Kalifornien Tag 13: Carmel-by-the-Sea

Tag 13 unserer Reise durch Kalifornien sollte ganz im Zeichen eines entspannten Tages am Meer stehen – und wurde es auch. Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück im Hotel (dieses wird in einer Kühltasche gelagert gegen 08:00 Uhr vor die Zimmertür gestellt) brachen wir gegen 09:30 Uhr – und damit eigentlich viel zu spät – in Richtung Point Lobos auf. Es handelt sich dabei um ein rund 3 Meilen südlich von Carmel gelegenes Schutzgebiet, dass touristisch äußerst beliebt ist (Platz 1 aller Attraktionen in der Region Monterey / Carmel). Obgleich dies grundsätzlich ein gutes Zeichen ist, tut man sich natürlich keinen Gefallen damit, an einem Sonntag mit perfektem Wetter hier in Spätaufsteher-Manier aufzuschlagen. Ergebnis: Lot full / keine freien Parkplätze mehr, so die vernichtende Nachricht beim Versuch der Einfahrt in das Tor (Kostenpunkt übrigens 10$ pro Fahrzeug). Ich hatte jedoch noch vor unserem Aufbruch den Tipp gelesen, einfach direkt am Highway 1 zu parken, was auf dem großzügigen Seitenstreifen direkt in der Nähe des Parks legal und kostenlos möglich ist.

Also stellten wir den Camaro fix ab (sogar im Schatten) und gingen die nur rund 300m zum Tor zu Fuß. Dort erklärte uns ein Ranger sehr freundlich die verschiedenen Trails im Park und empfahl uns mit Hinblick auf den uns zur Verfügung stehenden Zeithorizont (grundsätzlich den ganzen Tag) eine ausgedehnte Rundwanderung einmal um die Halbinsel. Er erklärte uns, dass wir dafür voraussichtich ca. 2h benötigen würden, was wir mit Hinblick auf die Entfernungsangaben auf unserem Garmin GPS für ziemlich optimistisch hielten – aber man weiß ja nie. So begaben wir uns auf sehr gut ausgebauten und hervorragend ausgeschilderten Pfaden gegen den Uhrzeigersinn in den Park. Die ersten ca. 500m legt man dabei in einem recht dichten Wald zurück, bevor man das Meer wieder präsenter wahrnimmt und plötzlich oberhalb von Gibson Beach steht. Gibson Beach ist ein relativ kleiner, sehr grobkörniger Strand, der aber malerisch in eine Bucht eingebettet liegt. Gemeinsam mit dem fantastischen Ausblick auf die großen Rollwellen, die sich optisch beeindruckend an den zerklüfteten Felsen in der Brandung brechen, ist das schon ziemlich paradiesisch. Dieser Eindruck wird überraschenderweise in den meisten Bereichen des Parks aufrechterhalten: Hinter jeder Abbiegung gibt es etwas Neues zu entdecken, alle paar Meter sieht die Natur ein wenig anders aus und gibt es weitere Details zu erkunden. Besonders der South Shore Trail (also jener Bereich, den wir als erstes erkundet haben) stellt dabei ein absolutes Highlight dar. Immer wieder entdeckt man grandiose Aussichten auf kleine Felsgrotten, glasklares Wasser, türkisfarbene Lagunen und riesige, flache Felsen, die das Meer  immer wieder mit Gischt überzieht. In Point Lobos wachsen ausgedehnte Tangwälder, die den ufernahen Bereichen eine faszinierende Optik verleihen. Die Ober- und Unterströmungen werden durch das Seegras sehr gut visualisiert, so dass man einen Eindruck davon gewinnen kann, welche Kräfte hier wirken. Toll anzusehen, aber ganz sicher nichts zum Schwimmen (obgleich sich rund die Hälfte der Fläche des Parks unter Wasser befindet).

Ein weiteres Highlight stellen die Tide Pools dar, also größere Gebiete flacher Felsen, die je nach Stand der Gezeiten von Wasser überspült werden bzw. trocken fallen. In diesen Gebieten darf man (partiell, aber auf recht großer Fläche) legal rumkraxeln, was ich äußerst beeindruckend finde. Zum einen kann man der Gischt und den Wellen so ganz nahe kommen, zum anderen gibt es Bereiche der Pools, die nie oder nur selten trocken fallen und daher von diversen Meeresbewohnern frequentiert werden. So kann man Krebse und Seeigel in größeren Mengen sehen, gerade so, als ob man tauchen oder schnorcheln wäre. Durch die Gezeiten verändert sich das Bild dabei permanent, weitere Bereiche fallen trocken oder eben noch „sichere“ Steine werden plötzlich überspült – total cool. Wenn die Sonne nicht mit 25°C gebrannt hätte und unsere Reiseplanung etwas loser gewesen wäre, hätte ich hier vermutlich auch einen halben Nachmittag verbringen können 😉 So zogen wir jedoch weiter in Richtung Sea Lion Trail, der aktuell jedoch leider gesperrt ist. Zwar konnten wir so zahlreiche Seelöwen hören und mit Hilfe des Teleobjektivs auch sehen, aber ein wenig schade war es dann doch diesen recht bekannten Teil des Parks nicht betreten zu können. Mit der China Cove ist zur Zeit übrigens auch eine weitere recht beliebte Bucht gesperrt – klar, die Natur hat hier natürlich Vorrang. Insgesamt waren wir rund 3,5h und etwas mehr als 10km im Point Lobos unterwegs. Der Ausflug hat uns aber rückblickend so gut gefallen, dass ich ihn definitiv als eines der Highlights unserer Rundreise bezeichnen würde. Diesen Eindruck teilten scheinbar auch ein paar amerikanische Wanderer die im Bereich des South Shore Trails ungläubig auf die malerischen Buchten blickten und staunten: „This is looking like Hawaii!“.

Nach der kurzen Rückfahrt von Point Lobos zu unserem Hotel und einer einstündigen Pause starteten wir auf eine kleine Erkundungstour durch Carmel selbst. Wie gestern schon angedeutet, ist die Kleinstadt am Meer definitiv sehr besonders. Malerische, kleine Häuschen (vorwiegend von Geschäften und Galerien genutzt) wechseln sich mit herrschaftlichen Anwesen – insbesondere am Meer – ab. Die Offerten der lokalen Makler befinden sich selten im sechsstelligen Bereich; eine Villa mit bester Sicht (und gigantischen Abmessungen) wird aktuell z.B. für 37,5 Millionen Dollar angeboten. Gerüchteweise wohnt u.a. Brad Pitt in Carmel, wobei wir uns von diesem Umstand nicht persönlich überzeugen konnten 😉 Ansonsten ist es hier definitiv anders als in den meisten Städten: Es gibt keine Parkuhren, keine Briefkästen, keine Fußwege (zumindest nur sehr wenige direkt in der Innenstadt) und keine Straßenlaternen. Insbesondere letzteres ist wirklich irritierend, wenn man z.B. nachts noch mit dem Auto durch die Stadt fährt oder nach einem Dinner nach Hause spaziert. Damit trotz fehlender Parkuhren schön regelkonform geparkt wird, patrouilliert übrigens dauerhaft (zumindest tagsüber) ein spezielles Fahrzeug, welches die abgestellten Autos elektronisch erfasst und die Standzeiten überwacht. Insgesamt ist Carmel schon wirklich sehr speziell, vielleicht ein wenig schrullig, eher nicht jugendlich und daher zwar sehr interessant, aber vermutlich für nicht mehr als 3-4 Tage zu empfehlen.

Gegen 16:30 Uhr brachen wir planmäßig zum sog. 17 Mile Drive auf, einer Art privatem Streckennetz zwischen Monterey und Carmel. Für 10$ pro Fahrzeug darf man einfahren und sich im Prinzip beliebig bewegen (also keine Einbahnstraße). Es gibt 21 markante Punkte, die auf einer Karte markiert sind und zusätzlich durch Schilder gekennzeichnet wurden. In der Realität hat man also die Möglichkeit alle 200m – 2km anzuhalten und eine unterschiedliche Aussicht auf das Meer und die Landschaft zu genießen. Selbige ist primär von mehreren großen, luxuriösen Golfresorts geprägt, so dass es viel Grün und stets zahlreiche Golfcarts zu sehen gibt. Dazwischen stehen – natürlich – diverse Villen, für deren Bewunderung es teilweise eigens Parkbuchten direkt an der Straße gibt. Leider hat mich der 17 Mile Drive aus zwei Gründen nicht so ganz überzeugt: Erstens ist er kürzer, als man denkt. Von Monterey aus ist man relativ schnell in Carmel – die 17 Meilen beziehen sich nämlich auf das gesamte Straßennetz. Dieses umfasst auch einige Verbindungen im „Hinterland“, die dann aber so ähnlich aussehen, wie „normale“ Landstraßen in Kalifornien und auch keine spektakulären Impressionen bieten. Zweitens fand ich auch die Aussichtspunkte direkt am Meer weniger beeindruckend, als erhofft. Insbesondere vor dem Hintergrund eines Vergleichs mit den Eindrücken aus Point Lobos am Morgen kann man eine leichte Ernüchterung nicht leugnen. Trotzdem ist der 17 Mile Drive fast schon Pflicht, und sei es nur um einen Blick auf den relativ bekannten „Lonely Cypress Tree“ zu werfen. Wir fuhren hin und her, stoppten oft, machten viele Fotos und nahmen noch den ein oder anderen Umweg und waren trotzdem maximal 2h beschäftigt.

Wieder im Hotel angekommen folgte eine kurze Recherche für das Abendessen, nach derer wir uns für den Besuch eines italienischen Restaurants entschieden. Dekoration, Ambiente und Musik haben uns sehr gut gefallen, auch wenn der Gesamteindruck (Menge & Qualität der Speisen, Qualität des Services) eher eine 2-3 ergeben haben. Charakteristisch war die weniger als 1km kurze Wanderung zurück in unsere Unterkunft – wie zuvor beschrieben natürlich ohne Straßenbeleuchtung.

Morgen werden wir dann 3h Kajaken gehen, bevor wir die Fahrt über den Highway 1 – besser bekannt als Pacific Coast Highway oder kurz PCH – antreten werden. Als einen Übernachtungsstopp mit geringem Besichtigungsanteil haben wir Solvang vorgesehen.

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