New England States Tag 3: Acadia

Tag 3 unserer Reise in den Nordosten der USA stand ganz im Zeichen der Natur und ausgiebiger Spaziergänge. Auf Grund der „etwas“ deprimierenden Wetterverhältnisse am Vortag beschlossen wir die Nacht mit Hinblick auf eine angestrebte Ergebnisintensivierung zu verkürzen und noch vor 07:00 Uhr in unser Erlebnis Acadia zu starten.

Etwas nachteilig gestaltete sich in diesem Zusammenhang die Frühstücks-Offerte in unserer sonst sehr urigen und gemütlichen Unterkunft: Speisen werden nur zwischen 08:00 und 10:00 Uhr gereicht. Hoch motiviert beschlossen wir daher ohne morgendliche Nahrungsaufnahme aufzubrechen bzw. diese auf einen Snack im Rahmen unserer ersten Wanderung zu verlagern – okay, manchmal muss man sich halt auch in Verzicht üben.

Unsere Fahrt in den Park begann dann erneut etwas enttäuschend: Zwar war es angenehm leer (wirklich eine immense Wohltat gegenüber dem Vortag), aber der Nebel war – absolute Windstille sei Dank – geblieben. Also hatten wir die Felsen zwar für uns, konnten aber dennoch nicht erkunden, wo sich die so nahklingende Rifftonne befand. Den Spaß am Thunderhole – am Donnerloch – ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Es handelt sich dabei um eine Art Grotte, in die das Wasser strömungsbedingt mit den Wellen eindringt und je nach Intensität der Bewegung keine andere Option hat, als Wild in die Höhe zu spritzen. Außerdem erzeugt es dabei ein Geräusch, das in der Tat wie ein kurzer, aber kräftiger Donner klingt. Wir haben so ähnliche „Phänomene“ schon in Kalifornien im Point Lobos Statepark und zum Beispiel auf den Azoren an den Termas da Ferrarria (von mir liebevoll Ferrari-Thermen genannt) gesehen, aber das Thunderhole im Acadia ist ganz besonders beeindruckend. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass zum Zeitpunkt unseres Besuchs Niedrigwasser und relativ wenig Bewegung im Meer war – bei Sturm bleibt hier sicherlich wortwörtlich sicher kein Auge trocken.

Nach dem Besuch an der Donnergrotte fuhren wir wenige Meter weiter zum Parkplatz am Gorham Mountain Trail. Dieser beginnt landschaftlich sehr beeindruckend mit einem sanften Anstieg, der komplett über relativ glatte Felsen führt. Sieht im Prinzip ein bisschen aus, wie fast jedes Sandsteingebirge in Deutschland, wandert sich aber sehr schön. Dank der hervorragenden Ausschilderung in Form sehr frequent aufgebauter Steinformationen kann man sich praktisch nicht verlaufen und sich ganz auf das Naturerlebnis einlassen, dass sich einstellt, wenn man bei 23°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit beginnt einen Berg zu erklimmen. Damit es nicht zu langweilig wird, bogen wir zwischendurch auf den Cadillac Cliff Trail ein, der das Schwierigkeitslevel nochmals ein wenig intensivierte.Hier ging es stellenweise schon mal über Steigeisen und durch ganz kurze „Höhlenabschnitte“ – ziemlich cool. Auf dem Mount Gorham angekommen wurde es endlich Zeit für das verdiente Frühstück in Form ganz leckerer Bagel nebst Schokokeksen und „Poland Springs“-Water – ein Genuss. Leider blieb uns die sicherlich extrem faszinierende Aussicht auf das Meer verwehrt, so dass wir dessen Nähe durch das permanente Brummen der Motoren der Krabbenkutter antizipieren mussten. Im weiteren Verlauf ging es mal mehr, mal weniger steil bergab, bevor wir einige Kilometer später wieder am Wanderweg parallel zur Park Loop Road herauskamen. Da dieser Abschnitt eher weniger malerisch war, lasse ich eine weitere Beschreibung aus.

Zurück am Auto trockneten wir kurz unsere etwas durchgeschwitzte Kleidung („Deuter hat versprochen, dass der total atmungsaktiv ist“), bevor wir weiter in Richtung Ship Harbor im Südwesten fuhren. Hier parkten wir direkt an der Straße und folgten dem ca. 1km langen Wonderland-Trail (cooler Name, oder?) zum Meer. Bei der Einfahrt in den Park hatten wir uns zur Bewunderung des 15 Minuten langen Imagefilms überreden lassen, in welchem „Gezeitentümpel“ (Tide Pools) gezeigt wurden und gemäß Schilderung der freundlichen Volunteers sollten die Aufnahme genau an dem von uns nun angesteuerten Ort entstanden sein. Seit Point Lobos sind wir totale Tide Pool-Fans und waren sehr gespannt, ob wir nun hier Seesterne und See-Igel entdecken würden. Taten wir nicht. Neue Erkenntnis: Manche Gezeiten-Becken sind großflächig mit Seegrass überzogen, welches man auch im trockenen Zustand nicht so wirklich durchqueren möchte. Macht nichts, zumindest das Wetter spielte nun endlich mit und verwöhnte uns mit blauem Himmel, 30°C und guter Sicht.

So traten wir die Rückreise in Richtung Bar Harbor an, nicht ohne Zwischendurch Halt in Southwest Harbor zu machen. Hier nahmen wir im netten Restaurant „The Upper Deck“ eine leckere Stärkung mit toller Sicht über den Hafen zu uns – sehr nett und dringend benötigt. Anschließend fuhren wir über mehrere kleine Zwischenstopps zu einem Parkplatz nördlich von Northeast Harbor, um eine weitere Wanderung über die sog. Carriage Roads zu unternehmen. Es handelt sich dabei um befestigte Wege durch den Nationalpark, die von der Fam. Rockefeller erworben und bewusst nicht geteert, sondern in diesem Zustand erhalten wurden (historische Ungenauigkeiten seien dem Autor bitte verziehen). Diese werden nun mehr oder weniger intensiv von Fahrradfahrern, Wanderern und Reitern frequentiert und intensiv beworben. Was soll ich sagen: Der Spaziergang über die sehr gut ausgebauten Wege führt durch schöne Natur, ist sehr trittsicher und bestens ausgeschildert. Unterwegs gibt es immer wieder schöne Steinbrücken zu bestaunen, an denen man meist auch auf etwas „wildere“ Trails abbiegen kann. Diese sind dann – wir haben das ausprobiert – etwas unterhaltsamer, aber dennoch gut ausgeschildert. Ab und an gibt es kleine Bäche, niedliche Holzbrücken und schöne Sichtachsen zu bewundern – alles in allem sehr nett. Positiv ist die Abgeschiedenheit dieser Region, die ebenso wie Southwest Harbor zuvor bei Weitem nicht so frequentiert ist, wie die Park Loop Road mit den klassischen Hotspots Thunderhole, Sand Beach, Jordan Pont und Ottercliff. Dennoch fanden wir die Carriage Roads jetzt nicht so beeindruckend, dass wir das Bedürfnis verspürt hätten die Wanderung signifikant auszudehnen. Ein Abstecher zum Bee Hive Trail mit Steigleitern bei Sonne würde mich da schon mehr reizen.

So kamen wir nach rund 2h wieder am Auto an und steuerten nochmals den Parkplatz am Ottercliff an – wir wollten wenigstens einmal die Aussicht mit Sonne und blauem Himmel genießen. Dies hat erstaunlich gut funktioniert, so dass wir nun auch endlich (!) die Rifftonne erspähen konnten, die, wenn man einmal die wilde Gischt ganz in ihrer Nähe gesehen hat, völlig zu Recht ununterbrochen läutet. Am Ottercliff wurden wir ein Weiteres mal mit einer auffälligen Besonderheit während unseres Besuchs hier konfrontiert: Das Durchschnittsalter ist extrem hoch und viele „Abenteurer“ scheinen den körperlichen Herausforderungen der lokalen Attraktionen teilweise nicht (mehr) gewachsen zu sein. Wenn man erwachsene Menschen beim Aufstieg vom Ottercliff zurück zur Straße an 30cm hohen Treppenstufen verzweifeln sieht, tut das schon weh.

Nach dem Ottercliff fuhren wir ein weiteres Mal über die Park Loop Road und kamen ca. 40 Minuten später in Bar Harbor an. Hier duschten wir kurz, bevor wir uns auf einen Spaziergang in die niedliche „Innenstadt“ und an den Hafen begaben – auch hier wollten wir nochmals die Aussicht ohne Nebel und bei Tageslicht genießen. Dabei bestätigten sich im Wesentlichen unsere Impressionen von gestern: „Bahaba“ ist malerisch, recht kompakt, ziemlich überlaufen, sehr klischeehaft und dennoch schön. Die Aussicht auf die kleinen Boote im Sonnenuntergang ist schon ziemlich stimmungsvoll und die Utensilien der Fischer bieten immer wieder interessante Motive mitten im geschäftigen Treiben (wie schön wäre es, wenn wir jetzt schon Fotos hier hätten). Unterwegs genossen wir übrigens je eine Scoop Eis für nur 4,10$ pro Stück, wobei die Portionsgröße eher 3-4 Kugeln nach europäischem Standard entsprach. So gestärkt beschlossen wir das Abendessen hinter die Stoßzeit zu verlegen und dafür das Bloggen nebst Packen etwas vorzuziehen.

Morgen früh werden wir nochmals den Acadia unsicher machen, bevor wir gegen Mittag die rund fünf stündige Fahrt nach Conway im Westen antreten werden. Hier werden wir vielleicht noch einen kurzen Shopping-Stopp einlegen, bevor wir übermorgen die White Mountains unsicher machen werden.

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