Florida Tag 16 – Amelia Island, Homecoming

Wie vermutlich jeder letzte Morgen eines Urlaubs war auch der Start in unseren sechzehnten und damit letzten (halben) Tag in Florida ein wenig traurig. Trotz der recht frischen Temperaturen von ca. 7°C konnten wir uns dennoch dazu motivieren noch vor Sonnenaufgang an den Strand zu fahren, um ein letztes Mal mitzuerleben, wie der Tag an der Ostküste Amerikas erwacht. Anders als in Sanibel oder Lauderdale-by-Sea waren wir auf Amelia Island jedoch – mit Ausnahme eines Pickup-Fahrers, der sein Fahrzeug jedoch nicht verließ – ziemlich einsam. Um uns warm zu halten, spazierten wir ein paar Minuten in Richtung Nordspitze der Insel, wobei uns das Laufen durch die flach verlaufende Küstenlinie und den daher recht harten Sand sehr leicht fiel. Nachdem die Sonne einigen Augenblicke später – kurz vor 07:00 Uhr – über den Horizont gekrabbelt kam, konnten wir erstmals auch vom Strand aus zwei Delfine bei der morgendlichen Nahrungssuche beobachten .. eine nette Zugabe zu den bereits generell sehr beeindruckenden, vergangenen 16 Tagen.

Um uns wieder aufzuwärmen und für den Tag zu stärken, taten wir es den im Wasser lebenden Säugern gleich und kehrten für einen letzten Checkouts ins Hotel zurück. Das Frühstück hier verlief ebenso wie die Abreise problemlos .. mittlerweile hat man sich an die Abläufe in den Vereinigten Staaten ja hinreichend gut gewöhnt und auch der starke „Südstaaten-Einschlag“ (Georgia ist ja wirklich nur einen Steinwurf entfernt, und vom Strand aus bereits zu sehen) trägt einen weiteren Teil zum Wohlfühlklima bei. Als „Miniattraktion“ für den Vormittag entschieden wir uns für einen Besuch des Ford Clinch State Parks im Norden der Insel, welcher keine 10 Minuten Fahrtstrecke von deren Zentrum entfernt liegt. Nach Entrichtung der obligatorischen Eintrittsgebühr (in diesem Fall 6$ pro Fahrzeug) und einem netten Gespräch mit der Rangerin steuerten wir zunächst den Fishing Pier an – einen hölzernen Steg (vornehmer formuliert: „Seebrücke“) der wirklich ungewöhnlich weit ins Meer hineinragt. Wer schon mal die Erfahrung machen durfte, dass in Florida für so ziemlich jede Pier eine Eintrittsgebühr verlangt wird, wird zu der Erkenntnis gelangen, dass allein mit dieser „Attraktion“ die Parkgebühren bereits abgegolten sind. Während wir uns von frischen Brise auf dem Steg so langsam wecken ließen, sprach uns einer der bereits deutlich muntereren Fischer an: „Ahrjuupfromsenorz?“. Kurzzeitige, totale Verwirrung, gefolgt mit der Bitte um Hilfe „Pardon me?“. Der freundliche Fischer entgegnet „Ahrjuupfromsenorz?“. Nachdem auch diese (offensichtlich) sehr kumpelhafte Unterstützung eher ergebnisneutral bleibt, müssen wir erneut kapitulieren: „Excuse me?“. Jetzt .. mit ganz viel  gutem Willen gelingt der Einstieg ins Gespräch: „Are you up … from … the … north?“ – aha, der gute Mann möchte also wissen, ob wir aus irgendeinem nördlicheren Bundesstaat kommen. Vielleicht sehen wir mit unseren drei Lagen Kleidung so aus, als seien wir das kalte Wetter gewohnt. Nachdem wir erklären, dass wir „Actually from far more away .. from Germany“ – also von viel weiter weg kommen, hatten wir eine neue Freundschaft geschlossen. Der nette Herr war nämlich zwei Einsätze lang in Heidelberg stationiert, vermisst Deutschland sehr und kann sich lebendig an „Wiener Schnitzel“ (das mochte er) und Sauerkraut (das mochte er nicht) erinnern. Zum Abschluss sagt er freundlich „Auf Wiedersehen“ und bittet uns darum, wenn wir zurück sind, ein Schnitzel zu essen und an ihn zu denken. Okay .. warum erzähle ich diese kleine Anekdote? Ganz einfach: Während wir mit unserem Englisch zu 99% überhaupt keine Probleme hatten und man auch ziemlich entspannt Fernsehserien hier sehen und verstehen kann, wird dieses Unterfangen mit Annäherung an die Südstaaten zunehmend schwieriger. Der hier teilweise gesprochene Dialekt geht doch über das hinaus, womit man als Fremdsprachler auf Anhieb klarkommt 😉

Nach dieser netten Erfahrung (kommunikativ sind hier generell fast alle Menschen, denen man begegnet, sogar jene an der Airport-Security) begaben wir uns zum Fort Clinch selbst, wobei wir auf eine Besichtigung desselben verzichteten und uns mit einer Umrundung (inkl. Strandzugang) begnügten. Hierzu gibt es wenig zu sagen .. es war einfach ein netter Spaziergang, das Fort ist nicht spektakulär, aber auch nicht langweilig und der Strand – wie fast überall in Florida – breit, aber nicht überdurchschnittlich fein.

Als nächste Station wollten wir eigentlich Minigolf spielen, sind mit diesem Vorhaben aber leider gescheitert. Geöffnet Freitag – Sonntag von 15:00 bis 21:00 Uhr .. das müssen wir wohl auf den nächsten Urlaub verschieben. So fuhren wir zurück zum Hauptstrand und unternahmen einen letzten, ausgedehnten Spaziergang. Das Tolle hierbei war, dass mittlerweile Niedrigwasser eingetreten und der Strand daher wirklich, wirklich breit war. Von der Wasserkante (die Wellen brandeten an diesem Tag nur sehr seicht an die Küste) bis zu denen Dünen erstreckte sich eine Fläche von ca. 75m Breite, die zum Schlendern geradezu einlud und durch den harten Sand ein angenehmes Fortkommen ermöglichte. Leider war die breite, leicht feuchte Oberfläche ziemlich leergespült, so wir keine weiteren Meeresschätze mehr bergen konnten. Dies war andererseits aber auch gut so, denn leider gab es in unserem letzten Hotel keine Waage und der Vergleich „Fühlt sich der Koffer noch so an wie vor 2 Wochen .. ein bisschen schwerer .. zu schwer?“ ist doch eine recht schwammige Grundlage um etwaige Umräumaktionen am Flughafen zu vermeiden. Zwar sollten wir grundsätzlich nicht wirklich viel zusätzliches Gepäck gewonnen haben, jedoch fühlten sich die in Sanibel gesammelten Muscheln doch recht schwer und und führten – wie an anderer Stelle ja bereits berichtet – scheinbar schon bei dem ein oder anderen Urlauber zu einer Aufpreiszahlung wegen Übergepäcks. So verbrachten wir die letzten Minuten vor der Fahrt in Richtung Flughafen auf einer kleinen Bank in der Nähe des Strandes, genossen das Rascheln der Palmen, das Rauschen des Meeres und die mit 22°C warmen Strahlen der Sonne vor einem vollmilchblauen Himmel, wohlwissend, dass wir keine 24h später wieder in Frankfurt sein würden – vermutlich bei Nebel, 5°C und bestem Novemberwetter.

Gegen 13:00 traten wir dann – mit geöffnetem Verdeck – die nur rund 30km lange Fahrt zum Flughafen von Jacksonville an. An diesem Punkt war ich froh, dass unsere Reise ein One-Way-Trip war und nicht dort endete, wo sie begann, denn der Flughafen von Jacksonville ist doch wesentlich ruhiger gelegen und leichter zu erreichen als jener von Miami. Kurz vor dem Ziel tankten wir den Mustang ein letztes Mal voll (bei ~30 Euro pro Tankfüllung macht das sogar noch Spaß .. der Durchschnittsverbrauch des 3,7l-Triebwerks lag bei 9l) und entledigten uns nicht benötigter Vorräte. Mit anderen Worten: Ca. 7 Wasserflaschen und einige Gramm (gefühlt Kilo) Sand blieben an der Tankstelle. Nettes Detail: Auch 3km vom Flughafen entfernt kostet die Gallone nur 20 Cent mehr, als bei der günstigsten Tankstelle, die ich unterwegs gesehen habe (87 Oktan Regular .. die Praxis hat gezeigt, dass der Mustang mehr eh nicht zu würdigen wusste). Vor Ort angekommen geht dann alles ganz schnell und unkompliziert: Den Ausschilderung zur Mietwagenrückgabe folgen, in eine Art Haltespur einordnen, dort stoppen, warten bis der Checker Fahrzeug-ID, Meilenstand und Tankinhalt geprüft hat .. und dann einfach aussteigen und das gesamte Gepäck mitnehmen. Das dauerte keine zwei Minuten, so dass wir recht schnell am Check-In standen. Hier lief alles etwas anders, als gewohnt, da es eine wilde Mischung als Self-Service Check-In, Personal und individueller Betreuung gab .. so richtig habe ich das Konzept bis heute nicht verstanden. Das Wichtigste war aber das alles gut geklappt hat, wir freundlich behandelten wurden und man für den Flug von Charlotte nach Frankfurt noch zwei Plätze nebeneinander für uns finden konnte .. Online gab es lediglich die Option hintereinander zu sitzen. Da wir so pünktlich waren, wurde uns gleich noch eine früherer Flugplan (15:30 statt 17:30 Uhr) angeboten – wir willigten ein, denn eigentlich sollte es ja egal sein, ob wir nun in Jacksonville oder Charlotte auf den Flug nach Europa warten sollten. Zurückblickend betrachtet war diese Entscheidung sehr wichtig und auch richtig, denn der für 15:30 geplante Flieger hob (um an dieser Stelle etwas abzukürzen) „schon“ gegen 18:40 Uhr ab. Er war voll ausgebucht, kam bereits mit über 1h Verspätung in Jacksonville an, musste repariert werden (obwohl es danach in den Toiletten trotzdem nur Sprühnebel und kein fließendes Wasser gab) und war danach rappelvoll. Die Stimmung am Gate war quasi am Gefrierpunkt, denn so ziemlich niemand hat seine Endstation in Charlotte, alle scheinen den Flughafen in North Carolina nur als Drehscheibe für Anschlussflüge zu nutzen und entsprechend groß sind die Auswirkungen derart krasser Verzögerungen. Während es uns – durch die glückliche Fügung der früheren Flugvariante – gelang den Jet nach Frankfurt so noch zu schaffen (wir mussten auch nur quer durch das Terminal sprinten .. zum Glück gemeinsam mit ganz vielen anderen), wären wir mit dem 17:30 Uhr Flug ziemlich sicher gestrandet. Die letzten 5000km auf dem Weg nach Hause verliefen dann leider weniger toll, als der Flug in die Staaten: Während unsere Anreise von Air Berlin durchgeführt wurde, waren wir nun Gäste von US Airways. Der Flugzeugtyp (A330) war zwar prinzipiell identisch, aber wesentlich älter, die Sitze unbequemer, das In-Flight-Entertainment älter, das Essen minimalistischer. Dafür waren wir enorm pünktlich und die Flugzeit von Charlotte nach Frankfurt betrug nur etwas weniger als 8h – nett. Einzig der Versuch an Bord zu schlafen war eher weniger erfolgreich .. irgendein Körperteil tut einfach immer weh und verhindert jegliche Erholung. In Frankfurt angekommen, verlief alles so, wie man sich das wünscht: Schnelle Einreise dank automatisierter Passkontrolle, relativ fixe Gepäckausgabe, perfekt getimter (das schreibt man laut Duden wirklich so!) Taxi-Service – klasse. Um kurz vor 12:00 Uhr Ortszeit erreichten wir etwas erschöpft und mit leerem Magen (dieser signalisierte: Es ist jetzt 06:00 Uhr .. Frühstück, bitte!) unsere recht kalte Wohnung. 16 Tage Abenteuer gehen zu ende.

Es waren 16 tolle Tage, an denen fast jeder ein neues Highlight bereithielt. Wir haben in dieser Zeit 2497 Meilen / rund 4019 km zurückgelegt und von der Ostküste, über den Süden, die Westküste und den Panhandle bis zum nordöstlichen Zipfel Floridas sehr viel gesehen. Wir durften luxuriöse Villen, paradiesische Strände, teure Autos, volle Highways, pulsierende Städte, imposante Yachten, wilde Tiere, ursprüngliche Natur und tolle Wetterbedingungen genießen und sehr viele neue Eindrücke sammeln. Auf unseren Speicherkarten warten über 4000 Bilder darauf gesichtet, bewertet, aussortiert und nachbearbeitet zu werden .. hier liegt also noch ziemlich viel Arbeit vor uns. Aus einer so großen Erfahrung lernt man natürlich auch ziemlich viel .. zum Beispiel darüber, wie anstrengend es sein kann in 16 Tagen 11 mal das Hotel zu wechseln, wie überraschend kalt es auch in Florida werden kann (wobei wir überraschenderweise weniger Regentage hatten, als die zu erwarten gewesen wäre .. dafür hatten wir in den letzten 5 Tagen leider unterdurchschnittliche Temperaturen) und wie viele Vorurteile es gibt, die zumindest in diesem schönen Teil der USA mitunter etwas unpassend wirken. Obgleich mir die vergangenen fast 2,5 Wochen in der Erinnerung sehr lang vorkommen (wir haben einfach so viel gesehen und erlebt), ist diese Zeit doch viel zu kurz und kann nur ein Einstieg in den wunderschönen Sunshine State bieten. So viele Attraktionen mussten wir passieren und hätte jemand am Ende gesagt „Hättet ihr nicht Lust noch eine Woche Strandurlaub dranzuhängen .. einfach ein bisschen erholen und die Seele baumeln lassen?“, wir hätten sofort den Rückflug verschoben.

Für mich ganz persönlich stellt die südliche Region der Ostküste das absolute Highlight dar. Von Palm Beach über Fort Lauderdale durch Miami auf die Keys zu fahren, dabei mit einem US-Ponycar wie dem Mustang – natürlich als Cabrio – unterwegs zu sein und die oftmals über 25°C warme Luft zu genießen, ist einfach unbeschreiblich. Schon ganz früh morgens, um 07:00 Uhr im T-Shirt und mit Sonnenbrille Richtung Strand zu blubbern macht Spaß, lässt den Stress abfallen und führt manchmal zu der Überlegung, wie toll es wäre solche Optionen immer zu haben. Insbesondere Miami Beach bietet dabei auf relativ engem Raum eine unglaublich kompakte Mischung aus traumhaften Stränden, einer tollen maritimen Luxus-Atmosphäre und pulsierendem Leben. Für mich genau die richtige Mixtur aus Strandleben, Luxus und dem Wunsch das Leben zu feiern .. falls sich jemals die Möglichkeit ergibt – und das muss sie einfach – dann möchte ich definitiv für zwei bis drei Nächte (ich denke danach wird es einem zu laut und zu schrill) an den legendären Ocean Drive zurückkehren – mit Mustang oder Camaro, versteht sich. Zur Erholung kann es danach gern weiter gen Süden auf die Keys gehen, wobei ich in Key West erneut nur eine Nacht verbringen würde und mich danach an einen der eher ruhigeren Strände der anderen Inseln begeben würde. Danis Highlight war ebenfalls Miami, dicht gefolgt vom Muschelparadies Sanibel. Auch dieses Fleckchen Land ist wirklich toll und einzigartig – aber eben wesentlich ruhiger und damit ganz anders als die Ostküste.

Was bleibt sind für mich folgende Erkenntnisse:

  1. Eine Kombination aus vorgeplanter Route und kurzfristiger Planung ist machbar und empfehlenswert. Wir hatten die gesamte Reise im Voraus gebucht und daher wenige Wahlmöglichkeiten, was manchmal etwas hinderlich sein kann. Wenn man sich alle paar Tage die Zeit nimmt um die kommenden Schritte zu besprechen und die Buchungen in einem Hotel oder Restaurant mit WLAN vorzunehmen, kann man auch unterwegs alles sehr gut organisieren (so man die möglichen Optionen im Vorfeld schon sondiert hat). Dabei sollte man darauf achten, sich nicht zu überfordern. Alle paar Tage mal mehrere Nächte im gleichen Hotel zu verbringen, kann sehr dabei helfen, wieder Kraft zu tanken
  2. Es gibt qualitative Untergrenzen für Hotels. Unsere Schwelle für „Hauptsache man hat einen Raum zum schlafen“ sind höher, als manche Lokation sie erfüllen konnte und wenn man das erste Mal so richtig daneben lag, schafft das Unsicherheiten für den weiteren Trip. Hier muss man also sehr akribisch recherchieren (haben wir getan) und trotzdem etwas Glück haben. Meine Präferenz sind aktuell Ketten (Hamptons Inn, Residence Inn etc.), da es hier zumindest gewisse Qualitätsversprechen und -standards gibt – die konkrete Umsetzung kann natürlich trotzdem von Haus zu Haus variieren
  3. Man kann auch in ~10 Tagen einen tollen, unvergesslichen Trip durch Florida unternehmen, ohne das Gefühl zu haben ständig gehetzt zu sein. Palm Beach, Fort Lauderdale, Miami, Key West, Everglades City, Sanibel, Crystal River (Schwimmen mit den Manatees, nur im Winter) und optional Orlando (Kennedy Space Center, Themenparks etc.) bieten viel und liegen fahrtechnisch nicht allzu weit voneinander entfernt. Ein eventueller Ausflug in den Panhandle (Pensacola) will dagegen sehr gut überlegt sein. Hier unbedingt auf die Jahreszeit und die Klimatabellen achten und sich genau überlegen, was man von den Tagen in dieser Region erwartet
  4. Die Kosten für einen solchen Trip sind im Prinzip sehr gut kalkulierbar. Im Gesamtschnitt und bezogen auf unsere individuellen Präferenzen kostet eine Hotelnacht i.d.R. um die 85€, das Auto schlägt mit rund 30€ am Tag zu Buche, jeweils 550km Fahrtstrecke kosten ca. 30€ (und wir hatten kein Vernunftsauto), die Verpflegung ist in unserem Fall mit ca. 50€ / Tag realistisch, wobei es relativ wenig Einfluss hat, ob man nun zwei Mal am Tag ins Restaurant geht oder ein Mal auf Eigenversorgung (Supermarkt) setzt. Auch die Preisintensität der von uns präferierten Restaurants ist relativ identisch, so dass es tendenziell unerheblich ist, ob man nun in einem Chillis oder Applebees landet, mal einen Hooters versucht oder sich das Hard Rock Cafe gönnt. Additiv sind Kosten für etwaige Erlebnisausflüge (State Parks, Bootsfahrten, Museen etc.), für die man am Tag locker 200€ ausgeben kann .. oder eben auch nichts. Hier empfiehlt sich entweder genügend „Spielmasse“ oder sorgfältige Recherche vorab. Außer den State Parks muss man aber einfach beachten, dass fast jedes Museum ca. 20$ Eintritt pro Person verlangt und das Gebotene doch stark variiert

Somit geht die Reiseberichterstattung unserer Tour durch den Sunshine State zu Ende. Es war eine tolle Zeit, ich bin froh jeden Abend die 60 – 90 Minuten für die Blogbeiträge gefunden zu haben und ich hoffe diese sind vom Informationsgehalt, dem Detailgrad und der Qualität annehmbar (manchmal ist es nach einem langen Tag und auf der kleinen Notebooktastatur doch etwas schwieriger als gewohnt, den sonst angestrebten Standard zu erreichen). In den nächsten Tagen und Wochen werden alle Artikel in gewohnter Manier noch mit Fotos ergänzt werden .. aber jetzt brauchen wir erstmal Urlaub vom Urlaub. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank für’s Mitlesen – bei Fragen zu den einzelnen Stationen oder Events könnt ihr mich gern über die Kommentarfunktion, das Kontaktformular oder via E-Mail erreichen.

Florida Tag 15 – Zurück in die Kolonialzeit

In bester Tradition werde ich diesen Beitrag zeitlich dort beginnen, wo mein Bericht über Tag 14 zu Ende ging: Unserem Abend und dem darauf folgenden Morgen im Hotel. Die wichtigste Erkenntnis in diesem Zusammenhang lautet, dass ich unbedingt auch einen Whirlpool haben möchte, wenn ich mal groß bin (leider stehen die Zeichen für weiteres Wachstum recht schlecht). Die Asian Spa Suite war schon wirklich toll und insbesondere nach den momentan doch unerwartet frischen Tagen hier tut ein ausgedehntes, warmes Bad richtig gut .. Daumen hoch. Weniger prickelnd war das Frühstück, da dieses – ganz im Bed und Breakfast-Stil – eher als Gemeinschaftserfahrung angelegt war. Im für die morgendliche Nahrungsaufnahme präparierten Raum war bereits rund eine halbe Stunde vor Beginn des Essens fein eingedeckt – und ich meine fein. Servietten aus Baumwolle, silbernes Besteck für mehrere Gänge, Teller aus Porzellan .. ohoh. Mich ergriff etwas die Panik (auch vor dem Hintergrund der rasch fortschreitenden Zeit), so dass wir kurzer Hand ohne Frühstück auscheckten und direkt zum Castillo de San Marcos, einem Fort, fuhren. Dort konnten wir für 1,50$ pro Stunde parken und unsere Erkundungstour durch Saint Augustine beginnen.

Als erstes umrundeten wir das Fort (primär ein relativ trister Betonbau, der aber hübsch angelegt ist und durch die vielen, ihn umgebenden Palmen sehr idyllisch wirkt) und ließen uns dabei vom morgendlichen Seewind wecken. Danach überquerten wir die Straße und bogen im Prinzip direkt in die Hauptattraktion des kleinen Städtchens ein: Die St. George Street. Selbige besteht aus sehr vielen kleinen und großen Gebäuden im Kolonialstil, die primär Geschäfte und Restaurants beherbergen, die entsprechend zeitgemäß hergerichtet sind. Dies bedeutet, dass nahezu alle Schilder, Stilelemente und sogar Mülleimer an das goldene Zeitalter der Piraterie erinnern und dieser touristisch sehr gut erschlossene Ort daher einen eigenen, interessanten Charme versprüht. Es macht Spaß die am Morgen noch ganz leere Straße herunter zu schlendern, die vielen kleinen Details zu bewundern und den Anwohnern zuzuschauen, wie sie ihre Läden nach und nach für die Besucherströme und Schulklassen des Tages vorbereiten. Glücklicherweise kamen wir unterwegs auch an einer ganz hervorragenden „Bäckerei“ (eigentlich eher ein Restaurant mit Schwerpunkt auf typische Frühstücksprodukte) mit Namen „Bunnery Cafe“ vorbei, in der wir es uns bei hausgemachten Croissants, Hot Brownies, Cookies und einer heißen Schokolade gut gehen lassen konnten .. eine äußerst leckere Stärkung zum Start in den Tag. Das Cafe ist übrigens derart beliebt, dass sogar schon um 08:30 Uhr nicht mehr allzu viele Plätze frei und mehrere Tische reserviert  waren .. ich denke auch diese Lokation ist also eine Empfehlung wert.

Nach der energietechnischen Erstversorgung machten wir uns auf den Weg um die restlichen Highlights von St. Augustine zu erkunden. Hierbei hilft es sehr sich an der überall erhältlichen, im Comic-Stil gehaltenen Karte zu orientieren, die einem die wichtigsten Plätze und Häuser der Ortschaft sehr anschaulich aufzeigt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu erwähnen, dass er Anfang des Gebiets von Interesse (hier sei exemplarisch das älteste Haus an der Ecke St. Francis Street / Marine Street genannt) nur rund 15 Gehminuten von dessen Ende (Visitor Information Center) entfernt liegt. Man kann also auf relativ kleinem Raum sehr viele historische Gebäude in unterschiedlichsten Stilrichtungen erkunden und muss – auch wenn die Füße schon etwas erschöpft sind – keine Scheu haben die ein oder andere Abbiegung mehrfach zu gehen. Sollte man gar keine Lust mehr auf körperliche Ertüchtigung haben, kann man natürlich auch mit dem „Trolley“ (einer Bahn) mit gesprochenem Kommentar durch St. Augustine rollen. Es wäre an dieser Stelle vermutlich nicht zielführend die diversen Highlights aufzuzählen (da im Prinzip an jeder Ecke ein mehr oder weniger bekanntes, imposantes Gebäude wartet), aber neben dem Fort sollte man sich das Flagler College (ein ehemaliges Hotel), das Lightner Museum und insbesondere die kleinen Lädchen zu Beginn der St. George Street (vom Fort aus gesehen) auf gar keinen Fall entgehen lassen. Auch ein Spaziergang direkt am Pier ist schön und bietet tolle Aussichten auf die Bridge of Lions (eine Zugbrücke, die man auch zu Fuß überqueren kann), das Restaurant Santa Maria und St. Augustine „Downtown“.

Weiterhin gibt es aus meiner Sicht zwei weitere Orte, die unbedingt erwähnt werden sollten: Da wäre zum einen Colonial Quarter. Hierbei handelt es sich im Prinzip um eine Art lebendiges Museum, in dem die Kolonialzeit mit Hilfe entsprechend aufbereiteter Gebäude und Schauspieler nochmals lebendiger dargestellt wird, als dies sowieso schon im Rest der Stadt der Fall ist. Leider scheint das Colonial Quarter neben dem Fort der Hauptanlaufpunkt für viele, sehr viele Schulklassen zu sein, weshalb wir von einem Besuch abgesehen haben. Ergänzend sei angemerkt, dass für den Zutritt zu diesem Bereich eine Eintrittsgebühr zu entrichten ist (ca. 10$ pro Person). Der zweite Ort, den ich ganz besonders empfehlen möchte, ist das Pirate Treasure Museum. Hierbei handelt es sich um eine Ausstellung, die primär das Goldene Zeitalter der Piraterie zum Thema hat und sehr viele Exponate zu diesem (man sagt über 800) ausstellt. Dies alles ist aber wesentlich szenischer, lebendiger und schöner umgesetzt, als diese ersten Zeilen vermuten lassen. Durch einen ersten, noch relativ neutralen Eingangsbereich gelangt man zunächst in eine Taverne und dann nacheinander auf das Hauptdeck eines Schiffes, auf das Kanonendeck, die Kapitänskajüte, das Unterdeck (in diesem Fall jedoch nur ein durch eine Tür abgetrennter Raum auf der gleichen Ebene), einen Raum zum Thema „Exekutionen“, einen Abschnitt mit dem Namen „Shipwreck Island“, der diverse Schätze zum Thema hat und abschließend einen recht stark separierten Bereich namens „Hollywood Pirates“ der Informationen zu den neuzeitlichen Filmpiraten bereithält.

Jeder Bereich ist dabei thematisch passend, jeweils individuell unterschiedlich umgesetzt und glänzt dabei durch eine Vielzahl von Details, die sehr stimmig miteinander harmonieren. So läuft in der Taverne zum Beispiel zeitgenössische Musik im Hintergrund, die von diversen Gesprächsfetzen überlagert werden. Ab und an Papageien krächzt ein Papagei und klingen die Gläser .. richtig cool! Überall wird mit Licht-, Ton- und teilweise Vibrationseffekten gearbeitet, um das Piratenerlebnis weiter zu intensivieren. Dies wird stellenweise mit eher klassischen Stationen (z.B. Knotenbinden) und äußerst interessanten Ausstellungstücken (z.B. einer echten, 400 Jahre alten Schatztruhe, dem letzten Logbuch von Captain Kidd etc.) kombiniert, so dass sich ein wirklich sehr toller Gesamteindruck ergibt. Die Aufmerksamkeit der Besucher wird weiter geschärft, in dem man aufgefordert wird an einer Schatzsuche teilzunehmen, in deren Zusammenhang man 12 versteckte Fächer / Schubladen im Museum finden muss, die durch ein kleines Totenkopf-Symbol gekennzeichnet sind. Während unseres Aufenthalts war zum Glück wenig los, wir waren ziemlich aufmerksam und mussten trotzdem zwei mal zurücklaufen um auch den letzten Hinweis zu finden .. dieses Element ist also durchaus schön und nicht zu einfach umgesetzt. Einzig die Belohnung war in Form von zwei „Edelsteinen“ etwas dürftig 😉 Wer sich für das Zeitalter der Piraterie interessiert, wird das Pirate Treasure Museum lieben .. für mich war es jedenfalls definitiv ein Highlight (okay, ich war von Assassins Creed – Black Flag auch massiv angefixt). Auch diese Ausstellung (Eintritt für zwei Personen rund 27$, man kann die Ausstellung den gesamten Tag über beliebig oft erneut durchlaufen) bietet neben freundlichem Personal übrigens einen recht liebevoll und qualitativ überzeugend ausgestatteten Souvenir-Shop .. hier ist also Vorsicht geboten. Als wir wieder Richtung Castillo de San Marcos weitergingen, konnten wir nebenbei beobachten, wie eine Schulklasse von einem weiblichen Piratenkapitän eingewiesen wurde .. das wäre für mich – damals – auch eine tolle Erinnerung gewesen 😉

Nach dem Besuch des Museums schlenderten wir noch ein wenig durch die Stadt, erfreuten uns an den vergleichsweise milden Temperaturen (immerhin 20°C) und lauschten der Live-Musik bereits zur Mittagszeit. St. Augustine bietet insgesamt schon eine ziemlich coole Mischung aus lebendigem Museum und Studentenstadt .. hier kann man sicherlich einen sehr schönen Tag und bestimmt auch einen lustigen Abend verbringen.

Gegen 13:30 Uhr verließen wir dieses tolle Einod in Richtung Nordwesten – die letzte „längere“ Fahrt (nur rund 1,5h) nach Amelia Island, nördlich von Jacksonville gelegen, stand an. Unterwegs stoppten wir noch zur mittäglichen Stärkung bei einem Hooters Restaurant – einfach um auch diese Erfahrung mal gemacht zu haben. Die wichtigste Erkenntnis: Hooters in Deutschland hat mit Hooters in den USA wirklich enorm wenige Gemeinsamkeit .. vielleicht bis auf das Logo und die Farbwahl der Outfits. Ich habe in Deutschland niemals auch nur eine Servicekraft gesehen, die auch nur ansatzweise das Level der amerikanischen Mädels bei Hooters erreicht. Mit „Level“ meine ich natürlich wichtige Werte wie Kundenfreundlichkeit, Servicequalität und Geschwindigkeit der Bedienung 😉 Nein, im Ernst, wir waren beide sehr positiv überrascht davon, wie gut die Damen aussahen, wie sympatisch sie rüberkamen und wie viel Zeit sie sich für Gespräche nahmen (in unserem Fall mehr als 20 Minuten nach dem Essen .. und der Gesprächsinhalt war dabei ebenfalls recht tiefsinnig .. kein sinnloses Geplauder über das Wetter) .. das kennt man so nicht und erwartet es auch nicht. Die Anmutung des Restaurants selbst und die Qualität der Speisen kommt meiner Meinung nach mit einem Applebee’s nicht ganz mit .. da haben wir schon schönere Lokationen gesehen. Insgesamt kann man bei Hooters aber gut und überraschend günstig essen .. wenn ein Junggesellenabschied hier feiert, ist es aber vermutlich weniger angenehm.

Kurze Zeit später erreichten wir Amelia Island, eine Halbinsel recht nah an der Grenze zu Georgia. Die Strände sind hier nicht ganz so weiß und fein, dafür ist etwas weniger los und die Menschen sind sehr freundlich (man merkt das Südstaaten-Flair doch schon sehr). Außerdem kann man hier – so man denn noch Zeit hat – an diverse Unternehmungen teilnehmen .. von der Kajak-Tour, über einen Paddleboard-Kurs bis hin zur geführten Motorboot-Fahrt. Wir werden die letzten Stunden im Sunshine State ruhig angehen lassen, einen letzten Sonnenaufgang in Florida genießen, dem Rauschen der Wellen am Strand lauschen und vielleicht eine Runde Adventure Golf spielen .. danach geht es gegen 14:00 Uhr zum Flughafen, bevor wir hoffentlich problemlos über Charlston nach Frankfurt zurückfliegen werden. An dieser Stelle noch eine wichtige Anmerkung: Von Amelia Island gibt es eine Karte, die von der Gestaltung, der Größe und dem Stil her genau dem Pendant aus St. Augustine entspricht. Durchaus relevant ist in diesem Zusammenhang aber der Hinweis „This Map is not drawn to scale – use roads & buildings as reference points“. Mit anderen Worten: Diese Karte ist nicht maßstabsgetreu und wenn man – insbesondere nach den Erfahrungen aus St. Augustine – dem Glauben erlegen ist, dass man die „drei Querstraßen bis zum Golf-Platz“ locker zu Fuß bewältigen kann, wird man durchaus überrascht sein, dass die Strecke durchaus einer 5 Minuten dauernden Autofahrt entsprechen kann. Wir waren jedenfalls einigermaßen irritiert, als wir an einem Parkplatz ausstiegen, ca. 2 cm von diesem (auf der Karte) liegend entfernt ein Steg sein sollte und wir gerade mal am Horizont, gaaaaaanz klein, die Umrisse eines solchen erkennen konnten.

Solange der Urlaub noch andauert, ist es auch noch nicht Zeit für ein Gesamtfazit mit Abschiedscharakter .. und deshalb spare ich mir diese Zeilen noch auf, obgleich es durchaus etwas traurig ist, Dani bei der Vorbereitung unseres Hab und Guts für den Rückflug zuzuschauen.

Florida Tag 14 – One giant leap

Der Start in den vierzehnten Tag unseres Urlaubs im Sunshine State verlief unauffällig: Während wir uns mit einem durchschnittlichen Hotelfrühstück stärkten, erklärten die Moderatoren der im TV laufenden Morgenshow die außergewöhnliche und sehr unfreundliche Wetterlage. Nachdem wir jetzt gelernt haben, dass der Dienstag Morgen der kälteste seit 1973 zu diesem Zeitpunkt (also Mitte November) war, wissen wir nun, dass wir vielleicht einfach etwas Pech hatten (und ich dachte, dass hätten wir auf den Azoren schon zur Genüge aufgebraucht). Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen müssen wir quasi froh sein, wenn unser Rückflug am Freitag (Zwischenstopp in Charlston) problemlos und ohne Schneechaos verläuft .. Drücken wir die Daumen.

Mit Hinblick auf die unwirtlichen Bedingungen setzten wir die Beobachtung des Sonnenaufgangs am Strand aus und fuhren direkt zum KSC, dem Kennedy Space Center. Selbiges öffnete zum Zeitpunkt unseres Besuchs um 09:00 Uhr (dies variiert denke ich je nach Saison), offiziell waren die Parkplätze (10$ pro Tag) ab 08:30 Uhr zugänglich. Da wir etwas früh dran waren, tankten wir noch schnell, was mir die Gelegenheit gibt mich kurz über dieses Thema zu beschweren: Dank der verbesserten Betrugsvorsorge muss man beim Tanken via Kreditkarte stets die Postleitzahl des Kreditkarteninhabers eingeben .. für ausländische Kreditkarten funktioniert dies naturgemäß nicht. Also jedes Mal reinrennen, erklären, die Säule freischalten, tanken .. habe ich mir im Vorfeld einfacher vorgestellt (und ich hab keine Ahnung, wie man außerhalb der Öffnungszeiten bezahlen soll). Da wir uns mittlerweile den 4000km Gesamtstrecke nähern und der Mustang so ca. 9l/100km verbraucht, haben wir aber genügend Gelegenheit gehabt den Prozess hinreichend zu üben..

In jedem Fall war zum Zeitpunkt unserer Ankunft weder ein Parkhäuschen, noch ein Kassenplatz geöffnet, so dass wir in erster Reihe parken und die Öffnung des Geländes abwarten konnten. Nach und nach versammelten sich mehr und mehr „Early Birds“, so dass wir kurz vor 09:00 Uhr die vierte Gruppe in der Schlange waren. Just in dem Moment, in dem wir begannen unsere Wünsche vorzutragen, begann die Einspielung der Nationalhymne über alle Lautsprecher. Ja, da guckt man als unerfahrener Europäer schon mal doof, wenn plötzlich jede Kommunikation unterbrochen wird und alle Einheimischen die Hand aufs Herz drücken. Einige Augenblicke später war dir Zeremonie vorbei und die erstaunlich unfreundliche Nasa-Mitarbeiterin am Schalter setzte den Dialog mit uns fort („It’s so cold today – I should have stayed at home“). Keine rund 150$ später hielten wir zwei Eintrittskarte und zwei Voucher für die KSC Close-Up Explorers Tour in unseren Händen und begaben uns gen Eingang. Hier erfolgte ein kurzer Sicherheitscheck inklusive Metalldetektor, man darf aber grundsätzlich alle „üblichen“ Gegenstände, inkl. Rucksäcken, mit auf das Gelände nehmen. Direkt nach dem wir den Visitor Complex betreten hatten, begaben wir uns zum „Atlantis“-Bereich, der sich thematisch mit den Shuttle-Missionen beschäftigt und die relativ bekannte Attraktion „Shuttle Launch Experience“ beherbergt. Doch der Reihe nach..

Ähnlich wie in gut organisierten Vergnügungsparks nutzt die NASA zunächst sehr geschickte Methoden zur Gruppierung und Separierung von Besucherströmen. So läuft man erst mal eine relativ lang angelegte, kreisförmige Rampe hinauf, an deren Ende man auf den Einlass zum nächsten Raum warten muss. In diesem wird dann auf einer recht großen Leinwand und ein gut gemachter Film (mit Schauspielern und so) zur Geschichte des Shuttle-Programms gezeigt – kurzweilig, stimmig und informativ. Nachdem dieser Abschnitt beendet wurde, geht es weiter in einen zweiten, kathedralen-artigen Raum mit einer mehrfach gewölbten Decke, die – ebenso wie die Wände – von mehreren Beamern mit einer nahtlosen, sehr großen Darstellung angestrahlt wird. Nach einer kurzen Wartezeit beginnt hier eine Projektion, die bild- und tontechnisch hervorragend umgesetzt ist und den Start eines Atlantis-Shuttles zeigt. Dabei nimmt man zunächst virtuell die Position eines Beobachters im Wald ein, dessen Blick dann sehr schnell unmittelbar auf die Startplattform gezoomed wird. Bei diesem fühlt man sich dann mittendrin, statt nur dabei .. der Raum wird hell, der Boden bebt, der entstehende Dampf dringt von der vorderen Leinwand auf die seitlichen Projektionsflächen .. wirklich klasse gemacht. In den kommenden Minuten werden der Verlauf und die Erfolge des Shuttle-Programms gezeigt und man beginnt sich intensiv zu fragen, ob man jenes Shuttle auf dem Ausstellungsgelände noch zu sehen bekommt. Kurz vor Schluss erzählt die Stimme des Erzählers dann mit markigen Worten wie viele Jahre das Programm lief (26), wie viele Millionen Meilen das Shuttle zurückgelegt hat, wie viele Missionen es gab … bei den Worten „Welcome home“ öffnet sich dann der Vorhang und man blickt direkt auf die originale Atlantis-Fähre, die leicht angeschrägt von der Decke hängt. Das Gefühl dabei ist schwierig zu beschreiben, aber die Präsentation ist auf jeden Fall mitreisend und extrem gut gemacht – ein Highlight!

Der dann zugängliche Präsentationsraum ist auch generell gesprochen hervorragend gemacht. Man kann u.a. durch eine Raumstation krabbeln, sich an verschiedenen Simulatoren versuchen, eine Ausstiegsrutsche testen, in einem Cockpit Platz nehmen und natürlich die Atlantis von aus nahezu allen Blickwinkeln betrachten. Obgleich die Zeit für einen eintägigen Besuch im KSC generell recht knapp ist, sollte man sich unserer Meinung nach für diesen Abschnitt die nötige Ruhe nehmen .. viel besser wird es im gesamten Space Center definitiv nicht mehr. Um den Immersionslevel hoch zu halten, kann man direkt vom Shuttle aus zur Shuttle Launch Experience starten. Auch hier kommt das Prinzip der mehrphasigen Unterhalt zum Einsatz. Als geschlossene Gruppe betritt man zunächst einen Empfangsraum, in dem einem ein ehemaliger NASA Mission Commander einige Dinge über den Start einer Rakete, den Ablauf, die Kräfte, die verschiedenen Phasen und so weiter erzählt. Erneut werden hier alle Register der modernen Optionen für Themenparks gezogen – das Licht ist sehr dynamisch, wummernde Bässe machen das Geschehen erlebbar und angestrahlter Dampf intensiviert die Erfahrung. Nach die ersten Erklärung, die uns sehr gut gefallen hat, geht es weiter in eine Art Lobby, in der man sich für den Zutritt zum Shuttle Launch Exerpience Simulator anstellt. Es gibt 5 oder 6 Simulatoren und in jeden Passen ca. 30 Leute, so dass die Wartezeiten eigentlich recht gering sein sollten (bei uns war – bedingt durch die Nebensaison – so gut wie nichts los). Erneut erfolgt eine Videoeinweisung, bevor man dann endlich Platz nehmen darf. Schnell noch anschnallen, Sicherheitscheck durch das Personal (Row 1 ok, Row 2 ok, Row 3 ok ..), bevor es dann zu einer weiteren Wartezeit kommt (ich denke das soll die Spannung erhöhen). Dann klappt die gesamte Kabine 90°C nach hinten und es wird die Startprozedur eines Shuttles simuliert. Erneut wummert und kracht es munter und es werden eifrig Vibrationseffekte und adaptive Rückenpolster in den Sitzen eingesetzt. Dabei erzählt der Mission Commander was aktuell passiert. Das Ganze ist leider recht schnell vorbei, fühlt sich aber erstaunlich glaubwürdig an (durch das viele Ruckeln bewegt sich die Gesichtshaut tatsächlich so, wie man das bei starker Beschleunigung – z.B. aus einer Achterbahn – kennt). Angeblich wurde die SLE über 10 Jahre entwickelt und ist laut mehreren beteiligten Astronauten der realistischste Simulator seiner Art .. sollte man also definitiv mitnehmen (man möge bitte trotzdem bedenken, dass es die Shuttle Launch Experience schon seit mehr 5 Jahren gibt .. technisch also definitiv nicht auf dem allerneuesten Stand).

Nach der „Shuttle-Show“ und der Launch Experience ist man jedenfalls ziemlich begeistert und durchaus versucht im direkt angegliederten Geschenkeshop eifrig zuzugreifen – die Qualität der feilgebotenen Waren ist aber durchaus höher als das, was man an dieser Stelle aus diversen Parks gewohnt ist. Auch zwischendurch geschossene Fotos kann man erwerben – 10$ pro Bild aus der SLE und 35$ für eine Mappe mit zwei Fotos vor dem Atlantis-Shuttle .. sportlich. Unglücklicherweise – das muss ich ehrlich so schreiben – ging es unserer Meinung nach danach etwas bergab. Die sonstigen Ausstellungen auf dem Hauptgelände wirken doch durchaus etwas in Würde gealtert (bei den hiesigen Renovierungsshows würde man „dated“ sagen) und nicht dem Stand der Technik entsprechend. Man glaubt einfach von einem Aha-Erlebnis zum nächsten schlendern und können .. was leider auf nahezu keinen Bereich im Visitor Complex zutrifft. Auch die verschiedenen Verköstigungsmöglichkeiten sind eher ernüchternd .. eine typische Mensa sieht in aller Regel wesentlich attraktiver aus. Hätte ich so nicht vermutet..

Um 13:30 Uhr begann dann unsere – im Gegensatz zu den Standard-Touren – kostenpflichtige Close-Up Explorer Tour. Hierbei wird man mit einem separaten Guide und ca. 40 anderen Personen in einem Bus über das Gelände hin zu verschiedenen Highlights gefahren. Unterwegs erfolgen Erklärungen des Guides und das Gefährt stoppt an verschiedenen Stellen um den neugierigen Gästen die Möglichkeit zu geben Fotos zu machen. Um auch an dieser Stelle gewohnt ehrlich zu sein, waren wir auch hiervon nicht 100%ig überzeugt. Frühere Touren ermöglichten zum Beispiel den unmittelbaren Zutritt in einen Startbereich für Weltraumfahrzeuge (in das „Pad“), so dass man direkt dort stehen kann, wo der Schub der Triebwerke auf den Boden trifft. Auch ein Besuch des Vehicle Assembly Buildings, in dem die Raketen vereinfacht gesagt zusammen gebaut werden (eines der volumentechnisch größten Gebäude der Welt, welches 52 Stockwerke hoch ist, aber nur aus einem Stockwerk besteht), war wohl früher ebenso möglich wie ein Besuch des Bereichs, in dem die Module der ISS vorbereitet wurden. Heute fährt man mit dem Bus „nur“ über das Gelände und kann aus vergleichsweise großer Distanz Fotos schießen .. das ist etwas schade und entspricht erneut nicht den Erwartungshaltungen den man von ähnlichen „Hinter den Kulissen“-Touren in anderen Museen / Ausstellungen so kennt. Trotzdem waren die verschiedenen Lokationen natürlich äußerst beeindruckend anzusehen und ich möchte die Teilnahme an der Tour nicht missen. Insbesondere das bereits angesprochene Vehicle Assembly Building, das Launchpad 39B und der Platform-Mover (ein gigantisches Fahrzeug um zusammengebaute Raketen zu transportieren) waren überaus imposant.

Die Tour endet nach rund 2h am Saturn V-Center und es bahnt sich erneut eine der einmaligen Erfahrungen an .. man hat nämlich keine Ahnung, was jetzt passiert. In mittlerweile gewohnter Manier wartet man auf den Einlass in einen Raum, wodurch man (mal wieder) zu einer neuen Gruppe zusammengefasst wird. In diesem Raum wird einem dann auf drei großen Bildschirmen die Historie der verschiedenen Missionen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt, ebenso erfolgt ein kurzer Abriss über die Historie der NASA (Sputnik, Kennedy, Herausforderung an die Nation etc.). Ein Fokuspunkt liegt dabei auf dem eigentlichen Startvorgang, den ein ehemaliger Mitarbeiter des Fire Rooms erklärt, von dem aus die Mondmissionen gesteuert wurden. Danach öffnen sich die Türen und man betritt – zu meiner großen Überraschung – einen Nachbau der originalen Kommandozentrale. Nachbau nur deshalb, weil das eigentliche Gebäude in der Zwischenzeit verfallen ist (die Koordination der Missionen erfolgt ja bekanntlich mittlerweile von Houston aus), die originalen Konsolen wurden aber ab- und in diesem Raum aufgebaut. Auch die gesamte Einrichtung des Raums – inklusive der „gläsernen“ Rückwand wurde entsprechend rekonstruiert, was man aber erst später merkt. In den folgenden Minuten wird man rund fünf Minuten lang Zeuge des Startvorgangs, wobei die diversen Anzeigen über und in den Konsolen (soweit für den Laien erkennbar) mit realen Informationen beschickt und mit historischem Bildmaterial kombiniert werden. Wenn die Rakete dann abhebt, man den Lärm hört, durch das Pseudo-Glas der nachempfundenen Rückseite des Raums das rote Leuchten der Triebwerke flackert und alles wackelt, fühlt sich das schon ganz schön beeindruckend an. Selten war Geschichte derart greifbar.

Im nächsten Raum wartet dann – für mich wieder recht überraschend – eine Saturn V-Rakete, die der Länge nach unter der Decke hängt. Sie wohnt dabei in einem äußerst geräumigen Hangar (bestimmt mehr als 100m lang), der verschiedene Ausstellungen in den Seitenräumen und diverse Exponate unter der Rakete bietet. Auch hier kann man locker eine Stunde verbringen (einfach nur weil die gesamte Szene so toll wirkt) .. wenn das Center nicht schließt. Außerdem bietet sich im Saturn V-Komplex unserer Meinung nach die beste Gelegenheit etwas im KSC zu essen – hell, freundlich, geräumig .. wenngleich die Kantine noch eher als das Gebäude schließt.

So verließen wir das Kenny Space Center gegen 17:00 Uhr mit einigen neuen, extrem beeindruckenden Erfahrungen, aber auch etwas gemischten Gefühlen. Ein Besuch in diesem fast schon legendären Museum ist ein Muss und wird für jeden tolle Erlebnisse bereithalten. Insbesondere der Shuttle Atlantis-Bereich, der Saturn V-Komplex und die Dimensionen des Vehicle Assembly Buildigs sind einfach gigantisch. An einigen anderen Stellen wird man möglicherweise enttäuscht, denn einige Bereiche wirken einfach veraltet bzw. bleiben hinter den Erwartungen und Möglichkeiten zurück. An dieser Stelle sei zudem angemerkt, dass uns die Servicequalität an vielen Stellen als überraschend schlecht im Gedächtnis geblieben ist .. ziemlich untypisch für die Vereinigten Staaten.

So endet mein Bericht aus einem Zimmer mit dem Namen „Asian Spa Suite“ in Saint Augustine (rund 1,5h nördlich von Cape Canaveral). Dieses ist zwar klein, aber extrem fein, denn die Raumaufteilung besteht aus ca. 50% Wohnen und 50% Wellness-Bereich (große Dusche, künstlicher Kamin, Wanne mir Whirlpool). Morgen werden wir die historische Stadt (immerhin die Älteste von Siedlern gebaute Stadt Amerikas) erkunden und danach unsere letzte Station auf Amelia Island ansteuern.

Florida Tag 13 – Setzen Sie einen neuen Kurs!

Während ich diese Zeilen schreibe, ist wieder ein eher glücklicher Moment .. warum, dass wird sich in den nächsten Absätzen klären. Bevor wir aber zum Guten kommen, muss ich erst noch kurz auf das weniger Tolle eingehen: Unserer letzten Nacht im historischen Hotel in Port Saint Joe. Diese fühlte sich ein wenig wie eine Economy-Kabine (oder was auch immer die günstigste Kabinenkategorie auf einer Kreuzfahrt ist) auf einem großen Ozeanriesen an .. so, als ob das das mächtige, drehmomentenstarke Dieselaggregat seine gewaltigen Schwingungen hör- und fühlbar direkt vom Maschinenraum an unser Bett übertrug. Von Zeit zu Zeit schien der Captain dabei unterschiedliche Fahrtstufen anzuordnen, was den Motor dazu veranlasste mal etwas stärker, mal etwas weniger intensiv vor sich hinzubrummen (zu klappern?). Wenn wir irgendwo in der Karibik unterwegs gewesen wären und gewusst hätten, dass am nächsten morgen ein unvergesslicher Strand, Traumwetter und 30°C auf uns warten würden, wäre die Situation vielleicht sogar noch erträglich gewesen. So war unsere Unterkunft jedoch trotz vier Mal getauschtem Zimmer und Upgrade auf eine Suite (mit nur einem Fenster?) eher unterdurchschnittlich und keine Oase der Erholung. Dieser Eindruck besserte sich weder beim Frühstück, noch bei der falschen Rechnung, noch bei der eher dürftigen Erklärung des Personals, dass leider der Hersteller der Klimaaggregate und der Hersteller der Fenster insolvent gegangen sind und deshalb nicht mehr alle Schäden behoben werden können.

Ein noch größeres Problem aber war das Wetter. Zwar konnten wir uns über strahlenden Sonnenschein freuen, der auch den gesamten Tag über Bestand haben sollte, doch gab es gleichzeitig eine Warnung wegen Kälte und Sturm (Ursache ist irgendeine seltene Entwicklung des Wetters, welches natürlich völlig unüblich für diese Zeit und Region ist). Windgeschwindigkeiten von über 30km/h und 2°C Lufttemperatur sind eine ganz schön unwirtliche Kombination und lassen diverse Outdoor-Aktivitäten ohne entsprechende Vorbereitung (aus unerfindlichen Gründen hatten wir weder Winterjacken, noch Handschuhe, noch Mützen dabei) schwierig bis unmöglich werden. Für den Folgetag waren an unserem Zielort zeitweise -4°C angesagt, was wir mit Hinblick auf den fehlenden Eiskratzer im Mustang schon begann Sorgen zu machen 😉 Winterreifen hat das Auto überraschenderweise auch nicht.. Aaaalso führten wir ein schwieriges, langes Gespräch. So richtig glücklich waren wir mit dem Verlauf unserer Reise seit dem Verlassen von Crystal River nicht (obwohl Destin und Miramar Beach wirklich hübsch waren) und die Planung für Ocala (Kajak-Tour) sah nicht gut aus. Nach kurzer Diskussion und Prüfung der Wetteraussichten für die nächsten Tage (Kälte und Sonne im „Norden“, Wolken und 23°C in der Region um Miami) trafen wir eine Entscheidung: Wir ließen unser bereits bezahltes, nicht stornierbares Hotel in Ocala sausen und buchten eine nette Unterkunft in Port Canaveral – Kennedy Space Center, wir kommen! Das KSC ist sowieso zu einigen Teilen indoor und 17°C klingen definitiv besser als -4°C. Der einzige Haken: Vor uns lag eine rund 650km lange Fahrt. Man muss sich – da es durchaus amüsant ist – einfach mal eine Analogie vor Augen führen: Man stelle sich vor, man wacht morgens in Berlin auf und stellt plötzlich fest „Den Reichstag finde ich vielleicht doch nicht spannend“. Der fiktive Gesprächspartner könnte dann spontan antworten: „Hmm .. geht mir auch so .. aber ich habe gehört das Mercedes Museum in Stuttgart soll cool sein.“.  Antwort: „Ja, stimmt .. also heute wird das etwas knapp, aber ich buche uns einfach ein Hotel und dann können wir uns das morgen anschauen!“. Tja .. und so begann unsere Reise von Port Saint Joe über Tallahassee, Lake City und Ocala nach Port Canaveral – wenigstens schien die Sonne 😉

Bereits wenige Kilometer nach Port St. Joe machten wir Station am Cape San Blas, einer überraschend großen Landzuge südlich unseres Ausgangspunktes. Die Welt ist hier ruhig, es gibt viele Parkplätze, ein paar Bestandsimmobilien, ein paar hübsche neue Residenzen und einen ziemlich schönen Strand. An diesem fanden wir die bisher größten, intakten Muscheln .. während uns bereits nach wenigen Minuten an der frischen Luft die Finger anfingen zu schmerzen. Ein Hoch auf die über 5000km entfernt liegenden Spyder Handschuhe (ein solches Outlet gab es hier leider nirgends). Trotzdem konnten wir ein paar schöne Muscheln sammeln, ein paar Minuten Sonne tanken und einen weiteren Zielort auf unserer ToDo-Liste abhaken 😉 Danach fuhren wir rund 100km auf „Scenic Roads“, Straßen mit schöner Aussicht, an der Küste entlang, bevor wir über eine weitere szenische Route durch den Apalachicola National Forest nach Tallahassee, der Hauptstadt des Bundesstaates fuhren. Es gab also ziemlich viel schöne und beeindruckende Natur aus dem Auto zu sehen (zuerst eine fast schon Wattenmeer-artige Landschaft, danach recht herbstlich wirkende Wälder, die in einem tollen Licht erstrahlten), während wir uns fortwährend dem Tagesziel, Port Canaveral, näherten. Die nächste „Drive-In Zwischenstation“ bestand in einigen „Canopy Roads“ in Tallahassee, wobei es sich um ausgewiesene Straßenzüge handelt, welche ganz oder teilweise von Bäumen überdeckt werden, von denen häufig spanisches Moos hängt. Das sieht ziemlich ungewöhnlich und recht hübsch aus und wäre mit geöffnetem Verdeck bestimmt noch schöner gewesen .. aber dieses Opfer konnte leider nicht gebracht werden. Weiter ging es nach einer kurzen Zwischenstation in Lake City (basierend auf unserm kurzen Eindruck eine recht gesichtslose Stadt mit einem erstaunlich schlechten Applebees) nach Ocala. Hier gibt es mehrere, recht bekannte Quellen, in denen man Baden und von wo aus man diverse Kajak-Strecken befahren kann. Leider saß uns bei dieser vorletzten Station des Tages die Zeit massiv im Nacken, da einige State Parks bereits um 17:00 Uhr schließen und man zudem nach Sonnenuntergang wenig Spaß im Wald hat (der bei den aktuellen Bedingungen sowieso schon recht besucherfrei ist). Nun kann man ja unglücklicherweise nicht einfach wie in Deutschland etwas zügiger fahren, sondern muss auf den langgezogenen Interstates und Highways verzweifelt zu sehen, wie die Zeit bei meist weniger als 120km/h verrinnt. Um den Beitrag an dieser Stelle nicht unnötig in die Länge zu ziehen: Wir haben es – begleitet von den letzten Sonnenstrahlen – geschafft um ca. 16:15 Uhr an den Juniper Springs anzukommen (die Silver Springs haben wir aus Zeitmangel ohne Besuch passiert, zu den Alexander Springs hätten wir es erst im Dunkeln geschafft). Rasch waren die 10,60$ Eintritt entrichtet und nach einer kurzen Erklärung der freundlichen Rangerin standen wir auch bereits an der Quelle. Diese Bestand aus einem rundlichen Becken von ca. 30m Durchmesser, welches über eine Wassermühle ablief. Das Wasser war absolut klar und der Boden zu ca. 70% mit Wasserpflanzen (Flora und Fauna und so..) bedeckt. Die restlichen 30% des Süßwassergewässers bestanden aus Felsen und hellem Sand, vor dem man eine Unmenge kleiner Fische erkennen konnte.

Jetzt kommt der heroische Teil: Bei 12°C Außentemperatur und seeeeehr tiefstehender Sonne verschwanden wir rasch in die Umkleidekabine, kehrten flinken Fußes an den Pont zurück und stiegen mutig in die Fluten. Bei ca. 22°C Wassertemperatur ist dies nur im ersten Moment unangenehm und es dauert einige Minuten, bis man anfängt zu frieren. Rasch war das Schnorchel-Equipment angelegt und wir begannen mit der Begutachtung des Gewässers. Eine tolle Erfahrung! Zwar wären die Eindrücke mit mehr Sonne noch schöner gewesen, doch so waren wir ganz allein und wenn ab und an ein kleiner Teil des Gewässerbodens von der Abendsonne erleuchtet wurde, ergaben sich sehr schöne Farben. Es gelang uns die Fische als gewöhnliche Guppys zu identifizieren, die enorm neugierig waren und am liebsten noch in die Taucherbrille reingeschwommen wären 😉 Nach rund 20 Minuten flüchteten wir zurück in die völlig leere Umkleidekabine, brachten die überschüssigen Sachen zurück ins Auto und begaben uns zum Aufwärmen auf den nahegelegenen Trail. Ein wenig nervös machten uns die vielen „Achtung Bären“ und „Achtung Alligatoren“-Schilder, aber das ist halt Natur. Wesentlich nervöser machte uns die überraschende Entdeckung einer wirklich großen Bananenspinne in der Wassermühle am See (während ich versuchte den Sonnenuntergang durch das Fenster zu fotografieren .. das „braune Etwas“ im Vordergrund bemerkte ich etwas spät und sehr kurzfristig) – wer sich über die Ernsthaftigkeit der von diesem Tier ausgehenden Bedrohung informieren möchte, dem sei Wikipedia angeraten (hier für den Link zum Artikel klicken). Die gute Nachricht: Endlich gelang es mir ein qualitativ überzeugendes Foto der Spinne zu machen, was mir während der Mangroven-Tour nicht geglückt ist. Die schlechte Nachricht: Die Banenspinne ist eine von drei Spinnenarten weltweit deren Biss auch für einen gesunden Erwachsenen lebensbedrohend sein kann .. autsch. Sensibilisiert durch diese Erfahrung waren wir bei der Erkundung des rund 800m langen Trails „etwas“ vorsichtiger, wobei sich unsere Zuversicht durch die zunehmende Dunkelheit nicht gerade erhöhte. Nun ja .. letztendlich war das Quellengebiet am Kopf des Pfades wirklich schön anzusehen, wir erreichten das Auto ohne Zwischenfälle und sind um eine spannende Erfahrung reicher.

Gegen 19:30 Uhr kamen wir dann endlich in Port Canaveral an – eine lange Reise ging zu Ende. Das von uns gewählte Hotel zeigte sich qualitativ überraschend positiv, obgleich das auf 60 Grad Fahrenheit heruntergekühlte Zimmer ein „wenig“ unangenehm war (ich habe eine tolle Eselsbrücke gelernt: Man tausche die Ziffern „1“ und „6“ bei den Temperaturangaben, um Grad Celsius und Grad Fahrenheit umzurechnen .. der Raum war daher kälter als 16°C und damit nicht allzu einladend). Da die Steuerung der Klimaanlage eher stur war bzw. gar nicht reagierte, war ein deeskalierender Eingriff des Haustechnikers erforderlich, was zum Glück erfreulich schnell ging. Auf der abendlichen Fahrt in den Publix konnten wir dann noch ein Kreuzfahrtschiff der Norwegian Cruise Line bewundern, was hier zur Zeit vor Anker liegt.

So geht ein wirklich intensiver dreizehnter Tag zu Ende: Viel Fahren, viel Natur, spannende neue Eindrücke (vor allem Baden in der Quelle und Entdeckung der Spinne) und tolle Aussichten für Morgen. Nach einer kurzen Phase der Frustration ob des Wetters und unserer von diesem doch recht stark tangierten Routenplanung stehen jetzt –  nach der angepassten Planung – wieder alle Zeichen auf „Highlight“. Ich bin gespannt, was ich morgen Abend aus Saint Augustine vom „KSC“ berichten darf.

Florida Tag 12 – Die Prüfung

Gemäß des allseits beliebten Sandwich-Prinzips soll man eine weniger gute Nachricht bzw. Sache ja immer gemeinsam mit zwei guten Aspekten präsentieren, wobei die tollen Dinge die Einleitung und den Schluss bilden. Es gibt Tage, an denen weiß ich schon beim Schreiben der ersten Zeile: Dieses Mal wird das nicht klappen. Aber damit der Beitrag zumindest freundlich beginnt, werde ich mit einer positiven Erfahrung anfangen – der Nacht und dem Frühstück im Residence Inn in Miramar Beach.

Ich kann mich nicht erinnern, wann wir in Florida einmal derart komfortabel, ruhig und erholsam genächtigt haben .. ganz großes Kino. Auch das Frühstück setzt diesen positiven Eindruck fort, weiß es doch durch eine vergleichsweise große Auswahl, einen schönen Rahmen (in der Lobby des Hotels .. war aber einladender als es klingt) und ein geringes Geräuschniveau zu überzeugen. Noch attraktiver wäre es vermutlich gewesen die Speisen mit auf das Zimmer zu nehmen, wo es statt „Multi Purpose Spoons“ aus Plastik „richtiges“ Besteck und Keramik-Geschirr gegeben hätte. Aber auch so war die morgendliche Stärkung wie gesagt sehr angenehm und wurde zudem noch von einem leicht tropischen, in der Intensität variierenden Regenschauer begleitet. Damit dieser sogar noch romantischer wirkte, mischte sich ab und an ein sattes Donnergrollen zwischen das friedliche Rauschen des flüssigen Sonnenscheins, der in kräftigen Brisen mal mehr, mal weniger stark gegen die Fensterschreiben gedrückt wurde. Ich hoffe das Bild ist jetzt soweit stimmig und ihr könnt euch unseren Start in den zwölften Tag unserer Reise durch den Sunshine State einigermaßen lebhaft vorstellen. Motiviert von so guten Vorzeichen entschlossen wir uns zunächst noch ein wenig HGTV (Hausrenovierungsshows 24/7, 365 Tage im Jahr) auf dem qualitativ sehr überzeugenden HDTV zu schauen, bevor gegen 09:30 Uhr langsam Bedingungen eintraten, die es erlaubten an ein Verlassen der sicheren Unterkunft zu denken.

Mutig verstauten wir also unser Gepäck und fuhren Richtung Miramar Beach Strand (manchmal ist es gar nicht so einfach mit den Ortsbezeichnungen hier). Unmittelbar vor den riesigen, leeren Hotels in erster Reihe fanden wir einen perfekt gelegenen Parkplatz, von dem aus wir in weniger als 50 Schritten auf dem Strand standen. Interessantes Detail: Von fast allen größeren Hotels gehen Brücken über die Straße, so dass man sicher und ungestört von den kreuzenden Autos in den Wasserspaß starten kann – nicht schlecht. Der Strand selbst bot ein ziemlich faszinierendes Bild, wenn man auf entfesselte Naturgewalten steht: Die Wellen rasten auf den relativ flachen, aber enorm breiten Küstenabschnitt, brachen sich dabei an der Flachwasserzone und wirbelten eine Gischt auf, die vom landabwärtsgerichteten Wind sofort in die entgegengesetzte Richtung wieder zurückgeweht wurde (mit anderen Worten: Wasser jagd auf den Strand, Gischt entsteht, Wind bläst Gischt wieder auf das Meer .. sieht man so nicht allzu häufig). Der Strand wurde durch die wild bewegten Wassermassen immer wieder überspült, wodurch sich stellenweise ein Bild ergab, dass vom Fließbild her durchaus an die Priele im Watt erinnert 😉 Der Sand wirkte dabei übrigens noch immer sehr fein und vor allem (im Vergleich zur Luft) sehr warm. Nur die schneeweiße Farbe kam nicht 100%ig ideal zur Geltung 😉 Tapfer trotzten wir den recht feindlichen Bedingungen und kämpften uns etwas mehr als halbe Stunde gegen den Sturm, um dann so langsam wieder Richtung Auto zu wenden. Unterwegs trafen wir mindestens drei weitere Personen und konnten das ein oder andere Sanierungsobjekt in erster Reihe zum Meer begutachten .. und dem nächsten, langsam näher kommenden Gewitter lauschen. Der Spaziergang war also eher „sportlich“ und nur bedingt szenisch. Die gute Nachricht: Entgegen der ursprünglichen Wetterprognose war es mit 16°C immer noch recht warm, der Regen hatte bereits gegen 11:00 Uhr aufgehört und es gab noch Chancen auf einen schönen Nachmittag.

Als nächste Station statteten wir dem Silver Sands Premium Outlet einen Besuch ab .. wenn man schon mal in der Nähe ist und sich das Wetter nur zu 90% von seiner guten Seite zeigt, kann man ja mal schauen, was die lokalen Shops so hergeben. In diesem Zusammenhang wurden wir mehrfach sehr positiv überrascht – insbesondere Produkte von Merrell und Asics werden teilweise zu sehr attraktiven Konditionen feilgeboten („Kauf 1 Teil, nimm das zweite gratis mit“ ist bei Ascis Laufkleidung schon ziemlich interessant). Auch das Nike Outlet bietet eine große Auswahl zu recht guten Preisen .. vorbei schauen kann man ja mal 😉 Vom Einkaufserlebnis erschöpft steuerten wir gegen 13:00 Uhr die „Pancakery“ an, ein auf (große Überraschung) Pancakes spezialisiertes Restaurant. Dani entschied sich eine Kombination aus Buttermilch-Pfannkuchen, frischen Blaubeeren, frischen Erdbeeren und Erdbeerkompott. Ich wählte ebenfalls Buttermilch-Pfannkuchen, selektierte jedoch Choclat Chips als Füllung, frische Erdbeeren als Topping und eine Kugel Vanilleeis als Ergänzung. Wow .. das Ergebnis war in beiden Fällen äußerst lecker und sehr sättigend. Leider sogar so sättigend, dass ich ca. 1/3 meiner Portion (natürlich weder das Eis, noch die Erdbeeren) zurücklassen musste .. mehr wäre wirklich nicht schön gewesen.

Danach steuerten wir das Destins Commons an – eine weitere Sammlung von Geschäften unterschiedlichster Natur. Hier ging es vorrangig darum einen kleinen Rückschlag zu verarbeiten, der darin bestand, dass Dani ein paar Ohrringe in unserem Alptraum-Hotel in Crystal River vergessen hatte.. eine freundliche Beratung und einige Dollar später war das Malheur behoben. In der Zwischenzeit hatte sich das Wetter weiterentwickelt, was zu zwei Effekten führte: Zum einen schien nun endlich die Sonne und sorgte für einen vollmilchblauen Himmel (gut), zum anderen hatte es sich in Folge des morgendlichen Sturms leider recht stark auf 12°C abgekühlt (schlecht). Nach wie vor wehte dabei eine frische Brise, so dass die Bedingungen in etwa jenen unseres Sylt Urlaubs im November 2013 entsprachen. Zweckoptimistisch fuhren wir trotzdem an den Strand von Grayton Beach (ein State Park .. 5$ Eintritt pro Vehikel) und fanden nach langer Suche einen freien Parkplatz neben dem einzigen anderen Auto. Unglücklicherweise waren sowohl der Eisstand, als auch die Toiletten wegen „Winterization“ (stand wirklich auf dem Schild) geschlossen, so dass unser Besuch etwas weniger komfortabel als erhofft ausfiel. Leider bemerkten wir das größere Problem erst beim Betreten des Strands, welcher sich hinter den Dünen versteckt: 12°C, starker Wind, aufgepeitschstes Meer .. die Bedingungen zum Spazierengehen waren nicht unbedingt ideal. Wir stapften trotzdem ein paar Meter durch den recht kühlen Sand und mussten ein wenig enttäuscht feststellen, dass das Erscheinungsbild weitestgehend dem von Miramar Beach entsprach. Während also der Strand von Pensacola wesentlich weniger fein und weiß war, konnten wir zwischen Destin, Miramar und Grayton praktisch keinen Unterschied ausmachen, was ein wenig von der von den Reiseführern geweckten Erwartungshaltung abweicht. Bitte nicht falsch verstehen: Im Sommer, bei >25°C, weniger Sturm, einem ruhigeren Meer und etwas mehr Besuchern sind alle genannten Strände bestimmt sehr schön und zum Baden toll geeinigt .. zum Zeitpunkt unseres Besuchs ergab sich jedoch kein wirklicher Mehrwert (da auch keine wirkliche Unterscheidbarkeit gegeben war) durch die Besichtigung der unterschiedlichen Lokationen. Auch der kurze Tripp nach Seaside (hier wurden angeblich große Teile des Films „Die Truman Show“ gedreht) war eher farblos: Verfrühte Weihnachtsdeko, leere Stadt, breiter, kalter Strand.

Ich könnte an dieser Stelle noch kurz auf den fast schon traumatischen Besuch der Panama City Mall eingehen, bei der wir im weiteren Verlauf unserer Fahrt in Richtung Port Saint Joe Station machten, aber jede Erinnerung an dieses Ereignis wäre verschwendete Zeit. Kurzzusammenfassung: Muss wirklich nicht sein; absolut gar nicht. Etwas netter war (wie mittlerweile gewohnt) das Abendessen bei Applebees: Salat, ein paar Pommes, endlos viel Pepsi, dazu eine nette Atmosphäre und rasche Bewirtung .. so kann man sich unterwegs wirklich nett ernähren (lassen).

Leider finde ich aktuell – wie eingangs anmoderiert – kein positives Erlebnis um unseren Tag zu schließen .. daher werde ich quasi als Notfallmaßnahme etwas Erheiterndes berichten: Nach dem durchwachsenen Tag erreichten wir ein wenig erschöpft und bereits recht spät (wir hatten vor rund 30km wieder die Zeitzone gewechselt) unsere Unterkunft in Port Saint Joe. Bewertung bei Google >4, Kommentare bei Tripadvisor eigentlich unauffällig und ziemlich positiv. Wir bezogen das erste Zimmer: Auf den ersten Blick etwas klein, aber sonst in Ordnung .. Problem: Direkt vor der Tür stand der Eisspender und dessen Kühlaggregat erreichte locker die Lärmstufe eines Notstromgenerators .. keine Option. Wir bezogen das zweite Zimmer: Auf den ersten Blick ganz in Ordnung, aber die Fenster ließen sich nicht völlig schließen und direkt vor selbigen befanden sich die Aggregate der Klimaanlagen. Also besorgte Dani einen Schlüssel, um die Betätigungen der Fenster bewegen zu können, mit der Hoffnung den Lärm auszusperren. Das klappte zwar im „Hauptraum“, im Bad blieb das Fenster bedingt durch einen Defekt aber stets mindestens 5cm offen .. irgendwie blöd, wenn es nachts bis zu 3°C kalt werden sollen. Wir bezogen das dritte Zimmer: Die Fenster ließen sich schließen, das Bad hatte erst gar keins .. schien in Ordnung zu sein. Wir schleppten all unser Gepäck in das Zimmer und stellten dann fest, dass permanent klappernde Geräusche zu vernehmen waren .. die Klimaaggregate verursachten wohl Schwingungen, die übertragen wurden. Nach dem Hinweis an der Rezeption, dass sich das zu einer tollen Geschichte für Tripadvisor entwickelt, bezogen wir das vierte Zimmer (jetzt gab es sogar ein Upgrade!). Wir hatten nun zwei Klimaanlagen, zwei Fernseher, immer noch ein fensterloses Bad und … einen Getränkeautomat vor der Tür, dessen Kühlaggregat ebenfalls deutlich wahrnehmbar zu Werke geht. Man bot uns Ohrstöpsel an und verwies darauf, dass das Hotel „historisch“ sei und deshalb mit diesen Einschränkungen zu rechnen ist. Man tat das sehr nett. Wir wollten nicht nochmal umziehen. Wir werden eine Nacht überstehen.

Morgen steht primär die Fahrt nach Ocala an, die rund fünf Stunden dauern sollte und auf der wir hoffentlich den ein oder anderen interessanten Zwischenstopp einlegen werden. Leider werden die Temperaturen bis zu unserer Abreise die 20°C wohl nicht mehr überschreiten, weshalb damit zu rechnen ist, dass wir uns bei der Rückkehr nach Deutschland zumindest keine unverschämte Ganzkörperbräune vorwerfen lassen müssen. Sollte es morgen keinen Blogbeitrag geben, so bitte ich darum nicht in Panik zu verfallen .. vielleicht gibt es einfach nichts zu erzählen 😉

Florida Tag 11 – Der Panhandle

Manchmal (ich denke sogar eigentlich sehr oft) hat die Stimmung, in der man sich beim Schreiben solcher Beiträge befindet, einen großen Einfluss auf die Darstellung und Bewertung des Erlebten. Schöne Dinge werden in der Retrospektive (und seien die Erinnerungen auch noch so jung) schöner und weniger tolle Erlebnisse erscheinen bereits mit wenigen Stunden zeitlichem Abstand nicht mehr ganz so suboptimal. Ich schicke diese Erklärungen vorweg, da ich momentan eindeutig in der Stimmung „glücklich“ bin. Warum dem so ist, wird sich (hoffentlich) dem roten Faden folgend später ergeben.

Doch fangen wir wie immer am Morgen an: Nach einer erholsamen, aber etwas irritierenden Nacht (die zusätzliche Stunde Zeitverschiebung ist doch etwas ungewohnt) starteten wir mit einem typischen, amerikanischen Hotelfrühstück in den Tag. Dies bedeutet, dass wir auf Papptellern und mit Plastikbesteck bewaffnet über Waffeln, Joghurt, Cornflakes, Eier und Speck etc. herfallen durften – allerdings in eher „einfacher“ Bistro-Atmosphäre . Frisch gestärkt wuchteten wir unser Gepäck ein weiteres Mal ins Auto (mittlerweile haben wir im Umziehen ja enorm viel Erfahrung) und steuerten in Richtung Strand. Rückblickend der größte Fehler des Tages. Da laut Wetterbericht der Morgen deutlich schöner als der Rest des Tages sein sollte, verwarfen wir unsere eigentliche Planung und besuchten zuerst Pensacola Beach. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 20 Minuten und führte über eine Brücke, auf der man die Maut in Höhe von 1$ tatsächlich noch Bar am Schalter entrichten darf (Maut gibt es hier wirklich überall .. aber die Mietwagen sind mit einem sog. „SunPass“-System ausgestattet, so dass die Gebühren im Nachhinein ganz einfach und schmerzlos mittels der bei der Autovermietung hinterlegten Kreditkarte abgerechnet werden).

Um Pensacola Beach zu erklären, möchte ich mich einer nicht perfekten, aber ziemlich passenden Analogie bedienen: Stell dir vor du möchtest auf Mallorca eine gute Zeit verbringen (inkl. Party in der Schinkenstraße), steigst vorfreudig in den Flieger, malst dir vorher aus wie toll die Strände sein werden, wie gut die Stimmung, wie glücklich die anderen Menschen .. kommst dann an und stellst fest: Komisch, im Februar ist am Ballermann gar nichts los. Alle Parkplätze sind leer, es gibt keine Rettungsschwimmer am Strand, die großen Hotels wirken verlassen, die Bars und Cafes sind geschlossen und die einzigen die mit dir am Strand sind, sind ein paar andere Verrückte, die auf Einsamkeit und Wind stehen. So in etwa fühlt man sich, wenn man Mitte November, an einem frühen Sonntagmorgen am Strand von Pensacola ankommt und überrascht feststellt „In der Saison ist es bestimmt cool hier .. wann geht die doch gleich wieder los?“. Die Antwort auf eben jene Frage liefern die Schilder, die darüber informieren, wann das Strand-Shuttle („Trolley“) wieder fährt: Im Mai 2015. Mit anderen Worten waren wir mehr oder weniger schockiert von der Szenerie, die völlig verlassen, grau, ungastlich wirkte und so gar nicht dem entsprach, womit wir gerechnet hatten. Auch die angeblich so weißen Strände waren zwar sehr breit und relativ fein, aber bei Weitem nicht so strahlend und schneeweiß, wie wir uns das im Voraus vorgestellt hatten. Tapfer stapften wir also am einsamen Strand und gegen den Wind durch den Morgen und wurden offen gesagt ein wenig frustriert. Irgendwann kehrten wir um, reflektierten auf dem Rückweg zum Auto sachlich und partnerschaftlich den Hergang, der zu dieser Mini-Katastrophe geführt hatte („Schatz, in den sechs Stunden Fahrt hier her hätten wir es auch nach Miami geschafft!“) und verzweifelten ob der nicht vorhandenen Optionen. Egal welchen kühnen Plan wir zu entwickeln versuchten, es wäre einfach nicht sinnvoll und vermutlich auch gar nicht durchführbar gewesen (die etwaigen Mehrkosten gar nicht betrachtet). Also fügten wir uns in unser Schicksal und kehrten zunächst zum eigentlich avisierten Tagesablauf zurück: Einem Besuch im National Naval Aviation Museum. Nach einer relativ entspannten Fahrt von ca. 35 Minuten erreichten wir das Areal, auf welchem sich selbiges befindet, und mussten dem Guard an der Schranke zunächst Identität und Intention nachweisen – da merkt man schon, dass das Museum einen eher offiziellen Charakter hat.

Nachdem die Schranke passiert war, ging es zunächst auf einem sehr großzügig dimensionierten Golfplatz vorbei, bevor sich weitere 3km später die Silhouette eines Jets zeigte. Rasch war das Auto auf dem riesigen Parkplatz abgestellt und nach einer kurzen Reorganisation (Rucksäcke, Taschen etc. sind im Museum nicht gestattet) betraten wir das Hauptgebäude. Hier wird einem bereits nach wenigen Augenblicken die Ernsthaftigkeit der Sache bewusst: Der Info-Counter war in massivem, dunklen Holz gehalten, dahinter standen drei Herren gehobenen Alters im Anzug und mit Krawatte, die Revers mit goldenen Miniaturflugzeugen besetzt und die Hände vornehm gefaltet. Das National Naval Aviation Museum ist eine kostenlose Ausstellung der amerikanischen Navy, welches qualitativ extrem hochwertig umgesetzt wurde und überraschend groß ist – aber keine Flugzeugsammlung mit der Leichtigkeit eines Technikmuseums in Speyer etc. Dies wird einem zusätzlich vergegenwärtigt, wenn man in der Ausstellung von Veteranen angesprochen wird und von diesen Erklärungen erhält – beeindruckend. Dani fand die Atmosphäre etwas zu drückend, ich kam aus dem Staunen hinsichtlich der Umsetzung, der Exponate und der Authentizität nicht heraus – allein dieses Museum lässt einen Besuch in Pensacola zur Empfehlung werden. Neben sehr vielen Flugzeugen unterschiedlichster Baujahre gab es auch Exponate aus dem Bereich der Weltraumtechnik, verschiedene Hubschrauber (unter anderem den Marine One, also einen Hubschrauber des Typs, den der Präsident verwendet), Fahrzeuge und Szenerien zu erkunden. So waren beispielsweise einige Quartiere eines Flugzeugträgers, ein kleiner Teil eines Versorgungslagers aus dem Vietnamkrieg sowie verschiedene Modelle zu den Innenansichten und Arbeitsweisen in den Flugzeugen zu sehen (u.a. Querschnittsmodelle).

An vielen Stellen wird mit modernen Multimediainstallationen gearbeitet, um z.B. die Funktionsweise einer Turbine oder die Zusammenarbeit auf einem Flugzeugträger zu zeigen. Ferner kann man erstaunlich viele Exponate berühren bzw. betreten, so dass wir (obwohl wir schon einige Museen dieser Art besucht hatten) das erste Mal gemeinsam in meinem authentischen Cockpit sitzen durften – eine tolle Erfahrung. Auch die schieren Dimensionen der Museumshallen und die sehr hohe Qualität der gezeigten Stücke (eigentlich hat man bei jedem Flugzeug das Gefühl, es könnte sofort abheben), tragen positiv zum Gesamteindruck bei. An dieser Stelle sei angemerkt, dass es (normalerweise, zum Zeitpunkt unseres Besuchs bedingt durch einen technischen Defekt) Touren über das Vorfeld, geführte Touren durch das Museum und dienstags sogar Demonstrationsflüge der Kunstflugstaffel gibt – das alles kostenfrei. Einzig für das IMAX 3D-Kino und die 4D-Bewegungssimulatoren hätte man Tickets lösen müssen – wir haben verzichtet. Wie gesagt, dieses Museum ist ein ganz toller Tipp und eine mindestens 3h dauernde Beschäftigung. Danach kann man z.B. den in der Nähe befindlichen Leuchtturm erkunden, um die Erfahrung abzurunden (hier sind Eintrittsgelder zu zahlen).

Danach ging es für uns weiter an der Emerald Coast, der Elfenbeinküste, gen Süden. Unser nächstes Hotel lag nur ca. 100km entfernt, so dass wir Zeit für verschiedene Zwischenstopps hatten. Einen solchen legten wir relativ spontan am Gulfarium ein – einer Art Sea World mit Fokus auf die im und am Meer lebenden Tiere der Golfküste Nordamerikas. Neben diversen kleinen Aquarien und einem überraschend kleinen Seewassertank (220.000l Wasser sind weniger, als man vermuten würde), gab es diverse Außenanlagen mit Rochen, Riesenschildkröten (Land und Wasser), Haien, Alligatoren, Seelöwen, Ottern, Vögeln und Muscheln sowie Krebsen zu sehen. Das Herzstück der Anlage bildet ein großes Bassin mit ca. 6m Tiefe und ungefähr 20m Durchmesser, in dem fünf Delfine leben. Diese kann man zwei Mal am Tag in einer „Show“ bewundern – für deutsche Verhältnisse mittlerweile ein Relikt. Wir haben uns eine dieser Shows angesehen, die zwar durchaus nett war, jedoch übertrieben inszeniert und relativ unverständlich erklärt wurde. Auch die teilweise beengten Bassins der anderen Meeresbewohner (hier seien vor allem die Haie genannt) verbesserten den Gesamteindruck nicht unbedingt. Insgesamt haben wir im Gulfarium ca. 2h verbracht, dafür in etwa 42$ ausgegeben und einige nette Eindrücke gesammelt. Wer bereits einen vollen Terminplan hat, muss hier unserer Meinung nach aber nicht unbedingt stoppen.

Auf dem Weg in Richtung Hotel legten wir nochmals eine kleine Zwischenstation an einem namenlosen Strand direkt am Highway an, der den üblichen Vorstellungen des Miracle Strips bereits deutlich näher kam – sehr breit, sehr weiß, sehr fein. Wenn der Wind weniger, das Meer ruhiger und die Luft wärmer ist, kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man hier eine tolle Zeit verbringen kann. Noch besser wurde es wenige Kilometer später, als wir endlich in Destin ankamen. Destin scheint das designierte Tourismuszentrum (vielleicht auch eher Party-Zentrum) der Emerald Coast zu sein, denn hier ist einfach mal alles neu, alles spektakulär und alles einladend. Man kann direkt am Harborwalk Village genannten Bereich (gratis) parken und von dort an die Erkundung starten. Wer sich bereits beim Namen an den Historic Harbor District von Key West erinnert fühlt, wird nicht enttäuscht. Über mehrere lange Stege und Straßen geht es durch das Viertel, welches teilweise ähnliche Attraktionen wie im tiefen Süden bietet (Powerboot-Touren, Angeltouren, Parasailing, JetSki-Fahrten, Schnorcheltripps etc.), aber zusätzlich einige einmalige Highlighs aufweist. Hierzu zählen z.B. Kletterwand (inkl. LED-Beleuchtung), Seilrutsche, Bungeejumping-Turm und gigantische LED-Wand – wie man sieht, ist hier also richtig was los. Zwar hatten wir während unseres Besuchs etwas Pech mit dem Wetter (wenig Sonne, viele Wolken, starker Wind .. und wie gesagt Nebensaison), doch konnte man bereits bei diesen suboptimalen Bedingungen ein Gefühl dafür kriegen, was hier sonst los sein muss. Wenn es im Süden richtig warm und überfüllt ist (also im Sommer) ist Destin sicherlich eine richtige coole Gegend um Spaß zu haben, actionreiche Events zu erleben und den wirklich schneeweißen Sand zu genießen. Letzteren haben wir uns auf der Landzunge gegenüber des Hafens etwas näher angeschaut, wobei erneut die vielfältigen und kostenlosen Parkmöglichkeiten positiv auffallen. Dabei konnten wir erfolgreich verifizieren, dass das Adjektiv „schneeweiß“ in der Tat nicht übertrieben ist.

Die letzte Station des Tages stellte erneut eine sehr positive Überraschung dar und ist der Grund, warum ich mich derzeit so glücklich fühle. Das Residence Inn (by Marriott) in Miramar Beach ist ein absolutes und dabei ziemlich kostenattraktives Highlight (es ist so toll, dass ich schon wieder Namen nenne). Tolles Gebäude, beeindruckende Lobby und vor allem qualitativ extrem hochwertige Zimmer wissen zu überzeugen. Während unseres gesamten Urlaubs hatten wir nicht einmal ein so luftiges Studio, mit einer derart neuen und sauberen Küche, ein so bequemes Bett und eine so gelungene Wohlfühlatmosphäre. Alles sieht so aus und fühlt sich so an, als ob das Hotel erst letzte Woche eröffnet wurde .. nach den teilweise etwas ernüchternden Erfahrungen der letzten Nächte stellt das Residence Inn ein Refugium der Erholung dar, welches man am liebsten gar nicht mehr verlassen möchte. Neugierigen sei übrigens gesagt, dass das Ressort auch Annehmlichkeiten wie einen Fitnessbereich, einen Indoor- und Outdoorpool sowie einen Whirlpool bietet). Das Personal ist sehr freundlich und die Lage super. Mit dem letzten Punkt möchte ich zum Grand Boulevard überleiten, der im Prinzip neben dem Hotel beginnt und ein Vorzeigeviertel von Miramar darstellt. Alles ist neu, sauber, hübsch, aufeinander abgestimmt und wirkt extrem einladend. Im gesamten (sehr gut beleuchteten) Viertel wurden beispielsweise großzügig Bose-Lautsprecher verbaut, aus denen leise eine einheitliche Beschallung ertönt – wo hat man so etwas schon? Ferner gibt es einen dedizierten Guide, in dem man neben einem Grundriss des Viertels auf einen Blick die verschiedenen Karten der lokalen Restaurants, Bezahlmöglichkeiten und Geschäfte findet .. für amerikanische Verhältnisse zwar nicht unüblich, aber definitiv qualitativ überdurchschnittlich. Wer unter einem „* Inn“-Hotel einen grauen Block in irgendeinem dunklen, lauten Gewerbegebiet vermutet (sowas ist uns natürlich noch nie passiert 😉 ) wird hier jedenfalls aus dem Staunen nicht herauskommen.

Unsere abendliche Futterbesorgung im hiesigen Publix (10 Minuten zu Fuß vom Hotel) lässt mich auf den letzten Aspekt kommen, auf dem ich in diesem Artikel eingehen möchte: Der Servicementalität hier in den Staaten. Jeder Angestellte in jedem Supermarkt in dem wir bisher waren, grüßt zum Beispiel freundlich, geht proaktiv aus dem Weg oder entschuldigt sich, falls er doch mal passieren muss. Man wird überall freundlich empfangen und findet jederzeit schnell und kompetent Hilfe, wenn Fragen zu Produkten auftreten. Den Gipfel des Aha-Erlebnisses hat man dann an der Kasse, wenn jeder Kassiererin eine dedizierte Servicekraft zur Seite steht, die beim Ausladen des Einkaufskorbs hilft, die bezahlten Waren in Tüten verpackt und diese auch wieder in den Wagen lädt. Das alles geschieht (zumindest hier) mit einer selbstverständlichen Freundlichkeit und wirkt weder erzwungen, noch unangenehm. Einkaufen macht hier wirklich Spaß und stellt (für mich ganz persönlich) einen sehr krassen Kontrast zur deutschen Servicementalität dar, bei der ich manchmal das Gefühl habe, mich bei der Bedienung im Supermarkt entschuldigen zu müssen, wenn ich die Dreistigkeit besitze 21:00 Uhr abends etwas zu Essen kaufen zu wollen.. Das die genannten Servicekräfte i.d.R. kein Trinkgeld erwarten (was teilweise auch durch entsprechende Schilder an der Kleidung kenntlich gemacht wird) sei nur ergänzend erwähnt.

So geht unser elfter Tag in Florida so langsam zu Ende .. morgen erwartet uns voraussichtlich leider ein weiterer Regentag (laut Vorhersage zumindest bis zum Mittag), verbunden mit einem Temperatursturz von 23°C auf 10°C. Wir werden das Beste daraus machen, die lokalen Shoppingcenter besuchen, eventuell eine Runde Minigolf spielen und (hoffentlich) den „legendären“ Grayton Beach erkunden. Abends steht dann die rund 2h dauernde Fahrt nach Port St. Joe, weiter im Osten gelegen, an.

Florida Tag 10 – Bei den Seekühen

Bevor ich damit beginne von unserem zehnten Tag im Sunshine State zu berichten, muss ich quasi eine Errata für Tag 9 veröffentlichen: Das Hotel war eine Katastrophe. Lieber würde ich in künftigen Urlauben ein Handgepäckstück zu Hause lassen, kein einziges Dessert bestellen, stets auf Softdrinks verzichten oder im Notfall sogar um eine Nacht verkürzen, als nochmal in so einer Absteige schlafen zu müssen. Wie kommt es zu diesem krassen Sinneswandel? Keine Ahnung .. irgendwie sah alles noch ganz nett aus, als wir ankamen. Spätestens nach der Rückkehr von unserem abendlichen Einkauf und vermutlich mit Hilfe der mit der Nahrung einhergehenden Stärkung wurden die eklatanten Mängel immer sichtbarer: Mangelhafte hygienische Zustände, unangenehmer (modriger) Geruch, hoher Lärmpegel. Während unseres gesamten Urlaubs habe ich bisher nicht ein einziges Mal so schlecht geschlafen und wenn man sich in die verschiedenen Problemstellen tiefer reingedacht hätte, wäre man wahrscheinlich schreiend weggelaufen. Merke: Es gibt eine qualitative Untergrenze für Unterbringungen und selbst die Argumentation „Wir wollen dort doch nur ein paar Stunden schlafen“ ist nicht immer hilfreich .. nicht mal im Streitgespräch mit sich selbst.

Nachdem dieses unangenehme Kapitel hiermit abschließend behandelt wurde, möchte ich dazu übergehen von unserer „Schwimm mit den Manatees“-Tour zu berichten. Selbige begann ziemlich früh an einem kalten, ca. 10°C frischen Morgen (für diese Region übrigens laut Aussage der Anwohner überdurchschnittlich kalt) an einem Seitenarm der Kings Bay. Hier hat der von uns gewählte Anbieter „Crystal River Watersports“ seine Basis. Den Beginn unseres Abenteuers markierte die Übergabe der Ausrüstung – im Preis inbegriffen waren Flossen, Schnorchelequipment (hier hatten wir ja eigenes Material dabei), eine „Schwimmweste“ als Auftriebshilfe (so ein fortgeschrittenes Modell zum selber aufpusten, wie im Flugzeug) und – ganz wichtig – ein dicker Ganzkörperneoprenanzug. Nachdem wir per Unterschrift so ziemlich alle etwaigen rechtlichen Maßnahmen gegen den Anbieter ausgeschlossen und die Ausrüstung anprobiert hatten (kneift ganz schön..), wurden uns zunächst von einem sehr freundlichen Herren an Hand einer Plüschseekuh die Grundsätze erklärt: Immer das Tier den ersten Schritt gehen lassen, nur mit einer Hand berühren, langsame Bewegungen, nur an der Stirn, dem Rücken und dem Bauch berühren. Verstanden. Danach mussten wir ein ca. 10 Minütiges Video schauen, dass die eben erklärten Grundsätze nochmals eindrucksvoll in Bild und Ton wiederholte und konkretisierte .. und die mögliche Maximalstrafe bei Verstößen  (100.000$) benannte. Nach Abschluss dieser Einführung war es soweit: Wir lernten unseren Captain kennen (Captain Jim) und begaben uns gemeinsam auf das Boot. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass wir nur zu zweit auf der Tour sein würden .. toll! Jim ist ein Pensionär, der recht kommunikativ und als Tauchlehrer / Aufpasser / Begleiter / Bootsführer perfekt geeignet ist. Er hat viele interessante Dinge erzählt, auf angenehme Weise die Regeln erklärt (ja, nochmal und schon wieder) und später im Wasser auf sehr sympatische Art auf deren Einhaltung geachtet. Er wirkte dabei aber eher wie ein erfahrener Kumpel und nicht wie ein Army-Ausbilder, wie dies einige andere Captains tun, die wir an diesem Tag erlebt haben.

Voller Neugier warteten wir also darauf wie Captain Jim unseren Flachkieler durch die Kanäle in Richtung der Quellen in der Kings Bay steuerte. Links und rechts des Flusses häuften sich nach und nach die unterschiedlichsten Häuser (alte wie neue, große wie kleine) und bei sich langsam lichtenden Dunst unmittelbar über dem Wasser wurde es langsam wärmer. Als wir während der Fahrt dann auch noch einen Delfin sahen, waren wir endgültig wach (Jim war natürlich so nett das Boot zu wenden, so dass wir den Säuger besser beobachten konnten). Unser Ziel erreichten wir nach ca. 30 Minütiger Fahrt und meine ersten Eindrücke kann ich leider nur unzureichend wiedergeben. Da wäre zum einen der Erstkontakt mit den Manatees – wir hatten zuvor noch nie welche „in Echt“ gesehen. Die Seehkühe sind wesentlich größer als man sich das vorstellen würde – die meisten von ihnen sind über 2m lang und bewegen sich mit Hilfe einer massiven Schwanzflosse vorwärts, die allein über 50cm im Durchmesser misst. Der Körperdurchmesser der vegan lebenden Meeresbewohner bewegt sich vermutlich im Bereich von rund 1m (ich zitiere an dieser Stelle nicht Wiki, sondern gebe einfach meine individuellen Schätzungen wieder) – da schwimmen also richtig große Brocken im Wasser. Diese haben aber etwas sehr Friedliches und Niedliches an sich, so dass man am liebsten sofort Kontakt herstellen möchte – hierzu später mehr.

Der zweite, ebenso überraschende Eindruck nach unserer Ankunft im Zielgebiet, war für mich dessen Art und Umgebung. Naiv stellt man sich vor, dass man mit kleinen Booten eine relativ lange Zeit durch schmale Kanäle fährt, um dann in einem abgeschiedenen, ruhigen Gebiet endlich Seekühe zu sehen. Die Praxis sieht eher so aus, dass sich die Manatees in der Winterzeit in die von warmen Quellen erhitzten Kanäle der Kings Bay zurückziehen, die ganz regulär bevölkert sind. Dort stehen also wie bereits beschrieben Häuser unterschiedlichster Art und Güte (also auch richtige Villen), die unmittelbar am Wasser gebaut sind und größtenteils über eigene Stege und Boote verfügen – und eben dort schwimmen die Manatees .. und auch die vielen „Schaulustigen“. Man muss sich das also wirklich so vorstellen, dass dort eine amerikanische Familie an ihrem eigenen Steg frühstückt, im Wasser direkt daneben mehrere Seekühe schwimmen, welche von zwei bis 200 Schnorchlern umgeben werden. Ja, wie uns erklärt wurde, bevölkern zur Hochsaison zwischen Weihnachten und Neujahr tatsächlich bis zu 15 Boote mit jeweils bis zu 15 Personen an Bord die üblichen Rendevouz-Punkte .. eine verrückte Vorstellung, oder?

Damit alles mit rechten Dingen zugeht, gibt es neben den bereits genannten Regeln auch jede Menge Aufpasser. Da wäre ein bewaffneter Law Enforcement Officer an Land und während unseres Aufenthalts zwischen zwei und fünf freiwilligern Helfern auf und unter Wasser. Man hat also ständig Personen in Kajaks, auf Paddelboards oder auch mit Schnorcheln und Flossen im Wasser patrouillierend um sich, die darauf achten, das sich auch wirklich alle zu jeder Zeit richtig verhalten. Das klingt jetzt vielleicht etwas krasser als es sich in der Praxis darstellt, da man insbesondere in einer kleinen Gruppe (wie wir sie waren) eigentlich nur positives Feedback bekommt („So ist es gut“, „Ich glaube dich stupst gleich einer an .. sie mögen gelb“, „Da kommt ein Großer auf dich zu“). Sobald mehr Touristen das Zielgebiet erreichen – das haben wir auch erlebt, als plötzlich ca. 20 Taucher wie eine Entenfamilie auftauchten – wird man schon etwas vorsichtiger und mahnt proaktiver. Wesentlich sind in diesem Zusammenhang zwei Dinge: Erstens haben die Manatees durch Bojen und Seile markierte Rückzugsgebiete („Sanctuaries“, Heiligtümer) in die man auf gar keinen Fall einschwimmen darf. Zweitens dürfen die Manatees alles und haben auch immer Vorfahrt. Das wird zum Beispiel dann spannend, wenn man einer Seekuh auf dem Weg aus oder in das Quellgebiet begegnet – hier muss man als Schnorchler sofort an den Rand ausweichen und warten.

Ich fürchte, dass sich meine Ausführungen bisher ein wenig „steif“ anhören. Dies kommt möglicher Weise daher, dass ich noch nicht genügend auf das Wesen der Manatees eingegangen bin. Diese sind nämlich sehr friedfertig und verbringen den ganzen Tag mit Fressen (ca. 200kg Seegrass am Tag), Schlafen und Schmusen. Dani hatte das große Glück, dass sich ein Manatee wenige Minuten nach unserem Eintauchen ins Wasser in sie verliebte und ausgiebig den Schmusen-Part praktizierte. Auslöser war wohl das Halteband ihrer Auftriebsweste, welches die Seekuh interessant und vielleicht auch lecker fand. Nach einem kurzen Beschnuppern wurde Dani sofort mit den Flossen umklammert und fortan ausgiebig betastet und angeknabbert. Wie sich später herausstellen sollte, war diese Begebenheit wohl tatsächlich relativ außergewöhnlich und sehr niedlich anzusehen. Meine Weste war scheinbar weniger attraktiv, weshalb ich mich mit sachten Streichelbewegungen von der Seite begnügen musste 😉 An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Manatees im Salz- und Süßwasser leben können und „unser“ Exemplar von der Zeit im Golf von Mexiko noch recht algenbehaftet war .. er fühlte sich also ein wenig glitschig an. Nach einigen Minuten beschloss Captain Jim (der vorbildlicher Weise mit uns im Wasser war und zudem mit seiner GoPro Hero 3 Black Edition Fotos machte), dass es Zeit wäre der Seekuh Ruhe zu lassen und weiter zu schwimmen. Sachte nahm er dem schwimmenden Sympathieträger sein Leckerli weg und wir schwammen mit Hilfe der Flossen zügig durch einen Engpass in das Quellgebiet ein.

Für uns als Tauch- bzw. Schnorchelanfänger war das eine tolle Erfahrung: Das Wasser war glasklar, es gab sehr viele Fische zu sehen und je näher man den Quellen kam, desto wärmer wurde das uns umgebende Wasser (Austrittstemperatur konstant 22°C). Am Boden der kraterartigen Quellen, die sich ca. 6m unter uns befanden, konnte man an Hand des Bewuchses förmlich sehen, wie das Wasser ausströmte .. toll! Auch direkt im Quellgebiet schliefen mehrere Seekühe, was man daran erkennen konnte, dass sie mit dem Gesicht nach unten gewendet am Boden lagen. Nach einigen Minuten und interessanten Erklärungen von Captain Jim schwammen wir zurück zum Kanal, wo unser Boot nach wie vor vor Anker lag und herrenlos wartete. Unser Captain ließ uns nun allein im Wasser, wo wir ca. 45 Minuten lang Zeit hatten, die verbleibenden Tiere in Ruhe zu beobachten. Leider hatten sich alle Manatees in die Sperrzone zurückgezogen und verließen diese nur zwei Mal kurz, um uns zu begutachten. Scheinbar waren wir aber nicht mehr interessant genug, so dass eine Wiederholung von Danis tollem Erlebnis leider auf unsere nächste Tour verlagert werden muss. Ein wenig durchgefroren klettern wir also gegen 10:15 Uhr wieder auf unser Exklusiv-Boot, um die Rückfahrt in Richtung Hafen anzutreten. Unterwegs lernte ich, dass unser Captain ein früherer Computer-Designer bei IBM war und bei der Entwicklung des IBM/XT maßgeblich mitgewirkt hat .. eine ziemlich interessante Geschichte. Außerdem wurden wir kurz vor dem Anlegen noch Zeuge, wie zwei Manatees sich um die Erhaltung der Population kümmerten .. wir bekamen also ziemlich viel geboten 😉 Insgesamt war die knapp 3h lange Tour ein extrem empfehlenswertes und sehr individuelles Erlebnis, dass ich nur empfehlen kann. Auch die Entscheidung für Crystal River Watersports als Anbieter war sehr gut. So hebt sich dieses Unternehmen von der Konkurrenz zum Beispiel dadurch ab, dass nur maximal sechs Personen pro Boot transportiert werden (dadurch kann man natürlich viel direkter mit dem Captain interagieren), aufblasbare Schwimmwesten anstelle von billigen Poolnudeln verwendet werden und man Bilder der Tour im Nachgang gratis über Facebook erhält – andere Firmen wollen hier 20$ für Aufnahmen der Tour. Ich möchte wirklich keine Werbung machen (weshalb ich in diesem Blog i.d.R. auf konkrete Nennungen von Namen und Adressen verzichte) und wir haben auch keinerlei Preisnachlass für diese Aussagen bekommen, aber diese Tour kann ich wirklich als Tipp reinen Gewissens und uneingeschränkt weiterempfehlen! Auch die Manatee-Kuscheltiere im Shop sind übrigens extrem niedlich und fair bepreist, so dass wir nicht widerstehen konnten 😉

Nachdem die Tour beendet und wir umgezogen waren (trotz warmem Quellwasser und Neoprenanzügen wird es doch irgendwann frisch), knurrte uns der Magen – das Schnorcheln ist doch recht anstrengend. So statteten wir dem lokalen Applebees einen kurzen Besuch ab, bevor wir die nächste Stunde darauf verwendeten die Region um Crystal River etwas weiter zu erkunden. Was soll ich sagen .. an dieser Stelle hätte ich mir das erste Mal eine Abweichung von unserer Tourplanung gewünscht. Crystal River ist ebenso wie Homosassa ziemlich hübsch und die vielen kleinen Seitenarme der Flüsse laden dazu ein, die Kings Bay näher zu erkunden. Entweder auf einem schönen Trail oder besser noch mit einem Kajak hätte man hier sicherlich viele tolle Eindrücke bei schönstem Wetter gewinnen können, doch darauf waren wir einfach nicht vorbereitet und zumindest für die zweite Option terminlich auch nicht flexibel genug. Als Kajak-Region für Einsteiger (wie uns) ist Crystal River aus meiner Sicht aber eine absolut tolle Empfehlung. So mussten wir uns damit begnügen hier und dort mal anzuhalten und ein paar Eindrücke zu sammeln, bevor die rund 600km lange Fahrt nach Pensacola begann.Diese verlief dann endlich einmal so, wie man sich die Überbrückung von größeren Distanzen via Auto in Amerika vorstellt: Man rechnet nicht in Kilometern oder Meilen, sondern in Stunden. Auf Straßen, die in Fußballfelder-breiten Schneisen durch die Landschaft verlaufen, geht es mit gemächlichem, aber konstanten Tempo voran. Die Fahrt von Crystal River über Tallahassee nach Pensacola – bei der man im Übrigen sogar die Zeitzone wechselt – verläuft daher nach dem Schema „200km gerade aus, einmal abbiegen, 300km gerade aus, zweite Straße rechts, Ankunft im Hotel“. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass der Kontrast zur Region um Miami kaum größer sein könnte 😉 Unterwegs, auf den letzten 75km, haben wir beim „Wer bin ich?“-Spielen (hilft immer) übrigens gelernt, dass der Nikolaus und der Weihnachtsmann zwei unterschiedliche „Personen“ sind .. behauptet jedenfalls Dani.

Im Rahmen des fast schon obligatorischen Besuchs beim hiesigen Publix (Supermarkt .. mittlerweile bestimmt die fünfte Niederlassung dieser Kette, die wir kennen lernen) durften wir erneut Zeuge der unterschiedlichen Regionen Floridas werden. Miami ist jung und hipp, die Westküste eher etwas gesetzter und Pensacola eine Studentenstadt .. ich bin gespannt, was wir hier morgen erleben werden. Geplant ist ein Besuch der angeblich extrem weißen Strände des Miracle Strips und des National Naval Aviation Museums 🙂

Florida Tag 9 – Mehr Muscheln, mehr Natur, mehr Wind

Die gute Nachricht zuerst: Unser Jubiläumsabendessen bei der Island Cow auf Sanibel war großartig 😉 Leider haben wir es erst gegen 20:30 Uhr geschafft vor Ort zu sein, was für die Verhältnisse der Insel schon ein wenig spät ist. So kam es, dass noch während unseres Hauptgangs (es waren auch noch vier weitere Tische besetzt) die ersten Stühle hochgestellt wurden und sich das Personal voneinander verabschiedete .. trotz der extrem freundlichen Bedienung und der liebevollen Innenausstattung des Restaurants keine 100%ig perfekten Bedingungen. Aber so das ist Leben auf der Muschelinsel scheinbar .. es geht außergewöhnlich früh los und endet auch ein wenig zeitiger als anderen Orts. Das das Durchschnittsalter signifikant höher als in Miami ist (gefühlt mindestens um den Faktor 2) sei nur als Ergänzung am Rande erwähnt und scheint – soweit bisher erkundet – für die gesamte Westküste Floridas zu gelten.

Für den Abschiedsmorgen auf Sanibel passten wir uns also den lokalen Gepflogenheiten an und standen pünktlich zum Sonnenaufgang voll ausgerüstet am Strand – es gab (so hofften wir) viel zu entdecken. Leider verbarg ein recht dichter Morgendunst über dem Meer die perfekte Sicht auf die Sonne und scheinbar bedingt durch eine etwas veränderte Strömung verirrten sich auch weniger interessante Muscheln als am Vortag in unser Jagdgebiet. Wir unternahmen trotzdem einen recht ausgedehnten, schönen Spaziergang, an dessen Ende wir endlich den obligatorischen Florida 2014-Schriftzug in den Sand legten. Wie man später auf den Fotos sehen wird, war die Aufgabenverteilung übrigens absolut klar. Kleines Detail am Rande: Obwohl wir eigentlich nichts anderes getan haben, als aus den unzähligen Muscheln am Strand einen ca. 1m breiten Schriftzug zu legen (was rund 45 Minuten gedauert hat), wurden wir von mindestens drei Spaziergängern darauf angesprochen, wie „awesome“ unser Werk doch sei .. die Mentalität hier ist schon durchaus interessant 😉

Irgendwann war unser Werk getan und wir kehrten mit hungrigem Magen in das Hotel zurück. Auch hier gilt wieder der ungewöhnliche Zeitplan – um 08:15 Uhr war nicht mehr allzu viel vom Büffet vorhanden 😉 Als dann um 08:30 Uhr unmittelbar unter unserem Fenster mit lauten Mäharbeiten begonnen wurde, war endgültig klar, dass der Tag jetzt offiziell begonnen hatte. So luden wir also unser Hab und Gut in den Mustang und sagten Sanibel Lebewohl – unsere Weiterfahrt in Richtung Norden begann.

Als erste Station steuerten wir das Six Miles Cypress Slough Preserve – ein Naturschutzgebiet ziemlich eingebettet im Stadtgebiet von Fort Myers liegend – an. Bei der Planung unserer Fort Myers-Erkundung mussten wir nämlich etwas ernüchtert feststellen, dass in der „Metropole“ nicht allzu viele Highlights auf uns zu warten schienen. So entschlossen wir uns kurzer Hand für einen Besuch der Top 1 Attraktion laut Trip Advisor und wurden (ich muss zugeben etwas überraschend) nicht enttäuscht. Auf einem 1,2 Meilen langen Rundweg, komplett bestehend aus perfekt instandgehaltenen Holzplanken, ging es durch ein sumpfartiges Gebiet. Je nach Regenmenge verändert sich dabei die Höhe des den Boden bedeckenden Wassers, so dass sich wichtige Effekte für die dort lebenden Arten ergeben. Im gesamten Park (der Eintritt ist übrigens gratis, es gibt einen kostenlosen „Explorers Companion“ und das Parken ist mit 3$ für 3h sehr günstig) wird übrigens um Stille und langsame Bewegungen gebeten, so dass man sich bei der Erkundung des Parks ein wenig wie Indiana Jones fühlt. Dies ist ein wenig irritierend, da in wenigen hundert Metern Entfernung eine mehrspurige Straße verläuft, deren Verkehr entsprechend laute Geräusche emittiert. Scheinbar haben sich die Tiere aber an diese Umgebung recht gut gewöhnt. So hatten wir das Glück neben diversen Vögeln (Flora und Fauna sind einfach nicht meine Stärke..), Fischen und mehreren Eichhörnchen (Gray Squirell) auch einen Alligator nebst Nachwuchs zu entdecken. Einzig die am Parkeingang angekündigten Otter und Waschbären blieben uns leider verborgen. Nach rund 2h und mit vielen neuen Fotos auf der Speicherkarte verließen wir den Park wieder und setzten unsere Fahrt in Richtung Crystal River fort – das nächste Zwischenziel bestand dabei im rund 150km entfernt liegenden Anna Maria Island.

Anna Maria Island soll laut den diversen Reiseführern ein Stück „vergessenes Amerika“ sein – eine paradiesische Insel, die vom Tourismus noch nicht völlig vereinnahmt wurde.  Vor Ort angekommen (ich erspare mir jetzt einfach mal meinen Unmut darüber zu verbreiten, dass der Verkehr erneut sehr zähflüssig war und ich unterwegs den Begriff „Staumerika“ ersann), bestätigte sich dieser Eindruck grundsätzlich. Die Häuschen sind im Schnitt etwas kleiner, die Grundstücke größer, die Geschäfte bodenständiger .. die Anzahl der Parkplätze mit öffentlichem Strandzugang ist aber – große Überraschung – nicht gerade berauschend. Dank guter Recherche vorab und etwas Glück konnten wir trotzdem recht schnell einen kostenlosen Stellplatz ergattern, und begaben uns sogleich zum Strand. Ein Schockmoment: 20°C, starker Wind, hohe Wellen .. trotz strahlend blauem Himmel begannen uns schon nach wenigen Minuten die Ohren zu schmerzen. Ansich im November sicherlich nichts völlig Unerwartetes, aber nach einer Woche perfektem T-Shirt bzw. Strandbekleidungswetter bei meist deutlich über 25°C, erfordert eine solche Begebenheit schon eine gewisse Umstellung. Ich vermag gar nicht daran zu denken, dass wir übermorgen in Pensacola Maximaltemperaturen von 11°C zu erwarten haben … und gemäß aktueller Wettervorhersage leider auch einen weiteren Regentag am Montag.

Wie dem auch sei … der Strand von Anna Maria Island war in jedem Fall trotz suboptimaler Bedingungen beeindruckend. Er war sehr breit, sehr weiß und die zu- und ablaufenden Wassermassen zeichneten ein sehr interessantes und szenisches Bild. Unter anderen Umständen bin ich mir sicher, dass man in Anna Maria Island sicher den ein oder anderen Tag entspannt verbringen kann .. ein Zentrum des interkulturellen Austauschs wie Miami Beach ist es natürlich trotzdem nicht 😉 Nach rund 1h am Strand statteten wir auf der Rückfahrt auch noch dem Hafen einen Besuch ab .. hier gibt es bereits um 14:00 Uhr Live Musik in mehreren Bars (sogar richtig gute), leider ist ansonsten nicht allzu viel los. Anschließend legten wir noch einen Zwischenstopp in einem Applebee’s ein, da das reichhaltige Hotel-Frühstück aufgebraucht war. Dieses Mittagessen blieb mir definitiv als eines der Besseren in Erinnerung: Schöne Innenausstattung, nette Bedienung, schneller Service .. leider war die Karte ziemlich chaotisch. Dafür haben wir nach einiger Konfusion eine schöne Menüoption für zwei gefunden (2 Salate plus 2 Hauptspeisen), wodurch wir inklusive endloser Cola bzw. Pepsi-Versorgung bei weniger als 24$ (plus Tip) landeten .. meiner Meinung nach für das Gebotene mehr als fair. Danach begann die relativ langweilige, rund 200km lange Etappe von Anna Maria Island nach Crystal River, die uns größtenteils auf mautpflichtigen Schnellstraßen durch die Metropolregion um Tampa führte. Da wir die Strecke bereits nach Sonnenuntergang absolvierten, gibt es hier leider wenig zu erzählen. In jedem Fall erreichten wir gegen 19:45 Uhr unsere preisgünstigste Unterkunft des gesamten Trips. Nur 35€ kostet das Doppelzimmer im Motel, welches wir deshalb auswählten, weil es in Sichtweite des Startpunkts unserer „Schnorchle mit den Manatees“-Tour liegt. Da die Tour bereits um 07:00 Uhr beginnt, fanden wir den Gedanken ganz nett, keine Anreisezeit mehr planen zu müssen. Das Zimmer und die gesamte Ausstattung liegen übrigens deutlich über dem, was man für den Preis zunächst erwarten würde. Einzig das romantische Rauschen der auf dem nahegelegenen Highway vorbeifahrenden Autos und LKWs sowie der enorm langsame Internetzugang sind zwei kleine Mankos 😉 Für eine Nacht aber sicherlich zu verschmerzen..

Ein weiterer (winziger) Nachteil dieser ländlichen Region ist die lokale Versorgung mit Supermärkten .. für den Einkauf unserer abendlichen Fruchtschale und diverser Frühstückszutaten mussten wir ganze 13km pro Strecke fahren – absolut betrachtet natürlich unproblematisch, aber relativ betrachtet sind wir von den letzten Tagen (hier mussten wir nie weiter als 2km fahren bzw. konnten meistens sogar laufen) halt doch etwas verwöhnt.

So schließe ich diesen Beitrag mit knurrendem Magen und großen Erwartungen für unsere Erlebnistour morgen. Nach selbiger steht übrigens die längste Fahretappe am Stück an: Von Crystal River aus geht es primär über Interstates in das rund 5h entfernt gelegene Pensacola am wesentlichen Ende des sog. Panhandle.

Florida Tag 8 – Muscheln, so weit das Auge reicht

Unser achter Tag in Florida war – sozusagen ein Novum für unseren Trip – ziemlich entspannt als „einfach den Strand genießen“ geplant. Wie jeden Morgen starteten wir kurz vor 06:00 Uhr in den Tag (aus unserer Sicht einfach das ideale Timing vor dem Hintergrund, dass es gegen 17:30 Uhr dunkel wird und man dann spätestens um 22:00 Uhr todmüde ins Bett fällt) und wurden bereits von den Vorboten des Sonnenaufgangs begrüßt.

Da erst ab 07:30 Uhr mit der Verköstigung in unserer feudalen Unterkunft zu rechnen war, begaben wir uns – natürlich – sofort an den Strand. Wie wir rasch feststellen durften, waren bereits ziemlich viele Frühaufsteher und Muschelsucher vor uns auf diese Idee gekommen .. der frühe Vogel fängt hier ganz offensichtlich den Wurm bzw. findet die größte, schönste, seltenste Muschel. In jedem Fall kamen wir in den Genuss eines extrem beeindruckenden Sonnenaufgangs, da sich die rote Kugel vergleichsweise langsam direkt über die am Strand auflaufende Brandung des Meeres schob. Während man den Sonnenuntergang ja meistens „nur“ über irgendwelchen Feldern oder besonders in unserem Fall im Winter von der Autobahn aus zwischen den Hochhäusern Frankfurts sieht, stellt so ein enorm friedlicher Sonnenaufgang am Meer schon ein wirkliches Highlight dar. Klingt sicherlich etwas kitschig, entspricht aber der Wahrheit … der Morgen unseres achten Tages in Florida war der bisher definitiv beeindruckendste und übertraf qualitativ auch die viel gepriesenen Keys.

Allerdings war es gar nicht so einfach den Blick immer auf den Horizont auszurichten, da es zu unseren Füßen Muscheln in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen in rauen Menge zu bewundern gab. Die Anzahl der kalkigen Meeresbewohner ist hier am Strand von Sanibel derart groß, dass teilweise ganze Parkplätze mit Muscheln, anstelle von Kies gefüllt sind (z.B. jener vor unserem Hotel). Besonders bemerkenswert finde ich dabei das Geräusch, wenn die von der Brandung angespülten Exemplare mit den „Bestandsmuscheln“ des Strandes zusammenprallen bzw. über diese rollen und sich ein leises Klimpern ergibt .. ziemlich ungewohnt und schwer zu beschreiben, aber für mich ein charakteristisches Geräusch für Sanibel Island. Während die Sonne also höher und höher stieg (und mit ihr die Temperaturen rasch von 21°C in Richtung 28°C kletterten), füllte sich so langsam unser Rucksack. Kurz vor 08:00 traten wir den – wenn man nach vorn und nicht nach unten schaut – erstaunlich schnellen Rückweg zum Hotel an und bedienten uns erstmal am überraschend üppigen Frühstücksbuffet (Säfte, Cornflakes, Süßkraum, etwas Brötchen-ähnliches, Obst .. schon nett). Selbiges ist hier so angelegt, dass man vom Zimmer ein kleines Tablet mitnimmt und die gewünschten Speisen am Buffet nur einsammelt und dann zur Nahrungsaufnahme in die Höhle schafft 😉 Die Höhle bietet in unserem Fall einen komfortablen Balkon mit Möbeln und Garten / Meerblick, so dass die morgendliche Stärkung in wirklich toller Atmosphäre erfolgen kann. Außerdem gelang es uns während des Frühstücks das erste Mal seit einer Woche mit zu Hause zu skypen .. ein tolles Gefühl und dank relativ weniger aktiver Benutzer im WLAN sogar qualitativ einigermaßen erträglich.

Danach ging es für uns – natürlich – wieder an den Strand. Dieses Mal in Badeklamotten, mit größerem Muschelsammler und ohne Kamera über der Schulter .. was für ein Genuss. Wir unternahmen einen ausgedehnten Spaziergang, stockten unseren „Schatzbeutel“ gehörig auf und ärgerten uns doch immer wieder, wenn ein besonders schönes Exemplar noch gefüllt und damit belebt war. Sammeln darf man hier bis auf drei Ausnahmen nämlich alle Muschelarten, so sie denn bereits „unbewohnt“ sind. Aber natürlich sieht man diese Herausforderung sportlich und wirft brav alles in Meer zurück, dass einen noch mit überraschend großen Augen ansehen kann.

Gegen Mittag waren wir dann der Meinung, dass es Zeit für einen kleinen Szenenwechsel sein könnte. Also schnappten wir uns das Auto und starteten gen Süden – der Leuchtturm sollte unser Ziel sein. Bei der Fortbewegung auf Sanibel stören dabei zwei Dinge: Es gibt nicht wirklich viele Straßen, was relativ häufig zu Staus führt, wobei die Verkehrsregelung in diesem Fall von sympatischen Helfern (keinen Sheriffs) übernommen wird, die sogar nett zurückwinken, wenn man sie bei der Vorbeifahrt grüßt. Der zweite Negativpunkt ist nicht spezifisch für Sanibel sondern eher generisch zu sehen: Die Geschwindigkeitslimits sind für deutsche Verhältnisse einfach unglaublich gering. 35 Meilen pro Stunde sind zum Beispiel das allerhöchste der Gefühle, was man an irgendeiner Stelle dieser Insel fahren darf .. sozusagen der Best Case bzw. der günstigste Fall. Stellenweise sind es aber auch nur 25 MPH, 20 MPH oder gar 15 MPH .. da kann einem schon mal der Gasfuß zucken. Mit anderen Worten: Bei nicht mal 60km/h kann sich eine Fahrt von 30km schon ganz schön in die Länge ziehen..

Wie dem auch sei .. irgendwann erreichten wir den Leuchtturm und waren einigermaßen ernüchtert. Wer unter „Leuchtturm“ die bunten Bauten von Ost- und Nordsee versteht, wird möglicherweise ein wenig irritiert sein, wenn er die bräunliche Konstruktion auf Sanibel entdeckt, die so wirkt, als wäre die letzte Woche noch ein Erdölförderturm gewesen. Macht nix, anschauen kann man sich das gute Stück ja trotzdem mal. Außerdem statteten wir dem örtlichen Pier (Steg) einen Besuch ab, an dem (wie so oft hier) jede Menge Angler am Werk waren. Diese sind hier häufig sehr erfolgreich, so dass wir dem Fang (und Tod) eines Hammerhais von ca. 80cm Länge beiwohnen durften .. sicherlich kein Bild, was für uns Europäer unbedingt alltäglich ist 😉 Das tolle ist, dass die hiesigen Freizeitfischer (wie eigentlich alle hier) sehr zugänglich sind .. Fotos? Kein Problem. Anfassen? Kein Problem. Sonst irgendwelche Fragen? Einfach los!

Nach diesem interessanten Eindruck statteten wir auf der Rückfahrt gen Norden auch kurz der Sanibel Marina einen Besuch ab, welche zwar äußerst schön hergerichtet und dabei relativ überschaubar ist, jedoch nicht allzu gastfreundlich wirkt. Wir hatten den Eindruck, dass man – mit Ausnahme der wenige Gäste des „Sanibel Thrillers“ (Speedboot-Fahrt) – eher unter sich bleiben möchte. Als nächstes lag unser Fokus darauf einen Kescher für Dani zu erspähen .. unsere Ergebnisse der Muscheljagd sollten mir lokal typischen Hilfsmitteln verbessert werden. Schon der vierte Laden hat ein annehmbares Exemplar und wir mussten auch glaube ich nur vier mal bei dem bereits beschriebenen, intensiven Verkehr links abbiegen. Bei dem relativ bekannten Shop „She sells sea shells“ (cooler Name, oder? In Deutsch natürlich mit „Sie verkauft Muscheln“ wesentlich weniger spannend) wurden wir übrigens nicht fündig .. dafür hätte man hier für relativ ambitionierte Beträge alle möglichen Muschelarten in den unterschiedlichsten Größen erwerben können („Ja natürlich haben wir diese gigantisch große, selbst auf Sanibel unglaublich seltene Muschel selbst gefunden .. du musst nur morgens um 03:00 Uhr an diesem geheimen Strand mit der Kopflampe in ca. 1,5m Tiefe suchen..“). Danach statten wir einem der lokalen Restaurants einen Besuch ab und wurden (wie immer) sehr zügig sehr lecker verköstigt .. wie bereits im letzten Beitrag anmoderiert sogar kostengünstiger als bei der Selbstversorgung.

Anschließend wiederholten wir einfach – weil es so toll war und so erholsam ist – den Ablauf des Morgens: Ab an den Strand und mit geleertem Muschelsammelbeutel und brandneuem Kescher wieder auf die Jagd gehen. Bedingt durch die veränderte Tide und eine zunehmende Brandung wurde die Ausbeute zwar nicht unbedingt besser, doch in diesem Fall ist sicherlich der Weg bereits ein großer Teil des Ziels. Gegen 16:00 Uhr waren wir zurück am Hotel und starteten nochmals mit dem Auto – dieses Mal in Richtung Norden nach Captiva. Captiva ist eine gar nicht so kleine Insel nördlich von Sanibel, die ein wenig tropischer und ruhiger sein soll. Ein kleines Manko dabei: Nach meinen (zugegeben kurzen) Recherchen gibt es auf Captiva nur genau zwei legale, öffentliche Parkplätze für den Zugang zum Strand. Auf der Fahrt sieht man dann auch warum: Die Straßen sind von riesigen Grundstücken mit pompösen Villen gesäumt, die teilweise auf zwei gegenüberliegende Seiten der Insel Meerblick haben .. so lässt es sich bestimmt gut leben. Das Parken entlang dieser Straßen ist ziemlich flächendeckend verboten, weshalb die entsprechenden Objekte sich jeweils mit dem Attribut „Privater Strandzugang“ schmücken dürfen. Da einer der zwei öffentlichen Parkplätze sehr klein ist, blieb im Prinzip nur eine Option (am Ende des Captiva Drives). Die ist auch grundsätzlich ganz nett, hatte jedoch zum Zeitpunkt unseres Besuch ein ganz entscheidendes Manko: Bedingt durch eine Sonnenuntergangshochzeit am Strand waren mindestens 50% der wenigen Stellflächen durch Hochzeitsgäste belegt, die restlichen Fahrzeuge gehörten scheinbar ausdauernden Strandbesuchern. So verharrten wir ca. 15 Minuten wartend in unserem Auto (mittlerweile warteten hier uns drei weitere Fahrzeuge) und hofften, dass irgendwann irgendjemand losfahren würde. Dieser Vorgang ist durchaus nervenaufreibend, da sich der Prozess von „Wir kommen vom Strand und fahren los“ ja noch in die Phasen „Wir ziehen uns um“, „Wir verstauen die Sachen“, „Wir gehen nochmal auf Toilette“ und final „Wir verzweifeln am Navi“ aufgliedert .. nunja, Geduld ist einfach gesagt nicht meine Stärke.

Irgendwann war das Auto geparkt, das Parkticket für für 7$ für 3h gelöst und wir betraten den legendären Strand von Captiva Beach (empfiehlt jeder Reiseführer). Was soll ich sagen .. so viel anders als 30km südlich sieht es hier (große Überraschung) auch nicht aus 😉 Allerdings waren die Anzahl und Art der Muscheln doch ein wenig abweichend von jenen in Sanibel, so dass sich der Besuch durchaus gelohnt hat. Auch der Sonnenuntergang war von Captiva aus toll zu beobachten, wobei erneut die Phase nach Verschwinden des roten Feuerballs beeindruckender war, als die Zeit unmittelbar vor dem Verschwinden der Sonne hinter dem Horizont. Erneut blieb es erstaunlich lange hell und färbte sich der Himmel in den tollsten Farben (orange, hellblau, dunkelblau), was mir als ziemlich außergewöhnlich in Erinnerung blieb. Außerdem wurden wir kurz vor dem Sonnenuntergang noch Zeuge eines weiteren Angelerfolgs: Ein Sportsmann landete unmittelbar vor unseren Augen einen Stachelrochen (Durchmesser des Körpers ca. 50cm, Länge inkl. Stachel rund 1m) an .. auch dies ist sicher etwas, was man nicht alle Tage sieht. Der Kampf mit dem Tier war augenscheinlich ziemlich anstrengend und auch nach der „Trockenlegung“ des Mantas näherte sich der Angler nur mit größter Vorsicht. Rasch war die Schnur durchtrennt und der Fisch zog mitsamt des in seinem Maul verbleibenden Hakens wieder von dannen .. sicherlich auch nicht die feine Art, aber vermutlich die sicherste. Abschließend sei angemerkt, dass Captiva Island – für mich ziemlich überraschend – doch deutlich tropischer wirkt als Sanibel.

So neigt sich der „zweite“ (eigentlich 1.5te) Tag auf der Muschelinsel so langsam dem Ende. Was bleibt, sind wirklich viele neue Naturerlebnisse und einige Kilo gesammelter Muscheln. Hier werden wir vor dem Abflug nochmals ganz genau hinschauen müssen, damit wir nicht – wie diverse Berichte im Internet bekunden – Übergewicht zahlen müssen 😉 Jetzt geht es noch fix zum „feierlichen“ Jubiläumsabendessen in die thematisch passende „Island Cow“, bevor morgen die Fahrt nach Crystal River mit Zwischenstationen in Fort Myers und Anna Maria Island in der Nähe von St. Petersburg ansteht.

Florida Tag 7 – Die Glades, Naples, Sanibel Island

Der Start in den siebenten Tag unserer Florida-Erlebnistour fühlte sich ein bisschen wie das Erwachen eines Truckers an: Draußen war es noch dunkel, das dominierende Geräusch war jenes, dass in der Nähe vorbeirauschende Autos erzeugen (wenn man richtig müde ist, klingt das fast wie Meeresrauschen) und unser Fortbewegungsmittel parkte quasi keine 5m Luftlinie vom Bett. Bevor wir in Richtung Everglades aufbrachen, stoppten wir noch kurz im großzügigen Frühstücksraum gegenüber der Rezeption. Hier warteten neben Saft, verschiedenen Arten von Cornflakes und eigenartigen Brötchen-Immitaten auch eine Waffel- sowie Pancake-Maschine auf uns .. lecker!

Leider konnten wir das köstliche Mahl in bester, stilechter Atmosphäre (Trucker und so) nicht gebührend zelebrieren, da wir einen sportlichen Zeitplan bezüglich der in den Everglades geplanten Aktivitäten hatten. Pünktlich um 06:45 Uhr bogen wir also wieder auf den Highway ein und setzten bei kühlen 16°C Kurs in Richtung Westen. Unerwarteter Weise verliefen die ersten 30 Kilometer unserer Fahrt erschreckend langsam, da wir uns von Ampel zu Ampel quälten und so kostbare Minuten auf die von Google Maps bzw. unserem Navi prognostizierte Ankunftszeit verloren. Während der Verkehr allmählich weniger wurde, wurde auch die Landschaft weitläufiger. Riesige Tomaten-, Avocado-, Erdbeer,- und verschiedenste Palmenplantagen säumten den Weg über geschätzt mehr als 10 Kilometer. Zu unserer großen Freunde standen auch zwei kleine Kuhherden, inklusive Kälbchen, Spalier. Irgendwann bogen wir auf den Federal Highway 41, dem wir dann nur noch für rund 90 Kilometer in die Sumpfgebiete folgen mussten. Bei legalen 45, später 55 und abschließend sogar 60 Meilen pro Stunde kamen wir gut voran (man gewöhnt sich irgendwann an die Entschleunigung) und nach einiger Zeit begannen gehäuft auftretende „Airboat Tour“-Schilder unseren Weg zu säumen – anscheinend waren wir goldrichtig. So gelang es uns bei schönster Morgensonne um 08:45 Uhr unser Ziel zu erreichen: Den Startpunkt unserer „Mangrove Wilderness Tour“. Es handelt sich dabei um eine touristisch eher weniger bekannte Bootsfahrt, bei der es mit Flachkielern rund 2h in die Everglades, bis hinein in die Mangroven-Tunnel, geht. Da die Boote entsprechend klein sein müssen, haben jeweils nur sechs Personen Platz, wodurch eine gewisse Planungsunsicherheit besteht. Glücklicherweise reisen wir ja aber in der Nebensaison und sind nur zu zweit, so dass wir sofort zwei Plätze für die 09:00 Uhr Tour – wie erhofft – bekamen.

Die Tour selbst zählt wieder zu der Kategorie „Absolutes Highlight, das sich schwer in Worte verpacken lässt“. Grundsätzlich muss man das sich das Ganze so vorstellen: Man sitzt zusammen mit ein paar anderen Touristen in einem kleinen Boot, dass von einem 115 PS starken Außenborder angetrieben (das Wasser ist meist nur zwischen 10 und 100cm tief) und einem erfahrenen Guide gesteuert wird. Los geht es dabei von einem Fluss aus, der mit rund 20 Meilen pro Stunde fließt – es ist also von Anfang an spannend. Die ersten Minuten der Fahrt verlaufen noch eher unspektakulär – ein paar Pfosten die Untiefen angeben hier und da, ein paar Vögel, lauter kleinere Inseln und ein Captain, der ein paar Erklärungen gibt und nach und nach ein wenig beschleunigt. Richtig spannend wird es dann nach 30 Minuten, wenn der Steuermann das kleine Boot in einen Mangroven-Tunnel steuert, der nur wenig breiter als das Gefährt selbst und auch nicht allzu tief ist. Fortan müssen die Tourteilnehmer aufmerksam und beweglich sein, wenn sie nicht von Ästen, Farnen oder gar Spinnennetzen erwischt werden wollen. Der Skipper macht seinen Job dabei ganz hervorragend und kann das Boot bedarfsweise sehr genau auf der Stelle halten – wer das schon mal selbst versucht hat, wird sofort Respekt empfinden. Neben vielen Vögeln bekamen wir so neben vielen Vögeln auch vier Aligatoren und vor allem unzählige Spinnen zu sehen. Allein das Gefühl der Enge, der „Dunkelheit“, der Unberührtheit dieses halb grünen, halb braunen Tunnels ist äußerst beeindruckend. Ganz zu Beginn unserer Planung hatte ich ja mal die Idee mit einem Kajak auf eigene Faust oder von einem Scout begleitet in die Mangroven-Wälder zu paddeln .. das wäre vermutlich eine ziemliche Katastrophe geworden. So konnten wir die beeindruckende Natur der Glades ganz nah erleben, wurden dabei aber durch unseren freundlichen und sympathischen Captain auf ein sehr angenehmes Level „abgegrenzt“. Wie man hoffentlich merkt, kann ich die Tour nur uneingeschränkt empfehlen, wenngleich eine gewisse Planung hinsichtlich der begrenzten Kapazitäten sicherlich hilfreich ist. Kostenpunkt: Rund 40$ pro Person plus Trinkgeld bzw. Tip.

Nach der Tour wollten wir eigentlich auf zwei kurzen Trails durch die Everglades wandern. Da wir die Einstiegspunkte der Pfade spontan nicht auf der Karte entdecken konnten, steuerten wir einfach das nur 3km entfernt liegende Visistors Center an. Dort wurde schnell klar, dass uns ein kleiner Fauxpas passierte, denn die geplanten Trails lagen rund 100km in die Richtung, aus der wir kamen. Glücklicherweise konnte uns die freundliche Dame mehrere andere Pfade empfehlen, von dem uns dann auch einer zusagte (teilweise 8 Meilen unbefestigte Wege fahren klang dann doch nicht so nach einer idealen Strecke für unseren Mustang). So erreichten wir den Fakahatchee-Trail bereits wenige Minuten später und begaben uns auf die rund 1000m lange Strecke (einfacher Weg) über Holzstege in den Sumpf. Nun ja, wie soll ich sagen .. es war nicht die bisher imposanteste Erfahrung unseres Urlaubs. Vermutlich lag es an einer Kombination aus der ungünstigen Uhrzeit (mittags), den hohen Temperaturen (>31°C) und der hohen Luftfeuchtigkeit, dass wir außer ein paar Vögeln, vier Schildkröten und einem Alligator nicht allzu viele Tiere zu sehen bekamen. Außerdem setzten uns die Umweltbedingungen ausnahmsweise unerwartet stark zu, so dass es uns beiden nicht allzu toll ging.

So verließen wir die Glades ein wenig schneller als gedacht und erreichten gegen 13:00 Uhr die schöne Stadt Naples an der Westküste Floridas. Naples gilt wie Palm Beach als wohlhabende Gemeinde für die finanziell bessergestellte Gesellschaft und das merkt man schon, wenn man sich auf dem Highway auch nur nähert. Die Grünstreifen werden plötzlich gepflegter, die Vorgärten ordentlicher, die Autos hochwertiger. Je mehr man sich dann dem Stadtzentrum, Downtown, nähert, desto mehr intensiviert sich dieser Eindruck. Im Gegensatz zu Palm Beach wirkt Naples aber auf eine gewisse Weise wesentlich ursprünglicher, zugänglicher und realer. Die Häuser bzw. Anwesen sind zwar ebenfalls sehr üppig und besonders detailverliebt gestaltet, sie wirken aber landestypisch und vor allem bewohnt. Während in Palm Beach viele der Residenzen sehr stark abgeschottet sind und stilistisch offensichtlich massiv von anderen Epochen und Ländern inspiriert wurden, wirkt Naples wie ein Ort, in dem die Menschen tatsächlich auch ganzjährig leben und wohnen. Kurz gesagt: Palm Beach = Protz & Prunk, der (gefühlt) zum Großteil nur wenige Tage im Jahr bewohnt wird und teilweise wie ein Freizeitpark wirkt, Naples = Gediegene Atmosphäre mit Nutzwert. Die Aston Martins, Rolls Royce, Porsche und Jaguare gibt es natürlich hier wie dort, doch in Naples sind die subjektiv betrachtet etwas weniger. Dafür gibt es in der Westküsten-Stadt jede Menge Parkplätze für relativ geringe Gebühren (die meisten leider nur mit einer zeitlich befristeten Parkuhr) und sogar einige komplett kostenfreie Optionen (wie hatten das Glück eine solche, äußerst zentral gelegene, zu finden). Nachdem wir den Mustang also abgestellt hatten, begaben wir uns zuerst (wie kann es anders sein) an den Strand. Dieser ist sagen wir mal durchschnittlich: Nicht allzu breit, sauber, kurze Flachwasserzone, erschreckend kaltes Wasser (20,5°C sind doch nicht ganz so angenehm, wie die Fluten rund um die Keys). Dafür gibt es eine sehr schöne Pier, die man sogar – große Überraschung – gratis betreten darf. Andernorts werden für solche „Sehenswürdigkeiten“ schon mal 2-3$ pro Person verlangt. Nach dem Besuch am Strand begaben wir uns auf einen ausladenden Spaziergang durch die ersten zwei Straßen von der Seeseite aus gesehen und bewunderten die bereits oben beschriebenen Anwesen. Insgesamt ein toller Ort, der zwar etwas Avantgardistisches hat, dabei aber sehr zugänglich und sympatisch wirkt. Für einen Zwischenstopp kann ich auch Naples uneingeschränkt empfehlen .. für einen längeren Aufenthalt müsste man wohl schon etwas mehr auf die Suche nach interessanten Aktivitäten gehen.

Gegen 15:30 Uhr brachen wir in Richtung unseres letzten Tagesziels auf: Sanibel Island, eine Insel südlich von Fort Myers. Für die rund 60km wählten wir die malerische Route über Fort Myers Beach, welche uns größtenteils direkt am Wasser entlang führen sollte. Das tat sie auch und auch die gebotenen Panoramen waren wirklich toll, was leider nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass wir kurz vor der Rückkehr auf die Hauptstrecke rund 20 Minuten in einer schier endlosen Blechkolonne standen – Ursache nicht abschließend geklärt. Trotzdem überquerten wir gegen 16:30 Uhr für nur 6$ Maut die Brücke nach Sanibel Island, wo wir die letzten 10 Kilometer bis zu unserer Unterkunft zurücklegten. Rein preislich betrachtet war diese (also die Unterkunft) die zweit teuerste nach Key West und nach dem Motel letzte Nacht hatten wir große Erwartungen. Wenn eine Einleitung schon so beginnt, kann man sich den Rest meistens denken: Die Zimmer waren sehr stark abgewohnt, die im Internet zuvor bestaunten Fotos irgendwie nur begrenzt zutreffend und der Gesamteindruck löste zunächst keine Begeisterungsstürme aus. Zwar konnte Dani mit Hinweis auf die omnipräsenten Abwohnspuren ein Upgrade erreichen, doch gab es auch hier vorsichtig gesagt noch Luft nach oben. Da unsere Residenz aber sehr gut gelegen war (erste Reihe am Strand) und wir keine Lust auf kurzfristige Neuplanungen hatten, entschlossen wir uns zu bleiben.

Damit kommen wir nach den Everglades und Naples zum dritten Highlight dieses Tages unserer Florida-Reise: Dem unglaublich Muschel-intensiven Strand von Sanibel – keine 100m von unserem Bett entfernt. Im Ernst, wer mal Fotos von diesem Ort gesehen hat und auf den massiven Einsatz des Kopierstempels in Photoshop getippt hat (wie wir zum Beispiel) wird begeistert sein. Muschel reiht sich hier an Muschel, Art an Art .. die Häufung, Vielfalt und Sauberkeit der kalkhaltigen Meeresbewohner suchen wirklich ihres Gleichen. Auf jedem einzelnen Meter finden sich genügend interessante Exponate, um quasi dauerhaft in der Hocke zu bleiben und eine kniehohe Glasröhre für derartige Andenken könnte man vermutlich in weniger als 10 Minuten mit wirklich sehenswerten Fundstücken füllen. Wenn ich diese Zeilen nochmal lese, klingt das, was wir hier gesehen haben so trivial: Einfach unglaublich viele, saubere, unterschiedliche Muscheln auf ganz wenig Raum .. allerdings über viele hundert Meter / Kilometer .. muss man gesehen haben – offensichtlich trägt Sanibel seinen Titel als muschelreichster Ort der USA (strömungsbedingt) nicht zu Unrecht. Ein weiteres Highlight dieses tollen Städtchens ist der wirklich äußerst faszinierende Sonnenuntergang. Sicherlich haben die meisten schon mal die Sonne über dem spiegelglatten Horizont des Meeres untergehen sehen (das gibt es hier auch .. und es ist toll .. aber nicht einmalig), aber die Lichtspiele, die danach entstehen, sind absolut bemerkenswert. Noch 20 Minuten nach Untergang der Sonne brennt der Himmel in einer Mischung aus orange, blau und lila – unvergesslich.

Als letzte Station unseres ereignisreichen Tages möchte ich von unserem Besuch im hiesigen Supermarkt berichten. Da es bereits gestern 2x „Kauffutter“ gab und für morgen der gleiche Plan vorgesehen ist, hatten wir heute mal wieder Lust auf etwas „zu Hause“ Bereitetes. Ich gebe es zu: In meinem Fall ganz einfaches Schwarzbrot mit Tomaten. An dieser Stelle greife ich etwas vor und sage, dass ich für diese Mahlzeit in Deutschland etwa 2,60€ für das Brot, 1,30€ für Brunch und 1,50€ für die erforderlichen Tomaten kalkulieren würde. Hier auf Sanibel sieht die Realität eher so aus: 5,99$ für ein „Handwerkerbrot“ (alles andere sah völlig inkompatibel aus), 2,50$ für einen Aufstrich und rund 3$ für zwei riesige Tomaten. Ein paar Beilagen gewünscht? Eine kleine Obstschale für 6,50$ vielleicht .. oder für den großen Hunger eine mittlere Schale für 14,50$? Oder vielleicht eine Melone für 6$? Eventuell auch Schmelzkäse für 4$ (die günstigste Option, versteht sich .. und alle Angaben ohne Steuern) .. hier muss man auf nichts verzichten. Was ich damit sagen will: Ein typisches Essen auswärts (nehmen wir unser Essen bei Denny’s gestern: Ein Schoko-Milchshake, ein Banane-Erdbeer-Smoothie, zwei Pancakes mit Chocolate Chips und Peanut Butter Soße, sowie Hähnchenbrust mit Gemüse und Kartoffeln im Tiegel) ist finanziell nicht wirklich teurer (im konkreten Fall: 25$ inkl. Steuern und Trinkgeld). Ja, es gibt sicherlich preisattraktivere Orte als das Leben auf Sanibal Island.

So schließe ich den heutigen Bericht, während die hoteleigene Waschmaschine den ersten Gang Urlaubskleidung wieder aufbereitet. Der Waschraum ist eine Story für sich und erinnert an eine Filetier-Station beim Hochseeangeln .. später gibt es an dieser Stelle bestimmt auch mal Fotos davon 😉 Der morgige Tag steht ganz im Zeichen der Erkundung von Sanibel: Vom Muschelnsammeln, über einen Besuch der Marina, des Leuchtturms und des Wildlife Refugiums bis hin zum feierlichem Abendessen bei der „Island Cow“ (13.11.14 = 13.11.13 + 1 Jahr für die Neugierigen).