Mit dem Audi A6 Allroad nach Dänemark

Es ist dieses Gefühl von Freiheit, von Auszeit, davon etwas Außergewöhnliches zu tun, dass einen packt, wenn man zu später Stunde nach einem langen Arbeitstag irgendwo in Deutschland unterwegs ist. Bei wenig Verkehr, guter Musik, einsetzendem Sonnenuntergang und mit einem Kofferraum voller Gepäck stellt sich schnell die positive Vorahnung auf Urlaub, darauf ein paar Tage etwas ganz anderes zu sehen und zu tun, ein.

Urlaub am Horizont..
Urlaub am Horizont..

Dieses Jahr sollte uns unser kurzes Sommerintermezzo nach dreijähriger Pause erneut nach Dänemark zum Hochseeangeln führen .. und um einer eher anstregenden Reise im MINI John Cooper Works Roadster (spätestens nach 300km hat man das Gefühl, dass diverse Körperteile keinen Meter mehr sitzen wollen) oder unserem Audi TTRS zu entgehen und außerdem das notwendige Transportvolumen zur Verfügung zu haben, begaben wir uns nach reiflicher Überlegung in die Hände von Europcar. Da SIXT ja eher für seine Mietobjekte aus München bekannt ist (und wir diese ja schon zur Genüge bewegt haben) und andere Autovermietungen eher wenig spannend sind (persönliche Erfahrungen verbieten Hertz, Avis war von den Konditionen her nicht spannend, Enterprise in der avisierten Kategorie auch nicht) stellte sich der renommierte Anbieter aus Hamburg recht schnell als Favorit heraus.

Bei der Abwägung „Hoffnung auf Upgrade“ vs. Gewissheit entschieden wir uns letztendlich vor dem Hintergrund der vergleichsweise langen Mietdauer (10 Tage) für Gewissheit und buchten einen Audi A6 Avant oder ähnlich (LWAR). Wenige Stunden später wurde die Reservierung bestätigt und so begann das Warten auf den Beginn des Urlaubs und die Gewissheit darüber, welches Fahrzeug wir letztendlich erhalten würden. Mobilitätspuristen würden jetzt sicherlich sagen „Ist doch egal .. hauptsache irgendetwas Großes, mit dem man von A nach B kommt“ – aber diese Haltung konnte ich leider (?) noch nie in mir entdecken 😉 Also wurde fleißig gegoogled und heraus kam mehr oder minder die Gewissheit, dass es entweder ein relativ mager ausgestatteter A6, ein gut ausgestatteter A6, ein E-Klasse T-Modell oder – sozusagen im Best Case – ein A6 Allroad werden könnte. Telefonisch konnte uns die Station auch 24h vor Mietbeginn noch in keinster Weise weiterhelfen, so wir uns einfach überraschen lassen mussten.

Am Tag unseres Urlaubsbeginns ging dann alles ganz schnell: Arbeitstag beenden, noch kurz die letzten Besorgungen erledigen und dann schnell zu Europcar. Die Station war nahezu komplett leer gefegt, so dass im Prinzip sofort klar war, dass der einzige in Frage kommende Wagen auf dem Platz unser sein musste – ein schwarzer Audi A6 Allroad. Erster Kommentar von Dani: „Was für hässliche Felgen.“. Vor dem Hintergrund der möglichen Alternativen waren meine Gedanken zugegebenermaßen etwas positiver und so störten mich die Winterfelgen mit Winterreifen bei 26°C eher weniger. Rasch waren die notwendigen Formalitäten erledigt und bereits nach wenigen Minuten verließen wir den Parkplatz der Europcar Niederlassung. Schon nach dem Öffnen der Tür war klar, dass mit Ausstattung hier nicht gespart wurde. BOSE, Abstandstempomat, LED-Scheinwerfer, abblendbare Innen- und Außenspiegel, MMI+, Keyless Go, automatische Heckklappenbetätigung, Glasschiebedach, 3.0L TDI, Standheizung .. Herz was willst du mehr.

Unser Begleiter für den "Roadtrip"
Unser Begleiter für den „Roadtrip“

Beim Einparken in die heimische Einfahrt bemerkte ich anschließend das Vorhandensein der Rückfahrkamera – ebenfalls sehr hilfreich bei einem Fahrzeug mit diesen Abmessungen. An diesem Punkt muss ich übrigens gestehen, dass der Umstieg vom TT (mit Stronic) auf den A6 (ebenfalls mit Stronic) zumindest auf den ersten Metern ein wenig „spannend“ war. Beim Anfahren hatte ich das Gefühl, dass das Getriebe erst noch prüfen würde, ob es wirklich Lust darauf hatte sich in Bewegung zu setzen, während ich bei der ersten Bremsung spontan befürchtete, die Verzögerung würde gar nicht mehr einsetzen. Anders gesagt: das Fahrgefühl meines „Daily Drivers“ könnte kaum stärker von dem des A6 Avants abweichen. Diese doch recht irritierende (wenngleich nicht unerwartete) Erfahrung trat jedoch recht schnell in den Hintergrund; Fuß, Hand und Kopf gewöhnten sich an den Lastenesel.

Okay, ein wenig dramatisch - aber der Auftritt des Allroad ist durchaus bemerkenswert
Okay, ein wenig dramatisch – aber der Auftritt des Allroad ist durchaus bemerkenswert

Nachdem wir zu Hause angekommen sehr positiv von den Ladeeigenschaften des Ingolstädters überrascht wurden, konnte unser knapp 600km langer Trip zu ersten Zwischenstation (Laboe) auch bereits nach wenigen Minuten beginnen. Während wir es sonst gewohnt sind im Kofferraum und auf der Rücksitzbank unserer Autos Tetris zu spielen, bot der Allroad als einzige Herausforderung das selbst gesteckte Ziel die Rücksitzbank gänzlich unbenutzt zu lassen 😉 Keine 100km später lag die typisch hohe Verkehrsdichte des Rhein-Main-Gebiets hinter uns, so dass wir ein wenig mehr Zeit hatten uns mit den Details des Audis zu beschäftigen. Was wirklich sehr positiv auffällt, ist die hochwertige und optisch wie haptisch beeindruckende Verarbeitung des Innenraums (zumindest in der uns präsentierten Ausstattung). Alcantara wechselt sich mit angenehm zu berührendem Leder ab und bildet insbesondere im Bereich der Sitzmittelbahn eine nahezu ideale Grundlage für lange und entspannte Fahrten. Auch alle sonstigen Oberflächen sehen wertig aus und fühlen sich auch so an – hier haben die Fahrzeugbauer aus Ingolstadt ganze Arbeit geleistet. Das MMI-Bedienkonzept, ergänzend um die diversen Anzeigemodi im Kombiinstrument und die zugehörigen Lenkradtasten, mag nicht sofort intuitiv erscheinen, ist jedoch meiner Meinung nach schlüssig. Als Autobegeisterter habe ich mich sehr darüber gefreut hier viele neue Menüs, Einstellungen und Ansichten zu entdecken – wer einfach nur Fahren will, findet manche Dialoge vielleicht ein wenig zu überfrachtet.

Aufgeräumter Innenraum, wertige Verarbeitung
Aufgeräumter Innenraum, wertige Verarbeitung

Als Langstreckentransporter macht der Allroad seine Sache in jedem Fall exzellent: Geringe Innengeräusche in Kombination mit einer sehr bequemen Sitzposition führen zu geringer Ermüdung und vermitteln stets ein hohes Gefühl an Sicherheit. Dieses wird noch verstärkt, wenn man die zahlreichen Helfer wie Abstandstempomat (ACC), Totwinkelassistent und Spurhalteassistent (alles drei Funktionen, die ich zuvor noch nie in dieser Intensität testen konnte) aktiviert. Zwar wird das Lenkgefühl bei aktiviertem Lane Assist meiner Meinung nach extrem synthetisch (so stark habe ich mich jedenfalls selten an ein Computerspiel erinnert gefühlt) und auch recht gewöhnungsbedürftig, doch der subjektive Sicherheitsgewinn ist bemerkenswert. Je mehr man sich auf das System einlässt, desto faszinierter ist man, wenn der Audi den Fahrer ganz sanft, nahezu unmerklich dazu drängt dem Kurvenverlauf zu folgen – dies funktioniert insbesondere auf Autobahnen ganz fantastisch! Ein wenig anstrengend wird es allenfalls dann, wenn man dazu tendiert, auf einer für das System unerwünschten Position der Fahrbahn zu fahren (wenn man z.B. auf einer sehr breiten Autobahnspur tendenziell links der Mitte fährt – in diesem Fall muss man permanent etwas Kraft aufwenden, um den Wagen in dieser Spur zu halten).

Das obligatorische Reise-Selfie ;-)
Das obligatorische Reise-Selfie 😉

Den Totwinkelassistent (Side Assist) habe ich in dieser Form auch das erste Mal in Aktion erlebt – ihn würde ich tendenziell als weniger attraktiv einstufen. Zwar sind seine Anzeigen ebenfalls sehr deutlich wahrnehmbar und durchaus hilfreich, zumindest während unserer ca. 2300km mit dem Fahrzeug habe ich jedoch nicht soviel Vertrauen aufgebaut, auf den üblichen Schulterblick zu verzichten (was womöglich auch gar nicht vorgesehen bzw. empfehlenswert ist). Im Gegensatz zum Lane Assist und Abstandstempomat erfordert der Totwinkelwarner ein merkliches Umdenken um seine Vorteile vollkommen ausnutzen zu können – und das ist definitiv ein Prozess, den man in 10 Tagen nicht abschließen kann. Die Funktionsweise des besagten abstandsabhängigen Tempomaten gefiel mir hingegen wesentlich besser, obgleich man als Fahrer hier permanent zwischen „Nicht doch jetzt schon“ und „Ehm .. worauf wartest du?!“ pendelt. Sicherlich ist der konsequente Einsatz dieses Assistenzsystems ganz besonders gewöhnungsbedürftig (und zugleich sicherheitskritisch), weshalb man als Mann im Driver’s Seat womöglich nochmals kritischer hinterfragt und prüft. Es gab in jedem Fall diverse Situationen (insbesondere zähfließender Verkehr mit vergleichsweise geringen Geschwindigkeitsänderungen) in denen ich das ACC-Systeme sehr begrüßte, während es in anderen Momenten doch ein vergleichsweise hohes Maß an Anpassung des eigenen Fahrstils erfordert (z.B. wenn man auf der Autobahn recht frühzeitig die Spur wechseln muss, damit der Tempomat nicht beginnt hinter dem vorausfahrenden LKW einzubremsen). In jedem Fall bringt auch das ACC subjektiv ein zusätzliches Plus an Sicherheit – wenn es doch nur manchmal auch etwas mehr gleiten könnte (die armen Bremsen..).

Hier gut zu sehen: Das Optikpaket der Offroad-Variante
Hier gut zu sehen: Das Optikpaket der Offroad-Variante

Bei soviel Schwärmerei ist es augenscheinlich kein Wunder, dass wir unser Ziel wohlbehalten, guter Laune und nahezu top erholt erreicht haben (das nahezu könnte man bestimmt streichen, wenn Europcar sich dazu entschieden hätte auch noch die Sitzbelüftung und Massagesitze zu ordern). Nach einer erholsamen Nacht verbrachten wir einen tollen Tag im schönen Laboe (inklusive Besuch des Marine Ehrendenkmals), bevor wir am Abend die Weiterfahrt nach Dänemark antraten.

Nach einer kühlen Dusche am Strand war es ein herrliches Gefühl die Sandalen auszuziehen, in bequeme Turnschuhe zu schlüpfen und sich anschließend in den perfekt klimatisierten Innenraum des Audis zu kuscheln. Den uneingeschränkten Komfort dieser mobilen Behausung mussten wir auf dem Weg gen Norden nur noch ein weiteres Mal verlassen, denn trotz eines moderaten Verbrauchs von ca. 8,3l/100km und einer sehr guten Reichweite von deutlich über 800km war halt irgendwann ein Zwischenstopp zur Kraftstoffzufuhr erforderlich. Ansonsten ließen wir uns vom Klang des BOSE-Soundsystems begeistern (ehrlich, wenn das BOSE im TT doch nur so klingen würde..) bzw. bei fortgeschrittener Stunde von einem Hörbuch ablenken. Je dunkler es wurde, desto mehr erfreuten wir uns am Licht der LED-Scheinwerer, die ich in dieser Form ebenfalls noch nicht erlebt hatte. Um es kurz zu machen: Nett, ungewohnte Lichtfarbe, interessante Ausleuchtungsszenarien z.B. beim Abbiegen und Rangieren, aber insgesamt aus meiner Sicht kein Quantensprung wie von Halogen zu Xenon. Sehr spannend wäre in diesem Zusammenhang sicherlich ein ausführlicher Test eines Fahrzeugs mit Matrix LED-Scheinwerfern. Während der vergleichsweise entschleunigten Fahrt über die dänischen Autobahnen (hier hatte mein Cayman vor drei Jahren bereits seinen Verbrauchsrekord aufgestellt) hatten wir jede Menge Zeit uns mit den tiefsten Tiefen des MMIs zu beschäftigen. So entdeckten wir nun auch die vielfältigen Modi und Kombinationsmöglichkeiten selbiger um das hervorragende Luftfahrwerk, den Motor, das Getriebe und die Lenkung gemäß den Präferenzen des Fahrers zu parametrisieren – schon ziemlich verspielt 😉

Stilechte Ankunft am Ferienhaus - auch das kann der A6 Allroad sehr gut
Stilechte Ankunft am Ferienhaus – auch das kann der A6 Allroad sehr gut

Bevor ich mich an dieser Stelle der beruhigenden Wirkung Dänemarks und seiner wilden Strände und weichen Landschaft widmen (würde), bleibt eigentlich nur noch ein Feature im Detail zu thematisieren: Das Luftfahrwerk. Dieses kann mittels verschiedener Einstellungen – angefangen von dynamic über auto bishin zu „Allroad“ – hinsichtlicher seiner Dämpfungseigenschaften und seiner Höhe (!) verstellt werden. Das Kind im Manne kann also ganz fasziniert beobachten, wie sich der Horizont aus Sicht des Fahrers merklich bewegt, wenn vom „Dynamic“-Modus (wenig Bodenfreiheit) auf den „Allroad“-Modus (viel Bodenfreiheit) umgeschaltet wird. Diese Funktion konnte bisher weder das Luftfahrwerk in unserem 5er, noch (natürgemäß) das adaptive Fahrwerk in Cayman, Boxster oder TT bieten (die Fahrwerke der drei letztgenannten verstellen sich schließlich „nur“ hinsichtlich der Härte und dies mittels spezieller Dämpfer). Kaum ist der faszinierende Vorgang nach wenigen Sekunden beendet, passt der Allroad noch besser zu seinem bulligen, hervorragend verarbeiteten Bodykit und wird dann auch seinem Namen (zumindest ansatzweise) gerecht. Den Überblick und die Weitsicht eines Touaregs vermittelt der Avant aus Ingolstadt jedoch auch in diesem Modus (mit Hinblick auf die Höhe der Sitzposition) übrigens nicht; der Einstieg wird jedoch sehr bequem.

In der Standardeinstellung des Fahrwerks wirken die Reifen wirklich etwas verloren im Radkasten
In der Standardeinstellung des Fahrwerks wirken die Reifen wirklich etwas verloren im Radkasten
So sieht es aus, wenn das Fahrwerk seine maximale Höhe eingenommen hat
So sieht es aus, wenn das Fahrwerk seine maximale Höhe eingenommen hat

Außer den bereits intensiv geschilderten, positiven Erfahrungen, bleiben einige kleinere Mängel: Das Keyless Go-System mochte den Schlüssel manchmal nicht sofort erkennen (geschenkt), zwei Mal sprang der Motor beim Betätigen des Start-Stopp-Knopfes nicht an, einmal stotterte der Motor die ersten zwei  bis drei Sekunden heftig bei ca. 500 Umdrehungen / Minute (wenig vertrauenserweckend) und um 22:30 Uhr auf einer einsamen Autobahn in Dänemark meldete der Bordcomputer: Öl nachfüllen, Weiterfahrt zur Werkstatt möglich. 65km später und 255,95 dänische Kronen ärmer war dieser Missstand behoben (hier sehe ich das Versagen eher bei Europcar, welches den Betrag entgegen der Absprache mit der Hotline und der Station übrigens auch noch nicht korrekt erstattet hat). Ein wenig irritierend fand ich zudem den Umstand, dass man beim Parken stets manuell den Wählhebel der Automatik auf „P“ stellen muss – beim 5er geschieht dies automatisch, wenn man bei getretener Fußbremse den Motor stoppt. Dafür muss man beim Münchener Modell Autohold nach jedem Start aufs neue aktivieren – der Audi ist hier wesentlich intelligenter 😉

Kurz vor der Rückgabe - hier schon wieder in Bedrängnis durch Danis Spaßmobil ;-)
Kurz vor der Rückgabe – hier schon wieder in Bedrängnis durch Danis Spaßmobil 😉

Insgesamt war unser (am Ende nur) 9 tägiger Roadtrip mit dem A6 Allroad eine tolle Erfahrung. Das Auto hat alle meine Erwartungen erfüllt bzw. sogar übertroffen und es war schön die ausführliche Gelegenheit zu haben, so viele für mich neue Assistenzsysteme auszuprobieren. Als Lastenesel leistet der Audi Großes (vor allem auch mit Hinblick auf die Variabilität des Kofferraums und dank cleverer Details wie dem verschiebbaren Gepäcknetz) und gibt einem stets das Gefühl souverän, sicher und unglaublich komfortabel unterwegs zu sein. Haptisch ist er meiner Meinung nach auf Augenhöhe mit dem BMW 5er; beim Fahrgefühl liegt der A6 meiner Meinung nach sogar vorn. Vom ersten Meter an fühlt man sich wohl und innerlich entschleunigt, obgleich man definitiv zügig vorankommen kann. Subjektiv fand Dani die 258PS unseres 530d ein wenig spritziger, was jedoch auch am höheren Gewicht des Allroads liegen kann. Im Vergleich zu meinem Daily Driver war der A6 insbesondere ab ca. 150 km/h recht träge, aber dies ist mit Hinblick auf das Fahrzeugkonzept wohl normal und Jammern auf hohem Niveau. Auch unseren Extremtest (1100km in 10:30h) hat der Audi erfolgreich gemeistert – wir waren so erholt, dass wir fast nochmal losgefahren wären 😉

Abendstimmung mit wuchtigem Chromgrill
Abendstimmung mit wuchtigem Chromgrill

Schlussbemerkung (für alle, die auf etwas mehr Input zu Dänemark gewartet haben): Ich empfehle einen Trip nach Langeland bei konstant viel Sonnenschein, seichtem Wind und Temperaturen um 25°C. Hochseeangeln, Geocachen, Strandspaziergänge, Multicopter fliegen und vor allem das hervorragende dänische Eis garantieren erholsame Stunden 😉 Dies vermag trotzdem nicht darüber hinweg zu täuschen, dass ich beim Angeln ein weiteres Mal nur erster Verlierer wurde 😉

Weitere Eindrücke des Autos gibt es hier: Klick.

Weitere Impressionen unseres Dänemark Urlaubs dort: Klick.

Kurztrip in den schönen Süden

Was macht man, wenn man laut Personalabteilung zu viele Resturlaubstage hat, diese nicht im „schönen“ Winter (dem grauen Teil, vor Weihnachten) nehmen möchte und ein Brückentag ansteht? Man entscheidet sich eine kleine Auszeit vom Alltag zu nehmen und bei schönstem Sommerwetter ein paar Tage die nähere und weiter entfernte Umgegend zu erkunden .. so oder so ähnlich haben wir es jedenfalls gemacht 🙂 In der Realität verlief die Planung etwas „spontaner“, da wir zwar beide genehmigten Urlaub hatten, aber bis in den Freitagnachmittag hinein noch nicht final entschieden war, ob wir diesen auch nehmen wollten. Da die Bedingungen aber sehr gut aussahen und wir spontan ein paar nette Ideen hatten, beschlossen wir, unseren Jobs für ein paar Tage den Rücken zu kehren.

Station 1: Paddeln.

Als erstes „Event“ schlug ich vor etwas zu tun, dass wir noch nie getan hatten: Paddeln zu gehen. Mit Hinblick auf unser immenses Trainingslevel favorisierte ich dabei jedoch die Befahrung irgendeines Flusses (idealerweise mit möglichst wenig Verkehr), um etwaiges Krisenpotential, resultierend aus Kraftmangel oder fehlender Entscheidungsfreudigkeit für eine Route, frühzeitig zu minimieren. Ohne mich regional irgendwie einzugrenzen, befragte ich also Google und landete nach kurzer Zeit bei mehreren Anbietern, die Touren auf der Lahn organisierten. Die Lahn ist erfreulicherweise so nah, dass wir diesen Teil unserer Mini-Abenteuertour sogar von zu Hause aus bestreiten konnten (80 km einfache Fahrt) .. praktisch 🙂

So fanden wir uns also Sonntag Morgen um 09:00 Uhr an einer Brücke unmittelbar neben dem kleinen Flüsschen ein und schon nach ca. 45 Minuten Warten (und einer fünf minütigen Einweisung) konnte es los gehen. Ausgestattet mit einer wasserdichten Tonne, einer ebenfalls wasserresistenten GoPro-Kamera (Multicopter-Fliegen bringt diverse Vorteile mit sich ..) und viel Enthusiasmus trieben wir also in einem 15 Fuß langen Kanadier die Lahn herunter. Der „konditionell fittere“ von uns beiden sollte laut Tourguide das Steuer übernehmen, so dass ich zunächst hinten sitzen durfte. Hat funktioniert, war aber nicht sonderlich lustig („Der der vorn sitzt, muss dann schon den Schub erzeugen“ .. und Schub erzeugen hat Dani auf Dauer keinen Spaß gemacht ;-)). Bei mal mehr, mal weniger Strömung ging es munter flußabwärts und bis auf einige Aufsetzer (so wirklich tief ist die Lahn nicht), verlief unsere Fahrt sehr entspannt und absolut idyllisch. Die Landschaft vom fließenden Wasser aus zu sehen, eröffnete eine durchaus ungewohnte Perspektive und bei viel Sonne und angenehmen Temperaturen konnte eigentlich auch nichts schief gehen. Nach rund 8km erreichten wir die erste Anlegestelle (mit Kiosk), welche wir für eine ausgedehnte Mittagspause nutzten. Da wir zusammen mit drei anderen Booten aufgebrochen waren, der gemeinsame Abholzeitpunkt (16:00 Uhr) vorterminiert war und wir laut Routenplan hervorragend im Rennen lagen, gab es keinen Grund zur Eile..

Eingespieltes Team auf großer Fahrt
Eingespieltes Team auf großer Fahrt

Neben der geistigen und körperlichen Stärkung nutzten wir die kleine Unterbrechung zum Seitenwechsel. Nun fuhren wir zwar nicht rückwärts den Fluß entlang (na zumindest nicht dauerhaft), doch dafür übernahm Dani das Steuer. In dieser Konstellation hatten wir beide viel mehr Spaß: Ich durfte mich beim Paddeln austoben und Dani die ein oder andere 360°-Panorama-Drehung einleiten. Der einzige, der nicht so ganz glücklich war, war ein leicht gereizter Schwan, der unser Wasserballett scheinbar nicht mochte.

Sir Ben Ainslie (also fast) am Steuer: Ganz souverän - wie immer.
Sir Ben Ainslie (also fast) am Steuer: Ganz souverän – wie immer

Leider war die Strömung im zweiten Abschnitt unserer Tour eher gering, so dass es weniger „Adrenalinschübe“ und mehr Fleißarbeit gab .. aber das gehört zu einer Paddel- (nicht Rafting)-Tour wohl dazu. Eine letzte Hürde bestand darin ein tosendes Wehr zu umtragen, was jedoch mit Hinblick auf das Gewicht des Boots primär anstrengend (Anlegen, Aussteigen, Boot 100m schleppen, Boot wieder zu Wasser lassen, weiter geht’s) und sonst weniger spektakulär als erhofft war.

Nach rund 3h Paddeldauer (laut GPS-Aufzeichnung) und ca. 16 Flußkilometern legten wir trockenen Fußes an .. eine coole Erfahrung! Durch etwas Glück fuhr uns der Paddelanbieter dankenswerter Weise früher als geplant zurück zum Auto, da wir andernfalls mindestens 1,5h auf die anderen Teilnehmer hätten warten müssen.

Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass die Tour zu Ende war .. wie gesagt .. wenig Strömung ;-)
Vielleicht war es gar nicht so schlecht, dass die Tour zu Ende war .. wie gesagt .. wenig Strömung 😉

Station 2: Sightseeing.

Es ist mittlerweile gut vier Jahre her, als mich eine Geschäftsreise in das schöne Baden-Baden verschlug. Damals war ich von der Opulenz und dem Flair so begeistert, dass seit jeher der Plan besteht, irgendwann nochmals zu Zweit und in rein privater Mission zurückzukehren .. nun war es endlich soweit. Bei allerschönstem Sonnenschein erreichten wir unser Ziel nur rund 2h nach dem Start in Frankfurt und konnten uns sogleich darüber freuen, dass unser Hotelzimmer sogar schon um 10:00 Uhr morgens fertig zum Einchecken war – nicht schlecht. Danach ging es mit Rucksack und Kamera ausgestattet gen Innenstadt und Parks – die Erkundung des badischen Kleinods wollten wir auf den Pfaden einiger Geocaches angehen.

Fast ein wenig italienisches Flair..
Fast ein wenig italienisches Flair..

Dank minutiöser Vorbereitung (wir haben uns mindestens 1h Zeit für die Planung genommen) hat dies super funktioniert, so dass wir gefühlt wirklich alle Ecke des schönen Städtchens zu sehen bekamen und alle Parks, die ich damals so toll fand, besuchten. Unser geführter Spaziergang war so gut angelegt, dass wir an den schönsten Plätzen sogar mehrmals vorbei kamen (passiert schon mal, wenn man mehrere Multis nacheinander absolviert), was am Ende des Tages zu nahezu 20km Wegstrecke auf dem Kilometerzähler führte. Was hier so platt beschrieben ist, kann in der Praxis wirklich uneingeschränkt empfohlen werden: Baden-Baden ist schon ein sehr schöner Ort un versprüht einen sehr eigenen, gediegenen, teils avantgardistischen Charme. Wochenlang würde ich hier vielleicht nicht bleiben wollen, doch einen kurzen Abstecher ist es in jedem Fall wert!

Pause im Park
Pause im Park

Zufällig spielte am Tag unseres Besuchs auch Deutschland gegen Portugal .. eine Begegnung, die wie man weiß, eher zu den schöneren Spielen der jüngeren Vergangenheit zählte. Während es vor und während des Spiels noch recht ruhig war, hat der Autokorso direkt nach Abpfiff meine Vorstellung doch deutlich übertroffen. So viele völlig überdrehte Kleinwagenfahrer hat die Innenstadt vermutlich selten gesehen, wodurch der vergleichsweise überschaubare Bereich um das Zentrum recht schnell zu einem hupenden, eher stehenden Kessel wurde.

Ja, Baden-Baden ist wirklich eine schöne Ecke - insbesondere bei so tollem Wetter
Ja, Baden-Baden ist wirklich eine schöne Ecke – insbesondere bei so tollem Wetter

Station 3: Abenteuer!

Wenn man schon mal soweit südlich in Deutschland ist (und dann noch auf der westlichen Seite), lässt sich ein Besuch im Europa-Park in Rust eigentlich gar nicht vermeiden. Obgleich wir mittlerweile schon drei Mal (jetzt vier Mal) dort waren, lockt der riesige Freizeitpark doch immer wieder mit einer faszinierenden, detailverliebten und weitläufigen Szenerie, die die beeindruckenden Fahrgeschäfte zumindest zeitweise in den Hintergrund treten lässt. Da weder Ferien noch Wochenende war, hatten wir zudem das Glück, dass die Wartezeiten an sämtlichen Attraktionen niemals größer als 45 Minuten waren, so dass im Mittel für die Highlights jeweils um die 30 Minuten in der Schlange standen. Mittlerweile kann man die Wartezeiten ja sehr komfortabel und standortungebunden mit dem Smartphone abrufen, so dass die Planung des Parkbesuchs etwas vereinfacht wird. Während wir Wodan beim letzten Aufenthalt im Europa-Park also noch Auslassen mussten (>60 Minuten Geduld wären bereits kurz nach Öffnung erforderlich gewesen), durften wir dieses Mal 35 Minuten nachdem wir den Park betreten hatten, in den modernen Wagen Platz nehmen. Was soll ich sagen .. wirklich spannend und sehr viele komprimierte Emotionen, doch das Gefühl der Schwerelosigkeit an den Kuppen ist meiner Meinung nach beim Colossus im Heide-Park nach wie vor größer. Mein Favorit in Rust ist und bleibt der Blue Fire Megacoster, der mit seiner Beschleunigung von unter 3 Sekunden von 0-100 und seinen Inversionen einfach fasziniert.

Links: Wodan; Rechts:  Der BlueFire; Vorn: Dani
Links: Wodan; Rechts: Der Blue Fire; Vorn: Dani

Ansonsten mussten wir ein weiteres Mal feststellen, dass ein Tag in Rust eigentlich viel zu wenig ist. Eigentlich ist man primär damit beschäftigt von Highlight zu Highlight zu hechten, mit dem Ziel möglichst alles Spannende mit möglichst wenig Wartezeit zu absolvieren. Der Blick für die angesprochenen Details geht dabei verloren und man ist viel schneller erschöpft, als erhofft. So beginnt sich der Park ab ca. 15:00 Uhr merklich zu lehren und gemeinsam mit dem Strom der reizüberfluteten anderen Besucher tritt man – gefühlt viel zu früh – den Rückweg gen Auto an. Irgendwann müssen wir also mal für eine Übernachtung wiederkommen, was jedoch mit dem geringen Vorlauf unserer Unternehmung dieses Mal nicht für weniger als 400€ pro Nacht machbar gewesen wäre (autsch .. übrigens noch ohne Parkeintritt).

Neue Freundschaften wurden ebenfalls geschlossen ;-)
Neue Freundschaften wurden ebenfalls geschlossen 😉

Obgleich der Europa-Park wirklich ein toller Ort ist, waren wir bei diesem Besuch übrigens etwas enttäuscht von der Werbung. Der neue Themenbereich „ARTHUR – im Königreich der Minimoys“ sollte „im späten Frühjahr“ öffnen und wurde bereits innerhalb und außerhalb des Parks sehr stark beworben. Umso trauriger ist es dann, wenn man am 17.06.2014 noch vor verschlossenen und gut bewachten Zäunen steht .. Verzögerungen sind kein Problem und können sicher immer auftreten, aber meiner Meinung nach wäre eine transparente Kommunikation hierzu wünschenswert.

Sozusagen ein Revival-Foto ;-)
Sozusagen ein Revival-Foto 😉

Station 4: Back in Town!

Als Abschluss unserer kleinen Tour durch den schönen Süden unserer Republik war ein weiterer Besuch Stuttgarts geplant. Hier haben wir während des Studiums drei .. intensive Jahre verbracht und die altvertrauten Wege und Plätze mit dem notwendigen emotionalen und zeitlichen Abstand zu sehen bzw. zu gehen, ist ein schönes Gefühl. Obgleich die Zeit bei den Schwaben sicherlich nicht immer einfach war, ist Stuttgart doch eine tolle Stadt die viele Impressionen bietet und daher – für uns – ein guter Ort für eine Auszeit.

Das Neue Schloss - da werden Erinnerungen wach
Das Neue Schloss – da werden Erinnerungen wach

Bezüglich der Unterbringung ist das Park Inn am Marienplatz eine schöne Option mit guter Infrastrukturanbindung .. und ist zudem grob im ehemaligen Operationsgebiet verortet 😉 Ein Tag Stuttgart voll Shopping, schwäbischer Opulenz, alter Erinnerung, leckerem Essen und schöner Architektur geht immer .. ich denke daher, dass dies sicher nicht unser letzter Trip in die Landeshauptstadt gewesen sein wird. Verbesserungsvorschlag für das nächste Mal: Kein Eisbecher für zwei mehr .. nach der Erfüllung dieses lange gefassten Plans war uns zumindest einige Stunden ziemlich mulmig im Bauch 😉

Wenn die Augen größer sind als der Magen: Der Megabecher
Wenn die Augen größer sind als der Magen: Der Megabecher

Eigentlich war zum Abschluss auch noch ein neuerlicher Ausflug ins ehemalige Meilenwerk (mittlerweile Motorworld Region Stuttgart) geplant, welchen wir jedoch aus Gründen der Stauvermeidung und zur körperlichen Erholung (vier Tage mit je 20km entweder zu Fuß oder auf dem Wasser hinterlassen dann doch ihre Spuren) entfielen ließen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir rund um Karlsruhe trotzdem in eine fiese Metallkolonne gerieten .. selbst am Feiertag scheint man vor solchen Zwischenfällen also trotz sorgfältiger Planung nicht gefeit.

Selfie auf dem Schlossplatz zum Abschied
Selfie auf dem Schlossplatz zum Abschied

Weitere Impressionen finden sich – wie so oft – in der Gallery: Klick.