen Aufkleber „Torben-Hendrik“ und „Finn-Ole“ auch auf gut ausgebauten Bundesstraßen darauf besteht, die zulässige Höchstgeschwindigkeit konstant um 30km/h zu unterschreiten. Jede Abbiegung wird dabei zur Freude, jede Schikane  zum Highlight. Wenn man dann erlebt, dass es sogar bei der leicht geschlängelten Ausfahrt des lokalen Ikeas zu einem deutlich wahrnehmbaren Knallen kommt, ist man (je nach persönlicher Präferenz) durchaus fasziniert.

Dezenter Abgang mit Tongeber (ja, der Heckspoiler kann auch einfahren und die riesenhafte Antenne wurde mittlerweile ersetzt)

An dieser Stelle sei natürlich darauf hingewiesen, dass der MINI mit Sicherheit nicht perfekt ist und einem Sportwagen aus Zuffenhausen ala Cayman S oder sogar 911 4S Coupe, wie letztlich gefahren, interdisziplinär nicht das Wasser reichen kann. Dafür ist er vergleichsweise günstig, einfach zu fahren und vermittelt mir (im Kontext meiner momentanen, ganz individuellen Ansprüche und Vorlieben) das Gefühl alles richtig gemacht zu haben. In Kombination mit dem 5er ist der MINI ein idealerweise Alltagsbegleiter, den man 365 Tage im Jahr bewegen und dabei auch noch jede Menge Spaß haben kann. Fairerweise muss ich hier jedoch anmerken, dass ich die Drehfreudigkeit des Boxer Motors aus dem Boxster, der bei 5000 Umdrehungen ganz gelassen signalisiert „Bitte mehr“, durchaus ein wenig vermisse.

Nach soviel Licht muss auch Raum für ein wenig Schatten sein, denn sonst wäre dieser Bericht schlicht unvollständig. Fangen wir damit an, dass die Beifahrertür nahezu unentwegt knarzt. Ich gebe ja zu, dass es das Sportfahrwerk dem armen kleinen Fahrzeug hier nicht gerade leicht macht, doch auf der Fahrerseite haben es die Monteure aus Oxford ja auch hinbekommen. Dieses Geräusche tritt unabhängig vom Zustand des Dachs insbesondere beim Überfahren von Hindernissen auf (und mit dem harten Fahrwerk kann man ziemlich viel als Hindernis bezeichnen) und hat das Potential den Beifahrer in den Wahnsinn zu treiben. Da muss MINI noch mal ran.

Fast noch schlimmer finde ich die Umsetzung des elektrohydraulischen, halbautomatischen Verdecks. Der geneigte Roadsterenthusiast stellt sich dieses vermutlich wie folgt vor (Vorgehensweise z.B. beim Porsche Boxster): Dach von innen manuell entriegeln, Knopf drücken bzw. gedrückt halten, Dach öffnet sich, Spaß beginnt. Die gleiche Vorgehensweise gilt natürlich in umgekehrter Reihenfolge für das Verriegeln.

Beim MINI sieht dieser Prozess wie folgt vor: Dach entriegeln, Dach kräftig nach oben drücken, Taster für elektrische Öffnung drücken bzw. halten, danach Fensterheber fahrerseitig per einfachem Druck bzw. fensterheber beifahrerseitig per langem Druck (nix Komfortfunktion) schließen. Doof, oder? Auch beim Schließen ist man nach Abschluss des automatischen Teils übrigens genötigt die Fensterheber manuell wieder in die vollständig geschlossene Stellung zu fahren.

An sich ist dies kein Beinbruch, doch man fragt sich inständig, warum das (gar nicht mal billige) halbautomatische Verdeck derart schlecht umgesetzt wurde.

Alle sonstigen Funktionen (insbesondere das neue Navi) und der freche Heckspoiler sind klasse, befinden sich aktuell jedoch noch in der Erprobungsphase. Um hier die „Was ich mir für das nächste Mal wünsche“-Liste des 5ers aufzugreifen, würde ich beim MINI sicherlich das Harman und Kardon Soundsystem (+ ca. 800€), die automatisch abblenden Innen- und Außenspiegel (ich glaub nur ca. 150€), das mit Dynamica bezogene Amaturenbrett (ca. 1000€) und die Recaro Sportsitze (ca. 1500€) ins Feld führen. Man kann auf all diese Gimmicks verzichten, aber sie hätten das ohnehin schon überteuerte Auto noch ein ganz klein wenig perfekter gemacht.

Eindruck vom Kofferraum mit mitgelieferter Innenausstattung in Rooster Red nebst neuem Akku Bohrhammer

Abschließend kann ich einfach nur sagen, dass ich von dem kompakten Kraftprotz begeistert und sehr positiv überrascht bin. Die farbliche Zusammenstellung ist nahezu perfekt, und wenn der Kleine leicht geduckt, mit seiner optischen Keilform vom Heckspoiler bis zu den Frontwings durchgestyled dasteht, möchte man einfach nur einsteigen und losfahren.

Ein durchaus legendäres Label

Vier Tage nach der Umstellung unseres Fahrzeugparks bin ich mit allen getroffenen Entscheidungen (inklusive des bisherigen Verbrauchs des MINIs, der sich trotz forscher Fahrweise bei ca. 8,5l/100km einpendelt) rundum glücklich .. schauen wir mal, was es demnächst an dieser Stelle für weitere Erfahrungen zu lesen gibt 🙂

Der Schöne und das Biest (Teil 1)

…oder: Von der Neuorganisation unseres Fahrzeugparks (Randnotiz: Die Urlaubsberichterstattung wird hier ebenfalls noch weitergehen, muss jedoch kurz unterbrochen werden).

Groß, dezent, komfortabel .. die 5er Limousine in drei Worten
Groß, dezent, komfortabel .. die 5er Limousine in drei Worten

Hinweis: Auf Grund der chronologischen Erzählweise habe ich mich entschlossen die einzelnen Abschnitte bereits mit Fotos von Objekten zu versehen, die im Text erst später erwähnt werden. Andernfalls gäbe es sehr viel Text am Anfang und noch mehr Bild am Ende 😉

Als wir im März / April diesen Jahres erstmals über die Nachfolger unserer aktuellen automobilen Alltagsbegleiter nachdachten, diskutierten wir die verschiedensten Strategien. Im Wesentlichen gab es zwei Möglichkeiten: Drei Autos (zwei für den Alltag, eins für den Spaß) oder doch nur zwei (zwei für den Alltag, dafür beide etwas unvernünftiger). Über die Wochen und Monate hinweg verglichen wir also immer mal wieder interessante Angebote, beobachteten mit Spannung die Vorstellung des neuen Boxsters und machten auch eine erste Probefahrt (siehe hier).

Bedingt durch berufliche Rahmenbedingungen und neue Anforderungen zeichnete sich dann immer schneller die neue Wunschstrategie ab: Das ursprünglich avisierte Vorhaben den bzw. einen Boxster als reines Spaßauto vorzuhalten, erschien nicht mehr so attraktiv wie zuvor. Die Erfahrungen der letzten Monate hat einfach gezeigt, dass ich mich noch sehr schwer mit einem reinen Drittauto tue (wann nehmen? wann stehen lassen? viele laufende Kosten für relativ wenige Kilometer etc.) und zudem spätestens nach dem Tag im 911er den Baby-Porsche als zu großen Kompromiss für zu viel Geld empfand. Wir legten uns also immer mehr auf den Ansatz „zwei Fahrzeuge“ fest und versuchten diesen weiter zu konkretisieren.

Während wir uns beim MINI eigentlich relativ schnell sicher waren, taten wir uns beim „großen“ Alltagsbegleiter deutlich schwerer. Eine Limousine der Mittelklasse oder oberen Mittelklasse sollte es sein. Alltagstauglich, wertig, nicht untermotorisiert und in jedem Fall mit genügend Komfort für lange Strecken ausgestattet. Der „alte“ A6 war mir zu altbacken, der neue A6 bietet aktuell aus meiner Sicht keine interessanten Konditionen und das Angebot für den eigentlich favorisierten A4 Avant Allroad 3.0 TDI war fast schon frech. Ähnliches galt leider auch für den neuen BMW 3er (F30), der mit manueller Handbremse und vergleichsweise „bodenständigem“ Cockpit ebenfalls einen relativ großen Kompromiss dargestellt hatte.

Wir landeten also (wieder) beim ursprünglich schon favorisierten BMW 5er. Da wir so viel Platz aber eigentlich gar nicht benötigen und daher auch das Mehrgewicht eher sinnlos wäre, sollte es die optisch gefällige Limousine werden. Ferner war uns von Anfang an klar, dass der Wagen über die Aktiv-Integrallenkung (mitlenkende Hinterachse) verfügen muss, damit die vergleichsweise opulenten Abmessungen (4,89m) etwas kompensiert werden. Dieses „Must-Have“ legte uns (leider) zugleich darauf fest, dass unser neuer Alltagsbegleiter nicht über x-Drive (Allradantrieb) verfügen konnte, da beide Funktionen nicht in Kombination bestellt werden können. Nun gut, es müssen also vernünftige Schneeketten her..

Viele Abende haben wir uns dann den Kopf über die Motorisierung zerbrochen. Auch hier war unser Favorit eigentlich von Anfang an der 530d mit 258PS und Start-Stopp-Automatik. Dieser Motor wurde jedoch erst ab 9/2011 verbaut, weshalb die Fahrzeugauswahl in Kombination mit den sonstigen Kernanforderungen (Komfortsitze, Xenon, Schiebedach, Navi Professional, HiFi System, HUD, Speed Limit Erkennung) ziemlich eingeschränkt war. Um den Kreis potentiell in Frage kommender Angebote etwas zu erweitern und zu gleich alle Optionen zu bedenken, erwogen wir daher temporär auch Vierzylinder in Form eines 520d oder 525d. Letztendlich konnte ich mich aber mit Hinblick auf die finanziellen Ersparnisse hier zu keinem weiteren Kompromiss durchringen, denn eigentlich ist der gesamte Zwei-Auto-Ansatz ja schon der „Kuschelkurs“.

Nachdem wir über Monate hinweg den Markt beobachtet hatten, war es irgendwann soweit: Ein potentiell interessantes Fahrzeug mit passender Austattung und Farbe war gefunden. Dieses war schnell angefragt, die schlechten Nachrichten folgten jedoch ebenso rasch: Das gute Stück war schon so gut wie vergeben. Glücklicherweise fand sich beim gleichen Anbieter recht kurzfristig ein alternativer Wagen, der alle „harten Faktoren“ erfüllte. Zwar würden wir auf das ein oder andere Gimmick verzichten müssen (ich geb es ja zu, keine Rückfahrkamera, keine SoftClose-Automatik, kein Spurwechselwarner, keine automatisch schließende Heckklappe), aber die wichtigen Dinge plus die ein oder andere Nettigkeit (Adaptive Drive, Komfortzugang, elektrische Rollos hinten .. total sinnlos) waren vorhanden. Auch die sonstigen Rahmenbedingungen passten nahezu perfekt, so dass wir uns an einem Freitag Anfang August (am 03.08.2012) für diese Option entschieden. Ein Foto gab es damals nicht, aber wie eine havannabraune 530d Limousine mit V-Speiche 328 Felgen aussieht, verrät ja auch der BMW Konfigurator ganz gut 😉

Obgleich wir beim MINI von Anfang an auf das Modell festgelegt waren, fiel es uns schwer hier ein attraktives Angebot zu finden. Ein John Cooper Works Roadster sollte es sein, nichts anderes. Da Fahrzeuge mit dieser Spitzenmotorisierung in der Regel recht gut ausgestattet sind, waren die sonstigen Features mit Ausnahme des elektrohydraulischen Dachs (siehe Probefahrt aus dem April) eigentlich zu vernachlässigen. Auch was die Farbe anging waren wir weitestgehend offen, so dass wir nahezu alle der wenigen Angebote aus mobile.de und co in Betracht zogen. Wie der Zufall es so will, gab es dann plötzlich einen Wagen, der uns in Auge stach. Erfreulicherweise befand er sich im Angebot bei dem uns sowieso betreuenden Händler, so dass wir kurzer Hand einen Ausflug nach Frankfurt unternahmen. Dort wurden wir freudig und fast schon freundschaftlich begrüßt und ohne große Umschweife starteten wir in den Dialog über unseren zukünftigen Alltags-Spaß-Unvernunfts-Roadster. Zwar wusste unser Verkäufer gar nichts von der durchaus interessanten Optionen (der Wagen stand in einer anderen Niederlassung), doch ließen sich alle relevanten Details schnell klären.

Die Konditionen passten dann ohne große Verhandlung sehr genau in unseren zuvor definierten Rahmen (d.h. keine basarähnlichen Verhandlungen, was ich sehr begrüßte), einzig die Innenausstattung („Colour Line“) entsprach so gar nicht unseren Vorstellung. Entgegen der gängigen Empfehlungen entschied sich „jemand“ (wer auch immer den Wagen bestellt hat) dafür zu der roten Außenfarbe (genial!) und den roten Interieurleisten (fantastisch!) rote Lederelemente am Amaturenbrett („Colour Line Rooster Red“) und in den Türen zu nehmen. An sich kein schlechter Gedanke, würde das rot des Leders denn zu den Leisten und der Außenfarbe passen .. tut es aber nicht. In Rücksprache mit dem Verkaufsleiter wurde aber schnell Abhilfe in Aussicht gestellt, so dass dieser kleine „Makel“ in den weiteren Überlegungen keine Rolle mehr spielen sollte. So hatten wir also in weniger als 24h ganz überraschend alle offenen Fragen bezüglich unserer automobilen Zukunft geklärt.

Es galt nun nur noch zu klären, wie wir den Übergang von Danis bisherigem MINI zu dessen Nachfolger mit möglichst wenig Aufwand schaffen würden. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, konnten bzw. mussten wir unseren bisherigen MINI genau dort zurückbringen, wo wir den neuen 5er übernahmen. Nach kurzer Rücksprache mit dem Händler stellt sich heraus, dass auch zeitlich alles passt, so dass plötzlich alles in trockenen Tüchern war.

Ab diesem Zeitpunkt mussten wir noch „schnell“ acht Wochen Wartezeit überbrücken, die jedoch erfreulich schnell vergingen. Zwischendurch besorgten wir uns zu beiden Fahrzeugen möglichst viel Infomaterial, dass das ein ums andere mal in freudiger Erwartung durchgeblättert wurde (die Broschüren zum 5er bzw. MINI Roadster wirken mittlerweile fast schon abgegriffen ;-)). Außerdem besuchten wir unseren John Cooper Works einige Wochen vor der Übergabe an seinem Tiefgaragenstellplatz, nachdem der Wagen ohne weitere Zwischenfälle angeliefert wurde. Meine Vorfreude nahm hier übrigens eine ganz kleine Delle, da ich das rot im künstlichen Licht der Garage und noch nicht aufbereitet etwas zu fad fand (das misanorot des TTs war hier giftiger). Da das Auto aber trotzdem eine tolle Gesamtzusammenstellung war (und Dani meine Zweifel nicht teilte), warteten wir einfach munter weiter.

Ich glaub ich kann sie fast auswendig..
Ich glaub ich kann sie fast auswendig..

Gegen 09:00 Uhr starteten wir also am Freitag, den 28.09.2012, in Richtung Paderborn – auf zum neuen 5er. Die Fahrt verlief größtenteils über sehr gut ausgebaute Bundesstraßen, die jedoch zwischen Marburg und dem Edersee die höchste Blitzerdichte aufwiesen, die ich bisher überhaupt jemals gesehen habe. Trotzdem erreichten wir unser Ziel entspannt, ohne Erinnerungsfoto und gut gelaunt. Nach einer kurzen Begrüßung wurde Danis bisheriger MINI dann in die Werkstatt zur Leasingrücknahme gefahren und wir begannen parallel mit der Übergabe des BMW. Diese verlief nicht ganz so entspannt, wie ich es mir zunächst vorgestellt hatte, da der Wagen – um es mal ganz platt zu sagen – schlecht aufbereitet war. Neben relativ schlecht kaschierten Steinschlägen an der Front (okay, die sind normal .. aber man muss sie nicht so schlecht ausbessern) waren zwei Felgen (vorn rechts, hinten links) schadhaft. Nach Hinzuziehung des Verkaufsleiters konnten wir hier jedoch recht zügig eine kulante Lösung finden, so dass sich meine Laune etwas aufhellte. Ansonsten war der Wagen so wie ich ihn mir vorgestellt hatte: Groß, dezente Optik, interessante Farbe, elegante Gesamterscheinung, gediegen.

Schlicht, ohne langweilig zu sein

Nachdem der gesamte Prozess der Übergabe (mit Diskussion des Zustands, nochmaliger Aufbereitung, Bearbeitung der Unterlagen) nach ca. 1,5h beendet war, gab es dann auch Neuigkeiten zu Danis Mini. Trotz drei kleiner Beulen, kleinem Bordsteinschaden an der Felge vorn rechts und kleineren Steinschlägen in der Scheibe, wurde das Fahrzeug als völlig mangelfrei eingestuft. Beschwingt von dieser guten Nachricht enterten wir frohen Mutes die Limousine und ich erklomm erstmals den Fahrersitzs. Nach einigen Minuten des Summens und Brummens (der Komfortsitz musste schließlich erstmal in eine bequeme Position gebracht werden) konnte es dann los gehen: Nach einem beherzten Druck auf den Start/Stopp-Knopf erwachte der zwangsbeatmete Reihensechszylinder mit TwinScroll-Aufladung sanft zum Leben. Eine kurze Handbewegung später glitt der Wahlhebel der 8-Gang-Automatik in die D-Stellung und schon konnte es los gehen. Mit der erhofften bzw. erwarteten Leichtigkeit rollten wir los und der 5er machte bereits nach den ersten Metern eine sehr gute Figur. Die Außengeräusche drangen nur gedämpft an unser Ohr, die Unebenheiten der Fahrbahn wurden durch das Luftfahrwerk hervorragend ausgeglichen.

Obgleich ich mich lange auf das Auto gefreut habe, war ich auf den ersten Metern doch etwas überfordert. Die Größe, die Bedienung, das Feeling .. alles ganz anders als bei den VWs, Audis und Porsches (und Seats, Dacias, Fords und Renaults), die ich bisher gefahren hab. Das Gefühl wurde jedoch Kilometer um Kilometer der zähen Rückfahrt besser. Als auch das Einparken in die heimische Garage besser als erhofft gelang, zog ich zunächst ein positives Gesamtfazit. Trotzdem fühlte ich mich ob dieses turbulenten Tages ziemlich erschöpft, und schlief mit einem Kopf voller neuer Eindrücke viel zu früh auf der heimischen Couch ein.

Bei der Wahl des Kennzeichens waren wir wieder sehr kreativ .. der Prozess hat auch lange gedauert 😉

Ohne an dieser Stelle zu viel vorzugreifen (ein eigener Beitrag nach den ersten Wochen mit dem 5er wird sicher noch folgen) sei gesagt: Insbesondere wenn man eher kleinere und sportlichere Fahrzeuge gewöhnt ist, stellt die Limousine von BMW eine Dimension in Sachen Komfort dar. Die Fahrgeräusche im Innenraum sind derart gering und Unebenheiten des Untergrundes werden so perfekt kaschiert, dass man sich eher schwebend denn rollend vorkommt. Dieses flugzeugartige Gefühl wird durch die Anordnung, Haptik und Funktionsweise des gesamten Bedienkonzeptes nebst erforderlicher Knöpfe abermals verstärkt, so dass die Reise im 5er zu einem harmonischen und fast schon beruhigenden Erlebnis wird.

Oyster/Schwarz trifft auf Komfortsitze

Durch das HUD fühlt man sich auch ohne den Blick von der Straße zu wenden immer perfekt informiert und die wirklich ausgezeichnet arbeitende Acht-Gang-Automatik nimmt einem zahlreiche weitere Tätigkeiten bei der Fortbewegung ab, da einfach immer der richtige Gang eingelegt bzw. die erforderliche Kraft zur Verfügung gestellt wird. Bisher pendelt sich der Verbrauch beim wilden Stadt/Land/Autobahn-Mix bei 8,0 – 8,1l/100km ein, was ich (vom Porsche kommend) als absolut angemessen betrachte. Im Vorfeld der Anschaffung habe ich mir einen Wert <= 9l als Ziel gesetzt, so dass hier notfalls sogar noch Luft nach oben ist.

Qualitativ unzureichende Darstellung des HUDs (mit Geschwindigkeit, Speed Limit, Navi Hinweisen)

An dieser Stelle auch noch ein paar Eindrücke zu den Sonderausstattung, die teilweise ein wenig schmerzen (nun gut, man muss immer noch Wünsche haben): Den Spurwechselassistenten erachte ich mittlerweile dank der großen und sehr übersichtlichen Spiegel als vernachlässigbar. Gleiches gilt leider nicht für das Sport-Lederlenkrad, dass ich für den minimalen Aufpreis von ca. 140€ immer dazu nehmen würde. Auch die SoftClose-Automatik würde meiner Meinung nach das Bediengefühl im Umgang mit der Limousine deutlich verbessern, da die Türen so mit einem vollen *bump*, gefolgt von einem leisen Surren schließen würden (so gibt es ein fast schon unangenehmes „Knallen“ bzw. „Zischen“, da die Türen doch recht groß sind und beim Schließen naturgemäß viel Luft verdrängen müssen). Ferner würde ich der „Will ich beim nächsten mal gern haben“-Liste auch die automatische Heckklappenbetätigung (automatisches Öffnen geht ja auch so .. sogar per Fuß. Trotzdem ist es blöd, den riesen Deckel von Hand zudrücken zu müssen), den Parkassistenten (weil er vergleichsweise nix kostet und ich ihn sehr interessant finde) und die Rückfahrkamera hinzufügen. Man fragt sich ehrlich gesagt, warum mein Vorgänger das Fahrzeug nicht einfach mit dem Comfortpaket bestellt hat, da ich weite Teile desselben als Einzelausstattung habe..

Eine durchaus gelungene Gesamtkomposition

Was ich absolut nicht missen möchte, sind neben dem großen Navi, dem HUD, dem adaptiven Fahrwerk sowie PDC vorn und hinten die Komfortsitze in Oyster/Schwarz. Sehr viel Komfort (allein die Adaption von Lenksäule und Sitz beim Ein- und Aussteigen sowie die automatische Anpassung bei mehreren Fahrern) und eine edle Optik ohne dabei zu empfindlich (ich vergleiche einfach mal mit einem komplett venetobeigen Innenraum) zu sein. Auch das HiFi-System ist ganz nett, wobei ich mit Hinblick auf die sehr gute Geräuschdämmung und die daher deutlich präsentere Musikwiedergabe prinzipiell zum HiFi-System Professional raten würde (auf die 500€ kommt es dann auch nicht mehr an).

Unterwegs entdeckt man immer wieder tolle Details – hier die Nachbereichsdarstellung des Navi Professional Systems

Das soweit zu den ersten Eindrücken vom 5er .. mit dem Biest geht es dann schnellstmöglich weiter 😉