Fitbit Flex: Die Rückkehr des Motivators

„Quantified Self“, die digitale Vermessung und Dokumentation von Vitalitätswerten und Aktivitäten ist ein durchaus spannendes Themenfeld, dass nicht nur aus gesundheitlicher Sicht Sinn macht, sondern auch den typischen Spieltriebs eines ITlers befriedigt. Als Folge dieser These könnte man sogar die gewagte Aussage treffen, dass die Aufzeichnung und Auswertung von Bewegungs- und Körperdaten den Spaß am Sport weiter steigert.

Soweit würde ich jetzt vielleicht nicht gleich gehen wollen; trotzdem finde ich die unauffällige Messung und Auswertung von Aktivitätsinformationen sehr interessant. Vor diesem Hintergrund kaufte ich mir (nach finaler Aufforderung von Dani) im September letzten Jahres meinen ersten „Fitbit Ultra“ und war sofort begeistert. Kompakte Abmessungen, eine gefühlt ewige Akkulaufzeit (10 Tage waren keine Seltenheit, danach genügten wenige Stunden, manchmal gar Minuten zum Laden) und eine sehr komfortable, drahtlose Synchronisation begeisterten mich.

Auch das Webinterface („Fitbit-Dashboard“) zur Auswertung der von der kleinen Wäscheklammern gewonnenen Informationen sagte mir sehr zu – klar, simpel, man sieht auf einen Blick, was interessant ist. Der einzige Konkurrent war zum damaligen Zeitpunkt übrigens das Nike Fuelband, dass jedoch am deutschen Markt nicht offiziell erhältlich war und für mich daher nach kurzer Überlegung ausschied.

Der Ultra und ich erlebten gemeinsam rund sieben spannende Monate voller Geocaching, Laufen, Skifahren und Wandern. Je nach Sportart zeigte er sich dabei hinsichtlich der gemessenen Distanz mal mehr, mal weniger synchron zu meiner Garmin Forerunner GPS-Uhr. Besonders beim Wandern harmonierten meine beiden Begleiter sehr gut, zeigten sie auf einer Distanz von ca. 20km doch weniger als 100m Abweichung. Weniger gut klappte die Entfernungsmessung beim Laufen, denn hier hatte ich regelmäßig eine Abweichung von ca 3km (zu wenig auf dem Fitbit) bei einer Gesamtstrecke von 8km. Ob zumindest die gemessene Schrittanzahl gepasst hat, kann ich nicht beurteilen.

Spannend fand ich neben den lustigen bunten Abzeichen im Dashboard jedoch stets die Beantwortung der Frage: Wo ist denn eigentlich mein Fitbit? Das Teil ist nämlich derart klein und unauffällig, dass man es (leider) allzu leicht vergessen kann. In der Waschmaschine zum Beispiel (wie meine Mama) oder im Mietwagen am Flughafen von Mallorca (wieder meine Mama). Beides verkraftet das Gerät übrigens nicht besonders gut, mag es doch fortan nicht mehr Laden oder ist gleich ganz verloren. Doch auch ich hab meinen Fitbit mindestens drei mal fast versetzt – in der Retrospektive war es reines Glück, dass er beim Aussteigen aus dem Auto jedes mal auf die Innenseite des Schwellers fiel.

Knallige Farben, lustige Abzeichen: Das Fitbit Dashboard (mir fehlt definitiv noch die Waage..)
Knallige Farben, lustige Abzeichen: Das Fitbit Dashboard (mir fehlt definitiv noch die Waage..)

Neben der mangelnden Wasserfreudigkeit und dem nicht immer ganz optimalen Tragekomfort (zumindest wenn als Klammer am Gürtel genutzt) stellte sich in meinem Fall die Langlebigkeit des Gehäuses als größte Schwachstelle heraus. Nach sechs Monaten der Benutzung begannen plötzlich Teile der Plastikklammer auf der Innenseite abzubrechen und vier weitere Wochen später hielt ich  das Innenleben des Trackers in der Hand. Schade. Ich versuchte noch zu retten, was zu retten war, doch leider wollte sich das Gerät fortan nur noch laden lassen, wenn man mit gefühlt 11 Fingern gleichzeitig Druck auf die richtigen Stellen des Gehäuses ausübte. Damit trennten sich die Wege des Ultras und mir .. und meine Mama gewann unseren Wettstreit im Dashboard über die meisten Schritte in den letzten sieben Tagen außerhalb jeder Konkurrenz.

Danach hörte ich in mich hinein und fragte mich: Fehlt dir jetzt was .. so ganz ohne Schrittzähler? Stört es dich das Dashboard aus den Favoriten zu entfernen, die App zu löschen, die tägliche Herausforderung „Schaffe ich heut meine 10.000 Schritte?“ kampflos aufzugeben? Insgesamt war der Verlust des kleinen Zählers offen gesagt nicht allzu schlimm. Auf Basis der gewonnenen Erfahrungen konnte ich mittlerweile ganz gut beurteilen, wie aktiv ich war, und zumindest beim Joggen leistet mir die Garmin Uhr ja nach wie vor sehr gute und unersetzliche Dienste. Trotzdem beobachtete ich die Entwicklung am Markt recht genau, und als das Fitbit Flex endlich verfügbar war, schlug ich sofort zu.

Beim Fitbit Flex handelt es sich um die Armband-Version des Trackers, welche hinsichtlich des Tragekomforts also eine ganz neue Richtung einschlagen sollte. Als gewohnheitsmäßiger Uhren- und Hemdträger fragte ich mich zwar seit Längerem ob der Flex hierzu kompatibel sein würde, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also orderte ich das kleine „Bändel“ fix bei Amazon; glücklicherweise fand ich die schiefergraue Version schon die ganze Zeit interessanter – das schwarze Exemplar ist derzeit nämlich nicht bzw. nur sehr stark limitiert lieferbar.

So sieht das Ding am Handgelenk aus
So sieht das Ding am Handgelenk aus

Einen Tag später wurde Fitbits neueste Kreation dann auch bereits in die Packstation meines Vertrauens geliefert und ich begann Augenblicke später mit dem Auspacken und der Begutachtung. Was sofort auffällt ist die nette Verpackung (zweckmäßig, aber ansprechend) und der vergleichsweise respektable Lieferumfang (es werden gleich zwei Armbandgrößen mitgeliefert). Auch die Ersteinrichtung des Geräts gestaltet sich (wie bei Fitbit üblich) recht einfach, und so beginnt das Gerät wenige Minuten nach seiner Befreiung mit der Aktivitätsaufzeichnung. Das Anlegen am Handgelenk gestaltet sich wie zuvor bereits gelesen etwas knifflig, gelingt dann aber doch recht gut (nach rund zwei Wochen kann ich sagen: Absolut problemlos). Das Tragegefühl ist zunächst leicht ungewohnt aber tatsächlich recht angenehm. Das Armband ist leicht, das Gummi geruchsneutral und die Haptik durchaus ansprechend. Schnell finde ich eine angenehme Weiteneinstellung und nachdem die grundsätzliche Funktionsfähigkeit gegeben ist, gehe ich mit dem Flex gleichmal auf eine 9km Laufrunde ins Wochenende. Nach den ersten 500m bei 25°C Außentemperatur schmiegen sich Band und Arm angenehm aneinander, so dass ich den Flex ein wenig auf Spannung nach oben schiebe und ihn fortan kaum noch spüre. Kaum bin ich eine Stunde später wieder zu Hause, habe ich das Schrittpensum für diesen Tag fast erfüllt und beginne den nächsten Test: Der Flex soll ja wasserfest sein. Ergebnis: Ist er scheinbar; trotzdem bleiben Feuchtigkeitsspuren im Armband .. muss also nicht dauerhaft sein.

Schiefergrau, kompakt, dezent (im Hintergrund die Ladeeinrichtung)
Schiefergrau, kompakt, dezent (im Hintergrund die Ladeeinrichtung)

Doch dieser kleine Makel bringt mich auch gleich zu einem der (aus meiner Sicht) größten Vorteile des Trackers gegenüber seinem Vorgänger und gegenüber diversen Marktbegleitern: Er ist modular. Endlich kann ich die (gekappselte) Elektronik aus dem Band lösen und damit den „wertvollen“ Teil sehr leicht vom „verzichtbaren“ Part trennen. Dies ermöglicht es nicht nur schnell zwischen verschiedenen Armbandfarben zu wechseln (so selbige denn mal verfügbar sind), sondern verringert auch die Folgen von etwaigen „Gehäuseschäden“. Genau das, was meinem alten Ultra das Genick gebrochen hat, sollte sich also in Zukunft nicht wiederholen. Diese smarte Weiterentwicklung gefällt mir mindestens so gut wie die drahtlose Synchronisation, welche im Gegensatz zu meinem alten Tracker nun endlich auch via Bluetooth 4.0 und damit dem iPhone klappt. Dies funktioniert derart reibungslos, dass mich das fehlende Display des Flex kaum stört. Die chic animierten 5 Kugeln zeigen mir ganz grob den Tagesfortschritt; alles Weitere kann ich problemlos wenige Sekunden später auf dem iPhone-Display ablesen. Trotz der minimalistischen Art der Informationsauskunft macht es übrigens immer wieder Spaß auf das kleine Gerät zu tatschen und die „elegante“ Fortschrittsanimation anzuschauen.

Tracker außerhalb des Armbands - hier mit gerade aktivierter Fortschrittsanzeige
Tracker außerhalb des Armbands – hier mit gerade aktivierter Fortschrittsanzeige

An dieser Stelle ist mir übrigens völlig unerklärlich, wie man die gerade zu anachronistische Synchronsation eines Jawbone UP (Klinkenstecker) bevorzugen kann.

Ansonsten verliefen die ersten Tage mit dem Flex erwartungsgemäß unkompliziert .. alles funktionierte wie es soll, und wenn das Gerät nach 10.000 Schritten am Tag fröhlich vor sich hin brummt, fühlt man sich gleich ein wenig besser. Das das Flex im Gegensatz zum Ultra (und seinem Nachfolger, dem One) keine Stockwerke zählen kann, finde ich ebenso erträglich wie die aus meiner Sicht nicht ganz optimale Datenbank zur Nahrungsmitteleingabe. Wer hier mehr möchte, dem sei der kostenlose und auch in Deutsch verfügbare Service von MyFitnessPal ans Herz gelegt! Dieser synchronisiert sich im Hintergrund vollautomatisch mit den Aktivitätswerten von Fitbit und bietet daher eine smarte Vermaschung von Kalorienaufzeichnung und sportlichen Unternehmungen – ganz unkompliziert und sehr gut funktionierend! MyFitnessPal bietet übrigens neben einem recht gelungenen WebInterface (an einigen Stellen noch mit englischen Satzfetzen behaftet) und einer recht umfangreichen Nahrungsmitteldatenbank auch eine gute iPhone-App, die kostenpflichtigen Alternativen (wie z.B. dem ShapeUp-Club, den ich selbst auch schon mal benutzt habe) in Nichts nachsteht.

Screenshot der MyFitnessPal App - man beachte die automatisch aus Fitbit übertragenen Kalorien für Trainings
Screenshot der MyFitnessPal App – man beachte die automatisch aus Fitbit übertragenen Kalorien für Trainings

Der Tragekomfort des Geräts ist am „nackigen“ Arm (d.h. mit T-Shirt und damit ohne verhüllenden / drückenden Stoff drüber) sehr gut. Auch unter einem Businesshemd verhält sich der Flex unauffällig, neigt jedoch (wie eine Armbanduhr auch) dazu zu drücken, wenn er beim Tippen auf der Handballenauflage der Tastatur liegt. Grad in diesem Moment schmiegt er sich zum Beispiel relativ unangenehm an den Aluminium-Body meines MacBooks; dieses Problem habe ich an der heimischen Tastatur nicht so intensiv. Die Erfahrung von weiteren zwei Wochen des täglichen Gebrauchs sagt hier: Man gewöhnt sich an alles. Mittlerweile sucht sich das Armband ganz unmerklich seine Positiv und verrichtet absolut unauffällig seinen Dienst. Einzig beim Überziehen des Jackets merkt man die kleine Verdickung am Handgelenk etwas (die Gehäusekante hätte aber durchaus auch etwas abgerundeter ausfallen dürfen). Als positiven Effekt des unauffälligen Tragens kann ich zudem festhalten, dass auch die Aufzeichnung der Schlafinformationen mit dem Flex Spaß macht und man dies fortwährend tut – mit dem Ultra verließ mich hier nach spätestens fünf Nächten die Lust ob des relativ sperrigen Armbands. Apropos Fitbit Ultra: Dessen Akkulaufzeit erreicht das Flex erwartungsgemäß nicht ganz. Nacht ca. 4 – 6 Tagen möchte das kleine Plastikriegelchen in seiner proprietären Halterung geladen werden, was für mich aber kein Problem darstellt. Auch nach der ersten „Akkustand ist niedrig“-Meldung hält das Gerät noch einige Stunden durch und ein paar Momente der Inaktivität, in denen der Tracker sich wieder auflädt, finden sich immer.

Fitbit Flex - auch beim Cabriofahren unauffällig zu tragen
Fitbit Flex – auch beim Cabriofahren unauffällig zu tragen

Was bleibt? Prinzipiell bin ich mit dem Fitbit Flex sehr zufrieden und finde die Umsetzung in Form eines Armbands recht gelungen. Je nach Einsatzzweck und persönlichen Präferenzen lässt sich der Fitbit One (bei gleichem Preis und gerüchteweise besserer Messgenauigkeit) jedoch möglicherweise besser in den Alltag integrieren. In jedem Fall störe ich mich ein wenig an der Vielzahl mitgeführter Geräte: Smartphone (für die Erreichbarkeit und aktuell für Zombies Run nebst musikalischer Begleitung), GPS-Uhr (zur genauen Aufzeichnung von Strecke, Geschwindigkeit und Puls) und Bewegungstracker zur Aufzeichnung der Aktivitätsinformationen sind nach meiner Ansicht etwas zu viel des Guten. Konsolidierung wäre hier das Schlagwort und mein Gedanke zum Abschluss lautet daher: „Apple, bitte versaut es mit einer iWatch nicht“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.