Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 1

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich vermutlich auf dem besten Platz, an dem ich jemals einen Beitrag verfasst habe: Mein Rücken kuschelt sich in das weiße, weiche Leder eines Captain-Sessels an Bord einer Hunter 45 Yacht im Hafen von Newport Beach. Das Notebook steht auf der Navigationskarte, gegenüber von mir befindet sich ein an der Wand montierter 46″ Flachbildschirm, überall um mich herum befindet sich feinstes Holz und beschallt werden wir von einem BOSE-Soundsystem, welches wiederum an ein Sirius-Satellitenradio angeschlossen (viele Sender, keine Werbung, sehr gute Qualität) ist. Eine sanfte Beleuchtung verleiht dem geräumigen Salon eine beruhigende Atmosphäre, während ich den Tag geistig nochmals rekapituliere. Mein Smartphone liegt ungenutzt herum – ohne WLAN oder LTE-Netz spendet es angenehme Ruhe.

Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour
Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour

Falls gewünscht, könnte man – während wir den Sternenhimmel von bequemen Sesseln auf dem Oberdeck beobachten (wie vor einigen Minuten) – das Tonsignal des Satelitten-Radios übrigens auch über das separate Lautsprechersystem an Deck wiedergeben lassen .. nur um den perfekten Moment noch besser zu machen.

Ernsthaft, die Übernachtung auf der 2008 gebauten Luxusyacht ist vermutlich das Highlight des Urlaubs – David Guetta und San Diego sind entthront. Im Vorfeld dieses „Miniabenteuers“ hatte ich Berichte gelesen, die besagt haben, dass der Aufenthalt auf einer Segelyacht am ehesten mit einer Nacht in einem Wohnmobil zu vergleichen ist. Diese Analogie ist meiner Meinung nach nur bedingt zutreffend. Natürlich existieren diverse Ähnlichkeiten – so gibt es beispielsweise ein äußerst ausgeklügeltes Raumkonzept, welches in allen möglichen und unmöglichen Ecken nahezu unsichtbare Schubladen und Schränke aus Holz integriert, die allesamt verschließbar sind. Klar, so ein Boot kann auch mal in Schieflage geraten.

Welcome aboard (hier: Blick auf den geräumigen Salon)
Welcome aboard (hier: Blick auf den geräumigen Salon)

Ansonsten fühlt sich Anwesenheit auf unserer Yacht aber mehr wie eine Nacht im Wynn oder einem anderen Luxushotel an. Alle Materialien entsprechen höchsten Standards, die Ausstattung ist sehr gut (2 Schlafzimmer, 2 Bäder mit jeweils einer richtigen Dusche, 2 Flachbildschirme, eine Xbox, sehr großer Lounge-Bereich an Deck) und man fühlt sich spontan extrem wohl. Dazu tragen sicherlich auch clevere Details wie eine Fußbodenbeleuchtung (ein wenig wie im Flugzeug), Insektenschutzgitter in allen Fenstern und eine vollständige Küche bei. Vom Gasherd über eine Mikrowelle, eine Kaffemaschine und ein Eisfach ist bis hin zu einem Kühlschrank einfach alles vorhanden. Es gibt sogar einen Teller-Trockner, in dem das zuvor (manuell) gereinigte Plastik-Geschirr (natürlich ebenfalls von Hunter, dem Hersteller des Boots) mittels Luft trocken gepustet wird. Auch an Deck fühlt man sich wie ein König, insbesondere wenn man vom Vorderschiff aus den glutroten Sonnenuntergang über Balboa Island, einer künstlichen Insel mitten im Hafenbereich von Newport Beach, beobachtet. Um einen herum liegen andere große Yachten, pompöse Villen thronen über der Marina und ab und an gibt es tolle Autos zu hören – im Prinzip wie Monaco, nur etwas luftiger. An dieser Stelle sei angemerkt, wie positiv überrascht ich von den räumlichen Ausmaßen unseres 45 Fuß, also rund 15m langen, schwimmenden Zuhauses bin. Sowohl im Unterdeck, als auch über Wasser fühlt sich alles sehr großzügig geschnitten und überhaupt nicht beengt an. Das einzige was jetzt noch zum Glück fehlt, ist das Können und Erlebnis mit so einem tollen Gefährt auch mal die Leinen zu lösen und den Pazifik unsicher zu machen. Man soll ja immer noch Ziele im Leben haben 😉

Leinen los? Vorerst noch nicht..
Leinen los? Vorerst noch nicht..

Bis dahin müssen wir uns vermutlich weiterhin damit begnügen, den Hafenbereich von Newport Beach mit dem bootseigenen Tandem-Kajak bzw. dem Stand-Up-Paddleboard unsicher zu machen. Die Möglichkeiten in der näheren Umgegend sind dabei unbeschreiblich vielfältig – es gibt sehr viele größere und kleinere Seitenarme, gleich zwei künstliche Inseln und auch diverse, auf geschützten Wasserwegen erreichbare Strände. Das Wasser ist dabei recht klar und überraschend warm. Die Qualität scheint so gut zu sein, dass wir sogar schon Schwimmer im Hafenbereich entdeckt haben. Um es mit anderen Worten zu sagen: Eine perfektere Art Urlaub zu machen, könnte ich mir aktuell nur schwer vorstellen.

Nach diesem ungewohnten Ad-Hoc-Einstieg vielleicht noch ein paar Worte zum Verlauf unseres Tages.

Dieser begann recht zeitig, denn mit Hinblick auf den bedrohlichen Verkehr um LA hatten wir einen straffen Zeitplan, wenn wir nicht zu viel wertvolle Resturlaubszeit verlieren wollten. So waren wir also die ersten am Frühstücksbuffet und pünktlich um 07:45 Uhr blubberte der Camaro erneut gen Süden. Für die ersten Kilometer bis Santa Barbara ging es dabei über einen gut ausgebauten Freeway, so dass wir nur minimale Staus hatten uns unser Ziel planmäßig erreichten. Leider war das Wetter an diesem Morgen eher in Abschiedsstimmung, sprich es lag ein recht dichter Nebel über der schicken Stadt am Meer. Wir stoppten trotzdem kurz am County Courthouse, dem Gerichtskomplex mitten im Herz von Santa Barbara. Die gesamte Anlage steht jedoch auf historischem Fundament und bietet zahlreiche nette Details, die es zu entdecken gilt.

Sitzungssaal im County Courthouse
Sitzungssaal im County Courthouse

Hinter jeder Ecke warten neue Eindrücke, wobei der Garten, ein besonders imposanter Gerichtssaal und der Clocktower hervorzuheben sind. Von Letzterem hat man nicht nur eine fantastische Aussicht, man kann auch das Glockenspiel und das Uhrwerk durch eine Plexiglasscheibe bei der Arbeit beobachten – ziemlich cool. Von der Spitze des Turms konnte man übrigens – trotz des schlechten Wetters – die zahlreichen Bohrinseln, die überraschend nah an der Küste liegen, deutlich erkennen.

Wie gesagt, die Sicht war eher eingeschränkt .. die Bohrinseln sind dennoch gut erkennbar
Wie gesagt, die Sicht war eher eingeschränkt .. die Bohrinseln sind dennoch gut erkennbar

Nach dem Courthouse stoppten wir noch kurz an einem Parkplatz direkt am Strand, bevor wir unsere Weiterfahrt gen Ventura fortsetzten. Hier wollten wir ein letztes Mal die Gelegenheit nutzen ein wenig Shoppen zu gehen. Doch obgleich wir uns wirklich Mühe gegeben haben, bis auf ein einzelnes T-Shirt (gesenkt von 30$ auf 22,36$ – wow) wollte sich kein Erfolg einstellen. Negativ bleibt zu erwähnen, dass die meisten Angestellten in den Outlets genervt bis gelangweilt wirkten und einfach keine Freude aufkommen wollte. Kein Vergleich mit unseren guten Erlebnissen in der Aventura Mall in Fort Lauderdale oder den Premium Outlets in St. Destin (auch wenn diese ähnlich angelegt sind). Nun gut, die Zeit war wirklich zu schade und der drohende Verkehr zu intensiv, um hier noch mehr Zeit zu investieren. Also fuhren wir gegen 12:30 Uhr weiter gen Newport – nun wieder über den bekannten Pacific Coast Highway.

Zeppelin knapp südlich von LA beim Start (Computerspielern auch als "Air Blimp" bekannt)
Zeppelin knapp südlich von LA beim Start (Computerspielern auch als „Air Blimp“ bekannt)

Dieser verläuft zwischen Ventura und Santa Monica genauso, wie man ihn sich vorstellt. Grandiose Aussichten, pompöse Villen, endlose Strände mit riesigen Parkplätzen. Auch die Frequenz der Supersportwagen nimmt wieder zu – LA ist schon eine coole Region. Falls sich jemand fragt, ob Malibu wirklich so toll aussieht, wie Baywatch uns glauben machen wollte: Ja, tut es (auch wenn der Vorspann zur Serie wie wir gelernt haben in Venice Beach gedreht wurde). Die Strände sind endlos (wirklich endlos .. eher wie eine 20 Meilen lange Wüste am Meer) und extrem weich. Ein längerer Besuch von Malibu und eine ausgedehntere Besichtigung von Santa Barbara stehen definitiv auf unserer ToDo-Liste für eine nächste Kalifornien-Tour.

Das ist Malibu, etwas nördlich von LA. Auch ein schöner Ort um das Meer zu genießen..
Das ist Malibu, etwas nördlich von LA. Auch ein schöner Ort um das Meer zu genießen..

Wie geplant und erhofft erreichten wir also gegen 15:00 Uhr Newport Beach, welches schon bei der Anfahrt überwältigend ist. So viele so schöne und so individuelle Villen habe ich glaube ich noch nie auf einem geographisch so kleinen Gebiet gesehen. Das alles enorm sauber ist, versteht sich von selbst. Auch die Übernahme unserer temporären und vorerst letzten Unterkunft – des Boots – hat super geklappt.

Ankunft am Yachthafen bei großartigem Wetter und bester Stimmung
Ankunft am Yachthafen bei großartigem Wetter und bester Stimmung

Der Besitzer (Rob) hat uns alles erklärt, uns aber gleichzeitig nie das Gefühl gegeben, dass wir übervorsichtig sein müssten. Letztendlich ist so eine Yacht ja doch sehr speziell und letztlich auch empfindlich, so dass ich mich als Eigentümer vermutlich schwerer damit tun würde Fremden mein Hab und Gut zu überlassen. Einige Minuten nach unserem Shakehands waren wir also wieder allein, unsere Koffer waren verladen und wir fuhren auf einen kleinen Einkauf zum nur 1km entfernten Albertson’s. Der Einkauf hier war – wie immer in Kalifornien – erschreckend teuer, sollte uns aber über die Zeit bis zum Rückflug bringen.

Blick über das geräumige Deck - das Paddleboard wartet schon
Blick über das geräumige Deck – das Paddleboard wartet schon

Anschließend bereiteten wir das Tandem-Kajak vor (wir hatten ja noch Übung vom Vortag, auch wenn das Exemplar hier im Gegensatz zu jenem in Moss Landing über ein offenes Deck verfügt) und stachen direkt vom Anleger neben „unserer“ Yacht in See. Nach ein paar unsicheren Metern kamen wir erstaunlich gut klar und steuerten mit der Actionkamera, Wasser und unserem Garmin GPS an Bord die Balboa Insel entlang. Fairerweise müsste man an dieser Stelle schon fast von Reizüberflutung sprechen: Tolle Häuser, noch beeindruckendere (riesige) Yachten, sehr freundliche andere Paddler, ab und an ein Seelöwe und dazu noch die langsam untergehende Sonne – wie gesagt, viel Luft nach oben war nicht mehr. Insbesondere nachdem wir den anstrengenden Teil gegen den Wind hinter uns gebracht hatten und mehr oder weniger entspannt den anderen Teil der Insel zurückpaddelten, näherte sich ein wirklich schöner Tag viel schneller als gewünscht seinem Ende. Es ist übrigens extrem beeindruckend, wenn so eine 50m Yacht voller feiernder Menschen langsam an einem vorbeirauscht und der sowieso schon tollen Kulisse einen zusätzlichen Touch gibt.

Trotz eines langen Tages herrscht offensichtlich beste Stimmung im Boot ;-)
Trotz eines langen Tages herrscht offensichtlich beste Stimmung im Boot 😉

Den Abschluss unseres Abends stellte dann ein sehr entspanntes und leckeres Abendessen an Deck, gefolgt von einer ausgedehnten Sternebeobachtung bei toller Musik dar. Das wir zum Abschluss unserer Rundreise nochmals ein solches Highlight erleben würden, hätte ich jedenfalls nicht gedacht. Mal schauen, wie wir unseren letzten Tag am Meer bzw. viel mehr auf dem Meer morgen verbringen werden. Danke, Airbnb.

Abendstimmung in Newport Beach
Abendstimmung in Newport Beach

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