Aus SLR mach SLT: Umstieg auf die Sony Alpha 65

Seit Mitte 2008 begleitet uns eine Sony Alpha 350 immer dann, wenn die laienhaften fotografischen Ansprüche einmal über den Fähigkeitsbereich einer Kompaktkamera hinaus gehen sollen. Die Alpha hat uns seit damals – war sie doch ein vergleichsweise preisattraktiver Einstieg in die Welt der digitalen Spiegel-Reflexfotografie – treu auf vielen Urlaubsreisen begleitet und auch das ein oder andere Portrait- und Produktfoto generiert. Trotzdem haben wir die Fotokunst seit jeher eher amateurhaft betrieben und daher trotz intensiver Lektüre diverser Bücher und Guides den Spaß stets vor den professionellen Anspruch gestellt. Vermutlich reichte uns auch deshalb ein Sigma 18-200 als „Immerdrauf“ für nahezu alle Ansprüche; RAW-Fotografie und digitale Nachbearbeitung gehörten nur sehr selten bzw. nur äußerst rudimentär zu unserem Fokusbereich.

Ein erster Versuch Aufmerksamkeit zu haschen ;-) (Sony Alpha 65 + Sigma 18-200 *schäm*)
Ein erster Versuch Aufmerksamkeit zu haschen 😉 (Sony Alpha 65 + Sigma 18-200 *schäm*)

Nach knapp fünf Jahren (und über 15.000 Auslösungen) hatte ich das Gefühl, dass mal etwas Neues her musste. Schon länger hatte ich Lust mich wieder etwas intensiver mit dem Thema Fotografie zu beschäftigen und das Upgrade unserer Kompaktkamera auf die vergleichsweise neue Sony Cyber-shot WX200 konnte hier natürlich nur für den „Schnappschuss-Bereich“ Verbesserungen mit sich bringen (ohne hier detailliert auf die WX200 eingehen zu wollen, bietet sie eine intuitive Bedienung, nette Bildprogramme, eine sehr schnelle Auslösezeit und einen für ihre sehr kompakten Abmessungen äußerst respektablen optischen Zoombereich). So kam es, dass ich mich mal wieder intensiver mit den einschlägigen Vergleichswebseiten und Foren zur digitalen Fotografie beschäftigte und diese nach hilfreichen Produktempfehlungen durchforstete.

Wie immer fanden sich auf 10 Seiten bzw. in 10 Beiträgen mindestens 11 Meinungen – trotzdem verschob sich mein initialer Gedanke „diesmal aber Canon“ (ich dachte an eine EOS 650D oder 700D) doch relativ schnell (erneut) in Richtung Sony. Besonders faszinierend fand ich die sehr überzeugenden Berichte über die OLED-basierten elektronischen Sucher der Sony Alpha 65 und höher. Folglich steigerten sich meine Präferenzen auch nahtlos von der zunächst avisierten Alpha 57 zur Alpha 65. Die üblichen Portale bescheinigten eben selbiger vergleichsweise sehr gute Kritiken und so ließ ich mich erneut in der Herstellerwahl in Richtung pro Sony beeinflussen. Als dann auch noch ein vergleichsweiser guter Amazon Warehouse Deal für die A65 nebst Kit-Objektiv auftauchte, entschied ich mich einfach mal für den Sprung ins kalte Wasser. Beeinflusst wurde ich zu diesem Zeitpunkt sicher auch durch den Gedanken, dass ich bei der Alpha 65 ja auch das bestehende Sigma-Objektiv weiterverwenden konnte, während der Umstieg zu Canon auch hier eine weitere Investition erfordert hätte. Zumindest dieser Punkt steht mittlerweile übrigens arg zur Diskussion – später mehr hierzu 😉

Alpha 350 (links) und Alpha 65 (rechts, mit Kitlinse) im optischen Direktvergleich
Alpha 350 (links) und Alpha 65 (rechts, mit Kitlinse) im optischen Direktvergleich

Nur einen Tag der nach der Bestellung war es also soweit: Die Alpha 65 wartete in gewohnter Verpackung und mit vergleichsweise vertrautem Design und bereits verstandener Bedienung auf mich. Das Unboxing verlief unspektakulär und auch die ersten Fotos waren schnell geschossen. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die neue Alpha (wie von vielen Rezensenten im Internet angekündigt) tatsächlich deutlich mehr Bilddetails auf die Speicherkarte bannte. Apropos Speicherkarte:  Im Vergleich zur Alpha 350 ist der Wechsel auf ein rein SD(HC)-basiertes Gerät wirklich sehr angenehm, entfällt doch der permanente Griff zum externen Kartenleser und auch das Handling der Secure Digital Cards gestaltet sich deutlich angenehmer, als das der vergleichsweise „alten“ CF-Medien.

Auch ansonsten weiß der „neue“ Body durchaus zu gefallen: Rund 40 Gramm geringeres Gewicht, ein deutlich konturierterer Griff sowie ein irgendwie intuitiver zu bedienender Einschaltknopf haben (neben dem deutlich feineren Sensor und diversen anderen Verbesserungen) durchaus ihre Vorteile. Ansonsten merkt man der Alpha 65 optisch und akustisch kaum an, dass der schlagende Spiegel durch eine halbtransparente Folie ersetzt wurde. Auch das Auslösegeräusch ist durchaus angenehm; wird nun aber durch die Bewegung des Verschlusses bestimmt und ist nicht mehr durch den charakteristischen Spiegelschlag gekennzeichnet.

Von der Seite her fällt auf, dass die Alpha 65 über einen deutlich konturierteren Griff verfügt (ferner ist auf dem Bild bereits die Wechselplatte meines Mantona Stativs montiert)
Von der Seite her betrachtet fällt auf, dass die Alpha 65 über einen deutlich konturierteren Griff verfügt (ferner ist auf dem Bild bereits die Wechselplatte meines Mantona Stativs montiert)

Eben der Aspekt Spiegel vs. Folie bringt uns auch schon zur größten und wesentlichsten Neuerung der Kamera: Die signifikant verbesserten Eigenschaften der spiegellosen EVIL-Kameras (electronic viewfinder interchangeable lens) mit Hinblick auf den sogenannte Live View-Betrieb bzw. die Verwendung des elektronischen Suchers bzw. des LC-Displays. Während letzteres nun mehr 3″ groß ist (eine angenehme Größe, die trotzdem genügend Fläche für Tasten am Kamera-Body lässt), ist ersterer (also der elektronische Sucher) meiner Meinung nach das Highlight der Kamera. Während der optische Sucher bei klassischen Spiegelreflexkameras ja eher einen begrenzten Informationsgehalt hat und bei typischen spiegellosen Kameras verschiedene Nachteile mit sich bringt (verzögerte Wiedergabe, Farbverfälschungen etc.) findet man bei der Alpha 65 eine ganz neue Generation dieser Bedienungseinheit vor sich. Dank OLED-Technologie blickt man auf ein quasi verzögerungsfreies Live Bild, welches zudem 100% des Bildbereiches darstellt und eine leicht vergrößerte Darstellung bietet. Zu diesen bereits ganz angenehmen Eigenschaften gesellt sich – vereinfacht gesagt – die Möglichkeit nahezu alle Bedienhilfen und Inhalte, welche auf dem LC-Displays angezeigt werden können, auch im elektronischen Sucher darstellen zu können. Dies bedeutet, dass man quasi im ganz Verborgenen (und auch bei hellstem Tageslicht) den Bildkatalog durchblättern und Menüeinstellungen vornehmen kann.

Auch während des eigentlichen Fotografierens bietet der Sucher zahlreiche Features, weshalb einige Rezensenten im Internet gern vom Feeling eines „Jet-Cockpits“ sprechen. Tatsächlich kann man u.a. verschiedene Raster als Gestaltungshilfe darstellen und eine digitale Wasserwaage aktivieren. Darüberhinaus bekommt man auf Basis des Live Bildes – welches die Leistung des Autofokus nicht beeinflusst – auch gleich eine vergleichsweise präzise Vorstellung des späteren Bildes, dass nach Betätigung des Auslösers binnen kürzester Zeit auf die Speichermedium geschrieben wird (grundsätzlich kann der elektronische Sucher schlicht alle Inhalte wiedergeben, die man auch auf dem LC-Display darstellen kann. Ferner erfolgt die Umschaltung zwischen beiden Wiedergabegeräten nun automatisch, wenn man sich den Sucher mit dem Gesicht nähert – klappt prima!).

Ein kläglicher Versuch den Blick auf den elektronischen Sucher wiederzugeben
Ein kläglicher Versuch den Blick auf den elektronischen Sucher wiederzugeben

Zusammenfassend – und ohne im Detail auf die sonstigen Features der A65 einzugehen – habe ich so die Lust an der Amateur-Fotografie sehr rasch wiederentdeckt. Als kurzer Vermerk sei an dieser Stelle jedoch erwähnt, dass die Alpha der SLT-Generation nun auch über einen GPS-Empfänger verfügt, der mich bisher „so einigermaßen“ überzeugt hat. Meist findet die Kamera (unter der Voraussetzung das die GPS-Unterstützungsdaten aktuell sind) relativ fix die aktuelle Position und speichert diese in die EXIF-Informationen des jeweiligen Fotos. „Leider“ (hier scheiden sich Geister) werden die Standort-Daten nur dann geschrieben, wenn diese auch tatsächlich vorliegen. Dieses Verhalten gleicht (soweit mir bekannt) dem der größeren Alpha 77, während die „kleineren“ Geräte im „standortlosen Fall“ die zuletzt ermittelten Koordinaten verwenden. Ich persönlich hätte dieses Verhalten vermutlich bevorzugt, auch wenn hierbei natürlich unter Umständen inkorrekte Daten verwendet werden.

Ein Schnappschuss aus dem Hessenpark
Ein Schnappschuss aus dem Hessenpark

Ein ganz wesentlicher Punkt im Kontext des Themas (digitale) Fotografie stellt sicherlich auch die Bildbearbeitung dar, ohne die heute – zumindest gefühlt – kaum mehr ein beeindruckendes Bild aufkommt. Bisher habe ich mich hier mit ein wenig Zuschnitt und schneller Kontrast- und Helligkeitsmogelei mit Paint.Net und co begnügt. Trotzdem reizte mich schon immer der Gedanke an leistungsfähigere Lösungen ala Adobe Lightroom. Spätestens seit einer kürzlich zelebrierten Hochzeit (bei der ich der Fotografin bei der Bildauswahl beiläufig über die Schulter schaute) war daher klar, dass ich mir Lightroom zumindest einmal ansehen wollte.

Was soll ich sagen? Wer sich bisher nie mit diesem tollen Tool aus dem Hause Adobe beschäftigt hat, hat etwas verpasst. Im Vergleich zu den üblichen Verdächtigen dieser prestigeträchtigen und hochpreisigen Softwareschmiede (vor allem Photoshop etc.) gefällt Lightroom mit einem recht intuitiven Interface und Funktionen und Abläufen, die sich sehr schnell und meist auch ohne Studium des Handbuchs erlernen lassen. In kürzester Zeit sind Bilder nicht destruktiv retuschiert, verschwinden Hautunreinheiten und werden zu dunkle Fotobereiche heller (und bedarfsweise schärfer). Besonders hilfreich ist hierbei neben den sehr guten Vergleichsoptionen (Ursprung vs. aktuellem Zustand) nebst Schnappschussfunktion (aktuellen Zwischenstand speichern) die leistungsfähige Bibliothek. Diese hilft immens dabei auch größere Bildsammlungen rasch zu importieren und hinsichtlich der Attraktivität der einzelnen „Werke“ zu klassifizieren bzw. zu filtern – viel besser kann man sich den Workflow zur „Entwicklung“ von digitalen Fotos kaum vorstellen.

Selten hat Bildbearbeitung und Katalogisierung so viel Spaß gemacht: Lightroom
Selten hat Bildbearbeitung und Katalogisierung so viel Spaß gemacht: Lightroom (hier: Vorher-Nachher-Vergleich)

Was bleibt sind an dieser Stelle zwei Erkenntnisse: Die Alpha 65 macht mir sehr viel Spaß und bietet meiner Meinung nach ein sehr vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis. Sie zeichnet wesentlich detailreichere Fotos als ihre Vorgängerin auf und weiß dabei insbesondere durch den elektronischen Sucher auf OLED-Basis zur überzeugen. Trotzdem ist sie fast schon ein Auslaufmodell, ist doch spätestens Anfang 2014 mit der Nachfolgegeneration (dann gerüchteweise völlig ohne Spiegel bzw. Folie) zu rechnen. Wie bereits eingangs angedeutet, hat sich jedoch der Gedanke „dann können wir die Objektive ja weiterverwenden“ als Irrglaube erwiesen. Das Sigma 18-200 – einstmals sicher eine vergleichsweise preisattraktive und universelle Option für ein „Immerdrauf“ – stellt sich im Zusammenspiel mit der sehr hochauflösenden Alpha 65 als klare Schwachstelle heraus. Im Interesse einer verbesserten Abbildungsleistung und schärferer Fotos wird hier sicherlich zeitnah die Anschaffung einer (mehrerer) Alternativen auf dem Plan stehen. Aktuell denke ich dabei an ein Sony SAL18-135 (immer noch ein wenig kompromissbehaftet) als Alltagsbegleiter und ein Sony SAL 55-300 (kompakter als ein Tamron 70-300 USD) für die weiter entfernten Motive dieser Welt .. mal schauen. In jedem Fall steht tollen neuen Urlaubseindrücken nun (fast) nichts mehr im Wege 🙂

Schöne Farben, nettes Bokeh -allein, es fehlt an Schärfe
Schöne Farben, nettes Bokeh – allein, es fehlt an Schärfe