Copter Teil 4: Das fliegende Auge..

Wer die ersten drei Copter-Beiträge aufmerksam gelesen hat, wusste schon vor diesem Artikel, welcher nächste (unvermeidbare) Schritt folgen würde: Das „Upgrade“ auf echten First Person View Flug, d.h. die Live-Verbindung vom Boden zum Kamera-Bild.

Mindestens zwei Aspekte drängen den aufstrebenden Multirotor-Piloten geradezu in diese Richtung. Da wäre zum einen die wiederkehrende Frustration, welche sich immer dann einstellt, wenn man mit der GoPro mal wieder ein paar Meter zu hoch oder zu tief gehalten oder die Drehung wie immer zu schnell durchgeführt hat. Dies ist für sich genommen natürlich kein Beinbruch, aber mit der Option im Hinterkopf, dass es ja eigentlich viel schöner ginge, ärgert es den ambitionierten Hobbyfilmer dann doch.

Viel „motivierender“ ist aber der Gedanke den Boden endlich virtuell unter den Füßen zu verlieren und in nahezu Echtzeit einen Eindruck davon zu erhalten, wie die Welt wohl gerade von 20m über unseren Köpfen betrachtet aussieht. 20m sind dabei noch eine vergleichsweise geringe Höhe – die deutsche Gesetzgebung lässt unter gewissen Voraussetzungen ganz legal Flüge bis zu einer Höhe von 100m in der Vertikalen zu. In der Horizontalen ist die Formulierung übrigens weniger eindeutig – hier heißt es lediglich, dass man das Fluggerät noch mit eigenen Augen sehen können muss.

Alles in allem ein faszinierender Gedanke, oder?

Ready to rumble!
Ready to rumble!

So kommt man also recht schnell dazu sich Gedanken über das „Wie?“ zu machen. Als Aufnahmegerät kann für den Anfang der Live-Out-Ausgang einer vorhandenen GoPro-Kamera (o.ä.) genutzt werden. Sobald diese hinsichtlich ihrer Lage stabilisiert wird (durch den Einsatz eines Gimbals), empfiehlt sich zwar der Einsatz einer dedizierten Kamera für den Piloten, aber dies kann zunächst als eine der vielen, optionalen Erweiterungsmöglichkeiten betrachtet werden. Als nächstes muss man sich Gedanken darüber machen, wie das Kamera-Bild vom Copter zum Boden kommt. Hierfür benötigt man einen sogenannten Video Transmitter (VTX), der hoffentlich mit einer in Deutschland legalen Sendeleistung (25mW) und im freigegebenen Band funkt. Da die Fernsteuerung in der Regel im Bereich von 2,4 GHz arbeitet, verwenden die meisten FPV-Piloten Sende- und Empfangseinheiten im 5,8 GHz-Band. Eine attraktive und brandneue Möglichkeit bestünde darin eine digitale Verbindung zur Übertragung von Steuerbefehlen und Videoinhalten gleichermaßen zu verwenden, doch derartige Produkte (hier v.a. die DJI Lightbridge) sind noch sehr neu und derzeit preislich recht unattraktiv (>1.100€). Also bleibt man besser bei der analogen Übertragung mit Hilfe von renommierten Produkten von Iftrontech, ImmersionRC oder Fatshark (preislich attraktiver dann halt von Boscam etc.). Unser Copter war neben der GoPro Hero 2 auch schon mit einem Stinger Nano von Iftrontech ausgestattet, so dass hier von Anfang an alles „ready“ war.

Wenn nun luftseitig alles gegeben ist, sollte man sich um die Empfangseinheit am Boden und die Darstellung Gedanken machen. Wie so oft gibt es eine Vielzahl von Optionen und Kombinationsmöglichkeiten – ich beschränke mich im Folgenden auf die gängigsten. Prinzipiell muss man sich eigentlich nur zwei Fragen stellen:

  1. Reicht mir eine Antenne / Empfangseinheit oder benötige ich für eine erhöhte Reichweite, bessere Übertragungsqualität, Ausfallsicherheit etc. mindestens zwei (das nennt man dann Diversity)? Recht viele fortgeschrittene FPV-Piloten setzen einen Empfänger mit Diversity ein und kombinieren so Antennen mit unterschiedlichen Charakteristika. Dies ist sicherlich eine schöne Option, bedingt aber neben der Notwendigkeit einen weiteren Akku für die Groundstation mitzuschleppen eine nicht unerhebliche Investition (ein ImmersionRC DUO5800 v3 kostet rund 240€ .. dazu kommen mindestens 50 – 70€ für vernünftige Antennen .. nach oben keine Grenze)
  2. Möchte ich auf einen Bildschirm gucken (gängig sind 7,8 oder 10″) oder favorisiere ich eine Video-Brille, bei der ich quasi einen virtuellen Bildschirm vor mir in der Luft schweben sehen? Bei den Brillen geht das HD-Zeitalter übrigens gerade erst los, weshalb die Darstellungsqualität hier möglicher Weise etwas hinter dem zurückbleibt, was man sich zunächst vorstellt, aber durch die analoge Bildübertragung ist das theoretische Maximum hier eh .. begrenzt

Der Flug via Monitor hat einen Vorteil: Man kann das ganz prima und legal auch allein tun. Der Bildschirm kommt einfach an ein Stativ oder via zusätzlicher Halterung an die Fernbedienung und schon hat man die Möglichkeit das Kamerabild und das Quad quasi zur gleichen Zeit zu beobachten. Problematisch ist an diesem Setup das feindliche Tageslicht (gemeinhin: schönes Wetter) und – wie ich gehört habe – insbesondere zu Beginn die Herausforderung sich tatsächlich auf den Monitor zu konzentrieren. Es soll schon Leute gegeben haben, die mit Decke aufs Feld gefahren sind, um einen gewissen Zwang herzustellen nicht in die Luft zu starren 😉 Monitore gibt es übrigens mit oder ohne eingebauten Empfänger und auch mit und ohne Diversity. Preislich bewegt man sich zwischen 130 und 270€ je nach Beschaffungsart und Hersteller. Ich würde derzeit zu einem BOSCAM RX-LCD5802 tendieren, da dieser dem Vernehmen nach mit 400-450cd/m2 recht hell ist, Diversity unterstützt und (ganz wichtig) bei schlechter Signalqualität Rauschen anstelle eines schwarzen oder blauen Bildes anzeigt. Das gute Stück kriegt man in Europa so ab 150€. Generelle Empfehlung im Netz ist meist der Black Pearl 7″ LCD – dieser hat jedoch eine geringere Helligkeit. Selber getestet habe ich keinen von beiden.

Ein kleiner Schnappschuss (als Frame einem Video entnommen): Rechts das noch im befindliche Mauk Gartencenter, links Bad Homburg - im Pixelmatsch eher links ist das Schloss zu sehen
Ein kleiner Schnappschuss (als Frame einem Video entnommen): Rechts das noch im befindliche Mauk Gartencenter, links Bad Homburg – im Pixelmatsch eher links ist das Schloss zu sehen

Die meisten Interessierten werden das Thema FPV-Flug sicherlich eher mit dem Einsatz einer Videobrille assoziieren. Die Vorstellung auf dem Feld zu stehen (oder in einem Camping-Hocker zu sitzen), auf einen sagen wir 46″ Bildschirm aus 2m Entfernung zu blicken und darin in nahezu Echtzeit das Bild des Copters zu sehen, klingt doch schon viel spannender. Ging mir genau so 😉 An dieser Stelle sollte man beachten, dass der FPV-Flug in Deutschland nur legal (und versicherungstechnisch abgedeckt) ist, wenn man einen Spotter dabei hat, der das Flugobjekt direkt im Blick behält und jederzeit eingreifen kann. Ob dies auch eine zweite Fernbedienung im Lehrer-/Schüler-Modus bedingt, kann ich an dieser Stelle nicht sagen .. auf der sichereren Seite ist man so definitiv!

Wie gesagt, immer mit Spotter fliegen..
Wie gesagt, immer mit Spotter fliegen.. Ein wenig wie GTA (2) 😉

Beim Thema Brille gibt es dann wiederum einige Fragen zu klären: Vollabgedunkelt oder mit der Option das man „darüber weg“ schauen kann, FullHD oder Standard, integrierter Empfang oder externe Lösung und Größe des virtuellen Bildschirms (FOV – Field of View). Wer sich weitergehend mit der Thematik befasst, wird feststellen, dass die Empfehlungen einheitlich in Richtung vollabgedunkelt gehen, HD aktuell erst im kommen ist (Aufpreis ca. 150€ .. dafür mit integriertem Video-Rekorder .. kann man schon drüber nachdenken), das FOV mindestens 30 Grad betragen sollte (sonst wird das Bild einfach zu klein) und man ja mit dem integrierten Empfänger beginnen und später einen externen Receiver zusätzlich nutzen kann.

Durch einen positiven „Zufall“ (eine eher verharmloste Formulierung) eröffnete sich mir kurzfristig die Option recht günstig an eine Fatshark Dominator zu gelangen. Im Gegensatz zu Alternativen wie einer Carl Zeiss Cinemizer hat man hier den Akku und auch den Empfänger direkt an der Brille, so dass es wirklich nur heißt: Aufsetzen und los (kein Kabelchaos .. jedenfalls in meinem Setup nicht). Die Dominator ist wie alle Brillen von Fatshark vollständig abgedunkelt – da sieht man wirklich überhaupt nichts mehr und ein Betrug wie damals bei Wetten dass.. ist gänzlich auszuschließen 😉

Dieses äußerst aufwändig erstellte Foto (iPhone mit dem Display in die GoPro gehalten, GoPro-Bild über Videobrille geprüft, dann ausgelöst) dient nur der Darstellung, wie blickdicht die Brille ist
Dieses äußerst aufwändig erstellte Foto (iPhone mit dem Display in die GoPro gehalten, GoPro-Bild über Videobrille geprüft, dann ausgelöst) dient nur der Darstellung, wie blickdicht die Brille ist

Das FOV beträgt „nur“ 30 Grad, was nach meinen bisherigen Erfahrungen aber okay ist; dafür ist das Bild wirklich bis zum Rand absolut scharf (dem Vernehmen nach anders als z.B. bei der Predator). Headtracker und Empfänger sind bei der Dominator optional, so dass ich zumindest Letztgenannten noch zusätzlich erstehen musste (ja, eine Attitude V2 wäre auch eine Option gewesen .. hier ist alles integriert und das FOV beträgt 35 Grad. Außerdem kann man bei der Attitude den Augenabstand – IPD – einstellen. Bei mir passt der fixe Abstand der Dominator zum Glück). Interessant wären sicherlich auch die ganz neuen HD-Varianten gewesen, aber hier war mir die Wartezeit aktuell einfach zu hoch..

Dicker Hai *hrhr*
Dicker Hai *hrhr*

So fand also die Dominator aus dem Hause Fatshark in neuwertigem Zustand und mit originalem Transportcase den Weg zu uns. Selbiges ist übrigens richtig klasse, hat aber leider keinen Platz für eine Antenne (d.h. vor jedem Einpacken und nach jedem Auspacken muss diese fix aufgedreht werden). Auch sonst ist die Verarbeitung super und das Gerät selbst mit Akku im Halteband angenehm leicht zu tragen, einzig den fehlenden Ein-/Aus-Schalter kann ich nicht verstehen (man muss wirklich jedes mal den Akku rausziehen..). Bedingt durch die im letzten Beitrag beschriebenen – mittlerweile zum Glück gelösten – Probleme konnte ich bisher übrigens erst 2,3 Flüge mit der Brille machen .. weitere Erfahrungsberichte werden hier also noch folgen. Vorab nur soviel: Es ist ein wirklich irritierendes Gefühl, wenn man sich selbst in 10m überfliegt oder sich aus größerer Entfernung selbst sieht, aber den Copter überhaupt nicht mehr hört. Muss man einfach mal erlebt haben 😉

Dominator in mitgeliefertem Case. Vorn rechts erkennt man den Antennenanschluss und kann sehen, dass die Antenne unmöglich montiert transportiert werden kann..
Dominator in mitgeliefertem Case. Vorn rechts erkennt man den Antennenanschluss und kann sehen, dass die Antenne unmöglich montiert transportiert werden kann..
Brille mit optimierter Antenne .. gehört ebenfalls nicht zum Standardlieferumfang ;-)
Brille mit optimierter Antenne .. gehört ebenfalls nicht zum Standardlieferumfang 😉

Jetzt haben wir also ein Live-Video, eine Übertragung und eine Empfangseinheit .. eigentlich müsste das Glück doch damit komplett sein, oder?

Unglücklicher Weise hält der FPV-Flug bedingt durch das mitunter verzerrte Bild der Kamera (je nach Einstellung der GoPro) und einfach durch das „indirektere“ Gefühl beim Steuern des Flugobjekts doch so seine Tücken bereit. Entfernungen, Höhen, Geschwindigkeiten, Richtung .. das alles muss man erst lernen einzuschätzen und adäquat darauf zu reagieren. Allein schon vor diesem Hintergrund ist ein verständnisvoller und aufmerksamer Spotter („Du bist jetzt noch so 1m über dem Boden .. weißt du, oder?“) unverzichtbar! Wie bei so vielen technischen Spielereien gibt es natürlich auch für diese Herausforderung eine Lösung: Ein sogenanntes OSD (On Screen Display)-Modul. Dieses wird in die Verbindung zwischen Kamera und Video-Transmitter eingeklinkt und kann je nach Ausführung verschiedene Informationen darstellen (am interessantesten sind sicherlich Höhe relativ zum Startpunkt, Distanz zum Startpunkt, Richtung zum Startpunkt und womöglich Geschwindigkeit, Bordspannung, und vertikale Geschwindigkeit sowie bei stabilisiertem Kamerabild Pitch- und Roll-Winkel). Da ich ja (zumindest zur Zeit) DJI NAZA Pilot bin, gibt es aus meiner Sicht zwei Optionen:

Option 1: minimOSD mit ein wenig Bastelaufwand

Dank einer tollen Community und vielen cleveren Köpfen, kann man ein enorm leistungsfähiges OSD schon für 20$ erwerben – zumindest wurde das Projekt so vorgestellt 😉 In der Praxis kostet das minimOSD tatsächlich nur zwischen 10€ und 50€ – je nachdem wo man kauft und wie lange man warten möchte. Um das OSD mit der richtigen Firmware zu bestücken und es konfigurieren zu können, ist zudem ein sog. FTDI-Adapter (in Deutschland einzeln ab ca. 12€) erforderlich. Da ich – wie bei allem – extrem ungeduldig war, habe ich das OSD mit FTDI und ein paar Kabeln direkt in China bestellt und eine tolle „Ab 30€ mit gratis Express-Versand“-Aktion mitgenommen. Montag Abend bestellt, Donnerstag das Paket in der Hand gehalten (~5€ Einfuhrumsatzsteuer direkt an den DHL-Boten entrichtet) – absolut beeindruckend.

Das minimOSD - hier schon semiprofessionell verpackt
Das minimOSD – hier schon semiprofessionell verpackt

Um das Modul mit der Flugsteuerung verbinden zu können, muss man sich anschließend ein Adapterkabel löten, wofür neben einem Servokabel ein paar 2,4mm Sockel- und Stiftleisten benötigt werden; diese sind günstig via eBay und Brief zu beziehen (~2€). Danach heißt es Lötkolben an und schnell ein paar (drei) Kabel verbinden, fertig ist der Hardware-Part des OSDs (detaillierte Anleitung auf der Projektseite).

Adapterkabel aus Sockel- und Stiftleisten. Am anderen Ende ist einfach nur ein Servostecker
Adapterkabel aus Sockel- und Stiftleisten. Am anderen Ende ist einfach nur ein Servostecker (s.o.)

Beim späteren Verbau am Copter unbedingt darauf achten, dass die Kabel sowohl an der NAZA bzw. der PMU korrekt angeschlossen werden, sonst hat es das OSD binnen Sekunden erlebt. Softwareseitig muss das Modul mittels eines bereitgestellten Tools zunächst auf eine temporäre Firmware geflashed werden, bevor das sog. Charfile eingespielt werden kann. Danach wieder auf die richtige Firmware und schnell ein paar Settings konfiguriert – fertig. Alles in allem eine Aktion von weniger als 2h.

Blick auf das minimOSD - Konfiguration nur beispielhaft
Blick auf das minimOSD – Konfiguration nur beispielhaft

Was wir hier sehen, ist die größte Stärke des OSDs (aus meiner Sicht). Jedes Element kann frei positioniert sowie eingeblendet oder versteckt werden. Man hat die totale Freiheit und kann – wenn man im Löten etwas talentierter ist – auch weitere Daten wie Empfangsstärke des Fernbedienungssignals, Flugmodus der NAZA oder sogar einen künstlichen Horizont einblenden – absolut genial und für (ideal betrachtet) weniger als 20€. Wenn man – wie ich – von der NAZA Lite auf die NAZA V2 umsteigt, wird man den tollen Adapter übrigens zwei mal basteln wollen, da der Stecker des Adapters bei der Lite direkt an die NAZA kommt und recht klein sein muss, während bei der NAZA V2 die GPS-Daten direkt an der Verbindung von Pilz zu PMUv2 abzugreifen sind (und damit hier alles fest sitzt, muss der mechanische Part des Adapters wiederum etwas größer sein).

Screenshot des Konfigurationstools
Screenshot des Konfigurationstools

Option 2: DJI iOSD Mini

Wie auf so viele elementare Wünsche des FPV-Fliegers hat DJI natürlich auch auf den Bedarf eines OSDs eine bzw. sogar mehrere Antworten. Die einfachere, aber ausreichende Version davon heißt DJI iOSD Mini und wechselt für 59€ den Besitzer. Das iOSD Mini besticht durch seine Einfachheit: Modul (so richtig schön mit Gehäuse und so), auspacken, via passgenauem Stecker mit PMUv2 verbinden, ein Kabel an die Kamera, ein Kabel an den Videotransmitter, Akku an den Copter, freuen. Kein Flashen, kein Updaten, keine Adapter .. einfach nur diesen wenigen Schritten folgen und nach weniger als 10 Minuten (kommt drauf an, wie lang man für zwei Lötungen benötigt) hat man die kleine Plastikkiste in Betrieb.

Blick auf das DJI iOSD Mini
Blick auf das minimOSD – Konfiguration nur beispielhaft (und Voltagesettings nicht eingestellt .. sonst wäre der 3S Lipo ganz schön heftig..)

Wie man sieht, scheinen die Informationen auf ersten Blick die gleichen zu sein wie beim (von mir entsprechend konfigurierten) minimOSD und sogar Daten wie der künstliche Horizont sind sofort da. Witzig ist die kleine Raute im Bild, welche den Startpunkt markiert, während das minimOSD eine Radardarstellung bietet und mittels rotierendem Pfeil komfortabel die Richtung den Copter-Piloten zeigt. Was mich am iOSD Mini etwas stört, ist seine mangelnde Flexibilität. Es gibt zwar eine dedizierte Anwendung für den PC und einen USB-Port, aber die einzige Option ist hier: Linke GUI-Elemente ganz links oder mittel-links und GUI-Elements rechts ganz rechts oder mittel-rechts. Der gesamte Gedanken des „Ich bastel mir selbst was Cooles“ geht da ein wenig verloren 🙁

Der iOSD Assistant - hier gibt es auch in Version 4 nicht viel zu tun..
Der iOSD Assistant – hier gibt es auch in Version 4 nicht viel zu tun..

Da ich während der Projektphase auf Grund immenser Inkompetenz einige Zeit dabei verloren habe, im Chaos von zuviel Isolationsklebeband die Anschlüsse von der Kamera und zum VTX zu verwechseln, habe ich jetzt mit Steckern und Beschriftungen gearbeitet und kann prinzipiell binnen weniger Augenblicke zwischen beiden OSDs wechseln .. mal schauen, welches uns auf Dauer begleiten wird.

Adapterkabel mit Beschriftungen
Adapterkabel mit Beschriftungen

Ich entschuldige mich an dieser Stelle für die suboptimalen Fotos der OSD-Darstellungen – leider ist es mir nicht gelungen mit der Spiegelreflex in die Fatshark zu fotografieren (Mindestabstand..). Auch die Darstellung mit schwarzen Rändern ist meiner derzeitigen GoPro-Einstellung geschuldet. Die Dominator erwartet eine 4:3-Darstellung, welche die GoPro z.B. im 960p-Modus auch liefert .. dann wird es aber ganz schön fischaugig.. Ich hoffe auch dieser kleine Einblick in die Welt des FPV-Flugs war lesenswert und hat vielleicht sogar Lust darauf gemacht, dass Beschriebene nachzubauen.

Copter Teil 3: Wer hoch steigt… [UPDATE]

…kann bekanntlich tief fallen. Oder: Abstürze passieren grundsätzlich nur allen anderen, aber nie uns!

Wenn man sich ein wenig zum Thema Quadropcopter, First Person View Flight und dem zugehörigen Equipment einliest, wird man relativ häufig auf die gleichen Empfehlungen stoßen:

  1. Fang mit einem gaaaaanz billigen Rahmen an. Am besten Alu-Vierkant aus dem Baumarkt .. das kann man am leichtesten ersetzen (ich persönlich würde eine Centerplate von Warthox nehmen und tatsächlich dieser Variante folgen .. oder gleich ein paar Carbonärmchen kaufen .. oder doch einen edlen und unverwüstlichen Kunstflug-Rahmen ala rOseWhite Rachel .. damit die eigene Unfähigkeit wenigstens weh tut 😉 )
  2. Kauf von allem was du brauchst Ersatz. Ein paar Regler, ein paar Motoren, ein paar Arme .. ein paar mehr Luftschrauben
  3. Übe das Fliegen in allen Modes ganz ausgiebig. Achten vorwärts (Copter mit dem Heck zum Piloten), Achten „rückwärts“ (Copter mit der Nase zum Piloten) .. taste dich an alles ran
  4. Erweitere dein Equipment nach und nach. Also am besten nach ein paar Monaten, wenn man das vorhandene Material beherrscht

Klingt alles total sinnvoll und würde ich auch jedem so empfehlen .. aber nicht jede Entscheidung im Leben ist bekanntlich rational 😉 Und da wir – durch den Gebrauchtkauf als Paket – schon mal einen CF-Klappkopter mit GPS und eine GoPro nebst Videotransmitter hatten, lag es ja recht nahe zum einen sofort mit dem Filmen anzufangen und zum anderen demnächst über die Etablierung einer Live-Verbindung zum Bild des Fliegers nachzudenken. Soweit kam es nicht.

Wie im vorherigen Beitrag schon mal angeschnitten, sollte der Copter zunächst mit einem GPS-Klappmast ausgestattet werden. 7€ aus China oder 18€ aus Deutschland? Es soll ja schnell gehen .. also lag das gute Stück wenige Tage später hier. Die Konstruktion war simpel und der Mast schnell verbaut. Er passte ideal und im umgelegten Zustand ließ sich der „Kopf“ von Bumblebee sogar zum perfekten Transport einrasten .. es hätte kaum besser sein können. In der neu angeschafften Tasche bzw. dem Koffer transportierten wir also mehrere Tage nach dem Umbau alles auf’s Feld .. mein einst locker dahin gesagter Satz „Wenn beim nächsten Mal was schief geht, wissen wir wenigstens warum..“ war vergessen.

GPS-Klappmast .. ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, damit ich die Zustände "geklappt" und "ausgeklappt" gleichzeitig zeigen kann. Dem Gewinde rechts geht es nicht mehr so gut..
GPS-Klappmast .. ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, damit ich die Zustände „geklappt“ und „ausgeklappt“ gleichzeitig zeigen kann. Dem Gewinde rechts geht es nicht mehr so gut..

Copter bei aller schönster Abendsonne ausgepackt, Mast fest verschraubt (jup, nix wackelt, alles prima), Fernbedienung an, Akku rein, Copter-Tanz (Kompass-Kalibrierung), Warten auf dauerhaft grünes Blinken der LED (GPS-Empfang von mindestens 6 Satelliten) und los geht’s. Bereits nach wenigen Augenblicken wird klar, dass der Copter massiv zu einer Seite zieht. Leider tat er das mit der Naza Lite von Anfang an (der Sache hätte man vielleicht nach gehen sollen .. aber als Anfänger ist es nicht so einfach zu beurteilen, was „works as designed“ ist und wann es sich um einen Fehler handelt). Also zur Sicherheit den asphaltierten Startplatz verlassen und aufs Feld geflogen .. gar nicht so einfach die verwirrte Hummel einigermaßen in der Luft zu halten. Nach ca. 60 Sekunden ist dann etwas passiert, was zwar nahe liegend war, aber nicht hätte passieren sollen: Der Copter begann sich leicht um seine eigene Achse zu drehen und meine liebevollen Ausgleichsbewegungen per Fernbedienung erzielten nicht mehr den gewünschten Effekt (einfach weil ich so schnell und auf die Distanz .. und auf Grund fehlender Kompetenzen nicht adäquat reagieren konnte). Man hätte jetzt vieles tun können: Failsafe auslösen, statt GPS-Mode auf Atti-Modus wechseln (fragwürdig, ob das geholfen hätte), im Feld landen, im Notfall die Motoren einfach abschalten .. aber man(n) hat sich gegen all diese tollen Optionen entschieden.

Das Gute war: Plötzlich kam der Copter wieder zu uns zurück. Das Schlechte: Er tat das ziemlich zügig und er reagierte nicht mehr auf meine Befehle (zurückblickend ist auch relativ klar, warum). So flog er ein letztes Mal in gesundem Zustand über unsere Köpfe hinweg, um dann in ca. 10m Entfernung einen Korkenzieher auf dem uns umgebenden Asphalt auszuführen. Ganz schön hässlich. Wenn man sowas hautnah miterlebt hat, gehen einem zwei Gedanken durch den Kopf: 1. Was bitte soll nach der Aktion noch übrig sein? 2. Echt eine gute Idee mit der Versicherung .. es ist nichts passiert, aber leider hätte die Situation auch anders ausgehen können.

Es kam, wie es kommen musste. Sollbruchstelle Motorhalterung
Es kam, wie es kommen musste. Sollbruchstelle Motorhalterung

Ein paar Schrecksekunden später begaben wir uns in Richtung des Wracks, welches sich im nahegelegenen Feld verstreut hatte (er hätte auch einfach ca. 3m später aufschlagen können .. wäre angenehmer gewesen). Die erste Bestandsaufnahme war absolut überraschend: Eine Stange des Landegestells gebrochen (ein eher kosmetisches Thema .. 5€), 2 Motorhalter gebrochen (jeweils 3€), vier (ja, 4) Propeller intensiv verformt (4 x 7€), GPS-Antenne vom neuen Fuß gehupft .. halb so wild .. GoPro absolut unversehrt: Ein Wunder!

Da hilft auch kein Wuchten mehr.. maximal noch als 8" Propeller ;-)
Da hilft auch kein Wuchten mehr.. maximal noch als 8″ Propeller 😉

Noch während wir die Reste unseres Flugobjekts im Auto verstauten, eilte ein Modellbaufreund herbei und erzählt uns, wie preisgünstig so ein Multicopter-Crash doch sei. Bei seinen Helis sind immer gleich 400€-700€ hin .. sehr erbauend. Kaum zu Hause angekommen begann ich mit der Suche nach Ersatzteilen im Netz (u.A. weil wir wie schon gesagt keine einzige der vier oben genannten Ratschläge beherzigt hatten) und bekämpfte die aufkommende Frustration vor dem Hintergrund dieses Wochenende eher keinen Flug mehr machen zu können (der Crash erfolgte gegen 20:00 Uhr an einem Freitag).

Was soll ich sagen .. durch einen unglaublich netten Händler hier direkt um die Ecke (und eine noch unglaublichere Ehefrau) hatte ich schon am Samstag um 14:00 Uhr alle erforderlichen Ersatzteile in der Hand 🙂 Bei den Propellern konnte ich sogar auf Bestandware zurückgreifen, da ich hier vor Kurzem ein „kleines“ Set aus ca. 20 Teilen günstig erstanden hatte – so durfte ich dann auch meine Propellerwuchtmaschine zusammenbauen und ausprobieren 🙂 Als ich uns kurz vor dem Ziel glaubte (d.h. Copter fast völlig zerlegt, Ausleger abgebaut, Motorhalter demontiert, ESCs demontiert), passierte das, was eigentlich nicht passieren darf: Es fehlte an einem Stück Draht (Kabel). Aber dieses Problem hatten ja schon die mutigen Helden bei „Das Boot“. Unglaublicherweise setzt man im Modellbau übrigens keine normale Litze ein .. nein, nein, um die beengten Biegeradien problemlos abbilden zu können, kommt gutes (weiches) Silikonkabel zum Einsatz. Hat kein Baumarkt, auch wenn wir bei drei verschiedenen vorstellig wurden. Das als Notfallersatz gekaufte Lautsprecherkabel (nicht lachen .. der Querschnitt war echt gut und es war definitiv eine nahe liegendere Wahl als das Halogenspannseil, das Dani zuerst ausgesucht hatte) wollte jedenfalls auf Biegen und Brechen nicht durch unser Carbon-Ärmchen. Ende. Aus. Der Traum vom Fliegen auf Montag verschoben.

Dr. Copter am Werk
Dr. Copter am Werk

An diesem traf ich mich erneut mit unserem neuen besten Freund, dem Händler aus der Gegend, welcher glücklicherweise fast „nebenan“ arbeitet. Also konnte es Montag Abend endlich mit der Reparatur weitergehen. Es wurde gelötet, geschrumpft, geschimpft, genörgelt .. und irgendwann auch wieder zusammen gebaut. Dabei mussten wir feststellen, dass die GPS-Antenne einen kleinen Riss am Gehäuse abbekommen hat und das Gewinde des guten Klappmasts auch aufgegeben hat .. nun ja, jedes große Projekt fordert Opfer.

Trotz alledem konnten wir am darauf folgenden Dienstag wieder Starten. Wir wählten eine große, frisch gemähte Wiese aus .. relativ abseits, windgeschützt, weich wie ein überdimensionales Bällchenbad .. was könnte es Besseres geben. Es war so toll, dass sogar Dani ihren Erstflug unternahm. Der Copter neigte zwar beim Starten immernoch dazu zur Seite zu driften, aber sonst flog er sich wirklich prima. Allein: Das GPS wollte einfach nicht genügend Satelliten finden (soll es aber manchmal geben). Um an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail zu gehen: Es war mitnichten alles toll. In den kommenden Tagen häuften sich die Probleme: Der Kompass ließ sich nicht kalibrieren, der GPS-Empfang brach immer mal wieder ab, mitten im Flug wechselte der Copter vom GPS in den Atti-Mode .. alles nicht so toll 🙁 Irgendwann war klar: Die Antenne muss es wohl doch erlebt haben. Preis der GPS-Antenne: 150€. Preis einer NAZA V2 mit GPS-Antenne: Ca. 230€. Da es mich schon die ganze Zeit gestört hat auf Software-Version 1.0 bleiben zu müssen, während die „richtige“ NAZA aktuell auf 4.02 ist, habe ich mich nach längerem Hadern zum Kauf der neuen Flugsteuerung entschieden. Ich habe auch längere Zeit über Alternativen ala APM (Ardu Pilot Mega) oder Naze32 nachgedacht, dann jedoch beschlossen, dass erstmal kurzfristige Erfolgserlebnisse her müssen (nur vertagt, nicht vergessen).

Selbstsicher sind die Leute bei DJI schon mal..
Selbstsicher sind die Leute bei DJI schon mal..

So verbrachten wir weitere ca. 12h damit unseren Copter erneut grundlegend umzubauen. Die Plasti-Dip-Lötorgie des Vorbesitzers wurde entfernt und durch ein schönes Powerdistribution-Board ersetzt .. so ist der Copter gleich viel aufgeräumter. Außerdem haben wir alle Kabel neu verlegt und die Anordnung der Teile auf der Centerplate entsprechend optimiert .. alles sehr schön so und es gibt einem ein gutes Gefühl das Fluggerät nun soviel besser zu kennen.

Links: Innenleben vor dem Umbau. Rechts: Powerdistributionboard noch vor der Versiegelung durch Heißkleber
Links: Innenleben vor dem Umbau. Rechts: Powerdistributionboard noch vor der Versiegelung durch Heißkleber

Die größte Krux ist beim Bumblebee übrigens (zumindest aus meiner Sicht) die herausfordernde Fingerübung, welcher man sich stellen muss, wenn man die Centerplate abnehmen bzw. wieder montieren will. Die klappbaren Ausleger sind nämlich mit der oberen und unteren Centerplate verschraubt, so dass – sobald man eben jene vier Bolzen entfernt – der ganze Copter auseinanderfällt. Beim Zusammenbau muss man hier also schon ziemlich viele Dinge „zusammenbringen“, damit die Konstruktion wieder vervollständigt werden kann.

Gänzlich unverbaute Centerplate - in der Mitte kann man die vier besagten Bolzen gut erkennen
Gänzlich unverbaute Centerplate – in der Mitte kann man die vier besagten Bolzen gut erkennen. Außerdem sieht man den XT60-Stecker, bei dessen Kauf ich beim Überfahren einer roten Ampel (unschuldig, da Demo) geblitzt wurde. Andere Geschichte.

Der geneigte Leser fragt sich an dieser Stelle vielleicht was überhaupt passiert ist, als der Copter so unsanft zur multiplen Asphalt-Rolle angesetzt hat. Eben jene Frage hat mich auch einige Stunden zur Verzweiflung getrieben, bevor mir die Antwort dann bei nochmaliger Sichtung der NAZA Assistant Software aufgefallen ist: „The main label on the GPS should face the sky and the arrow point to the nose direction of the multi-rotor.“ – mit anderen Worten: Da ist ein kleiner Pfeil auf der GPS-Antenne … zufällig genau da, wo das Kabel aus der Antenne kommt .. und der sollte nach VORN zeigen. Wir haben das Kabel (unter völliger Nichtbeachtung des Pfeils .. den hatte ich bis dahin nicht mal entdeckt) jedoch so montiert, dass es sich möglichst leicht verlegen ließ. Tja .. Lernen durch Schmerz und Lernen durch Lehrgeld – was soll’s.

Neu aufgebauter Copter von hinten betrachtet (Erklärungen siehe Text)
Neu aufgebauter Copter von hinten betrachtet (Erklärungen siehe Text)

[Erklärung zum Bild für Interessierte: Das orange Teil links ist die NAZA V2, also die Flugsteuerung. Diese sollte eigentlich im CoG, dem Center of Gravity (Schwerpunkt) sitzen und ist daher auf diesem Bild falsch montiert. Wichtig ist übrigens die NAZA mit wenig dämpfendem, doppelseitigen Klebeband zu verbauen (bzw. die mitgelieferten Pads zu verwenden), da bei der Verwendung von Klettband durch die zusätzliche Absorption Störungen auftreten können. Hinten mittig befindet sich der X8R-Empfänger von FrSky für die Fernbedienung. Seine zwei Antennen sollten eigentlich im 90°-Winkel zueinander stehen, aber ich will keine Reichweitenrekorde erzielen. Das Empfänger ist via SBUS / DBUS mit der NAZA verbunden und benötigt daher nur ein Servo-Kabel (über das er gleichzeitig mit Strom versorgt wird). Rechts mittig auf Centerplate klebt die sogenannte Power Management Unit (PMUv2), welche an den Akku (bzw. das Powerboard) angeschlossen ist und die richtige Spannung zur Versorgung der NAZA bereitstellt. Außerdem hat die PMU einen CAN-Bus-Hub integriert, an welchen weitere Module wie z.B. ein Gimbal oder ein OSD von DJI angeschlossen werden kann. Ganz in der Mitte thront die GPS/Kompass-Einheit auf ihrem kleinen Mast – man beachte übrigens den oben angesprochenen Pfeil, welcher genau nach vorn zeigen muss]

Ein schneller Schnappschuss aus der GoPro. Qualitätstechnisch nicht ideal, aber aus Sicht der Stimmung schön
Ein schneller Schnappschuss aus der GoPro. Qualitätstechnisch nicht ideal, aber aus Sicht der Stimmung schön

An dieser Stelle muss ich übrigens leider etwas traurig schließen: Zwar fliegt der Copter mit der NAZA V2 generell richtig toll (sehr präzise steuerbar, sehr stabil in der Luft, sehr beherrschbares Startverhalten), hat jedoch nach wie vor ein Problem. Während das Quad mit der NAZA Lite beim schnellen Vorwärtsflug tendenziell durchgesackt ist (so geht es den meisten Benutzern im Netz), fliegt unser Bumblebee schnurgerade .. um dann am Ende der horizontalen Flugbewegung massiv an Höhe zu gewinnen. Sprich: Schnelles Fliegen nach vorn (bei langsamen Bewegungen tritt der Effekt nur ganz leicht auf), plötzliches Loslassen des rechten Sticks, Copter bringt sich in neutrale Lage .. aber setzt den Schub eifrig nach oben um. Um dies zu beheben, habe ich bisher intensiv an den Gains für Pitch und Vertical geschraubt (Remote Gain Adjust sei Dank .. später mehr dazu), was jedoch nicht wirklich geholfen hat. Als nächstes sind die Attitude Gains dran und abschließend werde ich prüfen, ob es einen Effekt hat, wenn die NAZA wirklich perfekt mittig und nicht ca. 3cm links vom Schwerpunkt ist (ist aktuell der Fall). Hoffentlich erreichen wir dann endlich ein (nahezu) perfektes Flugverhalten.. so langsam hätten wir es uns verdient 😉

Zum Abschluss nun noch ein paar bewegte Bilder des Malheurs – viel Vergnügen!

[hana-flv-player video=“http://slashho.me/wp-content/uploads/2014/06/BB_CRASH.mp4″ width=“700″ height=“autow“ description=““ player=“6″ autoload=“false“ autoplay=“false“ loop=“false“ autorewind=“false“ /]

Update vom 07.06.2014:

Egal wie wir die Gains eingestellt haben .. so wirklich etwas gebracht hat das leider nicht. Aaaaaber im Rahmen der geplanten „Reorganisation“ der Centerplate haben wir den Copter nochmals im Detail hinsichtlich des Schwerpunkts betrachtet. Dabei stellte sich heraus, dass der Quad leider gänzlich aus dem Gleichgewicht war. Egal wie stark wir den Gimbal an der Vorderseite verschoben haben, kaum hing das Flugobjekt an einem Seil, wollte es unbedingt nach vorn kippen. Dieser Situation konnten wir Herr werden, in dem wir die Akku-Halterung zumindest zur Hälfte noch hinter das hintere Landegestell verschoben haben, so dass der Copter jetzt nahezu 100%ig ausbalanciert ist – wie ein guter Sportwagen halt 😉

Links im Bild (dort wo der Bumblebee-Strap dran hängt) sieht man die neue Position des Akku-Halters - deutlich besser
Links im Bild (dort wo der Bumblebee-Strap dran hängt) sieht man die neue Position des Akku-Halters – deutlich besser

Die NAZA ist in diesem Zusammenhang nun auch wie geplant perfekt in den Mittelpunkt gewandert und hat den ehemaligen Platz der GPS-Antenne eingenommen. Diese wiederum residiert jetzt (mit dem Pfeil nach vorn..) am Heck, was wir auch in der Software entsprechend eingetragen haben. Nach einem nochmaligen Ausflug aufs Feld nebst Copter-Dance (Kompass-Kalibrierung nach Umbau des Fluggeräts) kann ich nun endlich sagen: Der Copter fliegt das allererste Mal so, wie wir es uns von Anfang an erhofft haben. Ich kann nicht genau sagen, ob es am Montagepunkt der NAZA lag; das starke Ungleichgewicht war auf jeden Fall ein sehr großes Problem. Jetzt kann es hoffentlich mit unbeschwertem FPV-Flug weitergehen..

NAZA jetzt direkt im Schwerpunkt, GPS-Antenne am Heck. Jetzt muss ein neuer Bumblee-Kopf her..
NAZA jetzt direkt im Schwerpunkt, GPS-Antenne am Heck. Jetzt muss ein neuer Bumblebee-Kopf her..

Copters Erstflug .. und dann?

Nachdem der erste Flug mit dem Copter erfolgreich absolviert wurde, ergab sich natürlich die Frage: Und jetzt?

„Zum Glück“ hielt gleich die erste Eroberung des bodennahen Luftraums soviel Optimierungspotential bereit, dass keine Langweile aufkommen sollte. Ich fange einfach mal an zu erzählen und schaue, wie weit wir in einem Beitrag kommen. Falls inhaltlich nicht alles schlüssig sein sollte, entschuldige ich mich im Vorhinein .. auch Stand heute ist beim Copter quasi sehr viel im Umbruch.

Problem #1: Die Hummel ist angetrunken und hat keine Lust auf schnelle Bewegung

In der Tat hat sich während unseres Erstflugs herausgestellt, dass der Vorbesitzer des Bumblebees entweder keinen Spaß an dem Multicopter hatte oder – um uns den Spaß nicht zu nehmen – die meisten Einstellungen in der NAZA (Flugsteuerung)-Parametrisierung auf Standard zurückgesetzt hat. Einzig der Montagepunkt der Einheit außerhalb des Schwerpunkts war noch mehr oder minder korrekt eingemessen (was mich irrtümlich glauben ließ, alles sei liebevoll und fertig eingestellt). Wie sich also herausstellte, blieb der Copter zwar in der Luft, reagierte auf Änderungen (vor allem hinsichtlich der vertikalen Achse) enorm träge. Dies äußerte sich darin, dass Dani mehr als 1x „Hochziehen, hochziehen“ forderte und neben einem profimäßig wirkenden Tiefflug durch das Gras auch mindestens ein etwas unsanfter Bodenkontakt zu verzeichnen war. Kein Problem, dieser Störung sollte man eigentlich durch Anpassung der sogenannte Gain-Werte (diese geben an, wie intensiv der Copter auf Veränderungen an seiner Lage reagiert) Herr werden können. Blöde Sache: Ich wollte keinen Kanal der Fernbedienung für die sog. Ferneinstellung (Remote Gain Adjustment) opfern und entschied mich daher Empfehlungen aus dem Internet zu folgen (was der Einstellbarkeit während des Flugs quasi sofort ein Ende setzt). Dies hat die Situation deutlich verbessert, aber immer noch zu keinem perfekten Ergebnis geführt (Sticks loslassen .. 5 – 10 Sekunden warten, dann steht der BB irgendwann still). Wenn er still steht, steht er aber sehr stabil 😉

NAZA-M Lite Assistant - Hauptbildschirm mit Darstellung der neuen Gains. Unten sieht man übrigens sehr schön die aktuell von der Fernbedienung erhaltenen Steuerwerte
NAZA-M Lite Assistant – Hauptbildschirm mit Darstellung der neuen Gains. Unten sieht man übrigens sehr schön die aktuell von der Fernbedienung erhaltenen Steuerwerte

Problem #2: Der Gimbal arbeitet alles andere als filigran

Eine weitere Eigenart, die mir beim Schneiden des ersten Videos sehr negativ aufgefallen ist, waren die sehr abrupten Reaktionen des Gimbals. Das ist übrigens das Teil, welches vorn am Copter hängt und die Nickbewegungen desselben ausgleicht, so dass die Kamera prinzipiell immer auf den Horizont zeigt bzw. in Neutrallage bleibt. Nebenbei kann man den Gimbal auch noch manuell (über die Fernbedienung) neigen, so dass man die Kamera wunschweise z.B. 90° nach unten ausrichten kann. Auch diese Herausforderung war hausgemacht, hatte ich doch die Update-Frequenz des zuständigen Servos in der NAZA Software aus Versehen zu gering eingestellt. Außerdem beklagten sich im Netz noch andere Bumblebee-Besitzer über die mechanische Grobschlächtigkeit der Kamera-Halterung, weshalb ich mich kurzer Hand dazu entschloss den Antrieb derselben gegen einen Servo vom Typ MG90s auszutauschen. Ein paar verknotete Finger und den Kauf eines Feinmechaniker-Werkzeugsets später war auch dies erledigt und der Gimbal tut seit dem deutlich besser seinen Dienst. An die Qualität und Geschwindigkeit einer Brushless-Variante reicht er natürlich noch nicht heran (und außerdem ist nur 1 Achse stabilisiert), aber man muss ja noch Wünsche haben!

Carbon-Gimbal mit neuem Servo. Nachteil: Nur eine Achse stabilisiert. Vorteil: Leicht.
Carbon-Gimbal mit neuem Servo. Nachteil: Nur eine Achse stabilisiert. Vorteil: Leicht.

Problem #3: Transport

Führt man sich vor Augen, was für einen einigermaßen sorgenfreien Copter-Flug alles benötigt wird, kann man schon ganz schön nervös werden: Lipo-Tasche, Lipos, Lipo-Summer, Fernbedienung, Gimbal (falls nicht am Copter montiert), Propeller (falls nicht am Copter montiert), Steckschlüssel zur Montage der Propeller, GoPro, Fernbedienung, Nackenband für die Fernbedienung, Versicherungsunterlagen .. und vielleicht noch ein paar Ersatzluftschrauben. Später könnten noch so Kleinigkeiten wie FPV-Monitor bzw. FPV-Brille, Antennen, zweite Fernbedienung, Lehrer-Schüler-Kabel und Ersatzlipos dazu kommen .. also eine ganze Menge Kram. Für den Erstflug zogen wir noch mit Ikea-Tasche, Mut und viel Optimismus los .. aber das konnte ja kein Dauerzustand sein.

Möbelhaus-Tourist auf Abwegen..
Möbelhaus-Tourist auf Abwegen..

Bei der Suche nach einer adäquaten Transportmöglichkeit stellte uns insbesondere der Bumblebee vor größere Herausforderungen: Zusammengeklappt ist er nur ca. 12cm hoch, aber dafür rund 70cm lang und 40cm breit .. falls man nicht gerade einen Koffer speziell fertigen lassen möchte, wird es hier also ziemlich schwierig. Zu sagen das wir tagelang nach möglichen Taschen gesucht haben, wäre eine Untertreibung. Von Futeralen für Angel-Ruten über diverse Instrumententaschen (Keyboard? Zu lang. Midi-Keyboard? Zu klein) bishin zu Taschen für Snowblades / Kindersnowboards haben wir das Internet nach wirklich allem abgegrast. Die Lösung fand Dani nach vielen Stunden in Form eines Nylon-Transportbehältnisses für Orchester-Notenständer mit optimalen Abmessungen und nebenbei gesagt sehr preisattraktiv (12€ plus Versand glaube ich).

Tasche von außen
Tasche von außen
Tasche mit Copter - absolut passgenau!
Tasche mit Copter – absolut passgenau!

Ähnlich schwer taten wir uns (etwas unerwartet) beim Thema Koffer für den Rest. Nicht zu schwer sollte er sein, nicht zu groß, gepolstert, variabel aufteilbar .. na und irgendwann kamen auch noch die Anforderung wertig und modern hinzu. Meine Vorstellung vom günstigen Alu-Koffer schwand zusehends dahin und eine größere Vergleichsmatrix in Excel später verdichteten sich die Hinweise, dass ein Produkt aus Kunststoff unser Favorit werden sollte. Auch hier war es wirklich enorm schwer die üblichen Verdächtigen von Pelicase, B&W etc. gegeneinander abzuwägen und die Balance aus Größe, Außenmaß und Transportvolumen ideal zu treffen. Insbesondere den „Volumenverlust“ durch die Schaumstoffpolsterung sollte man hierbei nicht unterschätzen (teilweise mehrere Zentimeter  an den Rändern!) und sich zudem Gedanken dazu machen, wie viel Platz – insbesondere in der Höhe – die untere Kofferschale bieten muss. Der Deckel erfüllt quasi nur noch eine fixierende Funktion und kann selbst eigentlich gar keinen Stauraum mehr bieten. Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen orderten wir schließlich einen Koffer von B&W vom noch recht jungen Typ 4000 in der Ausführung „SI“, d.h. mit Schaumstoffeinlagen in Würfelform. Laut den Fotos hat der Vorgänger B&W Type 40 übrigens eine Einbuchtung im Bereich des Griffs und verliert daher nochmals ein paar Kubikzentimeter an Stauraum – beim 4000er ist diese Kante gerade.

Abmessungstechnisch eine Punktlandung
Abmessungstechnisch eine Punktlandung – und mit rund 2,2kg noch angenehm leicht

Um es an dieser Stelle nicht zu spannend zu machen: Der Koffer ist kleiner als gedacht, nimmt trotzdem alles auf was wir benötigen und ist optisch und haptisch ein absolutes Highlight. Allein die Schnappverschlüsse zur Öffnung lassen sich extrem intuitiv lösen, verschließen den Koffer aber gleichzeitig bombenfest (wasserdicht). Die Schaumstoffeinlage umfasst drei Lagen und lässt sich ebenfalls sehr gut anpassen, setzt jedoch entsprechende geistige Vorarbeit voraus. Wir haben beim Tetris-spielen vermutlich nicht weit genug gedacht und aktuell einen kleinen Fauxpas gepuzzelt (teilweise muss der mittlere Schaumstofflayer entnommen werden, um an alle Lipos zu kommen) , aber auch hier muss man ja immer noch Raum für Verbesserungen lassen 😉

Schon chic!
Schon chic!
Wahrlich kein meisterhaftes Foto .. aber zur Illustration reicht es hoffentlich
Wahrlich kein meisterhaftes Foto .. aber zur Illustration reicht es hoffentlich

Ansonsten können wir das gesamte Flugzubehör jetzt  optisch unauffällig und sehr gut organisiert binnen kürzester Zeit mobilisieren und haben dann die Gewissheit auch alles Wichtige dabei zu haben. Eine weitere Optimierung bestünde übrigens darin die GPS-Antenne des Copters klappbar zu machen, damit er in der Höhe weitere 1-2cm verliert (er passt zwar auch so in die Tasche, aber dann wäre die Raumnutzung noch idealer). Das haben wir sogar schon mal getan .. mit unerwartet fatalen Konsequenzen – dazu später mehr an gewohnter Stelle.

Ich denke für einen übergreifenden Beitrag reicht das erstmal .. nach nun rund einem Monat Quadrocopter gibt es aber noch viele andere Dinge zum Thema FPV, OSD, Reparaturen und Fernbedienungen zu berichten .. es bleibt spannend.

Bis zum Horizont - und noch viel weiter!
Bis zum Horizont – und noch viel weiter!

An dieser Stelle auch nochmals vielen vielen lieben Dank an den familiären Spender des genialen B&W Koffers!