Kalifornien Tag 12: San Francisco Teil II / Monterey

Ich muss zugeben, dass der Urlaub ganz langsam ein wenig anstrengend wird. Man bemerkt, wie die Toleranz gegenüber Stresssituationen abnimmt, wie auch kleine Störfeuer der Zufriedenheit leicht zu eskalieren drohen und wie man neue Eindrücke nicht mehr mit der kindlichen Naivität und Vorfreude aufnimmt, wie in den ersten Tagen unserer Tour. Das ist zwar ein wenig schade, lässt sich meiner Meinung nach aber nur schwer vermeiden. Vermutlich bräuchten wir jetzt 2-3 Tage ohne Programm, ohne Highlights .. einfach nur am Strand und mit dem Rauschen der Wellen in den Ohren. So aber versuchen wir – sicherlich nachvollziehbarer Weise – so viel wie möglich zu sehen und zu erleben, was in Kombination mit einer leichten Erkältung (mittlerweile leider bei uns beiden) nicht so ganz einfach ist.

Einen ersten Schritt zur Erholung gönnten wir uns daher heute Morgen, als wir einfach mal nicht um 07:00 Uhr wie geplant, sondern erst um 08:00 Uhr in den Tag starteten. Danach stand – mal wieder – das Packen der Koffer an, welche wir anschließend in einer Runde Tetris für Fortgeschrittene in den Camaro sortierten. Während im Mustang unsere beiden größeren Koffer noch locker in der Gepäcklucke verschwinden, muss im Chevy hier schon für mindestens ein Teil die Rücksitzbank bemüht werden. Anders als im Ford ist es nämlich erforderlich eine Art Rollo im Kofferraum auszuziehen, damit das Verdeck geöffnet werden kann. Dieses reduziert das Ladevolumen aber derart stark, dass eine gewisse Planung unentbehrlich wird. In jedem Fall hatten wir Erfolg und ersetzten den eigentlich vorgesehenen Spaziergang durch Paradise Cay durch eine kurze Ausfahrt – zurückblickend absolut in Ordnung ein kein allzu großer Verlust.

Danach ging es ein letztes Mal über die Golden Gate Bridge (wieder 5$ weniger), bevor wir uns erneut ins Getümmel der steilen und 90° verwinkelten Straßen San Franciscos stürzten. Zum Glück war an diesem Samstag Morgen nicht ganz so viel los wie am Freitag zuvor, so dass das Fahren fast Spaß gemacht hat. Trotzdem ist die Sichtung der Bereiche direkt links und rechts vorm Fahrzeug im Camaro so herausfordernd wie noch in keinem anderen von mir bisher bewegten Fahrzeug, so dass ein wenig Teamwork hier unerlässlich ist. Apropos Teamwork: Im Chevy befindet sich die Handbremse rechts von der wuchtigen Mittelkonsole, so dass diese präferiert durch den Copiloten zu bedienen ist 😉 Das erste Ziel unserer heutigen Etappe waren die sog. Painted Ladies, fünf in Pastellfarben angemalte Häuser im viktorianischen Stil in einer recht netten Wohngegend. In der Realität waren wir ein wenig enttäuscht, was aber vermutlich auf die relativ ungünstigen Lichtverhältnisse an diesem Morgen zurückzuführen ist.

Als nächsten Stopp fuhren wir zum Strawberry Hill im Golden Gate Park. Selbiger ist riesig, so dass man entweder ein geübter Läufer ist oder mit dem Auto in die Nähe des eigentlichen Ziels fährt. Noch vor unserer Ankunft hatte das Wetter richtig aufgedreht – über 25°C sind laut den Einheimischen äußerst ungewöhnlich für diesen Ort zu dieser Zeit. Bei allerbesten Bedingungen spazierten wir also eine relativ ausgedehnte Runde um den künstlichen (vermute ich zumindest) See mit Insel in der Mitte. Auf selbiger befindet sich ein ebenfalls künstlicher Wasserfall, der der ganzen Anlage einen sehr schönen Touch gibt. Den See könnte man mit einem Wassertreter (25$/h), einem Ruderboot (20$/h) oder einem Elektroboot (34$/h) unsicher machen. Tut man dies aber aber etwas sportlicher, wird man vermutlich kaum länger als 30 Minuten für eine Erkundung des Terrains benötigen 😉 Wir erklommen stattdessen den Gipfel des Eilands und bewunderten die Aussicht vom Ursprungsort des Wasserfalls – San Francisco bietet immer wieder beeindruckende Impressionen.

Im Anschluss wollten wir eigentlich die Bisons in ihrem sog. „Paddock“ besuchen (dieser wird übrigens laut Hinweisschild von Marissa Meyer, der amtierenden Chefin von Yahoo, unterstützt). Leider war die „Weide“ ziemlich trocken, was die Bisons augenscheinlich dazu bewog sich sehr tief auf eine kleine Wiese neben dem eigentlichen Areal zurückzuziehen. Wir versuchten diese zwar über lose Pfade so gut wie möglich zu erreichen, kamen aber nicht allzu nah an die stattlichen Tiere heran. Schade, aber leider nicht zu ändern.

Nun war für uns die Zeit gekommen San Francisco und der Bay Area „Bye“ zu sagen und unsere Weiterfahrt gen Süden anzutreten. Unterwegs hielten wir bei der berühmten Garage in Palo Alto, in der Bill Hewlett und Dave Packard durch ihre Forschungen das Sillicon Valley begründet haben sollen. Als ehemaliger HPler und jemand der in der IT-Branche tätig ist, fand ich es durchaus lohnenswert diesen Ort zu besuchen. Dies geht scheinbar sehr vielen Menschen so, denn in den wenigen Minuten unserer Anwesenheit hielten fortwährend Taxis, Limousinen und Mietwagen um den unscheinbaren Bau zu besichtigen. Das durchaus geschichtsträchtige Gebäude wird dabei touristisch in keinster Weise ausgeschlachtet. Eine dezente Messing-Tafel vor dem sehr gepflegten Haus (direkt neben dem Hinweisschild, welches besagt, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt), daneben ein Zaun, hinter dem sich die besagte Garage befindet. Die gesamte Wohngegend ist übrigens außerordentlich schön – grün, sauber, ruhig, optisch alles recht uniform und gesetzt. Anders gesagt: Hier hätte ich mir auch vorstellen können zu tüfteln, bin mir aber nicht sicher, ob ich stattdessen nicht lieber Surfen am Strand gelernt hätte 😉

Auf der Weiterfahrt in Richtung Süden stoppten wir noch kurz in Cupertino, genauer gesagt am One Infinite Loop – besser bekannt als dem Hauptsitz von Apple. Da der riesige Bürokomplex recht unscheinbar ist und es keine Besuchsmöglichkeiten gibt, ist der Abstecher unspektakulär, kostet aber auch weniger als 10 Minuten. Mit Hinblick auf die weitere Tagesplanung sagten wir die Stopps bei Google und Facebook ab, obgleich es schon faszinierend ist, wie viele Branchenriesen hier auf wie wenig Raum residieren. Ansonsten waren wir vom doch sehr zähen Verkehr auf dem Highway 101 einigermaßen genervt, was durch die teilweise 35°C Lufttemperatur nicht eben angenehmer wurde. Auch der Zwischenstopp bei einem Applebee’s nahe San Jose verlief derart enttäuschend, dass wir das Trinkgeld erstmals auf ein schmerzendes Level senken mussten.

Gegen 16:00 Uhr kamen wir dann endlich in Monterey – einer ziemlich bekannten Stadt am Meer – an. Das Timing war perfekt, denn so konnten wir den Abendtarif eines zentral gelegenen Parkhauses nutzen, das nur zwischen „Ganzer Tag“ für 15$ und „Abendtarif“ für 5$ unterscheidet. Überhaupt gibt es in den Ballungsgebieten zunehmend viele Parkflächen, auf denen keine sog. „In & Out Privileges“ gewährt werden, d.h. einfahren, zahlen und beim Ausfahren ist das Geld futsch. Zu Fuß waren es nur wenige Meter bis zur Cannary Row – dem gefühlten Zentrum des Städtchens. Auch die Cannary Row „erfreut“ sicher einer extrem fortgeschrittenen touristischen Erschließung, was sich in lauten Bars, grellen Schildern und dem omnipräsenten Vorhandensein von Souvenirshops äußert. Ich fühlte mich ein wenig eine Mischung aus La Jolla und dem Pier 39 in San Francisco erinnert. Einer der negativen Aspekte der Cannery Row ist meiner Meinung nach ihre „Unvollständigkeit“. Immer mal wieder gibt es Bauruinen, die die wenigen Strandabschnitte zusätzlich blockieren bzw. dem optischen Gesamteindruck nicht gerade zuträglich sind. Auch das ziemlich bekannte Monterey Bay Aquarium befindet sich übrigens in (oder sogar am Ende?) der Cannery Row. Alles in allem eine kleine Enttäuschung, wenn ich ganz ehrlich bin.

Schöner war da schon der Pacific Grove, eine etwas gediegenere, weiter im Südwesten gelegene Region Montereys. Hier stehen sehr klassische Gebäude mit bester Sicht, das Meer rollt in stattlichen Wellen auf einen felsigen Strand und alle paar Kilometer gibt es Parkplätze mit schönster Panorama-Option. Nach einem bereits recht intensiven Tag eine schöne Station um ein wenig Ruhe zu tanken.

Den letzten Stopp des Tages (mal abgesehen von einem Ausflug zum Supermarkt) legten wir in Carmel ein – dem noch reicheren Pendant zu Monterey. Beide Städte sind (außer durch den Highway) über eine mautpflichtige Straße namens 17 Mile Drive verbunden, den wir morgen gegen Abend befahren wollen. Ansonsten wirkt Carmel wie eine reiche, kleine und komprimierte Version von San Francisco. Das bedeutet, es gibt größtenteils das gleiche Schachbrettmuster im Straßenbau, es geht ständig bergauf und bergab und es herrscht stellenweise ein immenser Parkplatzmangel. Im Vergleich zu San Francisco sind die meisten Straßen aber wesentlich kleiner und in schlechtem (unebenen) Zustand, so dass sich die Luxuskarossen dieser Welt schon ganz schön umeinander schieben müssen. Auch hier heißt es: Beim Einparken die Räder schön in Richtung Bordstein einschlagen. Dies möchte man aber auch intuitiv schon machen, denn das man beim Ausparken trotz Automatik mit Handbremse anfahren muss, habe ich sonst auch noch nicht erlebt 😉 Ansonsten kann ich von Carmel noch gar nicht viel berichten, denn außer einem ausgedehnten Spaziergang am Strand und dem Einzug in unsere Suite haben wir noch nicht viel unternommen. Ersterer begann erst etwas enttäuschend (Sand rau, viel Seegras am Strand, Wasser eiskalt), nahm dann aber eine sehr positive Wendung, als wir neben einem Seehund gleich drei Delfine in Ufernähe erspähen konnten. Diese waren so verspielt, dass sie sogar aus dem Wasser gesprungen sind – sicherlich etwas, was man außerhalb einer Show sonst eher selten im Sonnenuntergang sieht. Letzteres (also unser Hotelzimmer) ist erneut ein absoluter Glücksgriff. Es ist vergleichsweise modern, extrem geräumig (sicherlich 60m2 oder mehr), gut gelegen und hochwertig eingerichtet. Gerade gegen Ende einer Reise (siehe Einleitung) ist es ja doch immer ganz schön, wenn alles passt und man sich einfach wohlfühlt.

Morgen werden wir versuchen es etwas ruhiger angehen zu lassen und wollen vor allem das Leben am Strand genießen. Abends dann der 17 Mile Drive in den Sonnenuntergang, bevor wir erneut für die Weiterfahrt gen Süden packen müssen. Die letzten beiden Stationen heißen dann Solvang (als Zwischenstopp) und Newport Beach (zum Abschied).

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