New England States Tag 2: Going North

Der zweite Tag unserer Rundreise durch die Neu England-Staaten liegt gerade hinter uns, die Cocktails aus der lokalen Restaurant-Empfehlung wirken noch nach und ich bin aufgefordert von den Erlebnissen des Tages zu berichten – nun gut, gehen wir es an.

Eigentlich war es ein nahezu perfekter Tag, fast wie aus dem Bilderbuch. Bis auf den dichten Nebel (Sichtweiten teilweise unter 50 Meter), und den Regen (nur zeitweise), und das schwüle Wetter, und die Menschenmassen an den touristischen Highlights – aber in Summe war es Urlaub, mit ganz viel Zeit nur für uns und ganz viel Spaß – und deshalb dennoch super.

Fangen wir mit der morgendlichen Stärkung an, die ein echtes Highlight war: Sehr variantenreiches Frühstück unter freiem Himmel auf der Terrasse des Motels stellte einen idealen Start in den Tag dar. Ernsthaft – viel besser und motivierender kann man kaum in den Tag starten (außer wenn man mehr als 100m weit sehen könnte, aber beim Essen stört das ja nicht 😉 ).

Nachdem wir unsere Unterkunft hinter uns gelassen hatten, stoppten wir wenige Kilometer später in Camden – unsere ersten Station des Tages. Camden wirkt wie ein touristisch aufpoliertes, kleines Fischerdorf, das primär von ca. 500m fast schon kitschiger Hauptstraße und dem Hafen lebt. Wir haben uns beides bei einem kleinen Spaziergang angeschaut und für durchaus nett befunden. Etwas Unspektakulär vielleicht, aber wer Las Vegas in Maine erwartet hat, muss sich vielleicht auch unrealistische Erwartungen vorwerfen lassen (nebenbei: Heute vor einem Jahr ging unser Flug nach LA).

Auf dem Weg gen Nordosten legten wir einige Meilen später einen weiteren Zwischenstopp ein – dieses Mal in Fort Knox in der Nähe von Bucksport. Die schlechte Nachricht zuerst: Es gab kein Gold. Die Aussicht über die neu gebaute Brücke inklusive Aussichtsebene („Observation Deck“), welches übrigens höher als die Freiheitsstatue ist, war ziemlich beeindruckend. Nicht atemberaubend, aber wir waren ja auch an der Penobscot Bay und nicht über der Golden Gate Bridge 😉 Besser als das Observatory hat mir das Fort gefallen, dass – obgleich es sehr ähnlich zu vielen anderen seiner Art in Amerika ist – deutlich besser als der uns bisher gezeigte Durchschnitt erhalten ist und es wesentlich mehr zu entdecken gibt. So kann man nicht nur drei Kanonen-Batterien außerhalb des Forts erkunden, sondern auch diverse Räume (teilweise mehretagig und sehr großzügig geschnitten) im Inneren. Das Fort bietet tolle Sichtachsen und Perspektiven auf die umliegende Landschaft und macht daher den Eintrittspreis von immerhin 14$ für zwei Personen aus meiner Sicht lohnenswert. Im Fort und der Brücke kann man sehr leicht 1,5 – 2h überbrücken, ohne das man den Besuch unnötig in die Länge zieht.

Von Bucksport aus steuerten wir auf nahezu direktem Weg Bar Harbor bzw. Mount Desert Island an. Mount Desert Island ist ein recht attraktiver Nationalpark, der zahlreiche Highlights für Wanderer, Fahrradfahrer und weitere „Extremsportler“ (z.B. Kletterer) bietet. Wir beschränkten uns zunächst – auch mit Hinblick auf das nach wie vor sehr suboptimale Wetter – auf eine Erkundungstour mit dem Auto, ergänzt durch mehrere Zwischenstopps. Dabei zeigte sich, dass insbesondere das Verkehrsnetz der Insel hervorragend ausgebaut ist. Die meisten Abschnitte der touristischen Hauptroute sind als Einbahnstraße ausgeführt, so dass man auf spezifische Verkehrssituationen kurzfristig reagieren kann. Anders gesagt: Besonders „entspannte“ Trödler kann man kurzerhand ganz legal überholen. Unsere Versuche diverse Highlights entlang der Route zu besuchen, waren dennoch nur bedingt erfolgreich – sehr hohe Auslastung der Parkplätze, sehr viele Besucher, sehr schlechte Sicht. Am Thunderhole (einer Felsformation mit angeblich beeindruckender Gischt) war derart viel los, dass man sich an Massentourismus auf Mallorca erinnert fühlt. Wir zogen daher einigermaßen schockiert sehr schnell weiter. Am Ottercliff hatten wir mehr Glück: Entlang unserer ca. 800m langen Wanderung an der Küstenlinie konnten wir immer wieder spannende Ausblicke erhaschen und nahezu ununterbrochen einer wild läutenden Rifftonne lauschen – das Kliff ist optisch (soweit wir das heute erfahren konnten) schon sehr beeindruckend. In Abhängigkeit der Tide kann man mal mehr, mal weniger erspähen, in jedem Fall sind die extremen Tiefen direkt hinter der Kante des Wanderweges sehr beeindruckend.

Vom Ottercliff aus ließen wir uns die Chance kurzfristig auf den Cadillac Mountain zu fahren nicht nehmen. Wie durch ein Wunder hatten wir keine anderen, verängstigten Verkehrsteilnehmer vor uns, so dass wir den Gipfel problemlos und noch bei Tageslicht erreichten. Oben angekommen hatte die Sichtweite ihren Tagestiefpunkt erreicht, was aber ebenfalls durchaus faszinierend war. Nachteilig war die extrem hohe Luftfeuchtigkeit des Nebels allerdings für unsere Frisuren und unser Equipment: ein richtig gutes Gefühl hat man der Digitalkamera gegenüber bei diesen Bedingungen natürlich nicht. Wir haben dennoch einen kleinen Spaziergang unternommen und die (gefühlte) Abgeschiedenheit des Berggipfels mitten im Nebel genossen – eine durchaus coole Erfahrung.

Im Anschluss fuhren wir nach Bar Harbor, um in unsere sehr „niedliche“ Unterkunft einzuchecken. Es handelt sich um ein historisches Gebäude mit drei Stockwerken ohne Fahrstuhl, so dass sich insbesondere der Einzug durchaus spannend gestaltet. Auch sonst hat es etwas Geschick erfordert sich häuslich einzurichten, erlaubt es das kuschlige Zimmer doch kaum unsere Habe adäquat auszubreiten. Wir haben es dennoch geschafft alles unterzubringen, so dass wir nach rund einer Stunde zu einer Erkundung der Stadt aufbrechen konnten.

Was soll ich sagen: Bar Harbor ist schon cool. Ich würde es als Mischung aus Key West und Carmel by the Sea bezeichnen. Teilweise pompöse Anwesen, teilweise fast schon fragwürdige Lokale in der Innenstadt – ein durchaus interessantes und definitiv spezielles Bild. Wie auch in Key West wird der Tourismus inklusive der üblichen, stereotypischen Ansprüche aus meiner Sicht sehr intensiv und bedingungslos adressiert. Wer würde aus vernünftigen Gründen schon auf die Idee kommen eine „Sunset Cruise“ mit einem alten Segelschoner bei 0 Windstärken und Nebel zu unternehmen? Macht nix, die Gäste schienen trotzdem glücklich zu sein.

Einen finalen Regenschauer (der durfte natürlich nicht fehlen) passten wir zum Glück in unserer Unterkunft ab, bevor wir zum Abendessen „Downtown“ aufbrachen. Einer Empfehlung des Hotels folgend besuchten wir eine sehr nette Bar, die uns an das Hard Rock Cafe in Key West erinnerte – eine schöne Art den Tag ausklingen zu lassen.

Morgen werden wir recht früh in den Tag starten, um das besser werdende Wetter (wir hoffen einfach mal, dass sich der Wetterbericht nicht irrt) so intensiv wie möglich auszunutzen und den Acadia Nationalpark intensiv zu erkunden. Ich bin schon sehr gespannt, ob wir dann die vermisste Rifftonne erspähen können 😉

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