Erneuerung unseres HomeNAS

Achtung, schon wieder so ein IT-Beitrag .. diesmal über Netzwerkspeicher

Ein großer Freund des ITlers ist in der Regel ein Netzwerkdatenspeicher, der möglichst ressourcenschonend vergleichsweise große Datenmengen bereitstellen kann, die dann hoffentlich auch noch relativ sicher vorgehalten werden. In diesem Kontext setzen wir als „Datengrab“ seit knapp vier Jahren einen Scaleo Homeserver des Typs 2205 von Fujitsu ein, der auf Windows Home Server basiert und uns allzeit gute Dienste geleistet hat.

In der Tat ist es beeindruckend, wie stabil, wartungsarm, leise und erweiterbar (immerhin vier Steckplätze für 3,5″ Festplatten) das vergleichsweise kostengünstige Gerät uns über die Jahre hinweg immerhin vier TB Speicherkapazität zur Verfügung gestellt hat. Windows Home Server gab sich dabei eigentlich immer recht problemfrei – der (konzeptbedingt) fehlende VGA-Anschluss am System war nie eine Schwierigkeit. Doch wachsende Datenmengen und eine Evolution der sonstigen Infrastrukturteile (Windows 7 bzw. Windows 8) ließen eine immer größere Lücke zum vergleichsweise alten Home Server auf Basis von Windows Server 2003 entstehen. Darüber hinaus machten mir die verwendeten Festplatten zunehmend Bauchschmerzen, die zwar allesamt noch nie versagt haben, aber in den bereits genannten vier Jahren sicherlich schon die ein oder andere Betriebsstunde leisten mussten. Das ich die Spiegelungsfunktion von WHS aus Platzgründen dabei sträflicherweise nur für die wichtigsten Daten aktivierte hatte, machte meinen Nachtschlaf nicht eben besser.

Gleichzeitig fiel mir seit geraumer Zeit auf, dass mein stylisher Virtualisierungsserver im fast kubistischen Lian Li Gehäuse zusehends in der Ecke verstaubt, da ich bedingt durch neue Tätigkeitsschwerpunkte nahezu keinerlei Test-Setups mehr aufbauen muss. Über mehrere Monate hinweg reifte daher der Gedanke den WHS als Massenspeicher abzulösen und eine passende Anschlussverwendung für den ehemaligen Virtualisierungsserver zu finden. Die Ziele hierbei waren die Weiterverwendung der bestehenden Komponenten (soweit möglich und sinnvoll), ein möglichst geringes Geräuschniveau im Betrieb und eine  verbesserte Datensicherheit. Irgendwie (…) reifte in meinem Kopf daher der Gedanke vier große Platten zu kaufen und diese in einem RAID-5 Array zu verschalten. Da der On-Board-Chip des eingesetzten Mainboards diesen RAID-Modus nicht kann, entschloss ich mich nach einiger Recherche dazu den Dawicontrol 624e anzuschaffen, welcher vier SATA3-Ports bietet, über PCIe angebunden wird und alle gewünschten RAID-Spielarten beherrscht.

Nach längeren Diskussionen und mehrmaliger Aufschiebung des gesamten Vorgehens war es dann irgendwann so weit: Alle Komponenten waren vorhanden und der Umbau konnte losgehen. Da das von uns eingesetzte Lian Li V350 intern über nur zwei 3,5″ Schächte verfügt, plante ich die weiteren Platten in den externen 5,25″ Buchten zu verbauen. Das dies (mit Hinblick auf den externen Charakter eben dieser) eigentlich ohne optische Katastrophen nicht klappen kann, ignorierte ich zu diesem Zeitpunkt munter. Hoch motiviert öffnete ich also das Gehäuse, entfernte die alten Festplatten, verbaute zwei der neuen Disks nebst entsprechender Entkopplung und freute mich über das Werk. Da ja dieses Mal alles besonders toll werden sollte, beschriftete ich sämtliche Festplatten mit meinem geliebten Dymo und schrieb sogar fein säuberlich auf die SATA-Kabel welchem Bestimmungszweck sie dienen.

Umbauchaos - im Hintergrund der alte Server, im Vordergrund der "Neue"
Umbauchaos – im Hintergrund der alte Server, im Vordergrund der „Neue“

Irgendwann kam ich dann an den Punkt, an dem ich die verbleibenden Laufwerke gemeinsam mit dem Sharkoon Vibe Fixer III in den 5,25″-Schächten verbauen wollte. Dazu befestigte ich die „Adaptergummis“ zu erst an den Festplatten, was noch problemlos klappte. Auch die testweise Montage der so vorbereiteten Disks in den Montageschienen hinterließ einen sehr guten Eindruck – hier hat Sharkoon für wenig Geld ein wirklich tolles Produkt am Start. Leider verdüsterte sich meine Miene kurze Zeit später, als ich (mit sehr wenig Vorausplanung) die Schienen im Gehäuse verbaute. Nutzte ich die vorgesehenen Schraublöcher, würden die 5,25″ Blenden keinen Platz mehr finden (wie überraschend …) und das Gehäuse stünde einfach offen. Also baute ich mal eben noch das Netzteil aus (so ein Lian Li Cube ist wahnsinnig wartungsfreundlich…) und schaute, ob man die Adapterschienen nicht „mittig“ verbauen kann. Keine 20 Minuten, ein wenig Gefriemel und einige Flüche später waren die Schienen auf der Innenseite des Gehäuses montiert und saßen mit spontan gefundenen Schrauben gut gesichert fest.

So werden aus externen 5,25" Einbauplätzen interne ;-)
So werden aus externen 5,25″ Einbauplätzen interne 😉

Leider ließ sich diese tolle Lösung nicht auf die zur Gehäusefront hin gewandten Seite anwenden, da man hier schlicht und ergreifend keine Schraube von Außen eindrehen kann (man kommt nicht ran, da das Befestigungskonzept von Lian Li dies nicht vorsieht und die Stirnplatte zudem genietet ist). Trotzdem war das Gesamtergebnis aus meiner Sicht akzeptabel, denn eine Schienenseite saß fest, die andere hatte nur wenig Spiel und durch die breiten Dämpfer hingen die Laufwerke so stabil in der Konstruktion, dass eigentlich nichts passieren konnte.

Sitzt, passt und wackelt nicht zu sehr
Sitzt, passt und wackelt nicht zu sehr

Nachdem der Hardware-Teil nun also erledigt war (zumindest dachte ich das) ging es an die Software. Schnell war die Windows Server 2012 Installations-DVD bereit und ebenso schnell fand ich mich im Setup wieder. Dieses durchlief ich routinemäßig und legte eine 100 GB große Partition für das System an – den Rest des Platzes konnte ich ja später zuweisen. Als Windows dann wenige Minuten später lief, hatte ich ein unangenehmes Meeting mit der Datenträgerverwaltung. Diese wollte mich nur genau eine weitere Partition anlegen lassen und diese durfte auch nur maximal 2 TB groß sein. Nanu? Das das Startlaufwerk bei Verwendung eines MBR maximal 2TB groß sein darf verstehe ich ja, aber gilt diese Limitation für alle Partitionen des Laufwerks? Na klar .. der MBR gilt ja für die gesamte Disk (und das RAID stellt sich für Windows ja als ein großes Laufwerk dar) und somit gelten die genannten Einschränkungen auch für alle Partitionen. Lösungswege? Variante 1: Neues Board mit UEFI Unterstützung kaufen – dieses kann auch von GPT-Laufwerken booten, die größer als 2 TB sein dürfen (hätte jedoch auch neuen RAM und eine neue CPU bedingt, da es nicht so viele UEFI-fähige Boards mit DDR2 und AM2+ gibt), oder Variante 2: Dediziertes Startmedium. Den Ankauf eines PCI-Slot auf 2,5″-Einbauschacht-Adapters (total cooles Teil für weniger als 10€) und eine SSD später lief Windows dann wie es sollte und präsentierte mir stolz ein Laufwerk mit 8 TB Kapazität.

Eine schöne Lösung, wenn die Einbauplätze zur Neige gehen
Eine schöne Lösung, wenn die Einbauplätze zur Neige gehen

Neugierig suchte ich nach einem Benchmarking-Tool für das Array und ließ wenige Augenblicke später HDTune darauf los – Ergebnis: Klasse. Auch der erste Kopiervorgang zur Migration vom bisher verwendeten Datenspeicher über das Netzwerk lief vielversprechend mit konstant 60 MB/s an; gleiches galt für einen Test von der SSD auf das RAID (konstant über 200 MB/s). Wow, ich glaubte, alles wäre prima. Meine Wunschvorstellung endete ca. 5GB später, als das System aufhörte die Daten zwischenzuspeichern und mit der eigentlichen Schreibarbeit auf den Platten begann. Plötzlich stellten sich reproduzierbar Transferraten von 8-12MB/s ein, teilweise sogar weniger. Nanu, was war los? Eigentlich hatte ich die Strip Size mit 128 kB (mehr kann der Controller doch nicht) optimal für große Dateien gewählt, das Alignment passte laut gängiger Tools auch und auch die Clustergröße des NTFS-Volumes war mit 64 kB gar nicht so doof. Doch irgendwie wollte es nicht. Es ergab sich eine Irrfahrt, während der ich nach viel goggeln per Trial and Error alle möglichen Kombinationen aus Strip Size des RAIDs und Cluster-Größe des NTFS-Volumes nach der bestmöglichen (Schreib)-Performance suchte. Als Test verwendete ich eine 10GB große Datei, die ich von der System-SSD auf das RAID-Array kopierte. Nacheinander teste ich die folgenden Varianten mit unterschiedlichem Erfolg:

Stripe Size: 128 kB
64 kB Cluster Size:8 - 12 MB/s
32 kB Cluster Size:8 - 12 MB/s
Stripe Size: 64 kB
64 kB Cluster Size:26 MB/s
32 kB Cluster Size:28 MB/s
Standard Cluster Size:23 MB/s
Stripe Size: 32 kB
64 kB Cluster Size:29 MB/s
32 kB Cluster Size:28,5 MB/s
Standard Cluster Size:25 MB/s
Stripe Size: 16 kB
64 kB Cluster Size:29 MB/s
32 kB Cluster Size:28 MB/s

Von nun an begann der große Rätselraten. Ich entschloss mich daher dazu den Mythos „RAID5 auf vier Disks ist doof“ zu untersuchen und kam mit nur drei Laufwerken zu folgenden Ergebnissen:

Stripe Size: 128 kB
64 kB Cluster Size:12 MB/s
32 kB Cluster Size:12 MB/s
Stripe Size: 64 kB
64 kB Cluster Size:29 MB/s
32 kB Cluster Size:30 MB/s
Stripe Size: 32 kB
64 kB Cluster Size:28 MB/s
32 kB Cluster Size:29 MB/s

Wie man sieht, ist die Auswirkung (zumindest mit Hinblick auf die von mir eingesetzten Laufwerke mit relativ wenig Cache und 5900 Umdrehungen / Minute) eher überschaubar. Deutlich spaßiger ist die Verwendung eines RAID10 Arrays, bei dem ich testweise ganz bequem die Performance der SSD ausnutzen konnte – leider unter Verlust von weiterem Speicherplatz.

300 MB/s Schreibgeschwindigkeit wären schön gewesen - RAID10
300 MB/s Schreibgeschwindigkeit wären schön gewesen – RAID10

Zähneknirschend entschloss ich mich also dazu ein RAID5-Array mit 32 kB Strip Size und 64 kB großen Zuordnungsdateien zu verwenden und begann ein weiteres Mal mit der Datenmigration. Diese lief mehr oder weniger stabil mit rund 30 MB/s durch und ließ mir daher viel Zeit zum Grübeln. Worte wie „Fake RAID“, „macht man nicht mehr“, „ZFS“ und „RAIDz“ schossen mir durch den Kopf. Also goggelte ich nochmal nach alternativen Lösungen und entschloss mich kurzer Hand dazu das System mit Nas4Free auf FreeBSD-Basis neuzuinstallieren (wenn nicht jetzt, wann dann?). In gewohnter Linux / UNIX / BSD Manier ging die Basisinstallation extrem schnell und auch vergleichsweise komfortabel von der Hand – theoretisch hätte ich das Ganze auch direkt vom USB-Stich betreiben können (ich wollte aber eine Vergleichbarkeit gewährleisten). Nach dem Setup nahm ich einige Optimierungen gemäß verschiedener Foreneinträge (siehe z.B. hier) vor und Begann mit der Erstellung des Pools (Kurzform: Laufwerke hinzufügen, Laufwerke für ZFS formatieren, virtuelles Gerät anlegen, Pool anlegen, fertig .. siehe NAS4Free Doku, alles ganz einfach). Danach noch fix die Daten-Partition der SSD eingebunden (für’s Benchmark), CIFS aktiviert und konfiguriert, SSH aktiviert und konfiguriert und schon konnte es losgehen.

Ready when you are - Wärmer als 40°C werden die Disks auch nach Stunden intensiver Nutzung nicht
Ready when you are – Wärmer als 40°C werden die Disks auch nach Stunden intensiver Nutzung nicht

Das Ergebnis war von Anfang an sehr beeindruckend: Deutlich über 100MB/s von der SSD auf das RAIDz-Array und auch vom bisherigen Homeserver auf das neue NAS wurden die Fähigkeit des alten Systems (Senderichtung ca. 65 MB/s) konstant ausgenutzt. Dazu kamen das klare Interface von NAS4Free, die vielfältigen Möglichkeiten und das vergleichsweise ressourcenschonende Betrieb. Nachdem ich nun das Hardware-Setup des Windows-Systems 1:1 unter BSD getestet hatte, begann ich damit den Server zurückzubauen. RAID-Controller raus, 128 GB SSD gegen 32GB Cache SSD getauscht, NAS4Free ein weiteres Mal installiert und siehe da: Unveränderte Performance. Nach sehr viel Bastelei und Troubleshooting entschloss ich mich dazu Gedanken wie SSD-Caching zu verwerfen und setzte das System endlich wieder zusammen.

Performance-Messung mit dem guten alten Midnight Commander (und falschem Char Set)
Performance-Messung mit dem guten alten Midnight Commander (und falschem Char Set)

Im Weiteren galt es dann noch so Kleinigkeiten wie Wake up on LAN (sollte man dringend auf „WOL_Magic“ und nicht „On“ stellen, sonst geht der Server ständig wieder an 😉 ) und den pyloader (Alternative zum jDownloader mit hervorragender Chrome-Integration, wenn man folgenden Bug in Version 0.4.9 beachtet: Link) zum Laufen zu bringen .. aber dies war eher die Kür 😉

Sehr komfortabel: pyload Extension für Chrome
Sehr komfortabel: pyload Extension für Chrome

Aktuell läuft die Datenmigration ein drittes Mal (ich habe mich dazu entschieden diese vom alten System aus mittels FastCopy durchzuführen) und zum derzeitigen Zeitpunkt bin ich mit dem System, der Performance und dem Verlauf sehr zufrieden. Eine „High-End“-Lösung mit Hot-Swap fähigen Platten und einem Hardware-RAID-Controller wäre sicherlich schöner, würde aber möglicherweise ein wenig über das Ziel hinausschießen. Eine andere Option wäre die Verwendung von Standardgeräten ala Synology oder Qnap, aber ich fand den Gedanken etwas Eigenes zu bauen an dieser Stelle einfach recht reizvoll. Ob das System auch wie geplant arbeitet, gibt es wie gewohnt an späterer Stelle hier zu lesen.

HTPC 21 – Abschluss einer Langzeitbaustelle

Warnung vorab: Endlich mal wieder ein IT Beitrag. Wer keine Lust auf die Themen HTPC, MediaPortal, XBMC hört an diesem Punkt besser auf zu lesen 😉

Wie hier bereits an der ein oder anderen Stelle beschrieben, verwenden wir im Wohnzimmer einen selbst gebauten HTPC zum Zugriff auf die heimische Mediendatenbank und bis vor unserem Umzug auch zum Fernsehen via DVB-S2. Letzerer Task liegt mittlerweile in der Hand des HD-Recorders von Unity Media, den es quasi kostenattraktiv dazu gab und der – für die ca. 5h TV die wir im Monat schauen (Formel 1 .. das war’s eigentlich auch) – völlig ausreichend ist und einen guten Job macht.

Nahezu täglich kommt dagegen unser Bastelobjekt zum Einsatz .. und das tut es seit fast vier Jahren nur bedingt optimal. In der langen Zeit unseres gemeinsamen Zusammenlebens gab es ja schon so einige Änderungen an der „Kiste“, die unsere Zufriedenheit zumindest ein wenig gesteigert haben – trotzdem war ich nie wirklich zufrieden mit dem Gesamtsetup. Nachdem nun der Umzug gemeistert war und ich, bedingt durch eine längere Dienstreise Danis ein wenig Zeit hatte, ergab sich endlich die Gelegenheit hier Hand anzulegen. In diesem Zusammenhang habe ich als mehrjähriger MediaPortal-Benutzer schon lange über die fremde Welt „XBMC“ nachgedacht. Klang ja alles ganz nett, gab auch tolle Screenshots .. aber den Mut hatte ich dann doch nicht. Bedingt durch das Release 12 von XBMC (bzw. 12.1; „Frodo“) und einen interessanten Artikel im MediaPortal Forum) schöpfte ich neue Motivation den Umstieg doch mal zu wagen. Zu interessant sahen die Screenshots aus, zu spannend fand ich die Aussagen bezüglich „erheblich besserer Performance“. Auf der anderen Seite las ich immer wieder negatives Feedback von Umsteigern zur angeblich deutlich schlechteren Bildqualität von XBMC unter Windows und das man hier ja soviel von Hand einstellen müsse.

Okay, grau ist alle Theorie und so versuchte ich das, was vor ca. zwei Jahren bereits gescheitert ist, erneut und erstellte eine Live-CD (bzw. einen Live-USB-Stick). Dies war schnell getan und entgegen meiner alten Erfahrungen (keine Ahnung welche XBMC-Version das damals war) bootete das System nun tatsächlich bis zum Startbildschirm durch. Aha .. das ist also XBMC. Völlig unlogisch stand für mich zu erst der optische Aspekt im Vordergrund und so wollte ich zunächst den oft gerühmten Skin „Aeon Nox“ testen. Die Installation desselben über die integrierte, grafisch-eingebettete Menüführung von XBMC ließ sich zwar recht schnell anstoßen, doch irgendwie verblieb die Fortschrittsanzeige mit viel Ausdauer bei „0%“. Nagut, eine erste Bestandsaufnahme verlief dennoch erfreulich: Die Hardware wurde soweit vollständig erkannt, ein Zugriff auf meine SMB-Freigaben klappte fix, die Fernbedienung funktionierte und eine Audio-Übergabe über HDMI an den AV-Receiver klappte auch. Nach diesem extrem intensiven Test, der ca. 10 Minuten dauerte, kam ich also zu dem fundierten Schluss (Achtung, Ironie), dass eine Installation auf die lokale Platte eine gute Idee wäre. Dieser Augenblick besiegelte dann auch das Ende meiner MediaPortal-Installation (fairerweise muss ich gestehen, dass ich vorher ganz feige ein Image der Festplatte erstellt habe). Augenblicke später war XBMC vom Live-Stick aus direkt auf der SSD installiert und nach einem schnellen Reboot fand ich mich mitten in der XBMC-Welt wieder. Ein wenig später lief auch Aeon Nox und ich war grundsätzlich erstmal positiv angetan.

XBMC unter Linux - es geht los
XBMC unter Linux – es geht los

Grundsätzlich .. denn irgendwie gab es noch das ein oder andere Problem. Blöd fand ich zum Beispiel, dass das LD-Display meines Gehäuses (Antec Fusion) unbedingt dunkel bleiben wollte. Blöd fand ich auch, dass die frische XBMC-Installation so gar keine Lust hatte in den Standyby-Mode (S3) zu fahren und aus diesem wieder erfolgreich aufzuwachen. Letztlich war es auch nicht so schön, dass die Video-Wiedergabe extrem ins Stocken geriet, sobald ich den AV-Receiver abschaltete. Aber diese rationale Zusammenfassung gelingt mir natürlich erst jetzt, in der Retrospektive, und so bastelte ich in bester Linux-Manier viele lustige Stunden im Schneidersitz vor dem 46″-LCD sitzen an den Problemen herum (SSH ist doch für Mädchen…). Irgendwann lief das Display sogar und ich fühlte mich ganz kurz vor glücklich. Leider war die Scroll-Geschwindigkeit der Zeichen derart schnell, dass einem drohte schlecht zu werden. Zwar gab es auch hierzu Code-Anpassungen, die bei mir jedoch auch nach mehrmaligem Neucompilieren einfach nicht greifen wollten .. schade. Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass ich schon wieder mehr Frickelte als ich wollte und mir kamen leichte Zweifel zur Zukunftstauglichkeit der Installation. Also beendete ich die Arbeiten für diesen Tag und beschloss am nächsten Tag wieder von Neuem zu beginnen.

Einige Stunden später fand ich mich also im Setup von Windows 8 wieder .. erstmal eine vertraute Basis schaffen. Die nächsten Schritte, geprägt von der Windows-Grundeinrichtung, der Konfiguration des automatischen Logins (Google hilft), der Installation von Konfiguration von Classic Shell (zur Administration einfach leichter, Google hilft) und der Integration von XBMC für Windows in den Autostart (Ausführen –> shell:startup) überspringe ich an dieser Stelle einfach mal. Nach relativ kurzer Zeit lief XBMC, mein favorisierter Skin funktionierte ebenfalls, die Video-Wiedergabe klappte und nach der Installation der passenden IMon-Version (grausam) wurde auch das Display weitestgehend korrekt angesteuert. Ein „paar“ Optimierungen in der Benamung unserer Medien-Dateien konnten die in XBMC integrierten Scrapper auch augenscheinlich alle Inhalte unserer lokalen Bibliothek korrekt zuordnen und ich hatte quasi den Zustand des Systems unter MediaPortal wiederhergestellt. Tatsächlich lief nun alles etwas schneller, das Aussehen gefiel mir besser und auch die Idee der Konfiguration der gesamten Installation über EIN GUI war durchaus charmant (die Plugin-Verwaltung von MediaPortal um mal wieder irgend eine suboptimal benannte Mediadatei, die falsch zugeordnet wurde, wieder zu korrigieren, werde ich definitiv nicht vermissen).

XBMC Gesamtsetup im Betrieb - ist doch ganz nett
XBMC Gesamtsetup im Betrieb – ist doch ganz nett

Allerdings blieben ein paar der alten Probleme, die vermutlich mit unserem spezifischen Setup zusammenhingen (HTPC + Samsung LCD + Yamaha AV Receiver + Steuerung durch eine Logitech Harmony). Konkret gesprochen gab es im Wesentlich zwei große Herausforderungen: Zum einen lief XBMC nach dem Verlassen des Standby-Modus grundsätzlich minimiert bzw. in falscher Auflösung (war bei Mediaportal auch so) und zum anderen musste ich nach dem Aufwachen häufig abermals den korrekten Eingang am AV-Receiver wählen (HDMI 1) – andernfalls gab es zwar Bild, aber keinen Ton (ebenfalls bei MePo auch schon so gewesen. Beide Probleme nerven mich seit Langem, aber irgendwie fand ich nie den Nerv mich darum zu kümmern. Nun war es so weit.

Problem Nummer 1: Window-Mode nach dem Aufwachen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich beschreibe hier den suboptimal verlaufenen Lösungsweg; wer nicht die gleiche ineffektive Lösungsart wie ich wählen möchte, sollte sich direkt am Ergebnis orientieren 😉 Da mir der Standby-Mode etwas suspekt war, man ja vielleicht ein paar Watt Strom sparen könnte und der Bootvorgang dank SSD ja sowieso ganz schnell geht, dachte ich, es wäre eine tolle Idee Windows einfach komplett herunterzufahren, anstatt es nur zu pausieren. Das ist über die Fernbedienung (MCE Remote) übrigens gar nicht so einfach (auch nicht wenn man sich in den Energieoptionen von Windows ganz viel Mühe gibt) und so kam ich zu einem tollen Registry-Hack (einfach mal hier nachlesen, meine Quelle war damals eine andere). Windows fuhr also via Fernbedienung herunter, yeah. Windows ließ sich sogar via Fernbedienung wieder zum Leben erwecken und stolz präsentierte ich Dani nach Ihrer Rückkehr das Ergebnis: Der PC ging an, Windows fuhr hoch (uiii, chic), der automatische Login fand statt (noch chicer), das Modern-UI von Windows 8 zeigte sich kurz (hallo, Kacheln), dann wurde für einen kurzen Augenblick der Desktop mit angepasstem Hintergrundbild sichtbar („Muss das so?“) und schon Augenblicke später zeigte sich der Start-Bildschirm von Frodo. Alles was danach kam (Aeon Nox) fand dann schon mehr Zuspruch. Ich muss es ja zugeben, schön war die Lösung nicht (vor allem nicht, da das blöde IMon XBMC ab und an den Fokus klaute und ich daher auch noch eine Start-Verzögerung für XBMC einbauen musste).

Was tun? AppleTV2 für 170€ bei eBay und mit ohne 1080p Wiedergabe? Raspberry Pi mit minimalstem Skin (lag sogar schon hier)? Android-HDMI-Stick? Nein, es musste einfach noch mehr Liebe („Google“ hätte auch gereicht)  her. Die Sache mit dem Standby-Mode war schon gar nicht so schlecht, aber die bestehenden Hürden mussten einfach noch überwunden werden. Also erstmal wieder den Registry-Hack rückgängig gemacht und dann mal genau überlegt, was da eigentlich passiert. Wie sich herausstellte, war meine initiale Überlegung hierzu auch die richtige: Bedingt durch die schnelle Reihenfolge der Geräte-Aktivierung durch die Harmony wacht der HTPC auf, noch während der recht träge Samsung LCD hochfährt. In Folge dessen möchte die Grafikkarte des Rechners recht frühzeitig eine Auflösung aushandeln, worauf der Fernseher zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Lust hat. Wenn Letzterer dann endlich soweit ist, läuft die Anwendung schon in einem zu kleinen Fenster oder das zu kleine Fenster wird auf Full-HD aufgezogen – beides blöd. Im Laufe meiner langen Irrfahrt glaubte ich dies durch eine Einschaltverzögerung bei der Harmony in den Griff zu bekommen. Da es hier bei der Parametrisierung ebenfalls Limitationen gibt, wurde ich durch Foren und den Logitech-Support auf den Pfad eines Dummy-Devices geschickt .. doch irgendwie war das alles nicht wirklich sexy (Idee: TV einschalten, 15 Sekunden warten, dann erst HTPC einschalten). Dann gab ich mir endlich einen Ruck und beschäftigte mich mit einem Tool, von dem ich bisher zwar gelesen, welches ich bis dato aber gekonnt ignoriert hatte: XBMC Launcher (Link). Dabei machte der XBMC-Launcher wirklich alles was ich wollte: Er zwang XBMC sich zu beenden, wenn der PC schlafen ging, sich neu zu starten, wenn das System wieder anging, hierbei eine Verzögerung für den lahmen Samsung LCD vorzusehen (aktuell übrigens 7s) und im Kampf um den Fokus gegen IMon stets die Überhand zu behalten. Sollte ich XBMC doch mal temporär verlassen wollen, genügt ein Druck auf „Windowstaste + F9). Was will man mehr? Das Ding erfüllte wirklich alle meine Wünsche und ließ sich noch dazu binnen weniger Minuten einrichten. Nach ein wenig Trial and Error mit der Verzögerungszeit ist es jetzt tatsächlich so, dass ich unmittelbar nachdem der TV angeht den Frodo-Ladebildschirm sehe (manchmal für weniger als eine halbe Sekunde den Windows-Desktop .. Streuung bei der Einschaltzeit) und Augenblicke später steht XBMC bereit. Diesmal war sogar Dani beeindruckt!

Fazit: Windows 8 + Classic Shell + XBMC 12.1 + XBMC Launcher + XBMConImon + kompatible IMon Version (Display..) = Alles super.

XBMC Launcher - eines der besten Tools im Mediacenter-Umfeld (meiner Meinung nach zumindest)
XBMC Launcher – eines der besten Tools im Mediacenter-Umfeld (meiner Meinung nach zumindest)
Auch ohne XBMConImon geht es nicht - die Lösung ist ein Puzzle
Auch ohne XBMConImon geht es nicht – die Lösung ist ein Puzzle

Problem Nummer 2: Kein Ton nach dem Einschalten

Nach meinem Erfolg in Angelegenheit Nummer 1 war ich hoch motiviert auch die zweite Baustelle, das Ton-Problem nach dem Einschalten, zu lösen. Auch hier dachte ich zuerst an den hemdsärmeligen Weg und wollte die Problematik mit Hilfe der Logitech Harmony Software (wer sie kennt, weiß sie toll diese ist…) lösen. Man müsste doch eigentlich nur alles einschalten, ein paar Sekunden warten (Dummy Device schon wieder?) und dann nochmal HDMI1 drücken .. also das Automatisieren, was ich seit einem Jahr von Hand mache. Grundsätzlich ist der Ansatz schon mal fragwürdig, noch dazu missfiel mir der Gedanke eine über 20 Sekunden lange Tasksequenz zu verwenden. Trotzdem bastelte ich, ebenso wie an der Window-Mode-Geschichte, sehr lange mit der Harmony rum und verbrachte auf diese Weise viele tolle Stunden (Software starten, Konfigurationsänderung vornehmen, Änderungen auf die Fernbedienung überspielen, Sequenz testen, fluchen, alles wieder von Hand in den richtigen Zustand bringen, wieder bei Schritt 1 respektive 2 anfangen). Ich hatte ja die ganze Zeit schon das Gefühl hier auf dem Holzweg zu seien, doch fielen mir nicht die richtigen Suchbegriffe für Google ein. „Samsung HDMI1 AV4“ wäre eine gute Idee, denn schon im ersten Treffer wird die Lösung meines Problems beschrieben (Link): Anynet+ (also die „Datenverbindung“ zwischen AV-Receiver und Samsung LCD) unterbrechen. Nachteil: Die Geräte reden nicht mehr so schön, was die Lautstärkeeinstellung etc. angeht, doch dafür muss ich mich nicht mit einem 10s Delay in der Befehlskette rumschlagen und auch sonst keine Kompromisse in der Verkabelung o.ä. eingehen. Ich entschied mich also dazu Anynet+ abzuschalten und die Lautstärke-Steuerung des Receivers mit Hilfe der Harmony zu adressieren.

Selbige benötigte eh noch etwas Liebe, da die MCE-Remote in XBMC (ein wenig umständlich, aber zuverlässig) laut diversen Forenbeiträgen idealerweise als MCE-Keyboard (also Tastatur) angesprochen wird. Diese Lösung funktioniert zwar grundsätzlich sehr gut und ist recht flexibel, bedarf jedoch ein wenig Zuwendung hinsichtlich der passenden Keymap o.ä.

Harmony-Tastenbelegung der (neuen) Aktion "Digitale Bibliothek"
Harmony-Tastenbelegung der (neuen) Aktion „Digitale Bibliothek“

An dieser Stelle war das Abenteuer HTPC für mich beendet. Nachdem die „großen“ Herausforderungen der Vergangenheit auf für mich akzeptable Arten gelöst schienen, konnte ich mich endlich mit ein paar Komfortfeatures beschäftigen. Sehr nett finde ich z.B. das hervorragend funktionierende WOL-Plugin für XBMC: Über das GUI installieren, ein paar wenige Klicks und schon wacht mein Mediaserver auf, sobald XBMC gestartet wird. Dieses scannt einige Augenblicke später die Mediendatenbank und neue Dateien sind so ohne jegliche Handarbeit und nach wenigen Augenblicken sichtbar und können wiedergegeben werden. Das gesamte Setup läuft so seit mehr als sechs Wochen und bis auf den Wunsch das HTPC-Gehäuse irgendwann mal durch etwas Ansprechenderes zu ersetzen (OrigenAE S10V – Link) bin ich rundum zufrieden.

GUI-basierte WOL-Konfiguration die alle Sonderwünsche berücksichtigt (Screenshot während RDP Verbindung, daher suboptimale Qualität)
GUI-basierte WOL-Konfiguration die alle Sonderwünsche berücksichtigt (Screenshot während RDP Verbindung, daher suboptimale Qualität)