Das war 2013 – ein Ausnahmejahr

Bevor jemand fragt: „Was will der denn jetzt noch mit 2013?“ .. ja, ich bin ein klein wenig spät dran 😉 Aber eigentlich habe ich in den letzten Jahren immer versucht einen kurzen Rückblick zu schreiben und eigentlich war 2013 derart außergewöhnlich, dass ich dies – wenn auch mit einigen Monaten Verspätung – gern noch nachholen möchte.

Obwohl das „neue“ Jahr 2014 fast schon wieder zu einem Drittel vorbei ist, sind mir die Erinnerung an unsere Highlights letztes Jahr noch ziemlich transparent .. in mancher Hinsicht könnte man gar davon sprechen, dass sie mir noch in den Knochen stecken 😉 Dabei ging das Jahr gesundheitlich angeschlagen nur fast ideal los und konzentrierte sich in den ersten Monaten nahezu vollständig auf unseren Umzug. Planungen wurden erarbeitet, 3D-Modelle erstellt, Möbelhäuser auswendig gelernt, Umzugsfirmen abgeklappert und immer wieder sprachen wir uns Mut zu, dass „dieses Mal“ alles glatt und ganz tiefenentspannt ablaufen würde.

Tat es nicht 😉 Obwohl wir ja bereits reichlich Erfahrung damit haben unseren Wohnort zu wechseln und unser Hab und Gut durch einen oder (wie in diesem Fall) mehrere Laster durch die Gegend fahren zu lassen, ist es doch immer wieder aufs neue körperlich und mental eine große Herausforderung, wie wir auch dieses Mal lernen (oder zumindest auffrischen) mussten und mit unendlich vielen Details verbunden, die man entweder gern verdrängt oder zumindest gefährlich unterschätzt. Aber wir haben es geschafft, der Lebensmittelpunkt wurde erfolgreich verlagert und nach rund einem Jahr kann ich erleichtert verkünden, dass wir kaum glücklicher sein könnten. Der logistische Vorteil nicht jeden Morgen und jeden Abend quer durch Bad Homburg fahren zu müssen und binnen weniger als 2 Minuten auf der A661 bzw. in weniger als 15 Minuten (an einem Samstag Morgen) im MyZeil-Parkhaus zu sein, ist doch sehr angenehm. Auch die Flucht aus dem Erdgeschoss und das „Upgrade“ unserer sonnenfreien Terasse auf unser neues, lichtdurchflutetes Domizil bereitet einem im Alltag doch mehr Freude, als man zunächst erwarten würde. Insgesamt hatte der Umzug einen sehr viel größeren, positiven Effekt auf unsere Lebensqualität, als ich dies zuvor vermutet hatte. Einzig die Garage fehlt mir ein wenig, aber es muss halt immer noch Steigerungspotential geben 😉

Beim Einzug - aber schon fast am Ziel
Beim Einzug – aber schon fast am Ziel

Obwohl mir zum Thema Wohnung noch viel mehr (tolle) Dinge durch den Kopf gehen, möchte ich thematisch gern zum nächsten Highlight übergehen .. denn mindestens so zeitlich komprimiert lief es in 2013 ja tatsächlich auch ab: Teichis Hochzeit. Kaum war mein Rechner im neuen Arbeitszimmer aufgebaut und war es möglich zwischen den Umzugskartons einen Bürostuhl aufzustellen, wurde es allerhöchste Eisenbahn meinen Pflichten als Trauzeuge nachzukommen. Wie bei vielen anderen wichtigen Dingen im Leben stellt man sich auch diesen Job möglicher Weise zu leicht vor und tendiert stark dazu sich selbst zu belügen: Na, das wird schon .. ein paar Spiele ausdrucken, ein paar Leute anrufen und dann machen wir noch eine Hochzeitszeitung .. so als ITler geht das doch schnell und es gibt doch GARANTIERT eine App dafür, mit der wir relativ fix damit fertig sind. Naja und dann drucken wir das farbig (Oh Gott nein, wir müssen nicht zu einer Druckerei gehen!) und besorgen uns eine Bindemaschine und quasi an einem verlängerten Wochenende ist alles fertig. Ja, so KANN man sich das vorstellen .. so wird es aber (je nach persönlichem Anspruch) niemals ablaufen.

Wie jeder SEO-Berater predigt: Content ist King! Also muss erstmal Inhalt her. Nun habe ich das Glück Teichi schon lange, sehr lange zu kennen und konnte daher glücklicher Weise neben einem hervorragenden Freundeskreis und vielen eigenen Erinnerungen auch auf ziemlich viel Bestandsmaterial zugreifen. Bei Sandy lagen die Dinge (für mich) nicht ganz so einfach, aber auch hier haben wir versucht nach Kräften so viele Infos wie möglich zusammen zu tragen. Naja und dann liest man ganz viele Referenzdokumente, gruselt sich vor deren Qualität, stellt sich vor wie man bei der Ausgabe der Zeitung schief angeguckt wird, liest noch mehr Vorschläge und beschließt vielleicht doch etwas mehr Gas zu geben. Also fing ich an mir Software anzuschauen und überlegte kurz darauf in welches Land unser One-Way-Flug gehen sollte – Flucht! Tja und ab da ging es bergauf: Video-Schulungen wurden angesehen, Konzeptseiten wild auf Papier aufgemalt und das Grundgerüst unseres Werks entstand .. natürlich mit einer renommierten, absolut genialen und uneingeschränkt empfehlenswerten Software namens InDesign (ich komme jetzt noch ins Schwärmen). Der Teich wurde zwar von Woche zu Woche tiefer und meine One-Man-Show musste ganz schnell zu einer One-Couple-Show werden, aber zu sehen, was da Abend für Abend entstand, hat einfach Spaß gemacht. Die Dateigröße wuchs, die Backups wurden häufiger (wenn jetzt etwas schief geht..) und die Spannung stieg ins Unermessliche: Was würden Gäste und Brautpaar wohl dazu sagen?

Dem ist nichts hinzuzufügen ;-)
Dem ist nichts hinzuzufügen 😉

Der Tag, als das fertige Resultat, gedruckt (NATÜRLICH in einer Druckerei .. der Kostenfaktor war dann irgendwie auch völlig egal), gebunden und in exakt jener Qualität wie von uns erwartet hier auf dem Tisch lag, zählt sicherlich zu den stolzesten meines Lebens (ich denke er rangiert irgendwo kurz hinter dem Moment, als klar war, dass ich mein Studium bestanden habe ;-)) Ich nahm mir die Freiheit das Dokument, welches das Ergebnis von ganz viel Liebe (nicht nur von Dani und mir, sondern auch von vielen anderen Freunden, die zugeliefert haben) und mindestens ähnlich viel Zeit war, einigen Kollegen zu zeigen und spätestens da war ich mir sicher, dass wir uns mit dem Resultat nicht verstecken müssen („Kann ich bitte eine Kopie davon behalten?“).

Ein erhebendes Gefühl - ehrlich! (Aus Gründen der Privatsphäre an dieser Stelle keine weiteren Eindrücke der Zeitung)
Ein erhebendes Gefühl – ehrlich! (Aus Gründen der Privatsphäre an dieser Stelle keine weiteren Eindrücke der Zeitung)

Viel Zeit zur Selbstbewunderung blieb nicht (deshalb war ich einfach mal so frech dies hier nachzuholen, es sei mir verziehen), da die sonstigen Vorbereitungen eher noch schleppend verliefen. Tatsächlich ging ab hier aber eigentlich alles relativ schnell: Ganz viele Anrufe, ganz viele helfende Hände, ganz viele Bestellungen und nochmals einige Abende später, waren wir hier so gut wie fertig (wurde auch höchste Zeit, da der Countdown zu diesem Zeitpunkt glaube ich bei weniger als sieben Tagen stand). Natürlich hatte ich mir selbst auch eine Rede auferlegt, so dass auch diese noch fix zu Papier gebracht werden musste (Gott sei Dank gab es zu diesem Zeitpunkt eine relativ langweilige Meetingserie..). Leider musste ich in diesem Aspekt hinter meinem eigenen Anspruch zurückbleiben: Ich konnte die kurze (..) Ansprache nicht vollständig auswendig vortragen .. sie kam aber glaube ich trotzdem ganz gut an 😉 Tja .. die Hochzeit war ein toller Tag .. bestimmt auch unter den Top 5 in den letzten 28 Jahren.

Gefühlt ist es jetzt ganz früh morgens am 02.06.2013 und Dani und ich waren einfach nur durch. Umzug erledigt, Teichis Hochzeit erledigt, Kraft alle. Wir waren ausgebrannt (jeden Tag 8-10h arbeiten, dann essen, dann wieder bis 23:30 Uhr arbeiten, jeden Samstag, jeden Sonntag, jeden Feiertag) drückt doch ein wenig auf die Energiebilanz. So wurde uns um ganz offen zu sein relativ klar, dass wir unsere eigene Hochzeit (eigentlich für den September geplant und eigentlich auch schon mit erfolgter Reservierung von Lokation und Unterkunft) nicht auch noch so kurzfristig stemmen wollten. Also entschlossen wir uns dazu, uns selbst etwas mehr Zeit zu geben (so ein Gespräch ist gar nicht so einfach und es ist auch relativ herausfordernd den Gästen diese Kunde zu übermitteln) und schoben auf. War zwar schwierig, fühlte sich aber richtig an.

Also tankten wir eifrig Kraft, genossen den nicht so richtig vorhandenen Sommer, beschäftigten uns mal wieder mit bekannten, aber vernachlässigten Hobbys und atmeten durch. Natürlich durfte uns dabei nicht zu langweilig werden, so dass mal wieder ein Autotausch anstand (treue Leser neigen möglicherweise dazu ein Muster zu erkennen). Der rückblickend betrachtet sehr gediegene, aber für mich einfach zu langweilige 5er (trotzdem ein tolles Auto) sollte durch einen alltagstauglichen, kompakten, lauten, schnellen, teil-vernünftigen Sportler ersetzt werden .. und so fand mein geliebtes Audi TTRS Coupe in suzukagrau mit völlig unvernünftigen Bicolor-Leder Schalensitzen, Sportabgasanlage, S-Tronic, Carbon-Außenspiegeln, Alcantara-Himmel und druckvollem 5-Zylinder Turbomotor den Weg zu uns. Ich durfte ja schon einige Autos „besitzen“ (das ist heutzutage ja ein ganz schön dehnbarer Begriff), aber mittelfristig betrachtet hat mir noch kein Gefährt soviel Spaß gemacht. Es vergeht wirklich so gut wie keine Fahrt (eigentlich kann ich mich offen gesagt an gar keine erinnern .. und das meine ich ernst), bei der ich mich nicht über den gewaltigen Schub und den ansprechenden (um nicht zu sagen GEILEN) Sound des 2,5l-Motors freue. Egal wie hart der Tag war, wenn ich mich in die Schalensitze kuschle, meine Hand den Schlüssel dreht und meine Ohren das unangemessene Blubbern aus den mattschwarzen Endrohren vernehmen, ist die Welt kugelrund. Wenn die „Kiste“ dann auch noch bei Tag, Nacht, Regen, Trockenheit (Schnee gab es dieses Jahr ja nicht) stoisch ihrer Linie folgt, Traktionsmangel ein Fremdwort ist und auch sonst alles passt (okay, mein Getriebelager braucht Liebe .. das scheint aber ein bekanntes Problem zu sein), dann macht mich das aus automobiler Sicht einfach nur glücklich. Wie auch an anderer Stelle geschrieben: Bei gefühlt 70% aller Fahrten würde ich einen Cayman (S, 981 versteht sich) vorziehen, doch die Alltagstauglichkeit des RS, kombiniert mit seiner Unkompliziertheit und gepaart mit relativ viel Leistung, macht ihn als Gesamtpaket doch sehr attraktiv. Der Audi TTRS zählt sicherlich zu den Top 5 Anschaffungen in meinem Leben (ich vermute irgendwo HINTER dem Ehering und in der Nähe meines ersten iPhones .. das war prägend!).

Was soll ich sagen: Grau, schwarz, schnell, toll (Danke, Frau, dass du soviel Unvernunft erträgst)
Was soll ich sagen: Grau, schwarz, schnell, toll (Danke, Frau, dass du soviel Unvernunft erträgst)

Moment mal .. Ehering? Tja .. manchmal geht Regeneration ja schneller als man denkt und wahrscheinlich noch viel öfter muss man auf sein Bauchgefühl hören .. und so verdichteten sich im Oktober 2013 plötzlich alle Anzeichen für eine romantische Hochzeit auf dem herbstlichen (winterlichen?) Sylt. Es war eine beruflich stressige Zeit und wie bereits berichtet, hatte 2013 uns schon ziemlich herausgefordert .. und so lockte uns die Vorstellung ein paar ruhige Tage, fernab allen Trubels und mit dem Höhepunkt einer Hochzeit im kleinen, ganz eng ausgewählten Kreis, mit unerwarteter Intensität in den hohen Norden. Plötzlich fühlte sich alles richtig an, schien die relativ schnell gefundene Unterkunft perfekt, passte das Datum, klappte alles beim Aussuchen der Ringe und binnen weniger Tage war alles abgestimmt und unter Dach und Fach. Da ich allzu persönliche Beiträge an dieser Stelle eigentlich eher meide und es über die Hochzeit (und die tolle Woche auf Sylt) ja bereits einen ausführlichen Bericht gibt, möchte ich mich an dieser Stelle darauf beschränken zu sagen, dass alles perfekt war. Und das meine ich sehr ernst – vom Wetter, über die Wahl der Lokation, die Wahl der Kleidung, die Wahl des Restaurants, die Wahl des Tagesablaufs, die Wahl des Fotografen hat einfach alles gepasst. Würden wir diesen Tag – selbst mit dem Wissen von heute – nochmals planen, ich würde nichts anders machen und ich könnte mir auch keine Verbesserungen oder anderen Umstände wünschen.

Ein wirklich perfekter Tag..
Ein wirklich perfekter Tag..

Das war das Jahr 2013 .. auch wenn es schon ein wenig zurückliegt, war es doch bemerkenswert und daher aus meiner Sicht einen kurzen Abriss wert. Aus aktueller Sicht kann ich mir zumindest nicht vorstellen, wie wir diese Häufung intensiver Erlebnisse in kurzer Zeit (Umzug, Hochzeit, Auto, Hochzeit) zukünftig nochmals erreichen oder sogar übertreffen sollen 😉 DANKE an alle, die 2013 zu dem gemacht haben, was es war: Unserem bisher intensivsten und ziemlich sicher auch schönsten Jahr (sprich der Nummer 1 in den letzten 28).

Winterurlaub auf den Azoren 2014 – Eine „individuelle“ Erfahrung

Einfacher als die generelle Wahl der Beschäftigung war die Selektion eines angemessenen Reiseziels: Hier hatte Dani schon seit geraumer Zeit die Azoren ganz oben auf der Wunschliste und mit Hinblick auf harte Faktoren wie Reisezeit (4,5h), Zeitverschiebung (+2h), notwendige Reisedokumente und Impfungen usw. stellt sich die Inselgruppe im Atlantik als erstaunlich unkompliziert heraus. Da wir einen Direktflug bevorzugten, ist auch die Frage nach Abflugzeit und Airline schnell beantwortet, denn von Frankfurt aus geht es nur genau 1x pro Woche mit genau einer Fluglinie auf unser Wunschziel Sao Miguel. So ein ganz klein wenig skeptisch war ich bezüglich der zu erwartenden Wetterbedingungen, denn der azoreanische Winter versprach etwas geringere Temperaturen als in vergleichbaren Zielen wie Madeira und zudem eine geringfügig höhere Zahl an Regentagen .. aber wie so oft im Leben: No Risk, No fun.

Die weitere Planung unseres Abenteuers wurde von Dani mit weniger als vier Wochen Vorlaufzeit mustergültig vorgenommen: Faltkarten wurden besorgt und zurecht geschnitten, Reiseführer studiert, Highlights ausgewählt. Ich beschränkte mich auf mehrere Google-Suchen nach „Acores Must see“, der Vorbereitung des Geocachens auf der Insel und natürlich der Buchung eines Mietwagens. Innerlich muss ich an dieser Stelle schon Grinsen, denn mindestens zwei der „Highlights“ unseres Frühlingsurlaubs wurden an dieser Stelle bereits thematisch angeschnitten.

Im Interesse der geneigten Leserschaft und auf Basis der Erfahrungen in den letzten Jahren sowie mit Hinblick auf meine aktuelle Freizeitsituation sowie in Abstimmung mit sonstigen Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit habe ich mich entschlossen diesen Blogbeitrag NICHT chronologisch aufzubauen. Wir haben zwar (vorbildlich) eine Art Reisetagebuch geführt, doch dieses in gewohnter Manier in einen mehrteiligen Band hier für das Blog zu transformieren, würden die aktuellen Rahmenbedingungen leider nicht zu lassen. Ich werde daher (wie beim Sylt-Urlaub auch) versuchen auf die Dinge einzugehen, die wir besonders sehenswert oder zumindest besonders „erinnerungswürdig“ fanden.

Ja, es gibt auch richtig schöne Ecken auf Sao Miguel - das ist eine davon
Ja, es gibt auch richtig schöne Ecken auf Sao Miguel – das ist eine davon

Part 1: Logistik

Wie bereits stimmungsvoll anmoderiert: Wenn man in der Nähe des richtigen Airports wohnt, ist es ein leichtes komfortabel, schnell und völlig entspannt auf die Azoren und zurück zu gelangen – zumindest in der Theorie. Für uns z.B. war die Anreise mit der S-Bahn (1x Umsteigen), der anschließende Flüchtlingstransport mit der AirRail-Bahn (noch nie so voll erlebt) und der kurze Spaziergang durch das Terminal 2 bis hin zum (falschen) Fluggastbereich E die absolut ideale Lösung. Gut, dass wir kurz vor dem Abflug noch auf das falsche Gate aufmerksam wurden, war durchaus hilfreich, doch so konnten wir die Wartezeit wenigstens entspannt und bei absoluter Ruhe genießen!

Sieht aus als sei nix los - so ist das meist an einem Gate ohne geplante Flüge ;-)
Sieht aus als sei nix los – so ist das meist an einem Gate ohne geplante Flüge 😉

Auch der rund 4,5h lange Flug nach Sao Miguel gestaltet sich unproblematisch. Das vom Kabinenpersonal absolut niemand Deutsch sprach, störte maximal einige Mitreisende, uns eher nicht. Das der Flieger nicht mehr so ganz top modern und das Essen eher unterdurchschnittlich war, war ebenfalls kein Problem. Tatsächlich ein Problem war, dass unser Flugzeug beim Rückflug nach rund 1h wieder umkehrte (der Rückflug vom Rückflug sozusagen), da es an Board einen gesundheitlichen Notfall gab. Während dieser grundsätzlich eher traurigen Begebenheit hatten wir nicht nur ausreichend Gelegenheit die scheinbare Konfusion der Crew zu beobachten, sondern durften uns auch in der Überbrückung von 4h Dürrezeit ohne Getränke üben (mal im Ernst: Um 06:00 Uhr im Hotel loszufahren, um dann gegen 11:00 Uhr im Flieger das erste Mal Getränke zu erhalten – sonst nur im Einzelfall und mit viel Unmut in den Gesichtern der Besatzung – ist nicht toll). Als Wiedergutmachung haben wir den Anflug auf Ponta Delgada so insgesamt gleich 2x sehen dürfen – für manchen Flugfan durchaus lohnenswert 😉 Auch sonst muss ich an dieser Stelle einfach gestehen, dass die von der Airline selbst propagierten Werte „Freundlichkeit“, „Innovation“ und „Zuverlässigkeit“ während unseres Trips wohl gerad Urlaub hatten.

Anflug auf PDL (zugegeben, dieses Foto stammt von unserem zweiten Anflug)
Anflug auf Ponta Delgada – zum zweiten Mal

Nachdem die Anreise von Frankfurt nach Ponta Delgada geglückt war, ging es vor Ort (nach einem kurzen Marsch über das Vorfeld und einer unglaublich schnellen Gepäckausgabe .. echt!) mit der Abholung des Mietwagens weiter. Dieser hatten wir – man kennt die diversen Horrorgeschichten ja zur Genüge – über einen großen deutschen Automobilclub und dessen Partner in den gleichen Farben reserviert. Vor Ort also nur schnell die üblichen Services (Navi? Zusatzversicherung zur Vollkasko mit 0€ Selbstbeteiligung?) dankend ablehnen und schon saßen wir in einem unerwartet neuen und gepflegten Peugeot 208 (knapp 1 Jahr alt, 17.000km, fast voll getankt, nur ganz wenige Schäden .. echt super). Zwar fand ich es irritierend keinen Funkschlüssel zu erhalten, doch für sieben Tage sollte dies keine Schwierigkeit sein. TomTom an die Scheibe und ab gen Hotel – nach knapp 12h seit Aufbruch wurde es langsam Zeit für eine Dusche. Bevor ich jedoch zum Thema Unterkunft komme, muss ich noch kurz die Leihwagen-Anekdote zu Ende bringen:

Es war der 18.02.2014, Danis Geburstag, der Himmel war ein ganz klein wenig grau (ich musste also eine dünne Jacke über mein T-Shirt ziehen) und es war früh am Morgen. Unser bärenstarker Löwe hatte uns bis dahin 1,5 Tage und rund 150km begleitet, als mitten auf einer längeren Geraden, bei furchteinflößenden ca. 50km/h ein eigenartiges Geräusch auftrat. Es hörte sich an, als wenn man über Dreck fahren würde. Da war aber kein Dreck. Leider fand unser Motor den virtuellen Dreck nicht gut, denn er ging aus. Während mir sofort böses schwante, ermutigte Dani mich zu einem neuerlichen Startversuch – er war ergebnisneutral. Eine kurze Suche der SOS Nummer und 30 Minuten später begann das Warten auf Erlösung, welches rund 2h nach der Panne in Form eines Tauschfahrzeugs herbei gefahren kam. Bis dahin also alles vorbildlich: Ein paar Formulare unterzeichnet, Peugeot silber gegen Peugeot weiß getauscht, Sachen umgeladen, Tag gerettet.

Ich mochte weiß eh mehr..
Ich mochte weiß eh mehr..

Der Tag war auch gut, bis ich gegen 18:00 Uhr azoreanischer Zeit mal wieder Internetzugriff hatte: Die Autovermietung unserer Wahl hatte die Güte 5000USD auf meiner Kreditkarte zu blockieren – der Restverfügungsrahmen war sagen wir mal wenig attraktiv. Eine telefonische Rücksprache ergab: „The money is only blocked. We are not happy that the engine is totally broken. It worked when we gave you the car. This is a standard procedure. We will call you tomorrow.“. Anders gesagt: Kunde, du hast die Kiste kaputt gemacht, wir finden das ganz schön doof und bis auf Weiteres blockieren wir erstmal den geschätzten Gegenwert der Reparatur auf deiner Kreditkarte. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, aber das Geld (was eigentlich nie wirklich weg wahr) wiederzubekommen, hat unzählige Telefonate mit der Kreditkartenfirma (sorry, nur gebuchte Zahlungen können reklamiert werden), dem Automobilclub (Wir bitten Sie um Geduld), der Service-Hotline der Autovermietung (Portugal ist ein Lizenznehmer .. da sehen wir nicht mal die Rechnung) und der Station (Don’t worry, the money is only blocked!), gekostet. Es ist total bemerkenswert, wie schnell 5000 Dollar geblockt, aber nicht wieder freigegeben werden können. Obwohl „eigentlich“ nicht viel passiert ist, hat dieser Zwischenfall den Urlaubsspaß doch etwas getrübt, fühlt man sich doch ein wenig hilflos. Ursache war laut Aussage der Station übrigens ein Fehler der Fabrik, wie überraschend.

Thematischer Einschub: Da unten waren wir auch - passte zu meiner Stimmung (und war ganz schön anstrengend)
Thematischer Einschub: Da unten waren wir  übrigens auch – passte zu meiner Stimmung (und war ganz schön anstrengend)

Nachdem nun also der Flug erledigt und der Mietwagen erhalten war, enterten wir unser Hotel. Eigentlich kein Hotel, sondern eher eine kleine Unterkunft mit nur vier Einheiten in familiärer Atmosphäre – Dani wollte gern etwas „Besonderes“ abseits des Hotel-Mainstreams erleben. Ich hatte basierend auf den Fotos im Internet ja ein ganz klein wenig Bedenken wie toll es sei beim Frühstück mit sechs Fremden einen Tisch teilen zu müssen, aber man muss ja auch mal etwas Neues probieren .. und Platz 1 bei Tripadvisor klang vielversprechend! Da man ja immer mit etwas Positivem beginnen soll, möchte ich zunächst von dem grandiosen Frühstück berichten – das war wirklich ein Highlight. Jeden Morgen frisches Obst, ein wechselndes Menü (mit Karte und so!), warmes Brot und frische, individuell zubereitete Speisen (also z.B. für mich immer extrem leckere Pancakes). Auch die Anlage selbst war sehr ausladend, relativ modern und wirklich gut gepflegt .. auch soweit also alles toll! Weniger positiv fand ich den auf den Gemeinschaftsbereich limitierten Internetzugang und – wie schon ganz vage vermutet – den permanenten Kontakt mit den anderen Gästen. Ein zwischenmenschlich sehr spannendes Abendessen mit den sechs amerikanischen Lehrern (You work in IT? AWESOME!) und mehrere Skype-Abende mit den Gästen aus Quebec später, konnte Dani meine Skepsis dann auch teilen 😉 Aber eigentlich war alles halb so schlimm und die Gastgeber waren auch wirklich nett! Was weniger schön war: Das Haus schien auf einer aktiven Quelle gebaut worden zu sein, denn die Luftfeuchtigkeit schon im Flur war gefühlt um 100% höher als die im Freien. Dies, gepaart mit der minimalistischen Lüftungsanlage im Bad ohne Tageslicht, führte zu Tropfsteinhöhlen-artigen Verhältnissen. Selten war meine Jeans jedenfalls morgens nasser als abends 😉

Da haben wir gewohnt - aus Gründen des Datenschutzes hier eher im Überblick ;-)
Da haben wir gewohnt – aus Gründen des Datenschutzes hier eher im Überblick 😉

Part 2: Must have seen!

Schaut man sich die Fotos in diesem Beitrag und in der Galerie an und gelingt es einem den teilweise beißenden Zynismus aus den obigen Zeilen herauszulesen, so muss man leider zwei Dinge feststellen: Zum einen hatten wir wirklich kein Glück mit dem Wetter während unserer Atlantik-Erkundung und zum anderen gab es verschiedene flankierende Faktoren, die den Urlaub ebenfalls leicht belastet haben. Realistisch betrachtet muss man natürlich zugeben, dass man zumindest die erstgenannten Umstände nicht beeinflussen kann und man im Leben nicht immer Glück haben kann 😉 Wir waren bei teilweise 15°C, Windstille und schönsten Bedingungen mitten im November auf Sylt .. und nun waren wir halt bei recht frischen Temperaturen (laut unseren Gastgebern teilweise 10°C unter dem Schnitt für diese Reisezeit), meist starkem Wind und insgesamt eher wenig Sonne im Februar auf den Azoren.

Ein versöhnlicher Eindruck des Wetters - Abendstimmung an der "Our Lady of Peace Chapel"
Ein versöhnlicher Eindruck des Wetters – Abendstimmung an der „Our Lady of Peace Chapel“

Gesamtheitlich betrachtet lag mir das Wetter auf Sylt dennoch mehr am Herzen 😉 Doch dieser Rückblick lenkt mich gleich auf ein nächstes Thema: Zu hohe Erwartungen. Während wir bei unserer Reise auf Deutschlands nördlichste Insel geistig mit sieben Tagen vor dem Kamin gerechnet haben, ganz in Ruhe und abgeschottet vom Alltag und stressigen Arbeitstagen, rechneten wir auf den Azoren mit allerschönstem Frühlingswetter. Wir malten uns Spaziergänge im seichten, warmem Wind aus und stellen uns vor, wie wir bekleidet nur von einem T-Shirt (mal auf den Oberkörper fixiert) Vitamin D in rauen Mengen tanken würden. Dieser Optimismus ging sogar soweit, dass mir das Management nicht gestattete meine Mütze mitzunehmen .. immerhin wurde der Ankauf einer regenfesten Outdoor-Jacke bewilligt (zurückblickend das am meisten getragene Kleidungsstück). Aber gesamtheitlich betrachtet – und um dem Geheul über das Wetter ein Ende zu machen – kann man nicht alles haben und sollte sich halt nie der naiven Hoffnung hingeben, dass immer nur die anderen Sturm abkriegen 😉 Nachdem ich nun versucht habe eine Grundlage dafür zu schaffen, warum die Azoren nicht unbedingt nur perfekte Eindrücke bei uns hinterlassen haben, jetzt aber zu unseren unzensierten Highlights.

Ich war auch da .. meistens sogar angemessen gekleidet
Ich war auch da .. meistens sogar angemessen gekleidet

Platz 1: Die Teeplantagen Chá Gorreana

Da ich mich schwer damit getan habe meine persönliche Nummer 1 zu identifizieren, habe ich mich einfach an tolle Begleitumstände gehalten: Die Teeplantagen im Nordosten von Sao Miguel haben wir schönstem Sonnenschein und an Danis Geburtstag besichtigt. Das war toll .. auch wenn einige Stunden zuvor der Mietwagen seinen Motorschaden erlitten hatte. Offen gesagt war es jedoch weniger das Haupthaus der Plantage (dieses wird in diversen Reiseführern vollmundig gelobt .. wir fanden es zwar recht nett, letztendlich aber unspektakulär), als viel mehr der Spaziergang auf dem vorangelegten und gut ausgeschilderten Wanderweg direkt in die Teefelder, der uns so positiv im Gedächtnis geblieben ist. Hier wandelt man inmitten eines saftigen Grüns, kann immer wieder die faszinierenden Formen der akribisch angelegten Pflanzenreihen bewundern und dabei Höhenmeter um Höhenmeter den Blick auf das Meer und die Insel genießen. Insbesondere bei Sonnenschein – den wir wie schon erwähnt zumindest die ersten 2/3 unserer Wanderung genießen durften – ein absolutes Highlight. In der Nebensaison ist hier absolut nichts los, so dass man außer auf ein paar wenige Wanderer eigentlich nur auf Mitarbeiter der Plantage trifft. Der „untere“ Teil des Trails hat uns übrigens besser gefallen als der obere Abschnitt im Wald – ohne die Weitsicht fehlt dann doch etwas der Faszination. Idealerweise empfiehlt sich die Mitführung eines kleinen Proviantrucksacks, so dass man unterwegs ein Picknick einlegen und die faszinierende Landschaft ganz in Ruhe genießen kann. Eintritt: 0€, Zeitaufwand: Ca. 2-3h, Parken: In der Nebensaison völlig schmerzfrei, tendenziell eher wenige Stellplätze, Erreichbarkeit: Wie fast alles auf den Azoren absolut problemlos gegeben .. je nach Lage der Unterkunft muss man halt ein paar Kilometer fahren. Dies ist aber über die gut ausgebaute Schnellstraße zügig zu meistern.

Panorama-Blick aus den Teefeldern - wirklich schön!
Panorama-Blick aus den Teefeldern – wirklich schön!

Platz 2: Unsere „Dschungelwanderung“ zum Salto do Prego über Sanguinho

Wer auf die Azoren fliegt, sollte sich eine Wanderung zum Salto do Prego auf gar keinen Fall entgehen lassen. So viel Dschungel-Atmosphäre, Blumenstrauß-Geruch und Abenteuer-Feeling hatten wir sonst nirgendwo auf der Insel. Die vollständig kostenneutrale Wanderung startet dabei in Faial da Terra (im Südosten der Insel) und beginnt mit einem vergleichsweise steilen Anstieg. Wir wählten voller Naivität die linke Route, was sich als absolut richtige Entscheidung herausgestellt hat, denn ich denke, nur so passiert man automatisch Sanguinho. Über gewundene, aber gut ausgebaute Wege (nicht Straßen!) geht es stetig bergan, so dass man nach jeder Kurve eine etwas bessere Sicht auf das Dörfchen mit dem Meer im Hintergrund erhält. Irgendwann trifft man dann ganz unerwartet (und gefühlt mitten im Grün) auf einen zivilisierten Ort mit Bananenbäumen, einem Brunnen und sogar Straßenlaternen. Das klingt an dieser Stelle völlig banal, doch wenn man vor Ort war – erlebt hat wie abgeschieden sich dieses kleine Stückchen Zivilisation anfühlt und wie schlecht es angebunden ist – dann ist man doch überrascht, von dem was man da sieht. Als vom alltäglichen Stress Getriebener kann man sich kaum vorstellen die wenigen Felder rund um Sanguinho zu bewirtschaften, abends den Blick auf das Meer schweifen zu lassen und so sein Leben zu verbringen – fern ab von Eskalationen, Steering Committees, One-Pagern und Work-Life Balance (aber auch ohne Highspeed-Internet und 5 Zylinder-Turbomotoren).

Sanguinho City Center - ein friedlicher Ort
Sanguinho City Center – ein friedlicher Ort

Sicherlich kein Leben das ich wählen würde, doch zumindest eines, dass es sich lohnt (wenn auch nur ganz oberflächlich) zu sehen. Von Sanguinho aus ist es nur noch ein recht kurzer Marsch zum Salto do Prego genannten Wasserfall, welchem man sich auf zunehmend kleiner werdenden Wegen nähert. Dabei geht es oft über kleine Brücken und häufig über schmale und durchaus auch mal überspülte Pfade – toll! Der Wasserfall selbst liegt dann am Ende dieses Trails und ergießt sich im Prinzip in einem größeren „Kessel“, welcher von Wanderern gern ausgiebig und zeitintensiv okkupiert wird. Auch der Rückweg in Richtung Fahrzeug verläuft auf gut erkennbaren Wegen durch die Natur und bietet mit Bachquerungen und vielen Vogelstimmen tolle Eindrücke von der Natur – so behält man die Azoren gern im Gedächtnis! Ich vermute, dass wenn wir Sonne gehabt hätten, der Trip in den Dschungel noch toller gewesen wäre. Trotzdem: Unbedingt machen .. lohnt sich uneingeschränkt!

Daniana Jones?
Daniana Jones?

Platz 3: Termas da Ferrraria (nein, hat nichts mit Sportwagen aus Italien zu tun)

Von der reinen Kraft der Natur haben mich die Termas da Ferraria im Westen der Insel sicherlich am meisten beeindruckt. Nachdem man seinen Mietwagen zielsicher einige viele Serpentinen gen Meeresspiegel gesteuert hat, sind es nur noch einige Meter vom großzügigen Parkplatz zur faszinierenden Kraftdemonstration von Wasser und Wind. Die Thermen mit Badebecken und vergleichsweise teurem Eintritt darf man übrigens durchaus vernachlässigen – ich persönlich fand sie nicht allzu einladend. Umso intensiver wirkte auf mich das Erlebnis das Geräusch des Meeres zu hören, wenn es immer und immer wieder gegen die Lavafelsen schlägt, dabei seine Gischt meterhoch gen Land schleudert und dabei die Luft mit dem Geruch des Atlantiks füllt. Vermutlich ist es der schroffe Anblick der erhärteten, schuhfeindlichen Lava, der so einen bemerkenswerten Kontrast zum Blau des Meeres bietet.

Blick auf die Termas vor der Serpentinenbewältigung
Blick auf die Termas vor der Serpentinenbewältigung

Wenn das Wetter – nicht so wie zum Zeitpunkt unseres Besuchs – ruhiger ist, kann man hier übrigens bei Niedrigwasser in einem natürlich beheizten Meerwasserbecken baden .. es gibt hier sogar (die Reste) eine(r) Umkleidekabine inklusive Spinden.

Viel spannender als das Meerwasserbecken ist aber die Brücke vom „Festland“ auf die vorgelagerte Minihalbinsel, die sich dem Atlantik entgegen streckt. Je nach Tide und Stärke der Windboe rauschen hier Wassermassen durch einen natürlichen Kanal, die unweigerlich an den letzten Besuch im Strömungskanal des lokalen Spaßbades erinnern. Höhenunterschiede des Wasserspiegels von 3-5m ergeben sich quasi sekündlich und von irgendwo spritzt eigentlich immer Wasser. Diese beeindruckenden, lebendigen und rauen Bedingungen haben uns zwar den Zugriff auf einen Geocache vereitelt (der Weg über den relativen schmalen Hals zwischen Festland und Halbinsel war uns dann mit Hinblick auf die reißenden Wassermassen doch zu gefährlich) und zudem völlig durchnässt (danach hatten wir neben den wasserdichten Jacken auch Ersatzhosen dabei), werden mir aber bestimmt noch lange im Gedächtnis bleiben. Wie so oft auf den Azoren: Kein Eintritt, keine Parkgebühren, einfach kommen und staunen!

Bewegte Wassermassen wie im Schüttelglas
Bewegte Wassermassen wie im Schüttelglas

Platz 4: Der Terra Nostra Park in Furnas

Gleich das zweite Ziel während unseres ersten vollen Tages auf der Insel war der Terra Nostra Park. Er ist neben den natürlich beheizten Naturbadebecken im Westen der Insel eine der wenigen Attraktionen, bei den wir Eintritt zahlen mussten (selbiger war aber absolut im Rahmen und definitiv gerechtfertigt). Highlight des Parks sind neben den unzähligen Palmen, Blumen und unterschiedlichsten Gewächsen (an mir ist einfach kein Botaniker verloren gegangen) definitiv der Naturbadeteich in allerfeinstem Braunton. Leider kann ich dem geneigten Leser an dieser Stelle keine persönlichen Eindrücke vom Badeerlebnis vermitteln, da mir zu diesem Zeitpunkt einfach zu kalt war. So richtig hatte ich die fehlenden Mütze zu diesem frühen Zeitpunkt unserer Reise noch nicht verschmerzt und irgendwie lagen die Temperaturen insgesamt ein klein wenig unter dem mir versprochenen Bereich (ich erwähnte es bereits) 😉 Dani jedoch war so mutig und stürzte sich in die rein optisch zumindest bedenklich gefärbten Fluten .. glücklicher Weise gänzlich ohne negative Folgen. Das Wasser ist mit ca. 39°C ausgesprochen warm, so das man mit Blick auf die umliegenden Bäume und das direkt angeschlossene Herrenhaus ausgiebig Plantschen kann. Die wohlige Wärme sollte man ausgiebig aufsaugen, denn die anschließenden Duschen (deren Besuch obligatorisch ist, da das stark eisenhaltige Wasser Verfärbungen auf der Haut hinterlässt) sind definitiv nicht beheizt – weder natürlich, noch industriell 😉

Hauptbecken in einladender Färbung
Hauptbecken in einladender Färbung
Dani ganz mutig - und gut gelaunt!
Dani ganz mutig – und gut gelaunt!

Insgesamt lässt es sich im Terra Nostra Park sehr schön spazieren gehen; ferner bildet er mit seiner Lage in Furnas eine ideale Ausgangsbasis für weitere Aktivitäten in diesem Teil der Insel.

Platz 5: Der Lagoa Azul

Ein in jedem Touristen-Guide für die Insel genanntes (und meist sogar auf dem Cover gezeigtes) Highlight ist sicherlich die Region um den blauen See, den Lagoa Azul. Die in dieser Region vermutlich sinnvollste Aktivität – neben Rallye-Fahren auf dem Bergkamm, wie im Flieger gezeigt, besteht hier in einer Wanderung, die man je nach persönlichem Gusto zwischen Nachmittagsspaziergang und ganztägiger Herausforderung ansiedeln kann. Wir entschlossen uns am (zumindest laut Wettervorhersage) zweit schönsten Tag unserer Woche auf den Azoren für eine eher kurze, ca. 11km lange Wanderung ab Sete Cidades bzw. einem nahegelegenen Parkplatz. Da wir aber wenig motiviert waren mehrere Kilometer steilen Aufstiegs direkt parallel zur Straße zurücklegen zu müssen, nutzten wir in diesem Zusammenhang das erste und einzige Mal während dieser Woche ein Taxi. Selbiges zu organisieren war jedoch weniger einfach als gedacht, da in Metrolpolregion alle der insgesamt null auffindbaren Taxen belegt waren. Erst nach zweimaligem Durchfragen konnte ein freundlicher Einheimischer dank mehrerer Telefonate ein geeignetes Mobil organisieren. Nach einem freundlichen Smalltalk in bestem Englisch (Finger auf Karte, 11€, Verabschiedung: „Good luck!“) ging es auch schon los. Fazit: Klappt eigentlich alles ganz prima, wir wurden genau am gewünschten Zielpunkt abgesetzt und äußerst preisgünstig ist diese Option obendrein auch noch.

Angekommen an dem von Dani in akribischer Vorarbeit perfekt ausgewählten Parkplatz (an dem zufällig auch eine Cache-Serie startete) ging es auch schon los und wir begaben uns auf den spannenden Trail oben auf dem Kamm am Lagoa Azul entlang. Da wir in diesem Blogbeitrag ja ausnahmsweise nicht zu ausschweifend werden wollen, beschränke ich mich darauf zu berichten, dass die Wanderung körperlich eher entspannt ist, zuweilen sehr schöne Aussichten bietet und bei Sonne herrlich zum Abschalten geeignet ist.

Panoramablick - sorgfältig ausgesucht nach idealen Sonnenverhältnissen
Panoramablick – sorgfältig ausgesucht nach idealen Sonnenverhältnissen

Bei weniger idealen Wetterverhältnissen kann (…) es auch schon mal ungemütlich, ja gar kalt und zugig werden .. aber daran gewöhnt man sich mit der Zeit 😉 Ansonsten eine wie gesagt tolle Halbtagsbeschäftigung, die problemlos zu einem Ganztagestripp ausgebaut werden kann, und durchaus empfehlenswert ist. Trotzdem landet diese Station unserer Erkundungstour nur auf dem fünften Platz, da z.B. eine Wanderung im schönen Bayern mit Blick auf die dort omnipräsenten Seens meiner Meinung nach ähnliche oder sogar nachhaltigere Impressionen liefern kann.

Perfekte Bedingungen für eine lockere Frühlingswanderung (hier auch die bereits oben erwähnte, extrem wichtige Sonderausstattung im Bild)
Perfekte Bedingungen für eine lockere Frühlingswanderung (hier auch die bereits oben erwähnte, extrem wichtige Sonderausstattung im Bild)

 Platz 6: Diverse

Jetzt habe ich in fünf kurzen Absätzen von den touristischen Highlights berichtet, die wir besucht und die mir dabei am besten gefallen haben. Sicherlich bleiben dabei – zu unrecht – viele andere nette Ecken und kurze Trips auf der Strecke .. aber für diesen Fall gibt es ja die obligatorische Reiseliteratur 😉 Was sich aus meiner Sicht definitiv lohnt ist in Abhängigkeit von den jeweiligen Wetterbedingungen eine ausgedehnte Tour über die Insel mit Stopps an den zahlreich vorhandenen, touristisch sehr gut erschlossenen „Miradouros“ (Sehenswürdigkeiten) in unmittelbarer Nähe zur Straße. Auf diese Weise haben wir wirklich sehr viele schöne Parks, Aussichtspunkte und idyllische Plätze gesehen, die zudem auffallend akribisch gepflegt und sehr sauber waren. Keine Ahnung, was hier zur Saison los ist, aber für die vergleichsweise sehr ruhige Zeit während unserer Tour war hier meist (abgesehen vom Reinigungspersonal) keine Menschenseele anzutreffen – trotzdem war alles so, als ob morgen Tag des Denkmals wäre. Hierfür muss man den Azoren ein ganz explizites Lob aussprechen!

Ausblick von einem der vielen, empfehlenswerten Miradouros
Ausblick von einem der vielen, empfehlenswerten Miradouros

Auch eine kurze Stadttour durch Ponta Delgada, welches mit Hinblick auf die Bevölkerungsdichte das zentrum der Azoren darstellt, ist durchaus empfehlenswert und bietet die verschiedensten Facetten – von einer recht engen, lauten Innenstadt, über einen modernen Hafen bis hinzu Surfern am künstlich angelegten Strand. Ferner zählt eine Besichtigung der brodelnden (und geruchstechnisch sehr intensiven) Quellen (vor allem in der Region um Furnas) sicherlich zu den kleinen Highlights, die während einer Erkundungstour auf Sao Miguel nicht fehlen sollte.

Brodelnde, geruchs-intensive Quellen .. sollte man ebenfalls gesehen haben
Brodelnde, geruchs-intensive Quellen .. sollte man ebenfalls gesehen haben

Natürliche, warme Badebecken gibt es übrigens auch am touristisch ebenfalls sehr gut erschlossenen Wasserfall Caldeira Velha in der Nähe von Ribeira Grande, dem man mit einer schönen Erkundungstour zum Lagoa do Fogo (bei uns gab es statt Fogo leider nur Nebel zu sehen) verbinden kann. Auch hier (also am Wasserfall) kann man in natürlich erwärmten Fluten baden, sollte sich aber auf eine gewisse Menschenansammlung in dem kleinen Tal gefasst machen – außerdem ist die Chance für Motorschäden in dieser Region unserer persönlichen Erfahrung nach am größten 😉

Part 3: Fazit & Außerdem

Jetzt ist schon ziemlich viel gesagt (~3500 Wörter), einige Absätze lang gejammert und über mehrere Textblöcke hinweg gelobt wurden – rund zwei Monate nach dem Urlaub und fast fünf Monate nach Beginn des neuen Jahres wird es so langsam wirklich Zeit hier zum Ende zu kommen.

Genug gejammert - aber wenn's doch hilft ;-)
Genug gejammert – aber wenn’s doch hilft 😉

Müsste ich unseren Urlaub auf den Azoren ganz kurz zusammen fassen, dann würde ich sagen: Man kann nicht immer gewinnen 😉 Wir hatten einfach mit verschiedenen Rahmenbedingungen wie Wetter, Unterkunft, Mietwagen und An- bzw. Abreise nicht wirklich Glück, was den Gesamteindruck ein wenig schmälert. Aber wir hatten uns, wir hatten Zeit für einander, wir waren eine Woche ganz weit Weg vom Business (aber nicht vom Ärger) und wir haben einige schöne Momente erlebt (und dabei über 50 Geocaches besucht). Vielleicht zeigen sich die Azoren manchmal auch von einer ganz anderen Seite und vielleicht sind viele Impressionen unter anderen Rahmenbedingungen ganz anders .. bei entsprechend günstigen Faktoren könnte man durchaus empfehlen dies selbst auszuprobieren. Für uns bleibt jedoch ein Eindruck am bezeichnendsten (und das ist jener, der uns am meisten an diesen Urlaub erinnert): Wenn wir spazieren gehen bzw. Fahrrad fahren, eine steife Brise von vorn kommt, der Himmel Wolken verhangen ist und die ersten Regentropfen gen Boden rauschen, dann sagt einer von uns meistens „Ganz schön azoreanisch“, worauf der andere in der Regel ergänzt „Naja, ein bisschen besser ist es schon noch..“. 😀

Bye bye, Azoren - die nasse Insel mitten im Atlantik ;-)
Bye bye, Azoren – die nasse Insel-Gruppe mitten im Atlantik 😉

DANKE für’s Lesen .. und jetzt weiter mit ein bisschen leichterer Lektüre – in der Zwischenzeit gibt es weitere Eindrücke nach Tagen sortiert (und liebevoll nachbearbeitet) in der Gallery.