Florida Tag 4: Regen

Eigentlich (ein schönes Wort) stand für unseren vierten Tag in Florida ein Besuch im Venedig der Vereinigten Staaten an, in Fort Lauderdale. Fort Lauderdale liegt nur rund 10km südlich von unserer Unterkunft und sollte daher schnell und unkompliziert zu erreichen sein. Vorab hatten wir uns im Internet ein schönes Parkhaus ausgesucht, welches in Kombination mit einer Wasser Taxi Tour auch nur 5$/Tag kosten sollte.

Grau ist alle Theorie .. leider ebenso wie der Himmel an diesem Morgen. Bereits bei der Fahrt nach Fort Lauderdale gerieten wir in leichte Komplikationen, fand doch eine Laufsportveranstaltung unmittelbar auf der von uns avisierten Strecke statt. Kein Problem, vorbei an unzähligen Barrieren und im Schritttempo fahrend von Polizei-Motorrädern begleitet, kann man den Blick auf den Sonnenaufgang am Meer sowieso viel besser genießen. Auch im Zielort angekommen stellten sich uns immer wieder bunt blinkende Einsatzfahrzeuge in den Weg und blockierten den Pfad zum vorab geplanten Stellplatz. Es kam wie es kommen musste: die Laufveranstaltung erstreckte sich bis in die Innenstadt, wir entschieden uns für einen anderen Großraumparkplatz und zahlten brav für die zulässige Maximaldauer: 15$ für 6h – möge ein toller Tag kommen. Auf dem Weg Richtung Riverwalk wurden wir dann, während wir das Party-Viertel durchquerten (dieses roch übrigens auch morgens um 08:00 Uhr noch wie ein Automat zur Rückgabe von Recycling-Bierflaschen), von der Realität  eingeholt .. der Himmel war „irgendwie“ ganz schön dunkel. Da wir generell etwas früh dran waren, brachte uns dies in eine unglückliche Lage, da das Wassertaxi erst ab 10:00 Uhr verkehrt und auch sonst kaum ein Geschäft um diese Zeit schon geöffnet hat. Dafür geizte die Stadt nicht mit Livebands und DJs, die den Athleten zu zusätzlicher Motivation verhelfen sollten.

Alles schön gedacht, bis sich gegen 08:30 Uhr der Himmel öffnete und Fort Lauderdale mit einem erst sanften, dann zunehmend intensiven Regenschauer überzog. Wir fanden Unterschlupf in einem öffentlichen Pavillon direkt am Riverwalk mit toller Sicht auf Yachten, das wenige maritime Treiben und die umliegenden Häuser. Die Innenstadt wirkte bereits aus dieser, doch sehr limitierten Perspektive sehr interessant und wir wollten die Hoffnung nicht aufgeben, das amerikanische Venedig doch noch mittels einer Hop-on-Hop-off-Tour kennenzulernen. Da das Warten nach einer ziemlich langen Weile eher eintönig (und uns nicht eben wärmer) wurde, entschlossen wir uns trotz Regen zu einem ausgedehnten Spaziergang. Keine gute Idee. Keine 45 Minuten später saßen wir klatschnass und ein wenig frierend in unserem Mustang, warfen das bereits zu 1/6 genutzte Parkticket zur Seite und fuhren zurück ins Hotel. Dort angekommen prüften wir nochmals die Wetteraussichten und mussten frustriert feststellen: Das wird heut nix mehr. Wirklich schade, denn Fort Lauderdale war sehr vielversprechend, aber weder Erkundung noch Fotos machen bei solchen Bedingungen wirklich Spaß.

Was tut man also, wenn es Küste auf und Küste ab regnet und sich dies kurzfristig auch nicht ändern soll? Genau, man fährt einfach nochmal Shoppen. Da wir die Sawgrass Mills Mall (übrigens die siebentgrößte in Amerika) bereits kannten, steuerten wir die dieses Mal die drittgrößte Mall des Landes in Aventura an – fast gleiche Distanz und nochmal rund 25.000m² Fläche (in Summe 250.000m², über 300 Geschäfte, 8.900 Parkplätze).

Die Aventura Mall dürfte der ideale Konsumtempel für deutsche Touristen sein: Vertrautes Erscheinungsbild, hochwertiger Auftritt, Flyer mit dem Grundrissplan, relativ kurze Wege durch den mehrgeschossigen Aufbau und bekannte Marken. Alles was auch in Deutschland „wertig“ ist, findet sich auch in diesem gigantischen Einkaufszentrum .. von Hugo Boss, über Scotch & Soda, Calvin Klein, Hilfiger, Lacoste, Ecco und Geox bis hin zu La Martina (und noch vielen anderen) ist alles vertreten. Der Lärmpegel ist etwas geringer als in Sawgrass Mills und die Beleuchtung besser .. man fühlt sich in Aventura sehr schnell wohl. Natürlich gibt es auch einen Victorias Secret Store .. sogar den zweitgrößten der USA. Der Besuch in selbigem war übrigens wesentlich enttäuschender als der gestrige: Sterileres Umfeld, weniger freundliche Mitarbeiter, kaum vorhandene Abläufe .. einfach ein bisschen mehr wie eine 0815-Unterwäscheabteilung in einem der gefühlt ständig insolventen Warenhäusern, als ein Shoppingerlebnis der anderen Art wie im Laden in Sawgrass Mills. Fündig wurden wir trotzdem 😉

Auch sonst half der Besuch in Aventura nicht gerade dabei das eigene Gewissen zu beruhigen. Insbesondere das außergewöhnlich umfangreiche Sortiment des La Martina Stores (nochmals wesentlich größer als die Auslage des Geschäfts auf Sylt), verbunden mit durchaus attraktiven Preisen (ca. 1/3 attraktiver als in Deutschland) waren doch schon sehr verlockend. Auch im Puma-Store (teilweise 50% der uns vertrauten Konditionen) sowie bei Abercrombie & Fitch lassen sich recht verlockende Deals machen. Als recht unattraktiv haben sich die Preise bei Hugo Boss, Geox und Ecco bestätigt – hier spart man in der Tat so gut wie gar nichts bzw. muss vor dem Hintergrund des Zolls sogar noch mit Mehrkosten rechnen.

Wer mit offenen Augen durch die Mall geht, wird sich übrigens relativ schnell die Frage stellen, ob es eventuell enorme Rabatte bei Louis Vuitton gibt – irgendein Accessoire dieser Modekette scheint wirklich jede Amerikanerin zu besitzen. Da der LV-Shop in Aventura riesig und vergleichsweise „aufgeschlossen“ ist (jener in Frankfurt wirkt doch ein wenig elitärer) können wir an dieser Stelle übrigens berichten: Geschenkt gibt es die Waren auch dort nicht 😉 Preisvorteile sind aber definitiv vorhanden, die konkrete Höhe erschließt sich mir aus Mangel an belastbaren Vergleichen aktuell nicht vollumfänglich .. ich würde aber von ca. 30% ausgehen.

Ansonsten gilt auch in Aventura das, was überall gilt: Die Menschen sind attraktiv, gut gekleidet, im Schnitt ziemlich modebewusst und im neutralen Umgang miteinander sehr freundlich. Diese Freundlichkeit kann auch schonmal etwas anstrengend werden, wenn die Angestellten in einem der größeren Läden im Abstand von wenigen Augenblicken wiederholt fragen, ob man denn eine Frage hat, alles gut sei und sie vielleicht schon mal eine Umkleidekabine vorbereiten dürfen. In einem Store ist es uns tatsächlich passiert, dass nacheinander 5 von 6 Mitarbeitern (ich wundere mich immer noch, warum nicht auch die Kassiererin ihren Posten aufgegeben hat) um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt haben. Auffällig ist dabei übrigens auch die Hartnäckigkeit – beim Hinweis auf das Nichtgefallen einer Farbe, oder eine nicht passende Größe oder irgendeinen anderen Missstand werden sofort mehr oder weniger naheliegende Lösungsvorschläge unterbreitet.

Wer – so wie wir – an einem Regentag in der Gegend um Fort Lauderdale festsitzt und dem gemeinsamen Einkaufen nicht völlig abgeneigt ist, dem wird sicher nicht langweilig. In Aventura kann man relativ locker 4h zubringen, und auch in Sawgrass Mills (selbiges soll übrigens eher Outlet-Charakter haben und verfügt über einige Stores, die es so in Aventura nicht gibt) dürfte man nicht schneller durch sein. Die Nahrungsversorgung ist in beiden Malls durch unzählige „Fast Food Stände“ abgedeckt, obgleich das Ambiente eher zweckdienlich ist. Enorm reichhaltig und gleichzeitig sehr preisoptimiert sind z.B. drei Pancakes inkl. Sirup und Butter für 3,99$ in Aventura. Dazu noch eine Packung frisches Obst für 4,20$ und der Magen ist auf einigermaßen gesunde Art gerettet.

In Summe entsprach Tag 4 also leider unserer Planung, fand aber dennoch eine recht kurzweilige Überbrückung. Morgen verlassen wir dann nach vier Nächten unser temporäres Heim in Lauderdale by the Sea, um die Fahrt in den Sonnenuntergang, nach Key West anzutreten. Ich bin mehr als gespannt, was uns dort erwarten wird .. dem Vernehmen nach zumindest deutlich mehr als Sonne als der Tag heute zu bieten hatte 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.