Copters Erstflug .. und dann?

Nachdem der erste Flug mit dem Copter erfolgreich absolviert wurde, ergab sich natürlich die Frage: Und jetzt?

„Zum Glück“ hielt gleich die erste Eroberung des bodennahen Luftraums soviel Optimierungspotential bereit, dass keine Langweile aufkommen sollte. Ich fange einfach mal an zu erzählen und schaue, wie weit wir in einem Beitrag kommen. Falls inhaltlich nicht alles schlüssig sein sollte, entschuldige ich mich im Vorhinein .. auch Stand heute ist beim Copter quasi sehr viel im Umbruch.

Problem #1: Die Hummel ist angetrunken und hat keine Lust auf schnelle Bewegung

In der Tat hat sich während unseres Erstflugs herausgestellt, dass der Vorbesitzer des Bumblebees entweder keinen Spaß an dem Multicopter hatte oder – um uns den Spaß nicht zu nehmen – die meisten Einstellungen in der NAZA (Flugsteuerung)-Parametrisierung auf Standard zurückgesetzt hat. Einzig der Montagepunkt der Einheit außerhalb des Schwerpunkts war noch mehr oder minder korrekt eingemessen (was mich irrtümlich glauben ließ, alles sei liebevoll und fertig eingestellt). Wie sich also herausstellte, blieb der Copter zwar in der Luft, reagierte auf Änderungen (vor allem hinsichtlich der vertikalen Achse) enorm träge. Dies äußerte sich darin, dass Dani mehr als 1x „Hochziehen, hochziehen“ forderte und neben einem profimäßig wirkenden Tiefflug durch das Gras auch mindestens ein etwas unsanfter Bodenkontakt zu verzeichnen war. Kein Problem, dieser Störung sollte man eigentlich durch Anpassung der sogenannte Gain-Werte (diese geben an, wie intensiv der Copter auf Veränderungen an seiner Lage reagiert) Herr werden können. Blöde Sache: Ich wollte keinen Kanal der Fernbedienung für die sog. Ferneinstellung (Remote Gain Adjustment) opfern und entschied mich daher Empfehlungen aus dem Internet zu folgen (was der Einstellbarkeit während des Flugs quasi sofort ein Ende setzt). Dies hat die Situation deutlich verbessert, aber immer noch zu keinem perfekten Ergebnis geführt (Sticks loslassen .. 5 – 10 Sekunden warten, dann steht der BB irgendwann still). Wenn er still steht, steht er aber sehr stabil 😉

NAZA-M Lite Assistant - Hauptbildschirm mit Darstellung der neuen Gains. Unten sieht man übrigens sehr schön die aktuell von der Fernbedienung erhaltenen Steuerwerte
NAZA-M Lite Assistant – Hauptbildschirm mit Darstellung der neuen Gains. Unten sieht man übrigens sehr schön die aktuell von der Fernbedienung erhaltenen Steuerwerte

Problem #2: Der Gimbal arbeitet alles andere als filigran

Eine weitere Eigenart, die mir beim Schneiden des ersten Videos sehr negativ aufgefallen ist, waren die sehr abrupten Reaktionen des Gimbals. Das ist übrigens das Teil, welches vorn am Copter hängt und die Nickbewegungen desselben ausgleicht, so dass die Kamera prinzipiell immer auf den Horizont zeigt bzw. in Neutrallage bleibt. Nebenbei kann man den Gimbal auch noch manuell (über die Fernbedienung) neigen, so dass man die Kamera wunschweise z.B. 90° nach unten ausrichten kann. Auch diese Herausforderung war hausgemacht, hatte ich doch die Update-Frequenz des zuständigen Servos in der NAZA Software aus Versehen zu gering eingestellt. Außerdem beklagten sich im Netz noch andere Bumblebee-Besitzer über die mechanische Grobschlächtigkeit der Kamera-Halterung, weshalb ich mich kurzer Hand dazu entschloss den Antrieb derselben gegen einen Servo vom Typ MG90s auszutauschen. Ein paar verknotete Finger und den Kauf eines Feinmechaniker-Werkzeugsets später war auch dies erledigt und der Gimbal tut seit dem deutlich besser seinen Dienst. An die Qualität und Geschwindigkeit einer Brushless-Variante reicht er natürlich noch nicht heran (und außerdem ist nur 1 Achse stabilisiert), aber man muss ja noch Wünsche haben!

Carbon-Gimbal mit neuem Servo. Nachteil: Nur eine Achse stabilisiert. Vorteil: Leicht.
Carbon-Gimbal mit neuem Servo. Nachteil: Nur eine Achse stabilisiert. Vorteil: Leicht.

Problem #3: Transport

Führt man sich vor Augen, was für einen einigermaßen sorgenfreien Copter-Flug alles benötigt wird, kann man schon ganz schön nervös werden: Lipo-Tasche, Lipos, Lipo-Summer, Fernbedienung, Gimbal (falls nicht am Copter montiert), Propeller (falls nicht am Copter montiert), Steckschlüssel zur Montage der Propeller, GoPro, Fernbedienung, Nackenband für die Fernbedienung, Versicherungsunterlagen .. und vielleicht noch ein paar Ersatzluftschrauben. Später könnten noch so Kleinigkeiten wie FPV-Monitor bzw. FPV-Brille, Antennen, zweite Fernbedienung, Lehrer-Schüler-Kabel und Ersatzlipos dazu kommen .. also eine ganze Menge Kram. Für den Erstflug zogen wir noch mit Ikea-Tasche, Mut und viel Optimismus los .. aber das konnte ja kein Dauerzustand sein.

Möbelhaus-Tourist auf Abwegen..
Möbelhaus-Tourist auf Abwegen..

Bei der Suche nach einer adäquaten Transportmöglichkeit stellte uns insbesondere der Bumblebee vor größere Herausforderungen: Zusammengeklappt ist er nur ca. 12cm hoch, aber dafür rund 70cm lang und 40cm breit .. falls man nicht gerade einen Koffer speziell fertigen lassen möchte, wird es hier also ziemlich schwierig. Zu sagen das wir tagelang nach möglichen Taschen gesucht haben, wäre eine Untertreibung. Von Futeralen für Angel-Ruten über diverse Instrumententaschen (Keyboard? Zu lang. Midi-Keyboard? Zu klein) bishin zu Taschen für Snowblades / Kindersnowboards haben wir das Internet nach wirklich allem abgegrast. Die Lösung fand Dani nach vielen Stunden in Form eines Nylon-Transportbehältnisses für Orchester-Notenständer mit optimalen Abmessungen und nebenbei gesagt sehr preisattraktiv (12€ plus Versand glaube ich).

Tasche von außen
Tasche von außen
Tasche mit Copter - absolut passgenau!
Tasche mit Copter – absolut passgenau!

Ähnlich schwer taten wir uns (etwas unerwartet) beim Thema Koffer für den Rest. Nicht zu schwer sollte er sein, nicht zu groß, gepolstert, variabel aufteilbar .. na und irgendwann kamen auch noch die Anforderung wertig und modern hinzu. Meine Vorstellung vom günstigen Alu-Koffer schwand zusehends dahin und eine größere Vergleichsmatrix in Excel später verdichteten sich die Hinweise, dass ein Produkt aus Kunststoff unser Favorit werden sollte. Auch hier war es wirklich enorm schwer die üblichen Verdächtigen von Pelicase, B&W etc. gegeneinander abzuwägen und die Balance aus Größe, Außenmaß und Transportvolumen ideal zu treffen. Insbesondere den „Volumenverlust“ durch die Schaumstoffpolsterung sollte man hierbei nicht unterschätzen (teilweise mehrere Zentimeter  an den Rändern!) und sich zudem Gedanken dazu machen, wie viel Platz – insbesondere in der Höhe – die untere Kofferschale bieten muss. Der Deckel erfüllt quasi nur noch eine fixierende Funktion und kann selbst eigentlich gar keinen Stauraum mehr bieten. Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen orderten wir schließlich einen Koffer von B&W vom noch recht jungen Typ 4000 in der Ausführung „SI“, d.h. mit Schaumstoffeinlagen in Würfelform. Laut den Fotos hat der Vorgänger B&W Type 40 übrigens eine Einbuchtung im Bereich des Griffs und verliert daher nochmals ein paar Kubikzentimeter an Stauraum – beim 4000er ist diese Kante gerade.

Abmessungstechnisch eine Punktlandung
Abmessungstechnisch eine Punktlandung – und mit rund 2,2kg noch angenehm leicht

Um es an dieser Stelle nicht zu spannend zu machen: Der Koffer ist kleiner als gedacht, nimmt trotzdem alles auf was wir benötigen und ist optisch und haptisch ein absolutes Highlight. Allein die Schnappverschlüsse zur Öffnung lassen sich extrem intuitiv lösen, verschließen den Koffer aber gleichzeitig bombenfest (wasserdicht). Die Schaumstoffeinlage umfasst drei Lagen und lässt sich ebenfalls sehr gut anpassen, setzt jedoch entsprechende geistige Vorarbeit voraus. Wir haben beim Tetris-spielen vermutlich nicht weit genug gedacht und aktuell einen kleinen Fauxpas gepuzzelt (teilweise muss der mittlere Schaumstofflayer entnommen werden, um an alle Lipos zu kommen) , aber auch hier muss man ja immer noch Raum für Verbesserungen lassen 😉

Schon chic!
Schon chic!
Wahrlich kein meisterhaftes Foto .. aber zur Illustration reicht es hoffentlich
Wahrlich kein meisterhaftes Foto .. aber zur Illustration reicht es hoffentlich

Ansonsten können wir das gesamte Flugzubehör jetzt  optisch unauffällig und sehr gut organisiert binnen kürzester Zeit mobilisieren und haben dann die Gewissheit auch alles Wichtige dabei zu haben. Eine weitere Optimierung bestünde übrigens darin die GPS-Antenne des Copters klappbar zu machen, damit er in der Höhe weitere 1-2cm verliert (er passt zwar auch so in die Tasche, aber dann wäre die Raumnutzung noch idealer). Das haben wir sogar schon mal getan .. mit unerwartet fatalen Konsequenzen – dazu später mehr an gewohnter Stelle.

Ich denke für einen übergreifenden Beitrag reicht das erstmal .. nach nun rund einem Monat Quadrocopter gibt es aber noch viele andere Dinge zum Thema FPV, OSD, Reparaturen und Fernbedienungen zu berichten .. es bleibt spannend.

Bis zum Horizont - und noch viel weiter!
Bis zum Horizont – und noch viel weiter!

An dieser Stelle auch nochmals vielen vielen lieben Dank an den familiären Spender des genialen B&W Koffers!

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