New England States Tag 8: New York Part II – Es geht noch heißer

Nach einer erholsamen Dusche und einigen Minuten der Ruhe gestern Abend (Ruhe ist in New York der Zustand, wenn man draußen nur noch Sirenen und sporadisch laute Musik sowie hupende Autos hört, aber sonst keines der gestern geschilderten Geräusche – mal abgesehen vom Brummen der dringend benötigten Klimaanlage) dachte ich eigentlich, dass der Tag rückblickend gar nicht so schlimm war.

Klar, wir waren sehr viel unterwegs, das Chaos auf den Straßen und Bürgersteigen ist eine permanente Herausforderung für die Nerven (ebenso wie die Navigation in Manhattan – wer es gewohnt ist sich mittels Garmin GPS zu orientieren, wird verzweifeln, da die Ortung durch die Häuserschluchten und Reflexionen massiv gestört wird) und die Reizüberflutung ungefähr aller Sinne ist schon anstrengend. Aber insgesamt war der Tag doch okay und morgen (bzw. heute) würde es sowieso ruhiger werden: Boot fahren, im Park spazieren gehen – alles ganz entspannt.

Meine Vision eines lockeren Tags im Big Apple hielt nicht lange – ich bin mir nicht sicher, wann sie genau kaputt gegangen ist. Beim Warten in der stickigen U-Bahn? Bei der Orientierungslosigkeit nach der Ankunft auf Manhattan? Beim  Joint-rauchenden Ticket-Verkäufer auf dem Weg in den Battery Park? Irgendwo dazwischen auf jeden Fall. Aber wie dem auch sei, nun ging es erstmal darum einige New Yorker „Must have Seen“-Pflichtstationen zu besuchen.

Dank vorgebuchter Tickets gingen am Anleger der Statue Cruises zumindest der Checkin und die Sicherheitskontrolle noch recht schnell, das Boarding auf das bereits sehr gut gefüllte Boot zog sich dann noch in die Länge (unglaublich, wie lang einige Menschen benötigen, um ein paar Treppenstufen zu erklimmen). Wir kämpften uns trotzdem bis auf das Oberdeck durch und genossen anschließend einen beeindruckenden Blick auf die ikonische Skyline. Die Sonne brannte bereits um 09:30 Uhr sehr heiß, so dass der Fahrtwind der überraschend großen Fähre sehr willkommen war. Deuter hält sein Versprechen übrigens immer noch nicht, so dass sich schnell eine kraftschlüssige Verbindung zwischen Polo-Shirt und Haut aufbaute – auf Dauer weniger schön. Auf Liberty Island angekommen unternahmen wir zunächst einen ausgedehnten Spaziergang einmal rund um das gesamte Areal. Die kleine Insel vor Manhattan eignet sich perfekt, um das tolle Panorama zu genießen, es ist nicht zu voll, man kann sich an einigen Stellen im Schatten erholen und ist vom Lärm der Stadt recht weit weg (bis auf die permanent fliegenden Helikopter). Die Statue selbst ist ebenfalls recht beeindruckend und man kann sich nur vorstellen, wie bewegend der Anblick der Lady Liberty auf die ankommenden Immigranten nach einer wochenlangen (monatelangen?) Überfahrt gewesen sein muss. Man kann die Statue übrigens in unterschiedlichen Touren besuchen: entweder nur den Sockel oder je nach Ticket auch die Krone. Dies haben wir jedoch ausgelassen.

Nach der Besichtigung von Liberty Island hieß es erneut anstehen und warten, um nach Ellis Island überzusetzen. Wirklich schön ist der Umstand, dass die Fähre zwischen den beiden Inseln die „szenische“ Route nimmt und erneut vor der Freiheitsstatue langfährt, so dass man nochmals Gelegenheit für ein paar eindrucksvolle Fotos hat. Auf Ellis Island angekommen kann man das Museum eigentlich gar nicht verfehlen. Es handelt sich bei selbigem um das frühere Hauptgebäude der Immigration, welches in Teilen in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. Wie fast überall in den USA gibt es Audio-Guides mit Kopfhörern, so dass man sich ergänzend zu den Info-Tafeln auch noch individuell weitere Erklärungen geben lassen kann. Insbesondere das Erdgeschoss hält eine sehr hohe Informationsdichte geschriebener Informationen bereit, so dass einem irgendwann schon mal die Lust auf’s Lesen vergehen kann – schließlich ist man ja auch sehr neugierig auf das, was in den weiteren Bereichen des Museums geboten wird.

Kommt man dann dort an, gibt es schon mal das Risiko etwas enttäuscht zu werden. Der zweite Stock besteht im Wesentlichen aus einer sehr großen, toll restaurierten Halle, in der früher die Befragungen im Rahmen des „Legal Checks“ durchgeführt wurden. Insbesondere durch Fotografien des damaligen Aussehens kann man sich sehr greifbar vorstellen, welche Bedeutung dieser Ort für viele Millionen Immigranten die in New York ankamen, hatte. In den beiden Trakten an der Seite der Haupthalle gibt es dann zwei weitere Ausstellungen: Zum einen eine Abfolge von Räumen, in denen die einzelnen Schritte der Immigrationsprüfung (Gesundheitschecks, bei Bedarf psychische Tests etc.) recht detailliert beschrieben und gezeigt werden. Zum anderen gibt es eine Ausstellung diverser Exponate und zeitgenössischer Unterlagen zum Thema Immigration – hier kann man Reisepässe , Passagierlisten, Werbeplakate für Überfahrten und so weiter bestaunen. Alles in Allem ermöglicht der Besuch von Ellis Island – der Insel der Tränen – dem interessierten Touristen meiner Meinung nach ein recht gutes Bild von den Abläufen während der aktiven Zeit dieser Einrichtung zu erhalten. Andererseits hätte die Umsetzung des Museums meiner Meinung nach durchaus etwas „lebendiger“ und moderner sein können – hier hat halt jeder seine individuellen Präferenzen. Auch die Außenbereiche der Insel bieten übrigens eine hervorragende Sicht auf die Skyline und bieten sich für eine weitere Fotosession an (während unseres Besuchs war die brennende Sonne hierfür allerdings nicht ideal).

Von Ellis Island aus kehrten wir auf das Festland zurück, bewunderten kurz das Gewusel am Heliport (hier starten und landen wirklich im Minutentakt Helikopter) und fuhren anschließend mit der Metro zum Central Park. Um gleich vorweg mit einer Illusion abzuschließen: Auch im Central Park ist es nicht ruhig und nicht friedlich. Es ist zwar entspannter als in den Straßen Manhattans (und natürlich viel grüner), aber dennoch nicht wirklich still. Dennoch ist der Park sehr groß und lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Es gibt große Wiesen, schöne Pfade, ausgedehnte Seen und immer mal sehr interessante Aussichten auf die umliegenden Gebäude in unterschiedlichsten Baustilen zu sehen. Einzelne Stationen des Parks – wie z.B. „The Mall“ – eine sehr breite und schöne Allee im Herzen des Parks – oder die Bethesda Terrace sind weltberühmt und waren schon Schauplatz in diversen Filmen. Insbesondere die Terrassen haben uns extrem gut gefallen, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass während unseres Besuchs ein sehr talentiertes Soul- und Jazz-Gesangsensemble in der Unterführung größere Menschenmassen anzog. Ernsthaft, die Darbietung von „The Lion Sleeps Tonight“ aus dem König der Löwen war der Qualität der von uns erlebten Aufführung in Hamburg meilenweit überlegen und hat für Gänsehaut gesorgt (wirklich!). Die Zeit verflog hier leider viel zu schnell.

Von der Bethesda Terrace aus statteten wir der Alice im Wunderland-Statue noch einen kurzen Besuch ab, da wir einen Quoten-Geocache für den Bundesstaat New York mitnehmen wollten, was zum Glück auch problemlos geklappt hat. Vom Cache aus begaben wir uns erneut zu einer Metro-Station, um Richtung Pier 83 zu fahren, wo wir Tickets für eine abendliche Fahrt rund um Manhattan buchen wollten. Dort angekommen ereilten uns zwei Probleme: Erstens wurde die Zeit etwas knapp, um von der Bahn-Station zum Pier und zurück und danach wieder dorthin zu laufen (wir wollten zwischendurch noch kurz shoppen), zweitens wurde der Himmel bedrohlich dunkel. Also verschoben wir die Ticket-Reservierung – es sollte ja notfalls auch ohne gehen – und gingen direkt zum Times Square. Weitere Unterhaltungsoptionen mussten leider ebenfalls entfallen, da die großen Museen bereits gegen 17:00 Uhr schließen und die von uns favorisierten Musicals heute nicht aufgeführt werden – man kann halt nicht alles haben. Unser kleiner Einkaufstripp war dafür, obwohl wir nur drei Stores gezielt angesteuert haben, sehr erfolgreich. Auf dem Weg von einem Shop zum nächsten passierte es dann: der Himmel öffnete sich und entließ größere Wassermengen in die Straßen von Manhattan. Es ist extrem beeindruckend, wie schnell plötzlich an jeder Straßenecke findige Verkäufer Regenschirme anbieten – man ist hier offensichtlich sehr flexibel. Durch den nun sehr grauen Himmel, der durch über die nächste Stunde hinweg nicht wesentlich heller wurde, wurde uns die Entscheidung bezüglich der Hafenrundfahrt ebenfalls genommen: wir schrieben sie geistig auf die Liste der Dinge, wie wir während des nächsten New York Aufenthalts noch machen wollen.

Mit bereits sehr schweren Füßen kämpften wir uns vom Shoppen in der Nähe des Central Parks aus nochmals quer durch die Innenstadt zum Times Square, welchen wir nun im „Dunkeln“ zu sehen bekamen – wow, das Feuerwerk an Licht und Geräuschen war abermals intensiver, ebenso das Gedränge der Massen. Wir bahnten uns – motiviert durch die guten Erfahrungen in Las Vegas – eher schlecht als recht unseren Weg zu Guy’s American Kitchen & Bar. Ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail zu gehen, würde ich das Lokal als eine Art gepimptes Hard Rock Cafe bezeichnen – mit durchaus ambitionierten Preisen. Knapp 20 Dollar für einen Cesars Salad (ohne Fleisch und / oder Hühnchen) und 9,50 Dollar für einen Käsekuchen (ohne Eis!) finde ich jedenfalls schon durchaus bemerkenswert. Aber es ist halt New York und die Qualität der gereichten Speisen war – ebenso wie der Service – ganz nett.

Nach einer letzten Bahnfahrt neigt sich unser New York-Stopp nun seinem Ende, und obwohl noch sehr viele mögliche Highlights offen geblieben sind, freue ich mich schon sehr auf unsere nächsten, sicherlich wesentlich entspannteren Stationen ohne Lärm, Parkplatzknappheit und permanenten Zigaretten-Gestank. Wir werden unserer Planung zu folge recht früh aufbrechen und die Stadt in Richtung Osten verlassen, wo unser nächster Stopp in Form der Hamptons auf uns wartet. New York bleibt als extrem intensive, facettenreiche und schier riesige Stadt zurück, deren Besuch sich im Prinzip als eigenständiger Urlaub anbietet.

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