Kalifornien Tag 14: Elkhorn Slough & PCH

Einer der besten Momente des Urlaubs gehörte eigentlich noch zum dreizehnten Tag unserer Rundreise: Einschlafen bei offenem Fenster (Fliegengittern sei Dank) zum Klang der Wellen. Wow .. das ist schon ein ziemlich tolles Gefühl. Das Aufwachen am Morgen danach wurde ebenfalls durch die Natur bestimmt, als ziemlich „aufgeweckte“ Vögel weit vor dem eigentlichen Wecker den Tag begrüßten.

Dank guter Vorarbeit konnten wir nach einem raschen Frühstück und einer kurzen Räumaktion pünktlich zu unserer knapp 30 Minuten langen Fahrt zurück gen Norden aufbrechen. Dies war zwar grundsätzlich etwas kontraproduktiv zu unserer weiteren Reiseroute, ließ sich aber durch terminliche Rahmenfaktoren nicht vermeiden. Da unsere eigentlich geplanten Wasseraktivitäten (eine Art Rafting im Yosemite) auf Grund der akuten Trockenheit entfallen musste, entschieden wir uns für eine geführte Kajak-Tour durch den bzw. auf dem Elkhorn Slough. Bei diesem handelt es sich – laut Wikipedia – um einen tidenabhängigen Sumpf bzw. eine Flussmündung, die rund 7 Meilen in das Landesinnere reicht. Obgleich das Gebiet grundsätzlich mit dem Meer verbunden ist, ist es durch „Dämme“ so isoliert, dass es weitestgehend keine Wellen gibt. Der Slough steht trotzdem unter dem Einfluss des Tidenwechsels, so dass der geneigte Paddler durchaus in einen Kampf mit der Natur verstrickt werden kann 😉

Da wir noch nie mit einem Kajak unterwegs waren, den Einfluss von Wind und Strömung nicht so richtig einschätzen konnten und wir gute Erfahrungen mit geführten Touren durch die Natur in Amerika gemacht haben, entschieden wir uns für ein dreistündiges Event mit Guide. Wie auch schon bei unserer Manatee-Erfahrung hatten wir erneut das Glück, die einzigen Teilnehmer der Tour zu sein. Der gesamte Ablauf unseres Abenteuers verlief sehr routiniert und angenehm. Nach einem kurzen Shakehands mit unserem Guide (Riley, einem Surfer- und Naturtypen wie aus dem Lehrbuch .. sehr sympatisch und unkompliziert) erhielten wir zunächst die Ausrüstung. Diese besteht im Slough – da das Risiko des Kippens sehr gering ist – „nur“ aus einem sog. Sprayskirt (einem Spritzschutzrock, der verhindert, dass Wasser von oben in das Cockpit des Kajaks läuft), einer Schwimmweste und pro Person einem Paddel. Ein Neoprenanzug ist glücklicherweise nicht erforderlich. Ferner hatten wir die Wahl, ob wir ein oder zwei Kajaks nehmen wollten, entschieden uns aber ausschließlich (!) auf Grund von Danis Erkältung für die Teamwork-Option mit einem gemeinsamen Boot. Dieses wartete am Steg einige Meter entfernt im Wasser schwimmend bereits auf uns, so dass wir sehr komfortabel und risikofrei einsteigen konnten (für Anfänger ist das wirklich super). Schon vom Steg aus konnten wir diverse Wasservögel und Seelöwen in wenigen Metern Entfernung erkennen – Augenblicke später versuchten wir vorsichtig in ihre Richtung zu paddeln. Das Kajak ließ sich dabei – insbesondere im Vergleich mit einem Kanu – wesentlich einfacher manövrieren. Unser Zweisitzer verfügte sogar über ein fußgesteuertes Ruder, was die „Navigation“ schon ziemlich spaßig machte. Einige Momente später stieß auch Riley in seinem Einsitzer zu uns, so dass wir die Fahrt den Slough hinauf antraten. Das gute am Elkhorn ist die Tatsache, dass er insgesamt recht flach ist. Die Wassertiefe beträgt selten mehr als einen Meter, so dass man die über und unter Wasser lebenden Tiere sehr gut entdecken und beobachten kann. So präsentierte uns Riley gleich zu Beginn eine ca. 15cm große Schnecke (im Prinzip einen schleimigen Diskuss), sowie später die bekannten Sand Dollars, eine 15 Pfund schwere kalifornische Schnecke und unzählige Seelöwen, Wasservögel (u.a. Kormorane, Pelikane, Reiher, Kraniche und sogar einen Fischadler, der ca. 20m entfernt von uns erfolgreich auf Jagd ging) und Seeotter. Letztere waren der eigentlich Grund warum wir uns für die Tour entschieden haben – und wir wurden nicht enttäuscht. Laut unserem Guide sind die im Elkhorn Slough lebenden Otter die größten der Welt und sie weisen eine ziemlich hohe Populationsdichte auf. Beides ist scheinbar auf das sehr gute Nahrungsangebot zurückzuführen. Während die Otter optisch also wesentlich präsenter sind, als jene Exemplare, die wir so kennen, sind sie mindestens genauso niedlich. Insbesondere wenn ein Otter nach erfolgreicher Jagd auf dem Rücken schwimmend auftaucht, nur seine Flossen und sein Kopf aus dem Wasser guckt und er seine erbeutete Schnecke knackt, wirken die kleinen Wasserbewohner schon ziemlich glücklich 😉

Auch das Gefühl auf dem Wasser zu sein ist natürlich toll. Überall um einen herum gibt es etwas zu sehen und zu entdecken, das Paddel plätschert beruhigend im Wasser und der Oberkörper wird von der kalifornischen Sonne angenehm erwärmt. Dies ist so lange toll, bis man die Rückfahrt gegen den Wind und gegen die Strömung antreten muss 😉 Auf Grund der kleinen Gruppe und „unserer“ physischen Leistungsfähigkeit (Dani hat übrigens tolle Fotos gemacht) entschied sich Riley für die Rückfahrt durch einen gewundenen Seitenarm, die er sonst nicht antritt. Das hat zwar durch die vielen Kurven richtig Spaß gemacht, war aber auch ziemlich anstrengend. Wie kommentierte unser Guide so passend: „Like driving a school bus, right?“ (Fährt sich wie ein Schulbus, oder?). Auf den letzten Metern unserer dreistündigen Tour und kurz vor dem Anleger war ich dann auch recht froh bald wieder an Land zu sein und trotz Spritzschutz einigermaßen klamm. Insgesamt eine wirklich coole Erfahrung, die wir Menschen mit Affinität zur Natur nur empfehlen können (es gibt auch Touren mit motorisierten Flößen über den Slough .. aber das ist dann natürlich weit weniger friedlich).

Mit einigen neuen Eindrücken im Gepäck und körperlich ziemlich erschöpft, traten wir gegen 13:00 Uhr die Weiterfahrt über den Highway 1, auch bekannt als Pacific Coast Highway gen Süden an. Um an dieser Stelle wie so oft ganz ehrlich zu sein: Der Highway 1 fühlt sich wie eine große Version des 17 Mile Drive an. Es gibt alle paar Meter bzw. teilweise Kilometer eine Haltebucht, man hat nahezu ständig eine sehr gute Sicht auf den Pazifik (zumindest bis San Luis Obispo) und es ist sehr viel los. Sehr viel los führt zu sehr niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten (ich denke insgesamt ca. 50% des erlaubten Tempos), so dass man stellenweise schon ziemlich gute Nerven braucht. Mit anderen Worten: Ca. 3h lang mit 30 – 80 km/h (eher 30) zu fahren, kann schon ein wenig anstrengend sein. Die Ausblicke auf das Meer sind dafür stellenweise wirklich spektakulär, was aber für den Beifahrer naturgemäß schöner ist, als für den Fahrer (ich habe meist sehr viele Rücklichter gesehen, manchmal ein wenig Dani und ganz selten ein bisschen Meer). Wäre der PCH aber leer und hätte man ein vernünftiges Fahrzeug, wäre die Strecke ein Traum für jeden mit Affinität zu Kurven. Selbst im Bereich der Tempolimits (meist 55 MPH) könnte man hier richtig Spaß haben und würde anschließend sicherlich mit einem enorm breiten Grinsen eines der Lokale mit Panoramasicht frequentieren.

So aber blieb aus meiner Sicht unser Stopp am Elephant Seal Viewpoint das eigentliche Highlight der Tour. Hier kann man in sicherer Entfernung und touristisch sehr gut erschlossen (d.h. riesiger Parkplatz, hohe Geländer, viele Erklärungsschilder) außergewöhnliche viele, besonders große Seelöwen (man vergebe mir etwaige Schwächen in der Beschreibung der Fauna) bei der Auslebung ihres entspannten Lebensstils beobachten. Die riesigen und an Land recht ungelenk wirkenden Tiere bei ihren entspannten Nickerchen am Strand bzw. teilweise in der Brandung zu beobachten, ist schon ziemlich unterhaltsam. Mindestens ebenso eindrucksvoll ist der Mut bzw. die Neugier der Squirrels am Parkplatz (das sind die kleinen Eichhörnchen-artigen Tiere, deren Flöhe kürzlich zu einigen Pesterkrankungen im Yosemite führten), die keinerlei Berührungsängste zeigen und Besucher gern um überschüssige Nahrungsmittel erleichtern. Selbstverständlich wird überall auf die Gefahren hingewiesen und darum gebeten die Tiere eben nicht zu füttern. Ausgehend von dem heute Erlebten und mit Hinblick auf die körperliche Präsenz einiger Exemplare würde ich aber behaupten, dass diese „Richtlinie“ nicht ausnahmslos eingehalten wird. Zugegeben, wenn so ein kleines (alles relativ..) Squirrel auf seinen Hinterpfoten stehend die vorderen Pfoten auffordernd in die Luft reckt, fällt es schon einigermaßen schwer, nicht weich zu werden 😉 Anders gesagt: Für Dani waren die Seals der Höhepunkt unseres Stopps, für mich das gierige Rieseneichhörnchen.

Gegen 18:30 Uhr erreichten wir dann Solvang – leider einige Minuten später als erhofft und damit erst kurz vor Sonnenuntergang. Unsere Erkundung der außergewöhnlichen Gemeinde wandelten wir daher kurzer Hand in eine automobile Tour, in deren Rahmen wir die wichtigsten Straßen abfuhren. Dabei wurden wir grundsätzlich sehr positiv überrascht: Die Imitation einer dänischen (oder zumindest skandinavischen) Gemeinde mitten in Kalifornien ist ziemlich gut gelungen und auch deutlich weitreichender als vermutet. Auch in den Nebenstraßen entsprechen die meisten Gebäude dem lokalen Stil, wodurch sich nicht der Eindruck künstlicher Fassaden entlang einer Shopping-Meile einstellt – ziemlich cool. Positiven wirken sich auch die teilweise pompösen Hotel- und Businesskomplexe aus, die ebenfalls eine skandinavische Optik aufgreifen. So zum Beispiel auch unser Hotel, dass nach außen hin aus vielen kleinen, aneinander gereihten Hütten besteht (wir wohnen scheinbar im Turmzimmer des Rathauses). Innen wird hingegeben eher Standardkost geboten.

Morgen fahren wir dann über Santa Barbara und Los Angeles nach Newport Beach, wobei wir an einen recht strikten Zeitplan gebunden sind, wenn wir nicht erneut mehrere Stunden im Stau verlieren möchten. Ich hoffe, dass wir in Newport nochmal rund zwei entspannte Tage auf der von uns gemieteten Yacht verbringen und diverse Aktivitäten auf dem Wasser genießen können (Kajaks und Standup-Paddle-Boards gehören zur Ausstattung). Da wir in Newport aber voraussichtlich keinen Internetzugang haben werden, vermute ich, dass es das nächste und letzte Update an dieser Stelle etwas zeitverzögert (d.h. eventuell erst nach unserer Rückkehr) geben wird.

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