New England States Tag 7: New York Part I – die Druckbetankung

Man stelle sich bitte kurz folgende Geräusche in wilder Mixtur vor: Rangierende LKWs, Hubschrauber, zirpende Grillen, Rüttelplatten, Autos, Flugzeuge, hupende Fahrzeuge, laute Musik, das Gebrabbel unzähliger Menschen, Werbereklamen, Polizei- und Rettungswagensirenen und dazu noch die U-Bahn, die im Untergrund immer mal deutlich wahrnehmbar vorbeirauscht. Der geneigte Leser möge bei Interesse bitte tatsächlich zumindest kurz versuchen alle diese Töne laut abzumischen (Referenzlautstärke: direkt neben einem laufenden LKW stehen .. Abstand vom Motor 1m), dann ergibt sich ein – zumindest meiner Meinung nach – einigermaßen realistischer Eindruck der Klangkulisse in New York City.

Nachdem wir uns nun gemeinsam auf die Erlebnisse in der Stadt die niemals schläft eingestellt haben, kann ich ja ein wenig von unserem Tag berichten. Alles begann mit einem ausgedehnten Spaziergang – zur U-Bahn. Unser Integrationsprogramm für Weltbürger sieht nämlich vor auch das öffentliche Verkehrsnetz intensiv zu erproben und so wäre es natürlich eher unpassend schnöde im Hotel in Manhattan zu schlafen. Stattdessen haben wir das malerische Brookyln als Ort unserer Übernachtung gewählt, wobei die Eindrücke je nach Kreuzung von „Wow, coole Lofts mit beeindruckenden Dimensionen“ bis zu „Ich bin ein verirrter Reisender, holt mich hier raus“ reichen. Insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit kann das zuweilen schon mal spannend sein, wobei ich mittlerweile glaube, dass der Stadtteil wirklich sicher ist und man sich etwaigen Stress wirklich nur selbst macht. Kurze Erklärung zu unserer eher ungewöhnlichen Standortwahl: Aktuell findet die New York Fashionweek statt, was die Verfügbarkeit von Hotels in Manhattan extrem einschränkt.

Mit der Subway fuhren wir anschließend „nur“ ca. 25 Minuten nach Downtown Manhattan. Für jemanden der New York das erste Mal besucht, ist es schon ein ziemlich spannender Moment, wenn man die sehr heiße U-Bahn-Station verlässt (sicher über 25°C Lufttemperatur), der Treppe folgt und sich noch unterwegs fragt, wie die Stadt nun wohl in der Realität aussehen wird. Die dann folgenden Eindrücke wiederzugeben, ist gar nicht so einfach. Es ist immer noch laut, die meisten Gebäude sind unglaublich hoch und unfassbar groß und die Baustile wechseln sich scheinbar willkürlich ab. Nach wenigen Minuten beginnt man zu verstehen, warum gefühlt 99% der anderen Passanten Earsticks oder Kopfhörer tragen – mit einer gewissen Schalldämmung ließe sich die Stadt sicherlich viel besser genießen.

Etwas kulturgeschockt spazierten wir also von unserem „Landungspunkt“ direkt in Richtung High Line Park. Bei selbigem handelt es sich um eine Art grüne Oase in der Stadt, die dergestalt realisiert wurde, dass eine alte Stadtbahnstrecke begrünt und zu einem Park umgestaltet wurde. Dort wo früher die Bahnen fuhren – die Gleise sieht man übrigens noch – wachsen jetzt jede Menge Büsche, Sträucher und kleine Bäume und es bieten sich fantastische Aussichten auf die Stadt. Fast könnte man den Park als Rückzugsort betrachten, wäre da nicht der auch dort sehr hohe Lärmpegel (und sei es von dem freundlichen Freiwilligen, der den Müll einsammelt und dabei seine Tonne mit immenser Lautstärke hinter sich herzieht). In jedem Fall ist der High Line Park ein tolles Refugium mitten in der City, in dem man locker 45 – 60 Minuten verbringen kann und der übrigens keinen Eintritt kostet.

Vom High Line Park aus begaben wir uns auf einen ausgedehnten Spaziergang (das Wort hat in diesem Kontext allerdings fast schon Marketing-Charakter) durch die Innenstadt. Bekannte Bauwerke und Orte wie den Madison Square Garden (hier ließen wir uns übrigens einen frisch gemachten Smoothie für 6$ pro Stück am One Penn Plaza schmecken – genial), das Rockefeller Center, die Fifth Avenue, das Empire State Building, die New York Public Library, die Grand Central Station (extrem beeindruckend – unbedingt anschauen!) und vor dem Mittagessen abschließend den Times Square erkundeten wir mit unterschiedlicher Intensität. Insbesondere der Times Square ist schon eine Attraktion für sich, kann man die vielen Eindrücke der unzähligen Bildschirme doch kaum Greifen – unvorstellbar, wie es hier bei Dunkelheit sein muss.

Nach einer dringenden benötigten Stärkung (ich gebe zu, der Aufenthalt im Restaurant diente eher der Erholung unserer Füße und Ohren sowie als willkommene Abkühlung bei 29°C Außentemperatur), begaben wir uns mit der U-Bahn in Richtung 9/11 Memorial. Das gesamte World Trade Center Areal befindet sich nach wie vor im Umbau, weshalb es auch hier zu teilweise chaotischen Zuständen und wildem Gewusel kommt. Die „Gedenkstätte“ am Ground Zero ist aber bereits seit 2014 fertigstellt und kann seitdem auch besichtigt werden. Ich denke es ist schwer die richtigen Worte für diesen Ort zu finden (die Menschen die grinsend für ein Selfie vor dem Mahnmal passieren, sind aus meiner Sicht jedenfalls deplatziert), weshalb ich es eigentlich gar nicht erst versuchen möchte. Belassen wir es dabei zu sagen, dass das zwei großen Bassins mit den tiefen Wasserfällen und ihren kupfernen Einfassungen, die die Namen der Opfer tragen, schon bewegend sind. Als Ort der Erinnerung zwar anders ausgeführt, als ich es vermutet hatte, aber meiner Ansicht nach durchaus angemessen und auch der Weltsicht der US-Bevölkerung (think forward) entsprechend.

Vom World Trade Center unternahmen wir einen zweiten Spaziergang in Richtung Lower Manhattan und schauten uns dabei insbesondere die Wallstreet bzw. die New York Stock Exchange, die Raging Bull Statue und die Trinity Church an. Insgesamt lässt sich festhalten, dass überall wahnsinnig viel los ist, in New York wesentlich mehr als im Rest der von uns bisher besuchten USA geraucht wird und die Polizei-Präsenz unglaublich hoch ist. Zumindest letzteres gibt einem aber durchaus ein gutes Gefühl und man umklammert die Digitalkamera nicht permanent bis zur Blutarmut 😉

Um 17:30 Uhr begann dann unsere „Besichtigung“ des One World Observatorys – zumindest eine der bekannten Aussichtsplattformen wollten wir natürlich besuchen. Die Formalien im Vorfeld sind ganz einfach und laufen schneller ab, als von uns vermutet. Zuvor ausgedruckte Tickets zeigen, kurzer Sicherheitscheck (inklusive Körperscanner), durch drei eher unspektakuläre Ausstellungsräume schländern und dann mit dem Fahrstuhl nach oben fahren. Selbiger ist komplett mit Videopanels bestückt, auf denen die Fahrt nach oben als Zeitreise illustriert ist – von der grünen Wiese bis zum heutigen Stadtbild. Das ist ziemlich cool, geht aber viel zu schnell. Oben angekommen, gilt es dann nochmals ein kurzes Video zu schauen, an dessen Ende die Projektsflächen nach oben gefahren werden und man erstmals die Aussicht präsentiert bekommt – das ist ganz nett, reicht aber z.B. nicht an den „Wow-Effekt“ im Kennedy Space Center heran, wenn man plötzlich die originale Atlantis zu sehen bekommt.

Anschließend darf man noch eine kostenpflichtige Fotooption auslassen, bevor man endlich auf das sogenannte „Discovery Level“ darf – jener Etage mit einer 360°-Übersicht über die Stadt. Was soll man hierzu schreiben: Die Weitsicht und das Panorama aus dem 104. Stock, 406,6m über dem Meerespiegel, sind schon sehr beeindruckend. Schön ist auch, dass man rundum ganz nah an die dicken Scheiben rankommt (also kein Gitter etc.) und so fast ohne jegliche Sichtstörung auf die Stadt schauen kann. Je nach Stadt der Sonne kann man einige Richtungen besser Überblicken (kurz vor Sonnenuntergang z.B. Downtown), während andere Regionen (bei uns die Freiheitsstatue) durch das krasse Gegenlicht eher schlecht zu erkennen sind. Es gibt aber keinerlei Zeitbeschränkung, so dass man sich so lange wie gewünscht auf dem Aussichtsdeck aufhalten und die verschiedenen Eindrücke intensiv genießen kann. Der gesamte Raum ist übrigens angenehm klimatisiert (keine Eiswürfel-Luft) und die Geräuschkulisse ist zumindest okay. Es gibt mehrere Bänke (direkt an den Scheiben kann man nicht sitzen) und zwei sehr interessante Infostände, an denen während unseres rund 1,5 stündigen Besuchs sehr interessante Vorträge auf rhetorisch sehr ansprechende Weise gehalten werden. Die in diesen Sessions vermittelten Tipps sind durchaus spannend, weshalb es sich lohnt das One World Observatory zu Beginn der einer NYC-Reise zu besuchen. Einzig unser Plan tolle Sonnenuntergangsfotos zu machen ist ein wenig gescheitert – bei einsetzender Dämmerung werden drinnen Lichter angeschaltet, so dass sich vermehrt Reflexionen in den Scheiben zeigen. Für spannende Bilder bei Nacht hätten wir noch deutlich mehr Geduld haben müssen – das war nach rund 30.000 Schritten an diesem Tag und vor dem Hintergrund der noch anstehenden Rückfahrt nicht mehr drin. Wir beschränkten uns daher auf einige Aufnahmen des 9/11 Memorials bei Dunkelheit, was ich ebenfalls sehr stimmig fand.

Abschließend noch ein Hinweis zum One World Observatory: Es gibt scheinbar keine Einschränkungen was das Mitbringen von Getränken angeht. Man sollte sich daher ggf. in adäquatem Umfang selbstversorgen, da im Shop auf dem Aussichtslevel schon ein einfaches Wasser 5 Dollar + Steuern für  500ml kostet – heftig.

Insgesamt war ich grundsätzlich positiv davon überrascht, was wir heute schon alles gesehen haben. New York ist jedoch ein gewaltiger Energie-Dieb und zwingt den Körper durch (zumindest in unserem Fall) hohe Temperaturen, viel Lärm und mitunter weite Fußwege in die Knie. Auch die Orientierung ist bei den herausfordernden Umweltbedingungen nicht immer trivial, so dass man den ein oder anderen Meter zusätzlich einkalkulieren sollte. Abgesehen davon ist es fast schon erschreckend, wie viele Optionen noch offen geblieben sind. Ob nun eine Bootstour, ein Musical auf dem Broadway, eine geführte City-Tour, ein Shopping-Trip, eines der vielen hochkarätigen Museen oder ein Sundowner auf der Rooftop war – man weiß gar nicht, was man zu erst machen soll. Wir werden es morgen mal mit einem Besuch auf Ellis Island und im Central Park versuchen und schauen, wie wir den Tag sonst noch gestalten. Ich werde wie immer versuchen zu berichten und hoffe, dass meine kurze Schilderung über unsere ersten Eindrücke von New York interessant und kurzweilig war 🙂

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