Copter Reloaded: Ein neues Spielzeug

Da ich bekanntlich dazu tendiere einige Dinge zu ausführlich zu beschreiben, versuche ich heute mal den direkten Einstieg: Wir haben beschlossen unsere Copter-Flotte um ein weiteres Exemplar zu erweitern. Warum? Weil der Bumblebee mit einem Abfluggewicht von rund 1,7kg mit LiPo recht schwerfällig ist und mit Hinblick auf die relativ aufwändige Konstruktion etwaige Reparaturen eher furchteinflößend sind.

Mit anderen Worten: Wir wollten gern etwas Kleines, Schnelles, Robustes, was sich im Zweifelsfall möglichst einfach reparieren lassen sollte. Ich kann an dieser Stelle schon vorgreifen und sagen, dass es gar nicht so einfach ist diese Kernanforderungen in einem Flugobjekt zu vereinen. Es stellen sich nämlich ständig Fragen wie „Was bedeutet klein?“. In der Tat ist es gar nicht so trivial abzuwägen, ob ein Copter mit 220mm Motorabstand in H-Anordnung (z.B. das Blackout Mini-H-Quad) schon zu klein ist oder ein klappbarer Quad mit sagen wir rund 45cm Motorabstand ala Click ‚N Go gerade noch zu klein zählt. Muss das Material zwangsläufig Carbon sein, oder nimmt man der Reparaturfreudigkeit halber nicht am besten Baumarkt-Alu? Sollen die Motoren so billig wie möglich sein (damit man keine Angst vor Schäden hat) oder greift man aus Angst vor mangelhafter Qualität, empfindlichen Materialien und allgemein potentiell schlechterer Verarbeitung lieber zu hochpreisigeren Herstellern?

Fragen über Fragen .. und es sollte doch nur ein weiterer Copter werden und nicht gleich eine ganze Flotte 😉 Nach sehr sehr langen Diskussionen hat sich herausgestellt, dass wir ein Flugobjekt wollen, dass in einen Rucksack passt. Hintergrund: Der Copter soll uns bei unseren vielen Spaziergängen begleiten können, damit wir nicht immer getrennte Einsätze für „Bewegung“ und „Fliegen“ abstimmen müssen. Dazu sollte er natürlich leicht, aber gleichzeitig so groß sein, dass man ihn in einigen Metern Entfernung immer noch gut erkennen kann. Nachdem meine streng wissenschaftliche Erhebung möglicher Kandidaten mit Malerkrepp auf dem guten Fliesenboden gescheitert war, definierte Dani unseren Favoriten „Quadrixette 30“ von Eyefly einfach als rucksacktauglich.

Malerkrepp als letzter Ausweg. Oben links: Click'n Go, oben rechts: Hammerhead Nano, unten rechts: Quadrixette 30. Jeweils Motorbefestigungen (ganz grob) und Größe eines jeweils empfohlenen Propellers
Malerkrepp als letzter Ausweg. Oben links: Click’n Go, oben rechts: Hammerhead Nano, unten rechts: Quadrixette 30. Jeweils Motorbefestigungen (ganz grob) und Größe eines empfohlenen Propellers

Ein paar Worte zum Rahmen: Im Prinzip eine angedeutete Dead Cat-Konfiguration, d.h. der Copter ist asymmetrisch gestaltet mit dem Ziel vorn eine Kamera zu montieren, bei der keine Propeller im Bild zu sehen sind. Die Quadrixette als solches gibt es in verschiedenen Ausprägungen je nach favorisiertem Abstand der Motoren (Nano, 30cm, 40cm). Die wichtigste Alternative wäre der Hammerhead Nano vom gleichen Anbieter gewesen, der jedoch eher in der 300g Klasse antritt, dafür aber wesentlich kompakter, da faltbar, ist. Eyefly als Hersteller bezeichnet sich selbst als Multicopter Manufaktur und genießt in der Szene einen hervorragenden Ruf – ein Eindruck, den ich nach unseren eigenen Erfahrungen nur uneingeschränkt teilen kann. Mit Hinblick auf dem Rahmen war also durch Bestellung der Centerplates, der Ausleger, des Landegestells, der Kamerahalterung und der Erweiterung der Kamerahalterung um einen Adapter für eine zusätzliche Flight-Cam (alle Teile in der Farbvariante „schwarz“ und jeweils aus Alu bzw. GFK) alles erledigt – Kostenpunkt rund 150€.

Leider musste ich im weiteren Verlauf feststellen, dass wir den Basisausbau zur Erreichung unserer Ziele (saubere Konstruktion inklusive Montagemöglichkeiten für unsere bestehende NAZA Light, den FPV-Sender und den üblichen Kleinkram) noch um einige weitere Elemente erweitern mussten. Es fanden also insgesamt drei 50x50mm Platinenabdeckungen und diverse Polyamid-Schrauben, Muttern und Distanzbolzen den Weg zu uns (ein Hoch auf die Erfindung des Großbriefs!). Gesamtkosten rund 20€.

Hinsichtlich der Motoren habe ich wirklich sehr lange mit mir gerungen. Die Kategorie (2208 mit ca. 1100kv, d.h. 11.000 Umdrehungen pro Minute an 8″ Luftschrauben und 3-Zellen-LiPos) stand sehr früh fest, doch für ein konkretes Modell konnte ich mich lange nicht entscheiden. Eigentlich hätte ich die hochgelobten Motoren aus dem Hause T-Motor favorisiert, doch bei rund 36€/Stück kommt doch recht schnell Angst vor Crashes und etwaigen Schäden auf – einen Ersatzmotor legt man sich da nur ungern zur Seite. Absolute Billig-Motoren wollte ich aus Angst vor mangelnder Effektivität, hohem Gewicht und zu weichen Wellen jedoch auch meiden, da mir Qualität schon bis zu einem gewissen Grad wichtig war. Letztendlich habe ich mich dazu entschieden die bisher eher unbekannten 2208v2 1100kv V2 Motoren von aus der X-Serie von Flyduino zu kaufen (20€ pro Stück) – mal schauen, wie sich diese in der Praxis schlagen werden. Mit der Verarbeitung, dem Lieferumfang und der Laufruhe im trockenen Test ohne Luftschraube war ich soweit begeistert (wenngleich leider ein falscher Propmount geliefert wurde).

Endlich mal wieder ein paar Pakete ;-)
Endlich mal wieder ein paar Pakete 😉

Die weiteren Komponenten sind quasi kaum nennenswert: Jede Menge Nylon-Luftschrauben von GemFan des Typs „1€ pro Stück zum Üben“, 2 2700er 3S Lipos von SLS (das Verhältnis von Größe, Kapazität und Gewicht hat mich zumindest auf Basis des Datenblatts absolut überzeugt), jeweils 40cm LED-Stripes, 10m Kabel des Querschnitts AWG20 / 0,8mm², ein 36mm Power Distribution Board und dazu ein paar Afro Slimline ESCs für maximal 20A und mit SimonK-Firmware. Die ESCs sind definitiv überdimensioniert, haben mich jedoch auf Grund eines Forenangebots förmlich angesprungen .. wie sich später herausstellte, passen sie zudem hervorragend zwischen die einzelnen Elemente des Landegestells und können daher prima montiert werden. Ferner werden wir den X8R 16 Kanal-Empfänger von FrSky (hatte ich schon mal erwähnt, wie sehr ich meine Taranis mag? Die wäre einen eigenen Beitrag wert..) und den Stinger Nano FPV-Sender aus dem Bumblebee transplantieren.

Hier sind die ESCS bereits eingeschrumpft und genau wie die Motoren fertig montiert. Dem Rahmen fehlt noch die obere Deckplatte
Hier sind die ESCS bereits eingeschrumpft und genau wie die Motoren fertig montiert. Dem Rahmen fehlt noch die obere Deckplatte

Der Flightcontroller ist aktuell im Prinzip jenes Detail, welches mich am meisten zweifeln lässt. Einen „Bolzcopter“ baut man normalerweise nicht mit der trägen NAZA auf .. aber sie lag gerade noch rum und bietet im Atti bzw. Manual Mode eigentlich einen guten Ausgangspunkt. Falls (wieder) ein OSD verbaut werden soll, könnte ich die Quadrixette sogar um ein GPS-Model ergänzen und damit alle Flugmodi abdecken, die auch der Bumblebee beherrscht. Als Alternative stünden ansonsten eine NAZE32 (also ein 32-Bit Port des bekannten MultiWii-Codes mit optimierter Hardware) hoch bei mir im Kurs .. hier muss ich mal schauen, was die Zukunft bringt.

Bezüglich der Montage gab es eigentlich keine größeren Auffälligkeiten, bis auf die Tatsache, dass man für den Zusammenbau der Komponenten doch deutlich länger als vermutet / erhofft benötigt. Insbesondere die korrekte Montage der Motoren an die Regler und selbiger dann an das Power-Distribution-Board hat sich bei uns doch deutlich zeitintensiver als zunächst geplant, gestaltet (Kabel korrekt ablängen, Motor und ESC verlöten, ESC und Power-Distribution-Board verlöten, Drehrichtung prüfen, Verbindung zwischen Motor und ESC ggf. wieder trennen und richtig verlöten, ESC von Power-Distribution-Board trennen, Schrumpfschlauch um ESC, Kabel zwischen ESC und Power-Distribution-Board ablängen und verlöten …. das ganze mal vier .. zieht sich ganz schön).

Dani voll dabei und hoch konzentriert - wie immer
Dani voll dabei und hoch konzentriert – wie immer

Auch die Anbringung der LEDs war nicht so ganz ohne, mussten wir doch zumindest bei den vorderen Auslegern eine limitierte Montagefläche bedingt durch das Landegestell geschickt kompensieren. Hier jeweils zwei kurze LED-Streifen zu fertigen, diese so miteinander zu verlöten, dass die Kabelführung genau an einer problematischen Schraube vorbei führt und dann diese Konstruktion möglichst elegant mit dem Power-Distribution-Board zu verlöten, kostet ebenfalls Nerven. Bezüglich der LED-Farbe haben wir uns für rot vorn (sieht frech aus und ist bedingt gut erkennbar) und weiß hinten (super erkennbar, hilft enorm bei der Lageeinschätzung auf größere Distanzen) entschieden. Da die gekauften LED-Strips IP65 geschützt sind, galt es zur Montage lediglich ein paar Kontaktpunkte vom Silikon zu befreien, die Kabel anzulöten und anschließend mit etwas Heißkleber wieder für die nötige Sicherung gegen Kurzschlüsse zu sorgen – geht einfach und sieht auch recht sauber aus. Erfreulicherweise passen die LED-Streifen von der Grundfläche her perfekt zu den 10mm Alu-Auslegern, welche schwarz eloxiert sind.

LEDs an Power-Distribution-Board. Selbiges ist etwas anders als gedacht genutzt, was aber ebenfalls prima funktioniert
LEDs an Power-Distribution-Board. Selbiges ist etwas anders als gedacht genutzt, was aber ebenfalls prima funktioniert

Nachdem der Copter als mechanisch fast fertig war, galt es noch schnell das „Türmchen“ für die weitere Elektronik zu montieren. Selbiges sitzt im Prinzip perfekt im Schwerpunkt und kann durch Zukauf weiterer M3 Polymid-Bolzen und Schrauben in Kombination mit den bereits angesprochenen Platinenabdeckungen nahezu beliebig erweitert werden – es ist fast der einzige Bereich des Copters, der von den Propellern nicht berührt wird. Die Polymid-Teile sind übrigens eine neue aber ziemlich coole Erfahrung für uns: Leicht, super zu handeln und man kann sie einfach auf die richtige Länge zurechtstutzen. Da Eyefly an allen Teilen des „Türmchens“ 36mm- und 50mm Bohrungen vorgesehen hat, kann man die meisten Standard-Teile und gängigen Flight-Controller ohne weitere Anstrengungen verbauen.

Flugbereiter Copter mit noch nicht perfekter Verkabelung
Flugbereiter Copter mit noch nicht perfekter Verkabelung – mittig der besagte Turm

Unser Setup ist hier noch nicht 100%ig perfekt, da wir die Kabel für den FPV-Sender und die NAZA eher zu lang als zu kurz lassen wollten, da hier ja noch entsprechende Modifikationen geplant sind.

It’s made for flying..

So .. und wie war denn nun der „Maiden“ (Jungfernflug) nach den ca. 15h Bauzeit? Um es kurz zu sagen: Super! Mit allen Komponenten beträgt das sogenannte AUW („All Up Weight“, Gesamtfluggewicht) rund 950g – rund die Hälfte des Bumblebees. Zwar hat die NAZA Light immer noch die Tendenz in den ersten Minuten nach dem Start etwas unmotiviert rumzudriften, doch die extreme einfache Startprozedur (Akku dran, ein paar Schritte zurück gehen, los .. kein Einrasten der Arme, Kalibrieren des Kompasses, Warten auf den GPS-Fix) und die enorme Agilität im Vergleich zur Hummel machen wirklich großen Spaß.

Ich seh dich!
Ich seh dich!
Flieger, grüß mir die Sonne!
Flieger, grüß mir die Sonne!

Nach rund 11 Minuten problemlosen Flugs war der erste 2700 mAh Akku leer und schon den zweiten LiPo flog ich mittels First Person View-Equipment (Fatshark an und los). Der Eindruck war nahezu unvergleichlich mit dem Bumblebee, da man durch die höhere Agilität gleich ein viel direktes Steuerungsgefühl hat. Kursänderungen erfolgen prompt und das „Gefühl“ für den Copter ist einfach viel unmittelbarer.

FPV-Flug - ist anstregender, als man sich das vorstellt ;-)
FPV-Flug – ist anstregender, als man sich das vorstellt 😉

Ergänzend zur GoPro kommt mittlerweile übrigens eine RunCam (Sony 600TVL) zum Einsatz, da diese bei anspruchsvollen Bedingungen bessere Bilder liefert und der Wechsel auf ein anderes Objektiv (mit anderem Weitwinkel) mit weniger als 10€ finanziellem Aufwand auch eher überschaubar ist. Im Gegensatz zum Bumblebee fehlt bei der Quadrixette nun natürlich ein Gimbal, wodurch es nicht möglich ist die Ausrichtung der Kamera in der Horizontalen zu beeinflussen – wenn es aber mehr um den Spaß am Fliegen und weniger um das Filmen geht, ist dies ein zunächst verschmerzbarer Verlust. Leider kämpft unser kleiner Copter derzeit noch mit einem recht merklichen Jello-Effekt (Bild „schwimmt“ in bestimmten Situationen), weshalb noch ein wenig Optimierung angesagt ist. Wenn ein liebevolles Wuchten der Propeller nichts bringt, muss ich u.U. doch noch in das Entkopplungs-Kit von Eyefly investieren .. neben dem Umstieg auf eine Naze32 als Flight-Controller wäre das doch eine tolle Maßnahme für den Monat Juli 😉

Dani: Alles unter Kontrolle!
Dani: Alles unter Kontrolle!
Geschafft! Wobei .. nach dem Flug ist vor dem Flug
Geschafft! Wobei .. nach dem Flug ist vor dem Flug

Copter Teil 4: Das fliegende Auge..

Wer die ersten drei Copter-Beiträge aufmerksam gelesen hat, wusste schon vor diesem Artikel, welcher nächste (unvermeidbare) Schritt folgen würde: Das „Upgrade“ auf echten First Person View Flug, d.h. die Live-Verbindung vom Boden zum Kamera-Bild.

Mindestens zwei Aspekte drängen den aufstrebenden Multirotor-Piloten geradezu in diese Richtung. Da wäre zum einen die wiederkehrende Frustration, welche sich immer dann einstellt, wenn man mit der GoPro mal wieder ein paar Meter zu hoch oder zu tief gehalten oder die Drehung wie immer zu schnell durchgeführt hat. Dies ist für sich genommen natürlich kein Beinbruch, aber mit der Option im Hinterkopf, dass es ja eigentlich viel schöner ginge, ärgert es den ambitionierten Hobbyfilmer dann doch.

Viel „motivierender“ ist aber der Gedanke den Boden endlich virtuell unter den Füßen zu verlieren und in nahezu Echtzeit einen Eindruck davon zu erhalten, wie die Welt wohl gerade von 20m über unseren Köpfen betrachtet aussieht. 20m sind dabei noch eine vergleichsweise geringe Höhe – die deutsche Gesetzgebung lässt unter gewissen Voraussetzungen ganz legal Flüge bis zu einer Höhe von 100m in der Vertikalen zu. In der Horizontalen ist die Formulierung übrigens weniger eindeutig – hier heißt es lediglich, dass man das Fluggerät noch mit eigenen Augen sehen können muss.

Alles in allem ein faszinierender Gedanke, oder?

Ready to rumble!
Ready to rumble!

So kommt man also recht schnell dazu sich Gedanken über das „Wie?“ zu machen. Als Aufnahmegerät kann für den Anfang der Live-Out-Ausgang einer vorhandenen GoPro-Kamera (o.ä.) genutzt werden. Sobald diese hinsichtlich ihrer Lage stabilisiert wird (durch den Einsatz eines Gimbals), empfiehlt sich zwar der Einsatz einer dedizierten Kamera für den Piloten, aber dies kann zunächst als eine der vielen, optionalen Erweiterungsmöglichkeiten betrachtet werden. Als nächstes muss man sich Gedanken darüber machen, wie das Kamera-Bild vom Copter zum Boden kommt. Hierfür benötigt man einen sogenannten Video Transmitter (VTX), der hoffentlich mit einer in Deutschland legalen Sendeleistung (25mW) und im freigegebenen Band funkt. Da die Fernsteuerung in der Regel im Bereich von 2,4 GHz arbeitet, verwenden die meisten FPV-Piloten Sende- und Empfangseinheiten im 5,8 GHz-Band. Eine attraktive und brandneue Möglichkeit bestünde darin eine digitale Verbindung zur Übertragung von Steuerbefehlen und Videoinhalten gleichermaßen zu verwenden, doch derartige Produkte (hier v.a. die DJI Lightbridge) sind noch sehr neu und derzeit preislich recht unattraktiv (>1.100€). Also bleibt man besser bei der analogen Übertragung mit Hilfe von renommierten Produkten von Iftrontech, ImmersionRC oder Fatshark (preislich attraktiver dann halt von Boscam etc.). Unser Copter war neben der GoPro Hero 2 auch schon mit einem Stinger Nano von Iftrontech ausgestattet, so dass hier von Anfang an alles „ready“ war.

Wenn nun luftseitig alles gegeben ist, sollte man sich um die Empfangseinheit am Boden und die Darstellung Gedanken machen. Wie so oft gibt es eine Vielzahl von Optionen und Kombinationsmöglichkeiten – ich beschränke mich im Folgenden auf die gängigsten. Prinzipiell muss man sich eigentlich nur zwei Fragen stellen:

  1. Reicht mir eine Antenne / Empfangseinheit oder benötige ich für eine erhöhte Reichweite, bessere Übertragungsqualität, Ausfallsicherheit etc. mindestens zwei (das nennt man dann Diversity)? Recht viele fortgeschrittene FPV-Piloten setzen einen Empfänger mit Diversity ein und kombinieren so Antennen mit unterschiedlichen Charakteristika. Dies ist sicherlich eine schöne Option, bedingt aber neben der Notwendigkeit einen weiteren Akku für die Groundstation mitzuschleppen eine nicht unerhebliche Investition (ein ImmersionRC DUO5800 v3 kostet rund 240€ .. dazu kommen mindestens 50 – 70€ für vernünftige Antennen .. nach oben keine Grenze)
  2. Möchte ich auf einen Bildschirm gucken (gängig sind 7,8 oder 10″) oder favorisiere ich eine Video-Brille, bei der ich quasi einen virtuellen Bildschirm vor mir in der Luft schweben sehen? Bei den Brillen geht das HD-Zeitalter übrigens gerade erst los, weshalb die Darstellungsqualität hier möglicher Weise etwas hinter dem zurückbleibt, was man sich zunächst vorstellt, aber durch die analoge Bildübertragung ist das theoretische Maximum hier eh .. begrenzt

Der Flug via Monitor hat einen Vorteil: Man kann das ganz prima und legal auch allein tun. Der Bildschirm kommt einfach an ein Stativ oder via zusätzlicher Halterung an die Fernbedienung und schon hat man die Möglichkeit das Kamerabild und das Quad quasi zur gleichen Zeit zu beobachten. Problematisch ist an diesem Setup das feindliche Tageslicht (gemeinhin: schönes Wetter) und – wie ich gehört habe – insbesondere zu Beginn die Herausforderung sich tatsächlich auf den Monitor zu konzentrieren. Es soll schon Leute gegeben haben, die mit Decke aufs Feld gefahren sind, um einen gewissen Zwang herzustellen nicht in die Luft zu starren 😉 Monitore gibt es übrigens mit oder ohne eingebauten Empfänger und auch mit und ohne Diversity. Preislich bewegt man sich zwischen 130 und 270€ je nach Beschaffungsart und Hersteller. Ich würde derzeit zu einem BOSCAM RX-LCD5802 tendieren, da dieser dem Vernehmen nach mit 400-450cd/m2 recht hell ist, Diversity unterstützt und (ganz wichtig) bei schlechter Signalqualität Rauschen anstelle eines schwarzen oder blauen Bildes anzeigt. Das gute Stück kriegt man in Europa so ab 150€. Generelle Empfehlung im Netz ist meist der Black Pearl 7″ LCD – dieser hat jedoch eine geringere Helligkeit. Selber getestet habe ich keinen von beiden.

Ein kleiner Schnappschuss (als Frame einem Video entnommen): Rechts das noch im befindliche Mauk Gartencenter, links Bad Homburg - im Pixelmatsch eher links ist das Schloss zu sehen
Ein kleiner Schnappschuss (als Frame einem Video entnommen): Rechts das noch im befindliche Mauk Gartencenter, links Bad Homburg – im Pixelmatsch eher links ist das Schloss zu sehen

Die meisten Interessierten werden das Thema FPV-Flug sicherlich eher mit dem Einsatz einer Videobrille assoziieren. Die Vorstellung auf dem Feld zu stehen (oder in einem Camping-Hocker zu sitzen), auf einen sagen wir 46″ Bildschirm aus 2m Entfernung zu blicken und darin in nahezu Echtzeit das Bild des Copters zu sehen, klingt doch schon viel spannender. Ging mir genau so 😉 An dieser Stelle sollte man beachten, dass der FPV-Flug in Deutschland nur legal (und versicherungstechnisch abgedeckt) ist, wenn man einen Spotter dabei hat, der das Flugobjekt direkt im Blick behält und jederzeit eingreifen kann. Ob dies auch eine zweite Fernbedienung im Lehrer-/Schüler-Modus bedingt, kann ich an dieser Stelle nicht sagen .. auf der sichereren Seite ist man so definitiv!

Wie gesagt, immer mit Spotter fliegen..
Wie gesagt, immer mit Spotter fliegen.. Ein wenig wie GTA (2) 😉

Beim Thema Brille gibt es dann wiederum einige Fragen zu klären: Vollabgedunkelt oder mit der Option das man „darüber weg“ schauen kann, FullHD oder Standard, integrierter Empfang oder externe Lösung und Größe des virtuellen Bildschirms (FOV – Field of View). Wer sich weitergehend mit der Thematik befasst, wird feststellen, dass die Empfehlungen einheitlich in Richtung vollabgedunkelt gehen, HD aktuell erst im kommen ist (Aufpreis ca. 150€ .. dafür mit integriertem Video-Rekorder .. kann man schon drüber nachdenken), das FOV mindestens 30 Grad betragen sollte (sonst wird das Bild einfach zu klein) und man ja mit dem integrierten Empfänger beginnen und später einen externen Receiver zusätzlich nutzen kann.

Durch einen positiven „Zufall“ (eine eher verharmloste Formulierung) eröffnete sich mir kurzfristig die Option recht günstig an eine Fatshark Dominator zu gelangen. Im Gegensatz zu Alternativen wie einer Carl Zeiss Cinemizer hat man hier den Akku und auch den Empfänger direkt an der Brille, so dass es wirklich nur heißt: Aufsetzen und los (kein Kabelchaos .. jedenfalls in meinem Setup nicht). Die Dominator ist wie alle Brillen von Fatshark vollständig abgedunkelt – da sieht man wirklich überhaupt nichts mehr und ein Betrug wie damals bei Wetten dass.. ist gänzlich auszuschließen 😉

Dieses äußerst aufwändig erstellte Foto (iPhone mit dem Display in die GoPro gehalten, GoPro-Bild über Videobrille geprüft, dann ausgelöst) dient nur der Darstellung, wie blickdicht die Brille ist
Dieses äußerst aufwändig erstellte Foto (iPhone mit dem Display in die GoPro gehalten, GoPro-Bild über Videobrille geprüft, dann ausgelöst) dient nur der Darstellung, wie blickdicht die Brille ist

Das FOV beträgt „nur“ 30 Grad, was nach meinen bisherigen Erfahrungen aber okay ist; dafür ist das Bild wirklich bis zum Rand absolut scharf (dem Vernehmen nach anders als z.B. bei der Predator). Headtracker und Empfänger sind bei der Dominator optional, so dass ich zumindest Letztgenannten noch zusätzlich erstehen musste (ja, eine Attitude V2 wäre auch eine Option gewesen .. hier ist alles integriert und das FOV beträgt 35 Grad. Außerdem kann man bei der Attitude den Augenabstand – IPD – einstellen. Bei mir passt der fixe Abstand der Dominator zum Glück). Interessant wären sicherlich auch die ganz neuen HD-Varianten gewesen, aber hier war mir die Wartezeit aktuell einfach zu hoch..

Dicker Hai *hrhr*
Dicker Hai *hrhr*

So fand also die Dominator aus dem Hause Fatshark in neuwertigem Zustand und mit originalem Transportcase den Weg zu uns. Selbiges ist übrigens richtig klasse, hat aber leider keinen Platz für eine Antenne (d.h. vor jedem Einpacken und nach jedem Auspacken muss diese fix aufgedreht werden). Auch sonst ist die Verarbeitung super und das Gerät selbst mit Akku im Halteband angenehm leicht zu tragen, einzig den fehlenden Ein-/Aus-Schalter kann ich nicht verstehen (man muss wirklich jedes mal den Akku rausziehen..). Bedingt durch die im letzten Beitrag beschriebenen – mittlerweile zum Glück gelösten – Probleme konnte ich bisher übrigens erst 2,3 Flüge mit der Brille machen .. weitere Erfahrungsberichte werden hier also noch folgen. Vorab nur soviel: Es ist ein wirklich irritierendes Gefühl, wenn man sich selbst in 10m überfliegt oder sich aus größerer Entfernung selbst sieht, aber den Copter überhaupt nicht mehr hört. Muss man einfach mal erlebt haben 😉

Dominator in mitgeliefertem Case. Vorn rechts erkennt man den Antennenanschluss und kann sehen, dass die Antenne unmöglich montiert transportiert werden kann..
Dominator in mitgeliefertem Case. Vorn rechts erkennt man den Antennenanschluss und kann sehen, dass die Antenne unmöglich montiert transportiert werden kann..
Brille mit optimierter Antenne .. gehört ebenfalls nicht zum Standardlieferumfang ;-)
Brille mit optimierter Antenne .. gehört ebenfalls nicht zum Standardlieferumfang 😉

Jetzt haben wir also ein Live-Video, eine Übertragung und eine Empfangseinheit .. eigentlich müsste das Glück doch damit komplett sein, oder?

Unglücklicher Weise hält der FPV-Flug bedingt durch das mitunter verzerrte Bild der Kamera (je nach Einstellung der GoPro) und einfach durch das „indirektere“ Gefühl beim Steuern des Flugobjekts doch so seine Tücken bereit. Entfernungen, Höhen, Geschwindigkeiten, Richtung .. das alles muss man erst lernen einzuschätzen und adäquat darauf zu reagieren. Allein schon vor diesem Hintergrund ist ein verständnisvoller und aufmerksamer Spotter („Du bist jetzt noch so 1m über dem Boden .. weißt du, oder?“) unverzichtbar! Wie bei so vielen technischen Spielereien gibt es natürlich auch für diese Herausforderung eine Lösung: Ein sogenanntes OSD (On Screen Display)-Modul. Dieses wird in die Verbindung zwischen Kamera und Video-Transmitter eingeklinkt und kann je nach Ausführung verschiedene Informationen darstellen (am interessantesten sind sicherlich Höhe relativ zum Startpunkt, Distanz zum Startpunkt, Richtung zum Startpunkt und womöglich Geschwindigkeit, Bordspannung, und vertikale Geschwindigkeit sowie bei stabilisiertem Kamerabild Pitch- und Roll-Winkel). Da ich ja (zumindest zur Zeit) DJI NAZA Pilot bin, gibt es aus meiner Sicht zwei Optionen:

Option 1: minimOSD mit ein wenig Bastelaufwand

Dank einer tollen Community und vielen cleveren Köpfen, kann man ein enorm leistungsfähiges OSD schon für 20$ erwerben – zumindest wurde das Projekt so vorgestellt 😉 In der Praxis kostet das minimOSD tatsächlich nur zwischen 10€ und 50€ – je nachdem wo man kauft und wie lange man warten möchte. Um das OSD mit der richtigen Firmware zu bestücken und es konfigurieren zu können, ist zudem ein sog. FTDI-Adapter (in Deutschland einzeln ab ca. 12€) erforderlich. Da ich – wie bei allem – extrem ungeduldig war, habe ich das OSD mit FTDI und ein paar Kabeln direkt in China bestellt und eine tolle „Ab 30€ mit gratis Express-Versand“-Aktion mitgenommen. Montag Abend bestellt, Donnerstag das Paket in der Hand gehalten (~5€ Einfuhrumsatzsteuer direkt an den DHL-Boten entrichtet) – absolut beeindruckend.

Das minimOSD - hier schon semiprofessionell verpackt
Das minimOSD – hier schon semiprofessionell verpackt

Um das Modul mit der Flugsteuerung verbinden zu können, muss man sich anschließend ein Adapterkabel löten, wofür neben einem Servokabel ein paar 2,4mm Sockel- und Stiftleisten benötigt werden; diese sind günstig via eBay und Brief zu beziehen (~2€). Danach heißt es Lötkolben an und schnell ein paar (drei) Kabel verbinden, fertig ist der Hardware-Part des OSDs (detaillierte Anleitung auf der Projektseite).

Adapterkabel aus Sockel- und Stiftleisten. Am anderen Ende ist einfach nur ein Servostecker
Adapterkabel aus Sockel- und Stiftleisten. Am anderen Ende ist einfach nur ein Servostecker (s.o.)

Beim späteren Verbau am Copter unbedingt darauf achten, dass die Kabel sowohl an der NAZA bzw. der PMU korrekt angeschlossen werden, sonst hat es das OSD binnen Sekunden erlebt. Softwareseitig muss das Modul mittels eines bereitgestellten Tools zunächst auf eine temporäre Firmware geflashed werden, bevor das sog. Charfile eingespielt werden kann. Danach wieder auf die richtige Firmware und schnell ein paar Settings konfiguriert – fertig. Alles in allem eine Aktion von weniger als 2h.

Blick auf das minimOSD - Konfiguration nur beispielhaft
Blick auf das minimOSD – Konfiguration nur beispielhaft

Was wir hier sehen, ist die größte Stärke des OSDs (aus meiner Sicht). Jedes Element kann frei positioniert sowie eingeblendet oder versteckt werden. Man hat die totale Freiheit und kann – wenn man im Löten etwas talentierter ist – auch weitere Daten wie Empfangsstärke des Fernbedienungssignals, Flugmodus der NAZA oder sogar einen künstlichen Horizont einblenden – absolut genial und für (ideal betrachtet) weniger als 20€. Wenn man – wie ich – von der NAZA Lite auf die NAZA V2 umsteigt, wird man den tollen Adapter übrigens zwei mal basteln wollen, da der Stecker des Adapters bei der Lite direkt an die NAZA kommt und recht klein sein muss, während bei der NAZA V2 die GPS-Daten direkt an der Verbindung von Pilz zu PMUv2 abzugreifen sind (und damit hier alles fest sitzt, muss der mechanische Part des Adapters wiederum etwas größer sein).

Screenshot des Konfigurationstools
Screenshot des Konfigurationstools

Option 2: DJI iOSD Mini

Wie auf so viele elementare Wünsche des FPV-Fliegers hat DJI natürlich auch auf den Bedarf eines OSDs eine bzw. sogar mehrere Antworten. Die einfachere, aber ausreichende Version davon heißt DJI iOSD Mini und wechselt für 59€ den Besitzer. Das iOSD Mini besticht durch seine Einfachheit: Modul (so richtig schön mit Gehäuse und so), auspacken, via passgenauem Stecker mit PMUv2 verbinden, ein Kabel an die Kamera, ein Kabel an den Videotransmitter, Akku an den Copter, freuen. Kein Flashen, kein Updaten, keine Adapter .. einfach nur diesen wenigen Schritten folgen und nach weniger als 10 Minuten (kommt drauf an, wie lang man für zwei Lötungen benötigt) hat man die kleine Plastikkiste in Betrieb.

Blick auf das DJI iOSD Mini
Blick auf das minimOSD – Konfiguration nur beispielhaft (und Voltagesettings nicht eingestellt .. sonst wäre der 3S Lipo ganz schön heftig..)

Wie man sieht, scheinen die Informationen auf ersten Blick die gleichen zu sein wie beim (von mir entsprechend konfigurierten) minimOSD und sogar Daten wie der künstliche Horizont sind sofort da. Witzig ist die kleine Raute im Bild, welche den Startpunkt markiert, während das minimOSD eine Radardarstellung bietet und mittels rotierendem Pfeil komfortabel die Richtung den Copter-Piloten zeigt. Was mich am iOSD Mini etwas stört, ist seine mangelnde Flexibilität. Es gibt zwar eine dedizierte Anwendung für den PC und einen USB-Port, aber die einzige Option ist hier: Linke GUI-Elemente ganz links oder mittel-links und GUI-Elements rechts ganz rechts oder mittel-rechts. Der gesamte Gedanken des „Ich bastel mir selbst was Cooles“ geht da ein wenig verloren 🙁

Der iOSD Assistant - hier gibt es auch in Version 4 nicht viel zu tun..
Der iOSD Assistant – hier gibt es auch in Version 4 nicht viel zu tun..

Da ich während der Projektphase auf Grund immenser Inkompetenz einige Zeit dabei verloren habe, im Chaos von zuviel Isolationsklebeband die Anschlüsse von der Kamera und zum VTX zu verwechseln, habe ich jetzt mit Steckern und Beschriftungen gearbeitet und kann prinzipiell binnen weniger Augenblicke zwischen beiden OSDs wechseln .. mal schauen, welches uns auf Dauer begleiten wird.

Adapterkabel mit Beschriftungen
Adapterkabel mit Beschriftungen

Ich entschuldige mich an dieser Stelle für die suboptimalen Fotos der OSD-Darstellungen – leider ist es mir nicht gelungen mit der Spiegelreflex in die Fatshark zu fotografieren (Mindestabstand..). Auch die Darstellung mit schwarzen Rändern ist meiner derzeitigen GoPro-Einstellung geschuldet. Die Dominator erwartet eine 4:3-Darstellung, welche die GoPro z.B. im 960p-Modus auch liefert .. dann wird es aber ganz schön fischaugig.. Ich hoffe auch dieser kleine Einblick in die Welt des FPV-Flugs war lesenswert und hat vielleicht sogar Lust darauf gemacht, dass Beschriebene nachzubauen.

Copter Teil 3: Wer hoch steigt… [UPDATE]

…kann bekanntlich tief fallen. Oder: Abstürze passieren grundsätzlich nur allen anderen, aber nie uns!

Wenn man sich ein wenig zum Thema Quadropcopter, First Person View Flight und dem zugehörigen Equipment einliest, wird man relativ häufig auf die gleichen Empfehlungen stoßen:

  1. Fang mit einem gaaaaanz billigen Rahmen an. Am besten Alu-Vierkant aus dem Baumarkt .. das kann man am leichtesten ersetzen (ich persönlich würde eine Centerplate von Warthox nehmen und tatsächlich dieser Variante folgen .. oder gleich ein paar Carbonärmchen kaufen .. oder doch einen edlen und unverwüstlichen Kunstflug-Rahmen ala rOseWhite Rachel .. damit die eigene Unfähigkeit wenigstens weh tut 😉 )
  2. Kauf von allem was du brauchst Ersatz. Ein paar Regler, ein paar Motoren, ein paar Arme .. ein paar mehr Luftschrauben
  3. Übe das Fliegen in allen Modes ganz ausgiebig. Achten vorwärts (Copter mit dem Heck zum Piloten), Achten „rückwärts“ (Copter mit der Nase zum Piloten) .. taste dich an alles ran
  4. Erweitere dein Equipment nach und nach. Also am besten nach ein paar Monaten, wenn man das vorhandene Material beherrscht

Klingt alles total sinnvoll und würde ich auch jedem so empfehlen .. aber nicht jede Entscheidung im Leben ist bekanntlich rational 😉 Und da wir – durch den Gebrauchtkauf als Paket – schon mal einen CF-Klappkopter mit GPS und eine GoPro nebst Videotransmitter hatten, lag es ja recht nahe zum einen sofort mit dem Filmen anzufangen und zum anderen demnächst über die Etablierung einer Live-Verbindung zum Bild des Fliegers nachzudenken. Soweit kam es nicht.

Wie im vorherigen Beitrag schon mal angeschnitten, sollte der Copter zunächst mit einem GPS-Klappmast ausgestattet werden. 7€ aus China oder 18€ aus Deutschland? Es soll ja schnell gehen .. also lag das gute Stück wenige Tage später hier. Die Konstruktion war simpel und der Mast schnell verbaut. Er passte ideal und im umgelegten Zustand ließ sich der „Kopf“ von Bumblebee sogar zum perfekten Transport einrasten .. es hätte kaum besser sein können. In der neu angeschafften Tasche bzw. dem Koffer transportierten wir also mehrere Tage nach dem Umbau alles auf’s Feld .. mein einst locker dahin gesagter Satz „Wenn beim nächsten Mal was schief geht, wissen wir wenigstens warum..“ war vergessen.

GPS-Klappmast .. ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, damit ich die Zustände "geklappt" und "ausgeklappt" gleichzeitig zeigen kann. Dem Gewinde rechts geht es nicht mehr so gut..
GPS-Klappmast .. ich habe weder Kosten noch Mühen gescheut, damit ich die Zustände „geklappt“ und „ausgeklappt“ gleichzeitig zeigen kann. Dem Gewinde rechts geht es nicht mehr so gut..

Copter bei aller schönster Abendsonne ausgepackt, Mast fest verschraubt (jup, nix wackelt, alles prima), Fernbedienung an, Akku rein, Copter-Tanz (Kompass-Kalibrierung), Warten auf dauerhaft grünes Blinken der LED (GPS-Empfang von mindestens 6 Satelliten) und los geht’s. Bereits nach wenigen Augenblicken wird klar, dass der Copter massiv zu einer Seite zieht. Leider tat er das mit der Naza Lite von Anfang an (der Sache hätte man vielleicht nach gehen sollen .. aber als Anfänger ist es nicht so einfach zu beurteilen, was „works as designed“ ist und wann es sich um einen Fehler handelt). Also zur Sicherheit den asphaltierten Startplatz verlassen und aufs Feld geflogen .. gar nicht so einfach die verwirrte Hummel einigermaßen in der Luft zu halten. Nach ca. 60 Sekunden ist dann etwas passiert, was zwar nahe liegend war, aber nicht hätte passieren sollen: Der Copter begann sich leicht um seine eigene Achse zu drehen und meine liebevollen Ausgleichsbewegungen per Fernbedienung erzielten nicht mehr den gewünschten Effekt (einfach weil ich so schnell und auf die Distanz .. und auf Grund fehlender Kompetenzen nicht adäquat reagieren konnte). Man hätte jetzt vieles tun können: Failsafe auslösen, statt GPS-Mode auf Atti-Modus wechseln (fragwürdig, ob das geholfen hätte), im Feld landen, im Notfall die Motoren einfach abschalten .. aber man(n) hat sich gegen all diese tollen Optionen entschieden.

Das Gute war: Plötzlich kam der Copter wieder zu uns zurück. Das Schlechte: Er tat das ziemlich zügig und er reagierte nicht mehr auf meine Befehle (zurückblickend ist auch relativ klar, warum). So flog er ein letztes Mal in gesundem Zustand über unsere Köpfe hinweg, um dann in ca. 10m Entfernung einen Korkenzieher auf dem uns umgebenden Asphalt auszuführen. Ganz schön hässlich. Wenn man sowas hautnah miterlebt hat, gehen einem zwei Gedanken durch den Kopf: 1. Was bitte soll nach der Aktion noch übrig sein? 2. Echt eine gute Idee mit der Versicherung .. es ist nichts passiert, aber leider hätte die Situation auch anders ausgehen können.

Es kam, wie es kommen musste. Sollbruchstelle Motorhalterung
Es kam, wie es kommen musste. Sollbruchstelle Motorhalterung

Ein paar Schrecksekunden später begaben wir uns in Richtung des Wracks, welches sich im nahegelegenen Feld verstreut hatte (er hätte auch einfach ca. 3m später aufschlagen können .. wäre angenehmer gewesen). Die erste Bestandsaufnahme war absolut überraschend: Eine Stange des Landegestells gebrochen (ein eher kosmetisches Thema .. 5€), 2 Motorhalter gebrochen (jeweils 3€), vier (ja, 4) Propeller intensiv verformt (4 x 7€), GPS-Antenne vom neuen Fuß gehupft .. halb so wild .. GoPro absolut unversehrt: Ein Wunder!

Da hilft auch kein Wuchten mehr.. maximal noch als 8" Propeller ;-)
Da hilft auch kein Wuchten mehr.. maximal noch als 8″ Propeller 😉

Noch während wir die Reste unseres Flugobjekts im Auto verstauten, eilte ein Modellbaufreund herbei und erzählt uns, wie preisgünstig so ein Multicopter-Crash doch sei. Bei seinen Helis sind immer gleich 400€-700€ hin .. sehr erbauend. Kaum zu Hause angekommen begann ich mit der Suche nach Ersatzteilen im Netz (u.A. weil wir wie schon gesagt keine einzige der vier oben genannten Ratschläge beherzigt hatten) und bekämpfte die aufkommende Frustration vor dem Hintergrund dieses Wochenende eher keinen Flug mehr machen zu können (der Crash erfolgte gegen 20:00 Uhr an einem Freitag).

Was soll ich sagen .. durch einen unglaublich netten Händler hier direkt um die Ecke (und eine noch unglaublichere Ehefrau) hatte ich schon am Samstag um 14:00 Uhr alle erforderlichen Ersatzteile in der Hand 🙂 Bei den Propellern konnte ich sogar auf Bestandware zurückgreifen, da ich hier vor Kurzem ein „kleines“ Set aus ca. 20 Teilen günstig erstanden hatte – so durfte ich dann auch meine Propellerwuchtmaschine zusammenbauen und ausprobieren 🙂 Als ich uns kurz vor dem Ziel glaubte (d.h. Copter fast völlig zerlegt, Ausleger abgebaut, Motorhalter demontiert, ESCs demontiert), passierte das, was eigentlich nicht passieren darf: Es fehlte an einem Stück Draht (Kabel). Aber dieses Problem hatten ja schon die mutigen Helden bei „Das Boot“. Unglaublicherweise setzt man im Modellbau übrigens keine normale Litze ein .. nein, nein, um die beengten Biegeradien problemlos abbilden zu können, kommt gutes (weiches) Silikonkabel zum Einsatz. Hat kein Baumarkt, auch wenn wir bei drei verschiedenen vorstellig wurden. Das als Notfallersatz gekaufte Lautsprecherkabel (nicht lachen .. der Querschnitt war echt gut und es war definitiv eine nahe liegendere Wahl als das Halogenspannseil, das Dani zuerst ausgesucht hatte) wollte jedenfalls auf Biegen und Brechen nicht durch unser Carbon-Ärmchen. Ende. Aus. Der Traum vom Fliegen auf Montag verschoben.

Dr. Copter am Werk
Dr. Copter am Werk

An diesem traf ich mich erneut mit unserem neuen besten Freund, dem Händler aus der Gegend, welcher glücklicherweise fast „nebenan“ arbeitet. Also konnte es Montag Abend endlich mit der Reparatur weitergehen. Es wurde gelötet, geschrumpft, geschimpft, genörgelt .. und irgendwann auch wieder zusammen gebaut. Dabei mussten wir feststellen, dass die GPS-Antenne einen kleinen Riss am Gehäuse abbekommen hat und das Gewinde des guten Klappmasts auch aufgegeben hat .. nun ja, jedes große Projekt fordert Opfer.

Trotz alledem konnten wir am darauf folgenden Dienstag wieder Starten. Wir wählten eine große, frisch gemähte Wiese aus .. relativ abseits, windgeschützt, weich wie ein überdimensionales Bällchenbad .. was könnte es Besseres geben. Es war so toll, dass sogar Dani ihren Erstflug unternahm. Der Copter neigte zwar beim Starten immernoch dazu zur Seite zu driften, aber sonst flog er sich wirklich prima. Allein: Das GPS wollte einfach nicht genügend Satelliten finden (soll es aber manchmal geben). Um an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail zu gehen: Es war mitnichten alles toll. In den kommenden Tagen häuften sich die Probleme: Der Kompass ließ sich nicht kalibrieren, der GPS-Empfang brach immer mal wieder ab, mitten im Flug wechselte der Copter vom GPS in den Atti-Mode .. alles nicht so toll 🙁 Irgendwann war klar: Die Antenne muss es wohl doch erlebt haben. Preis der GPS-Antenne: 150€. Preis einer NAZA V2 mit GPS-Antenne: Ca. 230€. Da es mich schon die ganze Zeit gestört hat auf Software-Version 1.0 bleiben zu müssen, während die „richtige“ NAZA aktuell auf 4.02 ist, habe ich mich nach längerem Hadern zum Kauf der neuen Flugsteuerung entschieden. Ich habe auch längere Zeit über Alternativen ala APM (Ardu Pilot Mega) oder Naze32 nachgedacht, dann jedoch beschlossen, dass erstmal kurzfristige Erfolgserlebnisse her müssen (nur vertagt, nicht vergessen).

Selbstsicher sind die Leute bei DJI schon mal..
Selbstsicher sind die Leute bei DJI schon mal..

So verbrachten wir weitere ca. 12h damit unseren Copter erneut grundlegend umzubauen. Die Plasti-Dip-Lötorgie des Vorbesitzers wurde entfernt und durch ein schönes Powerdistribution-Board ersetzt .. so ist der Copter gleich viel aufgeräumter. Außerdem haben wir alle Kabel neu verlegt und die Anordnung der Teile auf der Centerplate entsprechend optimiert .. alles sehr schön so und es gibt einem ein gutes Gefühl das Fluggerät nun soviel besser zu kennen.

Links: Innenleben vor dem Umbau. Rechts: Powerdistributionboard noch vor der Versiegelung durch Heißkleber
Links: Innenleben vor dem Umbau. Rechts: Powerdistributionboard noch vor der Versiegelung durch Heißkleber

Die größte Krux ist beim Bumblebee übrigens (zumindest aus meiner Sicht) die herausfordernde Fingerübung, welcher man sich stellen muss, wenn man die Centerplate abnehmen bzw. wieder montieren will. Die klappbaren Ausleger sind nämlich mit der oberen und unteren Centerplate verschraubt, so dass – sobald man eben jene vier Bolzen entfernt – der ganze Copter auseinanderfällt. Beim Zusammenbau muss man hier also schon ziemlich viele Dinge „zusammenbringen“, damit die Konstruktion wieder vervollständigt werden kann.

Gänzlich unverbaute Centerplate - in der Mitte kann man die vier besagten Bolzen gut erkennen
Gänzlich unverbaute Centerplate – in der Mitte kann man die vier besagten Bolzen gut erkennen. Außerdem sieht man den XT60-Stecker, bei dessen Kauf ich beim Überfahren einer roten Ampel (unschuldig, da Demo) geblitzt wurde. Andere Geschichte.

Der geneigte Leser fragt sich an dieser Stelle vielleicht was überhaupt passiert ist, als der Copter so unsanft zur multiplen Asphalt-Rolle angesetzt hat. Eben jene Frage hat mich auch einige Stunden zur Verzweiflung getrieben, bevor mir die Antwort dann bei nochmaliger Sichtung der NAZA Assistant Software aufgefallen ist: „The main label on the GPS should face the sky and the arrow point to the nose direction of the multi-rotor.“ – mit anderen Worten: Da ist ein kleiner Pfeil auf der GPS-Antenne … zufällig genau da, wo das Kabel aus der Antenne kommt .. und der sollte nach VORN zeigen. Wir haben das Kabel (unter völliger Nichtbeachtung des Pfeils .. den hatte ich bis dahin nicht mal entdeckt) jedoch so montiert, dass es sich möglichst leicht verlegen ließ. Tja .. Lernen durch Schmerz und Lernen durch Lehrgeld – was soll’s.

Neu aufgebauter Copter von hinten betrachtet (Erklärungen siehe Text)
Neu aufgebauter Copter von hinten betrachtet (Erklärungen siehe Text)

[Erklärung zum Bild für Interessierte: Das orange Teil links ist die NAZA V2, also die Flugsteuerung. Diese sollte eigentlich im CoG, dem Center of Gravity (Schwerpunkt) sitzen und ist daher auf diesem Bild falsch montiert. Wichtig ist übrigens die NAZA mit wenig dämpfendem, doppelseitigen Klebeband zu verbauen (bzw. die mitgelieferten Pads zu verwenden), da bei der Verwendung von Klettband durch die zusätzliche Absorption Störungen auftreten können. Hinten mittig befindet sich der X8R-Empfänger von FrSky für die Fernbedienung. Seine zwei Antennen sollten eigentlich im 90°-Winkel zueinander stehen, aber ich will keine Reichweitenrekorde erzielen. Das Empfänger ist via SBUS / DBUS mit der NAZA verbunden und benötigt daher nur ein Servo-Kabel (über das er gleichzeitig mit Strom versorgt wird). Rechts mittig auf Centerplate klebt die sogenannte Power Management Unit (PMUv2), welche an den Akku (bzw. das Powerboard) angeschlossen ist und die richtige Spannung zur Versorgung der NAZA bereitstellt. Außerdem hat die PMU einen CAN-Bus-Hub integriert, an welchen weitere Module wie z.B. ein Gimbal oder ein OSD von DJI angeschlossen werden kann. Ganz in der Mitte thront die GPS/Kompass-Einheit auf ihrem kleinen Mast – man beachte übrigens den oben angesprochenen Pfeil, welcher genau nach vorn zeigen muss]

Ein schneller Schnappschuss aus der GoPro. Qualitätstechnisch nicht ideal, aber aus Sicht der Stimmung schön
Ein schneller Schnappschuss aus der GoPro. Qualitätstechnisch nicht ideal, aber aus Sicht der Stimmung schön

An dieser Stelle muss ich übrigens leider etwas traurig schließen: Zwar fliegt der Copter mit der NAZA V2 generell richtig toll (sehr präzise steuerbar, sehr stabil in der Luft, sehr beherrschbares Startverhalten), hat jedoch nach wie vor ein Problem. Während das Quad mit der NAZA Lite beim schnellen Vorwärtsflug tendenziell durchgesackt ist (so geht es den meisten Benutzern im Netz), fliegt unser Bumblebee schnurgerade .. um dann am Ende der horizontalen Flugbewegung massiv an Höhe zu gewinnen. Sprich: Schnelles Fliegen nach vorn (bei langsamen Bewegungen tritt der Effekt nur ganz leicht auf), plötzliches Loslassen des rechten Sticks, Copter bringt sich in neutrale Lage .. aber setzt den Schub eifrig nach oben um. Um dies zu beheben, habe ich bisher intensiv an den Gains für Pitch und Vertical geschraubt (Remote Gain Adjust sei Dank .. später mehr dazu), was jedoch nicht wirklich geholfen hat. Als nächstes sind die Attitude Gains dran und abschließend werde ich prüfen, ob es einen Effekt hat, wenn die NAZA wirklich perfekt mittig und nicht ca. 3cm links vom Schwerpunkt ist (ist aktuell der Fall). Hoffentlich erreichen wir dann endlich ein (nahezu) perfektes Flugverhalten.. so langsam hätten wir es uns verdient 😉

Zum Abschluss nun noch ein paar bewegte Bilder des Malheurs – viel Vergnügen!

[hana-flv-player video=“http://slashho.me/wp-content/uploads/2014/06/BB_CRASH.mp4″ width=“700″ height=“autow“ description=““ player=“6″ autoload=“false“ autoplay=“false“ loop=“false“ autorewind=“false“ /]

Update vom 07.06.2014:

Egal wie wir die Gains eingestellt haben .. so wirklich etwas gebracht hat das leider nicht. Aaaaaber im Rahmen der geplanten „Reorganisation“ der Centerplate haben wir den Copter nochmals im Detail hinsichtlich des Schwerpunkts betrachtet. Dabei stellte sich heraus, dass der Quad leider gänzlich aus dem Gleichgewicht war. Egal wie stark wir den Gimbal an der Vorderseite verschoben haben, kaum hing das Flugobjekt an einem Seil, wollte es unbedingt nach vorn kippen. Dieser Situation konnten wir Herr werden, in dem wir die Akku-Halterung zumindest zur Hälfte noch hinter das hintere Landegestell verschoben haben, so dass der Copter jetzt nahezu 100%ig ausbalanciert ist – wie ein guter Sportwagen halt 😉

Links im Bild (dort wo der Bumblebee-Strap dran hängt) sieht man die neue Position des Akku-Halters - deutlich besser
Links im Bild (dort wo der Bumblebee-Strap dran hängt) sieht man die neue Position des Akku-Halters – deutlich besser

Die NAZA ist in diesem Zusammenhang nun auch wie geplant perfekt in den Mittelpunkt gewandert und hat den ehemaligen Platz der GPS-Antenne eingenommen. Diese wiederum residiert jetzt (mit dem Pfeil nach vorn..) am Heck, was wir auch in der Software entsprechend eingetragen haben. Nach einem nochmaligen Ausflug aufs Feld nebst Copter-Dance (Kompass-Kalibrierung nach Umbau des Fluggeräts) kann ich nun endlich sagen: Der Copter fliegt das allererste Mal so, wie wir es uns von Anfang an erhofft haben. Ich kann nicht genau sagen, ob es am Montagepunkt der NAZA lag; das starke Ungleichgewicht war auf jeden Fall ein sehr großes Problem. Jetzt kann es hoffentlich mit unbeschwertem FPV-Flug weitergehen..

NAZA jetzt direkt im Schwerpunkt, GPS-Antenne am Heck. Jetzt muss ein neuer Bumblee-Kopf her..
NAZA jetzt direkt im Schwerpunkt, GPS-Antenne am Heck. Jetzt muss ein neuer Bumblebee-Kopf her..

Copters Erstflug .. und dann?

Nachdem der erste Flug mit dem Copter erfolgreich absolviert wurde, ergab sich natürlich die Frage: Und jetzt?

„Zum Glück“ hielt gleich die erste Eroberung des bodennahen Luftraums soviel Optimierungspotential bereit, dass keine Langweile aufkommen sollte. Ich fange einfach mal an zu erzählen und schaue, wie weit wir in einem Beitrag kommen. Falls inhaltlich nicht alles schlüssig sein sollte, entschuldige ich mich im Vorhinein .. auch Stand heute ist beim Copter quasi sehr viel im Umbruch.

Problem #1: Die Hummel ist angetrunken und hat keine Lust auf schnelle Bewegung

In der Tat hat sich während unseres Erstflugs herausgestellt, dass der Vorbesitzer des Bumblebees entweder keinen Spaß an dem Multicopter hatte oder – um uns den Spaß nicht zu nehmen – die meisten Einstellungen in der NAZA (Flugsteuerung)-Parametrisierung auf Standard zurückgesetzt hat. Einzig der Montagepunkt der Einheit außerhalb des Schwerpunkts war noch mehr oder minder korrekt eingemessen (was mich irrtümlich glauben ließ, alles sei liebevoll und fertig eingestellt). Wie sich also herausstellte, blieb der Copter zwar in der Luft, reagierte auf Änderungen (vor allem hinsichtlich der vertikalen Achse) enorm träge. Dies äußerte sich darin, dass Dani mehr als 1x „Hochziehen, hochziehen“ forderte und neben einem profimäßig wirkenden Tiefflug durch das Gras auch mindestens ein etwas unsanfter Bodenkontakt zu verzeichnen war. Kein Problem, dieser Störung sollte man eigentlich durch Anpassung der sogenannte Gain-Werte (diese geben an, wie intensiv der Copter auf Veränderungen an seiner Lage reagiert) Herr werden können. Blöde Sache: Ich wollte keinen Kanal der Fernbedienung für die sog. Ferneinstellung (Remote Gain Adjustment) opfern und entschied mich daher Empfehlungen aus dem Internet zu folgen (was der Einstellbarkeit während des Flugs quasi sofort ein Ende setzt). Dies hat die Situation deutlich verbessert, aber immer noch zu keinem perfekten Ergebnis geführt (Sticks loslassen .. 5 – 10 Sekunden warten, dann steht der BB irgendwann still). Wenn er still steht, steht er aber sehr stabil 😉

NAZA-M Lite Assistant - Hauptbildschirm mit Darstellung der neuen Gains. Unten sieht man übrigens sehr schön die aktuell von der Fernbedienung erhaltenen Steuerwerte
NAZA-M Lite Assistant – Hauptbildschirm mit Darstellung der neuen Gains. Unten sieht man übrigens sehr schön die aktuell von der Fernbedienung erhaltenen Steuerwerte

Problem #2: Der Gimbal arbeitet alles andere als filigran

Eine weitere Eigenart, die mir beim Schneiden des ersten Videos sehr negativ aufgefallen ist, waren die sehr abrupten Reaktionen des Gimbals. Das ist übrigens das Teil, welches vorn am Copter hängt und die Nickbewegungen desselben ausgleicht, so dass die Kamera prinzipiell immer auf den Horizont zeigt bzw. in Neutrallage bleibt. Nebenbei kann man den Gimbal auch noch manuell (über die Fernbedienung) neigen, so dass man die Kamera wunschweise z.B. 90° nach unten ausrichten kann. Auch diese Herausforderung war hausgemacht, hatte ich doch die Update-Frequenz des zuständigen Servos in der NAZA Software aus Versehen zu gering eingestellt. Außerdem beklagten sich im Netz noch andere Bumblebee-Besitzer über die mechanische Grobschlächtigkeit der Kamera-Halterung, weshalb ich mich kurzer Hand dazu entschloss den Antrieb derselben gegen einen Servo vom Typ MG90s auszutauschen. Ein paar verknotete Finger und den Kauf eines Feinmechaniker-Werkzeugsets später war auch dies erledigt und der Gimbal tut seit dem deutlich besser seinen Dienst. An die Qualität und Geschwindigkeit einer Brushless-Variante reicht er natürlich noch nicht heran (und außerdem ist nur 1 Achse stabilisiert), aber man muss ja noch Wünsche haben!

Carbon-Gimbal mit neuem Servo. Nachteil: Nur eine Achse stabilisiert. Vorteil: Leicht.
Carbon-Gimbal mit neuem Servo. Nachteil: Nur eine Achse stabilisiert. Vorteil: Leicht.

Problem #3: Transport

Führt man sich vor Augen, was für einen einigermaßen sorgenfreien Copter-Flug alles benötigt wird, kann man schon ganz schön nervös werden: Lipo-Tasche, Lipos, Lipo-Summer, Fernbedienung, Gimbal (falls nicht am Copter montiert), Propeller (falls nicht am Copter montiert), Steckschlüssel zur Montage der Propeller, GoPro, Fernbedienung, Nackenband für die Fernbedienung, Versicherungsunterlagen .. und vielleicht noch ein paar Ersatzluftschrauben. Später könnten noch so Kleinigkeiten wie FPV-Monitor bzw. FPV-Brille, Antennen, zweite Fernbedienung, Lehrer-Schüler-Kabel und Ersatzlipos dazu kommen .. also eine ganze Menge Kram. Für den Erstflug zogen wir noch mit Ikea-Tasche, Mut und viel Optimismus los .. aber das konnte ja kein Dauerzustand sein.

Möbelhaus-Tourist auf Abwegen..
Möbelhaus-Tourist auf Abwegen..

Bei der Suche nach einer adäquaten Transportmöglichkeit stellte uns insbesondere der Bumblebee vor größere Herausforderungen: Zusammengeklappt ist er nur ca. 12cm hoch, aber dafür rund 70cm lang und 40cm breit .. falls man nicht gerade einen Koffer speziell fertigen lassen möchte, wird es hier also ziemlich schwierig. Zu sagen das wir tagelang nach möglichen Taschen gesucht haben, wäre eine Untertreibung. Von Futeralen für Angel-Ruten über diverse Instrumententaschen (Keyboard? Zu lang. Midi-Keyboard? Zu klein) bishin zu Taschen für Snowblades / Kindersnowboards haben wir das Internet nach wirklich allem abgegrast. Die Lösung fand Dani nach vielen Stunden in Form eines Nylon-Transportbehältnisses für Orchester-Notenständer mit optimalen Abmessungen und nebenbei gesagt sehr preisattraktiv (12€ plus Versand glaube ich).

Tasche von außen
Tasche von außen
Tasche mit Copter - absolut passgenau!
Tasche mit Copter – absolut passgenau!

Ähnlich schwer taten wir uns (etwas unerwartet) beim Thema Koffer für den Rest. Nicht zu schwer sollte er sein, nicht zu groß, gepolstert, variabel aufteilbar .. na und irgendwann kamen auch noch die Anforderung wertig und modern hinzu. Meine Vorstellung vom günstigen Alu-Koffer schwand zusehends dahin und eine größere Vergleichsmatrix in Excel später verdichteten sich die Hinweise, dass ein Produkt aus Kunststoff unser Favorit werden sollte. Auch hier war es wirklich enorm schwer die üblichen Verdächtigen von Pelicase, B&W etc. gegeneinander abzuwägen und die Balance aus Größe, Außenmaß und Transportvolumen ideal zu treffen. Insbesondere den „Volumenverlust“ durch die Schaumstoffpolsterung sollte man hierbei nicht unterschätzen (teilweise mehrere Zentimeter  an den Rändern!) und sich zudem Gedanken dazu machen, wie viel Platz – insbesondere in der Höhe – die untere Kofferschale bieten muss. Der Deckel erfüllt quasi nur noch eine fixierende Funktion und kann selbst eigentlich gar keinen Stauraum mehr bieten. Vor dem Hintergrund all dieser Überlegungen orderten wir schließlich einen Koffer von B&W vom noch recht jungen Typ 4000 in der Ausführung „SI“, d.h. mit Schaumstoffeinlagen in Würfelform. Laut den Fotos hat der Vorgänger B&W Type 40 übrigens eine Einbuchtung im Bereich des Griffs und verliert daher nochmals ein paar Kubikzentimeter an Stauraum – beim 4000er ist diese Kante gerade.

Abmessungstechnisch eine Punktlandung
Abmessungstechnisch eine Punktlandung – und mit rund 2,2kg noch angenehm leicht

Um es an dieser Stelle nicht zu spannend zu machen: Der Koffer ist kleiner als gedacht, nimmt trotzdem alles auf was wir benötigen und ist optisch und haptisch ein absolutes Highlight. Allein die Schnappverschlüsse zur Öffnung lassen sich extrem intuitiv lösen, verschließen den Koffer aber gleichzeitig bombenfest (wasserdicht). Die Schaumstoffeinlage umfasst drei Lagen und lässt sich ebenfalls sehr gut anpassen, setzt jedoch entsprechende geistige Vorarbeit voraus. Wir haben beim Tetris-spielen vermutlich nicht weit genug gedacht und aktuell einen kleinen Fauxpas gepuzzelt (teilweise muss der mittlere Schaumstofflayer entnommen werden, um an alle Lipos zu kommen) , aber auch hier muss man ja immer noch Raum für Verbesserungen lassen 😉

Schon chic!
Schon chic!
Wahrlich kein meisterhaftes Foto .. aber zur Illustration reicht es hoffentlich
Wahrlich kein meisterhaftes Foto .. aber zur Illustration reicht es hoffentlich

Ansonsten können wir das gesamte Flugzubehör jetzt  optisch unauffällig und sehr gut organisiert binnen kürzester Zeit mobilisieren und haben dann die Gewissheit auch alles Wichtige dabei zu haben. Eine weitere Optimierung bestünde übrigens darin die GPS-Antenne des Copters klappbar zu machen, damit er in der Höhe weitere 1-2cm verliert (er passt zwar auch so in die Tasche, aber dann wäre die Raumnutzung noch idealer). Das haben wir sogar schon mal getan .. mit unerwartet fatalen Konsequenzen – dazu später mehr an gewohnter Stelle.

Ich denke für einen übergreifenden Beitrag reicht das erstmal .. nach nun rund einem Monat Quadrocopter gibt es aber noch viele andere Dinge zum Thema FPV, OSD, Reparaturen und Fernbedienungen zu berichten .. es bleibt spannend.

Bis zum Horizont - und noch viel weiter!
Bis zum Horizont – und noch viel weiter!

An dieser Stelle auch nochmals vielen vielen lieben Dank an den familiären Spender des genialen B&W Koffers!

Auf in die Lüfte: Erste Schritte mit dem Multicopter

Es begab sich um die Osterzeit herum, dass ich – warum kann ich gar nicht mehr so genau sagen – mal wieder vom Thema Modellflug bzw. viel mehr Multicopter-Flug fasziniert wurde. In den letzten Jahren hat mich die Idee den sicheren Boden unter mir zu lassen und eine neue Sichtweise zu gewonnen immer mal wieder begeistert.. der Schwerpunkt lag dabei jedoch immer auf dem Flug mit einer Kamera an Bord – dem sogenannten „First Person View-Verfahren“ (auch: Immersionsflug).

Thematischer Vorgriff - es soll ja interessant bleiben ;-)
Thematischer Vorgriff – es soll ja interessant bleiben 😉

Flugzeuge finde ich persönlich nicht so recht spannend und Hubschrauber als entspanntes, auch Einsteiger-freundliches Hobby vielleicht etwas zu ambitioniert, und so schienen alle meine Wünsche in einem Multicopter (sprich einem kleinen Fluggerät mit mehreren Luftschrauben) zu kulminieren. Das Interessante daran ist die immense technische Weiterentwicklung in diesem Bereich in den letzten Jahren, so dass die kleinen (und größeren) Flugobjekte mittlerweile Kompass- und GPS-gestützt durch die Luft schweben und damit die Kombination aus moderner Technik/IT und dem alten Wunsch des Fliegens ganz neue und sehr spannende Aspekte gewinnt.

Genug des Prosas: Ich wollte so ein „Ding“ haben. Es sollte eine Kamera tragen können, später die Möglichkeit bieten das Kamera-Bild am Boden in Echtzeit zu betrachten und es wäre toll, wenn die Flugzeit möglichst lange wäre. In jüngster Vergangenheit werden all diese Anforderungen „eigentlich“ ziemlich perfekt vom der DJI Phantom 2 Copter vereint, welcher quasi als Rundum-Sorglos-Paket angeboten wird. Akku mit immenser Flugzeit, Ladegerät, fertig aufgebauter Copter, Fernbedienung und diverse nette Erweiterungen (dazu gleich mehr) werden hier quasi ohne großen Bastelaufwand und nahezu startbereit angeboten. Fand ich zunächst sehr ansprechend und mit Hinblick auf die  riesige Community und die sehr vielen Videos auch extrem verlockend. Die DJI Phantom ist quasi zur Zeit der „Standard“ und womöglich auch eine ideale Wahl, wenn man relativ schnell und mit wenig Recherche-Arbeit sehr ansehnliche Erfolge erreichen möchte – YouTube bietet hier eine enorme Vielfalt respektabler Beweise.

Doch je mehr ich die Informationen verschlang (die Feiertage sind echt toll für sowas), desto mehr Zweifel kamen mir. Der Gedanke ein mehr oder weniger proprietäres System von der Stange zu nutzen, gefiel mir nicht so recht .. das Plastikbomber-mäßige Aussehen der Phantom traf ebenfalls nur bedingt meinen Geschmack. Also fing ich an mich zu alternativen Lösungen bzw. selbstgebauten Coptern zu informieren und startete einen ersten zarten Versuch Dani für das Thema zu begeistern. Klappte zunächst nur bedingt.

Aber da Dani eine sehr verständnisvolle (und manchmal auch diplomatische) Frau ist, sagte sie nicht „Werd erwachsen!“, nein, sie sagte „Kauf dir doch erstmal etwas Kleines um auszuprobieren, ob dir das wirklich Spaß macht“. Gesagt getan, nach kurzer Suche sollte ein Blade Nano QX als unzerstörbarer Indoor-Trainings-Copter den Weg zu uns finden. Nun stellte sich relativ schnell heraus, dass es diesen entweder mit einer mitgelieferten Standard-Fernbedienung („Funke“) geben sollte, oder als „Bind to Flight“-Version, die sich mit den meisten Spektrum-Fernbedienungen versteht. Durch einen glücklichen Zufall erstand ich dann auch recht fix per Kleinanzeige eine nicht mehr ganz neue, aber sehr wenig verwendete Spektruk DX7 (nicht S) gemeinsam mit „ein paar“ Spektrum-Empfängern. Damit war der Anfang gemacht 😉

Unser Übungsgerät - klein, unzerstörbar, 5 Minuten Flugzeit / Akku, 18g leicht
Unser Übungsgerät – klein, unzerstörbar, 5 Minuten Flugzeit / Akku, 18g leicht

Parallel konnte ich Dani plötzlich für den Gedanken Copter gewinnen, als ich ihr eröffnete, dass sie ja ihren eigenen haben könnte („Mit pinken Propellern?“ Klaaaar!). Die Suche wurde also intensiviert, mein Hirn gab keine Ruhe („Haben wollen!!!“). Plötzlich entdeckte ich ein ziemlich nettes Paket bestehend aus Copter, Gimbal (einer Art Kamera-Halterung, die die Bewegung des Fluggeräts kompensiert, so dass die Kamera im Idealfall ein stabiles und nivelliertes Bild zeigt) und einer GoPro Hero 2. Das „Ding“ nannte sich Bumblebee und ich fand das könnte auf Frauen (meine Frau) attraktiv wirken. Tat es auch und so wurde der Deal schnell finalisiert. Einige Stunden später fand ich heraus, dass unsere Hummel gar nicht so kompakt wie erhofft sein würde und es sich in der Tat um einen klappbaren Carbon-Rahmen mit 55cm Abstand von Motor zu Motor handelt .. wow .. das würde ja cool werden. Dani zeigte sich zum Glück auch sehr tolerant und so erreichte uns Bumblebee schon wenige Tage später per Paket.

Wer hier keine Assoziationen zu Star Wars hat ;-)
Wer hier keine Assoziationen zu Star Wars hat 😉

Bumblebee schickte seinem Eintreffen einen ganzen Schwarm voller zusätzlicher Anschaffungen voraus – ist klar, so ein Copter fliegt ja nicht von Faszination und guten Wünschen. Also trafen in ziemlich vielen Sendungen neben unserem Übungscopter ein Ladegerät (Graupner Ultramat 16s), ein Balanceradapter, ein paar Ersatz-Luftschrauben (man weiß ja nie), eine „Wuchtmaschine“ für Luftschrauben (jaja, so etwas gibt es), viele lustige andere Adapterkabel, zwei LiPo Akkus, zwei Lipo-Schutztaschen, eine Lötstation und noch diverse andere Kleinigkeiten ein. Dani brachte es perfekt auf den Punkt, als sie sagte, dass „der Boden des Fasses ohne Bodens bald erreicht sei“. Mittlerweile habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass sie damit Recht hat 😉 Nahezu täglich durfte ich eine oder mehrere Sendungen aus dem Postkasten fischen (bzw. sie manchmal mühsam heraus operieren) und am 2. Mai trafen dann auch die Akkus aus dem niederländischen Zentrallager eines großen, bekannten Modellbau-Händlers ein.

Theoretisch (hihi) waren jetzt alle Komponenten beisammen und theoretisch hätte ich die Lipos laden und auch an Bumblebee anschließen können .. sollen. Laden ging, anschließen aber nicht, denn Bumblebee bevorzugte 4mm Bullet-Connectoren für die Stromversorgung, während die Akkus mit 5,5mm Anschlüssen kamen. Also Zeit für den ersten Einsatz der Lötstation und den ersten Besuch beim hiesigen Modellbauladen um sog. XT60-Stecker zu kaufen. Videos wurden geguckt, Express-Bestellungen ausgelöst und weitere Ersazteile trafen ein. Einige sehr sehr frustrierende Stunden später (diese gefühlt unterarm-dicken Kabel der 5800 mAh Lipos mit dem XT60 Stecker zu verheiraten, ist für Lötanfänger gar nicht so einfach) schien der Traum vom Erststart am May the Fourth – dem Star Wars Tag („May the FORCE be with you“) – geplatzt. Weitere Videos wurden geschaut, und mit neu erstarktem Mut machten wir uns am 04.05. nochmals an eine sehr lange Lötsession (danke, Dani!).

Profi an der Werkbank - erkennt man sofort ;-)
Profi an der Werkbank – erkennt man sofort 😉

Kaum war diese beendet, begann ich auch schon damit den Copter das erste mal mit dem Rechner zu verbinden. Dies klappte alles andere als gut, da der DJI-Treiber (als Flight Controller kommt eine Naza Lite zum Einsatz) zunächst nicht so richtig sollte, wie er wollte .. geschenkt, hat nach ein wenig Basteln dann geklappt. Anschließend die Ehe auf Probe mit der Funke (auch hierzu hatte ich seeeehr viel gelesen) und damit die nächsten Probleme: Die Umschaltung der Steuerungsmodi (GPS, Höhe halten, manuell) sowie die Aktivierung der Notfallabsicherung (Failsafe, bringt den Copter zurück und landet ihn, wenn es ein Problem mit der Fernbedienung gibt .. oder auf entsprechenden Befehl hin) funktionierte nicht. Das eifrige Wälzen meiner gefühlt 50 Lesezeichen brachte Abhilfe (weitere Details in einem separaten Beitrag später), so dass am Boden alles gut aussah.

Operation am offenen Herzen - Die Hummel von unten
Operation am offenen Herzen – Die Hummel von unten

Kurz vor dem Jungfernflug löste sich dann unser als aller erstes gelöteter XT60-Stecker vom LiPo: Bye bye Akku Nummer 1 (zumindest bis zur nächsten Lötsession, nix Böses passiert). Was soll’s .. Lipo 2 und alles Zubehör eingepackt und los auf das Feld .. so kurz vor Sonnenuntergang und nach sooo vielen Stunden der Recherche und Bastelei wollten wir unbedingt wissen, ob das Monster leben würde. Vor Ort angekommen ging dann nochmal alles schief, was schief gehen konnte (Ups .. ERST die Fernbedienung anmachen .. oh .. wo war die Anleitung zur Kalibrierung des Kompasses .. PLOPP, oh da ist der Lipo einfach so aus der Halterung gefallen und liegt jetzt im Acker), bevor Bumblebee leicht herausfordernd zum Ersatzflug bereit stand. Eine beherzte Bewegung meiner beiden Daumen später erwachte das Monstrum zum Leben und wenige Augenblicke später erhob es sich .. mehr oder weniger souverän 😉 Wie sich nach wenigen Augenblicken herausstellen sollte, waren die Kanäle für Ruder und Aileron jeweils „reversed“ (also verkehrtherum), so dass sich die wilde Hummel ganz schön seitenverkehrt flog. Macht nix, eine erneute Landung zur Umkonfiguration der Fernbedienung (auch ein Thema für sich .. später mehr) wollte ich nicht einschieben, so dass es mit ein paar verqueren Gehirnwindungen schon klappten sollte. Tat es 🙂 Den Copter in der Luft zu sehen war ein sehr cooles Gefühl und hat sich auch deutlich interessanter angefühlt als den kleinen Blade Nano in der Wohnung zu bewegen (dafür ist letzterer wesentlich herausfordernder, da agiler).

Durchstarten, durchstarten!!
Durchstarten, durchstarten!!

Nun kann man von einem Erstflug nicht zu viel erwarten (zu hektisch, zu unsicher, zu geringe Distanzen, Equipment nicht richtig eingestellt) – wir hatten trotzdem sehr viel Spaß! Der Copter hat zum Glück alles gut überstanden und auch die ersten Aufnahmen der GoPro konnten gesichtet werden – siehe Videobeitrag am Ende dieses Artikels. Bisher hat das Thema Multicopter kein bisschen Faszination eingebüßt – im Gegenteil, ich habe das Gefühl hier erst ganz am Anfang zu stehen (leider auch was die Anschaffungen angeht ;-)).

Ca. 1700g brummen durch die Lüfte
Ca. 1700g brummen durch die Lüfte

An dieser Stelle vielen lieben Dank an Dani für die unermüdliche Unterstützung (der Copter mit den pinken Luftschrauben kommt auch noch) und ein Sorry an die geneigte Leserschaft, dass dieser Beitrag möglicher Weise etwas weniger detailliert als gewohnt ist – später mehr!

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Das neue Immerdrauf: SAL1680Z

Wie ich hier ja bereits vor Kurzem berichtete habe, bin ich auf der Suche nach einem neuen Objektiv für den „alltäglichen“ Einsatz an unserer Sony Alpha 65. Alltäglich beschränkt sich hierbei natürlich auf die Anlässe, bei denen die Kamera auch tatsächlich zum Einsatz kommt – und als Hobby-Fotograf bzw. Amateur sind das gar nicht sooo viele 😉

Glücklicherweise lässt sich auch bei der Objektivsuche das gleiche Lösungsschema anwenden, dass bei nahezu allen Anschaffungsprozessen mit unklarem Ausgang funktioniert: Frage die Internetseiten bzw. Foren dieser Welt und du wirst ganz sicher verzweifeln 😉 Obgleich es hier eine schier endlose Flut an Informationen, Eindrücken und Berichten gibt, führt das im Prinzip völlig unklare Maß an Subjektivität und Vergleichbarkeit zu einer – je länger man gräbt, desto schlimmer – sehr fragilen Faktenlage.

SAL 1680Z - keine Sorge, etwaiger Staub ist nur auf dem Filter
SAL 1680Z nebst Köcher – keine Sorge, etwaiger Staub befindet sich nur auf dem Filter

Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sich die meisten Sony-Anwender im Internet im Bereich des „Immerdraufs“, also des Objektivs mit einer variablen Brennweite irgendwo zwischen 16mm und sagen wir 135mm mit der Vorgabe „sollte grundsätzlich bezahlbar sein“ für das Sony SAL16-105, das Sony SAL18-135 sowie das Sony SAL16-80Z relativ einheitlich begeistern können. Gemein haben alle drei Linsen, dass sie von der eingebauten Objektivkorrektur der neueren / größeren Sony Alphas profitieren können und zudem recht wertstabil sind. Meine Präferenz lautete daher generell SAL18135 DT, da ich als bisheriger Nutzer eines 18-200mm von Sigma an eine entsprechend variable Brennweite gewöhnt war und diese (suboptimalerweise) auch explizit für die Bildgestaltung einsetze.

Durch eine glückliche Begebenheite hatte ich dann jedoch kurzfristig die Chance an ein gebrauchtes, aber optisch und technisch einwandfreies SAL 1680Z (d.h. ein Objektiv der Carl Zeiss Linie) zu kommen, dass gemeinhin als sehr leistungsfähig, aber grundsätzlich eher „kostenintensiv“ bekannt ist. So fokussierte ich meine Informationsbeschaffung auf eben jenes Modell und fand erneut ambivalente Eindrücke. Die einen schwärmten von der guten Abbildungsleistung und einem „Mercedes SL Objektiv“, während die anderen die Optik als überbewertet bezeichneten und auf eine Vignettierung am oberen Brennweitenende sowie ein mechanisches Klappern verwiesen.

Yam yam, Futter voraus (nur oberflächlich bearbeitet, klar ginge hier noch mehr)
Yam yam, Futter voraus (nur oberflächlich bearbeitet, klar ginge hier noch mehr)

Um es kurz zu machen: Wir entschieden uns zu „Mut zur Lücke“ (Wiederverkauf wäre ja auch kein Beinbruch) und weniger als 24h nachdem ich das Geld via PayPal auf die Reise geschickt hatte, vermeldete die Packstation auch schon den Eingang der Sendung. Zeitgleich traf von Amazon (Prime sei Dank) auch gleich noch der passende UV-Filter ein, denn die neue Linse sollte dieses Mal einigeraßen anständig geschützt werden.

Geliefert wurde absolut mustergültig und – für ein mehrere Jahre altes Objektiv – in einem unerwartet perfekten Zustand: Karton, Rechnung, Deckel, Objektivköcher – alles da und alles in sehr gutem Zustand. Fix war alles ausgepackt und ebenso rasch rastete die unerwartet schwere Optik an der Alpha 65 ein. Wow, der Gewichtsvorteil gegenüber der alten Alpha 300 war wieder kompensiert, so dass die Kombination aus Body und Kamera nun um die 1kg auf die Waage bringt und die untrainierte Hand spontan schon ziemlich fordert. Ansonsten spielen die mechanische Verarbeitung und die Haptik natürlich in einer anderen Liga als die des Sigma 18200 oder des Kitobjektivs: Der Zoom bewegt sich richtig schön satt und präzise, die gesamte Mechanik zeigt kein Spiel. Im Vergleich zum bisher eingesetzten Sigma fällt besonders der fehlende „Lock“-Button auf, der eine ungewollte Verstellung der Brennweite verhindert. Glücklicherweise ist unser Exemplar des SAL 1680Z nicht vom sogeannten „Lens Creeping“ betroffen (also dem ungewollten Verstellen der Brennweite, wenn das Objektiv z.B. direkt nach unten gerichtet wird) – ein riesen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Reisezoom (aber auch etwas ungewohnt, schließlich fehlt eine Bewegung).

Schöne Farben, ansprechendes Bokeh - mir gefällt es :-)
Schöne Farben, ansprechendes Bokeh – mir gefällt es 🙂

In der Tat bin ich nach mehreren Praxiseinsätzen immernoch überrascht, wie sicher und stabil die eingestellte Brennweiten gehalten werden, auch wenn ich die Kamera nebst Objektiv am Gurt trage und die Linse daher direkt gen Boden zeigt. Der „Lock“-Knopf ist hier definitiv ein verzichtbares „Feature“ (Ausnahme: beim Fotografieren im 90° Winkel nach oben verlangt die Schwerkraft dann doch ihren Tribut).

Einige Anwender berichten von vereinzelten, klappernden Exemplares der 1680Z. Dies kann ich bei meinem Exemplar nur bedingt bestätigen (glücklicherweise), dennoch ist ein gewisses Spiel bzw. eine Bewegung der mechanischen Teile im Tumbus bei minimaler Brennweite wahrnehmbar. Dies äußert sich vor allem dadurch, dass man das Gefühl einer gewissen, minimalen Bewegung in der Kamera bzw. im Objektiv hat, wenn man die Hand beim Gehen an diese legt. Nicht schlimm, aber ein wenig ungewohnt. Der Effekt ist dennoch derart minimal, dass ich ihn erst nach mehreren Einsätzen bemerkt hab.

 

A bisserl was Lustiges aus dem Hessenpark - auch hier sehr feine Details im Gesicht erkennbar ;-)
A bisserl was Lustiges aus dem Hessenpark – auch hier sehr feine Details im Gesicht erkennbar 😉

Was die Qualität und Abbildungsleistung des Objektivs angeht, kann ich als Laie ehrlich gesagt nur wenig qualifizierte Aussagen treffen. Meine ersten Indoor-Testaufnahmen bei vergleichsweise schlechtem Licht (und ohne Stativ) haben keine signifikante Differenzierung zur Kitlinse erkennen lassen. Spätestens jedoch bei besserem Licht bzw. bei Tageslichtaufnahmen in der Natur erzeugt das 1680Z dann doch Aufnahmen mit einem bis dahin ungekannten Detailgrad. Was hier an feinen Strukturen, Details und Schärfe auf den resultierenden Bildern zu erkennen ist, ist schon faszinierend.

Spontan-Portrait - ohne JPEG-Komprimierung auch mit noch mehr Details
Spontan-Portrait – ohne JPEG-Komprimierung auch mit noch mehr Details

Bezüglich der Brennweite im Alltag steht der wirkliche „Real World“-Test für mich noch aus .. der Urlaub kommt schließlich noch. Hier muss sich zeigen, ob ich mit den 80mm Maximalbrennweite zumindest den Großteil der Alltagssituationen abbilden kann und (für meine Verhältnisse) ansprechende Bilder dabei heraus kommen. Für kommende Events (vor allem in 2014) steht jedoch ein SAL55-300 (einfach etwas kompakter als das für mich zu große und schwere Tamron 70-300 USD) oben auf der Wunschliste. Auch ein Makroobjektiv wäre perspektivisch durchaus mal eine tolle Investition, denn mein Hang dazu kleine Objekte groß abzubilden, kommt den Fähigkeiten unseres neuen Spielzeugs aus der Zeiss-Linse naturgemäß nur bedingt entgegen (hier schlägt wohl auch der nicht allzu schnelle Autofokus zu). Mal schauen, welche Fotogelegenheiten sich demnächst noch ergeben werden 🙂

Aus SLR mach SLT: Umstieg auf die Sony Alpha 65

Seit Mitte 2008 begleitet uns eine Sony Alpha 350 immer dann, wenn die laienhaften fotografischen Ansprüche einmal über den Fähigkeitsbereich einer Kompaktkamera hinaus gehen sollen. Die Alpha hat uns seit damals – war sie doch ein vergleichsweise preisattraktiver Einstieg in die Welt der digitalen Spiegel-Reflexfotografie – treu auf vielen Urlaubsreisen begleitet und auch das ein oder andere Portrait- und Produktfoto generiert. Trotzdem haben wir die Fotokunst seit jeher eher amateurhaft betrieben und daher trotz intensiver Lektüre diverser Bücher und Guides den Spaß stets vor den professionellen Anspruch gestellt. Vermutlich reichte uns auch deshalb ein Sigma 18-200 als „Immerdrauf“ für nahezu alle Ansprüche; RAW-Fotografie und digitale Nachbearbeitung gehörten nur sehr selten bzw. nur äußerst rudimentär zu unserem Fokusbereich.

Ein erster Versuch Aufmerksamkeit zu haschen ;-) (Sony Alpha 65 + Sigma 18-200 *schäm*)
Ein erster Versuch Aufmerksamkeit zu haschen 😉 (Sony Alpha 65 + Sigma 18-200 *schäm*)

Nach knapp fünf Jahren (und über 15.000 Auslösungen) hatte ich das Gefühl, dass mal etwas Neues her musste. Schon länger hatte ich Lust mich wieder etwas intensiver mit dem Thema Fotografie zu beschäftigen und das Upgrade unserer Kompaktkamera auf die vergleichsweise neue Sony Cyber-shot WX200 konnte hier natürlich nur für den „Schnappschuss-Bereich“ Verbesserungen mit sich bringen (ohne hier detailliert auf die WX200 eingehen zu wollen, bietet sie eine intuitive Bedienung, nette Bildprogramme, eine sehr schnelle Auslösezeit und einen für ihre sehr kompakten Abmessungen äußerst respektablen optischen Zoombereich). So kam es, dass ich mich mal wieder intensiver mit den einschlägigen Vergleichswebseiten und Foren zur digitalen Fotografie beschäftigte und diese nach hilfreichen Produktempfehlungen durchforstete.

Wie immer fanden sich auf 10 Seiten bzw. in 10 Beiträgen mindestens 11 Meinungen – trotzdem verschob sich mein initialer Gedanke „diesmal aber Canon“ (ich dachte an eine EOS 650D oder 700D) doch relativ schnell (erneut) in Richtung Sony. Besonders faszinierend fand ich die sehr überzeugenden Berichte über die OLED-basierten elektronischen Sucher der Sony Alpha 65 und höher. Folglich steigerten sich meine Präferenzen auch nahtlos von der zunächst avisierten Alpha 57 zur Alpha 65. Die üblichen Portale bescheinigten eben selbiger vergleichsweise sehr gute Kritiken und so ließ ich mich erneut in der Herstellerwahl in Richtung pro Sony beeinflussen. Als dann auch noch ein vergleichsweiser guter Amazon Warehouse Deal für die A65 nebst Kit-Objektiv auftauchte, entschied ich mich einfach mal für den Sprung ins kalte Wasser. Beeinflusst wurde ich zu diesem Zeitpunkt sicher auch durch den Gedanken, dass ich bei der Alpha 65 ja auch das bestehende Sigma-Objektiv weiterverwenden konnte, während der Umstieg zu Canon auch hier eine weitere Investition erfordert hätte. Zumindest dieser Punkt steht mittlerweile übrigens arg zur Diskussion – später mehr hierzu 😉

Alpha 350 (links) und Alpha 65 (rechts, mit Kitlinse) im optischen Direktvergleich
Alpha 350 (links) und Alpha 65 (rechts, mit Kitlinse) im optischen Direktvergleich

Nur einen Tag der nach der Bestellung war es also soweit: Die Alpha 65 wartete in gewohnter Verpackung und mit vergleichsweise vertrautem Design und bereits verstandener Bedienung auf mich. Das Unboxing verlief unspektakulär und auch die ersten Fotos waren schnell geschossen. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die neue Alpha (wie von vielen Rezensenten im Internet angekündigt) tatsächlich deutlich mehr Bilddetails auf die Speicherkarte bannte. Apropos Speicherkarte:  Im Vergleich zur Alpha 350 ist der Wechsel auf ein rein SD(HC)-basiertes Gerät wirklich sehr angenehm, entfällt doch der permanente Griff zum externen Kartenleser und auch das Handling der Secure Digital Cards gestaltet sich deutlich angenehmer, als das der vergleichsweise „alten“ CF-Medien.

Auch ansonsten weiß der „neue“ Body durchaus zu gefallen: Rund 40 Gramm geringeres Gewicht, ein deutlich konturierterer Griff sowie ein irgendwie intuitiver zu bedienender Einschaltknopf haben (neben dem deutlich feineren Sensor und diversen anderen Verbesserungen) durchaus ihre Vorteile. Ansonsten merkt man der Alpha 65 optisch und akustisch kaum an, dass der schlagende Spiegel durch eine halbtransparente Folie ersetzt wurde. Auch das Auslösegeräusch ist durchaus angenehm; wird nun aber durch die Bewegung des Verschlusses bestimmt und ist nicht mehr durch den charakteristischen Spiegelschlag gekennzeichnet.

Von der Seite her fällt auf, dass die Alpha 65 über einen deutlich konturierteren Griff verfügt (ferner ist auf dem Bild bereits die Wechselplatte meines Mantona Stativs montiert)
Von der Seite her betrachtet fällt auf, dass die Alpha 65 über einen deutlich konturierteren Griff verfügt (ferner ist auf dem Bild bereits die Wechselplatte meines Mantona Stativs montiert)

Eben der Aspekt Spiegel vs. Folie bringt uns auch schon zur größten und wesentlichsten Neuerung der Kamera: Die signifikant verbesserten Eigenschaften der spiegellosen EVIL-Kameras (electronic viewfinder interchangeable lens) mit Hinblick auf den sogenannte Live View-Betrieb bzw. die Verwendung des elektronischen Suchers bzw. des LC-Displays. Während letzteres nun mehr 3″ groß ist (eine angenehme Größe, die trotzdem genügend Fläche für Tasten am Kamera-Body lässt), ist ersterer (also der elektronische Sucher) meiner Meinung nach das Highlight der Kamera. Während der optische Sucher bei klassischen Spiegelreflexkameras ja eher einen begrenzten Informationsgehalt hat und bei typischen spiegellosen Kameras verschiedene Nachteile mit sich bringt (verzögerte Wiedergabe, Farbverfälschungen etc.) findet man bei der Alpha 65 eine ganz neue Generation dieser Bedienungseinheit vor sich. Dank OLED-Technologie blickt man auf ein quasi verzögerungsfreies Live Bild, welches zudem 100% des Bildbereiches darstellt und eine leicht vergrößerte Darstellung bietet. Zu diesen bereits ganz angenehmen Eigenschaften gesellt sich – vereinfacht gesagt – die Möglichkeit nahezu alle Bedienhilfen und Inhalte, welche auf dem LC-Displays angezeigt werden können, auch im elektronischen Sucher darstellen zu können. Dies bedeutet, dass man quasi im ganz Verborgenen (und auch bei hellstem Tageslicht) den Bildkatalog durchblättern und Menüeinstellungen vornehmen kann.

Auch während des eigentlichen Fotografierens bietet der Sucher zahlreiche Features, weshalb einige Rezensenten im Internet gern vom Feeling eines „Jet-Cockpits“ sprechen. Tatsächlich kann man u.a. verschiedene Raster als Gestaltungshilfe darstellen und eine digitale Wasserwaage aktivieren. Darüberhinaus bekommt man auf Basis des Live Bildes – welches die Leistung des Autofokus nicht beeinflusst – auch gleich eine vergleichsweise präzise Vorstellung des späteren Bildes, dass nach Betätigung des Auslösers binnen kürzester Zeit auf die Speichermedium geschrieben wird (grundsätzlich kann der elektronische Sucher schlicht alle Inhalte wiedergeben, die man auch auf dem LC-Display darstellen kann. Ferner erfolgt die Umschaltung zwischen beiden Wiedergabegeräten nun automatisch, wenn man sich den Sucher mit dem Gesicht nähert – klappt prima!).

Ein kläglicher Versuch den Blick auf den elektronischen Sucher wiederzugeben
Ein kläglicher Versuch den Blick auf den elektronischen Sucher wiederzugeben

Zusammenfassend – und ohne im Detail auf die sonstigen Features der A65 einzugehen – habe ich so die Lust an der Amateur-Fotografie sehr rasch wiederentdeckt. Als kurzer Vermerk sei an dieser Stelle jedoch erwähnt, dass die Alpha der SLT-Generation nun auch über einen GPS-Empfänger verfügt, der mich bisher „so einigermaßen“ überzeugt hat. Meist findet die Kamera (unter der Voraussetzung das die GPS-Unterstützungsdaten aktuell sind) relativ fix die aktuelle Position und speichert diese in die EXIF-Informationen des jeweiligen Fotos. „Leider“ (hier scheiden sich Geister) werden die Standort-Daten nur dann geschrieben, wenn diese auch tatsächlich vorliegen. Dieses Verhalten gleicht (soweit mir bekannt) dem der größeren Alpha 77, während die „kleineren“ Geräte im „standortlosen Fall“ die zuletzt ermittelten Koordinaten verwenden. Ich persönlich hätte dieses Verhalten vermutlich bevorzugt, auch wenn hierbei natürlich unter Umständen inkorrekte Daten verwendet werden.

Ein Schnappschuss aus dem Hessenpark
Ein Schnappschuss aus dem Hessenpark

Ein ganz wesentlicher Punkt im Kontext des Themas (digitale) Fotografie stellt sicherlich auch die Bildbearbeitung dar, ohne die heute – zumindest gefühlt – kaum mehr ein beeindruckendes Bild aufkommt. Bisher habe ich mich hier mit ein wenig Zuschnitt und schneller Kontrast- und Helligkeitsmogelei mit Paint.Net und co begnügt. Trotzdem reizte mich schon immer der Gedanke an leistungsfähigere Lösungen ala Adobe Lightroom. Spätestens seit einer kürzlich zelebrierten Hochzeit (bei der ich der Fotografin bei der Bildauswahl beiläufig über die Schulter schaute) war daher klar, dass ich mir Lightroom zumindest einmal ansehen wollte.

Was soll ich sagen? Wer sich bisher nie mit diesem tollen Tool aus dem Hause Adobe beschäftigt hat, hat etwas verpasst. Im Vergleich zu den üblichen Verdächtigen dieser prestigeträchtigen und hochpreisigen Softwareschmiede (vor allem Photoshop etc.) gefällt Lightroom mit einem recht intuitiven Interface und Funktionen und Abläufen, die sich sehr schnell und meist auch ohne Studium des Handbuchs erlernen lassen. In kürzester Zeit sind Bilder nicht destruktiv retuschiert, verschwinden Hautunreinheiten und werden zu dunkle Fotobereiche heller (und bedarfsweise schärfer). Besonders hilfreich ist hierbei neben den sehr guten Vergleichsoptionen (Ursprung vs. aktuellem Zustand) nebst Schnappschussfunktion (aktuellen Zwischenstand speichern) die leistungsfähige Bibliothek. Diese hilft immens dabei auch größere Bildsammlungen rasch zu importieren und hinsichtlich der Attraktivität der einzelnen „Werke“ zu klassifizieren bzw. zu filtern – viel besser kann man sich den Workflow zur „Entwicklung“ von digitalen Fotos kaum vorstellen.

Selten hat Bildbearbeitung und Katalogisierung so viel Spaß gemacht: Lightroom
Selten hat Bildbearbeitung und Katalogisierung so viel Spaß gemacht: Lightroom (hier: Vorher-Nachher-Vergleich)

Was bleibt sind an dieser Stelle zwei Erkenntnisse: Die Alpha 65 macht mir sehr viel Spaß und bietet meiner Meinung nach ein sehr vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis. Sie zeichnet wesentlich detailreichere Fotos als ihre Vorgängerin auf und weiß dabei insbesondere durch den elektronischen Sucher auf OLED-Basis zur überzeugen. Trotzdem ist sie fast schon ein Auslaufmodell, ist doch spätestens Anfang 2014 mit der Nachfolgegeneration (dann gerüchteweise völlig ohne Spiegel bzw. Folie) zu rechnen. Wie bereits eingangs angedeutet, hat sich jedoch der Gedanke „dann können wir die Objektive ja weiterverwenden“ als Irrglaube erwiesen. Das Sigma 18-200 – einstmals sicher eine vergleichsweise preisattraktive und universelle Option für ein „Immerdrauf“ – stellt sich im Zusammenspiel mit der sehr hochauflösenden Alpha 65 als klare Schwachstelle heraus. Im Interesse einer verbesserten Abbildungsleistung und schärferer Fotos wird hier sicherlich zeitnah die Anschaffung einer (mehrerer) Alternativen auf dem Plan stehen. Aktuell denke ich dabei an ein Sony SAL18-135 (immer noch ein wenig kompromissbehaftet) als Alltagsbegleiter und ein Sony SAL 55-300 (kompakter als ein Tamron 70-300 USD) für die weiter entfernten Motive dieser Welt .. mal schauen. In jedem Fall steht tollen neuen Urlaubseindrücken nun (fast) nichts mehr im Wege 🙂

Schöne Farben, nettes Bokeh -allein, es fehlt an Schärfe
Schöne Farben, nettes Bokeh – allein, es fehlt an Schärfe

Fitbit Flex: Die Rückkehr des Motivators

„Quantified Self“, die digitale Vermessung und Dokumentation von Vitalitätswerten und Aktivitäten ist ein durchaus spannendes Themenfeld, dass nicht nur aus gesundheitlicher Sicht Sinn macht, sondern auch den typischen Spieltriebs eines ITlers befriedigt. Als Folge dieser These könnte man sogar die gewagte Aussage treffen, dass die Aufzeichnung und Auswertung von Bewegungs- und Körperdaten den Spaß am Sport weiter steigert.

Soweit würde ich jetzt vielleicht nicht gleich gehen wollen; trotzdem finde ich die unauffällige Messung und Auswertung von Aktivitätsinformationen sehr interessant. Vor diesem Hintergrund kaufte ich mir (nach finaler Aufforderung von Dani) im September letzten Jahres meinen ersten „Fitbit Ultra“ und war sofort begeistert. Kompakte Abmessungen, eine gefühlt ewige Akkulaufzeit (10 Tage waren keine Seltenheit, danach genügten wenige Stunden, manchmal gar Minuten zum Laden) und eine sehr komfortable, drahtlose Synchronisation begeisterten mich.

Auch das Webinterface („Fitbit-Dashboard“) zur Auswertung der von der kleinen Wäscheklammern gewonnenen Informationen sagte mir sehr zu – klar, simpel, man sieht auf einen Blick, was interessant ist. Der einzige Konkurrent war zum damaligen Zeitpunkt übrigens das Nike Fuelband, dass jedoch am deutschen Markt nicht offiziell erhältlich war und für mich daher nach kurzer Überlegung ausschied.

Der Ultra und ich erlebten gemeinsam rund sieben spannende Monate voller Geocaching, Laufen, Skifahren und Wandern. Je nach Sportart zeigte er sich dabei hinsichtlich der gemessenen Distanz mal mehr, mal weniger synchron zu meiner Garmin Forerunner GPS-Uhr. Besonders beim Wandern harmonierten meine beiden Begleiter sehr gut, zeigten sie auf einer Distanz von ca. 20km doch weniger als 100m Abweichung. Weniger gut klappte die Entfernungsmessung beim Laufen, denn hier hatte ich regelmäßig eine Abweichung von ca 3km (zu wenig auf dem Fitbit) bei einer Gesamtstrecke von 8km. Ob zumindest die gemessene Schrittanzahl gepasst hat, kann ich nicht beurteilen.

Spannend fand ich neben den lustigen bunten Abzeichen im Dashboard jedoch stets die Beantwortung der Frage: Wo ist denn eigentlich mein Fitbit? Das Teil ist nämlich derart klein und unauffällig, dass man es (leider) allzu leicht vergessen kann. In der Waschmaschine zum Beispiel (wie meine Mama) oder im Mietwagen am Flughafen von Mallorca (wieder meine Mama). Beides verkraftet das Gerät übrigens nicht besonders gut, mag es doch fortan nicht mehr Laden oder ist gleich ganz verloren. Doch auch ich hab meinen Fitbit mindestens drei mal fast versetzt – in der Retrospektive war es reines Glück, dass er beim Aussteigen aus dem Auto jedes mal auf die Innenseite des Schwellers fiel.

Knallige Farben, lustige Abzeichen: Das Fitbit Dashboard (mir fehlt definitiv noch die Waage..)
Knallige Farben, lustige Abzeichen: Das Fitbit Dashboard (mir fehlt definitiv noch die Waage..)

Neben der mangelnden Wasserfreudigkeit und dem nicht immer ganz optimalen Tragekomfort (zumindest wenn als Klammer am Gürtel genutzt) stellte sich in meinem Fall die Langlebigkeit des Gehäuses als größte Schwachstelle heraus. Nach sechs Monaten der Benutzung begannen plötzlich Teile der Plastikklammer auf der Innenseite abzubrechen und vier weitere Wochen später hielt ich  das Innenleben des Trackers in der Hand. Schade. Ich versuchte noch zu retten, was zu retten war, doch leider wollte sich das Gerät fortan nur noch laden lassen, wenn man mit gefühlt 11 Fingern gleichzeitig Druck auf die richtigen Stellen des Gehäuses ausübte. Damit trennten sich die Wege des Ultras und mir .. und meine Mama gewann unseren Wettstreit im Dashboard über die meisten Schritte in den letzten sieben Tagen außerhalb jeder Konkurrenz.

Danach hörte ich in mich hinein und fragte mich: Fehlt dir jetzt was .. so ganz ohne Schrittzähler? Stört es dich das Dashboard aus den Favoriten zu entfernen, die App zu löschen, die tägliche Herausforderung „Schaffe ich heut meine 10.000 Schritte?“ kampflos aufzugeben? Insgesamt war der Verlust des kleinen Zählers offen gesagt nicht allzu schlimm. Auf Basis der gewonnenen Erfahrungen konnte ich mittlerweile ganz gut beurteilen, wie aktiv ich war, und zumindest beim Joggen leistet mir die Garmin Uhr ja nach wie vor sehr gute und unersetzliche Dienste. Trotzdem beobachtete ich die Entwicklung am Markt recht genau, und als das Fitbit Flex endlich verfügbar war, schlug ich sofort zu.

Beim Fitbit Flex handelt es sich um die Armband-Version des Trackers, welche hinsichtlich des Tragekomforts also eine ganz neue Richtung einschlagen sollte. Als gewohnheitsmäßiger Uhren- und Hemdträger fragte ich mich zwar seit Längerem ob der Flex hierzu kompatibel sein würde, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also orderte ich das kleine „Bändel“ fix bei Amazon; glücklicherweise fand ich die schiefergraue Version schon die ganze Zeit interessanter – das schwarze Exemplar ist derzeit nämlich nicht bzw. nur sehr stark limitiert lieferbar.

So sieht das Ding am Handgelenk aus
So sieht das Ding am Handgelenk aus

Einen Tag später wurde Fitbits neueste Kreation dann auch bereits in die Packstation meines Vertrauens geliefert und ich begann Augenblicke später mit dem Auspacken und der Begutachtung. Was sofort auffällt ist die nette Verpackung (zweckmäßig, aber ansprechend) und der vergleichsweise respektable Lieferumfang (es werden gleich zwei Armbandgrößen mitgeliefert). Auch die Ersteinrichtung des Geräts gestaltet sich (wie bei Fitbit üblich) recht einfach, und so beginnt das Gerät wenige Minuten nach seiner Befreiung mit der Aktivitätsaufzeichnung. Das Anlegen am Handgelenk gestaltet sich wie zuvor bereits gelesen etwas knifflig, gelingt dann aber doch recht gut (nach rund zwei Wochen kann ich sagen: Absolut problemlos). Das Tragegefühl ist zunächst leicht ungewohnt aber tatsächlich recht angenehm. Das Armband ist leicht, das Gummi geruchsneutral und die Haptik durchaus ansprechend. Schnell finde ich eine angenehme Weiteneinstellung und nachdem die grundsätzliche Funktionsfähigkeit gegeben ist, gehe ich mit dem Flex gleichmal auf eine 9km Laufrunde ins Wochenende. Nach den ersten 500m bei 25°C Außentemperatur schmiegen sich Band und Arm angenehm aneinander, so dass ich den Flex ein wenig auf Spannung nach oben schiebe und ihn fortan kaum noch spüre. Kaum bin ich eine Stunde später wieder zu Hause, habe ich das Schrittpensum für diesen Tag fast erfüllt und beginne den nächsten Test: Der Flex soll ja wasserfest sein. Ergebnis: Ist er scheinbar; trotzdem bleiben Feuchtigkeitsspuren im Armband .. muss also nicht dauerhaft sein.

Schiefergrau, kompakt, dezent (im Hintergrund die Ladeeinrichtung)
Schiefergrau, kompakt, dezent (im Hintergrund die Ladeeinrichtung)

Doch dieser kleine Makel bringt mich auch gleich zu einem der (aus meiner Sicht) größten Vorteile des Trackers gegenüber seinem Vorgänger und gegenüber diversen Marktbegleitern: Er ist modular. Endlich kann ich die (gekappselte) Elektronik aus dem Band lösen und damit den „wertvollen“ Teil sehr leicht vom „verzichtbaren“ Part trennen. Dies ermöglicht es nicht nur schnell zwischen verschiedenen Armbandfarben zu wechseln (so selbige denn mal verfügbar sind), sondern verringert auch die Folgen von etwaigen „Gehäuseschäden“. Genau das, was meinem alten Ultra das Genick gebrochen hat, sollte sich also in Zukunft nicht wiederholen. Diese smarte Weiterentwicklung gefällt mir mindestens so gut wie die drahtlose Synchronisation, welche im Gegensatz zu meinem alten Tracker nun endlich auch via Bluetooth 4.0 und damit dem iPhone klappt. Dies funktioniert derart reibungslos, dass mich das fehlende Display des Flex kaum stört. Die chic animierten 5 Kugeln zeigen mir ganz grob den Tagesfortschritt; alles Weitere kann ich problemlos wenige Sekunden später auf dem iPhone-Display ablesen. Trotz der minimalistischen Art der Informationsauskunft macht es übrigens immer wieder Spaß auf das kleine Gerät zu tatschen und die „elegante“ Fortschrittsanimation anzuschauen.

Tracker außerhalb des Armbands - hier mit gerade aktivierter Fortschrittsanzeige
Tracker außerhalb des Armbands – hier mit gerade aktivierter Fortschrittsanzeige

An dieser Stelle ist mir übrigens völlig unerklärlich, wie man die gerade zu anachronistische Synchronsation eines Jawbone UP (Klinkenstecker) bevorzugen kann.

Ansonsten verliefen die ersten Tage mit dem Flex erwartungsgemäß unkompliziert .. alles funktionierte wie es soll, und wenn das Gerät nach 10.000 Schritten am Tag fröhlich vor sich hin brummt, fühlt man sich gleich ein wenig besser. Das das Flex im Gegensatz zum Ultra (und seinem Nachfolger, dem One) keine Stockwerke zählen kann, finde ich ebenso erträglich wie die aus meiner Sicht nicht ganz optimale Datenbank zur Nahrungsmitteleingabe. Wer hier mehr möchte, dem sei der kostenlose und auch in Deutsch verfügbare Service von MyFitnessPal ans Herz gelegt! Dieser synchronisiert sich im Hintergrund vollautomatisch mit den Aktivitätswerten von Fitbit und bietet daher eine smarte Vermaschung von Kalorienaufzeichnung und sportlichen Unternehmungen – ganz unkompliziert und sehr gut funktionierend! MyFitnessPal bietet übrigens neben einem recht gelungenen WebInterface (an einigen Stellen noch mit englischen Satzfetzen behaftet) und einer recht umfangreichen Nahrungsmitteldatenbank auch eine gute iPhone-App, die kostenpflichtigen Alternativen (wie z.B. dem ShapeUp-Club, den ich selbst auch schon mal benutzt habe) in Nichts nachsteht.

Screenshot der MyFitnessPal App - man beachte die automatisch aus Fitbit übertragenen Kalorien für Trainings
Screenshot der MyFitnessPal App – man beachte die automatisch aus Fitbit übertragenen Kalorien für Trainings

Der Tragekomfort des Geräts ist am „nackigen“ Arm (d.h. mit T-Shirt und damit ohne verhüllenden / drückenden Stoff drüber) sehr gut. Auch unter einem Businesshemd verhält sich der Flex unauffällig, neigt jedoch (wie eine Armbanduhr auch) dazu zu drücken, wenn er beim Tippen auf der Handballenauflage der Tastatur liegt. Grad in diesem Moment schmiegt er sich zum Beispiel relativ unangenehm an den Aluminium-Body meines MacBooks; dieses Problem habe ich an der heimischen Tastatur nicht so intensiv. Die Erfahrung von weiteren zwei Wochen des täglichen Gebrauchs sagt hier: Man gewöhnt sich an alles. Mittlerweile sucht sich das Armband ganz unmerklich seine Positiv und verrichtet absolut unauffällig seinen Dienst. Einzig beim Überziehen des Jackets merkt man die kleine Verdickung am Handgelenk etwas (die Gehäusekante hätte aber durchaus auch etwas abgerundeter ausfallen dürfen). Als positiven Effekt des unauffälligen Tragens kann ich zudem festhalten, dass auch die Aufzeichnung der Schlafinformationen mit dem Flex Spaß macht und man dies fortwährend tut – mit dem Ultra verließ mich hier nach spätestens fünf Nächten die Lust ob des relativ sperrigen Armbands. Apropos Fitbit Ultra: Dessen Akkulaufzeit erreicht das Flex erwartungsgemäß nicht ganz. Nacht ca. 4 – 6 Tagen möchte das kleine Plastikriegelchen in seiner proprietären Halterung geladen werden, was für mich aber kein Problem darstellt. Auch nach der ersten „Akkustand ist niedrig“-Meldung hält das Gerät noch einige Stunden durch und ein paar Momente der Inaktivität, in denen der Tracker sich wieder auflädt, finden sich immer.

Fitbit Flex - auch beim Cabriofahren unauffällig zu tragen
Fitbit Flex – auch beim Cabriofahren unauffällig zu tragen

Was bleibt? Prinzipiell bin ich mit dem Fitbit Flex sehr zufrieden und finde die Umsetzung in Form eines Armbands recht gelungen. Je nach Einsatzzweck und persönlichen Präferenzen lässt sich der Fitbit One (bei gleichem Preis und gerüchteweise besserer Messgenauigkeit) jedoch möglicherweise besser in den Alltag integrieren. In jedem Fall störe ich mich ein wenig an der Vielzahl mitgeführter Geräte: Smartphone (für die Erreichbarkeit und aktuell für Zombies Run nebst musikalischer Begleitung), GPS-Uhr (zur genauen Aufzeichnung von Strecke, Geschwindigkeit und Puls) und Bewegungstracker zur Aufzeichnung der Aktivitätsinformationen sind nach meiner Ansicht etwas zu viel des Guten. Konsolidierung wäre hier das Schlagwort und mein Gedanke zum Abschluss lautet daher: „Apple, bitte versaut es mit einer iWatch nicht“.

Back in Snow: Beginn der Skisaison 2013 im Zillertal

Es war ein ausgesprochen ruhiger Morgen, der vorletzte Tag des bereits etwas müden 2012, als wir nach fast neun Monaten Abstinenz wieder auf die Ski-Pisten dieser Welt zurückkehrten.

Zuvor wurde die Ende März sorgfältig eingelagerte Ausrüstung Stück für Stück aus dem Winterschlaf befreit und in Teilen erneuert bzw. verbessert. Passend zu der schon lange überfälligen Skikleidung wurden Helme gesucht und bestellt, ferner kamen Danis Ski kurzfristig zum kleinen Service (nur Wachsen; die Kanten waren laut Aussage des Schleifers noch in Ordnung).

Bei meinen Skiern entfiel dieser Prozess, da ich mich frecherweise über den Sommer dazu entschieden hatte meine Atomic Vario Carbon mit 166cm Länge durch ein paar Atomic D2 Varioflex 75 zu ersetzen. Im Rahmen dieses „Upgrades“ konnte ich auch auf mit 157cm etwas kürzere Bretter umsteigen, was sich später als recht gute Entscheidung herausstellen sollte (auch insgesamt bin ich mit den Skiern sehr zufrieden, da sie Vibrationen doch merklich besser dämpfen).

Die Anschaffung der Skiklamotten hat sogar noch etwas mehr Spaß gemacht, zieht sich die Auswahl und der Kauf von zwei paar Hosen plus Jacken plus Second Layer Shirts + Ski-Socken doch naturgemäß über mehrere Etappen. Wir haben in diesem Zusammenhang u.a. das Salomon Outlet in der Nähe von München sowie das Wertheim Village besucht – in beiden Fällen mit wenig Erfolg. Die meisten Artikel stammen letztendlich aus einem sehr guten Sportladen nahe der Zeil (Sportarena), der neben einer tollen Auswahl zum Zeitpunkt unserer Suche auch sehr interessante Angebote zu bieten hatte.

Bestens vorbereitet und heiß auf den Schnee freuten wir uns also sehr, als die Bedingungen am 30.12.2012 einen schönen Skitag zulassen sollten. So fielen wenige Tage zuvor immerhin 20cm Neuschnee, was die etwas dünne Schneedecke (selbst auf dem Berg nur ca.85cm) immerhin ein wenig auffüllte. Die Anreise so kurz vor dem Jahreswechsel verlief deutlich entspannter als bei unserem Trip ins Zillertal im März, so dass wir nur rund 1,5h nach Abfahrt guter Laune auf dem recht leeren Parkplatz der Talstation in Kaltenbach ankamen. In diesem Zusammenhang sei übrigens angemerkt, dass mit viel Tetris-Erfahrung und gutem Willen tatsächlich vier paar Ski in die originale BMW Ski Tasche (Pro) passen und sich diese immer noch durch die Durchreiche der 5er Limousine führen lässt. Zuvor hätte ich die Machbarkeit dieser Maßnahme entschieden bestritten 😉

"Fast" wie in der Werbung ;-)
„Fast“ wie in der Werbung 😉

Der Start in den Skitag verlief dann etwas holprig, denn die Gondelbahn hatte bereits ca. 500m nach Verlassen der Talstation massive Probleme uns weiter gen Gipfel zu bewegen. Nach einem längeren Stopp irgendwo im nirgendwo (mit hervorragendem Blick auf die parallel verlaufende Bahn, die kontinuierlich glückliche Skifahrer nach oben beförderte) blieb sie unterwegs noch mehrmals kurz stehen .. so stellt man sich guten Service eigentlich nicht vor. Oben angekommen herrschten jedoch gute Bedingungen – wir ließen den Nebel des Tals hinter uns und fanden uns in Mitten einer schönen Schneelandschaft mit besten Bedingungen und unter einem strahlend blauen Himmel wieder – schöner kann der Beginn der Saison fast nicht sein. Die ersten Meter auf den Brettern fühlten sich dann zwar etwas ungewohnt an, verliefen jedoch ohne weitere Auffälligkeiten. Als wir uns einige Minuten später nahe des Gipfels wiederfanden, ging der Spaß so richtig los. Als ob es kaum eine Pause gegeben hatte wedelten wir die Pisten herunter (in sofern man bei unserem aktuellen Fähigkeitslevel von Wedeln sprechen kann) und genossen den Tag.

Sandy und Dani voller Erwartung in der schaukelnden Gondel
Sandy und Dani voller Erwartung in der schaukelnden Gondel
Im Hintergrund das neblige Tal ;-)
Im Hintergrund das neblige Tal 😉

Eigentlich hätte alles gut sein können, wenn ich nicht nach rund 1,5h aus bisher ungeklärter Ursache gestürzt und Dani Augenblicke später in mich hineingefahren wäre („Ich hab nur noch eine blaue Kugel gesehen .. da ging nix mehr“). Als wir beide wieder Kontrolle über unsere ein paar Meter gerutschten Körper hatten, fehlten Dani beide Ski, während sie im Gegenzug drei blaue Flecken erhalten hat. Mindestens eines ihrer Bretter hat sich wohl beim Kontakt mit meinem Ellenbogen verabschiedet, welcher sogar heute noch ziemlich weh tut (aber weder blau noch dick ist). Zum Glück ging es uns sonst gut; das Equipment war noch ganz und bevor wir uns versahen, half uns ein sehr freundlicher Skifahrer auf, unterstützte beim Anschnallen und wünschte uns trotzdem weiterhin viel Spaß – so stellt man sich Kollegialität auf der Piste vor.

Morgenfeeling auf der Piste - was will man mehr?
Morgenfeeling auf der Piste – was will man mehr?

Bis ca. 11:00 Uhr verlief der Tag ansonsten bestens – gute Pistenverhältnisse, schöne Abfahrten, wie aus dem Hochzillertal bereits gewohnt schnelle Lifte und relativ geringe Wartezeiten. Doch spätestens dann kam es, wie es kommen musste: Es wurde voll. Nachdem wir das erste mal mehr als 10 Minuten anstehen mussten, entschieden wir uns zu einer etwas vorgezogenen Mittagspause – zurückblickend keine schlecht Idee. Nach einem tollen Essen auf ca. 2000m höhe und bei konstant schönem Sonnenschein, ging es frisch gestärkt auf die mittlerweile wieder etwas weniger frequentierten Pisten.

Verdiente Mittagspause mit Skifahrer Brause, Dani und Teichi
Verdiente Mittagspause mit Skifahrer Brause, Dani und Teichi

Am Ende des Tages lautete unsere Statistik laut Skiline so: 7.158 hm, 92 Pistenkilometer, 18 Liftfahrten, 414 Minuten Spaß. Bis auf die Minuten der Kollision würde ich diese Zusammenfassung vorbehaltlos unterschreiben, obgleich ich bei den Pistenkilometern irgendwie am Zweifeln bin (das nächste mal also doch wieder per GPS messen, denn dieser Wert ist leider nicht plausibel) 😉

Doch unser Skierlebnis im Zillertal sollte damit nicht enden: Eigentlich (…) wollten wir bereits am 01.01.2013 wieder hoch motiviert in den Schnee starten. Auf Grund eines kleinen gesundheitlichen Zwischenfalls (super Start in das neue Jahr) mussten wir unsere Pläne jedoch verschieben, so dass wir erst gegen 12:00 Uhr des 02.01.2013 in Zell am Ziller zu Freunden stoßen sollten, die dort eine recht nette Hütte im Tal gemietet hatten. Um selbige noch am gleichen Tag auf der Piste treffen zu können, begaben wir uns nach telefonischer Anweisung mit dem Auto nach Gerlos. Die Fahrt dorthin verlief über den Gerlos Pass und ich war ziemlich glücklich, dass in den letzten Tag wenig Neuschnee gefallen war. Auf engen Kurven konnte sich die Aktiv Integrallenkung austoben und der Durchschnittsverbrauch bewegte sich zumindest ansatzweise in Richtung seines gewohnten Niveaus. Rund 30 Minuten später schleppten wir unsere Ski gen leerer Gondel und ließen uns bei recht freundlichen Wetterbedingungen in Richtung Gipfelstation transportieren. Dort angekommen trafen wir auf ein ziemliches Gewusel an Kindern und Anfängern, dem wir durch ein paar Abfahrten in Richtung Isskogel entkamen. Dani war so gut in Form, dass sie gleich den zweiten Lift springend statt fahrend verließ (im Übrigen unter lautem Beifall der umstehenden Skifahrer) – es verhieß ein spannender Tag zu werden 😉 An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir die Liftanlagen in der Zillertal Arena insgesamt als weniger komfortabel, etwas „nostalgischer“ und weniger Anfänger-freundlich als im Hochzillertal empfunden haben .. insgesamt stellt dies jedoch kein Problem dar.

Micha im Schnee .. so macht der Winter Spaß
Micha im Schnee .. so macht der Winter Spaß

So kurvten (carvten) wir also eifrig in Richtung Übergangsjoch und wie der Name schon vermuten lässt, hatten einige Pisten eher Ziehwegcharakter. Auffällig fand ich die teilweise sehr langen Liftpassagen (die Fahrt auf dem Krimml-X-Press inklusive Zwischenstation entspricht gefühlt schon fast dem zeitlichen Umfang eines Einkehrschwungs), die stellenweise in ungewohnt luftiger Höhe erfolgen. Dies in Kombination mit stellenweise auftretendem Nebel lässt einem schon manchmal ein wenig den Bauch kribbeln .. insbesondere wenn die Fahrt mal wieder abrupt stoppt. Irgendwann erreichten wir den ausgemachten Treffpunkt, schnallten unsere Ski ab und begannen zu warten. Wir warteten und warteten, studierten den Pistenplan bis wir ihn auswendig kannten, rannten durch den Schnee und versuchten unsere kälter werdenden Füße bestmöglich zu wärmen. Die Sonne ging, der Nebel kam, wir blieben allein. Dann irgendwann, nach ca. 35 Minuten des frostigen Wartens (zum Glück war es nicht wirklich kalt..) und kurz bevor wir wieder weiterziehen wollten, gesellten sich unsere Bekannten zu uns. Gemeinsam mit den bereits einigermaßen ortskundigen Fahrern steuerten wir in Richtung Königsleitenspitze, wo teilweise sehr tolle Pisten zu bewundern waren. Insbesondere die rote 36a, zu erreichen mit dem Fussalm-Express (selbige ist übrigens meiner Meinung nach nicht so der Hit und recht kostenintensiv), hat es uns angetan. Eine tolle Piste mit einigen einladenden Buckeln direkt am Rand sowie einer Half-Pipe kurz vor der Liftstation (wenn man es sich denn zutraut .. wir eher noch nicht). Leider ging dieser Skitag recht schnell zu ende, so dass wir gegen 16:00 Uhr mit Hinblick auf die zunehmend schlechter werdenden Bedingungen die Talabfahrt antraten. Selbige ist mir als ausgesprochen schön im Gedächtnis geblieben – nicht zu langweilig, nicht zu eng, nicht zu frequentiert, nicht zu kurz .. Skifahrer-Herz, was willst du mehr. Während unsere Begleiter sich zum Skibus begaben, enterten wir den treu wartenden BMW (Fünf Personen plus Equipment plus Reisegepäck hätten einfach keinen Platz gehabt). Auf dem Weg zurück zur Hütte bewunderten wir nochmals den schön gelegenen und ziemlich chicen Ort Gerlos .. nicht der schlechteste Ort zum Leben 😉 Auch die Rückfahrt in Richtung Zell am Ziller bot erneut tolle Aussichten und faszinierende Impressionen mit Blick auf das in der Dämmerung versinkende Tal .. einfach toll. Kurze Zeit später durfte ich dieses szenische Schauspiel übrigens erneut bewundern, denn irgendwie waren die Skibus-Verbindungen zu diesem Zeitpunkt wohl nicht so toll, so dass ich gleich noch mal nach Gerlos und zurück fahren durfte.

Am Horizont: Dani auf dem Weg gen Tal
Am Horizont: Dani auf dem Weg gen Tal

Am Folgetag war von unseren Bekannten eine Skisafari von Gerlos nach Königsleiten und anschließend zurück nach Zell am Ziller (diesmal jedoch auf Brettern) geplant. Wir begaben uns morgens also per Skibus (fuhr direkt vor der Hütte ab) in Richtung Gerlos und ich genoss es, diese Strecke auch mal als Beifahrer bewundern zu dürfen. Ansonsten blieb mir der Bus jedoch vor allem als eng und langsam im Kopf .. unser Fall war dies eher weniger. Ansonsten verlief so eine Skisafari genau so, wie man es sich grob vorstellen würde: Vieeeel Lift fahren, recht wenig Skifahren und stets eine gewisse terminliche Verbindlichkeit im Hinterkopf (ein Taxi von Gerlos nach Zell hätte ca. 45€ gekostet). Leider kam in unserem Fall dazu, dass am 03.01. abermals deutlich mehr los war, als z.B. am 30.12.. So warteten wir stellenweise mehr als 20 Minuten am Lift, geprägt von ständigem Drängeln und sinkender Stimmung. Auch an den Gondeln herrschte so viel Gewusel und Gedrängel, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Beim Versuch nach oben zu kommen, begaben sich die Leute (mangels fehlender Absperrungen) immer weiter in Richtung Einfahrpunkt der Gondeln, so dass sie recht bald nahe der Betonkante standen. Hielt man sich im eigentlichen Einstiegsbereich auf, war man quasi chancenlos – nervig.

Kein Finger vor der Linse sondern tatsächlich Nebel
Kein Finger vor der Linse sondern tatsächlich Nebel

Leider wurden wir vor allem nach unserer Mittagspause mit zunehmend schlechter werdenden Witterungsverhältnissen konfrontiert. Es stellte sich ein feiner Schneegriesel ein, der vom auffrischenden Wind (bis zu 40 km/h) direkt in unsere Gesichter geblasen wurde. Dies ging kurze Zeit später mit deutlich schlechter werdenden Sichtbedingungen einher, so dass sich die kollektive Masse an Skifahrern eher schlecht als recht die bereits raus ausgefahrenen Pisten herunterquälte. Insbesondere im bereits erwähnten Krimml-X-Press (der Verbindung zurück nach Zell am Ziller) verging uns die Laune arg: Horizontal anfliegende Schneeflocken, getrieben von einem kräftigen Wind, ließen die lange und recht hohe Liftfahrt zur Ewigkeit werden und förderten den Wunsch nach einer heißen Dusche. Vom Übergangsjoch begaben wir uns dann auch auf recht direkten Pfaden in Richtung Rosenalm und von dort aus mit der Karspitzbahn zurück ins Tal. Dort angekommen kam auch recht schnell der Bus; schade nur, dass unsere Unterkunft die letzte Station der Route war (nie wieder!). Die Skiline-Statistik dieses Tages ist irgendwie zu lückenhaft, kommt sie doch auf 14 Liftfahrten (obgleich hier laut grafischer Darstellung definitiv einige fehlen) aber nur 30 Pistenkilometer.

Schlechtes Wetter, gute Laune
Schlechtes Wetter, gute Laune

Es war gegen 16:30 Uhr als wir wieder in unserer Unterkunft ankamen, und schon im Lift trafen wir die Entscheidung: Heut geht es zurück nach Haus. Nach 15 Tagen unterwegs und mit Hinblick auf die für den Folgetage abermals schlechter angesagten Wetterbedingungen freuten wir uns sehr auf die Rückkehr in die heimische „Basis“. Auch die geradezu furchteinflößenden Verkehrsverhältnisse aus dem Tal heraus und gen Norden, welche wir auf der Fahrt nach Zell am Ziller im Rahmen unserer Anreise beobachtet hatten, trugen einen gewichtigen Teil zu dieser Entscheidung bei. In der Tat stand der Verkehr am 02.01. fast auf die gesamte Länge von der Autobahnauffahrt bis weiter hinter Kaltenbach.

Das Fazit dieser ersten Skitage der neuen Saison: Auch die Zillertal Arena bietet einige schöne Abfahrten und mit seinen insgesamt drei verbundenen Hauptgebieten viele Möglichkeiten. Moderner wirkt jedoch das Hochzillertal. Skifahren über Neujahr kann man machen .. genügend Geduld für eine ganze Woche im Schnee mit derart vielen Menschen hätte ich aber nicht.

Die Rückfahrt nach Frankfurt verlief übrigens (inkl. Tanken und Versorgungsstopp bei McDonalds) in knapp unter 5h trotz viel Regen recht problemlos; das Zillertal bleibt daher in gut überbrückbarer „Schlagdistanz“.

Der Gletscher ruft: Skiurlaub im Stubaital – Part 1

Nachdem unser Skiequipment nach Oberstdorf „schon“ rund 10 Tage repräsentativ in einer nicht übersehbaren Ecke des Wohnzimmer stand, wurde es wirklich mal wieder Zeit für einen Ausflug in den schneesicheren Süden 😉

Mit Hinblick auf die Wahl unserer Destination könnte man tatsächlich meinen, dass ich Wolfgang Ambros hier schon mehrfach zitierte Skifahrerhymne ein wenig zu oft gehört hätte („Und Dann Begib I Mi / Ins Stubeital Oder Nach Zell Am See“), doch die Wahl des Gebiets oblag erneut allein Dani 😉 Zunächst war ich von Ihrem Vorschlag auch völlig begeistert („nur 550km“), solange bis ich feststellen musste, dass Google und TomTom bevorzugt über den Fernpass fahren wollten. Mit Hinblick auf das damit verbundene Risiko und die Tatsache, dass es für unser aktuelles Snowmobil keine Schneeketten gibt, entschlossen wir uns einen kleinen Umweg über München einzuplanen, welcher die Anreise auf dezente 602km verlängerte *hust*

Auch sonst fand dieser Skitrip eher spontan statt, da wir eigentlich ein Wochenende später fahren wollten. Wie wir jedoch unisono von allen befragten Stellen erfahren mussten, sei das Karnevalls / Faschingswochenende die mit einigem Abstand am stärksten frequentierteste Zeit des Jahres, weshalb wir mit nur  vier Tagen Vorlaufzeit unseren Urlaub im Stubaital fixierten.

Obgleich Spontanität ja durchaus spannend ist, bringt sie auch das ein oder andere Problem mit sich. So mussten wir mit einer sehr kurzen Vorlaufzeit feststellen, dass unsere Ausrüstung mit Hinblick auf vorhergesagte -26°C noch einige Lücken aufwies, weshalb wir eiligst noch ein paar Bestellungen tätigten.

An einem kalten Donnerstag Morgen fuhr ich also mit einem vollgepackten Auto erst Dani und danach mich zur Arbeit, um dann den gesamten Tag über mit viel Spannung die Sendungsdaten des dringend benötigten Equipments zu verfolgen. Da es hier wiedersprüchliche Aussagen gab, telefonierten Dani und ich lediglich 6x mit DHL (die sich übrigens ebenfalls nicht sicher waren, ob die Pakete jetzt gerad in der Zustellbasis oder im Wagen liegen würden) und spielten eifrig das „Sie kommen“, „Sie kommen nicht“-Spiel. Um für das Schlimmste vorbereitet zu sein, begab sich Dani in der Mittagspause nach telefonischer Recherche vorbeugend in die Frankfurter Innenstadt und organisierte kurzfristig qualitativ sehr hochwertige Skimasken – Wochenende gerettet!

Um 15:00 Uhr konnte ich dann doch noch die Pakete aus der Packstation abholen (+30km) und anschließend Dani abholen (+30km), welche unsere Abfahrt dann doch noch einige Minuten verzögerte 😉 Kurz vor 16 Uhr setzten wir dann endlich Kurs gen Süden .. passenderweise von etwas Schneefall begleitet. Bereits auf den ersten Kilometern war der Verkehr recht dicht, so dass unser Wischwasserbehälter sich schneller leerte als die Restkilometer zum Ziel abnahmen 😉

Bis München kamen wir so mit ca. 110km/h in weitestgehend akzeptabler Geschwindigkeit voran und hörten dabei zur Einstimmung auf den Gletscher Alfred Lansings „635 Tage im Eis“ weiter (wir sollten dieses Wochenende noch einige Momente erleben, die es uns leichter machen würden das Gehörte visualisieren zu können). Rund um die bayerischer Hauptstadt nahm der Spaß dann jedoch ein recht abruptes Ende, da der Schnee deutlich zunahm und wir in eine Schneepflug-Phalanx nach der anderen gerieten. Dies führte zwar zu einigermaßen gut geräumten Straßen, drückte die Geschwindigkeit über recht lange Zeit auf anstrengende 50km/h. Mit insgesamt 40 Minuten Verspätung und nervlich etwas angekratzt, erreichten wir gegen 20:40 Uhr die letzte Shell Station vor der Deutsch-Österreichischen Grenze. Diese kam uns vor Ort dann plötzlich sehr bekannt vor, hatten wir doch auf dem Weg zum Schliersee hier bereits getankt. Fix war das Snowmobil nochmals aufgefüllt und auch die erforderliche Vignette für die österreichischen Autobahnen war ebenfalls schnell erworben.

Nach dieser Rast fanden wir uns auf weitestgehend leeren Autobahnen wieder, die jedoch in etwa zum Zustand des Rasthofes entsprachen: Räumdienst? Überbewertet! Dank der geringen Verkehrsdichte kamen wir trotzdem recht gut voran und fuhren kurze Zeit später über die Grenze. Dann passierte etwas, dass ich zu so später Stunde nicht wirklich erwartet hatte und auch nicht wahr haben wollte: Nahezu die gesamte A12 war per dynamischer Beschilderung mit dem schlichten Wort „Glättegefahr“ auf 60km/h (!!) limitiert. Während wir uns diesem, mit Hinblick auf die perfekt geräumte Straße nicht recht nachvollziehbaren, Diktat brav unterordneten, wurden wir von gefühlt jedem Österreicher, Tschechen, Polen und Offenbacher überholt, der scheinbar ein liberaleres Verständnis für das Tempolimit hatte. Um diesem monotonen Teil unserer Fahrt ein wenig die Langeweile zu nehmen, begannen wir spontan das lustige Personenraten („Mann oder Frau?“ „Über 50?“ „Real?“). Batman, Bill Gates, Heidi das Opposum, Michaela Schaffrath und Ferdinand Porsche später erreichten wir dann auch endlich die avisierte Ausfahrt, an der wir nochmals 2,50€ Mautgebühr entrichten durften („Privatstraße“).

Während sich die (vermutlich) eindrucksvolle Landschaft um uns herum nur erahnen ließ, waren die vielen Papp-Polizisten am Straßenrand deutlich klarer wahrnehmbar. Gegen 22:10 Uhr bogen wir dann endlich in die Zielstraße ein, die entgegen der sonstigen österreichischen Fahrbahnen in einem recht „spannenden“ Zustand war. Die letzten 700m in Richtung unserer Unterkunft waren steil, schneeig und glatt. Das Snowmobil wühlte eifrig mit allen vier Hufen, so dass wir unser Ziel trotzdem weitestgehend problemlos erreichten.

Was dann folgte war ein sehr herzlicher Empfang unserer Gastgeberin und eine schnelle Führung durch die Wohnung. Selbige war erneut sehr modern, hochwertig ausgestattet und bot alles, was das Skifahrerherz begehrt (bequeme Betten, eine Dusche, Skistiefelheizung und WLAN). Trotz allem Komfort empfanden wir diese Ferienwohnung etwas unpersönlicher als in Oberstdorf, strahlte sie doch ein wenig die Atmosphäre eines (guten) Hotels aus.

Diesmal leider keine Fotos vor dem "Einzug" 😉

Der Abschluss des Tages kam dann mindestens so schnell, wie man es nach rund 700km, einem Arbeitstag und ca. 6h Fahrt erwarten würde.

Hart erkämpft und dringend benötigt

Der Start in unseren ersten Skitag – den Freitag – erfolgte nach einer erholsamen aber doch etwas unruhigen Nacht in Kampl (gehört zu Neustift im Stubaital) ein wenig trödelig. Nach einem ausgiebigen Frühstück schälten wir uns vorsorglich noch in ein paar Lagen Kleidung als sonst, da auf dem Gletscher sportliche -26°C angesagt waren (eine Prognose, die sich als völlig zutreffend herausstellen sollte). Gegen 08:20 Uhr brachen wir also in Richtung Mutterbergalm auf, und fanden erfreulicherweise weitestgehend gute Straßenverhältnisse vor.

Irgendwo dahinten muss das Ziel sein..

Kurz vor 09:00 Uhr erreichten wir folglich bester Laune und bereits in gewohnter „Skigeilheit“ den noch sehr leeren Parkplatz der Seilbahn und konnten nach dem obligatorischen Erwerb der Skipässe auch zügig eine leere Gondel in Richtung Gletscher entern. Langsam aber stätig verließen wir das Tal und fuhren bei leichtem Hochnebel in Richtung Mittelstation (2100m). Von dort aus ging es direkt weiter zum Eisgrat (2.900m) und nach einem kurzen Umsteigen auch direkt zur Bergstation Schaufeljoch (3200m) – naive Menschen braucht die Welt. Während das Wetter aus der Gondel nämlich noch recht gut aussah („Was die nur wollen .. ist doch gar nicht so schlecht?“), schlug uns oben angekommen ein heftiger und vor allem schneidend kalter Wind ins Gesicht. Bei -26°C und über 30km/h Windgeschwindigkeit schmerzte augenblicklich jeder Quadratzentimeter Haut, der ungeschützt mit dieser unwirtlichen Umgebung in Kontakt kam. Auch das Skifahren lief zunächst alles andere als gut, da die Pisten von reichlich Neuschnee bedeckt waren und auf den Ziehwegen das Fahren eher zu einem Wandern mutierte.

Da ganz oben ging's los 😉

Schlechte Sicht, kaum erkennbare Pisten, eisige Verhältnisse .. JETZT fühlten wir uns wie in Lansings Berichten. Trotzdem fanden wir irgendwann eine „rettende“ Piste, auf der wir uns langsam wieder Richtung Tal begaben. Rund 200m tiefer sah die Welt schon deutlich besser aus und uns gelangen die ersten Kurven im ca. 5cm hohen Pulverschnee.

Kaum waren wir an der ersten Mittelstation angekommen, bemerkten wir auch die Schließung des oberen Teils des Skigebiets – damit waren dann „nur noch“ 77km der sonst 110 Pistenkilometer befahrbar – mit Hinblick auf die recht geringe Besucherzahl kein Problem und definitiv nachvollziehbar. Während das Wetter zügig besser wurde, erkundeten wir eifrig das Skigebiet und seine verschiedenen Abfahrten.

It's cool man!

Obgleich uns die breiten und leeren Pisten sehr gut gefielen, fanden die zahlreichen Plateaus weniger Anklang. Allzu häufig mussten wir längere Strecken mit Hilfe der Skistöcke quasi schiebend überbrücken, was doch sehr auf die Kondition ging. Dieser Fakt nahm uns vor allem am Nachmittag dann auch etwas die Experimentierfreude neue Pisten auszuprobieren, da unser Interesse primär doch dem Fahren und weniger dem Wandern galt.

Finde das neue Accessoire..

Ein wenig ungewohnt waren zudem auch die vielen Gondelbahnen, welche wir deutlich öfter frequentierten als die wenigen Sessellifts. In direkter Konsequenz ergaben sich zwar sehr angenehme Pausen mit der Möglichkeit gefrorene Snickers zu lutschen und Caprisonne „on the rocks“ zu genießen (definitiv äußerst empfehlenswert um auch vor dem Einkehrschwung etwas Energie zu tanken), trotzdem nervt das ständig An- und Abschnallen der Ski ein wenig. Nebenbei bemerkt hatte ich auch ein wenig mit der Höhe zu kämpfen, was sich in einer deutlich gesteigerten Atemfrequenz ausdrückte (anders gesagt: Trotz recht geringer Erschöpfung war ich ein wenig kurzatmig).

Gegen 13:00 Uhr entschlossen wir uns dann zu einer rund 60 Minütigen Pause im Martkrestaurant Eisgrat, dass auf rund 2900m mit einer tollen Aussicht sowohl in Richtung Gipfel als auch zum Tal lockt. Schnell fanden wir ein paar schöne Plätze und konnten eine passende Stärkung ergattern.

Futter .. wurde auch Zeit und macht gute Laune

Auch nach dem Mittag setzte sich unser Skivergnügen weitestgehend problemlos fort, bis wir gegen 16:15 Uhr – die Sonne verschwand bereits langsam wieder hinter den Bergen – die 10km „hochalpine“ Talabfahrt „Wilde Grub’n“ ansteuerten. Auf dem Weg zu dieser mussten wir erneut mehrere hundert Meter mit den Skiern über der Schulter über einen Ziehweg wandern (es hätte zurückblickend sinnvolle Alternativen gegeben), bevor wir uns auf die rote Piste bzw. Route begeben konnten. Diese war zwar stellenweise recht eng und auch vergleichsweise stark frequentiert, bot jedoch ein tolles Panorama auf die Landschaft und das Tal. Auf dem letzten Kilometer kündigte sich die Talstation bereits stimmungsvoll mit den Bässen der Apres Ski Bar an, die bei unserer Ankunft jedoch nur mäßig frequentiert war.

Nachmittagsstimmung auf 3000m
Equipmentversagen im Tal

Auf dem Rückweg zu unserer Ferienwohnung hielten wir dann noch kurz beim einzigen Supermarkt weit und breit, um „nur das Notwendigste“ einzukaufen. Dies bestand neben verschiedenen Kleinigkeiten primär aus Toilettenpapier (merke: FeWo nicht gleich Hotel .. eine Erkenntnis, die uns bereits in Oberstdorf kam) und Butter (kann man ja immer mal vergessen). Bei der abendlichen Herstellung stärkender Spaghetti fiel uns dann auf, dass unter Umständen auch noch Salz in die Kategorie „Notwendig“ gefallen wäre. Überraschenderweise macht sich ein Mangel desselben beim Endprodukt doch recht bemerkbar, was durch die gesteigerte Verwendung von Ketchup jedoch kompensiert werden konnte 😉

Während wir in der kuschlig warm geheizten Ferienwohnung (Fußbodenheizung UND Raumbelüftungssystem sind ein Traum) zu „The Voice of Germany“ entspannten, schloss ich den Tag mit der verheißungsvollen Frage: „Braucht man für Grießbrei eigentlich Milch?„.

Nach soviel Prosa gibt es jetzt auch noch ein paar Zahlen nebst Trackaufzeichnung unseres Tages (beachte: Liftzeiten bzw. Kilometer sind immer mit dabei):

  • Länge gesamt: 52,96km (verspätet mit der Aufzeichnung begonnen, Akku noch vor der Talabfahrt alle :-()
  • Reine Fahrzeit: 5:25h
  • Überwundene Höhe Bergauf: 5910m
  • Überwundene Höhe Bergab: 5480m
  • Höchstgeschwindigkeit: 57,75 km/h
  • Herzfrequenz Minimal / Maximal / Mittel: 90 / 176 / 135

GPS-Aufzeichnung vom Freitag [deltazoom=0;maptype=G_SATELLITE_TYPE;gpxelevation=show;gpxelevationcolor=green;gpxspeedchart=show;gpxheartratechart=show;gpxheartratechartcolor=red;urldisplaymode=none;gpxcheckpointinterval=none]

Weitere Fotos gibt es wie immer in der Galerie: Klick.