Back in Snow: Beginn der Skisaison 2013 im Zillertal

Es war ein ausgesprochen ruhiger Morgen, der vorletzte Tag des bereits etwas müden 2012, als wir nach fast neun Monaten Abstinenz wieder auf die Ski-Pisten dieser Welt zurückkehrten.

Zuvor wurde die Ende März sorgfältig eingelagerte Ausrüstung Stück für Stück aus dem Winterschlaf befreit und in Teilen erneuert bzw. verbessert. Passend zu der schon lange überfälligen Skikleidung wurden Helme gesucht und bestellt, ferner kamen Danis Ski kurzfristig zum kleinen Service (nur Wachsen; die Kanten waren laut Aussage des Schleifers noch in Ordnung).

Bei meinen Skiern entfiel dieser Prozess, da ich mich frecherweise über den Sommer dazu entschieden hatte meine Atomic Vario Carbon mit 166cm Länge durch ein paar Atomic D2 Varioflex 75 zu ersetzen. Im Rahmen dieses „Upgrades“ konnte ich auch auf mit 157cm etwas kürzere Bretter umsteigen, was sich später als recht gute Entscheidung herausstellen sollte (auch insgesamt bin ich mit den Skiern sehr zufrieden, da sie Vibrationen doch merklich besser dämpfen).

Die Anschaffung der Skiklamotten hat sogar noch etwas mehr Spaß gemacht, zieht sich die Auswahl und der Kauf von zwei paar Hosen plus Jacken plus Second Layer Shirts + Ski-Socken doch naturgemäß über mehrere Etappen. Wir haben in diesem Zusammenhang u.a. das Salomon Outlet in der Nähe von München sowie das Wertheim Village besucht – in beiden Fällen mit wenig Erfolg. Die meisten Artikel stammen letztendlich aus einem sehr guten Sportladen nahe der Zeil (Sportarena), der neben einer tollen Auswahl zum Zeitpunkt unserer Suche auch sehr interessante Angebote zu bieten hatte.

Bestens vorbereitet und heiß auf den Schnee freuten wir uns also sehr, als die Bedingungen am 30.12.2012 einen schönen Skitag zulassen sollten. So fielen wenige Tage zuvor immerhin 20cm Neuschnee, was die etwas dünne Schneedecke (selbst auf dem Berg nur ca.85cm) immerhin ein wenig auffüllte. Die Anreise so kurz vor dem Jahreswechsel verlief deutlich entspannter als bei unserem Trip ins Zillertal im März, so dass wir nur rund 1,5h nach Abfahrt guter Laune auf dem recht leeren Parkplatz der Talstation in Kaltenbach ankamen. In diesem Zusammenhang sei übrigens angemerkt, dass mit viel Tetris-Erfahrung und gutem Willen tatsächlich vier paar Ski in die originale BMW Ski Tasche (Pro) passen und sich diese immer noch durch die Durchreiche der 5er Limousine führen lässt. Zuvor hätte ich die Machbarkeit dieser Maßnahme entschieden bestritten 😉

"Fast" wie in der Werbung ;-)
„Fast“ wie in der Werbung 😉

Der Start in den Skitag verlief dann etwas holprig, denn die Gondelbahn hatte bereits ca. 500m nach Verlassen der Talstation massive Probleme uns weiter gen Gipfel zu bewegen. Nach einem längeren Stopp irgendwo im nirgendwo (mit hervorragendem Blick auf die parallel verlaufende Bahn, die kontinuierlich glückliche Skifahrer nach oben beförderte) blieb sie unterwegs noch mehrmals kurz stehen .. so stellt man sich guten Service eigentlich nicht vor. Oben angekommen herrschten jedoch gute Bedingungen – wir ließen den Nebel des Tals hinter uns und fanden uns in Mitten einer schönen Schneelandschaft mit besten Bedingungen und unter einem strahlend blauen Himmel wieder – schöner kann der Beginn der Saison fast nicht sein. Die ersten Meter auf den Brettern fühlten sich dann zwar etwas ungewohnt an, verliefen jedoch ohne weitere Auffälligkeiten. Als wir uns einige Minuten später nahe des Gipfels wiederfanden, ging der Spaß so richtig los. Als ob es kaum eine Pause gegeben hatte wedelten wir die Pisten herunter (in sofern man bei unserem aktuellen Fähigkeitslevel von Wedeln sprechen kann) und genossen den Tag.

Sandy und Dani voller Erwartung in der schaukelnden Gondel
Sandy und Dani voller Erwartung in der schaukelnden Gondel
Im Hintergrund das neblige Tal ;-)
Im Hintergrund das neblige Tal 😉

Eigentlich hätte alles gut sein können, wenn ich nicht nach rund 1,5h aus bisher ungeklärter Ursache gestürzt und Dani Augenblicke später in mich hineingefahren wäre („Ich hab nur noch eine blaue Kugel gesehen .. da ging nix mehr“). Als wir beide wieder Kontrolle über unsere ein paar Meter gerutschten Körper hatten, fehlten Dani beide Ski, während sie im Gegenzug drei blaue Flecken erhalten hat. Mindestens eines ihrer Bretter hat sich wohl beim Kontakt mit meinem Ellenbogen verabschiedet, welcher sogar heute noch ziemlich weh tut (aber weder blau noch dick ist). Zum Glück ging es uns sonst gut; das Equipment war noch ganz und bevor wir uns versahen, half uns ein sehr freundlicher Skifahrer auf, unterstützte beim Anschnallen und wünschte uns trotzdem weiterhin viel Spaß – so stellt man sich Kollegialität auf der Piste vor.

Morgenfeeling auf der Piste - was will man mehr?
Morgenfeeling auf der Piste – was will man mehr?

Bis ca. 11:00 Uhr verlief der Tag ansonsten bestens – gute Pistenverhältnisse, schöne Abfahrten, wie aus dem Hochzillertal bereits gewohnt schnelle Lifte und relativ geringe Wartezeiten. Doch spätestens dann kam es, wie es kommen musste: Es wurde voll. Nachdem wir das erste mal mehr als 10 Minuten anstehen mussten, entschieden wir uns zu einer etwas vorgezogenen Mittagspause – zurückblickend keine schlecht Idee. Nach einem tollen Essen auf ca. 2000m höhe und bei konstant schönem Sonnenschein, ging es frisch gestärkt auf die mittlerweile wieder etwas weniger frequentierten Pisten.

Verdiente Mittagspause mit Skifahrer Brause, Dani und Teichi
Verdiente Mittagspause mit Skifahrer Brause, Dani und Teichi

Am Ende des Tages lautete unsere Statistik laut Skiline so: 7.158 hm, 92 Pistenkilometer, 18 Liftfahrten, 414 Minuten Spaß. Bis auf die Minuten der Kollision würde ich diese Zusammenfassung vorbehaltlos unterschreiben, obgleich ich bei den Pistenkilometern irgendwie am Zweifeln bin (das nächste mal also doch wieder per GPS messen, denn dieser Wert ist leider nicht plausibel) 😉

Doch unser Skierlebnis im Zillertal sollte damit nicht enden: Eigentlich (…) wollten wir bereits am 01.01.2013 wieder hoch motiviert in den Schnee starten. Auf Grund eines kleinen gesundheitlichen Zwischenfalls (super Start in das neue Jahr) mussten wir unsere Pläne jedoch verschieben, so dass wir erst gegen 12:00 Uhr des 02.01.2013 in Zell am Ziller zu Freunden stoßen sollten, die dort eine recht nette Hütte im Tal gemietet hatten. Um selbige noch am gleichen Tag auf der Piste treffen zu können, begaben wir uns nach telefonischer Anweisung mit dem Auto nach Gerlos. Die Fahrt dorthin verlief über den Gerlos Pass und ich war ziemlich glücklich, dass in den letzten Tag wenig Neuschnee gefallen war. Auf engen Kurven konnte sich die Aktiv Integrallenkung austoben und der Durchschnittsverbrauch bewegte sich zumindest ansatzweise in Richtung seines gewohnten Niveaus. Rund 30 Minuten später schleppten wir unsere Ski gen leerer Gondel und ließen uns bei recht freundlichen Wetterbedingungen in Richtung Gipfelstation transportieren. Dort angekommen trafen wir auf ein ziemliches Gewusel an Kindern und Anfängern, dem wir durch ein paar Abfahrten in Richtung Isskogel entkamen. Dani war so gut in Form, dass sie gleich den zweiten Lift springend statt fahrend verließ (im Übrigen unter lautem Beifall der umstehenden Skifahrer) – es verhieß ein spannender Tag zu werden 😉 An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir die Liftanlagen in der Zillertal Arena insgesamt als weniger komfortabel, etwas „nostalgischer“ und weniger Anfänger-freundlich als im Hochzillertal empfunden haben .. insgesamt stellt dies jedoch kein Problem dar.

Micha im Schnee .. so macht der Winter Spaß
Micha im Schnee .. so macht der Winter Spaß

So kurvten (carvten) wir also eifrig in Richtung Übergangsjoch und wie der Name schon vermuten lässt, hatten einige Pisten eher Ziehwegcharakter. Auffällig fand ich die teilweise sehr langen Liftpassagen (die Fahrt auf dem Krimml-X-Press inklusive Zwischenstation entspricht gefühlt schon fast dem zeitlichen Umfang eines Einkehrschwungs), die stellenweise in ungewohnt luftiger Höhe erfolgen. Dies in Kombination mit stellenweise auftretendem Nebel lässt einem schon manchmal ein wenig den Bauch kribbeln .. insbesondere wenn die Fahrt mal wieder abrupt stoppt. Irgendwann erreichten wir den ausgemachten Treffpunkt, schnallten unsere Ski ab und begannen zu warten. Wir warteten und warteten, studierten den Pistenplan bis wir ihn auswendig kannten, rannten durch den Schnee und versuchten unsere kälter werdenden Füße bestmöglich zu wärmen. Die Sonne ging, der Nebel kam, wir blieben allein. Dann irgendwann, nach ca. 35 Minuten des frostigen Wartens (zum Glück war es nicht wirklich kalt..) und kurz bevor wir wieder weiterziehen wollten, gesellten sich unsere Bekannten zu uns. Gemeinsam mit den bereits einigermaßen ortskundigen Fahrern steuerten wir in Richtung Königsleitenspitze, wo teilweise sehr tolle Pisten zu bewundern waren. Insbesondere die rote 36a, zu erreichen mit dem Fussalm-Express (selbige ist übrigens meiner Meinung nach nicht so der Hit und recht kostenintensiv), hat es uns angetan. Eine tolle Piste mit einigen einladenden Buckeln direkt am Rand sowie einer Half-Pipe kurz vor der Liftstation (wenn man es sich denn zutraut .. wir eher noch nicht). Leider ging dieser Skitag recht schnell zu ende, so dass wir gegen 16:00 Uhr mit Hinblick auf die zunehmend schlechter werdenden Bedingungen die Talabfahrt antraten. Selbige ist mir als ausgesprochen schön im Gedächtnis geblieben – nicht zu langweilig, nicht zu eng, nicht zu frequentiert, nicht zu kurz .. Skifahrer-Herz, was willst du mehr. Während unsere Begleiter sich zum Skibus begaben, enterten wir den treu wartenden BMW (Fünf Personen plus Equipment plus Reisegepäck hätten einfach keinen Platz gehabt). Auf dem Weg zurück zur Hütte bewunderten wir nochmals den schön gelegenen und ziemlich chicen Ort Gerlos .. nicht der schlechteste Ort zum Leben 😉 Auch die Rückfahrt in Richtung Zell am Ziller bot erneut tolle Aussichten und faszinierende Impressionen mit Blick auf das in der Dämmerung versinkende Tal .. einfach toll. Kurze Zeit später durfte ich dieses szenische Schauspiel übrigens erneut bewundern, denn irgendwie waren die Skibus-Verbindungen zu diesem Zeitpunkt wohl nicht so toll, so dass ich gleich noch mal nach Gerlos und zurück fahren durfte.

Am Horizont: Dani auf dem Weg gen Tal
Am Horizont: Dani auf dem Weg gen Tal

Am Folgetag war von unseren Bekannten eine Skisafari von Gerlos nach Königsleiten und anschließend zurück nach Zell am Ziller (diesmal jedoch auf Brettern) geplant. Wir begaben uns morgens also per Skibus (fuhr direkt vor der Hütte ab) in Richtung Gerlos und ich genoss es, diese Strecke auch mal als Beifahrer bewundern zu dürfen. Ansonsten blieb mir der Bus jedoch vor allem als eng und langsam im Kopf .. unser Fall war dies eher weniger. Ansonsten verlief so eine Skisafari genau so, wie man es sich grob vorstellen würde: Vieeeel Lift fahren, recht wenig Skifahren und stets eine gewisse terminliche Verbindlichkeit im Hinterkopf (ein Taxi von Gerlos nach Zell hätte ca. 45€ gekostet). Leider kam in unserem Fall dazu, dass am 03.01. abermals deutlich mehr los war, als z.B. am 30.12.. So warteten wir stellenweise mehr als 20 Minuten am Lift, geprägt von ständigem Drängeln und sinkender Stimmung. Auch an den Gondeln herrschte so viel Gewusel und Gedrängel, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Beim Versuch nach oben zu kommen, begaben sich die Leute (mangels fehlender Absperrungen) immer weiter in Richtung Einfahrpunkt der Gondeln, so dass sie recht bald nahe der Betonkante standen. Hielt man sich im eigentlichen Einstiegsbereich auf, war man quasi chancenlos – nervig.

Kein Finger vor der Linse sondern tatsächlich Nebel
Kein Finger vor der Linse sondern tatsächlich Nebel

Leider wurden wir vor allem nach unserer Mittagspause mit zunehmend schlechter werdenden Witterungsverhältnissen konfrontiert. Es stellte sich ein feiner Schneegriesel ein, der vom auffrischenden Wind (bis zu 40 km/h) direkt in unsere Gesichter geblasen wurde. Dies ging kurze Zeit später mit deutlich schlechter werdenden Sichtbedingungen einher, so dass sich die kollektive Masse an Skifahrern eher schlecht als recht die bereits raus ausgefahrenen Pisten herunterquälte. Insbesondere im bereits erwähnten Krimml-X-Press (der Verbindung zurück nach Zell am Ziller) verging uns die Laune arg: Horizontal anfliegende Schneeflocken, getrieben von einem kräftigen Wind, ließen die lange und recht hohe Liftfahrt zur Ewigkeit werden und förderten den Wunsch nach einer heißen Dusche. Vom Übergangsjoch begaben wir uns dann auch auf recht direkten Pfaden in Richtung Rosenalm und von dort aus mit der Karspitzbahn zurück ins Tal. Dort angekommen kam auch recht schnell der Bus; schade nur, dass unsere Unterkunft die letzte Station der Route war (nie wieder!). Die Skiline-Statistik dieses Tages ist irgendwie zu lückenhaft, kommt sie doch auf 14 Liftfahrten (obgleich hier laut grafischer Darstellung definitiv einige fehlen) aber nur 30 Pistenkilometer.

Schlechtes Wetter, gute Laune
Schlechtes Wetter, gute Laune

Es war gegen 16:30 Uhr als wir wieder in unserer Unterkunft ankamen, und schon im Lift trafen wir die Entscheidung: Heut geht es zurück nach Haus. Nach 15 Tagen unterwegs und mit Hinblick auf die für den Folgetage abermals schlechter angesagten Wetterbedingungen freuten wir uns sehr auf die Rückkehr in die heimische „Basis“. Auch die geradezu furchteinflößenden Verkehrsverhältnisse aus dem Tal heraus und gen Norden, welche wir auf der Fahrt nach Zell am Ziller im Rahmen unserer Anreise beobachtet hatten, trugen einen gewichtigen Teil zu dieser Entscheidung bei. In der Tat stand der Verkehr am 02.01. fast auf die gesamte Länge von der Autobahnauffahrt bis weiter hinter Kaltenbach.

Das Fazit dieser ersten Skitage der neuen Saison: Auch die Zillertal Arena bietet einige schöne Abfahrten und mit seinen insgesamt drei verbundenen Hauptgebieten viele Möglichkeiten. Moderner wirkt jedoch das Hochzillertal. Skifahren über Neujahr kann man machen .. genügend Geduld für eine ganze Woche im Schnee mit derart vielen Menschen hätte ich aber nicht.

Die Rückfahrt nach Frankfurt verlief übrigens (inkl. Tanken und Versorgungsstopp bei McDonalds) in knapp unter 5h trotz viel Regen recht problemlos; das Zillertal bleibt daher in gut überbrückbarer „Schlagdistanz“.

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