Auf in die Lüfte: Erste Schritte mit dem Multicopter

Es begab sich um die Osterzeit herum, dass ich – warum kann ich gar nicht mehr so genau sagen – mal wieder vom Thema Modellflug bzw. viel mehr Multicopter-Flug fasziniert wurde. In den letzten Jahren hat mich die Idee den sicheren Boden unter mir zu lassen und eine neue Sichtweise zu gewonnen immer mal wieder begeistert.. der Schwerpunkt lag dabei jedoch immer auf dem Flug mit einer Kamera an Bord – dem sogenannten „First Person View-Verfahren“ (auch: Immersionsflug).

Thematischer Vorgriff - es soll ja interessant bleiben ;-)
Thematischer Vorgriff – es soll ja interessant bleiben 😉

Flugzeuge finde ich persönlich nicht so recht spannend und Hubschrauber als entspanntes, auch Einsteiger-freundliches Hobby vielleicht etwas zu ambitioniert, und so schienen alle meine Wünsche in einem Multicopter (sprich einem kleinen Fluggerät mit mehreren Luftschrauben) zu kulminieren. Das Interessante daran ist die immense technische Weiterentwicklung in diesem Bereich in den letzten Jahren, so dass die kleinen (und größeren) Flugobjekte mittlerweile Kompass- und GPS-gestützt durch die Luft schweben und damit die Kombination aus moderner Technik/IT und dem alten Wunsch des Fliegens ganz neue und sehr spannende Aspekte gewinnt.

Genug des Prosas: Ich wollte so ein „Ding“ haben. Es sollte eine Kamera tragen können, später die Möglichkeit bieten das Kamera-Bild am Boden in Echtzeit zu betrachten und es wäre toll, wenn die Flugzeit möglichst lange wäre. In jüngster Vergangenheit werden all diese Anforderungen „eigentlich“ ziemlich perfekt vom der DJI Phantom 2 Copter vereint, welcher quasi als Rundum-Sorglos-Paket angeboten wird. Akku mit immenser Flugzeit, Ladegerät, fertig aufgebauter Copter, Fernbedienung und diverse nette Erweiterungen (dazu gleich mehr) werden hier quasi ohne großen Bastelaufwand und nahezu startbereit angeboten. Fand ich zunächst sehr ansprechend und mit Hinblick auf die  riesige Community und die sehr vielen Videos auch extrem verlockend. Die DJI Phantom ist quasi zur Zeit der „Standard“ und womöglich auch eine ideale Wahl, wenn man relativ schnell und mit wenig Recherche-Arbeit sehr ansehnliche Erfolge erreichen möchte – YouTube bietet hier eine enorme Vielfalt respektabler Beweise.

Doch je mehr ich die Informationen verschlang (die Feiertage sind echt toll für sowas), desto mehr Zweifel kamen mir. Der Gedanke ein mehr oder weniger proprietäres System von der Stange zu nutzen, gefiel mir nicht so recht .. das Plastikbomber-mäßige Aussehen der Phantom traf ebenfalls nur bedingt meinen Geschmack. Also fing ich an mich zu alternativen Lösungen bzw. selbstgebauten Coptern zu informieren und startete einen ersten zarten Versuch Dani für das Thema zu begeistern. Klappte zunächst nur bedingt.

Aber da Dani eine sehr verständnisvolle (und manchmal auch diplomatische) Frau ist, sagte sie nicht „Werd erwachsen!“, nein, sie sagte „Kauf dir doch erstmal etwas Kleines um auszuprobieren, ob dir das wirklich Spaß macht“. Gesagt getan, nach kurzer Suche sollte ein Blade Nano QX als unzerstörbarer Indoor-Trainings-Copter den Weg zu uns finden. Nun stellte sich relativ schnell heraus, dass es diesen entweder mit einer mitgelieferten Standard-Fernbedienung („Funke“) geben sollte, oder als „Bind to Flight“-Version, die sich mit den meisten Spektrum-Fernbedienungen versteht. Durch einen glücklichen Zufall erstand ich dann auch recht fix per Kleinanzeige eine nicht mehr ganz neue, aber sehr wenig verwendete Spektruk DX7 (nicht S) gemeinsam mit „ein paar“ Spektrum-Empfängern. Damit war der Anfang gemacht 😉

Unser Übungsgerät - klein, unzerstörbar, 5 Minuten Flugzeit / Akku, 18g leicht
Unser Übungsgerät – klein, unzerstörbar, 5 Minuten Flugzeit / Akku, 18g leicht

Parallel konnte ich Dani plötzlich für den Gedanken Copter gewinnen, als ich ihr eröffnete, dass sie ja ihren eigenen haben könnte („Mit pinken Propellern?“ Klaaaar!). Die Suche wurde also intensiviert, mein Hirn gab keine Ruhe („Haben wollen!!!“). Plötzlich entdeckte ich ein ziemlich nettes Paket bestehend aus Copter, Gimbal (einer Art Kamera-Halterung, die die Bewegung des Fluggeräts kompensiert, so dass die Kamera im Idealfall ein stabiles und nivelliertes Bild zeigt) und einer GoPro Hero 2. Das „Ding“ nannte sich Bumblebee und ich fand das könnte auf Frauen (meine Frau) attraktiv wirken. Tat es auch und so wurde der Deal schnell finalisiert. Einige Stunden später fand ich heraus, dass unsere Hummel gar nicht so kompakt wie erhofft sein würde und es sich in der Tat um einen klappbaren Carbon-Rahmen mit 55cm Abstand von Motor zu Motor handelt .. wow .. das würde ja cool werden. Dani zeigte sich zum Glück auch sehr tolerant und so erreichte uns Bumblebee schon wenige Tage später per Paket.

Wer hier keine Assoziationen zu Star Wars hat ;-)
Wer hier keine Assoziationen zu Star Wars hat 😉

Bumblebee schickte seinem Eintreffen einen ganzen Schwarm voller zusätzlicher Anschaffungen voraus – ist klar, so ein Copter fliegt ja nicht von Faszination und guten Wünschen. Also trafen in ziemlich vielen Sendungen neben unserem Übungscopter ein Ladegerät (Graupner Ultramat 16s), ein Balanceradapter, ein paar Ersatz-Luftschrauben (man weiß ja nie), eine „Wuchtmaschine“ für Luftschrauben (jaja, so etwas gibt es), viele lustige andere Adapterkabel, zwei LiPo Akkus, zwei Lipo-Schutztaschen, eine Lötstation und noch diverse andere Kleinigkeiten ein. Dani brachte es perfekt auf den Punkt, als sie sagte, dass „der Boden des Fasses ohne Bodens bald erreicht sei“. Mittlerweile habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass sie damit Recht hat 😉 Nahezu täglich durfte ich eine oder mehrere Sendungen aus dem Postkasten fischen (bzw. sie manchmal mühsam heraus operieren) und am 2. Mai trafen dann auch die Akkus aus dem niederländischen Zentrallager eines großen, bekannten Modellbau-Händlers ein.

Theoretisch (hihi) waren jetzt alle Komponenten beisammen und theoretisch hätte ich die Lipos laden und auch an Bumblebee anschließen können .. sollen. Laden ging, anschließen aber nicht, denn Bumblebee bevorzugte 4mm Bullet-Connectoren für die Stromversorgung, während die Akkus mit 5,5mm Anschlüssen kamen. Also Zeit für den ersten Einsatz der Lötstation und den ersten Besuch beim hiesigen Modellbauladen um sog. XT60-Stecker zu kaufen. Videos wurden geguckt, Express-Bestellungen ausgelöst und weitere Ersazteile trafen ein. Einige sehr sehr frustrierende Stunden später (diese gefühlt unterarm-dicken Kabel der 5800 mAh Lipos mit dem XT60 Stecker zu verheiraten, ist für Lötanfänger gar nicht so einfach) schien der Traum vom Erststart am May the Fourth – dem Star Wars Tag („May the FORCE be with you“) – geplatzt. Weitere Videos wurden geschaut, und mit neu erstarktem Mut machten wir uns am 04.05. nochmals an eine sehr lange Lötsession (danke, Dani!).

Profi an der Werkbank - erkennt man sofort ;-)
Profi an der Werkbank – erkennt man sofort 😉

Kaum war diese beendet, begann ich auch schon damit den Copter das erste mal mit dem Rechner zu verbinden. Dies klappte alles andere als gut, da der DJI-Treiber (als Flight Controller kommt eine Naza Lite zum Einsatz) zunächst nicht so richtig sollte, wie er wollte .. geschenkt, hat nach ein wenig Basteln dann geklappt. Anschließend die Ehe auf Probe mit der Funke (auch hierzu hatte ich seeeehr viel gelesen) und damit die nächsten Probleme: Die Umschaltung der Steuerungsmodi (GPS, Höhe halten, manuell) sowie die Aktivierung der Notfallabsicherung (Failsafe, bringt den Copter zurück und landet ihn, wenn es ein Problem mit der Fernbedienung gibt .. oder auf entsprechenden Befehl hin) funktionierte nicht. Das eifrige Wälzen meiner gefühlt 50 Lesezeichen brachte Abhilfe (weitere Details in einem separaten Beitrag später), so dass am Boden alles gut aussah.

Operation am offenen Herzen - Die Hummel von unten
Operation am offenen Herzen – Die Hummel von unten

Kurz vor dem Jungfernflug löste sich dann unser als aller erstes gelöteter XT60-Stecker vom LiPo: Bye bye Akku Nummer 1 (zumindest bis zur nächsten Lötsession, nix Böses passiert). Was soll’s .. Lipo 2 und alles Zubehör eingepackt und los auf das Feld .. so kurz vor Sonnenuntergang und nach sooo vielen Stunden der Recherche und Bastelei wollten wir unbedingt wissen, ob das Monster leben würde. Vor Ort angekommen ging dann nochmal alles schief, was schief gehen konnte (Ups .. ERST die Fernbedienung anmachen .. oh .. wo war die Anleitung zur Kalibrierung des Kompasses .. PLOPP, oh da ist der Lipo einfach so aus der Halterung gefallen und liegt jetzt im Acker), bevor Bumblebee leicht herausfordernd zum Ersatzflug bereit stand. Eine beherzte Bewegung meiner beiden Daumen später erwachte das Monstrum zum Leben und wenige Augenblicke später erhob es sich .. mehr oder weniger souverän 😉 Wie sich nach wenigen Augenblicken herausstellen sollte, waren die Kanäle für Ruder und Aileron jeweils „reversed“ (also verkehrtherum), so dass sich die wilde Hummel ganz schön seitenverkehrt flog. Macht nix, eine erneute Landung zur Umkonfiguration der Fernbedienung (auch ein Thema für sich .. später mehr) wollte ich nicht einschieben, so dass es mit ein paar verqueren Gehirnwindungen schon klappten sollte. Tat es 🙂 Den Copter in der Luft zu sehen war ein sehr cooles Gefühl und hat sich auch deutlich interessanter angefühlt als den kleinen Blade Nano in der Wohnung zu bewegen (dafür ist letzterer wesentlich herausfordernder, da agiler).

Durchstarten, durchstarten!!
Durchstarten, durchstarten!!

Nun kann man von einem Erstflug nicht zu viel erwarten (zu hektisch, zu unsicher, zu geringe Distanzen, Equipment nicht richtig eingestellt) – wir hatten trotzdem sehr viel Spaß! Der Copter hat zum Glück alles gut überstanden und auch die ersten Aufnahmen der GoPro konnten gesichtet werden – siehe Videobeitrag am Ende dieses Artikels. Bisher hat das Thema Multicopter kein bisschen Faszination eingebüßt – im Gegenteil, ich habe das Gefühl hier erst ganz am Anfang zu stehen (leider auch was die Anschaffungen angeht ;-)).

Ca. 1700g brummen durch die Lüfte
Ca. 1700g brummen durch die Lüfte

An dieser Stelle vielen lieben Dank an Dani für die unermüdliche Unterstützung (der Copter mit den pinken Luftschrauben kommt auch noch) und ein Sorry an die geneigte Leserschaft, dass dieser Beitrag möglicher Weise etwas weniger detailliert als gewohnt ist – später mehr!

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