TTRS: Vom akustischen Gestaltungsspielraum der Sport-Abgasanlage

Die ersten Kilometer mit unserem „neuen“ TTRS führten uns direkt zu meinen Eltern, wo wir nach den anstrengenden Wochen des Fahrzeugkaufs endlich mal ein paar Tage ausspannen wollten. Gleichzeitig hatte ich mich noch vor der Unterschrift für den Kauf des Fahrzeugs mit der Steuerung der Sport-Abgasanlage und etwaigen Optimierungsmöglichkeiten beschäftigt.

Bevor es jedoch überhaupt soweit kam haben wir übrigens beim Händler vor Ort intensiv einen TTRS mit Sport-Abgasanlage und ein Exemplar ohne jenes Extra zum Vergleich gehört. Auch diese Diskussion wird in den Foren dieser Welt ja intensiv geführt und ist sicherlich bei den meisten Verkaufsgesprächen immer wieder ein Thema. Spätestens nach einem direkten Vergleich werden jedoch sicherlich 99% der Kaufinteressenten sehr sicher in der Entscheidung sein, die 1000€ Mehrpreis sinnvoll zu intensivieren. Falls nicht sowieso die Nachrüstung eines entsprechenden Zubehörteils geplant ist, kann ich die Anlage bisher nur ebenfalls wärmstens empfehlen: Nicht zu aufdringlich, sehr variabel, mit voller Werksgarantie, optisch ansprechend und stimmig im Klang.

Ein kleines Stimmungsfoto zur Einleitung
Ein kleines Stimmungsfoto zur Einleitung

Doch zurück zu unserem ersten Wochenende. Als wir also nach der knapp 7h langen Fahrt endlich am Ziel eintrafen, warteten bereits verschiedenste Pakete auf uns, denen wir uns am Samstagvormittag intensiv widmeten. Zum Hintergrund: Glücklicherweise verfügt unser TTRS über die oben erwähnte Sport-Abgasanlage. Allerdings gibt es an dieser Stelle einen recht großen Nachteil, da der Sportmodus des Auspuffs über den Sport-Button in der Nähe des Schalthebels gesteuert wird. Dies ist zwar grundsätzlich praktisch, stellt sich jedoch als unglückliche Lösung in Kombination mit dem adaptiven Fahrwerk (Magnetic Ride) und dem Automatikgetriebe (S-Tronic) unseres RS‘ heraus. Anders gesagt, gibt es nur zwei Extreme: Bretthartes Fahrwerk, späte Schaltpunkte, frühes Runterschalten und guter Sound, oder: Vollkommen alltagstaugliches Setup, aber keine optimale Ausnutzung der soundtechnischen Möglichkeiten.

Nehmen wir den roten Draht oder den schwarzen? Danke Papa, für die fachmännische Unterstützung!
Nehmen wir den roten Draht oder den schwarzen? Danke Papa, für die fachmännische Unterstützung!

Die in den einschlägigen Foren am meisten angewendete Lösung zur Adressierung dieser Thematik sieht das Abziehen eines Schlauchs an der Abgasanlage vor, wodurch die dort verbaute Klappe nicht mehr schließt. Nicht mehr schließen heißt hier jedoch gar nicht mehr schließen, was ich insbesondere in der Kaltlaufphase des Wagens (rund 1500 Umdrehungen/Minute) als recht unangenehm und sehr inkompatibel zu etwaigen Nachbarn empfinde. Ferner hat man so nie die Möglichkeit ggf. korrigierend einzugreifen, wenn einen das Dröhnen vielleicht doch mal nervt oder man aus sonstigen Gründen einen leisen Auftritt präferiert. Ich habe mich daher intensiver mit einer alternativen Lösung beschäftigt, bei der die Klappensteuerung über eine kleine Fernbedienung modifiziert wird.

Scherzhaft aufgezeichneter Masterplan inklusive peinlichem Schreibfehler - ein Original halt
Scherzhaft aufgezeichneter Masterplan inklusive peinlichem Schreibfehler – ein Original halt

Man nehme: Einen 12V KFZ-Funkschalter, ein Umschaltrelais, ein paar Kabel, ein paar Steckschuhe und rund 1h Zeit – fertig ist die fernbedienbare Soundsteuerung. Hierzu muss im Wesentlichen lediglich ein Kabel im Kofferraum in der Nähe der Rückleuchte unterbrochen werden (schwarz-grün), was nach Entfernung der linken Seite der unteren Schaumstoffverkleidung sehr leicht auffindbar ist (die Entnahme des Formteils erfordert ein kurzes Drücken und Ziehen, ist aber kein Problem). Anschließend werden die beiden unterbrochenen Enden des Kabels mit dem Relais verbunden, welches wiederum vom Funkschalter angesteuert wird. Letzterer kann direkt mit der Batterie verbunden werden und wird zudem über eine separate Sicherung abgesichert. Um etwaigen Batterieverbrauch bei langer Standzeit zu vermeiden, kann diese Sicherung ggf. schnell und unkompliziert gezogen werden.

 

Blick auf den fragwürdigen Kabelbaum
Blick auf den fragwürdigen Kabelbaum

Steuert das Funkmodul das Relais nicht an (bzw. versorgt dieses nicht mit Spannung), funktioniert die gesamte Klappensteuerung daher 100% wie beim Serienfahrzeug: Sport-Modus aus für normalen Sound, Sport-Modus an für ein Öffnen der Klappe (bei den vorgesehenen Geschwindigkeitsbereichen). Wird nun aber das Relais via kleiner, dezenter Fernbedienung unter Strom gesetzt, unterbricht dieses die Ansteuerung des Magnetventils und die Klappe im Auspuff geht sofort auf. Umschalten kann man grundsätzlich jederzeit und in jedem Zustand binnen weniger Augenblicke – sehr angenehm. Auf Basis dieser Lösung kann also stets die gewünschte Klappenfunktion hergestellt werden, ohne dass die sonstigen Effekte des Sport-Modus ebenfalls greifen.

 

Montiertes Funkmodul nebst Relais
Montiertes Funkmodul nebst Relais

Was man in jedem Fall beachten sollte, ist der Leistungsbedarf des Relais. Sollte dieses dauerhaft versorgt werden (z.B. um die Klappe einfach immer offen zu lassen), würde ich hier tendenziell Schwierigkeiten hinsichtlich einer Schwächung der Batterie sehen. Ergo: Auto für längere Zeit aus, heißt in jedem Fall auch Funkschalter via Fernbedienung auf aus schalten. Um hier auf Nummer sicher zu gehen, könnte man das Funkmodul natürlich mit Zündungsplus versorgen. Wer aber schon mal einen Kaltstart mit offener Klappe gehört hat und nicht im Umkreis von 100m allein auf weiter Flur wohnt, wird das Relais vermutlich sowieso nicht ständig auf „An“ lassen wollen.

Links: Fernbedienung für Funkmodul; Rechts: Akku Taschenlampe, die mich schon seit 10 Jahren begleitet (ungelogen!)
Links: Fernbedienung für Funkmodul; Rechts: Akku Taschenlampe, die mich schon seit 10 Jahren begleitet (ungelogen!)

Mit Hinblick auf verschiedene Aspekte wurde diese Lösung natürlich nur auf Privatgrund getestet anschließend sofort wieder ausgebaut.

Nach dieser kleinen Basteleinlage – bei allerschönstem Herbstwetter – ließen wir dann auch Auspuff mal Auspuff sein, und schwangen uns endlich mal wieder auf die Räder. Begleitet von unerwartet kräftigem Sonnenschein ging es auf eine schöne Runde rund um Quedlinburg, bei dem wir uns nach den vielen langen Stunden des Sitzens am Vortag endlich mal wieder auspowern konnte 😉

Herbstfreuden in der Natur
Herbstfreuden in der Natur

Nebenbei sammelten wir auch noch 20 Geocaches ein und lernten erneut eine Ecke unserer Heimat kennen, die wir so gar nicht gesehen hatten. Insgesamt also ein tolles erstes Wochenende mit dem TTRS – mit ein wenig Basteln und viel Natur. Die Rückfahrt gen Oberursel verlief übrigens erfreulich unkompliziert bei einem neuerlichen Durchschnittsverbrauch von knapp unter 10l/100km.

Dani (ohne Cape)
Dani (ohne Cape)

Herz schlägt Verstand. Erneut. Hello, Audi TTRS

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich an dieser Stelle von unserer Anschaffung des fahrdynamischen Duos MINI John Cooper Works Roadster und BMW 530d Limousine berichtet. Ich habe die Vorzüge dieser Konstellation beschrieben und hatte das Gefühl (die Hoffnung?) die ideale Kombination aus Spaß, Vernunft, Luxus und Alltagstauglichkeit gefunden zu haben.

Ich habe mich geirrt.

Nicht geirrt in den Autos, ihren Eigenschaften, ihren Vorteilen oder ihren Eigenheiten, sondern geirrt in meiner Fähigkeit Attribute wie Langstreckentauglichkeit, Ladevolumen, Innengeräusche und soziale Akzeptanz zu schätzen. Ich will an dieser Stelle auf gar keinen Fall sagen, dass der 5er ein schlechtes Auto ist oder war (mal abgesehen von meinen katastrophalen Erfahrungen mit dem BMW Service, dem vor allem in Kurven deutlich spürbaren, hohen Gewicht des 5ers und seiner Präferenz Bremsbeläge zum Frühstück zu verschlingen), doch er passte einfach nicht zu mir. Nach einigen Monaten der Freude über das „erhabene“ Fahrgefühl wich diese einer steten Frustration über die querdynamische Trägheit der Limousine, und ihre kühle Ausstrahlung von Gediegenheit und Seniorität wollten einfach keine Emotionen bei mir wecken.

Audi TT, Porsche Cayman, Porsche Boxster, BMW5er .. in jedem Assessment-Center wohl eine dankbare Reihe aus dem Abschnitt „Finde den Fehler“. So ertappte ich mich immer mal wieder dabei die einschlägigen Fahrzeugbörsen nach möglichen Folgekandidaten zu durchsuchen und ein Fahrzeug zu finden, dass ein wenig besser zu mir passen könnte. Sportlich sollte es sein, zwei Sitzen würden im Prinzip völlig ausreichen und eine uneingeschränkte Wintertauglichkeit lagen mir am Herzen. So leid es mir tat und tut fielen daher (zumindest für mich .. und auf Basis meiner ganz individuellen Erfahrungen) die Modelle aus Zuffenhausen durch das Raster. Die einzig mögliche Option wäre hier ein 911 4(S) gewesen (okay, ein Turbo ginge auch noch ;-)), für den ich mich aber zumindest zur Zeit noch ein wenig zu jung fühle. Da die Option „reiner Drittwagen“ für mich ebenfalls ausgeschlossen war und ist und wir mit dem MINI als Roadster für den Sommer absolut glücklich sind, schärfte sich das Zielbild immer weiter. Irgendwann hatte ich einen glutorangenen Audi S3 im Blick und dachte: Geile Farbe, aber sonst vorbei am Ziel. Und dann war die Zieldefinition plötzlich gefunden: Ein oranger Audi TTS sollte es werden. Zwar waren wir bei diesem Modell ja schon mal – und so ganz top frisch ist es auch nicht mehr – aber sonst kamen hier eigentlich alle Wunscheigenschaften zusammen. Glücklicherweise war auch Dani von der Idee recht angetan und so begann ein über mehrere Wochen hinweg mal mehr, mal weniger intensiver Prozess des Grübelns und Zweifelns.

Mitte September erreichte die Diskussion dann ein neues Level, als ich ganz unverhofft beim Durchschauen noch unvernünftigerer Autos DIE Zieldefinition entdeckte. Meine gesamte Aufmerksamkeit galt plötzlich einem Fahrzeug, dass ich zuvor stets als „Wäre schon toll, aber können wir nicht machen“ abgetan hatte. Weiß (grau) außen, Weiß (beige) innen, dazu viel Leder und Alcantara drumherum und eine sonstige Ausstattungsliste, die kaum Wünsche offen ließ. Das Gesamtpaket hörte auf den Namen Audi TTRS und lockte neben seinen 340PS aus außergewöhnlichen 2,5 Litern Hubraum und fünf Zylindern mit einem gewissen Understatement, welches das Fahrzeug auch für den eingeschränkten Kundenalltag interessant machte. Die Fantasien ob eines knalligen Spaßmobils wichen denen eines dezenten Sportlers, der im Gegensatz zum TTS recht modern unterwegs ist (S-Tronic Doppelkupplungsgetriebe mit 7 Gängen) und niemals den Gedanken „wieder nur ein vier Zylinder“ aufkommen lassen sollte.

Präsent, energisch, präzise. TTRS
Präsent, energisch, präzise. TTRS (die Kennzeichenauswahl hat übrigens ewig gedauert)

Schlagartig intensivierten wir die Bemühungen dem 5er möglichst rasch ein neues Zu Hause zu vermitteln und eine anstrengende Zeit begann. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, möchte ich an dieser Stelle nur zusammenfassend sagen: Zum Glück wurde alles ziemlich schnell ziemlich gut. So trennte uns eigentlich nur noch eine Entfernung von schlappen 460km einfacher Distanz von einer Probefahrt, die das Potential hatte in einer großartigen Entscheidung zu münden. Dank intensiver Unterstützung von Dani stürzten wir uns dann auch Hals über Kopf in dieses Abenteuer und standen an einem Dienstagmittag endlich vor unserem Wunschfahrzeug. Das Wetter meinte es besonders gut mit uns (…) und so durften wir bei wechselnd intensiven Regenschauern die Vorzüge des Allradantriebs ein weiteres Mal bewundern. Nachdem also die letzte Telefonkonferenz des Tages bewältigt war, machten wir mit dem suzukagrauen Renner die Straßen um Passau unsicher. Dabei reichte schon eine knappe Stunde um herauszufinden, was wir eigentlich schon wussten: Der TT wird (auch als RS) niemals die Emotionen, den Purismus, das Charisma und die Authentizität eines Porsche erreichen oder vermitteln. Aber als Begleiter für den Alltag, bei Regen, bei Schnee, in der Stadt und bei Kundenterminen erledigt er einen exzellenten Job. Er bietet eine außergewöhnlich gute Übersicht, ein fast schon synthetisch-einfaches Fahrgefühl und ein (für Sportwagen-Verhältnisse) hohes Maß an Komfort. In der RS-Version hat er jedoch auch das, was mir an unserem „ersten TT“ am meisten gefehlt hat: Leistung, Sound, Souveränität und ein gewisses Maß an Prestige. Durch die Sportabgasanlage mit schaltbarer Klappe ergibt sich darüber hinaus die Möglichkeit je nach Laune, Situation und Tagesform die passende akustische Kulisse zu generieren, was ich – in Kombination mit dem beeindruckenden 2,5L-Triebwerk – als fast schon ideal bezeichnen würde. Das uns auch der Alcantara-Dachhimmel, die genialen Schalensitze, die Carbon-Außenspiegel und das außergewöhnliche Bicolor-Leder überzeugt haben, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt 😉

So fiel die Entscheidung für den TTRS schneller als erwartet und deutlicher als zuvor gedacht. Wenige Stunden nach der Probefahrt war der Kaufvertrag unterschrieben (ein eigenartiges Gefühl, wenn die Autobörsen dieser Welt plötzlich melden „Dieses Angebot ist leider nicht mehr verfügbar“) und keine neun Tage später war auch schon der Tag der Abholung erreicht.

Die einzige bildhafte Erinnerung der Probefahrt .. muss der Vollständigkeit halber gezeigt werden
Die einzige bildhafte Erinnerung der Probefahrt .. muss der Vollständigkeit halber gezeigt werden

 

Das ging schneller als gedacht..
Das ging schneller als gedacht..

In bester Tradition begann der „Tag der Tage“ bereits deutlich vor Sonnenaufgang um 4:30 Uhr – so schlichen wir mit ganz kleinen Augen und schweren Koffern wenige Minuten später los in Richtung S-Bahn.

 

Zu früh? Für eine Fahrzeugabholung niemals!
Zu früh? Für eine Fahrzeugabholung niemals!

Von dort aus ging es kurze Zeit später mit der ungewohnt pünktlichen Bahn in Richtung Frankfurt, wobei Dani augenscheinlich nicht der müdeste Fahrgast war 😉 Angekommen am Hauptbahnhof gab es dann auch endlich Frühstück (es wurde auch wirklich Zeit!), bevor wir nach dieser kurzen Stärkung auch schon in „unserem“ ICE Platz nehmen durften. Als konsequenter Bahn-Verweigerer war ich über die großzügigen und komfortablen Sitzplätze in der ersten Klasse sehr positiv überrascht und kam schnell zu dem Urteil, dass wir es für die nächsten vier Stunden hier aushalten könnten. Ungewohnt pünktlich setzte sich der Zug dann auch gegen 06:22 Uhr von Frankfurt aus in Richtung Passau (bzw. Wien) in Bewegung – bis hier hin lief also alles nach Plan und ohne jeglichen Anlass zur Kritik.

Ein akzeptables Mittel der Anreise
Ein akzeptables Mittel der Anreise

Als wir Minute um Minute das Gewirr der Rhein-Main-Metropole hinter uns ließen, konnte ich mich endlich auch dazu motivieren mein Notebook aus der Tasche zu kramen und mich von der mangelnden Eignung des in den Vordersitz integrierten Klapptischs als Arbeitgrundlage überzeugen. Als dann auch noch die Verbindung des Laptops mit dem nicht vorhandenen Hotspot fehlschlug, freute ich mich umso mehr über die direkt unter dem Sitz befindliche Steckdose – so versorgt sollte mein iPhone im Notfall einige Stunden als Quelle einer Internetverbindung herhalten können. Während so langsam die Sonne aufging und die nebelverhangene Landschaft an uns vorbeizog (vorbei sausen wäre bei maximal 127 km/h wohl übertrieben), konnte ich also sogar ein wenig produktiv sein – prima. Rund 2h vor Passau ließ sich dann eine gewisse Aufregung nicht mehr leugnen. Letztendlich hatte ich zwar schon längere Zeit an der Ablösung des 5ers rumgetüftelt, doch die eigentliche Umsetzung dieses tollkühnen Plans erfolgte ja dann doch sehr kurzfristig und binnen weniger Tage.

Ich - leicht nervös
Ich – leicht nervös

Um keinen zu perfekten Eindruck bei uns zu hinterlassen und die Vorteile der ersten Klasse hervorzuheben, hatte sich die Bahn dann doch noch etwas einfallen lassen. Während zu Beginn unserer Reise nur vier hygienische Einrichtungen mit mehr oder minder freundlichen Hinweisschildern gesperrt waren, waren es ab Regensburg mindestens acht. So mussten wir also von unserem Sitzplatz ganz vorn bis zum nächsten WC ganze fünf Waggons durchwandern, welche in der Zwischenzeit prall gefühlt mit nur bedingt glücklichen Menschen waren. Ich frage mich, wie sich die Bahn solche Zustände im Hochsommer und bei erhöhtem Flüssigkeitsbedarf vorstellt.. Letztlich erreichten wir unser Ziel wohlbehalten und mit nur – fast schon lächerlichen – 10 Minuten Verspätung. Augenblicke später war das Autohaus kontaktiert und nach wenigen Minuten saßen wir in einem A5 Sportback mit Fahrtrichtung TTRS.

Etwas überraschend steuert unser Verkäufer die Limousine jedoch nicht gen Audi Zentrum sondern zu einem etwas abgelegeneren Außenstandort. Dort fand ich ein weiterer Glaskasten in dem nach Bekunden des Autohauses die Neuwagenanlieferungen erfolgen und die Fahrzeuge für Ihre Übergabe an den zukünftigen Besitzer vorbereitet werden. Schon von draußen konnten wir den frisch aufbereiteten, suzukagrauen TTRS sehen, der (wie bei der Werksabholung auch) mit ausgefahrenem Spoiler auf uns wartete. Er befand sich dabei in guter Gesellschaft, parkte doch direkt daneben ein werksneuer RS6 mit reichlich vielen Carbon-Extras. Nach einer kurzen Besichtigung des hervorragend aufbereiteten Wagens startete der übliche Unterschriften-Marathon, welcher jedoch – genau wie die restliche Abholung – sehr entspannt ablief. Nachdem alle Signaturen geleistet waren, gab es dann zu meiner großen Überraschung noch recht viele Dreingaben zum Auto. Mit zwei Kulis, zwei Schlüsselanhänger, einer Audi-Thermoskanne, einem Audi-Regenschirm, einem Audi-Faltkorb, einem Satz Gummifußmatten für den Winter und einem Blumenstrauß nach Wunsch für Dani (inklusive Transportvorbereitung) stellte das Audi Zentrum Passau und unser Verkäufer einen neuen Rekord auf. Auch insgesamt war ich sehr positiv überrascht vom Gebrauchtwagenkauf und kann festhalten, dass dieser (für mich ganz individuell) angenehmer als die Werksabholung in Ingolstadt ablief und auch die Erfahrungen mit Porsche, BMW und MINI mehr oder weniger stark in den Schatten stellte. Bevor wir mit dem neuen (vollgetankten) Spaßmobil in Richtung Wochenende aufbrechen konnten, galt es noch kurz dieses aus der Abholungshalle zu manövrieren (das Angebot den Verkäufer dies tun zu lassen, lehnte mein männliches Ego ab), was glücklicherweise recht problemlos klappte. Nach ein paar mal Vor und Zurück, ein wenig Quitschen, einem letzten netten Händedruck hieß es schließlich „Start frei“ und so rollten wir auf den 19″ großen, pulverbeschichteten Rotor-Felgen auf zu neuen Ufern.

Dani macht es sich heimisch
Dani macht es sich heimisch

Unsere Reise endete bereits nach weniger als einem Kilometer, da unsere mitgebrachten Utensilien erst noch verstaut werden wollten. Schnell fand mein Kenu Airframe (abnehmbare iPhone-Halterung – sehr zu empfehlen) ein neues zu Hause und auch die sonstigen Utensilien wie Sonnenbrille, Parkuhr, Eiskratzer, Garagentoröffner und co waren zügig verstaut. So präpariert starteten wir unsere 560km lange Reise in Richtung elterlicher Heimat. Sicherlich gibt es spannendere Details als den vielen zähfließenden Verkehr, die Umleitungen, die Schleicher und alle sonstigen „Störungen“, die dafür sorgten, dass unsere Odyssee fast 7h dauern sollte, weshalb ich an dieser Stelle weitere Ausführungen unterlasse. Die wichtigsten Details waren jedoch: 9,6l Durchschnittsverbrauch, betörender Sound in allen Geschwindigkeits- und Drehzahlbereichen, sehr souveränes Fahrgefühl auch bei höheren Geschwindigkeiten und eine definitiv intensiv geprüfte Langstreckentauglichkeit der Schalensitze.

Das Cockpit - schlicht, aber gut verarbeitet (iPhone-Halterung: Siehe linke Düse)
Das Cockpit – schlicht, aber gut verarbeitet (iPhone-Halterung: Siehe linke Düse)
Auch nach einem langen Tag ist Dani gewohnt gut drauf. Schön auch das Bicolor-Leder und die Prägung in den Schalensitzen
Auch nach einem langen Tag ist Dani gewohnt gut drauf. Schön auch das Bicolor-Leder und die Prägung in den Schalensitzen

Das sicherlich faszinierendste Gefühl am TTRS ist seine Leistung in Kombination mit dem Geräuschniveau und dem völlig unaufgeregten Fahrgefühl. Ich glaube noch kein Fahrzeug bewegt zu haben, dass so satt auf der Straße liegt und dabei trotzdem – binnen weniger Momente – eine wahre Leistungsexplosion entwickeln kann. Insbesondere wenn die S-Tronic unter Last nahezu unmerklich, aber umso stärker hörbar die Gänge wechselt, fühlt man sich wie als Passagier in der Schaufel eines Katapults. Wie ich bereits erwähnte: Weniger emotional als in einem Porsche, aber dafür sehr beherrschbar und sehr unaufgeregt. Auch sonst wirkt das gesamte Auto „geschliffen“ (weshalb manchem auch einige Emotionen fehlten dürften): Die Lenkung bietet bei geringen Geschwindigkeiten eine hervorragende Leichtgängigkeit, bei höheren Geschwindigkeiten eine gute Rückmeldung, das Bremspedal entspricht den Erwartungen an ein ganz normales Fahrzeug, der Innenraum überrascht weder mit tiefer Sitzposition, noch mit übertriebener Enge oder lauten Außengeräuschen. Bei Tempo 170 gleitet die Landschaft vorbei, während Beifahrerin und Fahrer sich ganz entspannt und bei normaler Lautstärke unterhalten können – letzterer freut sich nebenbei über die extreme Spurtreue des Sportlers aus Ingolstadt. Was mir – auch nach mittlerweile knapp 2000km im TTRS – sehr gut gefällt, ist dessen Facettenreichtum. Humanes Mitschwimmen auf der Autobahn (Verbrauch: 9,1l/100km) ist genauso möglich, wie ein leicht extrovertierter Zwischenspurt, begleitet vom gierigen Sound des Turbotriebwerks (Verbrauch 11l+). Beide „Extreme“ liegen stets nur ein paar Centimeter Pedalweg auseinander und bieten absolut faszinierende Gestaltungsmöglichkeiten: Wenn man beim Auffädeln auf die Autobahn (im fünften Gang; Motor bereits akustisch gut wahrnehmbar) denkt: „Nett .. aber ein bisschen mehr Leistung wäre grad schon gut“ und dann mit einem entschiedenen Druck den Kick-Down auslöst, hat man Gefühl, als würde nochmals eine weitere Leistungsstufe gezündet. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet dann binnen weniger Augenblicke abermals herunter, Momente später wird der sprichwörtliche Tritt ins Kreuz vom dumpfen Gröhlen aus den zwei ovalen Endrohren begleitet und das Coupe kennt nur eine Richtung: Vorwärts.

Suzukagrau, schwarze Rotor-Felgen - was braucht man(n) mehr
Suzukagrau, schwarze Rotor-Felgen – was braucht man(n) mehr

Nachteile? Gibt es natürlich .. wie bei jedem Auto. Wenn man das BOSE-System ganz leise stellt, hört man, wie der Gurt lustig mit dem Bicolor-Leder kuschelt und leicht knarzende Geräusche von sich gibt (okay, in der Kiste ist aber auch sehr viel Leder verbaut .. und die Gurtschnalle meines Caymans hat lauter gequietscht). Auch das nicht mehr ganz frische MMI Navigation Plus (RNS-E) dürfte durchaus ein Update mit Internetanbindung usw. vertragen – aber es wirkt trotzdem nicht zu antiquiert und tut seinen Dienst nach wie vor sehr gut. Es kann sogar einige Dinge um Lichtjahre besser als mein 5er – man kann es zum Beispiel wenige Sekunden nach dem Einschalten sofort benutzen und sogar die Sprachdialogsteuerung ist dann schon gesprächsfreudig. Auch die relativ geringe Reichweite ist nicht unbedingt ein Pluspunkt des Fahrzeugs, wobei ich hier eher das geringe Tankvolumen und weniger den Kraftstoffverbrauch bemängele. Auch das HUD des 5ers und eine optische Anzeige des PDC-Systems fehlen mir ein wenig .. aber dies ist in Summe zu verkraften.

Schlüsselanhänger aus Carbon - lang gesucht und richtig entschieden (außergewöhnlich leicht)
Schlüsselanhänger aus Carbon – lang gesucht und richtig entschieden (außergewöhnlich leicht)
Zum Schlüsselanhänger passende Echtcarbon-Außenspiegel (original Audi)
Zum Schlüsselanhänger passende Echtcarbon-Außenspiegel (original Audi)

Denn was bleibt ist der Sieg des Herzens über den Verstand – ein weiteres Mal. Es ist die Freude an der kompakten, stämmigen Form, an dem präsenten (aber doch variablen) Sound, an den faszinierenden Fahrleistungen, an der tadellosen Verarbeitung des Innenraums inklusive sündhaft teurem Alcantara-Dachhimmel, an hübschen Details wie den Carbon-Außenspiegeln und an der inneren Überzeugung im richtigen Auto zu sitzen. Das dies nichtso ganz falsch sein kann, bestätigen wohl auch die ab und an „Daumen hoch“ zeigenden Mitmenschen – die soziale Kompatibilität des Fahrzeugs scheint daher ein weiterer Pluspunkt.

Schnörkellos und elegant in den Sonnenuntergang
Schnörkellos und elegant in den Sonnenuntergang

Demnächst an dieser Stelle mehr dazu, ob mein RNS-E vielleicht doch Tempolimits anzeigt, wie ich die Herrschaft über den Klappenauspuff zurückgewonnen habe und über die lange Suche nach passenden Winterrädern .. hoffentlich jedoch keine Beiträge über etwaige Schwächen der Bremsanlage.

Weitere Impressionen gibt es in der Galerie: Link.