Auf dem Floß da ist was los – Erlebnisbericht einer besonderen Isartour

Nachdem wir am Vortag ja bereits die Alpen unsicher gemacht und die Idylle des Chiemsees genossen hat, stand für diesen Freitag (den 16.08. übrigens) eine ganz besondere Gaudi auf dem Plan: Eine organisierte Floßfahrt auf der Isar. Ursprünglich gedacht als Hochzeitsgeschenk zeigten sich die Beschenkten so angetan, dass sie den Spaß gern auch mit einigen Kollegen und Freunden teilen wollten. Zurückblickend eine super Idee, denn so richtig Stimmung kommt auf dem Wasser halt doch erst auf, wenn man sich kennt und ein paar Spaßgaranten dabei hat 😉

Stimmungsbild zur Einleitung :-)
Stimmungsbild zur Einleitung 🙂

Doch der Reihe nach: Unsere Floßfahrt startete früh, eigentlich sogar viel zu früh. Denn obgleich der Erstkontakt mit dem Wasser erst gegen 09:30 Uhr geplant war, galt es doch zuvor via Bustransfer von München aus zum Startplatz der lustigen Tour gebracht zu werden. So mussten wir schon 08:30 Uhr in der Nähe des Hauptbahnhofs sein und dazu abermals einige Minuten eher in Ismaning mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aufbrechen (Autofahren möchte nach so einem Tag sicher niemand mehr..). Kurz gesagt mussten wir verdammt früh aufstehen, um nach einem Zwischenstopp beim Bäcker pünktlich den Rendevouz-Punkt zu erreichen. Wie auch am Vortag lachte uns die Sonne dabei mit ihrem breitesten Grinsen an und glücklicherweise sollte es auch den gesamten Tag über so bleiben. Die Maximaltemperaturen für diesen schönen Sommertag waren mit 24°C zudem auch sehr „human“ angesagt, so dass man zusammenfassend von besten Voraussetzungen sprechen kann.

Nach einigen Minuten des Wartens gesellten sich immer mehr „Seefahrer“ zu unserem Sammelpunkt und irgendwann durften wir die hochmodernen Reisebusse (sehr sauber, absolut geruchsneutral, Daumen hoch) dann auch betreten. Wenige Augenblicke später schunkelte das Monster über die Straßen Münchens und brachte uns langsam aber stetig vom Zentrum weg. Dabei erklang nach einigen Minuten eine zünftige Blasmusik, die immer mal wieder von (professionell aufgezeichneten) Erklärungen und Hinweisen unterbrochen wurde. Bereits nach wenigen Minuten war ich recht überrascht von der insgesamt sehr gut vorbereiteten und recht „kommerzialisierten“ Organisation der Fahrt .. ich hatte mir die ganze Sache naiverweise etwas hemdsärmeliger vorgestellt. Nach rund einer halben Stunde Fahrt (können auch 45 Minuten gewesen sein) hielt der Bus auf einem mittelgroßen Platz, der zudem das Ende eines recht kleinen Feldweges darstellte. Eifrig verließen wir unser Vehikel und warteten auf die Dinge die da kommen mögen, während die Band (welche wir unterwegs aufgesammelt hatten) als erstes an Bord ging. Wenige Minuten später war es dann soweit: Wir enterten einer nach dem anderen das Floß. Das Floß, dass ist ein 18m langes und 7m breites Wasserfahrzeug, dass aus Stämmen aus den Alpen (müssen eine Saison halten) vor der Tour von den Flößern in 90 Minuten zusammengebaut und unmittelbar nach der Ankunft wieder zerlegt und per Tieflader zurück zum Ausgangsort der Reise gebracht wird. Beeindruckt? Ich war es zumindest.

Das noch jungfräuliche Floß am Startplatz
Das noch jungfräuliche Floß am Startplatz

Auf dem „Kahn“ angekommen, zeigte sich dann ein weiterer Aspekt der Kommerzialisierung: Auf recht engen Bänken mussten wir rund 70 Reiselustige uns zusammendrängen – auf Gruppen konnte hierbei natürlich nur bedingt Rücksicht genommen werden. So saßen wir also eng an eng (um ehrlich zu sein sogar enger als in der Economy Class eines Inlandsflugs) und warteten auf den Beginn der Tour, während wir als erstes von einem lust’gen Fotografen abgelichtet wurden. Irgendwann ging es dann aber los und noch während unser Floß rückwärts zur Fließrichtung der Isar trieb, begann der Chefentertainer Werner ein paar interessante Dinge zur Natur, dem Floß und dem Ablauf unserer Reise zu berichten – sympatisch. Zeitgleich begann auch der Ausschank des (im Preis inkludierten) Biers, was quasi eine Schlüsselstellung im Stimmungsverlauf der weiteren Odyssee einnahm. Keine 15 Minuten nach dem Ablegen gab es ein erstes Prosit und während es rund um uns herum lustig plätscherte, wurden die Kehlen mit bestem bayrischen Bier befeuchtet. Da so ein Gerstensaft aus dem eigens dafür übergebenen Krug (Aufdruck: Auf dem Floß da ist was los) natürlich eine Grundlage benötigt, wurden auch Brezen, Semmeln mit Leberkäs und (etwas später) auch Würstchen, Käsesemmeln und saure Gurken gereicht. Für die Damen an Bord unseres Dampfers standen zudem wunschweise Piccolos bereit. Was ich damit sagen will: Es war an alles gedacht, es war alles sehr lecker und alles war in rauen Mengen verfügbar. Während der gesamten Fahrt (d.h. auch nicht fünf Minuten vor dem Anlegen am Abend) hatte man niemals das Gefühl, dass hier irgendetwas abgezählt war oder nicht alle werden sollte – ein ganz großes Lob.

Stimmungsvoller Start in einen tollen Tag
Stimmungsvoller Start in einen tollen Tag
Dani: Ohne Tracht, aber mit vollem Krug
Dani: Ohne Tracht, aber mit vollem Krug

Während wir so dahin schwammen und Flößer (Förg) und Steuermann (Stürer) uns auf Kurs bzw. in sicheren Bereichen der Isar hielten, berichtete uns Werner von der Geschichte des Floßes, dass vom Lastschiff zum Lustschiff wurde .. und gab im späteren Verlauf des Tages auch so manchen Witz von sich. Auch sonst wurde die Stimmung von Minute zu Minute besser, spielte die Band auf und floss das Bier in Strömen. So angeheitert (einmal im Jahr darf man das auch schon vor 10:00 Uhr sein) lockerte sich auch nach und nach die Sitzordnung, so dass wir uns irgendwann im vorderen Bereich des Floßes (also in der Nähe des Flößers mit seinem Ruder) mit unserer Gruppe trafen. Spätestens ab jetzt steuerte der Tag direkt darauf zu ein insgesamt perfektes Erlebnis zu werden, denn unter schönster Sonne, mit netten Menschen und bei bester Stimmung kann man sich einfach nur wohlfühlen. Mit zunehmender Feierlaune wurden wir uns auch immer sicherer, dass früher oder später jemand (unfreiwillig) über Bord gehen würde, denn die schmalen Pfade an den Außenseiten der Bänke waren doch – insbesondere Barfuß – sehr glitschig. Das uns noch nicht einmal die ambitionierten Mitfahrerinnen auf Highheels diesen Spaß gönnten, ist zurückblickend fast schon etwas schade.

Stimmung!
Stimmung!
Ein paar Leute mussten auch arbeiten - bei Niedrigwasser vermutlich sogar noch mehr
Ein paar Leute mussten auch arbeiten – bei Niedrigwasser vermutlich sogar noch mehr als sonst

Die unterhaltsamen Gespräche auf unserem Wasserfahrzeug wurden mal mehr, mal weniger deutlich vom friedlichen Brummen des Außenbordmotors untermalt – andernfalls hätten wir die rund 30km lange Strecke mit Hinblick auf das zu diesem Zeitpunkt vorherrschende Niedrigwasser der Isar vermutlich nicht zurückgelegt. Aus jetziger Sicht betrachtet gebe es natürlich schlimmere Szenarien als dieses .. schließlich waren die Vorräte mehr als ausreichend dimensioniert 😉 Wenn wir wegen des Motors schon über das Heck des Floßes sprechen, möchte ich an dieser Stelle noch kurz auf eine weitere Besonderheit der urigen Tour auf dem Wasser eingehen: Dem Isar Wasser Closett, kurz IWC. Wer sich hier ein von Planen verstecktes Dixie-Klo vorstellt, denkt übrigens zu optimistisch 😉 So sollte man schon durchaus „abenteuerlustig“ sein, oder die individuellen menschlichen Bedürfnisse auf die Mittagsrast im Biergarten beschränken.

Mindestens zwei Personen auf diesem Bild haben das Essen genossen ;-)
Mindestens zwei Personen auf diesem Bild haben das Essen genossen 😉

Auch selbige war übrigens absolut perfekt organisiert: Anlegen, reservierte Plätze einnehmen, kurz warten, lecker essen (im Preis inkludiert), dabei die Floßrutsche bewundern und anschließend wieder das Wasserfahrzeug besteigen. Auch auf Sonderwünsche bezüglich des Essens wurde eingegangen und man fühlte sich rundum gut betreut – klasse. Direkt nach der rund 60 minütigen Pause steuerte unsere Floßbesatzung dann zielsicher auf die bereits angesprochene Rutsche zu, welche mit 365m Länge und 18m Höhenunterschied zudem die längste ihrer Art in Europa ist. Wie wir nach kurzer Zeit feststellen durften, war die Passage dieses interessanten Abschnitts gleichzeitig die feuchteste Erfahrung des Tages, kamen uns während der lustigen Fahrt im Kanal doch sogar die Bretter der Passagierplattform entgegen. Danach ging es so weiter wie davor – zünftige Musik, lockere Gespräche und jede Menge guter Stimmung. Irgendwann erreichte selbige ein derart hohes Niveau, dass sogar die ersten Tourteilnehmer (mehr oder weniger unabgesprochen) ein erfrischendes Bad in der Isar nahmen. Obgleich ich von dieser verlockenden Option nicht Gebrauch gemacht habe, waren die Bilder der schwimmend „nachtankenden“ Freunde schon durchaus witzig 😉 Ebenso unterhaltsam waren auch die immer mal wieder am Ufer sichtbaren Radfahrer und Spaziergänger, die in der Regel sehr neugierig schauend (zurück) winkten – macht Spaß!

Trinken geht offensichtlich in jeder Lage
Trinken geht offensichtlich in jeder Lage

Gegen 16:45 Uhr erreichten wir (gefühlt viel zu schnell) unsere Anlegestelle, nicht ohne auf den letzten Kilometer vorher noch mehrmals von unten gewässert worden zu sein. Mit gekonnten Handgriffen legte unser Floß an, und wenige Augenblicke nach der herzlichen Verabschiedung von der „Besatzung“ saßen wir auch schon wieder leicht geschafft, aber ziemlich guter Laune, im Bus. Nach einem Tag voller Sonne, Wasser und vielen Prosits ging es zurück in Richtung München Zentrum, wo schon ein weiterer Biergarten auf uns wartete. Spätestens nachdem ich unterwegs den Flüssigkeitshaushalt meines Körpers wieder auf ein normales bzw. erträgliches Level bringen konnte, konnte ich mich dann auch so richtig auf den Ausklang des Tages freuen. Bei frischen Pommes und einer Maß Radler (es war dann doch genug Bier für diesen Tag) rekapitulierten wir das Erlebte .. und schmiedeten bereits erste Pläne bezüglich einer möglichen Wiederholung.

Das Ende der Tour aus Sicht des Floßes
Das Ende der Tour aus Sicht des Floßes

Fazit: Eine Floßfahrt auf der Isar kann ich – insbesondere bei gutem Wetter und mit den richtigen Leuten (je mehr, desto besser) nur uneingeschränkt empfehlen. Die Organisation war tadellos, die (von der Band und der Besatzung auch etwas forcierte) Stimmung hervorragend und die Tour durch die bayerische Natur entlang der Isar einfach nur sehr schön. Als „Zuageroaster“ haben wir uns übrigens (trotz fehlender Tracht) die gesamte Tour über nicht gefühlt – hier muss man also keine Bedenken haben. Definitiv ein Highlight des Jahres 2013!

Ein toller Tag auf dem Wasser!
Ein toller Tag auf dem Wasser!

Weitere Eindrücke gibt es drüben in der Galerie: Klick.

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