New England States Tag 13: Regen

Um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen, möchte ich die treuen Leser unseres täglichen Berichts bereits im Vorfeld darum bitten die mentale Enttäuschungsbereitschaft hochzufahren: die folgenden Zeilen werden kein Highlight. Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: da wir heute außer rund 12h Regen (von 8 bis 8) nicht allzu viel erlebt haben, gibt es auch nicht allzu viel zu erzählen.

Alles begann schon während des Auszugs aus unserer vorletzten Unterkunft in Boston. Noch während wir unsere Habe ein vorletztes Mal verstaut haben (mittlerweile haben wir Übung, es war der Auszug aus unserer achten Unterkunft in diesem Urlaub, jeder kennt seine Aufgaben und jedes Teil hat seinen Platz in den Koffern – wir sind also sozusagen sehr effizient geworden), begann die Wetterprognose einzutreten: ein romantischer Landregen, mit wenig Wind und langen Fäden setzte ein. So fiel die Verabschiedung mit unseren Gastgebern etwas kürzer als erwartet aus und kurze Zeit später fuhren wir auf den Highway. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch guter Dinge, dass der Regen zumindest gegen Nachmittag nachlassen würde, so dass wir statt der zwei ursprünglich geplanten (in leicht konträren Richtungen gelegenen) Einkaufszentren nur eines ansteuerten: die Wrentham Village Premium Outlets.

Diese werden, wie die meisten großen Malls und Outlets in den USA, von der Simon Property Group betrieben, so dass man hinsichtlich der Auswahl der Shops und des Aufbaus der Anlage spätestens beim zweiten Trip in die Vereinigten Staaten vertrautes Terrain betritt. Insgesamt hat das Shopping-Erlebnis ein gemischtes Bild hinterlassen. Die Auswahl bei Nike war z.B. deutlich größer und besser als in anderen Outlets, auch das Angebot und die Preise in eher teureren Läden wie Coach und Kate Spade waren super. Sonst zuverlässige Quellen guter Deals wie Ascis waren bestenfalls durchwachsen und viele weitere von uns besuchte Shops, wie z.B. Merrell und Uggs, waren eher eine Enttäuschung (reale Straßenpreise in einem Outlet mit eingeschränkter Beratung zu zahlen, finde ich eher daneben). Wirklich bemerkenswert war das Burberry Outlet, da ich gar nicht wusste, dass es auch derartige Läden der ja grundsätzlich sehr hochpreisigen Marke gibt. Das einzige Objekt, welches uns gefallen hätte, lag trotzdem außerhalb des akzeptablen Preisbereichs (selbst mit einer gewissen Leidensbereitschaft). Besonders enttäuschend fand ich den Food Court bzw. die Auswahl an Restaurants – für amerikanische Verhältnisse kann man hier bestenfalls knapp über McDonalds-Niveau speisen, maximal auf „Dennys“-Level. Auch hier denke ich sehr gern an unseren perfekten und extrem eindrucksvollen Shopping-Trip nach „Fashion Island“ in Newport Beach zurück (2017 …).

Vom Outlet Center aus starteten wir auf die rund 1,5h dauernde Fahrt nach Cape Cod – bei Dauerregen. Unterwegs fiel auf, wie gut das Straßennetz auch in diesen eher entlegenen Winkel ausgebaut ist, geht es doch größtenteils über vierspurige Straßen. Laut Schilderung diverser Vermieter hier in der Gegend soll der Verkehr aber insbesondere zur Urlaubssaison eine Katastrophe sein – ähnlich wie in den Hamptons. Wir kamen problemlos durch und fanden unser Ferienhaus – unsere Unterkunft für die letzten drei Nächte in den Neu England-Staaten – auch auf Anhieb. Es ist das letzte Haus am Ende einer Straße, deren letzte 200m ungepflastert sind und auf deren letzten 30m sich nach dem Regen ein romantischer Teich gebildet hat. Eilig brachten wir unsere Gepäck nach Drinnen (den Schlüssel konnten wir einem vorher vereinbarten Versteck entnehmen) und begannen sogleich mit der Erkundung unseres Domizils.

Dabei muss man sich doch immer wieder über die klaffende Lücke zwischen Objektbeschreibung und Realität wundern, wobei die fast immer stark übertriebenen Bewertungen der meist amerikanischen Besucher in den gängigen Reiseportalen nicht eben weiterhelfen. Da man ja immer mit etwas Positivem beginnen soll: grundsätzlich ist das Haus schön, ziemlich modern, recht luftig, hat drei Schlafzimmer (dafür nur ein Badezimmer?) und ist ruhig gelegen. Weniger angenehm sind so kleine Details wie Fenster im Erdgeschoss die sich nicht mehr verriegeln lassen (zum Glück haben wir ja kaum Wertgegenstände dabei), ein falsches Passwort des Gäste-WLANs als im Handbuch zum Haus angegeben (offensichtlich konnte ich das Problem lösen), sehr wenig Toilettenpapier, fast gar keine Basisausstattung und diverse kleinere Mängel bei der Sauberkeit. Wirklich ärgerlich finde ich dann dreiste Falschaussagen (Airbnb: 3,5 Minuten zum Traumstrand; Realität: mindestens 5 Minuten zu einer Bucht voller Seegrass und geborstenen Muscheln, eingekesselt von Privatstränden), verbunden mit frechen Forderungen (bei Auszug alle Betten abgezogen, alle Handtücher in der Maschine und alle Böden gewischt – wofür zahlen wir doch gleich eine Reinigungsgebühr?). Aber gut, solche Dinge passieren und man muss halt daraus lernen.

Vom benachbarten Traumstand in Laufentfernung fuhren wir gegen 18:00 Uhr noch schnell zum West Dennis Beach, um wenigstens etwas Auslauf zu kriegen. Auch hier das Gute zuerst: der Stand ist ewig lang und man kann in beide Richtungen bis zum Horizont spazieren. Weniger erfreulich: überall Seegrass, überall scharfkantige Muscheln und fast überall tote Pfeilschwanzkrebse. Schieben wir es einfach auf ein Unwetter, dass bestimmt vor Kurzem über die sonst recht malerische Region gefegt ist.

Da wir bis zur angestrebten Beitragslänge noch ein paar Wörter Raum haben, erlaube ich neugierigen, potentiellen USA-Touristen noch kurz von unserem abendlichen Einkauf für die nächsten drei Tage zu berichten – denn wenn man sich für ein Ferienhaus entscheidet, plant man möglicherweise ja auch die ein oder andere Mahlzeit im trauten Heim einzunehmen. Das funktioniert auch ganz super, man sollte nur das aus Deutschland gewohnte Preisgefüge einfach mit dem Faktor zwei multiplizieren, dann gibt es an der Kasse auch keine unerfreulichen Überraschungen 😉 Ganz im Ernst, für einen kleinen Einkauf bestehend aus etwas Obst, Orangensaft, Toilettenpapier (preisoptimierte Wahl), ganz wenig Schokolade, Muffins für’s Frühstück, Joghurt, Brot, Tomaten, Eis und etwas Kleinkram ist man ganz schnell 70$ los. Man bemerke: kein Alkohol, keine sonstigen Getränke, keine Hygiene-Artikel – nichts von dem, was einen Einkauf sonst teuer macht. Signifikantes Einsparpotential gibt es durch die Kundenkarten der verschiedenen Märkte, die jedoch separat beantragt werden müssen und selbstverständlich nur an Kunden mit einer Adresse in den Vereinigten Staaten ausgegeben werden. Mittels dieser kann man z.B. den Preis zum Überleben absolut essentieller Kleinigkeiten (hier: Ben & Jerrys Eiscreme) von 4,99$ pro Packung auf 5$ für zwei (!) Becher drücken.

Glücklicherweise soll das Wetter morgen spätestens gegen Mittag aufklaren, so dass wir auf eine ausgedehnte Inselerkundung starten können. Auf unserem vorläufigen Plan für die nächsten Tage stehen neben ausgedehnten Strandspaziergängen potentielle Highlights wie eine Whale Watching Tour, eine Tour auf Stand Up Paddle-Boards und eine Besichtigung von Province Town (soll ein bisschen wie Key West sein). Ich bin daher vorsichtig optimistisch in den nächsten Tagen Beiträge mit mehr erheiternden Inhalten bieten zu können und hoffe der Bereicht des heutigen, umweltbedingt etwas suboptimalen Tages, war dennoch einigermaßen interessant.

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