Erlebnis Abholung. Vom außergewöhnlichen Beginn einer intensiven Freundschaft

Basierend auf meinen Erfahrungen gibt es nacheinander die Phasen des Euphorischen, des Abwägens, des Entschlossenen, des Zweifelnden und irgendwann nur jene der nervösen, aufgekratzten Vorfreude. Wenn nach Wochen bzw. Monaten des Wartens der Moment der Transformation von Investition in Gegenwert bevorsteht, fühlt sich das in der Regel ziemlich verrückt an. Wenn der Gegenwert auf die drei Ziffern 9 1 1 hört, sich 1295mm über den Asphalt duckt, dabei von einem Sechszylinder-Boxermotor im Heck angetrieben wird und in Stuttgart Zuffenhausen gefertigt wurde, ist es mit jeglicher Geduld kurz vor Ablauf des mentalen Countdowns gänzlich vorbei.

Teaser: Um dieses Fahrzeug geht es im folgenden Beitrag ;-)
Teaser: Um dieses Fahrzeug geht es im folgenden Beitrag 😉

Spätestens nach Übergabe der finalen Unterlagen kurz vor der Zulassung gibt es eigentlich nur noch einen Gedanken: Haben wollen! Jetzt! Sofort! Man beginnt sich die Abholung minutiös vorzustellen, sie geistig durchzugehen. Hab ich Fragen zum Fahrzeug? Wie gelangt man von der Auslieferungshalle eigentlich auf die öffentliche Straße (Google Earth hilft)? Wird der Wagen vollgetankt sein? Was ziehen wir an? Ist es schicklich den Moment der Übergabe fotografisch festzuhalten? Was machen wir nach der Abholung? Alles gar nicht so einfach .. und dabei geht am Ende alles so schnell.

Nachdem wir mit den Abholungen des ersten TTs, des ersten Minis, des Boxsters, des 5ers, des zweiten Minis und des zweiten TTs schon einige Erfahrungen gesammelt hatten – einige davon aufwändiger inszeniert, andere weniger spektakulär – hatten wir dieses Mal eigentlich (später mehr dazu) ein ganz gediegenes Event favorisiert: Regulär zur Arbeit gehen, mit eigenem Auto anreisen, Fahrzeug übernehmen, auf direktem Weg nach Hause fahren, danach vielleicht noch Essen gehen und ansonsten eher auf das verlängerte Wochenende warten. Irgendjemand oder irgendetwas schien aber der Meinung gewesen zu sein, dass so eine 0815-Abholung für uns einfach nicht das Richtige ist. Doch der Reihe nach.

Der Beginn unserer Beziehung mit dem 911 Carrera verlief noch völlig unauffällig. Wir erreichten das Porsche Zentrum unserer Wahl ohne Zwischenfälle, das Fahrzeug stand pünktlich und mit korrektem Wunschkennzeichen zugelassen bereit und die Stimmung war gut. Noch vor dem ersten Gang zum Elfer wurden die letzten Unterschriften geleistet und wir erhielten eine von den Mitarbeitern des Hauses signierte Flasche Champus gemeinsam mit zwei Schlüsseln – wie gesagt, unspektakulär. Der Moment unseren Porsche mit seinem Kennzeichen zu sehen, übergabebereit und prominent im Abholbereich geparkt, war dennoch sehr speziell.

Das ist er also, unser Carrera .. ziemlich atemberaubend
Das ist er also, unser Carrera .. ziemlich atemberaubend

Die optische Komposition aus uniweiß (kein Metallic), lackiertem Heckunterteil, lackierten Außenspiegelunterschalen, schwarzen Scheinwerfereinsätzen, schwarz lackierten Felgen, getönten Scheiben und schwarzem Dach (Schiebe-/Hubdach aus Glas) in Kombination mit dem SportDesign Paket inkl. Entenbürzel ist doch recht extrovertiert. Insbesondere frisch aufbereitet, ohne einen winzigen Kratzer, ohne die kleinsten Spuren von Bremsstaub, ohne Hologramme im Lack und ohne auch nur ein Fleckchen Insektenreste auf der gesamten Karosserie wirkte das Fahrzeug enorm beeindruckend. Toll.

Außergewöhnlicher Flügel, außergewöhnliches Fahrzeug, außergewöhnlicher Tag
Außergewöhnlicher Flügel, außergewöhnliches Fahrzeug, außergewöhnlicher Tag

Die Übergabe selbst verlief dann wie erwartet eher unaufgeregt. Als chronisch neugieriger Mensch mit viel Affinität zu Autos und einer gewissen Porsche-Vorgeschichte hatte ich mich gefühlt schon über auch das kleinste Detail des Wagens informiert. Sei es die Möglichkeit durch simultane Betätigung beider Schaltpaddels in den Leerlauf zu schalten oder die Deaktivierung der Neigungserkennung der Diebstahlwarnanlage durch zweimalige Betätigung der Verriegelungstaste – mein Verkäufer hatte wenig Spaß 😉 Also fachsimpelten wir etwas über die anderen Modelle, schauten uns das Lenkrad des Macans etwas näher an und gingen irgendwann zur Ausfahrt aus der Halle über. Vorher stellten wir noch einen optischen Makel im Bereich des Heckdeckels fest, welcher bei der Qualitätskontrolle wohl unterging und per Poliermaschine zeitnah behoben werden sollte.

Vorn: Dani & ich. Hinten: 911er Typ 991
Vorn: Dani & ich. Hinten: 911er Typ 991

Ich muss gestehen, dass dieser Moment schon sehr intensiv war, als ich bei einem Kilometerstand von 16 den im Vergleich zum 987 vollkommen überarbeiteten Schlüssel in das Schloss (links) führte und das 3,8l-Triebwerk mit einer Drehung nach rechts zum Leben erweckte. Wenn man diesen Vorgang nicht gewöhnt ist, fühlt er sich gigantisch an, schreit der Boxer doch wie zur Begrüßung kurz auf, was natürlich durch die Umgebung (sprich innerhalb eines geschlossenen Raums) nochmals verstärkt wird. Den Wahlhebel des Doppelkupplungsgetriebes auf D, Fuß langsam von der Bremse nehmen (nix passiert, da Parkbremse aktiv), ein wenig Druck auf das Gaspedal. Wie viel Druck? Keine Ahnung .. mach halt mal. Und dann geht es los, völlig unaufgeregt und mit einem Grinsen von einem Ohr bis zum anderen raus aus der Halle, enge Rechtskurve und vorbei an Verkäufer und Frau, enge Linkskurve, gleich noch eine davon, kurze Gerade, noch zweimal links und Einparken vor dem Eingang des Porsche Tempels. Okay, so fühlt sich das also an. Alles ganz schön ungewohnt und definitiv sehr viel anders, als in den meisten Fahrzeugen die ich bisher bewegen durfte. Ein letztes Mal Händeschütteln und dann ging es los – Heimreise mit dem Elfer, Dani im Mini direkt hinter mir.

So sahen die ersten Meter aus ;-)
So sahen die ersten Meter aus 😉

Wenig überraschend ist der Verkehr auf den Bundesstraßen des Rhein-Main-Gebiets gegen 17:45 Uhr recht dicht, so dass ich nach den ersten Minuten des Im-Kreis-Grinsens begann mit den vielen Funktionen des Porsche zu spielen .. es war ja doch Einiges verbaut, was ich so bisher noch nie in einem Fahrzeug hatte. Sehr neugierig war ich zum Beispiel auf das Display im Kombiinstrument, welches sehr vielfältige Möglichkeiten bieten sollte. Genau zu diesem Zeitpunkt begann der Tag einen unglücklichen Verlauf zu nehmen. Statt nämlich eine Karte der Umgebung anzuzeigen, blieb es ziemlich schwarz. Augenblicke später präsentierte mir das PCM (also das Radio-/Navigationssystem, für die Porsche-Unerfahrenen) stolz das Porsche-Logo .. okay, es startete einfach mal neu. Dies stellte die Funktion der Karte jedoch nicht her und auch sonst fühlte sich das System ganz und gar nicht gut an – die Reaktionszeiten auf Eingaben waren ewig. Sie waren sogar so lang, dass ich es nicht schaffte, eine Adresse einzugeben, bis das System wieder neustartete. Langsam wurde meine Laune schlechter. Zu allem Überfluss zeigte nun auch die Verkehrszeichenerkennung einen Ausfall und die Drehzahl des Fahrzeugs schwankte auffallend, selbst bei konstanter Fahrt. Okay, muss sich das so anfühlen? Ich hatte auf den restlichen 20 Kilometern nach Haus viel Zeit darüber nachzudenken und mit mir allein zu sein, denn das PCM verabschiedete sich alle 5-7 Minuten in den bereits vertrauten Neustart inkl. Verlust aller Einstellungen. Gar nicht lustig. Kaum zu Hause angekommen rief ich meinen Verkäufer an und berichtete vom Erlebten. Dieser zeigte sich sofort sehr einsichtig und versprach einen Servicetermin am folgenden Tag inkl. sofortiger Bereitstellung eines Ersatzfahrzeugs. Na gut, in Summe kein Vorzeigeerlebnis, aber zumindest auch nicht wirklich tragisch. Tragisch wurde es, als wir direkt im Anschluss zum Abendessen aufbrechen wollten – schließlich wollte auch Dani erste Eindrücke im Elfer sammeln. Wir fuhren auf die Autobahn auf – fühlt sich ganz schön träge an; wir schwammen im Verkehr mit – ganz schön komischer Sound; wir versuchten an der nächsten Ausfahrt abzufahren – Ausfall PSM (das ist das Stabilitätsprogramm), Störung Motorsteuergerät, angepasste Weiterfahrt möglich, starkes Ruckeln bereits beim zarten Versuch Gas zu geben. Zusammenfassend gingen ganz viele Lämpchen im Kombiinstrument an, die man normalerweise nur kurz sehen möchte, wenn man die Zündung einschaltet. Die Warnsignale blieben aber und wechselten sich zudem in schönstem Prosa im sowieso nur bedingt nutzbaren Display ab – ganz und gar nicht erheiternd. Wie ein waidwundes Tier schleppten wir uns also zum nächsten größeren Parkplatz, der genügend Kapazitäten und ein Schnellrestaurant bot. Erneute Kontaktaufnahme mit dem Porsche Zentrum: Bitte Porsche Assistance anrufen, die bringen den Wagen zu uns und organisieren ein Ersatzfahrzeug – 18:54 Uhr konnte man mir wohl sonst nicht mehr helfen.

Kleine bildliche Auflockerung zwischendurch, damit die Laune nicht zu sehr leidet
Kleine bildliche Auflockerung zwischendurch, damit die Laune nicht zu sehr leidet

Also lernte ich bei Kilometerstand 55 und keine 2h nach der Auslieferung die Porsche Assistance kennen – die Stimmung war vorsichtig formuliert schon ziemlich schlecht. Jetzt begann aber erst der frustrierendste Teil des gesamten Tages, für den ich auch 1,5 Wochen später (und vermutlich 1,5 Jahre später) keine netten Worte finden kann. Nur zur Sicherheit: Ich gebe hier nur meine individuellen Erfahrungen mit der Assistance wieder und schildere meine subjektiven Eindrücke über die erlebte Qualität.

Es begann damit, dass mein Fahrzeug bei der Assistance gänzlich unbekannt war – zu neu. Leider musste man deshalb (wie ich erst später erfahren habe) Prüfungen über „andere Kanäle“ durchführen, um sicherzustellen, dass ich bzw. der Wagen auch wirklich noch über eine Garantie verfügt. Nachdem der erste Anruf bei der Assistance kurz vor Fertigstellung der Aufnahme des Vorgangs abgebrochen ist, durfte ich dieses tolle Erlebnis direkt wiederholen. Nüchternes Ergebnis: Abschleppunternehmen wird sich melden und bezüglich des Ersatzfahrzeugs werde ich nochmals kontaktiert werden. Das Abschleppunternehmen brauchte zwar rückblickend 90 Minuten bis zum Eintreffen des Wagens, war aber zumindest bemüht und der Fahrer äußerst freundlich, menschlich sympatisch und zudem sehr sorgsam – das war also richtig klasse. Weniger begeisternd waren meine Rückrufe bei der Assistance, weil auch über 1h nach Meldung des Schadens noch keine Information zum Thema Ersatzmobilität vorlag – „Wir sind mit den Mietwagen gelinde gesagt etwas im Rückstand“. Just in dem Moment, in dem der Abschlepper eintraf, erhielt ich einen Anruf bezüglich des Leihwagens. Man könne mir einen Touareg oder einen BMW5er anbieten und der werde frühestens in 60 Minuten da sein. Okay, Meldung der Störung um 19:00 Uhr; Abschlepper um 21:30 Uhr; Leihwagen um 22:30 Uhr? Meine Stimmung war jetzt wirklich schlecht. Gänzlich konträr hierzu mein Gesprächspartner, der meine Lieblingsaussage der nächsten Tage erstmals einführte: „Wir können nichts dafür und sind da auch nur abhängig“. Auf meine relativ frustrierte Aussage, dass wir statt noch weiter zu warten lieber mit dem Taxi nach Hause fahren werden, erwiderte er: „Gut, ich notiere Sie verzichten freiwillig auf ein Ersatzfahrzeug.“. Meine deutlich formulierte Protestnote, dass ich mitnichten freiwillig verzichte, aber die avisierten Parameter (Zeit und Wagen) gänzlich inakzeptabel finde, wurde erneut mit der Aussage quittiert, dass man in der Akte vermerken würde, dass ich also freiwillig auf ein Fahrzeug verzichte. Hallo? Rede ich mit der Porsche Assistance, nachdem ein Neufahrzeug nach weniger als 30km am ersten Tag meines Besitzes liegengeblieben ist, oder bin ich vielleicht doch mit .. ich weiß nicht .. dem Notrufservice eines weniger kostenintensiven Fahrzeugherstellers verbunden?  Auch das sich im Porsche Zentrum um 19:12 Uhr niemand mehr für die vergeigte Auslieferung interessierte, fand ich wenig begeisternd.

So sieht es aus, wenn ein 911er mit SportDesign-Paket aufgeladen wird. Ganz schön knapp..
So sieht es aus, wenn ein 911er mit SportDesign-Paket aufgeladen wird. Ganz schön knapp..

Ich möchte an dieser Stelle die Ausführungen über die Assistance beenden. Nachdem es vor Kurzem nochmals einen Rückruf zum Thema gab, der mich abermals so richtig wütend gemacht hat („Ich verstehe gar nicht, warum ich Sie nochmal anrufen soll.“; „Wir müssen immer warten, bis der Abschleppwagenfahrer bestätigt, dass das Fahrzeug abgeschleppt werden muss .. erst dann beginnen wir mit der Suche nach einem Leihwagen“) kann ich einfach nur inständig hoffen, mit dem Elfer nie nie niemals liegen zu bleiben. Falls doch, empfiehlt es sich wahrscheinlich weinend weg zu laufen und auf ein Wunder zu hoffen, anstelle sich falscher Hoffnungen auf eine schnelle „Assistenz“ hinzugeben. Den naiven Gedanken für den Fall der Fälle abgesichert und bei einem unvorhergesehen Zwischenfall schnell wieder auf der Straße zu sein, werde ich basierend auf diesem Erlebnis jedenfalls beerdigen müssen.

Um die Situation besser vermitteln zu können, möchte ich die Erlebnisse des Abends nochmals resümieren: Es war also gegen 21:30 Uhr; wir waren knapp vier Stunden nach der Abholung des Fahrzeugs, welches bereits nach ca. 5 Minuten auf der Straße und weniger als 3km die ersten Störungen zeigte und später nach rund 30km auf eigener Achse liegen blieb, wieder zu Haus. Vom Porsche Zentrum fühlte ich mich ehrlich gesagt hängen gelassen, die Porsche Assistance gab wirklich und ausschließlich nur Anlass für weiteren Ärger und noch dazu waren wir jetzt zwar etwas ärmer, aber dafür ohne Auto (zum Glück hatten wir ja noch zwei). Wir fassten das Erlebte noch Kurz in einer E-Mail an den Verkäufer zusammen, sichteten ein paar Fotos und versuchten zu Schlafen – so richtig gut hat das aber zumindest für mich nicht funktioniert.

Das Ende unseres ersten Dates
Das Ende unseres ersten Dates

Am nächsten Tag (Dienstag) hatte ich morgens einen Auswärtstermin und beschloss im Rahmen der Rückfahrt gänzlich unangekündigt im Porsche Zentrum vorbeizufahren. Ich kann ehrlich berichten, dass meine Ansprechpartner dort größtenteils mindestens so frustriert wie ich wirkten, so dass ich durchaus den Eindruck hatte, meine Probleme wurden ernst genommen. Zum Fahrzeug konnte man noch nichts sagen, außer das es derzeit am Tester hängt und sowas (natürlich) noch nie vorgekommen sei. Auch mit der Assistance läuft ansonsten natürlich alles immer bestens, so dass es aus Sicht des PZs absolut schicklich war ab 19:00 Uhr nicht mehr erreichbar gewesen zu sein. Meine – bewusst übertriebene – Darstellung den Kunden nach einem derart negativen Erlebnis mit dem Verweis auf eine 0800er-Nummer in den Abend zu verabschieden, wollte man so natürlich nicht bestätigen. Nun ja, was soll ich sagen .. es tat zwar irgendwie allen alles leid, mein Verkäufer fand die Nichterreichbarkeit ab 19:00 Uhr absolut vertretbar (was okay ist, so weiß ich wenigstens was ich erwarten kann und was ich nicht erwarten kann), eine Lösung war dennoch ad-hoc nicht gefunden. Später im Verlauf des Tages wurde ich telefonisch mit der Diagnose konfrontiert, dass das PCM-System derart defekt gewesen sei, dass es das Bordnetz heruntergezogen habe und dadurch das Motorsteuergerät gestört wurde. Wow .. das klingt schon spannend, oder? Wenn ein Navigationssystem durch eine Fehlfunktion ein Bordnetz elektrisch so stören kann, dass scheinbar alle anderen Systeme davon tangiert werden, beginne ich mir Sorgen zu machen. Nun ja – wie sagte man so schön: Ohne PCM fährt das Fahrzeug super und mit einem neuen PCM wird dann alles gut – dieses sei schon bestellt.

Man beachte die Sondersignale auf dem Dach .. die könnten mir durchaus gefallen
Man beachte die Sondersignale auf dem Dach .. die könnten mir durchaus gefallen

Am Mittwoch Nachmittag wurde ich telefonisch erneut vom PZ kontaktiert und mein Erlebnis Abholung wurde um eine weitere Posse ergänzt: Das PCM sei kurzfristig auf Rückstand gegangen und deshalb sei jetzt keines verfügbar. Schade. Aber man könnte ein Leihgerät verbauen, welches dann nächste Woche (oder wann immer das PCM eintrifft) natürlich nochmals getauscht werden müsste. Diese Notlösung lehnte ich mit dem Verweis auf ein Ersatzfahrzeug ab, was mein Ansprechpartner im Service scheinbar nicht gut hieß. Man blieb zwar professionell, aber des Eindrucks einer intensivierten Abneigung dem Problemkunden gegenüber konnte ich mich nicht erwehren. Was hatte ich falsch gemacht? Ein Premiumfahrzeug gekauft, das nach 30km liegen geblieben ist und dann auf eine vorbildliche Abwicklung bestanden? Dies scheint irritierender Weise kein valider Wunsch zu sein.

Die positive Wendung der Ereignisse begann dann endlich (!) als rund eine Stunde später der Leiter After Sales anrief und mit mir die Übergabe eines Ersatzfahrzeugs in Form eines 911 Carrera 4s besprechen wollte. Er war sehr bemüht, verständnisvoll, freundlich und ging auf die Situation und meine Gefühle angemessen ein. Ca. 90 Minuten später fand die Zustellung des besagten Fahrzeugs statt und plötzlich war die Welt gleich viel schöner. Hallo, Carrera 4s in dunkelblaumetallic mit 20″ Felgen und dunkelbraunem Interieur. Hallo, Sportabgasanlage, PDK, Allradantrieb und 400PS. Der 4S sollte ein hervorragender Ausblick auf unseren Porsche sein, hatte er doch das gleiche Triebwerk und die gleichen Gene. Im Gegensatz zu den 30km mit unserem Carrera 2S nach der Abholung fuhr sich der Ersatzelfer genau so, wie man sich das vorstellt: Präsent, sportlich, akustisch absolut beeindruckend. Ein zeitloses Fahrzeug, optisch fast schon introvertiert und technisch faszinierend – so macht der Mythos 911 Spaß.

911 4S Coupé - es gibt wahrlich schlechtere Übergangslösungen
911 4S Coupé – es gibt wahrlich schlechtere Übergangslösungen

Der Carrera 4S begleitete uns von Mittwoch Abend bis Montag Abend und über fast 1000km. Wir fuhren damit zum Wandern an den Loreley Felsen, zum Einkaufen und zu einem der größten Porsche-Treffen Deutschlands nach Böblingen. Auch wenn wir dabei viel Spaß hatten, konnte ich mich von Zeit zu Zeit nicht der Frage erwehren, warum man nicht gleich derart entschlossen auf diesen traurigen Vorfall reagiert hat. Als ich unseren Elfer dann – erneut perfekt aufbereitet und weithin sichtbar geparkt – am Montag abholte, wurde mein Eindruck komplettiert: Scheinbar wurde die Drosselklappe des Fahrzeugs vor der Auslieferung nicht richtig angelernt. Außerdem (und völlig unabhängig davon) war das PCM defekt und wurde nun getauscht. Ferner wurde der besagte optische Mangel am Heck poliert und das Fahrzeug knapp 30km Probe gefahren und sei nun definitiv im Zielzustand. Diesen Eindruck kann ich seit dem glücklicherweise nur bestätigen – doch davon berichte ich besser im nächsten Beitrag.

Kilometerstand 111,1 - bis zum Horizont, und noch viel weiter!
Kilometerstand 111,1 – bis zum Horizont, und noch viel weiter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.