Die Rückkehr zur Familie – Eine Vorgeschichte

Es gibt Dinge im Leben, die sollte man vermutlich besser gar nicht erst probieren. Da ich in dieser Hinsicht in meiner Historie eher konservativ unterwegs war, kann ich an dieser Stelle jedoch nur mit eher unüblichen Beispielen aufwarten: Man sollte zum Beispiel nie – um zum Beispiel die Zeit während eines Stromausfalls zu überbrücken – ein Porsche Zentrum besuchen. Man sollte es idealerweise auch vermeiden einen Porsche Cayman probezufahren. Wenn man einen Cayman besitzt und sonst kein Cabrio im Bestand verweilt, empfiehlt es sich übrigens auch eine Probefahrt des Boxsters auszuschlagen.

Man könnte also meinen, wir haben – was Autos angeht – schon einige Lektionen gelernt und sollten mittlerweile in der Lage sein die üblichen Risiken zu erkennen und ihnen wirkungsvoll zu entgegnen. Könnte. Ganz so kam es jedoch nicht, als wir die Suche nach einem Nachfolger für unseren Mini John Cooper Works Roadster begannen. Selbiger begleitet uns mittlerweile fast drei tolle Jahre und macht nach wie vor sehr viel Spaß, doch das Ende der Herstellergarantie und unsere fehlende Affinität gegenüber gesteigerten Risiken forcierten das Ende dieser bis dahin sehr schönen Beziehung. Einzig, es mangelt an Alternativen: Der neue Mini ist nicht so recht unser Fall und zudem (noch) nicht als Roadster verfügbar und alltagstaugliche Spaßmobile mit ein wenig (mehr) Leistung sind sonst eher rar gesät. Golf GTI / Golf R Cabrio? Nicht schön. Fiat 500 Abarth? Ein Nogo. Audi TTS Roadster? Nicht so richtig.

Wir landeten also geistig beim Audi S3 Cabriolet. Einigermaßen alltagstauglich, definitiv leistungsstark und dank S-Tronic und quattro sehr einfach zu fahren. Das schöne am S3 war der Gedanke, dass wir mit diesem deutlich komfortabler als bisher auch mal längere Strecken zurücklegen könnten. Beim Mini lässt der Langstreckenkomfort ab ca. 250 – 300km gefahrener Strecke doch ziemlich zu wünschen übrig und auch Faktoren wie Sensitivität der Lenkung und Geräuschniveau bei geschlossenem Verdeck lassen den Kleinen doch eher als ideale Wahl für spaßige Touren im näheren Einzugsgebiet um die Basis erscheinen. Was mir am S3 nicht so gut gefiel, war ehrlich gesagt der Hersteller. Zu frustrierend waren die jüngsten Serviceerfahrungen mit meinem TTRS, als das ich unbedingt gesägt hätte „Bei Audi wirst du richtig toll behandelt. Wenn wir unser Geld dort hin tragen, wird man sich gut um uns kümmern, Werkstatttermine werden vorbildlich verlaufen und wir können immer ein gutes Gefühl haben.“.

S3 in misanorot. Kommt uns irgendwie noch bekannt vor ;-)
S3 in misanorot. Kommt uns irgendwie noch bekannt vor 😉

Aber sei es drum: Wir begaben uns also in das größte Audi Zentrum der Region und im Dachgeschoss stand doch tatsächlich ein S3 Cabrio in nahezu perfekter Zusammenstellung: Misanorot, rote Bremssättel, die meisten Assistenzsysteme und die wirklich chicen Sportsitze. Nettes Auto, nettes Ambiente, niemand interessierte sich für uns .. soweit nicht unüblich für unsere Erfahrungen mit dem Ingolstädter Hersteller. So schauten wir uns den Wagen intensiv aus allen Blickwinkeln an, machten nochmal kurz Zwischenstopp an einem R8 Spyder und fuhren dann wieder nach Haus. Einige Wochen später diskutierten wir erneut über das Thema Mini-Nachfolge und stellten fest, dass vor dem Hintergrund des kaum existenten Gebrauchtwagenmarktes für das S3 Cabriolet eventuell doch ein Neuwagen das Mittel der Wahl sein müsste. Also sollten wir lieber mal finanzielle Rahmenbedingungen und Lieferzeiten klären, bevor wir am Ende eine Langzeitmiete zur Erhaltung der Mobilität eingehen müssten. Gesagt, getan: Wir fuhren zum insgesamt dritten großen Audi Zentrum dieser Region. Auch hier wartete ein misanorotes S3 Cabriolet fertig gebaut und prominent geparkt auf seine Erstzulassung, so dass wir weitere Impressionen gewinnen konnten. Außerdem wurden wir hier erstmals einigermaßen vernünftig behandelt – Neuwagenverkaufsverhätschelung eben. Ein wenig traurig war zwar, dass sich der Verkäufer eher für unseren TTRS und dessen potentiellen Nachfolger und weniger für unser derzeitiges Anliegen interessierte, aber dennoch verlief das Gespräch ansonsten vorbildlich. Rund 2h sprachen wir über Ausstattungsmerkmale, Farben, Lieferzeiten (weniger als drei Monate) und finanzielle Optionen. Dann verließen wir das Audi Zentrum mit gemischten Gefühlen und einer sehr schönen Informationsmappe unter dem Arm wieder. Interessant.

S3 Cabriolet in misanorot. Allrad, Automatik, 300PS. Nett.
Allrad, Doppelkupplung, 300PS. Nett.

Okay, jetzt kommt die Sache mit dem Fehler und dem ausbleibenden Lerneffekt.

Zwischen dem ersten Besuch im Audi Zentrum und der unverbindlichen Anfrage eines Neufahrzeugs vergingen rund zwei Wochen, in denen mir eine weitere Alternative als alltagstaugliches Cabrio einfiel. Statt aus Bayern sollte sie aus Baden-Württemberg kommen und zwei Kofferräume waren ja schon immer besser als einer: Ein Porsche Boxster parallel zum TTRS wäre doch richtig klasse. Also fuhren wir die wenigen Meter vom hiesigen Audi Zentrum zum Mekka aller Menschen mit erhöhter Affinität zu sportlichen Fahrzeugen, dem lokalen (mir bereits aus früheren Zeiten vertrauten) Porsche Zentrum. Man kann eine gediegene Atmosphäre, freundliches Personal, einen repräsentativen Showroom und zuvorkommende Verkäufer als Blendwerk oder unnötigen Tand betrachten, man könnte es aber auch als Wohlfühlatmosphäre bezeichnen. Je nach den persönlichen Präferenzen. Nach den für mich wirklich enttäuschenden Erfahrungen bei BMW und Audi in den letzten drei Jahren fühlte ich mich bei Porsche bereits nach wenigen Minuten so, als würde ich nach Hause kommen. Niemand hatte jemals wirklich die Absicht die Familie zu verlassen. Warum auch. Andere Mütter haben zwar auch Töchter, aber schön sind die nicht wirklich. There is no substitute und so .. wer es mal erlebt hat, weiß, dass es stimmt. Wer 30 Minuten nach einer Sitzprobe in einem A3 Cabriolet mal in einem Porsche Boxster (okay, zugegeben als GTS natürlich besonders attraktiv) Platz genommen hat, der weiß auch, dass beide Fahrzeughersteller nach wie vor Dimensionen voneinander trennen. Wenngleich ich es vermeide in meinen Beiträgen über finanzielle Aspekte zu schreiben, möchte ich doch darauf hinweisen, dass Audi für ein S3 Cabriolet in adäquater Austattung einen Listenpreis von ziemlich genau 60.000€ aufruft. Für einen attraktiven Boxster muss man ca. 70.000€ ansetzen (okay, für einen GTS ein wenig mehr) – wie viel einem die Differenz zwischen diesen beiden Optionen wert ist, muss sicherlich jeder für sich selbst herausfinden.

Ja, so ein Boxster GTS (hier in speedgelb) ist schon "nett"
Ja, so ein Boxster GTS (hier in speedgelb) ist schon „nett“

Fakt ist jedenfalls das Dani sich sofort extrem wohlfühlte im Boxster. Das Design, die Verarbeitung, die Haptik – das aktuelle Modell mit der internen Bezeichnung 981 ist schon wirklich ein großer Wurf geworden. Wir waren ja zuletzt mit dem Vorgänger, dem 987 Facelift, unterwegs und hatten daher für einige Jahre die Fühlung zu den Fahrzeugen aus Zuffenhausen verloren. Schnell kamen wir also in ein sehr interessantes Gespräch mit dem Verkäufer, dass einen zunächst etwas unkonstruktiven Verlauf nahm: Wir eruierten, welche Autos wir aktuell fuhren, wann wir planten diese abzulösen und welche Optionen aus unserer Sicht bestanden. Ursprünglich (damit greife ich natürlich vor) sollte der Mini schließlich dieses Jahr im Herbst abgelöst werden, bevor der TTRS dann (ohne akute Not) im Frühjahr 2016 weichen sollte. Nun ja .. dann passierte etwas Unerwartetes und neue Optionen ergaben sich.

Wieder dazugehören - wäre schon nett.
Wieder dazugehören – wäre schon toll.

Plötzlich befanden wir uns in einem angeregten Gespräch über einen neuen Porsche 911 Carrera. Zu schön um wahr zu sein? Doch ein Traum? Vielleicht aber auch eine ganz schön blöde Idee? Es war einer dieser Momente, die einen emotional ganz schön durcheinander bringen. Vor allem wenn man sich plötzlich mit Varianten konfrontiert sieht, die man so überhaupt nicht hat kommen sehen. Wir waren jedenfalls ziemlich lange im Porsche Zentrum, verließen es danach mit nur drei losen Blättern Papier, waren dann irgendwie noch Shoppen (viel habe ich nicht mitbekommen) und haben anschließend mehrere Stunden lang diskutiert, kalkuliert, abgewogen und wieder von vorn begonnen. Ich denke es hat weniger als 24h gedauert, bis wir die verschiedensten Optionen gegeneinander abgewogen und eine Entscheidung getroffen hatten. Konkret gesprochen, begab sich das verhängnisvolle Erstgespräch am 07.04.2015; zur Klärung weiterer Fragen war ich am 08.04.2015 nochmals vor Ort und unseren dritten Präsenztermin in Folge – dieses Mal zur Vertragsunterschrift – hatten wir dann am 09.04.2015. Länger hätte ich es auch nicht ausgehalten, denn Schlaf wurde so langsam Mangelware. Mini weg, TT bleibt, 911er her – ein gänzlich neues Konzept.

Lust auf 911? Definitiv..
Lust auf 911? Definitiv..

Das Gefühl nach etwas über drei Jahren wieder zur großen Familie Porsche, zu den vom gleichnamigen Virus infizierten Enthusiasten zurückzukehren, war sehr intensiv. Alte Bekannte wurden kontaktiert und schon fast vergessene Forenaccounts reaktiviert. Alte Fotos wurden gesichtet, Dokumentationen wieder rausgekramt und Treffen geplant. Es war irritierend auf dem heimischen Schreibtisch plötzlich eine Hochglanzmappe mit den entsprechenden Vertragsunterlagen (unterzeichnet übrigens ganz klischeehaft mit einem Kugelschreiber aus dem Hause Montblanc) vorzufinden. Das treffendste Adjektiv um diese Tage und Wochen zu beschreiben ist vermutlich „surreal“. Natürlich kann Ablenkung nie schaden, so dass wir einige Zeit damit verbrachten ein adäquates Kennzeichen auszusuchen (es gibt wahrlich unangenehmere Aufgaben, obgleich 911 und 991 ziemlich beliebte Zahlenfolgen im Hochtaunuskreis sind) und unsere Schlüsselbänder im Porsche Drivers Selection Store zu erneuern. Dann begann das lange Warten auf dem Weg herauszufinden, wie sich der Alltag mit einem seit 50 Jahre bestehenden Mythos so gestaltet.

Wie bzw. auf was unsere Wahl genau fiel, werde ich in einem separaten Beitrag näher vorstellen. An dieser Stelle möchte ich nur so viel sagen: Die ursprünglich avisierten 3 Monate von der Unterschrift bis zur Auslieferung konnten wir uns dann doch nicht mehr zumuten 😉

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