Kalifornien Tag 9: Sequoia National Park

Unser Tag im Sequoia National Park erinnerte mich ein wenig an Everglades City – eine Übernachtung in einem Motel irgendwo im Nirgendwo und dann, nach einem „Trucker-Frühstück“, ein zeitiger Start in den Tag. Zugegeben, es gibt stilvollere Arten zu übernachten und insbesondere nach den zwei Nächten im Wynn war das Best Western schon ein gewisser Kulturschock, aber er war dennoch annehmbar (d.h. sauber, recht modern und vergleichsweise ruhig). Auch wenn es vorteilhaft ist mit dem Mietwagen direkt vor der Tür des Apartments parken zu können, würde ich generell empfehlen um ein Zimmer im oberen Stockwerk zu bitten. So fühlt man sich zumindest etwas sicherer und wird morgens nicht von durchziehenden Elefantenherden über einem geweckt 😉

Wie dem auch sei, kurz nach 08:00 Uhr waren wir soweit fit für den Tag und starteten die Tour in Richtung Park. Da man im Sequoia selbst nicht schlafen kann (zumindest nicht soweit uns bekannt), ist eine Anreise von ca. 30 Minuten bis zum Tor zu kalkulieren. Sowohl die letzten Kilometer vor dem Park, als auch jene darin sind für kurvenaffine Autofahrer ein Highlight. Zwar gibt es relativ strikte Tempolimits, doch zumindest morgens ist sehr wenig los, die Straßen sind hervorragend ausgebaut und mit Hinblick auf das typisch amerikanische Fahrwerkssetup in Kombination mit der lustlosen Automatik kann man auch bei moderaten Geschwindigkeiten schon richtig Spaß haben. Klappt natürlich nur so lange, bis die riesigen SUVs in größeren Mengen aufschlagen und sich mit 15 Meilen pro Stunde und 45 minütigem, dauerhaften Bremseinsatz (ich übertreibe nicht!) die Berge runterquälen. Aber selbst bei so geringen Geschwindigkeiten macht die Reise zum und durch den National Park richtig Spaß. Noch vor den Toren sieht man am Kaweah River die extremen Auswirkungen der derzeitigen Trockenheit. Der laut Karte direkt an der Straße verlaufende Fluss (den man wohl sonst eine Art sehr großen Stausee bezeichnen würde) führt ca. 15m zu wenig Wasser, wodurch sich einige hundert Meter um das Flussbett eine grüne Oase aus Bäumen und Sträuchern gebildet hat. Landschaftlich noch spannender ist die Vegetation im Park, die ab einer gewissen Höhe – ganz plötzlich – primär aus den wahrlich gigantischen Riesenmammutbäumen besteht. Ab hier wird es für den Fahrer wirklich herausfordernd sich zu konzentrieren, denn überall gibt es ungewöhnliche Baumkonstruktionen, beeindruckende Sichtachsen und scheinbar endlose Weitsichten zu entdecken. Witzig war eine Situation gleich bei der Anreise, als ein SUV im Gegenverkehr direkt nach einer Kurve stoppte und scheinbar ohne Grund langsam zurücksetzte. Daraufhin erklärte mir Dani, dass sie mir sofort Bescheid sagen würde, sobald sie einen Bären sehen würde. Keine 50m bzw. eine Spitzkehre später hieß es dann „EIN BÄR!“ und tatsächlich kraxelte ein recht kleiner Schwarzbär gerade langsam von einem Baum. Sehr niedlich anzusehen und insbesondere aus dem sicheren Auto – wenn auch bei geöffnetem Verdeck – eine ideale Situation für einen sicheren Erstkontakt.

Danach fuhren wir weiter bergauf, bis zum Parkplatz am Moro Rock. Dort angekommen hieß es erstmal umziehen, denn „irgendwie“ hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Temperatur bis auf 7°C (auf rund 2050m Höhe) fallen würde. Anschließend noch ein Halt im wasserlosen Toilettenhäuschen, bevor wir den recht kurzen aber knackigen Aufstieg bewältigten. Der Stieg ist dabei größtenteils so schmal, dass keine zwei Personen aneinander vorbeipassen, weshalb der Trail zur Hauptsaison sicherlich nur bedingt empfehlenswert ist. Die Aussicht von der Spitze hingegeben ist durchaus beeindruckend und gestattet im Prinzip eine 360° Übersicht – nett.

Nachdem Moro Rock fuhren wir die wenigen Kilometer zum Tunnel Log – einem riesigen Baum, der quer über der Straße liegt und mit einer Durchfahrtsöffnung für (flache) Fahrzeuge versehen wurde. Wenn wir an dieser Stelle jemals Bilder einfügen, wird klarer werden, was ich damit meine 😉 Das Fotomotiv ist jedenfalls sehr bekannt und ein kurzer Abstecher daher fast schon Pflicht.

Anschließend parkten wir am Giant Tree Museum – welches übrigens in jüngerer Vergangenheit bewusst verkleinert wurde, mit dem Ziel den Sinn des National Parks nicht zu konterkarieren – um von dort den weniger als 1km langen Giant Tree Trail abzulaufen. Hierbei handelt es sich im Prinzip „nur“ um einen geteerten, rollstuhltauglichen Rundweg um eine ziemlich beeindruckende Lichtung. Das gesamte Areal ist jedoch so schön angelegt und bietet derart tolle Impressionen, dass sich ein Besuch definitiv lohnt. Naturfreunde allerdings, die große Erkundungstrips bevorzugen, sollten jene lieber auf den insgesamt 64km langen Wegen unternehmen, die man im Museum geduldig erklärt bekommt. Da ich zur Zeit allerdings mit Kratzen im Hals ein ganz klein wenig schwächle, war ich um die „Sequoia Light“-Version nicht böse 😉

Vom Giant Tree Museum fuhren wir weiter zum General Sherman Tree – dem größten Baum der Welt (vom Volumen her). Um zu diesem zu gelangen, muss man den eigentlichen Einstiegspunkt zu einer kurzen Wanderung passieren (hier gibt es nur noch Behindertenparkplätze), um sein Fahrzeug eine halbe Meile später abzustellen. Von hier aus geht es dann – ganz komfortabel – nur noch bergab, bis man den gigantischen Baum und die Besuchermassen nicht mehr übersehen kann. Der Sherman Tree selbst ist wirklich beeindruckend, bildet aber im insgesamt malerischen Park nur den Punkt auf dem I. Will sagen: Es gibt so viele große, dicke und einmalig geformte Bäume, Felsen und Strukturen zu sehen, dass es unfair wäre den Sequoia National Park auf seinen berühmtesten „Bewohner“ zu reduzieren. Vom Riesenbaum aus bietet es sich an dem Congress Trail zu folgen, einem rund 3km langen Rundweg, der weniger intensiv frequentiert wird und auf dem man viele Gelegenheit hat die Weite, Ruhe und vor allem auch Höhe des Parks ausgiebig zu bewundern. Während wir am Moro Rock noch mit vereinzelten Nebelschwaden zu kämpfen hatten, schien mittlerweile eine kräftige kalifornische Sonne – toll. Nachdem man den Congress Trail absolviert hat und wieder am Sherman Tree angekommen ist, kann man die eigene Sportlichkeit auf eine Probe stellen: Entweder mit dem Shuttle-Bus wieder zum Fahrzeug gebracht werden oder den Anstieg zum Parkplatz aus eigener Kraft zurücklegen .. wir entschieden uns übrigens für letztgenannte Option.

Vor dem Hintergrund dieser sportlichen Aktivitäten schmeckt dann auch das Mittagessen im rund 50km entfernten Applebee’s deutlich besser, obgleich die Anreise etwas nervig war (die eigentlich von uns angestrebte Ausfahrt aus dem Park war kurzfristig gesperrt, so dass wir im Prinzip auf dem gleichen Weg aus dem Park ausfahren mussten, den wir auch für die Anreise genutzt hatten). Dennoch macht das Mustang-Fahren bei steigenden Temperaturen, mit tollen Aussichten und einem warmen Wind um die Nase im Sequoia schon richtig viel Spaß. Für ein Cabrio möglicherweise die beste Strecke die wir in den USA bisher erlebt haben und auch deutlich spannender als z.B. die offene Fahrt von Miami gen Key West. Tipp: Besser vor der Einfahrt, z.B. in Three Rivers tanken – sonst kann es im Park u.U. schonmal zu doofen Momenten kommen.

Der Rest unseres Tages verlief weitestgehend unspektakulär. Um Danis Einkaufsliste erfolgreich abarbeiten zu können, stoppten wir in insgesamt vier Supermärkten (ich gebe es ja zu, einen davon gab es schon gar nicht mehr) und gelangten anschließend gegen 20:00 Uhr zu unserer Unterkunft in der Nähe des Yosemite National Parks. An dieser Stelle kann ich nur ein weiteres Mal von unseren äußerst positiven Erfahrungen mit Airbnb berichten. Schon in Los Angeles hatten wir über dieses Portal eine moderne, liebevoll eingerichtete und qualitativ absolut überzeugende Unterkunft inklusive riesigem Pool (wie berichtet) gefunden. Das diese nochmals übertroffen werden könnte, hätte ich nicht gedacht. Hier in Coarsegold wurden wir fast wie im Wynn empfangen – nur halt auf Ferienwohnungs-Art. Pool, Whirlpool, Luxus-Luftbett mit einstellbarer Dämpfung (wie ein Wasserbett, nur mit Luft), Klimaanlage, 65 Zoll (!) Samsung LCD neuster Generation, Apple TV, NetFlix-Flatrate, gefüllter Kühlschrank, moderne Küche, Willkommensgeschenke und ein extrem freundlicher, zurückhaltender Gastgeber. Mehr kann sich kaum wünschen und hätten wir mehr Zeit, würden wir auch bedenkenlos eine Woche in dieser tollen Unterkunft verbringen. Beeindruckend ist übrigens auch der Sternenhimmel bei Nacht. Hier – relativ abgeschieden von größeren Städten und begleitet vom lauten Zirpen der Zikaden – macht es richtig Spaß dem extrem klar erkennbaren Großen Wagen bei seiner Fahrt zuzusehen.

Morgen geht es für uns dann durch den Yosemite, bevor wir abends nach San Francisco weiterfahren. Hier müssen wir am Flughafen zwischenstoppen, um uns von unserem Mustang Cabrio zu verabschieden. Nachdem bereits während der Fahrt nach Vegas der fällige Ölwechsel angekündigt und dieser auf dem Weg zum Sequoia dann auch eingefordert wurde, gab es heute eine Warnlampe die besagte „Powertrain Failure, see dealer“. Zwar war die Meldung nach einem Neustart des Fahrzeugs verschwunden, doch weitere >1000 Meilen und rund 1,5 Wochen wollen wir so nicht weiterfahren. Mal schauen, mit welchem Reisebegleiter wir also ab morgen Abend unterwegs sein werden.

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