Kalifornien Tag 10: Yosemite

Liebes Tagebuch, „eigentlich“ bin ich davon ausgegangen, diesen Beitrag ganz entspannt um 20:00 Uhr abends schreiben zu können, bevor ich es mir dann vor dem TV gemütlich mache. „Uneigentlich“ erreichten wir unsere Unterkunft aber erst gegen 00:15 Uhr nachts, nachdem es vorher kleinere Herausforderungen hinsichtlich unseres fahrbaren Untersatzes gab.

Ungewöhnlicher Beitragsbeginn für einen ungewöhnlichen Beitrag – doch der Reihe nach. Da wir bereits am Abend zuvor ein wenig länger als geplant wach waren (es galt noch einige Dinge für San Francisco zu organisieren), trafen wir die naive Entscheidung erst um 07:30 Uhr in unseren Yosemite-Tag zu starten. Großer Fehler. Während wir nämlich die kurvigen Routen im Sequoia noch größtenteils ungestört genießen konnten, gerieten wir im Yosemite von Anfang an in die große, träge SUV- und Ich-fahre-nur-einmal-pro-Jahr-einen-Mietwagen-Flut. Es war sehr frustrierend. Dazu kommt der Umstand, dass der Yosemite zum einen wesentlich größer als der Sequoia National Park ist und es zum anderen diverse Übernachtungsmöglichkeiten direkt im Park gibt. Es gibt daher eine gar nicht so kleine Anzahl von Besuchern, die einen wesentlichen Zeitvorteil haben, was sich neben viel frequentierten Straßen auch in Form von relativ knappen Parkmöglichkeiten manifestiert. Wir fuhren trotzdem ganz tapfer bis hinauf zum Glacier Point, einem auf rund 2.200m gelegenen Aussichtspunkt mit beeindruckenden Impressionen des Parks, insbesondere des Half Domes. Diesen durchaus schönen Hotspot teilt man sich natürlich mit vielen anderen Menschen und noch mehr Selfie-Sticks .. das kann schon ziemlich nervig werden. Dafür war das Wetter schön und die Luft klar, so dass im Prinzip ideale Bedingungen für ein paar nette Panorama-Fotos herrschten.

Vom Glacier Point aus wollten wir eigentlich einen kurzen Abstecher zum Sentinel Dome Trail machen, welcher u.a. eine Aussicht auf die El Capitan genannte Formation bieten soll. Parkmöglichkeiten? 0. Wartender Besucher, die bereits kreuz und quer mit Warnblinker standen? Viele. Wir versuchten unser Glück nach diversen Fehlschlägen bei nahegelegenen Parkbuchten anschließend am Beginn einer Einbiegung, in der wir das wilde Stahlpferd aber fast festgefahren hätten – wenig erfreulich. Danach hielten wir auf dem Weg zum Yosemite Valley bzw. Curry Village noch am Tunnel View (die Faszination desselben zeigte sich mir nicht so recht; man fährt durch einen Tunnel, danach kommt ein großer Parkplatz und von diesem hat man eine recht nette Sichtachse durch ein paar Felsformationen) und einer „Hängebrücke“ über einen Fluss, von dem leider nicht viel mehr als ein breiteres Rinnsal übrig war.

Am Ziel angekommen gab es nur ein Problem: Der Parkplatz am Trailhead war nicht nur voll, er war auch bereits in völlig unkoordiniertem Chaos versunken. Die Menschen stellten ihre Fahrzeuge hier so wild ab, dass das Ausparken vermutlich einer Partie Mikado gleichkam (Vollkasko-Versicherungen mit 0€ Sebstbeteiligung machen es möglich .. genau so sehen gefühlt 99% der Fahrzeuge hier auch aus). Also wieder zum Parkplatz am Beginn der Wanderpfade zurück in das „Dorf“ fahren und von dort mit dem innovativem Hybrid-Bus-Shuttle weiter. Nun konnte unsere Wanderung zu den Vernal Falls (nur rund 2,4km pro Richtung) endlich beginnen. Mit Hinblick auf die allgemeine Erschöpfung und meine leichte Erkältung sahen wir vom sonst so beliebten Panorama-Trail (1h Busfahrt vom Valley zum Glacier Point und dann 14km Wanderung zurück zum Fahrzeug) ab. Die von uns gewählte Route bot dennoch ein adäquates Maß an Wandererfahrung, um unseren Bedarf nach Natur und das tägliche Schrittziel gleichermaßen zu erfüllen. Leider muss man an dieser Stelle fairerweise zugeben, dass man dem Yosemite – meiner Meinung nach – die akute Trockenheit im Vergleich zu allen bisher während unserer Reise besuchten Orten am meisten ansieht. Flüsse sind Bäche, Bäche sind Rinnsale, die Flora ist vergleichsweise unspektakulär und der vorherrschende Farbton ist beige. Dies wird besonders an den Vernal Falls deutlich, an denen man mit Hilfe von Spuren im Stein die eigentliche Breite des Wasserfalls erkennen kann. Diese würde ich auf ca. 20m schätzen, von denen aktuell weniger als ein Meter geblieben ist. Während also Stationen wie LA,San Diego und der Sequoia meiner Meinung nach nicht so extrem unter der Trockenheit leiden (oder man es als Besucher ohne Vergleichswerte nicht so extrem merkt), ist der Eindruck im Yosemite schon ein wenig getrübt.

Absolut fantastisch war hingegeben unsere Fahrt vom Yosemite über das nord-westliche Tor und den Highway 120 nach San Francisco. Die Straßen sind hier zwar größtenteils einspurig (zumindest im Parkbereich), aber gut ausgebaut, breit und sehr einfach zu befahren. Ein absolutes Highlight ist der Abschnitt des Hwy 120 direkt nach dem Park, der sich in weichen (aber dennoch breiten) Serpentinen nach unten windet. Diverse Pässe in den Alpen stehen dieser tollen Route sicherlich in Nichts nach. Das Panorama weiß hier wirklich zu beeindrucken und der Fahrer kann sich eines breiten Grinsens nicht erwähren. Natürlich ist es auch hier nur eine Frage der Zeit, bis man vom Geruch arg strapazierter Bremsen des SUVs vor einem betört wird – wer brauch schon eine Motorbremse, wenn Bremsbeläge doch so erschwinglich sind (mit anderen Worten: Ab und an möchte man schon ganz fest ins Lenkrad beißen). Auch die flachereren Abschnitte der Strecke sind toll, führen sie doch an riesigen Rinderherden und scheinbar unendlichen (bewässerten) Obstplantagen vorbei. Kurz vor San Francisco ging es dann noch kurz über eine mautpflichtige Brücke (wir mussten über die südliche Route einfahren), die einen ersten, faszinierenden Blick auf die Bay Area gestattete.

Dann wurde es nervig, denn wir erreichten Sixt in San Francisco um unseren leicht kränkelnden Mustang zu tauschen. Im Rahmen eines längeren Telefonats mit Sixt in Deutschland und Sixt in Los Angeles wurde uns schließlich am Vortag versichert, dass man in San Francisco bereits auf uns warten würde und ein Fahrzeug der gleichen Kategorie (Cabrio) bereitstehen würde. Wir vermuteten es bereits und so kam es auch: Es wusste natürlich niemand von uns. So wurde es eine ziemlich lange Odyssee, an deren Ende man uns ein altes Mustang Cabrio (2013 oder so) präsentierte – da hatten wir schon rund 90 Minuten gewartet (erstaunlich, wie lange es dauert ein Fahrzeug zu reinigen und vorzufahren). Meine Stimmung hatte einen Tiefpunkt erreicht, denn auf das alte Modell hatte ich offen gesagt so gar keine Lust mehr. Also wieder in die Station und nochmal von vorn. Um den geneigten Leser nicht zu langweiligen, kürze ich ab: Wir erhielten einen (ziemlich nackigen) 328i, mit dem wir von San Francisco zu Sixt nach San Jose fuhren. Dort tauschten wir das Fahrzeug erneut – dieses Mal gegen einen Chevrolet Camaro RS. San Jose hätte zwar am Samstag Nachmittag auch planmäßig auf unserer Route gelegen, aber so lange konnte die Station das Fahrzeug leider nicht blockieren. Ansonsten war Sixt in San Jose aber wirklich so, wie man es sich wünscht: Alle freundlich, alle dialogbereit, alle verständnisvoll und eine extrem beeindruckende Fahrzeugauswahl. Der Camaro selbst ist doch deutlich anders als der Mustang, aber ebenfalls ein witziges Fahrzeug. Dazu an anderer Stelle mehr.

Der Rest unseres spannenden Tages bestand daraus um 22:50 Uhr noch schnell einen Safeway (Supermarkt) zu frequentieren, bevor wir die letzten 70km inklusive Überquerung durch Golden Gate Bridge zurücklegten. So erreichten wir unser Ziel in Paradise Cay (im Prinzip auf der von San Francisco gegenüberliegenden Seite der Bay Area) um 00:15 Uhr und schafften es um 01:15 Uhr auch irgendwann einzuschlafen. Ein spannender Tag ging zu Ende..

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