Erlebnis Abholung. Vom außergewöhnlichen Beginn einer intensiven Freundschaft

Basierend auf meinen Erfahrungen gibt es nacheinander die Phasen des Euphorischen, des Abwägens, des Entschlossenen, des Zweifelnden und irgendwann nur jene der nervösen, aufgekratzten Vorfreude. Wenn nach Wochen bzw. Monaten des Wartens der Moment der Transformation von Investition in Gegenwert bevorsteht, fühlt sich das in der Regel ziemlich verrückt an. Wenn der Gegenwert auf die drei Ziffern 9 1 1 hört, sich 1295mm über den Asphalt duckt, dabei von einem Sechszylinder-Boxermotor im Heck angetrieben wird und in Stuttgart Zuffenhausen gefertigt wurde, ist es mit jeglicher Geduld kurz vor Ablauf des mentalen Countdowns gänzlich vorbei.

Teaser: Um dieses Fahrzeug geht es im folgenden Beitrag ;-)
Teaser: Um dieses Fahrzeug geht es im folgenden Beitrag 😉

Spätestens nach Übergabe der finalen Unterlagen kurz vor der Zulassung gibt es eigentlich nur noch einen Gedanken: Haben wollen! Jetzt! Sofort! Man beginnt sich die Abholung minutiös vorzustellen, sie geistig durchzugehen. Hab ich Fragen zum Fahrzeug? Wie gelangt man von der Auslieferungshalle eigentlich auf die öffentliche Straße (Google Earth hilft)? Wird der Wagen vollgetankt sein? Was ziehen wir an? Ist es schicklich den Moment der Übergabe fotografisch festzuhalten? Was machen wir nach der Abholung? Alles gar nicht so einfach .. und dabei geht am Ende alles so schnell.

Nachdem wir mit den Abholungen des ersten TTs, des ersten Minis, des Boxsters, des 5ers, des zweiten Minis und des zweiten TTs schon einige Erfahrungen gesammelt hatten – einige davon aufwändiger inszeniert, andere weniger spektakulär – hatten wir dieses Mal eigentlich (später mehr dazu) ein ganz gediegenes Event favorisiert: Regulär zur Arbeit gehen, mit eigenem Auto anreisen, Fahrzeug übernehmen, auf direktem Weg nach Hause fahren, danach vielleicht noch Essen gehen und ansonsten eher auf das verlängerte Wochenende warten. Irgendjemand oder irgendetwas schien aber der Meinung gewesen zu sein, dass so eine 0815-Abholung für uns einfach nicht das Richtige ist. Doch der Reihe nach.

Der Beginn unserer Beziehung mit dem 911 Carrera verlief noch völlig unauffällig. Wir erreichten das Porsche Zentrum unserer Wahl ohne Zwischenfälle, das Fahrzeug stand pünktlich und mit korrektem Wunschkennzeichen zugelassen bereit und die Stimmung war gut. Noch vor dem ersten Gang zum Elfer wurden die letzten Unterschriften geleistet und wir erhielten eine von den Mitarbeitern des Hauses signierte Flasche Champus gemeinsam mit zwei Schlüsseln – wie gesagt, unspektakulär. Der Moment unseren Porsche mit seinem Kennzeichen zu sehen, übergabebereit und prominent im Abholbereich geparkt, war dennoch sehr speziell.

Das ist er also, unser Carrera .. ziemlich atemberaubend
Das ist er also, unser Carrera .. ziemlich atemberaubend

Die optische Komposition aus uniweiß (kein Metallic), lackiertem Heckunterteil, lackierten Außenspiegelunterschalen, schwarzen Scheinwerfereinsätzen, schwarz lackierten Felgen, getönten Scheiben und schwarzem Dach (Schiebe-/Hubdach aus Glas) in Kombination mit dem SportDesign Paket inkl. Entenbürzel ist doch recht extrovertiert. Insbesondere frisch aufbereitet, ohne einen winzigen Kratzer, ohne die kleinsten Spuren von Bremsstaub, ohne Hologramme im Lack und ohne auch nur ein Fleckchen Insektenreste auf der gesamten Karosserie wirkte das Fahrzeug enorm beeindruckend. Toll.

Außergewöhnlicher Flügel, außergewöhnliches Fahrzeug, außergewöhnlicher Tag
Außergewöhnlicher Flügel, außergewöhnliches Fahrzeug, außergewöhnlicher Tag

Die Übergabe selbst verlief dann wie erwartet eher unaufgeregt. Als chronisch neugieriger Mensch mit viel Affinität zu Autos und einer gewissen Porsche-Vorgeschichte hatte ich mich gefühlt schon über auch das kleinste Detail des Wagens informiert. Sei es die Möglichkeit durch simultane Betätigung beider Schaltpaddels in den Leerlauf zu schalten oder die Deaktivierung der Neigungserkennung der Diebstahlwarnanlage durch zweimalige Betätigung der Verriegelungstaste – mein Verkäufer hatte wenig Spaß 😉 Also fachsimpelten wir etwas über die anderen Modelle, schauten uns das Lenkrad des Macans etwas näher an und gingen irgendwann zur Ausfahrt aus der Halle über. Vorher stellten wir noch einen optischen Makel im Bereich des Heckdeckels fest, welcher bei der Qualitätskontrolle wohl unterging und per Poliermaschine zeitnah behoben werden sollte.

Vorn: Dani & ich. Hinten: 911er Typ 991
Vorn: Dani & ich. Hinten: 911er Typ 991

Ich muss gestehen, dass dieser Moment schon sehr intensiv war, als ich bei einem Kilometerstand von 16 den im Vergleich zum 987 vollkommen überarbeiteten Schlüssel in das Schloss (links) führte und das 3,8l-Triebwerk mit einer Drehung nach rechts zum Leben erweckte. Wenn man diesen Vorgang nicht gewöhnt ist, fühlt er sich gigantisch an, schreit der Boxer doch wie zur Begrüßung kurz auf, was natürlich durch die Umgebung (sprich innerhalb eines geschlossenen Raums) nochmals verstärkt wird. Den Wahlhebel des Doppelkupplungsgetriebes auf D, Fuß langsam von der Bremse nehmen (nix passiert, da Parkbremse aktiv), ein wenig Druck auf das Gaspedal. Wie viel Druck? Keine Ahnung .. mach halt mal. Und dann geht es los, völlig unaufgeregt und mit einem Grinsen von einem Ohr bis zum anderen raus aus der Halle, enge Rechtskurve und vorbei an Verkäufer und Frau, enge Linkskurve, gleich noch eine davon, kurze Gerade, noch zweimal links und Einparken vor dem Eingang des Porsche Tempels. Okay, so fühlt sich das also an. Alles ganz schön ungewohnt und definitiv sehr viel anders, als in den meisten Fahrzeugen die ich bisher bewegen durfte. Ein letztes Mal Händeschütteln und dann ging es los – Heimreise mit dem Elfer, Dani im Mini direkt hinter mir.

So sahen die ersten Meter aus ;-)
So sahen die ersten Meter aus 😉

Wenig überraschend ist der Verkehr auf den Bundesstraßen des Rhein-Main-Gebiets gegen 17:45 Uhr recht dicht, so dass ich nach den ersten Minuten des Im-Kreis-Grinsens begann mit den vielen Funktionen des Porsche zu spielen .. es war ja doch Einiges verbaut, was ich so bisher noch nie in einem Fahrzeug hatte. Sehr neugierig war ich zum Beispiel auf das Display im Kombiinstrument, welches sehr vielfältige Möglichkeiten bieten sollte. Genau zu diesem Zeitpunkt begann der Tag einen unglücklichen Verlauf zu nehmen. Statt nämlich eine Karte der Umgebung anzuzeigen, blieb es ziemlich schwarz. Augenblicke später präsentierte mir das PCM (also das Radio-/Navigationssystem, für die Porsche-Unerfahrenen) stolz das Porsche-Logo .. okay, es startete einfach mal neu. Dies stellte die Funktion der Karte jedoch nicht her und auch sonst fühlte sich das System ganz und gar nicht gut an – die Reaktionszeiten auf Eingaben waren ewig. Sie waren sogar so lang, dass ich es nicht schaffte, eine Adresse einzugeben, bis das System wieder neustartete. Langsam wurde meine Laune schlechter. Zu allem Überfluss zeigte nun auch die Verkehrszeichenerkennung einen Ausfall und die Drehzahl des Fahrzeugs schwankte auffallend, selbst bei konstanter Fahrt. Okay, muss sich das so anfühlen? Ich hatte auf den restlichen 20 Kilometern nach Haus viel Zeit darüber nachzudenken und mit mir allein zu sein, denn das PCM verabschiedete sich alle 5-7 Minuten in den bereits vertrauten Neustart inkl. Verlust aller Einstellungen. Gar nicht lustig. Kaum zu Hause angekommen rief ich meinen Verkäufer an und berichtete vom Erlebten. Dieser zeigte sich sofort sehr einsichtig und versprach einen Servicetermin am folgenden Tag inkl. sofortiger Bereitstellung eines Ersatzfahrzeugs. Na gut, in Summe kein Vorzeigeerlebnis, aber zumindest auch nicht wirklich tragisch. Tragisch wurde es, als wir direkt im Anschluss zum Abendessen aufbrechen wollten – schließlich wollte auch Dani erste Eindrücke im Elfer sammeln. Wir fuhren auf die Autobahn auf – fühlt sich ganz schön träge an; wir schwammen im Verkehr mit – ganz schön komischer Sound; wir versuchten an der nächsten Ausfahrt abzufahren – Ausfall PSM (das ist das Stabilitätsprogramm), Störung Motorsteuergerät, angepasste Weiterfahrt möglich, starkes Ruckeln bereits beim zarten Versuch Gas zu geben. Zusammenfassend gingen ganz viele Lämpchen im Kombiinstrument an, die man normalerweise nur kurz sehen möchte, wenn man die Zündung einschaltet. Die Warnsignale blieben aber und wechselten sich zudem in schönstem Prosa im sowieso nur bedingt nutzbaren Display ab – ganz und gar nicht erheiternd. Wie ein waidwundes Tier schleppten wir uns also zum nächsten größeren Parkplatz, der genügend Kapazitäten und ein Schnellrestaurant bot. Erneute Kontaktaufnahme mit dem Porsche Zentrum: Bitte Porsche Assistance anrufen, die bringen den Wagen zu uns und organisieren ein Ersatzfahrzeug – 18:54 Uhr konnte man mir wohl sonst nicht mehr helfen.

Kleine bildliche Auflockerung zwischendurch, damit die Laune nicht zu sehr leidet
Kleine bildliche Auflockerung zwischendurch, damit die Laune nicht zu sehr leidet

Also lernte ich bei Kilometerstand 55 und keine 2h nach der Auslieferung die Porsche Assistance kennen – die Stimmung war vorsichtig formuliert schon ziemlich schlecht. Jetzt begann aber erst der frustrierendste Teil des gesamten Tages, für den ich auch 1,5 Wochen später (und vermutlich 1,5 Jahre später) keine netten Worte finden kann. Nur zur Sicherheit: Ich gebe hier nur meine individuellen Erfahrungen mit der Assistance wieder und schildere meine subjektiven Eindrücke über die erlebte Qualität.

Es begann damit, dass mein Fahrzeug bei der Assistance gänzlich unbekannt war – zu neu. Leider musste man deshalb (wie ich erst später erfahren habe) Prüfungen über „andere Kanäle“ durchführen, um sicherzustellen, dass ich bzw. der Wagen auch wirklich noch über eine Garantie verfügt. Nachdem der erste Anruf bei der Assistance kurz vor Fertigstellung der Aufnahme des Vorgangs abgebrochen ist, durfte ich dieses tolle Erlebnis direkt wiederholen. Nüchternes Ergebnis: Abschleppunternehmen wird sich melden und bezüglich des Ersatzfahrzeugs werde ich nochmals kontaktiert werden. Das Abschleppunternehmen brauchte zwar rückblickend 90 Minuten bis zum Eintreffen des Wagens, war aber zumindest bemüht und der Fahrer äußerst freundlich, menschlich sympatisch und zudem sehr sorgsam – das war also richtig klasse. Weniger begeisternd waren meine Rückrufe bei der Assistance, weil auch über 1h nach Meldung des Schadens noch keine Information zum Thema Ersatzmobilität vorlag – „Wir sind mit den Mietwagen gelinde gesagt etwas im Rückstand“. Just in dem Moment, in dem der Abschlepper eintraf, erhielt ich einen Anruf bezüglich des Leihwagens. Man könne mir einen Touareg oder einen BMW5er anbieten und der werde frühestens in 60 Minuten da sein. Okay, Meldung der Störung um 19:00 Uhr; Abschlepper um 21:30 Uhr; Leihwagen um 22:30 Uhr? Meine Stimmung war jetzt wirklich schlecht. Gänzlich konträr hierzu mein Gesprächspartner, der meine Lieblingsaussage der nächsten Tage erstmals einführte: „Wir können nichts dafür und sind da auch nur abhängig“. Auf meine relativ frustrierte Aussage, dass wir statt noch weiter zu warten lieber mit dem Taxi nach Hause fahren werden, erwiderte er: „Gut, ich notiere Sie verzichten freiwillig auf ein Ersatzfahrzeug.“. Meine deutlich formulierte Protestnote, dass ich mitnichten freiwillig verzichte, aber die avisierten Parameter (Zeit und Wagen) gänzlich inakzeptabel finde, wurde erneut mit der Aussage quittiert, dass man in der Akte vermerken würde, dass ich also freiwillig auf ein Fahrzeug verzichte. Hallo? Rede ich mit der Porsche Assistance, nachdem ein Neufahrzeug nach weniger als 30km am ersten Tag meines Besitzes liegengeblieben ist, oder bin ich vielleicht doch mit .. ich weiß nicht .. dem Notrufservice eines weniger kostenintensiven Fahrzeugherstellers verbunden?  Auch das sich im Porsche Zentrum um 19:12 Uhr niemand mehr für die vergeigte Auslieferung interessierte, fand ich wenig begeisternd.

So sieht es aus, wenn ein 911er mit SportDesign-Paket aufgeladen wird. Ganz schön knapp..
So sieht es aus, wenn ein 911er mit SportDesign-Paket aufgeladen wird. Ganz schön knapp..

Ich möchte an dieser Stelle die Ausführungen über die Assistance beenden. Nachdem es vor Kurzem nochmals einen Rückruf zum Thema gab, der mich abermals so richtig wütend gemacht hat („Ich verstehe gar nicht, warum ich Sie nochmal anrufen soll.“; „Wir müssen immer warten, bis der Abschleppwagenfahrer bestätigt, dass das Fahrzeug abgeschleppt werden muss .. erst dann beginnen wir mit der Suche nach einem Leihwagen“) kann ich einfach nur inständig hoffen, mit dem Elfer nie nie niemals liegen zu bleiben. Falls doch, empfiehlt es sich wahrscheinlich weinend weg zu laufen und auf ein Wunder zu hoffen, anstelle sich falscher Hoffnungen auf eine schnelle „Assistenz“ hinzugeben. Den naiven Gedanken für den Fall der Fälle abgesichert und bei einem unvorhergesehen Zwischenfall schnell wieder auf der Straße zu sein, werde ich basierend auf diesem Erlebnis jedenfalls beerdigen müssen.

Um die Situation besser vermitteln zu können, möchte ich die Erlebnisse des Abends nochmals resümieren: Es war also gegen 21:30 Uhr; wir waren knapp vier Stunden nach der Abholung des Fahrzeugs, welches bereits nach ca. 5 Minuten auf der Straße und weniger als 3km die ersten Störungen zeigte und später nach rund 30km auf eigener Achse liegen blieb, wieder zu Haus. Vom Porsche Zentrum fühlte ich mich ehrlich gesagt hängen gelassen, die Porsche Assistance gab wirklich und ausschließlich nur Anlass für weiteren Ärger und noch dazu waren wir jetzt zwar etwas ärmer, aber dafür ohne Auto (zum Glück hatten wir ja noch zwei). Wir fassten das Erlebte noch Kurz in einer E-Mail an den Verkäufer zusammen, sichteten ein paar Fotos und versuchten zu Schlafen – so richtig gut hat das aber zumindest für mich nicht funktioniert.

Das Ende unseres ersten Dates
Das Ende unseres ersten Dates

Am nächsten Tag (Dienstag) hatte ich morgens einen Auswärtstermin und beschloss im Rahmen der Rückfahrt gänzlich unangekündigt im Porsche Zentrum vorbeizufahren. Ich kann ehrlich berichten, dass meine Ansprechpartner dort größtenteils mindestens so frustriert wie ich wirkten, so dass ich durchaus den Eindruck hatte, meine Probleme wurden ernst genommen. Zum Fahrzeug konnte man noch nichts sagen, außer das es derzeit am Tester hängt und sowas (natürlich) noch nie vorgekommen sei. Auch mit der Assistance läuft ansonsten natürlich alles immer bestens, so dass es aus Sicht des PZs absolut schicklich war ab 19:00 Uhr nicht mehr erreichbar gewesen zu sein. Meine – bewusst übertriebene – Darstellung den Kunden nach einem derart negativen Erlebnis mit dem Verweis auf eine 0800er-Nummer in den Abend zu verabschieden, wollte man so natürlich nicht bestätigen. Nun ja, was soll ich sagen .. es tat zwar irgendwie allen alles leid, mein Verkäufer fand die Nichterreichbarkeit ab 19:00 Uhr absolut vertretbar (was okay ist, so weiß ich wenigstens was ich erwarten kann und was ich nicht erwarten kann), eine Lösung war dennoch ad-hoc nicht gefunden. Später im Verlauf des Tages wurde ich telefonisch mit der Diagnose konfrontiert, dass das PCM-System derart defekt gewesen sei, dass es das Bordnetz heruntergezogen habe und dadurch das Motorsteuergerät gestört wurde. Wow .. das klingt schon spannend, oder? Wenn ein Navigationssystem durch eine Fehlfunktion ein Bordnetz elektrisch so stören kann, dass scheinbar alle anderen Systeme davon tangiert werden, beginne ich mir Sorgen zu machen. Nun ja – wie sagte man so schön: Ohne PCM fährt das Fahrzeug super und mit einem neuen PCM wird dann alles gut – dieses sei schon bestellt.

Man beachte die Sondersignale auf dem Dach .. die könnten mir durchaus gefallen
Man beachte die Sondersignale auf dem Dach .. die könnten mir durchaus gefallen

Am Mittwoch Nachmittag wurde ich telefonisch erneut vom PZ kontaktiert und mein Erlebnis Abholung wurde um eine weitere Posse ergänzt: Das PCM sei kurzfristig auf Rückstand gegangen und deshalb sei jetzt keines verfügbar. Schade. Aber man könnte ein Leihgerät verbauen, welches dann nächste Woche (oder wann immer das PCM eintrifft) natürlich nochmals getauscht werden müsste. Diese Notlösung lehnte ich mit dem Verweis auf ein Ersatzfahrzeug ab, was mein Ansprechpartner im Service scheinbar nicht gut hieß. Man blieb zwar professionell, aber des Eindrucks einer intensivierten Abneigung dem Problemkunden gegenüber konnte ich mich nicht erwehren. Was hatte ich falsch gemacht? Ein Premiumfahrzeug gekauft, das nach 30km liegen geblieben ist und dann auf eine vorbildliche Abwicklung bestanden? Dies scheint irritierender Weise kein valider Wunsch zu sein.

Die positive Wendung der Ereignisse begann dann endlich (!) als rund eine Stunde später der Leiter After Sales anrief und mit mir die Übergabe eines Ersatzfahrzeugs in Form eines 911 Carrera 4s besprechen wollte. Er war sehr bemüht, verständnisvoll, freundlich und ging auf die Situation und meine Gefühle angemessen ein. Ca. 90 Minuten später fand die Zustellung des besagten Fahrzeugs statt und plötzlich war die Welt gleich viel schöner. Hallo, Carrera 4s in dunkelblaumetallic mit 20″ Felgen und dunkelbraunem Interieur. Hallo, Sportabgasanlage, PDK, Allradantrieb und 400PS. Der 4S sollte ein hervorragender Ausblick auf unseren Porsche sein, hatte er doch das gleiche Triebwerk und die gleichen Gene. Im Gegensatz zu den 30km mit unserem Carrera 2S nach der Abholung fuhr sich der Ersatzelfer genau so, wie man sich das vorstellt: Präsent, sportlich, akustisch absolut beeindruckend. Ein zeitloses Fahrzeug, optisch fast schon introvertiert und technisch faszinierend – so macht der Mythos 911 Spaß.

911 4S Coupé - es gibt wahrlich schlechtere Übergangslösungen
911 4S Coupé – es gibt wahrlich schlechtere Übergangslösungen

Der Carrera 4S begleitete uns von Mittwoch Abend bis Montag Abend und über fast 1000km. Wir fuhren damit zum Wandern an den Loreley Felsen, zum Einkaufen und zu einem der größten Porsche-Treffen Deutschlands nach Böblingen. Auch wenn wir dabei viel Spaß hatten, konnte ich mich von Zeit zu Zeit nicht der Frage erwehren, warum man nicht gleich derart entschlossen auf diesen traurigen Vorfall reagiert hat. Als ich unseren Elfer dann – erneut perfekt aufbereitet und weithin sichtbar geparkt – am Montag abholte, wurde mein Eindruck komplettiert: Scheinbar wurde die Drosselklappe des Fahrzeugs vor der Auslieferung nicht richtig angelernt. Außerdem (und völlig unabhängig davon) war das PCM defekt und wurde nun getauscht. Ferner wurde der besagte optische Mangel am Heck poliert und das Fahrzeug knapp 30km Probe gefahren und sei nun definitiv im Zielzustand. Diesen Eindruck kann ich seit dem glücklicherweise nur bestätigen – doch davon berichte ich besser im nächsten Beitrag.

Kilometerstand 111,1 - bis zum Horizont, und noch viel weiter!
Kilometerstand 111,1 – bis zum Horizont, und noch viel weiter!

Zweifel – Hätte ich vielleicht doch (nicht)?

Es ist dieser Moment nach dem die erste Euphorie abebbt, das Herz freiwillig wieder langsamer schlägt, der Adrenalinspiegel sich normalisiert und die Vernunft ganz allmählich beginnt sich wieder in das Bewusstsein zu drängen. Sie stellt dann blöde Fragen – meistens vor dem Versuch einzuschlafen. Solche wie „Hubraum statt Wohnraum?“. Oder „Ist schon wieder große Krötenwanderung?“. Gemeine Fragen sind das, denn sie versuchen die heile Welt kaputt zu machen, die Emotionen niederzureden und Zweifel zu streuen. Sie versuchen sogar noch Schlimmeres, locken sie doch mit angeblichen Auswegen: „Hör mal, Freund, ich kann ja verstehen das jeder mal schwach wird .. aber das ist überhaupt kein Problem. Du kannst dich einfach binnen 14 Tagen darauf besinnen, dass du doch ein vernünftiger Typ bist der nach gesellschaftskonformen Wertvorstellungen lebt, und du jetzt lieber einen Kangoo erwerben möchtest.“.

911. Kannst du der Versuchung widerstehen? Wenn ja, wie lange?
911. Kannst du der Versuchung widerstehen? Wenn ja, wie lange?

Immer wenn dann ein PORSCHE Neuhundertundelf im Umkreis von 500m mit geöffnter Sportabgasanlage durch die Gegend „gleitet“ und der 3,8l große Sechszylinder Boxer die Glückseligkeit des Seins aus sich herausschreit, meldet sich das Herz zurück und besteht darauf, dass es charakterschwach wäre einmal getroffene Entscheidungen zu revidieren. Außerdem erinnert es daran, welche tollen Momente man mit so einem Volkswagen auf Steroiden erleben könnte und es führt auf, dass es ja bald nur noch Turbo-Motoren gibt und die dann sicherlich nicht mehr das charakteristische, legendäre Boxer-Geräusch emittieren werden. Tief im Inneren weiß man zu diesem Zeitpunkt natürlich schon lange, dass der Verstand ein einsamer Streber ohne Freunde ist, der diesen Kampf der Emotionen nicht gewinnen kann .. aber als vernunftbegabter Mensch muss man ja immerhin alle vorhandenen Optionen beleuchten.

Logischerweise versucht man nun also die Vorfreude einfach zu intensivieren, zum Beispiel in dem man tolle Dokumentationen über den berühtem „swabian Manufacturer“ im Fernsehen schaut (ich glaube ja, man hat einzig und allein auf Grund der Existenz von Porsche ein Wort für schwäbisch im Englischen ersonnen), alle greifbaren Testberichte in diversen Fachzeitschriften aus dem Archiv kramt und – ganz großer Fehler – die einschlägigen Internetforen beginnt bis zur letzten Seite (auf denen dann Beiträgen stehen, die noch vor dem Erscheinungstermin des aktuellen Modells verfasst wurden) zu lesen.

Der 911 als Allradfahrzeug. Kann Breitbau Sünde sein?
Der 911 als Allradfahrzeug. Kann Breitbau Sünde sein?

Auf diese Weise wird man mit ziemlicher Sicherheit Herr über die Frage, ob das mit der Entscheidung für Porsche wirklich so clever war. Das war natürlich richtig und wichtig und sinnvoll und überhaupt hätte man keinen Tag länger zögern dürfen. Könnte ja bald keine der berühmten Quoten mehr geben. Alles richtig gemacht also? Womöglich nicht, denn Porsche ist ja nur ein Hersteller und die Modellpalette ist mittlerweile ziemlich groß. Glücklicherweise können diverse Optionen gestrichen werden. Cayenne, Macan und Panamera adressieren eine andere Zielgruppe (sind aber deshalb nicht pauschal uninteressant), aber spätestens bei der Abwägung Boxster vs. Cayman vs. 911 wird es wirklich spannend. Der Boxster ist ja eigentlich (Achtung, nicht meine Meinung) ein Hausfrauen Porsche, der Cayman ein überteuerter Ableger desselben mit festem Dach und der 911 in der aktuellen Version eine Art Panamera mit verkürztem Radstand, einzig und allein auf ältere Semester, Märkte in Übersee und Langstrecken-Komfort optimiert.

Besteht die Anschaffung eines Porsches also letztendlich daraus das geringere Übel zu wählen? Theoretisch bestünde natürlich die Option zum heiligen Gral zu greifen. Der geneigte Leser denkt jetzt vielleicht an den turbo (S), „die Referenz“. Aber weit gefehlt, denn der ist ja kein Sauger und klingt deshalb erbärmlich (ich gebe erneut nur fremde Meinungen wieder). Nein, gemeint sind die ultimativen Fahrmaschinen aus der GT-Reihe: GT4, GT3 oder gar GT3 RS. Keine Frage, wenn ich die Wahl hätte (und es noch Quoten gäbe), für den der GT3 RS in lavaorange würde ich vermutlich auch unter einer Brücke schlafen. Der gigantische Heckspoiler würde sich sicher gut eignen, um ihn als Ausgangspunkt für eine Art Vorzelt zu verwenden. Aber: Ist keine Option, da a) zu teuer und b) soweit mir bekannt so gut wie europaweit ausverkauft. Schade eigentlich. Der GT3 ist eventuell gar nicht mehr bestellbar, war zwischendurch übel in Verruf (abgebrannte Fahrzeuge, Motortausch und so) und überhaupt, wer will schon freiwillig auf das Kürzel „RS“ verzichten. Bleibt der Cayman GT4. Ganz ehrlich, das Auto ist aus meiner Sicht genial. Die Optik ist über alle Zweifel erhaben, das Mittelmotor-Konzept hochgradig attraktiv und der Preis für Porsche-Verhältnisse gerade zu „günstig“. Man erhält hier ein unglaublich spannendes Gesamtpaket mit Komponenten aus dem GT3 (Vorderachse), dem Motor aus dem 911er S und diversen Alleinstellungsmerkmalen für rund 90.000€. Wahnsinn. Allerdings sind für den Wagen soweit mir bekannt nur Semislicks / Sportreifen freigegeben, er ist wohl nur bedingt alltagstauglich und zudem so beliebt, dass es so gut wie unmöglich ist eine Quote dafür zu bekommen, bevor die Produktion im folgenden Jahr eingestellt wird. Schade eigentlich, denn wer einen GT4 erworben hat, dürfte sich um das Thema Wertverlust erstmal keine Gedanken machen müssen (zur Zeit werden Fahrzeuge mit einem Neupreis von 100.000€ von privat gern für 120.000€ verkauft – und es finden sich Abnehmer!).

GT4 in saphirblau. Ein Traum.
GT4 in saphirblau. Ein Traum.

Okay .. nachdem wir – wie man sieht – recht problemlos das Terrain der Fragestellung „Muss es denn überhaupt ein Porsche sein?“ verlassen und gänzlich unrealistische Optionen ausgeschlossen haben, können wir uns ja einfach weiter den Kopf über die verbleibenden Optionen zerbrechen. Auf Grund persönlicher Präferenzen habe ich die Option Non-S bei allen Baureihen für mich kategorisch ausgeschlossen (die Diskussionen warum ist mir zu doof .. ich mag halt nicht), so dass es im Prinzip zu einer Abwägung zwischen Boxster GTS vs. Cayman GTS vs. 911er kommt. Streichen wir den Cayman, da ich beim Mittelmotor aktuell in Richtung Cabrio tendieren würde – puh, wieder einen Schritt an der „perfekten Wahl“? Mitnichten, denn glücklicherweise gibt es vom 11er gefühlt 100 Versionen: S, 4S, Cabrio, GTS, Targa (plus diverse Kombinationen der zuvor genannten). Wahnsinn, oder? Jede Version hat ihre Vor- und Nachteile, wobei natürlich ultimativ die Abwägung Boxster GTS vs. 911 GTS Cabrio (vielleicht auch 4GTS) der Königsweg wäre. Letzterer steht aber leider nicht zur Auswahl, denn obgleich der 911 GTS mit seinem Optikpaket innen und außen, seiner werksseitigen Werksleistungssteigerung und dem ihm nachgesagten Charakter („GT3 Light“) im Prinzip DIE Wahl wäre, ist er mir zum aktuellen Zeitpunkt etwas zu kostenintensiv. Schade.

Nur nochmal der Vollständigkeit halber: GT3 RS in lavaoranger. Besser geht es meiner Meinung nach aktuell nicht.
Nur nochmal der Vollständigkeit halber: GT3 RS in lavaorange. Besser geht es meiner Meinung nach aktuell nicht.

Zumal in unserem Fall natürlich noch die Besonderheit dazu kommt, dass wir ja schon gewählt haben. Wir vergleichen also nicht auf der grünen Wiese, sondern immer vor dem Hintergrund der Frage: Haben wir das auch richtig gemacht? (Schon ein wenig doof, oder? Aber bei Porsche geht es um Emotionen und Emotionen sind selten rational). Unabhängig davon – und ohne bisher eine Probefahrt gemacht zu haben – denke ich jedoch das der Boxster GTS in Summe ein geniales Fahrzeug ist. Optisch enorm attraktiv, im Unterhalt tragbar, leistungsstark, vielseitig konfigurierbar und somit eine sehr spannende Option. Außerdem ungefähr nur ca. 2/3 so teuer, wie ein GTS Cabrio 😉 Trotzdem muss man für sich natürlich immer die Frage beantworten, welchen Stellenwert der Mythos 911 für einen persönlich hat. Porsche nennt ihn seine Identität und viele Menschen betrachten ihn – obgleich er mit Hinblick auf die Stückzahlen hinter die viertürigen Modelle zurückgefallen ist – als Inbegriff für die Marke aus Zuffenhausen. Er ist aktuell in der siebenten, intern 991 genannten Version erhältlich, und aus meiner Sicht nach wie vor extrem attraktiv. Für Menschen mit Kindern (die auch mitfahren sollen) ist er quasi nahezu alternativlos, da er als 2+2 Sitzer ausgeführt ist und daher bedarfsweise auch vier Personen transportieren kann. Aha .. und was bringt mir das? Für uns hätte es – ganz ehrlich – auch ein Audi R8 Spyder getan. In den kleinen Kofferraum vorn passt das Nötigste, für alle anderen Fahrten gibt es Alternativen. Also schon wieder ein verunsichernder Faktor: Wird uns der 11er am Ende gar nicht glücklich machen; einfach weil er für eine ganz andere Zielgruppe konzipiert wurde? Zumindest Letzteres ist mal sicher, denn bei aller Bescheidenheit muss ich fest davon ausgehen, nicht der typische Carrera-Kunde zu sein.

Noch ein wenig (mehr) Farbe für den grauen Alltag: Cayman GTS, GT4, GT3 (von vorn nach hinten)
Noch ein wenig (mehr) Farbe für den grauen Alltag: Cayman GTS, GT4, GT3 (von vorn nach hinten)

Ich wurde vor Kurzem auf einen sehr amüsanten Artikel in der Welt aufmerksam – dieser trägt den Titel „Über die Ideologie der Porsche-Gemeinde“ (Link). Er besagt im Wesentlichen eines: Je nach individuellem Blickwinkel gibt es keinen „guten“ Porsche. Jeder rational denkende Mensch sagt jetzt natürlich „Echt? Das 10 Menschen 11 Meinungen haben, hätte ich dir auch vor 1200 Wörtern schon sagen können“, ABER .. 10 Tage vor der Abholung eines Porsches gehört man einfach nicht zur der Gruppe der Vernunftbegabten.

Anmerkung: Ich schrieb diesen Text in der Zeit zwischen Bestellung des Fahrzeugs und Abholung. Er reflektiert die Wartezeit, die Unsicherheiten, die Fragen die man sich stellt, die mannigfaltigen Eindrücke die man basierend auf den Erlebnissen und Meinungen anderer gewinnen kann und den einsetzenden Wahnsinn vor Erfüllung eines Traums. Ich hoffe zu gegebener Zeit berichten zu können, welche der hier gezeichneten Klischees sich für mich – ganz individuell – bewahrheitet haben und welche nicht. Das man insbesondere Entscheidung wie die hier diskutierten primär allein (bzw. im sehr kleinen Kreis) treffen und das entsprechende Rückgrat dafür besitzen muss, ist klar. Das heißt trotzdem nicht, dass man bezüglich der (getroffenen) Wahl zu jedem Zeitpunkt über jeglichen Zweifel erhaben ist 😉

Die Rückkehr zur Familie – Eine Vorgeschichte

Es gibt Dinge im Leben, die sollte man vermutlich besser gar nicht erst probieren. Da ich in dieser Hinsicht in meiner Historie eher konservativ unterwegs war, kann ich an dieser Stelle jedoch nur mit eher unüblichen Beispielen aufwarten: Man sollte zum Beispiel nie – um zum Beispiel die Zeit während eines Stromausfalls zu überbrücken – ein Porsche Zentrum besuchen. Man sollte es idealerweise auch vermeiden einen Porsche Cayman probezufahren. Wenn man einen Cayman besitzt und sonst kein Cabrio im Bestand verweilt, empfiehlt es sich übrigens auch eine Probefahrt des Boxsters auszuschlagen.

Man könnte also meinen, wir haben – was Autos angeht – schon einige Lektionen gelernt und sollten mittlerweile in der Lage sein die üblichen Risiken zu erkennen und ihnen wirkungsvoll zu entgegnen. Könnte. Ganz so kam es jedoch nicht, als wir die Suche nach einem Nachfolger für unseren Mini John Cooper Works Roadster begannen. Selbiger begleitet uns mittlerweile fast drei tolle Jahre und macht nach wie vor sehr viel Spaß, doch das Ende der Herstellergarantie und unsere fehlende Affinität gegenüber gesteigerten Risiken forcierten das Ende dieser bis dahin sehr schönen Beziehung. Einzig, es mangelt an Alternativen: Der neue Mini ist nicht so recht unser Fall und zudem (noch) nicht als Roadster verfügbar und alltagstaugliche Spaßmobile mit ein wenig (mehr) Leistung sind sonst eher rar gesät. Golf GTI / Golf R Cabrio? Nicht schön. Fiat 500 Abarth? Ein Nogo. Audi TTS Roadster? Nicht so richtig.

Wir landeten also geistig beim Audi S3 Cabriolet. Einigermaßen alltagstauglich, definitiv leistungsstark und dank S-Tronic und quattro sehr einfach zu fahren. Das schöne am S3 war der Gedanke, dass wir mit diesem deutlich komfortabler als bisher auch mal längere Strecken zurücklegen könnten. Beim Mini lässt der Langstreckenkomfort ab ca. 250 – 300km gefahrener Strecke doch ziemlich zu wünschen übrig und auch Faktoren wie Sensitivität der Lenkung und Geräuschniveau bei geschlossenem Verdeck lassen den Kleinen doch eher als ideale Wahl für spaßige Touren im näheren Einzugsgebiet um die Basis erscheinen. Was mir am S3 nicht so gut gefiel, war ehrlich gesagt der Hersteller. Zu frustrierend waren die jüngsten Serviceerfahrungen mit meinem TTRS, als das ich unbedingt gesägt hätte „Bei Audi wirst du richtig toll behandelt. Wenn wir unser Geld dort hin tragen, wird man sich gut um uns kümmern, Werkstatttermine werden vorbildlich verlaufen und wir können immer ein gutes Gefühl haben.“.

S3 in misanorot. Kommt uns irgendwie noch bekannt vor ;-)
S3 in misanorot. Kommt uns irgendwie noch bekannt vor 😉

Aber sei es drum: Wir begaben uns also in das größte Audi Zentrum der Region und im Dachgeschoss stand doch tatsächlich ein S3 Cabrio in nahezu perfekter Zusammenstellung: Misanorot, rote Bremssättel, die meisten Assistenzsysteme und die wirklich chicen Sportsitze. Nettes Auto, nettes Ambiente, niemand interessierte sich für uns .. soweit nicht unüblich für unsere Erfahrungen mit dem Ingolstädter Hersteller. So schauten wir uns den Wagen intensiv aus allen Blickwinkeln an, machten nochmal kurz Zwischenstopp an einem R8 Spyder und fuhren dann wieder nach Haus. Einige Wochen später diskutierten wir erneut über das Thema Mini-Nachfolge und stellten fest, dass vor dem Hintergrund des kaum existenten Gebrauchtwagenmarktes für das S3 Cabriolet eventuell doch ein Neuwagen das Mittel der Wahl sein müsste. Also sollten wir lieber mal finanzielle Rahmenbedingungen und Lieferzeiten klären, bevor wir am Ende eine Langzeitmiete zur Erhaltung der Mobilität eingehen müssten. Gesagt, getan: Wir fuhren zum insgesamt dritten großen Audi Zentrum dieser Region. Auch hier wartete ein misanorotes S3 Cabriolet fertig gebaut und prominent geparkt auf seine Erstzulassung, so dass wir weitere Impressionen gewinnen konnten. Außerdem wurden wir hier erstmals einigermaßen vernünftig behandelt – Neuwagenverkaufsverhätschelung eben. Ein wenig traurig war zwar, dass sich der Verkäufer eher für unseren TTRS und dessen potentiellen Nachfolger und weniger für unser derzeitiges Anliegen interessierte, aber dennoch verlief das Gespräch ansonsten vorbildlich. Rund 2h sprachen wir über Ausstattungsmerkmale, Farben, Lieferzeiten (weniger als drei Monate) und finanzielle Optionen. Dann verließen wir das Audi Zentrum mit gemischten Gefühlen und einer sehr schönen Informationsmappe unter dem Arm wieder. Interessant.

S3 Cabriolet in misanorot. Allrad, Automatik, 300PS. Nett.
Allrad, Doppelkupplung, 300PS. Nett.

Okay, jetzt kommt die Sache mit dem Fehler und dem ausbleibenden Lerneffekt.

Zwischen dem ersten Besuch im Audi Zentrum und der unverbindlichen Anfrage eines Neufahrzeugs vergingen rund zwei Wochen, in denen mir eine weitere Alternative als alltagstaugliches Cabrio einfiel. Statt aus Bayern sollte sie aus Baden-Württemberg kommen und zwei Kofferräume waren ja schon immer besser als einer: Ein Porsche Boxster parallel zum TTRS wäre doch richtig klasse. Also fuhren wir die wenigen Meter vom hiesigen Audi Zentrum zum Mekka aller Menschen mit erhöhter Affinität zu sportlichen Fahrzeugen, dem lokalen (mir bereits aus früheren Zeiten vertrauten) Porsche Zentrum. Man kann eine gediegene Atmosphäre, freundliches Personal, einen repräsentativen Showroom und zuvorkommende Verkäufer als Blendwerk oder unnötigen Tand betrachten, man könnte es aber auch als Wohlfühlatmosphäre bezeichnen. Je nach den persönlichen Präferenzen. Nach den für mich wirklich enttäuschenden Erfahrungen bei BMW und Audi in den letzten drei Jahren fühlte ich mich bei Porsche bereits nach wenigen Minuten so, als würde ich nach Hause kommen. Niemand hatte jemals wirklich die Absicht die Familie zu verlassen. Warum auch. Andere Mütter haben zwar auch Töchter, aber schön sind die nicht wirklich. There is no substitute und so .. wer es mal erlebt hat, weiß, dass es stimmt. Wer 30 Minuten nach einer Sitzprobe in einem A3 Cabriolet mal in einem Porsche Boxster (okay, zugegeben als GTS natürlich besonders attraktiv) Platz genommen hat, der weiß auch, dass beide Fahrzeughersteller nach wie vor Dimensionen voneinander trennen. Wenngleich ich es vermeide in meinen Beiträgen über finanzielle Aspekte zu schreiben, möchte ich doch darauf hinweisen, dass Audi für ein S3 Cabriolet in adäquater Austattung einen Listenpreis von ziemlich genau 60.000€ aufruft. Für einen attraktiven Boxster muss man ca. 70.000€ ansetzen (okay, für einen GTS ein wenig mehr) – wie viel einem die Differenz zwischen diesen beiden Optionen wert ist, muss sicherlich jeder für sich selbst herausfinden.

Ja, so ein Boxster GTS (hier in speedgelb) ist schon "nett"
Ja, so ein Boxster GTS (hier in speedgelb) ist schon „nett“

Fakt ist jedenfalls das Dani sich sofort extrem wohlfühlte im Boxster. Das Design, die Verarbeitung, die Haptik – das aktuelle Modell mit der internen Bezeichnung 981 ist schon wirklich ein großer Wurf geworden. Wir waren ja zuletzt mit dem Vorgänger, dem 987 Facelift, unterwegs und hatten daher für einige Jahre die Fühlung zu den Fahrzeugen aus Zuffenhausen verloren. Schnell kamen wir also in ein sehr interessantes Gespräch mit dem Verkäufer, dass einen zunächst etwas unkonstruktiven Verlauf nahm: Wir eruierten, welche Autos wir aktuell fuhren, wann wir planten diese abzulösen und welche Optionen aus unserer Sicht bestanden. Ursprünglich (damit greife ich natürlich vor) sollte der Mini schließlich dieses Jahr im Herbst abgelöst werden, bevor der TTRS dann (ohne akute Not) im Frühjahr 2016 weichen sollte. Nun ja .. dann passierte etwas Unerwartetes und neue Optionen ergaben sich.

Wieder dazugehören - wäre schon nett.
Wieder dazugehören – wäre schon toll.

Plötzlich befanden wir uns in einem angeregten Gespräch über einen neuen Porsche 911 Carrera. Zu schön um wahr zu sein? Doch ein Traum? Vielleicht aber auch eine ganz schön blöde Idee? Es war einer dieser Momente, die einen emotional ganz schön durcheinander bringen. Vor allem wenn man sich plötzlich mit Varianten konfrontiert sieht, die man so überhaupt nicht hat kommen sehen. Wir waren jedenfalls ziemlich lange im Porsche Zentrum, verließen es danach mit nur drei losen Blättern Papier, waren dann irgendwie noch Shoppen (viel habe ich nicht mitbekommen) und haben anschließend mehrere Stunden lang diskutiert, kalkuliert, abgewogen und wieder von vorn begonnen. Ich denke es hat weniger als 24h gedauert, bis wir die verschiedensten Optionen gegeneinander abgewogen und eine Entscheidung getroffen hatten. Konkret gesprochen, begab sich das verhängnisvolle Erstgespräch am 07.04.2015; zur Klärung weiterer Fragen war ich am 08.04.2015 nochmals vor Ort und unseren dritten Präsenztermin in Folge – dieses Mal zur Vertragsunterschrift – hatten wir dann am 09.04.2015. Länger hätte ich es auch nicht ausgehalten, denn Schlaf wurde so langsam Mangelware. Mini weg, TT bleibt, 911er her – ein gänzlich neues Konzept.

Lust auf 911? Definitiv..
Lust auf 911? Definitiv..

Das Gefühl nach etwas über drei Jahren wieder zur großen Familie Porsche, zu den vom gleichnamigen Virus infizierten Enthusiasten zurückzukehren, war sehr intensiv. Alte Bekannte wurden kontaktiert und schon fast vergessene Forenaccounts reaktiviert. Alte Fotos wurden gesichtet, Dokumentationen wieder rausgekramt und Treffen geplant. Es war irritierend auf dem heimischen Schreibtisch plötzlich eine Hochglanzmappe mit den entsprechenden Vertragsunterlagen (unterzeichnet übrigens ganz klischeehaft mit einem Kugelschreiber aus dem Hause Montblanc) vorzufinden. Das treffendste Adjektiv um diese Tage und Wochen zu beschreiben ist vermutlich „surreal“. Natürlich kann Ablenkung nie schaden, so dass wir einige Zeit damit verbrachten ein adäquates Kennzeichen auszusuchen (es gibt wahrlich unangenehmere Aufgaben, obgleich 911 und 991 ziemlich beliebte Zahlenfolgen im Hochtaunuskreis sind) und unsere Schlüsselbänder im Porsche Drivers Selection Store zu erneuern. Dann begann das lange Warten auf dem Weg herauszufinden, wie sich der Alltag mit einem seit 50 Jahre bestehenden Mythos so gestaltet.

Wie bzw. auf was unsere Wahl genau fiel, werde ich in einem separaten Beitrag näher vorstellen. An dieser Stelle möchte ich nur so viel sagen: Die ursprünglich avisierten 3 Monate von der Unterschrift bis zur Auslieferung konnten wir uns dann doch nicht mehr zumuten 😉