Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 2

Eigentlich könnte ich diesen Erlebnisbericht unseres letzten vollen Tages in Kalifornien sehr kurz zusammenfassen: Wie gestern, nur besser. Im Ernst, unser heutiger Tag in Newport Beach kam meiner Definition von „perfekt“ in unbekannten Maß nahe. Knapp 30°C, ein leichter Wind, keinerlei Wolken, schöne Häuser, riesige Boote, tolle Autos, Spaß auf und im Wasser, keine Uhr, kein Smartphone, keine einzige E-Mail, ganz viel Zeit zu zweit .. wie gut solche Tage tun, merkt man erst, wenn man einen davon erlebt hat. Sicherlich werden diese Zeilen zusätzlich positiv davon beeinflusst, dass ich erneut auf meinem Autoren-Captain-Sessel residieren darf 😉

Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach
Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach

Wie gestern der Reihe nach: Unser letzter, ganzer Tag in Kalifornien begann um 07:00 Uhr nach einer herrlich erholsamen Nacht auf „unserer“ Yacht. Die Nachttemperaturen in Newport Beach sind sehr angenehm (um ca. 20°C), so dass die Luft warm genug für einen Mitternachtssnack an Deck ist, aber die Kabine dennoch angehm auskühlt. Mit freiem Blick auf die Sterne schliefen wir perfekt und wachten morgens zum sanften Schaukeln des Boots auf. An Deck begann die Morgensonne gerade damit den Tau abzutrocknen – ideale Bedingungen für den Start in einen ereignisreichen Tag. Um ein wenig Auslauf zu bekommen, begaben wir uns zu Fuß in Richtung Brücke nach Balboa Island. Da sich ein sehr netter Boardwalk um (fast) die gesamte Insel erstreckt, bietet sich hier eine sehr gute Gelegenheit um spazieren zu gehen und dabei Boote und Häuser in gleichem Maß zu bestaunen.

Blick von der Brücke nach Balboa Island auf den weiteren Hafenbereich .. man kann die Dimensionen nur erahnen
Blick von der Brücke nach Balboa Island auf den weiteren Hafenbereich .. man kann die Dimensionen nur erahnen

Ein wenig anstrengend ist dabei das permanente Überholen und Überholtwerden – die ca. 3km lange Runde um das Eiland wird von sehr vielen „Sportlern“ (ein großes Getränk von Starbucks in der Hand scheint der optimale Begleiter für eine intensive Walkingeinheit zu sein…) frequentiert. Dennoch ist es sehr interessant die unterschiedlichsten Stile zu sehen, mit denen die Eigentümer ihr jeweiliges Kleinod versehen haben. Oftmals werden die Häuser bis ins kleinste Detail durchgestyled, was vermutlich den sonst eher eingeschränkten Entfaltungsmöglichkeit geschuldet ist – nicht bebaute Bereiche der Grundstücke sind nur in den seltensten Fällen vorhanden bzw. i.d.R. sehr klein. Der südliche Teil von Balboa Island – Collins Island genannt – ist übrigens durch eine kleine Brücke nebst Schranke zusätzlich abgegrenzt und nicht öffentlich zugänglich. Neben sehr vielen netten Wohnhäusern unterschiedlichster Art und Größe gibt es auf Balboa Island auch ziemliche viele Geschäfte – von Bekleidung über Restaurants bis hin zu Snacks. Überraschend fand ich in diesem Kontext das durchschnittliche Preisniveau – dieses ist vergleichsweise gemäßigt. Ansonsten wird die künstliche Insel größtenteils von Rentnern bewohnt, wie wir in einem Gespräch mit einem Anwohner lernten. Seinen Ausführungen zufolge nennt man das Eiland auch „Retirement Home“, weil die Mieten für viele Jüngere nicht mehr zu stemmen sein. Bei den teilweise öffentlich ausgestellten Mietangeboten (meist ab 3.800 USD pro Monat) durchaus glaubhaft.

Ein Schnappschuss vom Boardwalk: Kleine Häuser, schmaler Weg, wenig Strand, viel Wasser
Ein Schnappschuss vom Boardwalk: Kleine Häuser, schmaler Weg, wenig Strand, viel Wasser

Nach unserem ausgedehnten Spaziergang (rund 7km) wollten wir uns noch die Tide Pools und den öffentlichen Strand ansehen und fuhren hierzu rund 3km mit dem Camaro in südöstliche Richtung. Obgleich die Fahrt bereits spektakuläre Impressionen bot, übertrafen die Anwesen oberhalb der Küstenlinie („Ocean Boulevard“) unsere Erwartungen nochmals deutlich. Während die Villen in anderen Orten meist verlassen wirken (Palm Beach), überhaupt nicht einsehbar sind (Los Angeles) oder einem ziemlichen einheitlichen Stil folgen (Naples) kann man in Newport Beach richtig ins Schwärmen geraten. Ein pompöses Haus reiht sich hier an das andere; meist sehr individuell in der Gestaltung und i.d.R. mit atemberaubender Sicht auf den Pazifik. In Newport kann man wirklich lernen, wie schön das Leben sein kann.

Mein Favorit (okay, ein potentieller Mangel an Garagen ist nicht zu leugnen), aber die Aussicht..
Mein Favorit (okay, ein potentieller Mangel an Garagen ist nicht zu leugnen), aber die Aussicht..
Hier ein schönes Beispiel für einen gänzlich anderen Stil - Luftlinie keine 300m vom oberen Bild entfernt
Hier ein schönes Beispiel für einen gänzlich anderen Stil – Luftlinie keine 300m vom vorherigen Bild entfernt

Unbeirrt von den optischen Reizen spazierten wir gen Strand und gelangten über einige serpentinenartig verlaufende Wege direkt zu den Tide Pools. Diese lassen sich im Prinzip mit jenen am Point Lobos vergleichen, bestehen aber aus einem anderen Material. Selbiges ist ein wenig scharfkantiger, was die Erkundung noch spannender macht. Obwohl wir recht mutig waren und viel Spaß hatten, konnten wir leider nur sehr wenige Meeresbewohner in den kleinen Bassins beobachten – vermutlich waren wir nicht zum idealen Stand der Tide da.

Blick von den Tide-Pools - um hier her zu gelangen, muss man schon ein wenig schmerzresistent sein
Blick von den Tide-Pools – um hier her zu gelangen, muss man schon ein wenig schmerzresistent sein

In jedem Fall macht es viel Spaß durch den weichen, feinen Sand und das erstaunlich warme Wasser in der Bucht zu spazieren und die Brandung zu beobachten, die sich bei fast jeder ankommenden Welle in eine große Gischtwand ergießt. Für jeden Menschen mit Affinität zum Meer ein toller Ort! Nach dem Besuch an den Tide Pools gingen wir noch ein wenig durch das Wohngebiet und hinunter zum größten öffentlichen Strand, an dem zu dieser Zeit wenig los war. Hier stehen große Felsen direkt am Wasser, an dem laut unserem Vermieter einige Mutige sogar bouldern, also ohne Sicherung klettern (obgleich dies laut Hinweisschildern verboten ist). In jedem Fall ist der Ausblick auf die Hafenausfahrt von diesem Punkt sehr empfehlenswert.

Panoramasicht auf die Hafenausfahrt. Auch der Strand weiß durchaus zu begeistern..
Panoramasicht auf die Hafenausfahrt. Auch der Strand weiß durchaus zu begeistern..

Anschließend steuerten wir – unsere Mägen knurrten bereits – Fashion Island, die hiesige Shopping-Mall an. Der Einkaufstempel ist dabei als offene Anlage in Kreisform angelegt, d.h. es gibt verschiedene Abschnitte, die jeweils über Wege verbunden sind, die unter freiem Himmel verlaufen. So wirkt der ganze Bereich eher wie eine Art „Shopping Dorf“ mitten in der Stadt und nicht wie eine klassische Einkaufsstraße oder Mall. Jeder, der Einkaufen einigermaßen mag oder schon mal diverse Shoppingcenter besucht hat, wird Fashion Island lieben. Genau so sollte jede Einkaufsstraße dieser Welt sein: Gut strukturiert, fantastisch in Szene gesetzt, abwechslungsreiche Shopauswahl und geniales Feeling. Über breite Wege gelangt man an tollen Deko-Elementen (u.a. diverse, beeindruckende Wasserspiele, Koi-Teich etc.) vorbei zum Laden seiner Wahl – so macht Einkaufen richtig Spaß. Gleich zu Beginn unseres Besuchs standen wir noch etwas verwirrt an einer Info-Tafel, woraufhin keine Minute später eine freundliche Dame des Info-Centers an unserer Seite auftauchte, ihre Hilfe anbot und uns einen Orientierungsplan nebst Erklärungen übergab. Dieser gute Eindruck wurde von den Geschäften und den jeweiligen Mitarbeitern im weiteren Verlauf bestätigt. So genossen wir ein letztes Mal für diesen Urlaub zwei geniale Banana Split Sundaes von Hägen Dasz, machten ein paar letzte Besorgungen und fragten uns, warum es so tolle Erlebnisse nicht in Deutschland gibt. An dieser Stelle muss ich auf ein Detail hinweisen, dass für alle Nichtraucher paradiesisch ist: In den meisten öffentlichen Bereichen in Kalifornien ist das Rauchen einfach untersagt – fertig. Auf dem Boardwalk auf Balboa Island, im gesamten Areal von Fashion Island und auch sonst an ziemlich vielen Orten. Man stelle sich vor, dass Main Taunus Zentrum in Sulzbach wäre auch ab sofort vollständig Nichtraucherzone – was ein für ein angenehmer Gedanke.

Vorgriff auf den nächsten Absatz: Hier sieht man ein wenig den Aufbau der Marina und die vielen, schnell erreichbaren Bereiche
Vorgriff auf den nächsten Absatz: Hier sieht man ein wenig den Aufbau der Marina und die vielen, schnell erreichbaren Bereiche

Nach dem laufaktiven Part unseres Tages kehrten wir zur Yacht zurück und begannen – wie geplant – mit dem Teil des Tages, der auf dem Wasser stattfinden sollte. Rasch ließen wir das Kajak zu Wasser und starteten unsere Reise an Balboa Island entlang gen Westen. Mittlerweile haben wir als Team richtig Übung und kamen gut vorran. So gut, dass wir scheinbar sogar das Wohlfühltempo eines Seehunds überschritten, der unsere Fahrt einige Minuten lang im Abstand von wenigen Metern begleitete – ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Erneut ging es an vielen schönen Yachten vorbei in diverse Kanäle und unter mehreren Brücken hindurch, bevor wir nach rund 1h Paddeln das Ziel unserer Fahrt erreichten: Den Newport Dunes Aquatic Park. Da hier mittlerweile die Nebensaison angebrochen ist, war kaum etwas los, was uns natürlich nicht davon abhielt endlich ein Bad im Pazifik zu nehmen – wenn auch in einer Bucht 😉

Ziel bei bester Laune erreicht
Ziel bei bester Laune erreicht
Abbaden im Pazifik bei vermutlich ca. 24°C
Abbaden im Pazifik bei vermutlich ca. 24°C

Wie schon gesagt, die Wassertemperatur ist überraschend angenehm und steht jener, die wir auf den Florida Keys letztes Jahr im November erlebt haben in Nichts nach. Einzig die Unterwassersicht ist nicht ganz so beeindruckend. In jedem Fall aber bietet die Newport Beach Marina wirklich hervorragende (anfängerfreundliche) Bedingungen für Aktivitäten auf dem Wasser. Durch die enorme räumliche Ausdehnung und die größeren und kleineren Abschnitte kann man sich ziemlich entspannt und meist auch recht wind- und wellengeschützt bewegen und dabei immer wieder den Anblick riesiger Yachten und noch größerer Villen genießen. Um alle mit dem Kajak zugänglichen Bereiche zu erkunden, muss man körperlich schon ziemlich fit sein oder sollte am besten mehrere Touren einplanen – ich denke 3 bis 4 Tage kann man so gut füllen.

Volle Fahrt voraus - mittlerweile hatten wir ja Übung
Volle Fahrt voraus – mittlerweile hatten wir ja Übung

Kurz nach 17:00 Uhr kehrten wir in unser temporäres, schwimmendes Heim zurück und legten einen kleinen Nachmittagssnack auf dem Oberdeck ein. In der Abendsonne auf bequemen Sesseln auf dem Vorderdeck zu sitzen und den Tag in Gedanken revue passieren zu lassen, war schon ziemlich schön. „Eigentlich“ hätte man an dieser Stelle auch ein kaltes Getränk öffnen und auf den Sonnenuntergang warten können. Diesen Gedanken teilten wohl auch andere Segler, die uns im Vorbeifahren mit breitem Grinsen zuriefen „Looks pretty relaxing“ (sieht ganz schön entspannend aus). War es auch. So entspannend, wie sehr lange kein anderer Moment .. wie ich eingangs schon schrieb, unser zweiter Tag in Newport war definitiv ein außergewöhnliches Highlight.

Abendstimmung im Hafen - mehr davon!
Abendstimmung im Hafen – mehr davon!

Unsere Ruhe wurde nur von meiner sagen wir Neugier darauf unterbrochen, ob ich die Marina auch mit dem Stand Up Paddle Board unsicher machen könnte. Also ließen wir dieses rasch gemeinsam zu Wasser und ich war kurzerhand ziemlich erschrocken. SO wacklig hatte ich den Aufenthalt auf einem SUP-Board gar nicht mehr in Erinnerung. Trotzdem nahm ich das Paddel, schob mich rückwärts vorsichtig aus des „Parkbucht“ der Yacht und stand langsam auf. Die ersten Schläge fühlten sich noch sehr ungewohnt an, doch schnell siegte die Begeisterung. Auf dem Board hat man – allein durch die Höhe – doch nochmals eine ganz andere Sicht auf die Dinge und nimmt die Umgebung viel bewusster war. So paddelte ich einige Meter durch die Abendsonne, mehrmals vorbei an den großen Booten um uns herum und zurück zu unserem Zuhause. Schnell konnte ich Dani davon überzeugen, unseren Plan den Sonnenuntergang vom Board aus gemeinsam zu verfolgen in die Tat umzusetzen. In der Praxis stellte sich dieses Unterfangen als sehr unterhaltsam und anstrengend zugleich heraus. „Irgendwie“ war das Board wohl nicht für zwei Passagiere gemacht, denn sofort begann Wasser permanent über die Oberfläche zu laufen, die Kippanfälligkeit steigerte sich dramatisch, das Paddel ließ sich nicht mehr ohne Weiteres von links nach rechts wechseln und schnell waren wir auch nicht mehr. Aber wenn Dani ihre Beine als stabilisierendes Element zur Seite raushängen ließ und wir genügend Geduld aufbrachten, ging es „eigentlich“ ziemlich gut. Zumindest die Fahrt mit dem Strom bis zum optimalen Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang verlief überraschend problemlos. Wir kenterten nicht, lachten viel und wurden mit einem genialen Blick auf die untergehende Sonne belohnt. Ich denke es war eine dieser Aktionen von denen man später sagt: Cool, dass wir das gemacht haben!“. Weniger genial war die Rückfahrt nach dem Sonnenuntergang gen Boot. Der Wind und die Strömung waren nun gegen uns, so dass man streckenweise (eigentlich über den größten Teil der Fahrt hinweg) den Eindruck gewinnen konnte, dass wir auf der Stelle sehen würden. Dani wollte gar aufgeben und entweder über einen Steg eher an Land gehen oder hinter dem Board zurückschwimmen. Doch letztlich erreichten wir unser Ziel gemeinsam und ohne einen einzigen „weiterführenden“ Wasserkontakt, auch wenn meine Schultern und meine verkrampften Fußsohlen sicherlich eine schöne Geschichte über diese „Ausfahrt“ erzählen könnten. Noch während Dani duschte, fuhr ich nochmals der untergegangenen Sonne einige Meter auf dem SUP-Board hinterher. Dabei war es erschreckend, wie unterschiedlich die Geschwindigkeit und Wendigkeit zu dem Ausflug vorher war .. für Tandem-Fahrten ist dann doch das Kajak das Mittel der Wahl 😉

Unser letzter Sonnenuntergang in CA vom Board aus - ein Traum
Unser letzter Sonnenuntergang in CA vom Board aus – ein Traum

Unseren Abend beendeten wir – wie jenen zuvor – bei einem leckeren Abendessen an Deck. Danach verfasste ich diese Zeilen und Dani bereitete unsere Abreise morgen vor. Vielleicht schaffen wir es vor der Abfahrt in Richtung Flughafen gegen 10:30 Uhr morgen nochmals für ein paar Minuten auf das Wasser – wäre ein toller Abschluss. Anschließend sollten wir gegen 13:00 Uhr am LAX ankommen, bevor um 15:00 Uhr unser Abflug in Richtung Herbst geplant ist. Ich bin mir dennoch sicher, dass diese zwei (eigentlich nur 1,5 Tage) nicht unsere letzten in Newport Beach waren.

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