Viva Las Vegas

Ein kleiner Teaser zur Eröffnung..
Ein kleiner Teaser zur Eröffnung..

Las Vegas zählt sicherlich zu jenen Orten auf der Welt, zu denen fast jeder Mensch eine Vielzahl von Assoziationen hat. Durch Kinofilme, Erzählungen sowie in diversen Songs wird das Bild „Stadt der Sünde“ auf unterschiedlichste Art gezeichnet und verbreitet .. und so beginnt man sich zu fragen: Was ist eigentlich dran? Durch eine ausgesprochen positive Begebenheit in Form einer Dienstreise mit Unterhaltungsanteil kann ich an dieser Stelle glücklicherweise berichten: Eine ganze Menge!

Doch der Reihe nach .. das neue Jahr war erst 10 Tage alt, als das erste Abenteuer 2015 begann – mein Kurztrip nach Las Vegas. Von Frankfurt aus sollte es via Direktflug mit Condor in rund 12h in die Wüsten-Metropole gehen, in der ich zusammen mit zwei Kollegen vier Tage verbringen durfte. Die Vorzeichen standen dabei recht gut, durften wir uns doch im ziemlich bekannten Caesars Palace einquartieren (als ich die Buchungsbestätigung erhalten habe, habe ich erstmal Google Maps aufgerufen um zu schauen, wo das Hotel überhaupt liegt..), während die von uns besuchte Veranstaltung – also das eigentliche Hauptziel unserer Reise – im Venetian stattfinden würde. Leider brachte ich aus dem Weihnachtsurlaub eine ziemlich lästige Erkältung mit, weshalb bis ganz kurz vor Abflug nicht klar war, ob ich denn überhaupt die lange Reise antreten konnte. Aber dann war es plötzlich Sonntag Morgen, der TTRS schlummerte neben einem Ferrari 458 im Business Parking Bereich des Frankfurter Flughafens und ich fand mich nach einer ziemlich langen Wartezeit an den zwei Security-Schaltern am Gate in Richtung Westküste wieder. Die letzten Minuten vor Beginn des Boardings vergingen rasch und schneller als erwartet fanden wir uns auf unseren „Premium-Sitzplätzen“ in der letzten Reihe des Fliegers wieder (und nein, die Business Klasse ist bei Condor nicht ganz hinten, sondern wie in jedem Flugzeug ganz vorn ;-)). In weiser Voraussicht hatte mein Kollege die Sitzplatzreservierungen so gewählt, dass „der Flügel unsere Sicht auf gar keinen Fall stören würde“. Stimmt, tat er nicht. Dafür war lange Zeit nicht so ganz klar, ob wir in einem U-Boot, oder doch einem Airbus saßen. Dieser Eindruck wurde beim Start nicht eben besser, da der Übergang von Rollen zu Fliegen bedingt durch die starken Winde hinsichtlich der „Holprigkeits-Levels“ recht fließend war .. es ging also lustig los 😉

Wie bei jedem „Langstreckenflug“ begann nun der langweilige Teil und mit Hinblick auf Reiserichtung und Zeitverschiebung galt es wach zu bleiben. Eifrig genoss ich also das In-Seat Entertainment-Programm (doof, dass ich die meisten Inhalte davon keine acht Wochen zuvor während unserer Florida-Reise bereits geschaut hatte) und hoffte, dass die 12h Reisezeit schnell vergehen würden. Das klappte generell auch ziemlich gut, mit der kleinen Ausnahme, dass ein Teilnehmer eines Junggesellenabschieds ca. sechs Reihen vor uns seinen Mageninhalt großflächig über die gesamte Reihe verteilte und den Rest mittels eines kleinen Becherchens, dass er während des Vorgangs der reversiblen Nahrungsaufnahme als Auffangbehälter nutzte, auch noch auf dem Gang in Richtung Waschraum verstreute. Nicht schön. In Folge dessen roch es eine ganze Weile lang nach unglaublich süßlichem Parfüm und die Gäste der nun nicht mehr benutzbaren Plätze standen den restlichen Flug über rum .. auch irgendwie doof. Irgendwann setzten wir dann aber doch zur Landung an und wurden *Trommelwirbel* mit Regen empfangen. Im Ernst .. grauer Himmel und schönster Nieselregen, der die Bedingungen beim Abflug fast noch unterbot. In Kombination mit der dichten Wolkendecke blieb uns also zumindest ein beeindruckender Anflug über den Strip erspart, den wir bedingt durch unsere außergewöhnlich guten Sitzplätze sowieso nur sehr eingeschränkt hätten genießen können 😉 Also raus aus dem Flieger, einmal kurz durch den McCarran Airport spaziert und eine kurze Wartezeit an der Immigration später (selbige war übrigens sehr viel freundlicher als in Florida) befanden wir uns auf amerikanischem Boden. Hat sich gut angefühlt 🙂

Las Vegas, 14:00 Uhr, der Himmel grau, das Haar sitzt
Las Vegas, 14:00 Uhr, der Himmel grau, das Haar sitzt

Am Taxistand des Flughafens dann das mehr oder weniger bekannte Bild: Vergleichsweise alte Autos, graue Parkhäuser, dunkler Himmel .. aber irgendwo am Horizont ein paar blinkende Fassaden. Als die Fahrt begann, stellte sich augenblicklich ein Gefühl ein, das sinnbildlich für die gesamte Reise nach Las Vegas gelten kann: Reizüberflutung. Nicht nur, dass man sich im Taxi kaum vor Flyern retten konnte, unter dem Dachhimmel des über 250.000 Meilen alten Fahrzeugs war ein Monitor montiert, auf dem – wahlweise auf Chinesisch oder Englisch – für lokale Restaurants und Special Offers in den hiesigen Ressorts geworben wurde; schrill, bunt und natürlich in einer Endlosschleife. Durch den zähen Verkehr hindurch näherten wir uns jedoch stetig den immer größer werdenden „Wahrzeichen“ der Stadt an. Das allgemeine vertraute Bild von Hotels bzw. Casinos wie dem MGM Grand, dem Luxor und später auch dem Paris, Planet Hollywood, Bellagio und natürlich dem Caesars Palace wurde immer größer und plötzlich waren wir mitten drin. Wer noch nie in Las Vegas war,  wird vermutlich – genau wie wir – enorm überrascht von den nahezu unvorstellbaren Dimensionen des Strips sein. Insbesondere die bekanntesten Hotels sind einfach so riesig, dass man spontan nicht glauben will, dass all diese verteilten Gebäude und Ableger dazu gehören. Ein Hochhaus steht hier neben dem anderen, alle individuell in der Gestaltung, überall prangen riesige Videowände und von jeder Seite aus hört man irgendwo laute Musik, werbetreibende Promotor oder hupende Autos. Wahnsinn. Es begann bereits langsam zu Dämmern, als wir endlich vor dem Caesars ausstiegen und wenige Meter später, bei der Ankunft in der Lobby, ein weiteres Mal sprachlos waren. Ich weiß, dass es plump (vielleicht sogar kitschig klingt), aber der Eingangsbereich des Ressorts war einfach so viel größer, pompöser, detaillverliebter und beeindruckender, als ich mir das jemals hätte vorstellen können. Beeindruckend war dann übrigens auch die Zeit, die der Concierge benötigte, um uns drei einzuchecken, mit einem Zimmer Upgrade zu versorgen und drei Räume zu finden, die möglichst nah beieinander lagen. Glücklicherweise hatte er irgendwann Erfolg und überreichte uns mit einem breiten Grinsen die Key Cards zu unseren Zimmern, gefolgt von einer abermals überraschend komplizierten Erklärung, wie wir denn nun zum Forum Tower gelangen würden.

Eingangsbereich des Caesars - bedarf keiner weiteren Worte
Eingangsbereich des Caesars – bedarf keiner weiteren Worte

Der geneigte Leser ahnt es bereits: Es war ein weiteres Mal Zeit für ein „Wow, SO habe ich mir das nie vorgestellt“-Erlebnis. Um zu unseren Unterkünften zu gelangen, mussten wir nämlich einen recht großen Teil des Komplexes durchqueren und passierten so bereits viele der Pokertische, Craps-Tische, Roulette-Stationen und Spielautomaten, bevor wir an mehreren Restaurants und Shops vorbeischlenderten, um dann endlich an einer Batterie von Aufzügen anzukommen. Der gesamte von uns bis dahin durchquerte Bereich wirkte dabei sehr edel, sauber und pompös, wandelte man doch über Teppich, an Säulen und jeder Menge Marmor vorbei. Rasch brachte uns einer der Aufzüge in den 21. Stock, wo unsere Premium-Zimmer auf uns warteten. Wir hatten (mittlerweile) große Erwartungen, die nicht enttäuscht wurden: Direkt vom Bett aus konnte man auf den Strip schauen, der bereits in allen erdenklichen Farben blinkte und blitzte. An den bodentiefen Fenstern stehend, fühlte man sich dem Abgrund in Form des Parkplatzes sehr nah und immer mal wieder vergegenwärtigte eine anbrandende Windböe, in welch exponierter Lage bzw. Höhe man sich befand. Auch sonst ließ das Zimmer keine Wünsche offen, war es doch relativ modern eingerichtet, groß, sauber, angenehm klimatisiert und grenzte an ein Bad, welches nicht nur eine überdimensionale Dusche sondern (natürlich) auch einen sehr großen Whirlpool bot. Ja, Vegas ist schon ganz schön cool 😉

Man hat schon schlechter residiert .. hinter diesen Vorhängen wartet der tolle Ausblick
Man hat schon schlechter residiert .. hinter diesen Vorhängen wartet der tolle Ausblick

Auch (oder gerade) wenn der Tag schon recht lang war, wurde es nun jedoch Zeit für etwas Bewegung und vor allem eine vernünftige Nahrungsaufnahme – die Verpflegung im Flugzeug war (wie nicht anders zu erwarten) eher minimalistisch. In frischen Klamotten trafen wir uns also am Fahrstuhl, fuhren erneut in das relativ verwirrend angelegte Erdgeschoss und bahnten uns unseren Weg in Richtung Ausgang. Dort angekommen, benötigten wir erneut einen kurzen Moment um all die Eindrücke zu verarbeiten, denn der überdachte Ankunftsbereich des Ressorts mit den zahlreich wartenden Stretch-Limousinen ist ebenfalls nicht gerade alltäglich. Mittlerweile hatte der Strip bereits jene Farben angenommen, die man meist mit dem Wort „Las Vegas“ assoziiert: Dunkler Himmel und sonst alle Variationen die der Regenbogen hergibt – Hauptsache hell und nicht zu übersehen. Über diverse (abgeschaltete) Rolltreppen steuerten wir langsam in Richtung Hard Rock Cafe, welches rund eine Meile südlich am South Las Vegas Boulevard („Strip“ klingt cooler, oder?) auf uns wartete. Es war ein toller Spaziergang, obgleich die lokale Infrastruktur auf Regen offensichtlich nicht so gut reagiert, selbst wenn dieser schon wieder seit geraumer Zeit aufgehört hat. Bei ca. 15°C nutzten wir die Gelegenheit weitere Eindrücke von Vegas zu sammeln und erhaschten bereits einen ersten Blick auf die berühmten Fontänen vor dem Bellagio – ein absolutes Highlight -, das neue City Center und das Paris mit seinem unmöglich zu übersehenden Ballon und der Eifelturm-Replik im etwas verkleinerten Format. Dabei ist es gar nicht so einfach stets auf dem richtigen Pfad zu bleiben, geht es doch fortwährend über Rolltreppen nach oben und unten, um die großen, teilweise 12 spurigen Kreuzungen zu überqueren.

In Las Vegas ist alles etwas größer
In Las Vegas ist alles etwas größer

Nachdem wir mehrere, riesige Videowände und einen gigantischen Harley Davidson Händler passiert hatten, war es dann soweit – Ankunft im Hard Rock Cafe. Hier erlebten wir ein weiteres Mal typisch amerikanischen Service: Eine Mitarbeiterin hieß uns willkommen und fragte nach den Präferenzen hinsichtlich des Sitzplatzes, eine weitere Dame führte uns zu einer Fotowand und bot uns an Erinnerungsbilder zu schießen und schon die dritte Ansprechpartnerin des Tages brachte uns zu unseren Plätzen, wo der vierte Mitarbeiter sich uns vorstellte und die Bestellung aufnahm. Ja, so fühlen sich viele Menschen gebraucht 😉 Das Essen und die Atmosphäre im HRC waren wie gewohnt absolut exzellent – insbesondere nach dem langen Flug tat eine warme, vollwertige Mahlzeit doch sehr gut. Spätestens während des Rückwegs zum Hotel übermannte uns die Müdigkeit zusehends, so dass wir das Wasserspiel vor dem Bellagio nur bedingt genießen konnten. Wieder im Caesars angekommen verabschiedeten wir uns voneinander und ich versuchte die letzten Minuten vor dem dringend benötigten Schlaf mit einem Bad im Whirlpool nochmals so lang wie möglich auszudehnen – der ausbleibende Jetlag würde es mir danken. Als ich jedoch feststellen musste, dass ich für den Versuch eine einzige Seite c’t zu lesen fünf Anläufe brauchte, wurde es endgültig Zeit zu schlafen – gegen 20:00 Uhr Ortszeit begann der Strip so richtig zu pulsieren, während mein erster Tag in Las Vegas ging zu Ende.

Da will man eigentlich gar nicht schlafen, oder?
Da will man eigentlich gar nicht schlafen, oder?

Der nächste Morgen begann nach einer ziemlich erholsamen Nacht (glücklicherweise gelang es mir bis 05:00 Uhr durchzuschlafen) und einem grandiosen Ausblick aus dem Hotelzimmer (ich glaube, den werde ich so schnell nicht vergessen) erneut mit der Herausforderung „Nahrungssuche“. Frühstück zu kriegen ist in Las Vegas nämlich gar nicht so einfach wie man meinen würde – zumindest nicht, wenn man die horrenden Kosten für den Zimmerservice meiden möchte (Croissant: 14$; Schale mit Früchten: 22$, Servicegebühr 6$ usw.).

Der Blick aus dem Fenster
Der Blick aus dem Fenster

Zum Glück mussten wir einfach nur dem Strom der Menschen durch die Lobby folgen, um zur (scheinbar einzigen) validen Nahrungsquelle zu gelangen .. einer Art Take Away Restaurant (eher eine Take Away Theke) die von Crepes über Eis bishin zu Burgern nahezu alles anbot bzw. frisch zubereitete. Für nur ca. 15$ gab es eine heiße Schokolade und einen (ziemlichen kleinen) Crepes – nicht billig, aber durchaus lecker. Weniger stilecht waren die Plastikstühle, auf denen wir unsere Mahlzeit zu uns nahmen .. ich bin mir sicher, dass diese gestern noch Tüten im Supermarkt waren 😉

Unechtes aber stilechtes Besteck
Unechtes aber stilechtes Besteck

Nach dem erfolgreichen Start in den Tag wurde es Zeit die Registrierung für unsere Veranstaltung abzuschließen, weshalb wir uns bei schönster Morgensonne in Richtung des Venetians begaben. Las Vegas bei Tag ist noch einmal etwas ganz anderes als Las Vegas bei Nacht (zugegeben: etwas weniger imposant, aber dennoch sehenswert) und bietet – unabhängig von der Tageszeit – sehr viele optische und akustische Reize. überall Musik, an jeder Ecke verkleidete Menschen (Transformers lagen zur Zeit unserer Reise scheinbar schwer im Trend) und alle paar Meter Werber, die Flyer bzw. Visitenkarten abzugeben hatten (primär zur Vermittlung von Kontakten für einsame Menschen). Schon eine ziemliche Flut von Impressionen, wenn es noch nicht mal 10 Uhr morgens ist.. Trotzdem kamen wir unserem Ziel, welches vom Hotelzimmer aus betrachtet wesentlich näher wirkte – stetig näher und standen nach einigen Minute vor dem Venetian – einem riesigen, über 7000 Zimmer großen Ressort mit sehr großem Casino-Bereich und einer unglaublich pompösen Szenerie. Wie wir in den nächsten Tagen bei mehreren Besuchen feststellen konnten, ist das Venetian mit seinen Kanälen, den singenden Gondolirie und der Interpretation des Markusplatzes wirklich extrem beeindruckend.

Jede Ecke, jedes noch so kleine Detail wirkt hochwertig, verspielt, gepflegt .. in Summe einfach überzeugend. Das Venetian vermittelt das Flair eines (kleinen) perfekten Venedigs mindestens so gut, wie das Caesars den Eindruck eines römischen Palastes imitiert. Wie wir im Laufe unseres Aufenthalts weiterhin feststellen konnten, verfügt das Venetian neben einem sehr ansprechenden, großen Casino-Bereich auch über unvorstellbar geräumige Optionen um Veranstaltungen auszurichten. Ernsthaft, allein der Ballsaal, in welchem die Mahlzeiten während des Events gereicht wurden, war unbeschreiblich groß. Die Dimensionen sind vielleicht noch am besten mit denen einer (einigermaßen) hübschen Messehalle vergleichbar – absolut beeindruckend. Die Hauptveranstaltung selbst fand ebenfalls in einem Messehalle-ähnlichen „Raum“ statt – bestuhlt für über 4000 Personen und mit nicht weniger als (glaub ich) fünf Leinwänden ausgestattet. Oft fühlte ich mich eher an ein Konzert, als an einen Kongress erinnert. Während unserer Woche in Las Vegas habe ich mich übrigens einmal derart im Inneren des Venetian verlaufen, dass ich einfach immer den Schildern in Richtung Ausgang folgen und mich dann von dort neu orientieren musste .. zum Glück hat diese Notfallübung gut funktioniert und ich konnte meine Kollegen in nur 30 Minuten wiederfinden.

Ein schöner Ort zum Verlaufen
Ein schöner Ort zum Verlaufen

Fast unmittelbar gegenüber des Venetian Resort Hotels befindet sich der Eingang zu dem „The Forum Shops at Caesars“ – einer Shopping-Mall, die nach einigen hundert Metern in den Casino- und Hotelbereich übergeht. Was hier so banal klingt, ist ein unglaublich großer Komplex, der es einem im Prinzip erlaubt, mehrere hundert Meter am Strip entlang überdacht zurückzulegen – vom Venetian, über die Shops, das Caesars, bis ins Bellagio. Die Shops selbst sind natürlich – wie fast alles in Las Vegas – sehr pompös angelegt. Das geht bei den üppigen Dimensionen los, zieht sich über die berühmten, runden Rolltreppen und mündet in einer Vielzahl hochpreisiger Shops, die sich sehr edel und auserlesen präsentieren. Ernsthaft, ich denke die preiswerteste Option Kleidung im Caesars zu kaufen dürfte H&M sein – danach folgt vermutlich eine lange Weile nichts und dann nach Guess & co die üblichen Luxusmarken ala Louis Vuitton. Überhaupt gibt es in Las Vegas gefühlt alle 500m einen LV-Shop – die vielen, noch verpackten Taschen des beliebten Herstellers, die beim Rückflug im Flieger zu bewundern waren, lassen allerdings darauf schließen, dass durchaus genügend ernsthafte Interessenten zugegen sind 😉 Natürlich wird auch das Einkaufen im Caesars als Erlebnis zelebriert, was sich zum Beispiel in einem großen Aquarium, einer beeindruckenden Licht / Feuershow zum Thema Atlantis und einer abermals extrem gepflegt wirkenden Szenerie manifestiert. Ernsthaft, an der Interpretation des Trevi-Brunnens zu stehen, bei leicht schummriger Beleuchtung und unter einem vom (nicht realen) Sonnenuntergang lila gefärbtem Himmel, der sich in dem perfekt schwarz glänzenden Marmorboden reflektiert, fühlt sich in der Tat nach der idealen Vorstellung eines Frühlingsabends in Italien an. Überhaupt wirken viele der Orte in Las Vegas wie aus einem (wirklich sehr sehr guten) Themenpark und weniger wie aus der realen Welt.

Abendstimmung (nachmittags) im Caesars

Etwas realer, aber immer noch sehr außergewöhnlich fühlt sich ein Besuch im berühmten Bellagio an. Während das Venetian und das Caesars bereits sehr edel wirken, befindet sich das Bellagio nochmals auf einem etwas höheren Level (wobei ich mich hier auf die öffentlichen Bereiche und nicht die Zimmer beziehe). Der Casino-Bereich ist so riesig, dass man an jeder Kreuzung denkt „Was? Hier geht es auch noch weiter?“. Alles wirkt sehr sauber, sehr aufgeräumt und einladend – eben so, wie man sich das vor einem Besuch auch vorstellen würde. Die Lobby ist ebenfalls sehr pompös und eines der beliebtesten Fotomotive – ebenso wie der chinesische Garten, der sich direkt anschließt. Während unseres Besuchs wurde hier – sehr zur Atmosphäre passende – Live-Musik gespielt. Wäre der Bereich nicht so überlaufen, könnte der chinesische Garten womöglich sogar ein Ort der Ruhe sein. So bleiben die Gondoliere im Venetian als beeindruckendere Klangerfahrung im Gedächtnis. Das absolute Highlight des Bellagios ist sicherlich das Wasserspiel vor dem Ressort, welches (Achtung, die folgenden Angaben sind nur Vermutungen) in den Abendstunden alle 15 Minuten und ab glaube ich 15:30 Uhr alle 30 Minuten stattfindet. Mir gefielen die vielen unterschiedlichen Variationen und Kombinationen aus Musik, Höhe, Intensität und Form der Wasserstrahlen so sehr, dass ich wahrscheinlich auch einen ganzen Tag oder besser eine ganze Nacht hier hätte verbringen können. Vor dem Bellagio stehend, mit Blick auf die Fontänen, das Caesars und den Reflektionen des Eifelturms im Wasser ist schon etwas ganz Besonderes eine eine sicher nicht alltägliche Erfahrung.

Abendstimmung - allerdings eine sehr Spezielle
Abendstimmung – allerdings eine sehr Spezielle
Eine der Hauptattraktionen in Aktion
Eine der Hauptattraktionen in Aktion

Insgesamt gibt es meiner Meinung nach viele dieser „Wow – so hätte ich mir das nie vorgestellt“-Eindrücke in Las Vegas zu entdecken. Alles was man hierzu tun muss, ist den Strip rauf und runter zu laufen, die verschiedenen Ressort-Lobbys zu besuchen und dieses gigantische Spektakel auf sich einwirken zu lassen. Vom Klang der gemieteten Harleys und Ferraris auf der Straße über die omnipräsente Ansprache der Promotor – die Stadt in der Wüste ist einfach immer laut und zu jedem Zeitpunkt unglaublich intensiv. Um den Spaß vollkommen auskosten zu können, muss man sich jedoch dreier Dinge bewusst sein:

  1. Las Vegas ist einfach sehr teuer. Das ist so und das sollte man von Vornherein in Kauf nehmen. Obgleich auch die hübscheren Hotels vergleichsweise preiswert sind, geht die Erfüllung von Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken sehr ins Geld. Ein Gutes Steak bei Ruth Chris? 60$ plus Steuern und Trinkgeld sind da keine Seltenheit. Drei große Bier? Schnell sind 48 Dollar plus Steuern und Trinkgeld in Flüssigkeit verwandelt. Man kann in Las Vegas sehr viel Spaß haben, sehr gut Essen und viele tolle Eindrücke sammeln, aber auch ohne Geld in den Casinos (oder Shops) zu lassen, sollte man für diese tolle Erfahrung einfach ein gewisses Maß an Ausgaben als „unvermeidbar“ betrachten.Nebenbei gesagt: Neben dem Caesar Salad im Hard Rock Cafe waren allein die Quad-Fries in Guy Fieri’s Vegas Kitchen + Bar ein Grund nochmal wiederzukommen.
  2. Las Vegas ist – wie schon gesagt – sehr laut. Nach vier Tagen in der Wüstenstadt hatte ich vor allem einen Wunsch: Ruhe. Sobald man das Hotelzimmer verlässt, ist man in Las Vegas im Zentrum eines Vergnügungsparks. Überall sind sehr viele Menschen, überall sind laute Geräusche (Werbung, Automaten, Chip-Stapel, Autos), überall blinkt es und sobald man die Hotels verlässt, wird man ständig von Promotern angequatscht. Das kann sehr anstrengend sein.Auch in den Casinos spazieren zu gehen (oder gar zu spielen) ist nicht eben erholsam, sind die Automaten – wie bereits beschrieben – doch sehr laut und ist die Luft manchmal sehr schlecht. Die Tatsache, dass man in den meisten Bereichen der Casinos noch Rauchen darf, war zumindest für mich enorm überraschend.
  3. Las Vegas ist nicht groß. Es gibt den Strip und dieser ist für sich genommen auch extrem beeindruckend und bietet Sehenswürdigkeiten, die einen mehrere Tage lang beschäftigen können, aber dann fällt die Attraktivitätskurve doch sehr steil ab. Wer mal aus der Stadt rausgefahren ist, vorbei an den kleinen Hochzeitskapellen, der wird diesen Eindruck sicherlich bestätigen können. Zusammenfassend gibt es also einen spannenden Kern, ein meiner Meinung nach recht unattraktives Gebiet um diesen Kern und dann jede Menge Wüste. An dieser Stell sei übrigens angemerkt, dass ich mir die Wedding Chapels niemals so vorgestellt hätte. Der Standort und die Gestaltung derselben erinnern mich an ein relativ unattraktives Gewerbegebiet in Deutschland – und wer würde dort schon heiraten wollen.
Die besagten Quadfries .. ein Traum
Die besagten Quadfries .. ein Traum

Ferner sei angemerkt, dass das Bild über einen derart surrealen Ort wie Las Vegas sicherlich immer im Kopf des Lesenden / des Neugierigen entsteht. Nach den ersten Tagen in Nevada war ich der festen Überzeugung, dass die meisten Filme, die an diesem Ort spielen, massiv geschönt oder zumindest stark „optimiert“ sind. Nach meiner Rückkehr haben wir dann zuerst „21“ und kürzlich auch nochmals Ocean’s Eleven gesehen (übrigens spielt auch eine der Eröffnungsszenen von Iron Man in Las Vegas, genauer gesagt im Caesars Palace) und ich war absolut überrascht: Die Stadt sieht so aus, wie ich sie erlebt habe, das Casinos sind authentisch und sogar der Lärmpegel ist weitestgehend real. Auch Aussehen und Kleidung der meisten Casino-Besucher, ebenso wie Erscheinung und Frequenz der asiatischen Highroller habe ich genau so (oder ähnlich) erlebt .. einzig die rauchgeschwängerte Luft geben die Filme so natürlich nicht wieder. Insgesamt war ich aber sehr positiv angetan: Eigentlich ist Las Vegas ziemlich genau so, wie es im Film gezeigt wird .. man kann es nur scheinbar nicht glauben und macht sich sein eigenes Bild.

Abschiedsstimmung am Bellagio
Abschiedsstimmung am Bellagio

Abschließend noch ein paar Gedanken zum Thema Glücksspiel: Es ist enorm beeindruckend zu sehen, mit welcher Frequenz und offensichtlichen Leichtigkeit in den Casinos im Sekundentakt Geld den Besitzer wechselt. Tausende Dollar werden binnen weniger Sekunden gesetzt, verdoppelt, verloren, von Bargeld in Chips bzw. andersherum verwandelt. Die Faszination der sich permanent vergrößernden bzw. verkleinernden Chip-Stapel, die Eleganz und Sicherheit mit der die Croupiers die Plastikwährung auszählen, bewegen und nahezu artistisch handhaben, die Professionalität und Aufmerksamkeit der Pit Bosse im Hintergrund, der scheinbar lockere Umgang der Gäste untereinander und mit den Casino-Mitarbeitern .. das alles trägt zu einem meiner Meinung nach ziemlich einmaligen Erlebnis bei. Einsam bleibt in Las Vegas vermutlich niemand allzu lange .. reich allerdings – bei unvorsichtigem Handeln – auch nicht. In Summe habe ich jedenfalls (mit Ausnahme eines Poker-Turnier Gewinners) kaum jemanden gesehen, der die Casinos reicher verlassen hat, als er sie zuvor betreten hatte.

Eine grüne Oase mitten in der Wüste
Eine grüne Oase mitten in der Wüste

In Summe war der Kurztrip nach Las Vegas jede Minute, jeden Dollar und jede Anstrengung wert. Zwei 12 Stunden Flüge in bisher unbekannter Enge (zum Glück bin ich ja recht kompakt), mehrere Nächte mit sehr wenig Schlaf und Reizüberflutung in jeder Minute außerhalb des Hotelzimmers – die Wüstenstadt bietet einfach derart viele, surreale Eindrücke, dass man vermutlich einfach dort gewesen sein muss, um das hier Beschriebene glauben zu können. Die Intensität mit der die Stadt der Sünde den Besucher permanent überwältigt, führt zu bleibenden Erinnerungen, die eine Reise dorthin unbedingt zur Empfehlung machen.

Prädikat: Besonders empfehlenswert
Prädikat: Besonders empfehlenswert

Weitere Eindrücke wie so oft in der Gallery: Klick.