New England States Tag 1: Maine

Es ist mal wieder so weit – ziemlich genau ein Jahr nach unserem Roadtrip durch das sonnige Kalifornien sind wir wieder in den Vereinigten Staaten auf Tour. Da der Familienrat einstimmig (…) beschlossen hat, dass eine Wiederholung des Vorjahresurlaubs nicht so richtig vielversprechend sein würde (ich möchte nicht unterschlagen, dass es auch abweichende Strömungen gab), sind wir dieses Mal nicht an der hippen Westküste, sondern haben uns auf eine Rundreise ab Boston begeben.

Von der für Ihre Elite-Universitäten bekannten Metropole geht es für uns zunächst weiter nach Nordosten (grobe Richtung: Bar Harbor), bis in die White Mountains, bevor wir erneut gen Süden drehen, nach New York fahren, dieses über die Hamptons nach Osten verlassen um an Ende der Tour hoffentlich ein paar entspannte Tage in Newport, Cape Cod und Boston zu verbringen. Lassen wir uns überraschen 🙂

— Tag 00: Mietwagen (3) —

— Tag 00: Rator (7) —

Aus Gründen akuter körperlicher Erschöpfung musste ich den Bericht des Anreisetags inklusive der Mietwagenauswahl ausfallen lassen bzw. verschieben, so dass wir direkt in unseren Tagesreport des ersten vollen Tags an der Ostküste einsteigen. Zu Erinnerung: Unseren ersten vollen Tag in Florida verbrachten wir in Miami, am ersten vollwertigen Reisetag in Kalifornien haben wir Los Angeles unsicher gemacht – bei kuschligen 41,5°C tagsüber und über 37°C nachts. Unsere Beziehung zu Maine begann nach einer erholsamen Nacht gegen 07:00 Uhr etwas „unterkühlter“ – bei Nebel, leichtem Nieselregen (aber nur manchmal) und 20°C. Nunja, ein bisschen wollten wir es ja auch so 😉

— Nebel-Foto (4) —

Die erste Station des Tages stellte ein Besuch an Tide Pools keine 2km von unserem Hotel in Wells entfernt, dar. Obwohl der kleine Ort gefühlt am Ende der Welt liegt, war zunächst eine Parkgebühr via Kreditkarte zu entrichten (3 USD), bevor wir uns den Weg durch den Nebel zu den „Gezeitentümpeln“ suchten. Die guten Nachrichten zuerst: Wir hatten Niedrigwasser und es war wärmer als gedacht. Die schlechten Nachrichten: Es war mindestens 10 Grad zu kalt, 100% zu neblig und meine Brille mochte die Gischt nicht. Aber da wir ja noch ganz am Anfang unseres Abenteuers stehen und hochmotiviert sind, konnten uns diese kleinen Startschwierigkeiten gar nichts anhaben. Mit ungebrochenem Enthusiasmus kraxelten wir über die glitschigen Steine, beobachteten das überraschend rege Treiben der Schnecken im Brackwasser, stalkten einen nervösen Einsiedlerkrebs und erfreuten uns an den überraschend intensiven Farbwechseln, die sich ergaben, sobald auch nur ganz wenige Sonnenstrahlen durch das Grau drangen (die Steine leuchten dann gleich unerwartet grün / gelb). Es war ein toller Einstieg in den Urlaub am Meer – nur etwas konträr zu unseren Erlebnissen in den Vorjahren.

— Tide Pools & Füße (15) —

Von Wells aus ging es rund 1h später gen Norden zu einem Punkt Namens „Two Lights“ – von dieser Spitze einer Landzunge sollte man „eigentlich“ gleich zwei Leuchttürme sehen können. Sah man nicht – nur Nebel. Dafür hatten wir (Ebbe sei Dank) ausführlich Gelegenheit über eine große Fläche von Schiefersteinen zu kraxeln, die aussahen wie versteinertes Treibholz. Das klingt jetzt ziemlich banal, aber die Landschaft sah wirklich sehr beeindruckend aus und wenn wir jemals die Fotos bearbeitet online stellen, kann ich das auch beweisen 😉 Nebenbei haben wir unser erstes 360°-Foto dort aufgenommen, was ebenfalls ein ziemlich interessantes Format der Konservierung von Erinnerungen ist. Außerdem gab bzw. gibt es bei „Two Lights“ einen sehr großen Lobster Shack, der aber touristisch orientiert erst um 11:00 Uhr öffnet – deutlich zu spät für uns.

— Schiefer (22) —

Anschließend fuhren wir weiter Richtung Popham State Park, der sich auf einer Schereninsel befindet. Die gesamte Region sieht aus wie eine wilde Kreuzung aus norwegischer Landschaft und amerikanischer Architektur. Von einem „alten“ Fort aus spazierten wir den „Fjord“ entlang in Richtung Meer und ließen uns von den vielen Herrenhäusern begeistern, die jeweils eine eigene Insel exklusiv zu besetzen scheinen. Der Strand war hier super breit und der Sand sehr warm, so dass bestes Küstenflair aufkam. Da wir noch etwas mit der Zeitanpassung zu kämpfen hatten, machten wir eine kurze Pause ganz nah an der Dünung – ein tolles Mittagsschläfchen begleitet vom Rauschen der Wellen. Als wir wieder am Auto ankamen, herrschte am Parkplatz großes Gedränge – inklusive einem TV-Team. Wie wir erfuhren, sollte der neuste Zerstörer der US Marine irgendwann zwischen 15:00 und 17:00 Uhr hier vorbeikommen – interessant, aber soviel Zeit hatten wir nicht.

— Männchen am Strans (33) —

So fuhren wir die Route die wir gekommen waren in Gegenrichtung zurück und anschließend auf die nächste Halbinsel. Unterwegs kamen wir in Bath vorbei und konnten – neben der gigantisch großen Werft – auch das besagte Schiff sehen. Eine wirklich imposant Erscheinung. Das nächste Zwischenziel am Ende der Five Islands Road war dann eher enttäuschend: Insgesamt 5okm Fahrt um an einem einsamen Platz mit einem geschlossenen Lobster Shack zu stranden. Zugegeben, die Aussicht war dennoch ganz nett.

— Foto Werft (36) —

Also fuhren wir wieder zurück, um bei der Rückkehr auf das Festland zu bemerken, dass sich der Zerstörer gerade von der Anlegestelle löste. Also änderten wir kurzerhand den Kurs, suchten uns in letzter Minute einen Parkplatz mit Blick auf das Wasser und erhaschten doch noch einen schnellen Blick und ein paar spontane Fotos von dem Monstrum. Wenn die Bilder hier jemals zu sehen sein werden, wird sicherlich schnell klar, warum so viele Zuschauer so eine Aufregung um das „Boot“ gemacht haben.

— Zerstöööhrer (44) —

Nach diesem unterwarteten, wenn doch aufregenden, Highlight begaben wir uns auf den Weg zum Pemaquid Point Lighthouse Park. Da es bereits kurz vor 17 Uhr war, durften wir das Kassierhäuschen ohne Bezahlung passieren – jedoch blieb uns dadurch auch ein Besuch im hiesigen kleinen Museum verwehrt. Wir wurden aber durch einen phänomenalen Ausblick über die Klippen und auf den Leuchtturm entschädigt. Die tief stehende Sonne warf ein tolles Licht und zurückblickend hätten wir hier noch viel länger verweilen sollen.

— Spiegelnder Leuchtturm (52) —

Unser letztes Ziel des Tages war das Owl Head Lighthouse – ein Leuchtturm auf der insgesamt dritten von uns besuchten Schereninsel. Unterwegs waren wir sehr skeptisch, ob wir überhaupt noch vor dem Sonnenuntergang ankommen würden – denn selbiger soll am Leuchtturm gemäß Schilderungen aus diversen Reiseführern ein absolutes Highlight sein. Wir schafften es. Vor dem Sonnenuntergang – und wir waren ganz allein am maritimen Signal für verirrte Seefahrer – und es war enttäuschend. Der Blick war „ganz nett“, aber definitiv keine Eile und eigentlich auch keinen Umweg wert.

— Owls Head (57) —

Nach einem ziemlichen langen Tag wurde es nun Zeit in unsere zweite Unterkunft einzuchecken – ein nettes Hotel in Rockport nördlich von Bristol. Morgen wartet die Weiterfahrt nach Bar Harbor auf uns, wo wir zwei Nächte verbringen werden – ich bin gespannt. Im Laufe des Tages klarte auch das Wetter deutlich auf, so dass die Vorzeichen für die nächsten Tage mehr als gut aussehen. Wir werden berichten 🙂

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