New England States Tag 5: White Mountain National Forest

Tag sechs unserer Rundtour durch die Neu England-Staaten stand erneut ganz im Zeichen der Natur – dieses Mal allerdings etwas (eigentlich sogar signifikant und vor allem unerwartet) actionreicher als im Acadia. Doch der Reihe nach.

Schon auf dem kurzen Weg zum Frühstück gab es das ein oder andere Vorzeichen, dass zumindest unser Vormittag unter keinem glücklichen Stern stehen könnte. Es nieselte leicht, es war kalt (ca. 18°C), im „Zielgebiet“ herrschte Gewitterwarnstufe 2 und die Niederschlagswahrscheinlichkeit sollte bis mindestens 14:00 Uhr unerfreulich hoch bleiben. Aber was soll’s – Dani hat da immer so motivierende Sprüche von wegen Regenjacken und unsere neue Kamera nebst Objektiv verfügt glaube ich auch über irgendeine vom Marketing weichgespülte Feuchtigkeitsbeständigkeit. Als starten wir leicht skeptisch aber voller Hoffnung gegen 08:00 Uhr auf unseren Trip in den White Mountain National Forest gen Westen.

Bereits nach wenigen Kilometern legten wir einen ersten kurzen Zwischenstopp ein, da wir die erste „Covered Bridge“, also eine überdachte Holzbrücke, erreichten. Wir parkten unmittelbar vor diesem ikonischen Bauwerk und erkundeten zudem den Bereich unmittelbar darunter – hier lassen sich zur Saison jeden Tage vergnügte Menschen auf Schwimmreifen und anderen Wassersportgeräten von der Strömung entlang treiben. Aus verständlichen Gründen (und geringem Wasserstand) gab es derartige Vorgänge heute leider nicht zu bewundern. Während der Weiterfahrt sahen wir jedoch unzählige Fahrradfahrer (teilweise sogar auf Tandems) die gegen Sturm und Regen (Achtung: Spoiler) ankämpften – an Motivation mangelt es den hiesigen Sportlern offensichtlich nicht.

An unserem ersten Halt im National Forest galt es auch die erste Krise des Tages zu überstehen. Unsere eheinternen Auffassung zum „Self Service“ bezüglich der Parkgebühr (gigantische 3$ die man in einen Umschlag wirft, von dem man ein perforiertes Stück abtrennt und sich an den Spiegel hängt) waren nicht gänzlich kongruent. Anders formuliert hatte Dani gewisse Zweifel, ob dieser gänzlich undigitalisierte Prozess auch tatsächlich sinnvoll und funktional ist. Wie dem auch sei, nach einer kurzen Phase der Diskussion konnten wir uns die Lower Falls am östlichen Ende des Parks endlich in Ruhe und mit reinem Gewissen anschauen. Ein ziemlich niedlicher Ort mit einem mehr oder weniger kleinen Wasserfall, der sich malerisch durch das Tal schlängelt. Über die extrem glitschigen Steine zu kraxeln um den besten Foto-Spot zu erreichen macht richtig Spaß, falls es nicht gerade anfängt zu regnen und / oder man etwas unkontrolliert über die Felsen rutscht. Beides – sowohl der Regen, als auch das Rutschen – fühlen sich potentiell bedrohlich für die Kamera an und je größer die Tropfen werden, desto weniger vertraut man dem Marketing. Glücklicherweise schafften wir es unversehrt zurück ins Auto, bevor der Regen so richtig loslegte. In Deutschland würden wir vermutlich von einem Platzregen sprechen 😉 Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, setzten wir unsere Reise trotzdem fort – bei den erlaubten 40 Meilen pro Stunde ist auch stärkerer Regen eher kein Problem für Mensch und Maschine.

Glücklicherweise klarte es bereits auf, als wir das erste Highlight des Tages erreichten: den Flume Gorge (Gorge spricht man übrigens wie „gordsch“ – gar nicht so einfach). In Deutschland würden wir zu diesem Wunder der Natur „Klamm“ sagen, einen Kiosk irgendwo in die Nähe bauen und die Menschen würden glücklich und unbescholten die tosenden Wassermengen, umgeben von einer tiefen Schlucht, bewundern. In Amerika wird ein Visitors Center nebst Souvenirshop, Kino (für den Imagefilm), Bus-Shuttle (für die körperlich herausgeforderten), Toiletten (mit besonders geringem Wasserverbrauch) und Cafeteria gebaut. Außerdem werden entlang des Pfades alle ca. 300m „Rain Shelter“ gebaut, an denen man meist nochmals das Nötigste – also Erinnerungsstücke und / oder Essen – kaufen kann. Das ist seeeehr besucherfreundlich, äußerst professionell und rechtfertigt dann selbstverständlich einen Eintrittspreis von 16$ pro Person (für ca. 1 – 1,5h Aktivität). Das klingt jetzt alles zugegeben etwas (zu) böse, denn der Flume Gorge selbst ist wirklich ganz toll. Startet der Trail am Anfang noch recht flach entlang eines friedlich plätschernden Baches, wird es irgendwann immer steiler. Am spannendsten Punkt steht man auf einem hölzernen Steg mitten in der Klamm, links und rechts die ca. 5m aufragenden Felsen, unter einem der laut rauschende Bach, an der Wand neben einem 100 Jahre alte Algen – das ist schon richtig cool. Zum Glück war während unseres Besuchs recht wenig los, so dass wir weder gehetzt waren noch andere hetzen mussten; es blieb immer Gelegenheit für ausreichend viele Fotos aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Nachdem man der Klamm entstiegen ist, führt der weitere Trail auf schönen Pfaden durch das Gelände, wobei es immer mal kleinere Aussichtsplattformen und nette Erklärungsschilder gibt. Etwas bemerkenswerter ist gegen Ende der „Pool“, eine Art Becken mit kreisförmiger Strömung, über das eine weitere Covered Bridge führt. Das ist alles ganz schön, aber doch eher unspektakulär (wer mal im Harz war und das Bodetal kennt – es kostet übrigens keinen Eintritt – wird von dem Kessel am Flume Gorge jedenfalls nicht allzu beeindruckt sein).

Nach einer kleinen Stärkung in der urigen Cafeteria im pompösen Besucherzentrum fuhren wir zum Lost River Gorge and Boulder Caves. Der Name klingt zugegebenermaßen sperrig, weckt irgendwie Erinnerung an die Station zuvor und ich muss zugeben mit völlig falschen Vorstellungen an diesen Part unseres Tagesplans gegangen zu sein. Zu Beginn gilt es zunächst einen Souvenirshop zu durchqueren und die Eintrittsgebühren von „nur“ 18$ pro Person begleitet von einer kurzen Erklärung („You will follow a one mile trail which will usually take  between one and one and a half hours; ihr folgt einem Pfad der ca. 1 Meile lang ist, was ca. 1 – 1,5h dauern wird“) zu entrichten. Danach geht es zunächst sehr unspektakulär über diverse Holzstege und Treppen, was doch verdächtig an Flume Gorge erinnert. Dann gelang man plötzlich an den „Wendepunkt“ des Pfades und eine erste „Höhle“. Es handelt sich im Prinzip um eine Art Höhle mit offener Decke, die man nur durch eine halbhohe Öffnung betreten und verlassen kann. Natürlich gibt es hierzu ein Erklärungsschild, das einem genau erläutert wie man rein und rauskommt, dass es keinen dedizierten Ausgang gibt und wie dieses „Gebilde“ entstanden ist (es ist der Moment in dem du dich fragst, warum auf dem Schild nicht auch noch steht „Niemals das atmen vergessen“). Das ist auch der Augenblick, in dem sich das Wort „Touristennepp“ beginnt im Hinterkopf zu manifestieren. Aber dann gelangt man über einige weitere Holztreppen – inklusive ganz netter Aussicht auf die nicht allzu tiefe Klamm – zu einer zweiten Höhle. Es folgt eine kurze Überlegung, ob der Eingang nicht irgendwie relativ klein aussieht, bevor man sich plötzlich mittendrin befindet, sich den Rucksack wechselweise übergibt und irgendwie leichte Zweifel aufkommen, ob alle Kleidungsstücke den Tag überstehen werden. Spätestens bei der Höhle mit dem klangvollen Namen „Lemon Squeezer“ realisiert man final, was man hier tut: Man befindet sich in einem Kletterwald, nur eben für’s Höhlen-nun ja -durchkrabbeln. Ganz im Ernst, wenn man dann plötzlich schräg in einer Felsspalte klemmt, schräg hinter einem der Fluss laut rauscht und man sich jetzt überlegt, wie man den Kopf als erstes durch die kleine Öffnung rechts neben dem Fuß bekommt, dann hat das schon einen gewissen Unterhaltungswert. Es ist der Moment, in dem man die Diskussion „Schatz, wollen wir das wirklich?“ nur liebevoll in die Richtung „Wir sind doch schon soweit gekommen“ lenken kann, um zu erfahren, wie es hinter dem nächsten 90° Knick in fast völliger Dunkelheit weitergeht. Eigentlich kann ich immer noch nicht so richtig glauben, was wir da gemacht haben. Es war die mit Abstand unamerikanischste Erfahrung aller USA-Reisen und ich wüsste auch nicht, in welchem anderen bekannten (sicheren) Reiseland man ein derartiges Abenteuer erleben kann. Klar, eigentlich krabbelt man nur durch 5 – 15m kurze Höhlen, aber uneigentlich hat man keine Stirnlampe, keinen Helm und keine Knieschoner um durch die mitunter sehr engen Röhren zu gelangen, die man teilweise nur auf dem Bauch liegenden durchqueren kann – während immer mindestens ein Körperteil Kontakt zum Fels hat. Wie ich bereits sagte: ein Abenteuer mit nachdrücklichem Charakter.

Nach den spannenden 11 Höhlen folgen noch weitere Stege und Treppen inklusive Schwebebrücke, die einen aber ziemlich kalt lassen, wenn man sich erst einmal komplett eingesaut und den innereren Schweinehund überwunden hat – ich spare daher weitere Details an dieser Stelle aus.

Als wir am Lost River fertig waren, war es ca. 14:45 Uhr und unsere restliche Tagesplanung hatte ein gewisses Loch: zur nächsten Unterkunft waren es nur ca. 30 Minuten; die möglichen Kandidaten für weitere Stationen befanden sich aber allesamt mindestens 1h entfernt und hatten nur bis 17:00 Uhr offen. Wir entschieden uns trotzdem zu Vermonts größtem Maislabyrinth zu fahren – auch auf das Risiko hin, dass wir möglicherweise nicht mehr eingelassen werden würden. Allein die Fahrt zum und vom Corn Maze war jedoch ein echtes Highlight. Die letzten 10 Kilometer ging es über sehr gut befestigte Feldwege, auf denen das Tempolimit teilweise höher als auf den Highways (also bei gigantischen 35 Meilen pro Stunde) war. Ich fühlte mich massiv an eine Rallye-Sonderprüfung erinnert und Worte wie „Schotter, Kurve links, nicht schneiden“ geisterten durch meinen Kopf. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto unsicherer wurde ich, denn weit und breit stand kein Schild, welches auf das Labyrinth verwies. Erst unmittelbar vor unserer Ankunft – an der letzten Kreuzung irgendwo im nirgendwo – in Deutschland würde man sagen auf einem Feldweg – plötzlich eine Notiz am Baum: Maze 623ft. Und schon waren wir da. Und schon mussten wir erkennen, dass das letzte Highlight des Tages keines werden würde, denn es war geschlossen (letzter Einlass 15:00 Uhr, Zeitbedarf für die verirrende Erfahrung laut Betreiber mindestens 2,5h). Trotzdem genossen wir die Aussicht von der Farm und schlossen Freundschaft mit der Kuh Mercedes und ihrem Bullenkalb Benz (die hießen wirklich so). Am Horizont konnte man auch ihre Freunde mit den vermuteten Namen „Dr.“, „Ing.“, „h.“, „c.“, „f.“, „Porsche“ und „AG“ auf der Weide sehen, aber für ein Gruppenbild kamen wir nicht nah genug ran.

Also fuhren wir unverrichteter Dinge wieder nach Süden zu unserer nächsten Unterkunft im malerischen Städtchen Quechee (oder wie unser Navi sagt „Kitschi“). Die Landschaft Vermonts war derart faszinierend, dass wir die Interstate rechts liegen ließen und nahezu die gesamten rund 100km über die US 5 fuhren. Ernsthaft, ich habe glaube ich noch nie so viele saftige Weiden, grüne Hänge und  sanfte Hügel wie hier gesehen. Noch dazu wirkt alles unglaublich aufgeräumt und sauber, gerade so, als würden sich sämtliche Ortschaften auf eine Parade vorbereiten. Unsere Gastgeberin erklärte uns später übrigens das man sagt in Vermont leben wahrscheinlich mehr Kühe als Menschen – sehr sympatisch 😉

Bevor wir den Abend ausklingen ließen, besuchten wir kurz vor Sonnenuntergang nach ganz kurz die (den?) Quechee Gorge – denn auch dieser kleine Ort hat seine eigene Klamm. Diese ist wirklich unfassbar tief, aber bei Weitem nicht so malerisch wie die gegen Eintritt erkundbaren Pendants in den White Mountains.

Morgen widmen wir uns dann einer weiteren landwirtschaftlichen Erfahrung, bevor wir am Abend in New York eintreffen werden. Auf das anstehende Kontrastprogramm zu unserem bisher sehr friedlichen Trip bin ich äußerst gespannt und hoffe berichten zu können.

New England States Tag 4: Hello, New Hampshire

Nachdem ich in der Zwischenzeit erfahren habe, dass unser Reisebericht tatsächlich von ganz lieben Menschen tagesaktuell verfolgt wird, fühle ich mich natürlich aufgefordert auch an Transfertagen – wie heute – zumindest einen kurzen Abriss über unsere heutigen Erlebnisse zu geben.

Fangen wir mit einem der angenehmen Aspekte des Tages an: dem Frühstück. Da wir uns heute trotz günstiger Wetterbedingungen (0% Bedeckung zum Sonnenaufgang) gegen einen Early Bird Trip zum Cadillac Mountain entschieden haben, hatten wir durch eine zeitlich optimierte Planung unserer morgendlichen Tätigkeiten die Gelegenheit in den Genuss des hausgemachten Frühstücks in unserer Unterkunft zu kommen. Dieses war – wie wir bereits antizipiert hatten – großartig. Also zumindest von der Auswahl und vom Geschmack her. Die etwas „gediegene“ (man könnte auch sagen düstere) Atmosphäre nebst „Wir klatschen unseren Namen“-Musik aus dem BOSE-System war im besten Fall etwas speziell – aber der Start in den Tag war gesichert.

Anschließend steuerten wir – wie gesagt bei besten Bedingungen – den Cadillac Mountain an. Wie durch eine große glückliche Fügung hatten wir erneut keine Hindernisse auf der Straße und erreichten unser Ziel weniger als 15 Minuten nach Verlassen des Hotels (Einschub: Du merkst, dass du diesen Sommer zu viel Porsche gefahren bist, wenn du vor einer Kurve gedanklich die Kupplung trittst, in den zweiten Gang schaltest, das Zwischengas förmlich hören kannst und du mit jeder Faser spürst, wie dich das Sperrdifferential bei zunehmender Querbeschleunigung aus der Kurve zieht. Wenn du dich dann dabei ertappst die hierzu passenden Geräusche leise [?] zu imitieren, kannst du dir bezüglich deiner Diagnose 100%ig sicher sein).

Oben angekommen war es sehr faszinierend das Kontrastprogramm zu unserem letzten Besuch zu erleben. Statt dickem Nebel gab es in alle Richtungen eine grandiose Aussicht zu bewundern, die zusätzlich durch den Umstand aufgewertet wurde, dass in der Bucht unmittelbar vor Bar Harbor ein großes Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte. Ich fühlte mich sofort wahlweise an Fluch der Karibik oder Master and Commander erinnert, so „dominant“ wirkte das riesige Schiff in der kleinen Bucht vor dem fast schon winzigen Hafen. Die Anleger von Bar Habor sind in der Tat so klein und so flach, dass permanent zwei Shuttle-Boote zwischen dem Kreuzfahrer und dem Kai pendelten. Auch sonst war es faszinierend den Fast-Rundumblick über Mount Desert Island zu genießen und die verschiedenen Stationen unseres Besuchs nach und nach zu entdecken. Rückblickend betrachtet ist es sicher keine schlechte Idee den Cadillac Mountain frühzeitig zu besuchen und so ein gutes Verständnis für den Aufbau des Parks zu bekommen – zumindest falls die Sicht mitspielt 😉

Vor der höchsten Erhebung der Region aus steuerten wir noch einmal meinen Lieblingsplatz im Nationalpark an: das Ottercliff. An der Klippe sitzend dem Rauschen der Wellen und dem Läuten der Rifftonne (ich weiß, könnte das Wort der Woche werden) zu lauschen, ist zusammen mit der fantastischen Weitsicht einfach eine sehr schöne und beruhigende Erfahrung. Sozusagen perfekt als akustische Untermalung zum Einschlafen nach einem harten Tag. Dani schlug bereits vor eine solche Tonne auf unserem Balkon zu installieren – wir konnten das noch nicht abschließend klären.

Anschließend verließen wir den Park auf direktem Weg zurück nach Bar Harbor, da uns die freundliche Dame an der Parkinformation neben dem „spannenden“ Tipp bezüglich der Tide Pools von gestern zusätzlich den Rat gegeben hatte die Sandbänke vor Bar Island bei Ebbe zu erkunden – der ideale Zeitpunkt sei gegen 10:30 Uhr. Wir waren 10:20 Uhr da und sofort sehr positiv überrascht. Bei Niedrigwasser kann man von Bar Harbor aus trockenen Fußes auf einer sehr breiten Sandbank nach Bar Island laufen (und übrigens auch fahren, man darf nur nicht auf dem vom Wasser bedrohten Bereich parken) und dabei ganz entspannt im flachen Wasser spazieren, Möwen bei der Jagd nach Krebsen beobachten und das Panorama der Bucht bewundern. Insbesondere mit dem großen Kreuzfahrtschiff im Hintergrund ergab sich eine faszinierende, fast schon unwirkliche Szenerie – es wird wirklich Zeit für Fotos. Wie fast überall in der Natur ist es übrigens sehr beeindruckend, von wie vielen Lebewesen man umgeben ist, wenn man einfach mal zwei Minuten im flachen Wasser still stehen bleibt. Plötzlich schwimmen überall kleine Fische, durchsichtige Mini-Garnelen krabbeln über den Grund (ja, ein Biologe ist definitiv nicht an mir verloren gegangen) und kleine Krebse verstecken sich ängstlich unter Steinen – schon cool.

Nachdem wir die Sandbänke und das flache, warme Wasser ausgiebig erkundet hatten, wurde es Zeit Mt. Desert Island bzw. dem Acadia Nationalpark den Rücken zu kehren. Als wir vor zwei Tagen ankamen, hätte ich nicht gedacht, dass uns dieser beschauliche Fleck Erde so ans Herz wachsen würde. Der Nationalpark mit Bar Harbor als Epizentrum ist sehr facettenreich, angenehm belebt (an manchen Stellen zu belebt) und dabei noch „greifbar“. Die Hotspots sind überschaubar und gut erreichbar, die Trials übersichtlich und nicht zu monoton und die Distanzen nicht zu lang. Insgesamt aus meiner Sicht eine ganz tolle Empfehlung für zwei bis drei Nächte.

Nun begann der langweilige Tag des Tages: Rund 4h Fahrt gen Westen nach North Conway, recht knapp hinter der Grenze zu New Hampshire gelegen. Unterwegs wurde uns wieder einmal der Pragmatismus des amerikanischen Straßenbaus vor Augen geführt. Da fährst du einen geteerten, ebenen, ziemlich geraden Highway (!) entlang, der plötzlich quasi im Nichts endet. Ernsthaft, plötzlich endet der Teer (manchmal fährt man dann wirklich nur noch auf fester Erde, manchmal zumindest auf Resten von Asphalt), große Schlaglöcher tun sich auf und man fragt sich, ob die Welt gleich endet. In den meisten zivilisierten Ländern dürfte man solche Strecken vermutlich gar nicht legal mit Mietwagen befahren („keine unbefestigten Straßen“). Wir haben dieses „Happening“ nun mehrfach in Maine erlebt und insbesondere heute zog es sich über mehr als 10 Meilen in die Länge – schon heftig. Heftig ist vermutlich auch die Job-Beschreibung der sog. Flagger – das sind die armen Jungs und Mädels deren Pendant in Zentraleuropa Baustellenampel heißt. Ernsthaft, ich habe keine Ahnung, wie man acht Stunden oder mehr am Tag sein „Stopp“-Schild anschauen und dieses periodisch auf „Slow“ drehen kann – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unsere nächste Übernachtungsstation in North Conway – direkt an den White Mountains. Leider verlief unsere Ankunft nicht ausschließlich positiv: Es regnete und unser Hotel (140$ / Nacht) war etwas „speziell“ (das ist das freundliche Wort für total daneben). Eine Auswahl der bemerkenswerten Features: Frühstück nach vordefiniertem Menü ohne Auswahl, Frühstück in Gruppen nach vorausgewählter Terminoption, Haare der Vormieter an diversen Stellen im Raum – damit man sich zu Hause fühlt, WLAN nur sporadisch an wechselnden Positionen im Raum, gut eingewohnte Innenausstattung aus den 80er Jahren – garantiert gut ausgelüftet und eingewohnt. Suboptimal und definitiv nicht zum Wohlfühlen, aber wir werden hoffentlich weiter ziehen, bevor die negativen Schwingungen auf uns abfärben können.

Den Abend verbrachten wir dann im hiesigen, Settlers Green genannten, Shopping-Center. Dieses ist zwar nicht als klassisches Outlet-Center geführt, aber in New Hampshire wird für Kleidungsstücke bis 150$ Warenwert kein Sales Tax (also keine Mehrwertsteuer) fällig. Dadurch ergeben sich zumindest in der Theorie ganz nette Möglichkeiten für Schnäppchen, die wir zumindest bedingt erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. Im Vergleich zu Kalifornien und vor allem Florida sind die lokalen Shopping-Möglichkeiten aber eher enttäuschend – sowohl was das Design der lokalen Stores, als auch was die Preise und Auswahl angeht. Insbesondere die Malls in Florida waren hier schon ganz weit vorn.

So neigt sich unser vierter Tag in Nordamerika dem Ende – und wir sind nach wie vor guter Laune. Wir haben schon einige sehr schöne Momente erlebt, die ein oder andere Enttäuschung verdaut und gemeinsam sehr viel gelacht. Morgen werden wir (hoffentlich) die White Mountains erkunden und dabei vermutlich stellenweise die aktuellen Temperaturen in Deutschland um 50% unterschreiten – falls wir nicht erfrieren, werde ich an gewohnter Stelle berichten 😉

New England States Tag 3: Acadia

Tag 3 unserer Reise in den Nordosten der USA stand ganz im Zeichen der Natur und ausgiebiger Spaziergänge. Auf Grund der „etwas“ deprimierenden Wetterverhältnisse am Vortag beschlossen wir die Nacht mit Hinblick auf eine angestrebte Ergebnisintensivierung zu verkürzen und noch vor 07:00 Uhr in unser Erlebnis Acadia zu starten.

Etwas nachteilig gestaltete sich in diesem Zusammenhang die Frühstücks-Offerte in unserer sonst sehr urigen und gemütlichen Unterkunft: Speisen werden nur zwischen 08:00 und 10:00 Uhr gereicht. Hoch motiviert beschlossen wir daher ohne morgendliche Nahrungsaufnahme aufzubrechen bzw. diese auf einen Snack im Rahmen unserer ersten Wanderung zu verlagern – okay, manchmal muss man sich halt auch in Verzicht üben.

Unsere Fahrt in den Park begann dann erneut etwas enttäuschend: Zwar war es angenehm leer (wirklich eine immense Wohltat gegenüber dem Vortag), aber der Nebel war – absolute Windstille sei Dank – geblieben. Also hatten wir die Felsen zwar für uns, konnten aber dennoch nicht erkunden, wo sich die so nahklingende Rifftonne befand. Den Spaß am Thunderhole – am Donnerloch – ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Es handelt sich dabei um eine Art Grotte, in die das Wasser strömungsbedingt mit den Wellen eindringt und je nach Intensität der Bewegung keine andere Option hat, als Wild in die Höhe zu spritzen. Außerdem erzeugt es dabei ein Geräusch, das in der Tat wie ein kurzer, aber kräftiger Donner klingt. Wir haben so ähnliche „Phänomene“ schon in Kalifornien im Point Lobos Statepark und zum Beispiel auf den Azoren an den Termas da Ferrarria (von mir liebevoll Ferrari-Thermen genannt) gesehen, aber das Thunderhole im Acadia ist ganz besonders beeindruckend. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass zum Zeitpunkt unseres Besuchs Niedrigwasser und relativ wenig Bewegung im Meer war – bei Sturm bleibt hier sicherlich wortwörtlich sicher kein Auge trocken.

Nach dem Besuch an der Donnergrotte fuhren wir wenige Meter weiter zum Parkplatz am Gorham Mountain Trail. Dieser beginnt landschaftlich sehr beeindruckend mit einem sanften Anstieg, der komplett über relativ glatte Felsen führt. Sieht im Prinzip ein bisschen aus, wie fast jedes Sandsteingebirge in Deutschland, wandert sich aber sehr schön. Dank der hervorragenden Ausschilderung in Form sehr frequent aufgebauter Steinformationen kann man sich praktisch nicht verlaufen und sich ganz auf das Naturerlebnis einlassen, dass sich einstellt, wenn man bei 23°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit beginnt einen Berg zu erklimmen. Damit es nicht zu langweilig wird, bogen wir zwischendurch auf den Cadillac Cliff Trail ein, der das Schwierigkeitslevel nochmals ein wenig intensivierte.Hier ging es stellenweise schon mal über Steigeisen und durch ganz kurze „Höhlenabschnitte“ – ziemlich cool. Auf dem Mount Gorham angekommen wurde es endlich Zeit für das verdiente Frühstück in Form ganz leckerer Bagel nebst Schokokeksen und „Poland Springs“-Water – ein Genuss. Leider blieb uns die sicherlich extrem faszinierende Aussicht auf das Meer verwehrt, so dass wir dessen Nähe durch das permanente Brummen der Motoren der Krabbenkutter antizipieren mussten. Im weiteren Verlauf ging es mal mehr, mal weniger steil bergab, bevor wir einige Kilometer später wieder am Wanderweg parallel zur Park Loop Road herauskamen. Da dieser Abschnitt eher weniger malerisch war, lasse ich eine weitere Beschreibung aus.

Zurück am Auto trockneten wir kurz unsere etwas durchgeschwitzte Kleidung („Deuter hat versprochen, dass der total atmungsaktiv ist“), bevor wir weiter in Richtung Ship Harbor im Südwesten fuhren. Hier parkten wir direkt an der Straße und folgten dem ca. 1km langen Wonderland-Trail (cooler Name, oder?) zum Meer. Bei der Einfahrt in den Park hatten wir uns zur Bewunderung des 15 Minuten langen Imagefilms überreden lassen, in welchem „Gezeitentümpel“ (Tide Pools) gezeigt wurden und gemäß Schilderung der freundlichen Volunteers sollten die Aufnahme genau an dem von uns nun angesteuerten Ort entstanden sein. Seit Point Lobos sind wir totale Tide Pool-Fans und waren sehr gespannt, ob wir nun hier Seesterne und See-Igel entdecken würden. Taten wir nicht. Neue Erkenntnis: Manche Gezeiten-Becken sind großflächig mit Seegrass überzogen, welches man auch im trockenen Zustand nicht so wirklich durchqueren möchte. Macht nichts, zumindest das Wetter spielte nun endlich mit und verwöhnte uns mit blauem Himmel, 30°C und guter Sicht.

So traten wir die Rückreise in Richtung Bar Harbor an, nicht ohne Zwischendurch Halt in Southwest Harbor zu machen. Hier nahmen wir im netten Restaurant „The Upper Deck“ eine leckere Stärkung mit toller Sicht über den Hafen zu uns – sehr nett und dringend benötigt. Anschließend fuhren wir über mehrere kleine Zwischenstopps zu einem Parkplatz nördlich von Northeast Harbor, um eine weitere Wanderung über die sog. Carriage Roads zu unternehmen. Es handelt sich dabei um befestigte Wege durch den Nationalpark, die von der Fam. Rockefeller erworben und bewusst nicht geteert, sondern in diesem Zustand erhalten wurden (historische Ungenauigkeiten seien dem Autor bitte verziehen). Diese werden nun mehr oder weniger intensiv von Fahrradfahrern, Wanderern und Reitern frequentiert und intensiv beworben. Was soll ich sagen: Der Spaziergang über die sehr gut ausgebauten Wege führt durch schöne Natur, ist sehr trittsicher und bestens ausgeschildert. Unterwegs gibt es immer wieder schöne Steinbrücken zu bestaunen, an denen man meist auch auf etwas „wildere“ Trails abbiegen kann. Diese sind dann – wir haben das ausprobiert – etwas unterhaltsamer, aber dennoch gut ausgeschildert. Ab und an gibt es kleine Bäche, niedliche Holzbrücken und schöne Sichtachsen zu bewundern – alles in allem sehr nett. Positiv ist die Abgeschiedenheit dieser Region, die ebenso wie Southwest Harbor zuvor bei Weitem nicht so frequentiert ist, wie die Park Loop Road mit den klassischen Hotspots Thunderhole, Sand Beach, Jordan Pont und Ottercliff. Dennoch fanden wir die Carriage Roads jetzt nicht so beeindruckend, dass wir das Bedürfnis verspürt hätten die Wanderung signifikant auszudehnen. Ein Abstecher zum Bee Hive Trail mit Steigleitern bei Sonne würde mich da schon mehr reizen.

So kamen wir nach rund 2h wieder am Auto an und steuerten nochmals den Parkplatz am Ottercliff an – wir wollten wenigstens einmal die Aussicht mit Sonne und blauem Himmel genießen. Dies hat erstaunlich gut funktioniert, so dass wir nun auch endlich (!) die Rifftonne erspähen konnten, die, wenn man einmal die wilde Gischt ganz in ihrer Nähe gesehen hat, völlig zu Recht ununterbrochen läutet. Am Ottercliff wurden wir ein Weiteres mal mit einer auffälligen Besonderheit während unseres Besuchs hier konfrontiert: Das Durchschnittsalter ist extrem hoch und viele „Abenteurer“ scheinen den körperlichen Herausforderungen der lokalen Attraktionen teilweise nicht (mehr) gewachsen zu sein. Wenn man erwachsene Menschen beim Aufstieg vom Ottercliff zurück zur Straße an 30cm hohen Treppenstufen verzweifeln sieht, tut das schon weh.

Nach dem Ottercliff fuhren wir ein weiteres Mal über die Park Loop Road und kamen ca. 40 Minuten später in Bar Harbor an. Hier duschten wir kurz, bevor wir uns auf einen Spaziergang in die niedliche „Innenstadt“ und an den Hafen begaben – auch hier wollten wir nochmals die Aussicht ohne Nebel und bei Tageslicht genießen. Dabei bestätigten sich im Wesentlichen unsere Impressionen von gestern: „Bahaba“ ist malerisch, recht kompakt, ziemlich überlaufen, sehr klischeehaft und dennoch schön. Die Aussicht auf die kleinen Boote im Sonnenuntergang ist schon ziemlich stimmungsvoll und die Utensilien der Fischer bieten immer wieder interessante Motive mitten im geschäftigen Treiben (wie schön wäre es, wenn wir jetzt schon Fotos hier hätten). Unterwegs genossen wir übrigens je eine Scoop Eis für nur 4,10$ pro Stück, wobei die Portionsgröße eher 3-4 Kugeln nach europäischem Standard entsprach. So gestärkt beschlossen wir das Abendessen hinter die Stoßzeit zu verlegen und dafür das Bloggen nebst Packen etwas vorzuziehen.

Morgen früh werden wir nochmals den Acadia unsicher machen, bevor wir gegen Mittag die rund fünf stündige Fahrt nach Conway im Westen antreten werden. Hier werden wir vielleicht noch einen kurzen Shopping-Stopp einlegen, bevor wir übermorgen die White Mountains unsicher machen werden.

New England States Tag 2: Going North

Der zweite Tag unserer Rundreise durch die Neu England-Staaten liegt gerade hinter uns, die Cocktails aus der lokalen Restaurant-Empfehlung wirken noch nach und ich bin aufgefordert von den Erlebnissen des Tages zu berichten – nun gut, gehen wir es an.

Eigentlich war es ein nahezu perfekter Tag, fast wie aus dem Bilderbuch. Bis auf den dichten Nebel (Sichtweiten teilweise unter 50 Meter), und den Regen (nur zeitweise), und das schwüle Wetter, und die Menschenmassen an den touristischen Highlights – aber in Summe war es Urlaub, mit ganz viel Zeit nur für uns und ganz viel Spaß – und deshalb dennoch super.

Fangen wir mit der morgendlichen Stärkung an, die ein echtes Highlight war: Sehr variantenreiches Frühstück unter freiem Himmel auf der Terrasse des Motels stellte einen idealen Start in den Tag dar. Ernsthaft – viel besser und motivierender kann man kaum in den Tag starten (außer wenn man mehr als 100m weit sehen könnte, aber beim Essen stört das ja nicht 😉 ).

Nachdem wir unsere Unterkunft hinter uns gelassen hatten, stoppten wir wenige Kilometer später in Camden – unsere ersten Station des Tages. Camden wirkt wie ein touristisch aufpoliertes, kleines Fischerdorf, das primär von ca. 500m fast schon kitschiger Hauptstraße und dem Hafen lebt. Wir haben uns beides bei einem kleinen Spaziergang angeschaut und für durchaus nett befunden. Etwas Unspektakulär vielleicht, aber wer Las Vegas in Maine erwartet hat, muss sich vielleicht auch unrealistische Erwartungen vorwerfen lassen (nebenbei: Heute vor einem Jahr ging unser Flug nach LA).

Auf dem Weg gen Nordosten legten wir einige Meilen später einen weiteren Zwischenstopp ein – dieses Mal in Fort Knox in der Nähe von Bucksport. Die schlechte Nachricht zuerst: Es gab kein Gold. Die Aussicht über die neu gebaute Brücke inklusive Aussichtsebene („Observation Deck“), welches übrigens höher als die Freiheitsstatue ist, war ziemlich beeindruckend. Nicht atemberaubend, aber wir waren ja auch an der Penobscot Bay und nicht über der Golden Gate Bridge 😉 Besser als das Observatory hat mir das Fort gefallen, dass – obgleich es sehr ähnlich zu vielen anderen seiner Art in Amerika ist – deutlich besser als der uns bisher gezeigte Durchschnitt erhalten ist und es wesentlich mehr zu entdecken gibt. So kann man nicht nur drei Kanonen-Batterien außerhalb des Forts erkunden, sondern auch diverse Räume (teilweise mehretagig und sehr großzügig geschnitten) im Inneren. Das Fort bietet tolle Sichtachsen und Perspektiven auf die umliegende Landschaft und macht daher den Eintrittspreis von immerhin 14$ für zwei Personen aus meiner Sicht lohnenswert. Im Fort und der Brücke kann man sehr leicht 1,5 – 2h überbrücken, ohne das man den Besuch unnötig in die Länge zieht.

Von Bucksport aus steuerten wir auf nahezu direktem Weg Bar Harbor bzw. Mount Desert Island an. Mount Desert Island ist ein recht attraktiver Nationalpark, der zahlreiche Highlights für Wanderer, Fahrradfahrer und weitere „Extremsportler“ (z.B. Kletterer) bietet. Wir beschränkten uns zunächst – auch mit Hinblick auf das nach wie vor sehr suboptimale Wetter – auf eine Erkundungstour mit dem Auto, ergänzt durch mehrere Zwischenstopps. Dabei zeigte sich, dass insbesondere das Verkehrsnetz der Insel hervorragend ausgebaut ist. Die meisten Abschnitte der touristischen Hauptroute sind als Einbahnstraße ausgeführt, so dass man auf spezifische Verkehrssituationen kurzfristig reagieren kann. Anders gesagt: Besonders „entspannte“ Trödler kann man kurzerhand ganz legal überholen. Unsere Versuche diverse Highlights entlang der Route zu besuchen, waren dennoch nur bedingt erfolgreich – sehr hohe Auslastung der Parkplätze, sehr viele Besucher, sehr schlechte Sicht. Am Thunderhole (einer Felsformation mit angeblich beeindruckender Gischt) war derart viel los, dass man sich an Massentourismus auf Mallorca erinnert fühlt. Wir zogen daher einigermaßen schockiert sehr schnell weiter. Am Ottercliff hatten wir mehr Glück: Entlang unserer ca. 800m langen Wanderung an der Küstenlinie konnten wir immer wieder spannende Ausblicke erhaschen und nahezu ununterbrochen einer wild läutenden Rifftonne lauschen – das Kliff ist optisch (soweit wir das heute erfahren konnten) schon sehr beeindruckend. In Abhängigkeit der Tide kann man mal mehr, mal weniger erspähen, in jedem Fall sind die extremen Tiefen direkt hinter der Kante des Wanderweges sehr beeindruckend.

Vom Ottercliff aus ließen wir uns die Chance kurzfristig auf den Cadillac Mountain zu fahren nicht nehmen. Wie durch ein Wunder hatten wir keine anderen, verängstigten Verkehrsteilnehmer vor uns, so dass wir den Gipfel problemlos und noch bei Tageslicht erreichten. Oben angekommen hatte die Sichtweite ihren Tagestiefpunkt erreicht, was aber ebenfalls durchaus faszinierend war. Nachteilig war die extrem hohe Luftfeuchtigkeit des Nebels allerdings für unsere Frisuren und unser Equipment: ein richtig gutes Gefühl hat man der Digitalkamera gegenüber bei diesen Bedingungen natürlich nicht. Wir haben dennoch einen kleinen Spaziergang unternommen und die (gefühlte) Abgeschiedenheit des Berggipfels mitten im Nebel genossen – eine durchaus coole Erfahrung.

Im Anschluss fuhren wir nach Bar Harbor, um in unsere sehr „niedliche“ Unterkunft einzuchecken. Es handelt sich um ein historisches Gebäude mit drei Stockwerken ohne Fahrstuhl, so dass sich insbesondere der Einzug durchaus spannend gestaltet. Auch sonst hat es etwas Geschick erfordert sich häuslich einzurichten, erlaubt es das kuschlige Zimmer doch kaum unsere Habe adäquat auszubreiten. Wir haben es dennoch geschafft alles unterzubringen, so dass wir nach rund einer Stunde zu einer Erkundung der Stadt aufbrechen konnten.

Was soll ich sagen: Bar Harbor ist schon cool. Ich würde es als Mischung aus Key West und Carmel by the Sea bezeichnen. Teilweise pompöse Anwesen, teilweise fast schon fragwürdige Lokale in der Innenstadt – ein durchaus interessantes und definitiv spezielles Bild. Wie auch in Key West wird der Tourismus inklusive der üblichen, stereotypischen Ansprüche aus meiner Sicht sehr intensiv und bedingungslos adressiert. Wer würde aus vernünftigen Gründen schon auf die Idee kommen eine „Sunset Cruise“ mit einem alten Segelschoner bei 0 Windstärken und Nebel zu unternehmen? Macht nix, die Gäste schienen trotzdem glücklich zu sein.

Einen finalen Regenschauer (der durfte natürlich nicht fehlen) passten wir zum Glück in unserer Unterkunft ab, bevor wir zum Abendessen „Downtown“ aufbrachen. Einer Empfehlung des Hotels folgend besuchten wir eine sehr nette Bar, die uns an das Hard Rock Cafe in Key West erinnerte – eine schöne Art den Tag ausklingen zu lassen.

Morgen werden wir recht früh in den Tag starten, um das besser werdende Wetter (wir hoffen einfach mal, dass sich der Wetterbericht nicht irrt) so intensiv wie möglich auszunutzen und den Acadia Nationalpark intensiv zu erkunden. Ich bin schon sehr gespannt, ob wir dann die vermisste Rifftonne erspähen können 😉

New England States Tag 1: Maine

Es ist mal wieder so weit – ziemlich genau ein Jahr nach unserem Roadtrip durch das sonnige Kalifornien sind wir wieder in den Vereinigten Staaten auf Tour. Da der Familienrat einstimmig (…) beschlossen hat, dass eine Wiederholung des Vorjahresurlaubs nicht so richtig vielversprechend sein würde (ich möchte nicht unterschlagen, dass es auch abweichende Strömungen gab), sind wir dieses Mal nicht an der hippen Westküste, sondern haben uns auf eine Rundreise ab Boston begeben.

Von der für Ihre Elite-Universitäten bekannten Metropole geht es für uns zunächst weiter nach Nordosten (grobe Richtung: Bar Harbor), bis in die White Mountains, bevor wir erneut gen Süden drehen, nach New York fahren, dieses über die Hamptons nach Osten verlassen um an Ende der Tour hoffentlich ein paar entspannte Tage in Newport, Cape Cod und Boston zu verbringen. Lassen wir uns überraschen 🙂

— Tag 00: Mietwagen (3) —

— Tag 00: Rator (7) —

Aus Gründen akuter körperlicher Erschöpfung musste ich den Bericht des Anreisetags inklusive der Mietwagenauswahl ausfallen lassen bzw. verschieben, so dass wir direkt in unseren Tagesreport des ersten vollen Tags an der Ostküste einsteigen. Zu Erinnerung: Unseren ersten vollen Tag in Florida verbrachten wir in Miami, am ersten vollwertigen Reisetag in Kalifornien haben wir Los Angeles unsicher gemacht – bei kuschligen 41,5°C tagsüber und über 37°C nachts. Unsere Beziehung zu Maine begann nach einer erholsamen Nacht gegen 07:00 Uhr etwas „unterkühlter“ – bei Nebel, leichtem Nieselregen (aber nur manchmal) und 20°C. Nunja, ein bisschen wollten wir es ja auch so 😉

— Nebel-Foto (4) —

Die erste Station des Tages stellte ein Besuch an Tide Pools keine 2km von unserem Hotel in Wells entfernt, dar. Obwohl der kleine Ort gefühlt am Ende der Welt liegt, war zunächst eine Parkgebühr via Kreditkarte zu entrichten (3 USD), bevor wir uns den Weg durch den Nebel zu den „Gezeitentümpeln“ suchten. Die guten Nachrichten zuerst: Wir hatten Niedrigwasser und es war wärmer als gedacht. Die schlechten Nachrichten: Es war mindestens 10 Grad zu kalt, 100% zu neblig und meine Brille mochte die Gischt nicht. Aber da wir ja noch ganz am Anfang unseres Abenteuers stehen und hochmotiviert sind, konnten uns diese kleinen Startschwierigkeiten gar nichts anhaben. Mit ungebrochenem Enthusiasmus kraxelten wir über die glitschigen Steine, beobachteten das überraschend rege Treiben der Schnecken im Brackwasser, stalkten einen nervösen Einsiedlerkrebs und erfreuten uns an den überraschend intensiven Farbwechseln, die sich ergaben, sobald auch nur ganz wenige Sonnenstrahlen durch das Grau drangen (die Steine leuchten dann gleich unerwartet grün / gelb). Es war ein toller Einstieg in den Urlaub am Meer – nur etwas konträr zu unseren Erlebnissen in den Vorjahren.

— Tide Pools & Füße (15) —

Von Wells aus ging es rund 1h später gen Norden zu einem Punkt Namens „Two Lights“ – von dieser Spitze einer Landzunge sollte man „eigentlich“ gleich zwei Leuchttürme sehen können. Sah man nicht – nur Nebel. Dafür hatten wir (Ebbe sei Dank) ausführlich Gelegenheit über eine große Fläche von Schiefersteinen zu kraxeln, die aussahen wie versteinertes Treibholz. Das klingt jetzt ziemlich banal, aber die Landschaft sah wirklich sehr beeindruckend aus und wenn wir jemals die Fotos bearbeitet online stellen, kann ich das auch beweisen 😉 Nebenbei haben wir unser erstes 360°-Foto dort aufgenommen, was ebenfalls ein ziemlich interessantes Format der Konservierung von Erinnerungen ist. Außerdem gab bzw. gibt es bei „Two Lights“ einen sehr großen Lobster Shack, der aber touristisch orientiert erst um 11:00 Uhr öffnet – deutlich zu spät für uns.

— Schiefer (22) —

Anschließend fuhren wir weiter Richtung Popham State Park, der sich auf einer Schereninsel befindet. Die gesamte Region sieht aus wie eine wilde Kreuzung aus norwegischer Landschaft und amerikanischer Architektur. Von einem „alten“ Fort aus spazierten wir den „Fjord“ entlang in Richtung Meer und ließen uns von den vielen Herrenhäusern begeistern, die jeweils eine eigene Insel exklusiv zu besetzen scheinen. Der Strand war hier super breit und der Sand sehr warm, so dass bestes Küstenflair aufkam. Da wir noch etwas mit der Zeitanpassung zu kämpfen hatten, machten wir eine kurze Pause ganz nah an der Dünung – ein tolles Mittagsschläfchen begleitet vom Rauschen der Wellen. Als wir wieder am Auto ankamen, herrschte am Parkplatz großes Gedränge – inklusive einem TV-Team. Wie wir erfuhren, sollte der neuste Zerstörer der US Marine irgendwann zwischen 15:00 und 17:00 Uhr hier vorbeikommen – interessant, aber soviel Zeit hatten wir nicht.

— Männchen am Strans (33) —

So fuhren wir die Route die wir gekommen waren in Gegenrichtung zurück und anschließend auf die nächste Halbinsel. Unterwegs kamen wir in Bath vorbei und konnten – neben der gigantisch großen Werft – auch das besagte Schiff sehen. Eine wirklich imposant Erscheinung. Das nächste Zwischenziel am Ende der Five Islands Road war dann eher enttäuschend: Insgesamt 5okm Fahrt um an einem einsamen Platz mit einem geschlossenen Lobster Shack zu stranden. Zugegeben, die Aussicht war dennoch ganz nett.

— Foto Werft (36) —

Also fuhren wir wieder zurück, um bei der Rückkehr auf das Festland zu bemerken, dass sich der Zerstörer gerade von der Anlegestelle löste. Also änderten wir kurzerhand den Kurs, suchten uns in letzter Minute einen Parkplatz mit Blick auf das Wasser und erhaschten doch noch einen schnellen Blick und ein paar spontane Fotos von dem Monstrum. Wenn die Bilder hier jemals zu sehen sein werden, wird sicherlich schnell klar, warum so viele Zuschauer so eine Aufregung um das „Boot“ gemacht haben.

— Zerstöööhrer (44) —

Nach diesem unterwarteten, wenn doch aufregenden, Highlight begaben wir uns auf den Weg zum Pemaquid Point Lighthouse Park. Da es bereits kurz vor 17 Uhr war, durften wir das Kassierhäuschen ohne Bezahlung passieren – jedoch blieb uns dadurch auch ein Besuch im hiesigen kleinen Museum verwehrt. Wir wurden aber durch einen phänomenalen Ausblick über die Klippen und auf den Leuchtturm entschädigt. Die tief stehende Sonne warf ein tolles Licht und zurückblickend hätten wir hier noch viel länger verweilen sollen.

— Spiegelnder Leuchtturm (52) —

Unser letztes Ziel des Tages war das Owl Head Lighthouse – ein Leuchtturm auf der insgesamt dritten von uns besuchten Schereninsel. Unterwegs waren wir sehr skeptisch, ob wir überhaupt noch vor dem Sonnenuntergang ankommen würden – denn selbiger soll am Leuchtturm gemäß Schilderungen aus diversen Reiseführern ein absolutes Highlight sein. Wir schafften es. Vor dem Sonnenuntergang – und wir waren ganz allein am maritimen Signal für verirrte Seefahrer – und es war enttäuschend. Der Blick war „ganz nett“, aber definitiv keine Eile und eigentlich auch keinen Umweg wert.

— Owls Head (57) —

Nach einem ziemlichen langen Tag wurde es nun Zeit in unsere zweite Unterkunft einzuchecken – ein nettes Hotel in Rockport nördlich von Bristol. Morgen wartet die Weiterfahrt nach Bar Harbor auf uns, wo wir zwei Nächte verbringen werden – ich bin gespannt. Im Laufe des Tages klarte auch das Wetter deutlich auf, so dass die Vorzeichen für die nächsten Tage mehr als gut aussehen. Wir werden berichten 🙂

Von einem anderen Stern? Mercedes AMG-GT S Probefahrt

Acht Zylinder, zwei Turbolader, 510 PS, 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 650 Newtonmeter Drehmoment, Höchstgeschwindigkeit 310 km/h – im Autoquartett sind das Kennzahlen, die aufhorchen lassen. Es sind gleichzeitig auch die Eckdaten, die den Mercedes-AMG GT S definieren, den wir kürzlich Probe gefahren sind. Obgleich ich bekennender Porsche-Fan und –Bewunderer bin und mich die Charakteristik und der Sound der Boxer-angetriebenen Sportwagen aus Zuffenhausen immer wieder begeistern, war ich sehr erfreut über die Möglichkeit auch mal einen der Herausforderer zu bewegen. Dies zu realisieren war einfacher als befürchtet, wofür sich Mercedes (bzw. die lokale Niederlassung) definitiv ein großes Lob und auch einen Dank verdient hat.

Um mit den technischen Fakten die ein Fahrzeug definieren weiterzumachen, sollte mindestens noch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, die Transaxle-Bauweise (Motor vorn, Getriebe direkt an der angetriebenen Achse hinten) und das Leergewicht von immerhin etwas über 1600kg genannt werden. Man könnte also meinen, der AMG GT S ist ein (gar nicht so kleines) Moppelchen. Ist er meiner Meinung nach auch. Doch der Reihe nach.

Der AMG GT S - unser Rendezvous für einen Tag
Der AMG GT S – unser Rendezvous für einen Tag

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PC-Refresh 2016: Eigentlich wollte ich doch nur…

Alles fing damit an, dass ich mich schon seit geraumer Zeit für die Oculus Rift interessiere. Die diversen Artikel, Tests und Erlebnisberichte der Fachpresse (und auch der Tester der Entwicklungsversionen) haben so viel Lust auf Virtual Reality gemacht, dass ich eigentlich schon letztes Jahr überlegt habe ein sog. Development Kit 2 – also eine Vorversion des Geräts – zu kaufen. Aber irgendwie kam ja dann das ein oder andere zwischen, das Thema trat geistig in den Hintergrund und Oculus konnte die Rift in Ruhe zu Ende entwickeln. Im Dezember 2015 wurde es dann spannend: Der Verkaufsstart der finalen Version des VR-Headsets wurde greifbar, als wahrscheinlichstes Datum galt die Consumer Eletronics Show gleich Anfang Januar 2016 in Las Vegas.

Genau so kam es dann auch und gemeinsam mit vielen anderen saß ich am 06.01.2016 vor dem Bildschirm und wartete darauf, dass der Countdown auf der Startseite des Oculus Stores auf 0 sprang und der Verkauf des Headsets endlich startete. Erstaunlicherweise brach die Website übrigens bei 0 nicht zusammen: Technisch ganz en vogue wurde die Uhr fließend durch einen Link ersetzt und Sekundenbruchteile später konnte man auch den Preis sehen *schluck*. Kurzes Grübeln später (ist ja erstmal nur ein Vorverkauf) klickte ich trotzdem auf „In den Warenkorb“ (oder so ähnlich) und die befürchtete Odyssee begann doch noch.

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Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 2

Eigentlich könnte ich diesen Erlebnisbericht unseres letzten vollen Tages in Kalifornien sehr kurz zusammenfassen: Wie gestern, nur besser. Im Ernst, unser heutiger Tag in Newport Beach kam meiner Definition von „perfekt“ in unbekannten Maß nahe. Knapp 30°C, ein leichter Wind, keinerlei Wolken, schöne Häuser, riesige Boote, tolle Autos, Spaß auf und im Wasser, keine Uhr, kein Smartphone, keine einzige E-Mail, ganz viel Zeit zu zweit .. wie gut solche Tage tun, merkt man erst, wenn man einen davon erlebt hat. Sicherlich werden diese Zeilen zusätzlich positiv davon beeinflusst, dass ich erneut auf meinem Autoren-Captain-Sessel residieren darf 😉

Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach
Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach

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Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 1

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich vermutlich auf dem besten Platz, an dem ich jemals einen Beitrag verfasst habe: Mein Rücken kuschelt sich in das weiße, weiche Leder eines Captain-Sessels an Bord einer Hunter 45 Yacht im Hafen von Newport Beach. Das Notebook steht auf der Navigationskarte, gegenüber von mir befindet sich ein an der Wand montierter 46″ Flachbildschirm, überall um mich herum befindet sich feinstes Holz und beschallt werden wir von einem BOSE-Soundsystem, welches wiederum an ein Sirius-Satellitenradio angeschlossen (viele Sender, keine Werbung, sehr gute Qualität) ist. Eine sanfte Beleuchtung verleiht dem geräumigen Salon eine beruhigende Atmosphäre, während ich den Tag geistig nochmals rekapituliere. Mein Smartphone liegt ungenutzt herum – ohne WLAN oder LTE-Netz spendet es angenehme Ruhe.

Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour
Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour

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