New England States Tag 4: Hello, New Hampshire

Nachdem ich in der Zwischenzeit erfahren habe, dass unser Reisebericht tatsächlich von ganz lieben Menschen tagesaktuell verfolgt wird, fühle ich mich natürlich aufgefordert auch an Transfertagen – wie heute – zumindest einen kurzen Abriss über unsere heutigen Erlebnisse zu geben.

Fangen wir mit einem der angenehmen Aspekte des Tages an: dem Frühstück. Da wir uns heute trotz günstiger Wetterbedingungen (0% Bedeckung zum Sonnenaufgang) gegen einen Early Bird Trip zum Cadillac Mountain entschieden haben, hatten wir durch eine zeitlich optimierte Planung unserer morgendlichen Tätigkeiten die Gelegenheit in den Genuss des hausgemachten Frühstücks in unserer Unterkunft zu kommen. Dieses war – wie wir bereits antizipiert hatten – großartig. Also zumindest von der Auswahl und vom Geschmack her. Die etwas „gediegene“ (man könnte auch sagen düstere) Atmosphäre nebst „Wir klatschen unseren Namen“-Musik aus dem BOSE-System war im besten Fall etwas speziell – aber der Start in den Tag war gesichert.

Anschließend steuerten wir – wie gesagt bei besten Bedingungen – den Cadillac Mountain an. Wie durch eine große glückliche Fügung hatten wir erneut keine Hindernisse auf der Straße und erreichten unser Ziel weniger als 15 Minuten nach Verlassen des Hotels (Einschub: Du merkst, dass du diesen Sommer zu viel Porsche gefahren bist, wenn du vor einer Kurve gedanklich die Kupplung trittst, in den zweiten Gang schaltest, das Zwischengas förmlich hören kannst und du mit jeder Faser spürst, wie dich das Sperrdifferential bei zunehmender Querbeschleunigung aus der Kurve zieht. Wenn du dich dann dabei ertappst die hierzu passenden Geräusche leise [?] zu imitieren, kannst du dir bezüglich deiner Diagnose 100%ig sicher sein).

Oben angekommen war es sehr faszinierend das Kontrastprogramm zu unserem letzten Besuch zu erleben. Statt dickem Nebel gab es in alle Richtungen eine grandiose Aussicht zu bewundern, die zusätzlich durch den Umstand aufgewertet wurde, dass in der Bucht unmittelbar vor Bar Harbor ein großes Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte. Ich fühlte mich sofort wahlweise an Fluch der Karibik oder Master and Commander erinnert, so „dominant“ wirkte das riesige Schiff in der kleinen Bucht vor dem fast schon winzigen Hafen. Die Anleger von Bar Habor sind in der Tat so klein und so flach, dass permanent zwei Shuttle-Boote zwischen dem Kreuzfahrer und dem Kai pendelten. Auch sonst war es faszinierend den Fast-Rundumblick über Mount Desert Island zu genießen und die verschiedenen Stationen unseres Besuchs nach und nach zu entdecken. Rückblickend betrachtet ist es sicher keine schlechte Idee den Cadillac Mountain frühzeitig zu besuchen und so ein gutes Verständnis für den Aufbau des Parks zu bekommen – zumindest falls die Sicht mitspielt 😉

Vor der höchsten Erhebung der Region aus steuerten wir noch einmal meinen Lieblingsplatz im Nationalpark an: das Ottercliff. An der Klippe sitzend dem Rauschen der Wellen und dem Läuten der Rifftonne (ich weiß, könnte das Wort der Woche werden) zu lauschen, ist zusammen mit der fantastischen Weitsicht einfach eine sehr schöne und beruhigende Erfahrung. Sozusagen perfekt als akustische Untermalung zum Einschlafen nach einem harten Tag. Dani schlug bereits vor eine solche Tonne auf unserem Balkon zu installieren – wir konnten das noch nicht abschließend klären.

Anschließend verließen wir den Park auf direktem Weg zurück nach Bar Harbor, da uns die freundliche Dame an der Parkinformation neben dem „spannenden“ Tipp bezüglich der Tide Pools von gestern zusätzlich den Rat gegeben hatte die Sandbänke vor Bar Island bei Ebbe zu erkunden – der ideale Zeitpunkt sei gegen 10:30 Uhr. Wir waren 10:20 Uhr da und sofort sehr positiv überrascht. Bei Niedrigwasser kann man von Bar Harbor aus trockenen Fußes auf einer sehr breiten Sandbank nach Bar Island laufen (und übrigens auch fahren, man darf nur nicht auf dem vom Wasser bedrohten Bereich parken) und dabei ganz entspannt im flachen Wasser spazieren, Möwen bei der Jagd nach Krebsen beobachten und das Panorama der Bucht bewundern. Insbesondere mit dem großen Kreuzfahrtschiff im Hintergrund ergab sich eine faszinierende, fast schon unwirkliche Szenerie – es wird wirklich Zeit für Fotos. Wie fast überall in der Natur ist es übrigens sehr beeindruckend, von wie vielen Lebewesen man umgeben ist, wenn man einfach mal zwei Minuten im flachen Wasser still stehen bleibt. Plötzlich schwimmen überall kleine Fische, durchsichtige Mini-Garnelen krabbeln über den Grund (ja, ein Biologe ist definitiv nicht an mir verloren gegangen) und kleine Krebse verstecken sich ängstlich unter Steinen – schon cool.

Nachdem wir die Sandbänke und das flache, warme Wasser ausgiebig erkundet hatten, wurde es Zeit Mt. Desert Island bzw. dem Acadia Nationalpark den Rücken zu kehren. Als wir vor zwei Tagen ankamen, hätte ich nicht gedacht, dass uns dieser beschauliche Fleck Erde so ans Herz wachsen würde. Der Nationalpark mit Bar Harbor als Epizentrum ist sehr facettenreich, angenehm belebt (an manchen Stellen zu belebt) und dabei noch „greifbar“. Die Hotspots sind überschaubar und gut erreichbar, die Trials übersichtlich und nicht zu monoton und die Distanzen nicht zu lang. Insgesamt aus meiner Sicht eine ganz tolle Empfehlung für zwei bis drei Nächte.

Nun begann der langweilige Tag des Tages: Rund 4h Fahrt gen Westen nach North Conway, recht knapp hinter der Grenze zu New Hampshire gelegen. Unterwegs wurde uns wieder einmal der Pragmatismus des amerikanischen Straßenbaus vor Augen geführt. Da fährst du einen geteerten, ebenen, ziemlich geraden Highway (!) entlang, der plötzlich quasi im Nichts endet. Ernsthaft, plötzlich endet der Teer (manchmal fährt man dann wirklich nur noch auf fester Erde, manchmal zumindest auf Resten von Asphalt), große Schlaglöcher tun sich auf und man fragt sich, ob die Welt gleich endet. In den meisten zivilisierten Ländern dürfte man solche Strecken vermutlich gar nicht legal mit Mietwagen befahren („keine unbefestigten Straßen“). Wir haben dieses „Happening“ nun mehrfach in Maine erlebt und insbesondere heute zog es sich über mehr als 10 Meilen in die Länge – schon heftig. Heftig ist vermutlich auch die Job-Beschreibung der sog. Flagger – das sind die armen Jungs und Mädels deren Pendant in Zentraleuropa Baustellenampel heißt. Ernsthaft, ich habe keine Ahnung, wie man acht Stunden oder mehr am Tag sein „Stopp“-Schild anschauen und dieses periodisch auf „Slow“ drehen kann – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unsere nächste Übernachtungsstation in North Conway – direkt an den White Mountains. Leider verlief unsere Ankunft nicht ausschließlich positiv: Es regnete und unser Hotel (140$ / Nacht) war etwas „speziell“ (das ist das freundliche Wort für total daneben). Eine Auswahl der bemerkenswerten Features: Frühstück nach vordefiniertem Menü ohne Auswahl, Frühstück in Gruppen nach vorausgewählter Terminoption, Haare der Vormieter an diversen Stellen im Raum – damit man sich zu Hause fühlt, WLAN nur sporadisch an wechselnden Positionen im Raum, gut eingewohnte Innenausstattung aus den 80er Jahren – garantiert gut ausgelüftet und eingewohnt. Suboptimal und definitiv nicht zum Wohlfühlen, aber wir werden hoffentlich weiter ziehen, bevor die negativen Schwingungen auf uns abfärben können.

Den Abend verbrachten wir dann im hiesigen, Settlers Green genannten, Shopping-Center. Dieses ist zwar nicht als klassisches Outlet-Center geführt, aber in New Hampshire wird für Kleidungsstücke bis 150$ Warenwert kein Sales Tax (also keine Mehrwertsteuer) fällig. Dadurch ergeben sich zumindest in der Theorie ganz nette Möglichkeiten für Schnäppchen, die wir zumindest bedingt erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. Im Vergleich zu Kalifornien und vor allem Florida sind die lokalen Shopping-Möglichkeiten aber eher enttäuschend – sowohl was das Design der lokalen Stores, als auch was die Preise und Auswahl angeht. Insbesondere die Malls in Florida waren hier schon ganz weit vorn.

So neigt sich unser vierter Tag in Nordamerika dem Ende – und wir sind nach wie vor guter Laune. Wir haben schon einige sehr schöne Momente erlebt, die ein oder andere Enttäuschung verdaut und gemeinsam sehr viel gelacht. Morgen werden wir (hoffentlich) die White Mountains erkunden und dabei vermutlich stellenweise die aktuellen Temperaturen in Deutschland um 50% unterschreiten – falls wir nicht erfrieren, werde ich an gewohnter Stelle berichten 😉

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