New England States Tag 5: White Mountain National Forest

Tag sechs unserer Rundtour durch die Neu England-Staaten stand erneut ganz im Zeichen der Natur – dieses Mal allerdings etwas (eigentlich sogar signifikant und vor allem unerwartet) actionreicher als im Acadia. Doch der Reihe nach.

Schon auf dem kurzen Weg zum Frühstück gab es das ein oder andere Vorzeichen, dass zumindest unser Vormittag unter keinem glücklichen Stern stehen könnte. Es nieselte leicht, es war kalt (ca. 18°C), im „Zielgebiet“ herrschte Gewitterwarnstufe 2 und die Niederschlagswahrscheinlichkeit sollte bis mindestens 14:00 Uhr unerfreulich hoch bleiben. Aber was soll’s – Dani hat da immer so motivierende Sprüche von wegen Regenjacken und unsere neue Kamera nebst Objektiv verfügt glaube ich auch über irgendeine vom Marketing weichgespülte Feuchtigkeitsbeständigkeit. Als starten wir leicht skeptisch aber voller Hoffnung gegen 08:00 Uhr auf unseren Trip in den White Mountain National Forest gen Westen.

Bereits nach wenigen Kilometern legten wir einen ersten kurzen Zwischenstopp ein, da wir die erste „Covered Bridge“, also eine überdachte Holzbrücke, erreichten. Wir parkten unmittelbar vor diesem ikonischen Bauwerk und erkundeten zudem den Bereich unmittelbar darunter – hier lassen sich zur Saison jeden Tage vergnügte Menschen auf Schwimmreifen und anderen Wassersportgeräten von der Strömung entlang treiben. Aus verständlichen Gründen (und geringem Wasserstand) gab es derartige Vorgänge heute leider nicht zu bewundern. Während der Weiterfahrt sahen wir jedoch unzählige Fahrradfahrer (teilweise sogar auf Tandems) die gegen Sturm und Regen (Achtung: Spoiler) ankämpften – an Motivation mangelt es den hiesigen Sportlern offensichtlich nicht.

An unserem ersten Halt im National Forest galt es auch die erste Krise des Tages zu überstehen. Unsere eheinternen Auffassung zum „Self Service“ bezüglich der Parkgebühr (gigantische 3$ die man in einen Umschlag wirft, von dem man ein perforiertes Stück abtrennt und sich an den Spiegel hängt) waren nicht gänzlich kongruent. Anders formuliert hatte Dani gewisse Zweifel, ob dieser gänzlich undigitalisierte Prozess auch tatsächlich sinnvoll und funktional ist. Wie dem auch sei, nach einer kurzen Phase der Diskussion konnten wir uns die Lower Falls am östlichen Ende des Parks endlich in Ruhe und mit reinem Gewissen anschauen. Ein ziemlich niedlicher Ort mit einem mehr oder weniger kleinen Wasserfall, der sich malerisch durch das Tal schlängelt. Über die extrem glitschigen Steine zu kraxeln um den besten Foto-Spot zu erreichen macht richtig Spaß, falls es nicht gerade anfängt zu regnen und / oder man etwas unkontrolliert über die Felsen rutscht. Beides – sowohl der Regen, als auch das Rutschen – fühlen sich potentiell bedrohlich für die Kamera an und je größer die Tropfen werden, desto weniger vertraut man dem Marketing. Glücklicherweise schafften wir es unversehrt zurück ins Auto, bevor der Regen so richtig loslegte. In Deutschland würden wir vermutlich von einem Platzregen sprechen 😉 Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, setzten wir unsere Reise trotzdem fort – bei den erlaubten 40 Meilen pro Stunde ist auch stärkerer Regen eher kein Problem für Mensch und Maschine.

Glücklicherweise klarte es bereits auf, als wir das erste Highlight des Tages erreichten: den Flume Gorge (Gorge spricht man übrigens wie „gordsch“ – gar nicht so einfach). In Deutschland würden wir zu diesem Wunder der Natur „Klamm“ sagen, einen Kiosk irgendwo in die Nähe bauen und die Menschen würden glücklich und unbescholten die tosenden Wassermengen, umgeben von einer tiefen Schlucht, bewundern. In Amerika wird ein Visitors Center nebst Souvenirshop, Kino (für den Imagefilm), Bus-Shuttle (für die körperlich herausgeforderten), Toiletten (mit besonders geringem Wasserverbrauch) und Cafeteria gebaut. Außerdem werden entlang des Pfades alle ca. 300m „Rain Shelter“ gebaut, an denen man meist nochmals das Nötigste – also Erinnerungsstücke und / oder Essen – kaufen kann. Das ist seeeehr besucherfreundlich, äußerst professionell und rechtfertigt dann selbstverständlich einen Eintrittspreis von 16$ pro Person (für ca. 1 – 1,5h Aktivität). Das klingt jetzt alles zugegeben etwas (zu) böse, denn der Flume Gorge selbst ist wirklich ganz toll. Startet der Trail am Anfang noch recht flach entlang eines friedlich plätschernden Baches, wird es irgendwann immer steiler. Am spannendsten Punkt steht man auf einem hölzernen Steg mitten in der Klamm, links und rechts die ca. 5m aufragenden Felsen, unter einem der laut rauschende Bach, an der Wand neben einem 100 Jahre alte Algen – das ist schon richtig cool. Zum Glück war während unseres Besuchs recht wenig los, so dass wir weder gehetzt waren noch andere hetzen mussten; es blieb immer Gelegenheit für ausreichend viele Fotos aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Nachdem man der Klamm entstiegen ist, führt der weitere Trail auf schönen Pfaden durch das Gelände, wobei es immer mal kleinere Aussichtsplattformen und nette Erklärungsschilder gibt. Etwas bemerkenswerter ist gegen Ende der „Pool“, eine Art Becken mit kreisförmiger Strömung, über das eine weitere Covered Bridge führt. Das ist alles ganz schön, aber doch eher unspektakulär (wer mal im Harz war und das Bodetal kennt – es kostet übrigens keinen Eintritt – wird von dem Kessel am Flume Gorge jedenfalls nicht allzu beeindruckt sein).

Nach einer kleinen Stärkung in der urigen Cafeteria im pompösen Besucherzentrum fuhren wir zum Lost River Gorge and Boulder Caves. Der Name klingt zugegebenermaßen sperrig, weckt irgendwie Erinnerung an die Station zuvor und ich muss zugeben mit völlig falschen Vorstellungen an diesen Part unseres Tagesplans gegangen zu sein. Zu Beginn gilt es zunächst einen Souvenirshop zu durchqueren und die Eintrittsgebühren von „nur“ 18$ pro Person begleitet von einer kurzen Erklärung („You will follow a one mile trail which will usually take  between one and one and a half hours; ihr folgt einem Pfad der ca. 1 Meile lang ist, was ca. 1 – 1,5h dauern wird“) zu entrichten. Danach geht es zunächst sehr unspektakulär über diverse Holzstege und Treppen, was doch verdächtig an Flume Gorge erinnert. Dann gelang man plötzlich an den „Wendepunkt“ des Pfades und eine erste „Höhle“. Es handelt sich im Prinzip um eine Art Höhle mit offener Decke, die man nur durch eine halbhohe Öffnung betreten und verlassen kann. Natürlich gibt es hierzu ein Erklärungsschild, das einem genau erläutert wie man rein und rauskommt, dass es keinen dedizierten Ausgang gibt und wie dieses „Gebilde“ entstanden ist (es ist der Moment in dem du dich fragst, warum auf dem Schild nicht auch noch steht „Niemals das atmen vergessen“). Das ist auch der Augenblick, in dem sich das Wort „Touristennepp“ beginnt im Hinterkopf zu manifestieren. Aber dann gelangt man über einige weitere Holztreppen – inklusive ganz netter Aussicht auf die nicht allzu tiefe Klamm – zu einer zweiten Höhle. Es folgt eine kurze Überlegung, ob der Eingang nicht irgendwie relativ klein aussieht, bevor man sich plötzlich mittendrin befindet, sich den Rucksack wechselweise übergibt und irgendwie leichte Zweifel aufkommen, ob alle Kleidungsstücke den Tag überstehen werden. Spätestens bei der Höhle mit dem klangvollen Namen „Lemon Squeezer“ realisiert man final, was man hier tut: Man befindet sich in einem Kletterwald, nur eben für’s Höhlen-nun ja -durchkrabbeln. Ganz im Ernst, wenn man dann plötzlich schräg in einer Felsspalte klemmt, schräg hinter einem der Fluss laut rauscht und man sich jetzt überlegt, wie man den Kopf als erstes durch die kleine Öffnung rechts neben dem Fuß bekommt, dann hat das schon einen gewissen Unterhaltungswert. Es ist der Moment, in dem man die Diskussion „Schatz, wollen wir das wirklich?“ nur liebevoll in die Richtung „Wir sind doch schon soweit gekommen“ lenken kann, um zu erfahren, wie es hinter dem nächsten 90° Knick in fast völliger Dunkelheit weitergeht. Eigentlich kann ich immer noch nicht so richtig glauben, was wir da gemacht haben. Es war die mit Abstand unamerikanischste Erfahrung aller USA-Reisen und ich wüsste auch nicht, in welchem anderen bekannten (sicheren) Reiseland man ein derartiges Abenteuer erleben kann. Klar, eigentlich krabbelt man nur durch 5 – 15m kurze Höhlen, aber uneigentlich hat man keine Stirnlampe, keinen Helm und keine Knieschoner um durch die mitunter sehr engen Röhren zu gelangen, die man teilweise nur auf dem Bauch liegenden durchqueren kann – während immer mindestens ein Körperteil Kontakt zum Fels hat. Wie ich bereits sagte: ein Abenteuer mit nachdrücklichem Charakter.

Nach den spannenden 11 Höhlen folgen noch weitere Stege und Treppen inklusive Schwebebrücke, die einen aber ziemlich kalt lassen, wenn man sich erst einmal komplett eingesaut und den innereren Schweinehund überwunden hat – ich spare daher weitere Details an dieser Stelle aus.

Als wir am Lost River fertig waren, war es ca. 14:45 Uhr und unsere restliche Tagesplanung hatte ein gewisses Loch: zur nächsten Unterkunft waren es nur ca. 30 Minuten; die möglichen Kandidaten für weitere Stationen befanden sich aber allesamt mindestens 1h entfernt und hatten nur bis 17:00 Uhr offen. Wir entschieden uns trotzdem zu Vermonts größtem Maislabyrinth zu fahren – auch auf das Risiko hin, dass wir möglicherweise nicht mehr eingelassen werden würden. Allein die Fahrt zum und vom Corn Maze war jedoch ein echtes Highlight. Die letzten 10 Kilometer ging es über sehr gut befestigte Feldwege, auf denen das Tempolimit teilweise höher als auf den Highways (also bei gigantischen 35 Meilen pro Stunde) war. Ich fühlte mich massiv an eine Rallye-Sonderprüfung erinnert und Worte wie „Schotter, Kurve links, nicht schneiden“ geisterten durch meinen Kopf. Je näher wir unserem Ziel kamen, desto unsicherer wurde ich, denn weit und breit stand kein Schild, welches auf das Labyrinth verwies. Erst unmittelbar vor unserer Ankunft – an der letzten Kreuzung irgendwo im nirgendwo – in Deutschland würde man sagen auf einem Feldweg – plötzlich eine Notiz am Baum: Maze 623ft. Und schon waren wir da. Und schon mussten wir erkennen, dass das letzte Highlight des Tages keines werden würde, denn es war geschlossen (letzter Einlass 15:00 Uhr, Zeitbedarf für die verirrende Erfahrung laut Betreiber mindestens 2,5h). Trotzdem genossen wir die Aussicht von der Farm und schlossen Freundschaft mit der Kuh Mercedes und ihrem Bullenkalb Benz (die hießen wirklich so). Am Horizont konnte man auch ihre Freunde mit den vermuteten Namen „Dr.“, „Ing.“, „h.“, „c.“, „f.“, „Porsche“ und „AG“ auf der Weide sehen, aber für ein Gruppenbild kamen wir nicht nah genug ran.

Also fuhren wir unverrichteter Dinge wieder nach Süden zu unserer nächsten Unterkunft im malerischen Städtchen Quechee (oder wie unser Navi sagt „Kitschi“). Die Landschaft Vermonts war derart faszinierend, dass wir die Interstate rechts liegen ließen und nahezu die gesamten rund 100km über die US 5 fuhren. Ernsthaft, ich habe glaube ich noch nie so viele saftige Weiden, grüne Hänge und  sanfte Hügel wie hier gesehen. Noch dazu wirkt alles unglaublich aufgeräumt und sauber, gerade so, als würden sich sämtliche Ortschaften auf eine Parade vorbereiten. Unsere Gastgeberin erklärte uns später übrigens das man sagt in Vermont leben wahrscheinlich mehr Kühe als Menschen – sehr sympatisch 😉

Bevor wir den Abend ausklingen ließen, besuchten wir kurz vor Sonnenuntergang nach ganz kurz die (den?) Quechee Gorge – denn auch dieser kleine Ort hat seine eigene Klamm. Diese ist wirklich unfassbar tief, aber bei Weitem nicht so malerisch wie die gegen Eintritt erkundbaren Pendants in den White Mountains.

Morgen widmen wir uns dann einer weiteren landwirtschaftlichen Erfahrung, bevor wir am Abend in New York eintreffen werden. Auf das anstehende Kontrastprogramm zu unserem bisher sehr friedlichen Trip bin ich äußerst gespannt und hoffe berichten zu können.

New England States Tag 4: Hello, New Hampshire

Nachdem ich in der Zwischenzeit erfahren habe, dass unser Reisebericht tatsächlich von ganz lieben Menschen tagesaktuell verfolgt wird, fühle ich mich natürlich aufgefordert auch an Transfertagen – wie heute – zumindest einen kurzen Abriss über unsere heutigen Erlebnisse zu geben.

Fangen wir mit einem der angenehmen Aspekte des Tages an: dem Frühstück. Da wir uns heute trotz günstiger Wetterbedingungen (0% Bedeckung zum Sonnenaufgang) gegen einen Early Bird Trip zum Cadillac Mountain entschieden haben, hatten wir durch eine zeitlich optimierte Planung unserer morgendlichen Tätigkeiten die Gelegenheit in den Genuss des hausgemachten Frühstücks in unserer Unterkunft zu kommen. Dieses war – wie wir bereits antizipiert hatten – großartig. Also zumindest von der Auswahl und vom Geschmack her. Die etwas „gediegene“ (man könnte auch sagen düstere) Atmosphäre nebst „Wir klatschen unseren Namen“-Musik aus dem BOSE-System war im besten Fall etwas speziell – aber der Start in den Tag war gesichert.

Anschließend steuerten wir – wie gesagt bei besten Bedingungen – den Cadillac Mountain an. Wie durch eine große glückliche Fügung hatten wir erneut keine Hindernisse auf der Straße und erreichten unser Ziel weniger als 15 Minuten nach Verlassen des Hotels (Einschub: Du merkst, dass du diesen Sommer zu viel Porsche gefahren bist, wenn du vor einer Kurve gedanklich die Kupplung trittst, in den zweiten Gang schaltest, das Zwischengas förmlich hören kannst und du mit jeder Faser spürst, wie dich das Sperrdifferential bei zunehmender Querbeschleunigung aus der Kurve zieht. Wenn du dich dann dabei ertappst die hierzu passenden Geräusche leise [?] zu imitieren, kannst du dir bezüglich deiner Diagnose 100%ig sicher sein).

Oben angekommen war es sehr faszinierend das Kontrastprogramm zu unserem letzten Besuch zu erleben. Statt dickem Nebel gab es in alle Richtungen eine grandiose Aussicht zu bewundern, die zusätzlich durch den Umstand aufgewertet wurde, dass in der Bucht unmittelbar vor Bar Harbor ein großes Kreuzfahrtschiff festgemacht hatte. Ich fühlte mich sofort wahlweise an Fluch der Karibik oder Master and Commander erinnert, so „dominant“ wirkte das riesige Schiff in der kleinen Bucht vor dem fast schon winzigen Hafen. Die Anleger von Bar Habor sind in der Tat so klein und so flach, dass permanent zwei Shuttle-Boote zwischen dem Kreuzfahrer und dem Kai pendelten. Auch sonst war es faszinierend den Fast-Rundumblick über Mount Desert Island zu genießen und die verschiedenen Stationen unseres Besuchs nach und nach zu entdecken. Rückblickend betrachtet ist es sicher keine schlechte Idee den Cadillac Mountain frühzeitig zu besuchen und so ein gutes Verständnis für den Aufbau des Parks zu bekommen – zumindest falls die Sicht mitspielt 😉

Vor der höchsten Erhebung der Region aus steuerten wir noch einmal meinen Lieblingsplatz im Nationalpark an: das Ottercliff. An der Klippe sitzend dem Rauschen der Wellen und dem Läuten der Rifftonne (ich weiß, könnte das Wort der Woche werden) zu lauschen, ist zusammen mit der fantastischen Weitsicht einfach eine sehr schöne und beruhigende Erfahrung. Sozusagen perfekt als akustische Untermalung zum Einschlafen nach einem harten Tag. Dani schlug bereits vor eine solche Tonne auf unserem Balkon zu installieren – wir konnten das noch nicht abschließend klären.

Anschließend verließen wir den Park auf direktem Weg zurück nach Bar Harbor, da uns die freundliche Dame an der Parkinformation neben dem „spannenden“ Tipp bezüglich der Tide Pools von gestern zusätzlich den Rat gegeben hatte die Sandbänke vor Bar Island bei Ebbe zu erkunden – der ideale Zeitpunkt sei gegen 10:30 Uhr. Wir waren 10:20 Uhr da und sofort sehr positiv überrascht. Bei Niedrigwasser kann man von Bar Harbor aus trockenen Fußes auf einer sehr breiten Sandbank nach Bar Island laufen (und übrigens auch fahren, man darf nur nicht auf dem vom Wasser bedrohten Bereich parken) und dabei ganz entspannt im flachen Wasser spazieren, Möwen bei der Jagd nach Krebsen beobachten und das Panorama der Bucht bewundern. Insbesondere mit dem großen Kreuzfahrtschiff im Hintergrund ergab sich eine faszinierende, fast schon unwirkliche Szenerie – es wird wirklich Zeit für Fotos. Wie fast überall in der Natur ist es übrigens sehr beeindruckend, von wie vielen Lebewesen man umgeben ist, wenn man einfach mal zwei Minuten im flachen Wasser still stehen bleibt. Plötzlich schwimmen überall kleine Fische, durchsichtige Mini-Garnelen krabbeln über den Grund (ja, ein Biologe ist definitiv nicht an mir verloren gegangen) und kleine Krebse verstecken sich ängstlich unter Steinen – schon cool.

Nachdem wir die Sandbänke und das flache, warme Wasser ausgiebig erkundet hatten, wurde es Zeit Mt. Desert Island bzw. dem Acadia Nationalpark den Rücken zu kehren. Als wir vor zwei Tagen ankamen, hätte ich nicht gedacht, dass uns dieser beschauliche Fleck Erde so ans Herz wachsen würde. Der Nationalpark mit Bar Harbor als Epizentrum ist sehr facettenreich, angenehm belebt (an manchen Stellen zu belebt) und dabei noch „greifbar“. Die Hotspots sind überschaubar und gut erreichbar, die Trials übersichtlich und nicht zu monoton und die Distanzen nicht zu lang. Insgesamt aus meiner Sicht eine ganz tolle Empfehlung für zwei bis drei Nächte.

Nun begann der langweilige Tag des Tages: Rund 4h Fahrt gen Westen nach North Conway, recht knapp hinter der Grenze zu New Hampshire gelegen. Unterwegs wurde uns wieder einmal der Pragmatismus des amerikanischen Straßenbaus vor Augen geführt. Da fährst du einen geteerten, ebenen, ziemlich geraden Highway (!) entlang, der plötzlich quasi im Nichts endet. Ernsthaft, plötzlich endet der Teer (manchmal fährt man dann wirklich nur noch auf fester Erde, manchmal zumindest auf Resten von Asphalt), große Schlaglöcher tun sich auf und man fragt sich, ob die Welt gleich endet. In den meisten zivilisierten Ländern dürfte man solche Strecken vermutlich gar nicht legal mit Mietwagen befahren („keine unbefestigten Straßen“). Wir haben dieses „Happening“ nun mehrfach in Maine erlebt und insbesondere heute zog es sich über mehr als 10 Meilen in die Länge – schon heftig. Heftig ist vermutlich auch die Job-Beschreibung der sog. Flagger – das sind die armen Jungs und Mädels deren Pendant in Zentraleuropa Baustellenampel heißt. Ernsthaft, ich habe keine Ahnung, wie man acht Stunden oder mehr am Tag sein „Stopp“-Schild anschauen und dieses periodisch auf „Slow“ drehen kann – bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit.

Gegen 17:00 Uhr erreichten wir unsere nächste Übernachtungsstation in North Conway – direkt an den White Mountains. Leider verlief unsere Ankunft nicht ausschließlich positiv: Es regnete und unser Hotel (140$ / Nacht) war etwas „speziell“ (das ist das freundliche Wort für total daneben). Eine Auswahl der bemerkenswerten Features: Frühstück nach vordefiniertem Menü ohne Auswahl, Frühstück in Gruppen nach vorausgewählter Terminoption, Haare der Vormieter an diversen Stellen im Raum – damit man sich zu Hause fühlt, WLAN nur sporadisch an wechselnden Positionen im Raum, gut eingewohnte Innenausstattung aus den 80er Jahren – garantiert gut ausgelüftet und eingewohnt. Suboptimal und definitiv nicht zum Wohlfühlen, aber wir werden hoffentlich weiter ziehen, bevor die negativen Schwingungen auf uns abfärben können.

Den Abend verbrachten wir dann im hiesigen, Settlers Green genannten, Shopping-Center. Dieses ist zwar nicht als klassisches Outlet-Center geführt, aber in New Hampshire wird für Kleidungsstücke bis 150$ Warenwert kein Sales Tax (also keine Mehrwertsteuer) fällig. Dadurch ergeben sich zumindest in der Theorie ganz nette Möglichkeiten für Schnäppchen, die wir zumindest bedingt erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. Im Vergleich zu Kalifornien und vor allem Florida sind die lokalen Shopping-Möglichkeiten aber eher enttäuschend – sowohl was das Design der lokalen Stores, als auch was die Preise und Auswahl angeht. Insbesondere die Malls in Florida waren hier schon ganz weit vorn.

So neigt sich unser vierter Tag in Nordamerika dem Ende – und wir sind nach wie vor guter Laune. Wir haben schon einige sehr schöne Momente erlebt, die ein oder andere Enttäuschung verdaut und gemeinsam sehr viel gelacht. Morgen werden wir (hoffentlich) die White Mountains erkunden und dabei vermutlich stellenweise die aktuellen Temperaturen in Deutschland um 50% unterschreiten – falls wir nicht erfrieren, werde ich an gewohnter Stelle berichten 😉

New England States Tag 3: Acadia

Tag 3 unserer Reise in den Nordosten der USA stand ganz im Zeichen der Natur und ausgiebiger Spaziergänge. Auf Grund der „etwas“ deprimierenden Wetterverhältnisse am Vortag beschlossen wir die Nacht mit Hinblick auf eine angestrebte Ergebnisintensivierung zu verkürzen und noch vor 07:00 Uhr in unser Erlebnis Acadia zu starten.

Etwas nachteilig gestaltete sich in diesem Zusammenhang die Frühstücks-Offerte in unserer sonst sehr urigen und gemütlichen Unterkunft: Speisen werden nur zwischen 08:00 und 10:00 Uhr gereicht. Hoch motiviert beschlossen wir daher ohne morgendliche Nahrungsaufnahme aufzubrechen bzw. diese auf einen Snack im Rahmen unserer ersten Wanderung zu verlagern – okay, manchmal muss man sich halt auch in Verzicht üben.

Unsere Fahrt in den Park begann dann erneut etwas enttäuschend: Zwar war es angenehm leer (wirklich eine immense Wohltat gegenüber dem Vortag), aber der Nebel war – absolute Windstille sei Dank – geblieben. Also hatten wir die Felsen zwar für uns, konnten aber dennoch nicht erkunden, wo sich die so nahklingende Rifftonne befand. Den Spaß am Thunderhole – am Donnerloch – ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Es handelt sich dabei um eine Art Grotte, in die das Wasser strömungsbedingt mit den Wellen eindringt und je nach Intensität der Bewegung keine andere Option hat, als Wild in die Höhe zu spritzen. Außerdem erzeugt es dabei ein Geräusch, das in der Tat wie ein kurzer, aber kräftiger Donner klingt. Wir haben so ähnliche „Phänomene“ schon in Kalifornien im Point Lobos Statepark und zum Beispiel auf den Azoren an den Termas da Ferrarria (von mir liebevoll Ferrari-Thermen genannt) gesehen, aber das Thunderhole im Acadia ist ganz besonders beeindruckend. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass zum Zeitpunkt unseres Besuchs Niedrigwasser und relativ wenig Bewegung im Meer war – bei Sturm bleibt hier sicherlich wortwörtlich sicher kein Auge trocken.

Nach dem Besuch an der Donnergrotte fuhren wir wenige Meter weiter zum Parkplatz am Gorham Mountain Trail. Dieser beginnt landschaftlich sehr beeindruckend mit einem sanften Anstieg, der komplett über relativ glatte Felsen führt. Sieht im Prinzip ein bisschen aus, wie fast jedes Sandsteingebirge in Deutschland, wandert sich aber sehr schön. Dank der hervorragenden Ausschilderung in Form sehr frequent aufgebauter Steinformationen kann man sich praktisch nicht verlaufen und sich ganz auf das Naturerlebnis einlassen, dass sich einstellt, wenn man bei 23°C und extrem hoher Luftfeuchtigkeit beginnt einen Berg zu erklimmen. Damit es nicht zu langweilig wird, bogen wir zwischendurch auf den Cadillac Cliff Trail ein, der das Schwierigkeitslevel nochmals ein wenig intensivierte.Hier ging es stellenweise schon mal über Steigeisen und durch ganz kurze „Höhlenabschnitte“ – ziemlich cool. Auf dem Mount Gorham angekommen wurde es endlich Zeit für das verdiente Frühstück in Form ganz leckerer Bagel nebst Schokokeksen und „Poland Springs“-Water – ein Genuss. Leider blieb uns die sicherlich extrem faszinierende Aussicht auf das Meer verwehrt, so dass wir dessen Nähe durch das permanente Brummen der Motoren der Krabbenkutter antizipieren mussten. Im weiteren Verlauf ging es mal mehr, mal weniger steil bergab, bevor wir einige Kilometer später wieder am Wanderweg parallel zur Park Loop Road herauskamen. Da dieser Abschnitt eher weniger malerisch war, lasse ich eine weitere Beschreibung aus.

Zurück am Auto trockneten wir kurz unsere etwas durchgeschwitzte Kleidung („Deuter hat versprochen, dass der total atmungsaktiv ist“), bevor wir weiter in Richtung Ship Harbor im Südwesten fuhren. Hier parkten wir direkt an der Straße und folgten dem ca. 1km langen Wonderland-Trail (cooler Name, oder?) zum Meer. Bei der Einfahrt in den Park hatten wir uns zur Bewunderung des 15 Minuten langen Imagefilms überreden lassen, in welchem „Gezeitentümpel“ (Tide Pools) gezeigt wurden und gemäß Schilderung der freundlichen Volunteers sollten die Aufnahme genau an dem von uns nun angesteuerten Ort entstanden sein. Seit Point Lobos sind wir totale Tide Pool-Fans und waren sehr gespannt, ob wir nun hier Seesterne und See-Igel entdecken würden. Taten wir nicht. Neue Erkenntnis: Manche Gezeiten-Becken sind großflächig mit Seegrass überzogen, welches man auch im trockenen Zustand nicht so wirklich durchqueren möchte. Macht nichts, zumindest das Wetter spielte nun endlich mit und verwöhnte uns mit blauem Himmel, 30°C und guter Sicht.

So traten wir die Rückreise in Richtung Bar Harbor an, nicht ohne Zwischendurch Halt in Southwest Harbor zu machen. Hier nahmen wir im netten Restaurant „The Upper Deck“ eine leckere Stärkung mit toller Sicht über den Hafen zu uns – sehr nett und dringend benötigt. Anschließend fuhren wir über mehrere kleine Zwischenstopps zu einem Parkplatz nördlich von Northeast Harbor, um eine weitere Wanderung über die sog. Carriage Roads zu unternehmen. Es handelt sich dabei um befestigte Wege durch den Nationalpark, die von der Fam. Rockefeller erworben und bewusst nicht geteert, sondern in diesem Zustand erhalten wurden (historische Ungenauigkeiten seien dem Autor bitte verziehen). Diese werden nun mehr oder weniger intensiv von Fahrradfahrern, Wanderern und Reitern frequentiert und intensiv beworben. Was soll ich sagen: Der Spaziergang über die sehr gut ausgebauten Wege führt durch schöne Natur, ist sehr trittsicher und bestens ausgeschildert. Unterwegs gibt es immer wieder schöne Steinbrücken zu bestaunen, an denen man meist auch auf etwas „wildere“ Trails abbiegen kann. Diese sind dann – wir haben das ausprobiert – etwas unterhaltsamer, aber dennoch gut ausgeschildert. Ab und an gibt es kleine Bäche, niedliche Holzbrücken und schöne Sichtachsen zu bewundern – alles in allem sehr nett. Positiv ist die Abgeschiedenheit dieser Region, die ebenso wie Southwest Harbor zuvor bei Weitem nicht so frequentiert ist, wie die Park Loop Road mit den klassischen Hotspots Thunderhole, Sand Beach, Jordan Pont und Ottercliff. Dennoch fanden wir die Carriage Roads jetzt nicht so beeindruckend, dass wir das Bedürfnis verspürt hätten die Wanderung signifikant auszudehnen. Ein Abstecher zum Bee Hive Trail mit Steigleitern bei Sonne würde mich da schon mehr reizen.

So kamen wir nach rund 2h wieder am Auto an und steuerten nochmals den Parkplatz am Ottercliff an – wir wollten wenigstens einmal die Aussicht mit Sonne und blauem Himmel genießen. Dies hat erstaunlich gut funktioniert, so dass wir nun auch endlich (!) die Rifftonne erspähen konnten, die, wenn man einmal die wilde Gischt ganz in ihrer Nähe gesehen hat, völlig zu Recht ununterbrochen läutet. Am Ottercliff wurden wir ein Weiteres mal mit einer auffälligen Besonderheit während unseres Besuchs hier konfrontiert: Das Durchschnittsalter ist extrem hoch und viele „Abenteurer“ scheinen den körperlichen Herausforderungen der lokalen Attraktionen teilweise nicht (mehr) gewachsen zu sein. Wenn man erwachsene Menschen beim Aufstieg vom Ottercliff zurück zur Straße an 30cm hohen Treppenstufen verzweifeln sieht, tut das schon weh.

Nach dem Ottercliff fuhren wir ein weiteres Mal über die Park Loop Road und kamen ca. 40 Minuten später in Bar Harbor an. Hier duschten wir kurz, bevor wir uns auf einen Spaziergang in die niedliche „Innenstadt“ und an den Hafen begaben – auch hier wollten wir nochmals die Aussicht ohne Nebel und bei Tageslicht genießen. Dabei bestätigten sich im Wesentlichen unsere Impressionen von gestern: „Bahaba“ ist malerisch, recht kompakt, ziemlich überlaufen, sehr klischeehaft und dennoch schön. Die Aussicht auf die kleinen Boote im Sonnenuntergang ist schon ziemlich stimmungsvoll und die Utensilien der Fischer bieten immer wieder interessante Motive mitten im geschäftigen Treiben (wie schön wäre es, wenn wir jetzt schon Fotos hier hätten). Unterwegs genossen wir übrigens je eine Scoop Eis für nur 4,10$ pro Stück, wobei die Portionsgröße eher 3-4 Kugeln nach europäischem Standard entsprach. So gestärkt beschlossen wir das Abendessen hinter die Stoßzeit zu verlegen und dafür das Bloggen nebst Packen etwas vorzuziehen.

Morgen früh werden wir nochmals den Acadia unsicher machen, bevor wir gegen Mittag die rund fünf stündige Fahrt nach Conway im Westen antreten werden. Hier werden wir vielleicht noch einen kurzen Shopping-Stopp einlegen, bevor wir übermorgen die White Mountains unsicher machen werden.

New England States Tag 2: Going North

Der zweite Tag unserer Rundreise durch die Neu England-Staaten liegt gerade hinter uns, die Cocktails aus der lokalen Restaurant-Empfehlung wirken noch nach und ich bin aufgefordert von den Erlebnissen des Tages zu berichten – nun gut, gehen wir es an.

Eigentlich war es ein nahezu perfekter Tag, fast wie aus dem Bilderbuch. Bis auf den dichten Nebel (Sichtweiten teilweise unter 50 Meter), und den Regen (nur zeitweise), und das schwüle Wetter, und die Menschenmassen an den touristischen Highlights – aber in Summe war es Urlaub, mit ganz viel Zeit nur für uns und ganz viel Spaß – und deshalb dennoch super.

Fangen wir mit der morgendlichen Stärkung an, die ein echtes Highlight war: Sehr variantenreiches Frühstück unter freiem Himmel auf der Terrasse des Motels stellte einen idealen Start in den Tag dar. Ernsthaft – viel besser und motivierender kann man kaum in den Tag starten (außer wenn man mehr als 100m weit sehen könnte, aber beim Essen stört das ja nicht 😉 ).

Nachdem wir unsere Unterkunft hinter uns gelassen hatten, stoppten wir wenige Kilometer später in Camden – unsere ersten Station des Tages. Camden wirkt wie ein touristisch aufpoliertes, kleines Fischerdorf, das primär von ca. 500m fast schon kitschiger Hauptstraße und dem Hafen lebt. Wir haben uns beides bei einem kleinen Spaziergang angeschaut und für durchaus nett befunden. Etwas Unspektakulär vielleicht, aber wer Las Vegas in Maine erwartet hat, muss sich vielleicht auch unrealistische Erwartungen vorwerfen lassen (nebenbei: Heute vor einem Jahr ging unser Flug nach LA).

Auf dem Weg gen Nordosten legten wir einige Meilen später einen weiteren Zwischenstopp ein – dieses Mal in Fort Knox in der Nähe von Bucksport. Die schlechte Nachricht zuerst: Es gab kein Gold. Die Aussicht über die neu gebaute Brücke inklusive Aussichtsebene („Observation Deck“), welches übrigens höher als die Freiheitsstatue ist, war ziemlich beeindruckend. Nicht atemberaubend, aber wir waren ja auch an der Penobscot Bay und nicht über der Golden Gate Bridge 😉 Besser als das Observatory hat mir das Fort gefallen, dass – obgleich es sehr ähnlich zu vielen anderen seiner Art in Amerika ist – deutlich besser als der uns bisher gezeigte Durchschnitt erhalten ist und es wesentlich mehr zu entdecken gibt. So kann man nicht nur drei Kanonen-Batterien außerhalb des Forts erkunden, sondern auch diverse Räume (teilweise mehretagig und sehr großzügig geschnitten) im Inneren. Das Fort bietet tolle Sichtachsen und Perspektiven auf die umliegende Landschaft und macht daher den Eintrittspreis von immerhin 14$ für zwei Personen aus meiner Sicht lohnenswert. Im Fort und der Brücke kann man sehr leicht 1,5 – 2h überbrücken, ohne das man den Besuch unnötig in die Länge zieht.

Von Bucksport aus steuerten wir auf nahezu direktem Weg Bar Harbor bzw. Mount Desert Island an. Mount Desert Island ist ein recht attraktiver Nationalpark, der zahlreiche Highlights für Wanderer, Fahrradfahrer und weitere „Extremsportler“ (z.B. Kletterer) bietet. Wir beschränkten uns zunächst – auch mit Hinblick auf das nach wie vor sehr suboptimale Wetter – auf eine Erkundungstour mit dem Auto, ergänzt durch mehrere Zwischenstopps. Dabei zeigte sich, dass insbesondere das Verkehrsnetz der Insel hervorragend ausgebaut ist. Die meisten Abschnitte der touristischen Hauptroute sind als Einbahnstraße ausgeführt, so dass man auf spezifische Verkehrssituationen kurzfristig reagieren kann. Anders gesagt: Besonders „entspannte“ Trödler kann man kurzerhand ganz legal überholen. Unsere Versuche diverse Highlights entlang der Route zu besuchen, waren dennoch nur bedingt erfolgreich – sehr hohe Auslastung der Parkplätze, sehr viele Besucher, sehr schlechte Sicht. Am Thunderhole (einer Felsformation mit angeblich beeindruckender Gischt) war derart viel los, dass man sich an Massentourismus auf Mallorca erinnert fühlt. Wir zogen daher einigermaßen schockiert sehr schnell weiter. Am Ottercliff hatten wir mehr Glück: Entlang unserer ca. 800m langen Wanderung an der Küstenlinie konnten wir immer wieder spannende Ausblicke erhaschen und nahezu ununterbrochen einer wild läutenden Rifftonne lauschen – das Kliff ist optisch (soweit wir das heute erfahren konnten) schon sehr beeindruckend. In Abhängigkeit der Tide kann man mal mehr, mal weniger erspähen, in jedem Fall sind die extremen Tiefen direkt hinter der Kante des Wanderweges sehr beeindruckend.

Vom Ottercliff aus ließen wir uns die Chance kurzfristig auf den Cadillac Mountain zu fahren nicht nehmen. Wie durch ein Wunder hatten wir keine anderen, verängstigten Verkehrsteilnehmer vor uns, so dass wir den Gipfel problemlos und noch bei Tageslicht erreichten. Oben angekommen hatte die Sichtweite ihren Tagestiefpunkt erreicht, was aber ebenfalls durchaus faszinierend war. Nachteilig war die extrem hohe Luftfeuchtigkeit des Nebels allerdings für unsere Frisuren und unser Equipment: ein richtig gutes Gefühl hat man der Digitalkamera gegenüber bei diesen Bedingungen natürlich nicht. Wir haben dennoch einen kleinen Spaziergang unternommen und die (gefühlte) Abgeschiedenheit des Berggipfels mitten im Nebel genossen – eine durchaus coole Erfahrung.

Im Anschluss fuhren wir nach Bar Harbor, um in unsere sehr „niedliche“ Unterkunft einzuchecken. Es handelt sich um ein historisches Gebäude mit drei Stockwerken ohne Fahrstuhl, so dass sich insbesondere der Einzug durchaus spannend gestaltet. Auch sonst hat es etwas Geschick erfordert sich häuslich einzurichten, erlaubt es das kuschlige Zimmer doch kaum unsere Habe adäquat auszubreiten. Wir haben es dennoch geschafft alles unterzubringen, so dass wir nach rund einer Stunde zu einer Erkundung der Stadt aufbrechen konnten.

Was soll ich sagen: Bar Harbor ist schon cool. Ich würde es als Mischung aus Key West und Carmel by the Sea bezeichnen. Teilweise pompöse Anwesen, teilweise fast schon fragwürdige Lokale in der Innenstadt – ein durchaus interessantes und definitiv spezielles Bild. Wie auch in Key West wird der Tourismus inklusive der üblichen, stereotypischen Ansprüche aus meiner Sicht sehr intensiv und bedingungslos adressiert. Wer würde aus vernünftigen Gründen schon auf die Idee kommen eine „Sunset Cruise“ mit einem alten Segelschoner bei 0 Windstärken und Nebel zu unternehmen? Macht nix, die Gäste schienen trotzdem glücklich zu sein.

Einen finalen Regenschauer (der durfte natürlich nicht fehlen) passten wir zum Glück in unserer Unterkunft ab, bevor wir zum Abendessen „Downtown“ aufbrachen. Einer Empfehlung des Hotels folgend besuchten wir eine sehr nette Bar, die uns an das Hard Rock Cafe in Key West erinnerte – eine schöne Art den Tag ausklingen zu lassen.

Morgen werden wir recht früh in den Tag starten, um das besser werdende Wetter (wir hoffen einfach mal, dass sich der Wetterbericht nicht irrt) so intensiv wie möglich auszunutzen und den Acadia Nationalpark intensiv zu erkunden. Ich bin schon sehr gespannt, ob wir dann die vermisste Rifftonne erspähen können 😉

New England States Tag 1: Maine

Es ist mal wieder so weit – ziemlich genau ein Jahr nach unserem Roadtrip durch das sonnige Kalifornien sind wir wieder in den Vereinigten Staaten auf Tour. Da der Familienrat einstimmig (…) beschlossen hat, dass eine Wiederholung des Vorjahresurlaubs nicht so richtig vielversprechend sein würde (ich möchte nicht unterschlagen, dass es auch abweichende Strömungen gab), sind wir dieses Mal nicht an der hippen Westküste, sondern haben uns auf eine Rundreise ab Boston begeben.

Von der für Ihre Elite-Universitäten bekannten Metropole geht es für uns zunächst weiter nach Nordosten (grobe Richtung: Bar Harbor), bis in die White Mountains, bevor wir erneut gen Süden drehen, nach New York fahren, dieses über die Hamptons nach Osten verlassen um an Ende der Tour hoffentlich ein paar entspannte Tage in Newport, Cape Cod und Boston zu verbringen. Lassen wir uns überraschen 🙂

— Tag 00: Mietwagen (3) —

— Tag 00: Rator (7) —

Aus Gründen akuter körperlicher Erschöpfung musste ich den Bericht des Anreisetags inklusive der Mietwagenauswahl ausfallen lassen bzw. verschieben, so dass wir direkt in unseren Tagesreport des ersten vollen Tags an der Ostküste einsteigen. Zu Erinnerung: Unseren ersten vollen Tag in Florida verbrachten wir in Miami, am ersten vollwertigen Reisetag in Kalifornien haben wir Los Angeles unsicher gemacht – bei kuschligen 41,5°C tagsüber und über 37°C nachts. Unsere Beziehung zu Maine begann nach einer erholsamen Nacht gegen 07:00 Uhr etwas „unterkühlter“ – bei Nebel, leichtem Nieselregen (aber nur manchmal) und 20°C. Nunja, ein bisschen wollten wir es ja auch so 😉

— Nebel-Foto (4) —

Die erste Station des Tages stellte ein Besuch an Tide Pools keine 2km von unserem Hotel in Wells entfernt, dar. Obwohl der kleine Ort gefühlt am Ende der Welt liegt, war zunächst eine Parkgebühr via Kreditkarte zu entrichten (3 USD), bevor wir uns den Weg durch den Nebel zu den „Gezeitentümpeln“ suchten. Die guten Nachrichten zuerst: Wir hatten Niedrigwasser und es war wärmer als gedacht. Die schlechten Nachrichten: Es war mindestens 10 Grad zu kalt, 100% zu neblig und meine Brille mochte die Gischt nicht. Aber da wir ja noch ganz am Anfang unseres Abenteuers stehen und hochmotiviert sind, konnten uns diese kleinen Startschwierigkeiten gar nichts anhaben. Mit ungebrochenem Enthusiasmus kraxelten wir über die glitschigen Steine, beobachteten das überraschend rege Treiben der Schnecken im Brackwasser, stalkten einen nervösen Einsiedlerkrebs und erfreuten uns an den überraschend intensiven Farbwechseln, die sich ergaben, sobald auch nur ganz wenige Sonnenstrahlen durch das Grau drangen (die Steine leuchten dann gleich unerwartet grün / gelb). Es war ein toller Einstieg in den Urlaub am Meer – nur etwas konträr zu unseren Erlebnissen in den Vorjahren.

— Tide Pools & Füße (15) —

Von Wells aus ging es rund 1h später gen Norden zu einem Punkt Namens „Two Lights“ – von dieser Spitze einer Landzunge sollte man „eigentlich“ gleich zwei Leuchttürme sehen können. Sah man nicht – nur Nebel. Dafür hatten wir (Ebbe sei Dank) ausführlich Gelegenheit über eine große Fläche von Schiefersteinen zu kraxeln, die aussahen wie versteinertes Treibholz. Das klingt jetzt ziemlich banal, aber die Landschaft sah wirklich sehr beeindruckend aus und wenn wir jemals die Fotos bearbeitet online stellen, kann ich das auch beweisen 😉 Nebenbei haben wir unser erstes 360°-Foto dort aufgenommen, was ebenfalls ein ziemlich interessantes Format der Konservierung von Erinnerungen ist. Außerdem gab bzw. gibt es bei „Two Lights“ einen sehr großen Lobster Shack, der aber touristisch orientiert erst um 11:00 Uhr öffnet – deutlich zu spät für uns.

— Schiefer (22) —

Anschließend fuhren wir weiter Richtung Popham State Park, der sich auf einer Schereninsel befindet. Die gesamte Region sieht aus wie eine wilde Kreuzung aus norwegischer Landschaft und amerikanischer Architektur. Von einem „alten“ Fort aus spazierten wir den „Fjord“ entlang in Richtung Meer und ließen uns von den vielen Herrenhäusern begeistern, die jeweils eine eigene Insel exklusiv zu besetzen scheinen. Der Strand war hier super breit und der Sand sehr warm, so dass bestes Küstenflair aufkam. Da wir noch etwas mit der Zeitanpassung zu kämpfen hatten, machten wir eine kurze Pause ganz nah an der Dünung – ein tolles Mittagsschläfchen begleitet vom Rauschen der Wellen. Als wir wieder am Auto ankamen, herrschte am Parkplatz großes Gedränge – inklusive einem TV-Team. Wie wir erfuhren, sollte der neuste Zerstörer der US Marine irgendwann zwischen 15:00 und 17:00 Uhr hier vorbeikommen – interessant, aber soviel Zeit hatten wir nicht.

— Männchen am Strans (33) —

So fuhren wir die Route die wir gekommen waren in Gegenrichtung zurück und anschließend auf die nächste Halbinsel. Unterwegs kamen wir in Bath vorbei und konnten – neben der gigantisch großen Werft – auch das besagte Schiff sehen. Eine wirklich imposant Erscheinung. Das nächste Zwischenziel am Ende der Five Islands Road war dann eher enttäuschend: Insgesamt 5okm Fahrt um an einem einsamen Platz mit einem geschlossenen Lobster Shack zu stranden. Zugegeben, die Aussicht war dennoch ganz nett.

— Foto Werft (36) —

Also fuhren wir wieder zurück, um bei der Rückkehr auf das Festland zu bemerken, dass sich der Zerstörer gerade von der Anlegestelle löste. Also änderten wir kurzerhand den Kurs, suchten uns in letzter Minute einen Parkplatz mit Blick auf das Wasser und erhaschten doch noch einen schnellen Blick und ein paar spontane Fotos von dem Monstrum. Wenn die Bilder hier jemals zu sehen sein werden, wird sicherlich schnell klar, warum so viele Zuschauer so eine Aufregung um das „Boot“ gemacht haben.

— Zerstöööhrer (44) —

Nach diesem unterwarteten, wenn doch aufregenden, Highlight begaben wir uns auf den Weg zum Pemaquid Point Lighthouse Park. Da es bereits kurz vor 17 Uhr war, durften wir das Kassierhäuschen ohne Bezahlung passieren – jedoch blieb uns dadurch auch ein Besuch im hiesigen kleinen Museum verwehrt. Wir wurden aber durch einen phänomenalen Ausblick über die Klippen und auf den Leuchtturm entschädigt. Die tief stehende Sonne warf ein tolles Licht und zurückblickend hätten wir hier noch viel länger verweilen sollen.

— Spiegelnder Leuchtturm (52) —

Unser letztes Ziel des Tages war das Owl Head Lighthouse – ein Leuchtturm auf der insgesamt dritten von uns besuchten Schereninsel. Unterwegs waren wir sehr skeptisch, ob wir überhaupt noch vor dem Sonnenuntergang ankommen würden – denn selbiger soll am Leuchtturm gemäß Schilderungen aus diversen Reiseführern ein absolutes Highlight sein. Wir schafften es. Vor dem Sonnenuntergang – und wir waren ganz allein am maritimen Signal für verirrte Seefahrer – und es war enttäuschend. Der Blick war „ganz nett“, aber definitiv keine Eile und eigentlich auch keinen Umweg wert.

— Owls Head (57) —

Nach einem ziemlichen langen Tag wurde es nun Zeit in unsere zweite Unterkunft einzuchecken – ein nettes Hotel in Rockport nördlich von Bristol. Morgen wartet die Weiterfahrt nach Bar Harbor auf uns, wo wir zwei Nächte verbringen werden – ich bin gespannt. Im Laufe des Tages klarte auch das Wetter deutlich auf, so dass die Vorzeichen für die nächsten Tage mehr als gut aussehen. Wir werden berichten 🙂

Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 2

Eigentlich könnte ich diesen Erlebnisbericht unseres letzten vollen Tages in Kalifornien sehr kurz zusammenfassen: Wie gestern, nur besser. Im Ernst, unser heutiger Tag in Newport Beach kam meiner Definition von „perfekt“ in unbekannten Maß nahe. Knapp 30°C, ein leichter Wind, keinerlei Wolken, schöne Häuser, riesige Boote, tolle Autos, Spaß auf und im Wasser, keine Uhr, kein Smartphone, keine einzige E-Mail, ganz viel Zeit zu zweit .. wie gut solche Tage tun, merkt man erst, wenn man einen davon erlebt hat. Sicherlich werden diese Zeilen zusätzlich positiv davon beeinflusst, dass ich erneut auf meinem Autoren-Captain-Sessel residieren darf 😉

Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach
Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach

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Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 1

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich vermutlich auf dem besten Platz, an dem ich jemals einen Beitrag verfasst habe: Mein Rücken kuschelt sich in das weiße, weiche Leder eines Captain-Sessels an Bord einer Hunter 45 Yacht im Hafen von Newport Beach. Das Notebook steht auf der Navigationskarte, gegenüber von mir befindet sich ein an der Wand montierter 46″ Flachbildschirm, überall um mich herum befindet sich feinstes Holz und beschallt werden wir von einem BOSE-Soundsystem, welches wiederum an ein Sirius-Satellitenradio angeschlossen (viele Sender, keine Werbung, sehr gute Qualität) ist. Eine sanfte Beleuchtung verleiht dem geräumigen Salon eine beruhigende Atmosphäre, während ich den Tag geistig nochmals rekapituliere. Mein Smartphone liegt ungenutzt herum – ohne WLAN oder LTE-Netz spendet es angenehme Ruhe.

Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour
Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour

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Kalifornien Tag 14: Elkhorn Slough & PCH

Einer der besten Momente des Urlaubs gehörte eigentlich noch zum dreizehnten Tag unserer Rundreise: Einschlafen bei offenem Fenster (Fliegengittern sei Dank) zum Klang der Wellen. Wow .. das ist schon ein ziemlich tolles Gefühl. Das Aufwachen am Morgen danach wurde ebenfalls durch die Natur bestimmt, als ziemlich „aufgeweckte“ Vögel weit vor dem eigentlichen Wecker den Tag begrüßten.

Dank guter Vorarbeit konnten wir nach einem raschen Frühstück und einer kurzen Räumaktion pünktlich zu unserer knapp 30 Minuten langen Fahrt zurück gen Norden aufbrechen. Dies war zwar grundsätzlich etwas kontraproduktiv zu unserer weiteren Reiseroute, ließ sich aber durch terminliche Rahmenfaktoren nicht vermeiden. Da unsere eigentlich geplanten Wasseraktivitäten (eine Art Rafting im Yosemite) auf Grund der akuten Trockenheit entfallen musste, entschieden wir uns für eine geführte Kajak-Tour durch den bzw. auf dem Elkhorn Slough. Bei diesem handelt es sich – laut Wikipedia – um einen tidenabhängigen Sumpf bzw. eine Flussmündung, die rund 7 Meilen in das Landesinnere reicht. Obgleich das Gebiet grundsätzlich mit dem Meer verbunden ist, ist es durch „Dämme“ so isoliert, dass es weitestgehend keine Wellen gibt. Der Slough steht trotzdem unter dem Einfluss des Tidenwechsels, so dass der geneigte Paddler durchaus in einen Kampf mit der Natur verstrickt werden kann 😉

Da wir noch nie mit einem Kajak unterwegs waren, den Einfluss von Wind und Strömung nicht so richtig einschätzen konnten und wir gute Erfahrungen mit geführten Touren durch die Natur in Amerika gemacht haben, entschieden wir uns für ein dreistündiges Event mit Guide. Wie auch schon bei unserer Manatee-Erfahrung hatten wir erneut das Glück, die einzigen Teilnehmer der Tour zu sein. Der gesamte Ablauf unseres Abenteuers verlief sehr routiniert und angenehm. Nach einem kurzen Shakehands mit unserem Guide (Riley, einem Surfer- und Naturtypen wie aus dem Lehrbuch .. sehr sympatisch und unkompliziert) erhielten wir zunächst die Ausrüstung. Diese besteht im Slough – da das Risiko des Kippens sehr gering ist – „nur“ aus einem sog. Sprayskirt (einem Spritzschutzrock, der verhindert, dass Wasser von oben in das Cockpit des Kajaks läuft), einer Schwimmweste und pro Person einem Paddel. Ein Neoprenanzug ist glücklicherweise nicht erforderlich. Ferner hatten wir die Wahl, ob wir ein oder zwei Kajaks nehmen wollten, entschieden uns aber ausschließlich (!) auf Grund von Danis Erkältung für die Teamwork-Option mit einem gemeinsamen Boot. Dieses wartete am Steg einige Meter entfernt im Wasser schwimmend bereits auf uns, so dass wir sehr komfortabel und risikofrei einsteigen konnten (für Anfänger ist das wirklich super). Schon vom Steg aus konnten wir diverse Wasservögel und Seelöwen in wenigen Metern Entfernung erkennen – Augenblicke später versuchten wir vorsichtig in ihre Richtung zu paddeln. Das Kajak ließ sich dabei – insbesondere im Vergleich mit einem Kanu – wesentlich einfacher manövrieren. Unser Zweisitzer verfügte sogar über ein fußgesteuertes Ruder, was die „Navigation“ schon ziemlich spaßig machte. Einige Momente später stieß auch Riley in seinem Einsitzer zu uns, so dass wir die Fahrt den Slough hinauf antraten. Das gute am Elkhorn ist die Tatsache, dass er insgesamt recht flach ist. Die Wassertiefe beträgt selten mehr als einen Meter, so dass man die über und unter Wasser lebenden Tiere sehr gut entdecken und beobachten kann. So präsentierte uns Riley gleich zu Beginn eine ca. 15cm große Schnecke (im Prinzip einen schleimigen Diskuss), sowie später die bekannten Sand Dollars, eine 15 Pfund schwere kalifornische Schnecke und unzählige Seelöwen, Wasservögel (u.a. Kormorane, Pelikane, Reiher, Kraniche und sogar einen Fischadler, der ca. 20m entfernt von uns erfolgreich auf Jagd ging) und Seeotter. Letztere waren der eigentlich Grund warum wir uns für die Tour entschieden haben – und wir wurden nicht enttäuscht. Laut unserem Guide sind die im Elkhorn Slough lebenden Otter die größten der Welt und sie weisen eine ziemlich hohe Populationsdichte auf. Beides ist scheinbar auf das sehr gute Nahrungsangebot zurückzuführen. Während die Otter optisch also wesentlich präsenter sind, als jene Exemplare, die wir so kennen, sind sie mindestens genauso niedlich. Insbesondere wenn ein Otter nach erfolgreicher Jagd auf dem Rücken schwimmend auftaucht, nur seine Flossen und sein Kopf aus dem Wasser guckt und er seine erbeutete Schnecke knackt, wirken die kleinen Wasserbewohner schon ziemlich glücklich 😉

Auch das Gefühl auf dem Wasser zu sein ist natürlich toll. Überall um einen herum gibt es etwas zu sehen und zu entdecken, das Paddel plätschert beruhigend im Wasser und der Oberkörper wird von der kalifornischen Sonne angenehm erwärmt. Dies ist so lange toll, bis man die Rückfahrt gegen den Wind und gegen die Strömung antreten muss 😉 Auf Grund der kleinen Gruppe und „unserer“ physischen Leistungsfähigkeit (Dani hat übrigens tolle Fotos gemacht) entschied sich Riley für die Rückfahrt durch einen gewundenen Seitenarm, die er sonst nicht antritt. Das hat zwar durch die vielen Kurven richtig Spaß gemacht, war aber auch ziemlich anstrengend. Wie kommentierte unser Guide so passend: „Like driving a school bus, right?“ (Fährt sich wie ein Schulbus, oder?). Auf den letzten Metern unserer dreistündigen Tour und kurz vor dem Anleger war ich dann auch recht froh bald wieder an Land zu sein und trotz Spritzschutz einigermaßen klamm. Insgesamt eine wirklich coole Erfahrung, die wir Menschen mit Affinität zur Natur nur empfehlen können (es gibt auch Touren mit motorisierten Flößen über den Slough .. aber das ist dann natürlich weit weniger friedlich).

Mit einigen neuen Eindrücken im Gepäck und körperlich ziemlich erschöpft, traten wir gegen 13:00 Uhr die Weiterfahrt über den Highway 1, auch bekannt als Pacific Coast Highway gen Süden an. Um an dieser Stelle wie so oft ganz ehrlich zu sein: Der Highway 1 fühlt sich wie eine große Version des 17 Mile Drive an. Es gibt alle paar Meter bzw. teilweise Kilometer eine Haltebucht, man hat nahezu ständig eine sehr gute Sicht auf den Pazifik (zumindest bis San Luis Obispo) und es ist sehr viel los. Sehr viel los führt zu sehr niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten (ich denke insgesamt ca. 50% des erlaubten Tempos), so dass man stellenweise schon ziemlich gute Nerven braucht. Mit anderen Worten: Ca. 3h lang mit 30 – 80 km/h (eher 30) zu fahren, kann schon ein wenig anstrengend sein. Die Ausblicke auf das Meer sind dafür stellenweise wirklich spektakulär, was aber für den Beifahrer naturgemäß schöner ist, als für den Fahrer (ich habe meist sehr viele Rücklichter gesehen, manchmal ein wenig Dani und ganz selten ein bisschen Meer). Wäre der PCH aber leer und hätte man ein vernünftiges Fahrzeug, wäre die Strecke ein Traum für jeden mit Affinität zu Kurven. Selbst im Bereich der Tempolimits (meist 55 MPH) könnte man hier richtig Spaß haben und würde anschließend sicherlich mit einem enorm breiten Grinsen eines der Lokale mit Panoramasicht frequentieren.

So aber blieb aus meiner Sicht unser Stopp am Elephant Seal Viewpoint das eigentliche Highlight der Tour. Hier kann man in sicherer Entfernung und touristisch sehr gut erschlossen (d.h. riesiger Parkplatz, hohe Geländer, viele Erklärungsschilder) außergewöhnliche viele, besonders große Seelöwen (man vergebe mir etwaige Schwächen in der Beschreibung der Fauna) bei der Auslebung ihres entspannten Lebensstils beobachten. Die riesigen und an Land recht ungelenk wirkenden Tiere bei ihren entspannten Nickerchen am Strand bzw. teilweise in der Brandung zu beobachten, ist schon ziemlich unterhaltsam. Mindestens ebenso eindrucksvoll ist der Mut bzw. die Neugier der Squirrels am Parkplatz (das sind die kleinen Eichhörnchen-artigen Tiere, deren Flöhe kürzlich zu einigen Pesterkrankungen im Yosemite führten), die keinerlei Berührungsängste zeigen und Besucher gern um überschüssige Nahrungsmittel erleichtern. Selbstverständlich wird überall auf die Gefahren hingewiesen und darum gebeten die Tiere eben nicht zu füttern. Ausgehend von dem heute Erlebten und mit Hinblick auf die körperliche Präsenz einiger Exemplare würde ich aber behaupten, dass diese „Richtlinie“ nicht ausnahmslos eingehalten wird. Zugegeben, wenn so ein kleines (alles relativ..) Squirrel auf seinen Hinterpfoten stehend die vorderen Pfoten auffordernd in die Luft reckt, fällt es schon einigermaßen schwer, nicht weich zu werden 😉 Anders gesagt: Für Dani waren die Seals der Höhepunkt unseres Stopps, für mich das gierige Rieseneichhörnchen.

Gegen 18:30 Uhr erreichten wir dann Solvang – leider einige Minuten später als erhofft und damit erst kurz vor Sonnenuntergang. Unsere Erkundung der außergewöhnlichen Gemeinde wandelten wir daher kurzer Hand in eine automobile Tour, in deren Rahmen wir die wichtigsten Straßen abfuhren. Dabei wurden wir grundsätzlich sehr positiv überrascht: Die Imitation einer dänischen (oder zumindest skandinavischen) Gemeinde mitten in Kalifornien ist ziemlich gut gelungen und auch deutlich weitreichender als vermutet. Auch in den Nebenstraßen entsprechen die meisten Gebäude dem lokalen Stil, wodurch sich nicht der Eindruck künstlicher Fassaden entlang einer Shopping-Meile einstellt – ziemlich cool. Positiven wirken sich auch die teilweise pompösen Hotel- und Businesskomplexe aus, die ebenfalls eine skandinavische Optik aufgreifen. So zum Beispiel auch unser Hotel, dass nach außen hin aus vielen kleinen, aneinander gereihten Hütten besteht (wir wohnen scheinbar im Turmzimmer des Rathauses). Innen wird hingegeben eher Standardkost geboten.

Morgen fahren wir dann über Santa Barbara und Los Angeles nach Newport Beach, wobei wir an einen recht strikten Zeitplan gebunden sind, wenn wir nicht erneut mehrere Stunden im Stau verlieren möchten. Ich hoffe, dass wir in Newport nochmal rund zwei entspannte Tage auf der von uns gemieteten Yacht verbringen und diverse Aktivitäten auf dem Wasser genießen können (Kajaks und Standup-Paddle-Boards gehören zur Ausstattung). Da wir in Newport aber voraussichtlich keinen Internetzugang haben werden, vermute ich, dass es das nächste und letzte Update an dieser Stelle etwas zeitverzögert (d.h. eventuell erst nach unserer Rückkehr) geben wird.

Kalifornien Tag 13: Carmel-by-the-Sea

Tag 13 unserer Reise durch Kalifornien sollte ganz im Zeichen eines entspannten Tages am Meer stehen – und wurde es auch. Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück im Hotel (dieses wird in einer Kühltasche gelagert gegen 08:00 Uhr vor die Zimmertür gestellt) brachen wir gegen 09:30 Uhr – und damit eigentlich viel zu spät – in Richtung Point Lobos auf. Es handelt sich dabei um ein rund 3 Meilen südlich von Carmel gelegenes Schutzgebiet, dass touristisch äußerst beliebt ist (Platz 1 aller Attraktionen in der Region Monterey / Carmel). Obgleich dies grundsätzlich ein gutes Zeichen ist, tut man sich natürlich keinen Gefallen damit, an einem Sonntag mit perfektem Wetter hier in Spätaufsteher-Manier aufzuschlagen. Ergebnis: Lot full / keine freien Parkplätze mehr, so die vernichtende Nachricht beim Versuch der Einfahrt in das Tor (Kostenpunkt übrigens 10$ pro Fahrzeug). Ich hatte jedoch noch vor unserem Aufbruch den Tipp gelesen, einfach direkt am Highway 1 zu parken, was auf dem großzügigen Seitenstreifen direkt in der Nähe des Parks legal und kostenlos möglich ist.

Also stellten wir den Camaro fix ab (sogar im Schatten) und gingen die nur rund 300m zum Tor zu Fuß. Dort erklärte uns ein Ranger sehr freundlich die verschiedenen Trails im Park und empfahl uns mit Hinblick auf den uns zur Verfügung stehenden Zeithorizont (grundsätzlich den ganzen Tag) eine ausgedehnte Rundwanderung einmal um die Halbinsel. Er erklärte uns, dass wir dafür voraussichtich ca. 2h benötigen würden, was wir mit Hinblick auf die Entfernungsangaben auf unserem Garmin GPS für ziemlich optimistisch hielten – aber man weiß ja nie. So begaben wir uns auf sehr gut ausgebauten und hervorragend ausgeschilderten Pfaden gegen den Uhrzeigersinn in den Park. Die ersten ca. 500m legt man dabei in einem recht dichten Wald zurück, bevor man das Meer wieder präsenter wahrnimmt und plötzlich oberhalb von Gibson Beach steht. Gibson Beach ist ein relativ kleiner, sehr grobkörniger Strand, der aber malerisch in eine Bucht eingebettet liegt. Gemeinsam mit dem fantastischen Ausblick auf die großen Rollwellen, die sich optisch beeindruckend an den zerklüfteten Felsen in der Brandung brechen, ist das schon ziemlich paradiesisch. Dieser Eindruck wird überraschenderweise in den meisten Bereichen des Parks aufrechterhalten: Hinter jeder Abbiegung gibt es etwas Neues zu entdecken, alle paar Meter sieht die Natur ein wenig anders aus und gibt es weitere Details zu erkunden. Besonders der South Shore Trail (also jener Bereich, den wir als erstes erkundet haben) stellt dabei ein absolutes Highlight dar. Immer wieder entdeckt man grandiose Aussichten auf kleine Felsgrotten, glasklares Wasser, türkisfarbene Lagunen und riesige, flache Felsen, die das Meer  immer wieder mit Gischt überzieht. In Point Lobos wachsen ausgedehnte Tangwälder, die den ufernahen Bereichen eine faszinierende Optik verleihen. Die Ober- und Unterströmungen werden durch das Seegras sehr gut visualisiert, so dass man einen Eindruck davon gewinnen kann, welche Kräfte hier wirken. Toll anzusehen, aber ganz sicher nichts zum Schwimmen (obgleich sich rund die Hälfte der Fläche des Parks unter Wasser befindet).

Ein weiteres Highlight stellen die Tide Pools dar, also größere Gebiete flacher Felsen, die je nach Stand der Gezeiten von Wasser überspült werden bzw. trocken fallen. In diesen Gebieten darf man (partiell, aber auf recht großer Fläche) legal rumkraxeln, was ich äußerst beeindruckend finde. Zum einen kann man der Gischt und den Wellen so ganz nahe kommen, zum anderen gibt es Bereiche der Pools, die nie oder nur selten trocken fallen und daher von diversen Meeresbewohnern frequentiert werden. So kann man Krebse und Seeigel in größeren Mengen sehen, gerade so, als ob man tauchen oder schnorcheln wäre. Durch die Gezeiten verändert sich das Bild dabei permanent, weitere Bereiche fallen trocken oder eben noch „sichere“ Steine werden plötzlich überspült – total cool. Wenn die Sonne nicht mit 25°C gebrannt hätte und unsere Reiseplanung etwas loser gewesen wäre, hätte ich hier vermutlich auch einen halben Nachmittag verbringen können 😉 So zogen wir jedoch weiter in Richtung Sea Lion Trail, der aktuell jedoch leider gesperrt ist. Zwar konnten wir so zahlreiche Seelöwen hören und mit Hilfe des Teleobjektivs auch sehen, aber ein wenig schade war es dann doch diesen recht bekannten Teil des Parks nicht betreten zu können. Mit der China Cove ist zur Zeit übrigens auch eine weitere recht beliebte Bucht gesperrt – klar, die Natur hat hier natürlich Vorrang. Insgesamt waren wir rund 3,5h und etwas mehr als 10km im Point Lobos unterwegs. Der Ausflug hat uns aber rückblickend so gut gefallen, dass ich ihn definitiv als eines der Highlights unserer Rundreise bezeichnen würde. Diesen Eindruck teilten scheinbar auch ein paar amerikanische Wanderer die im Bereich des South Shore Trails ungläubig auf die malerischen Buchten blickten und staunten: „This is looking like Hawaii!“.

Nach der kurzen Rückfahrt von Point Lobos zu unserem Hotel und einer einstündigen Pause starteten wir auf eine kleine Erkundungstour durch Carmel selbst. Wie gestern schon angedeutet, ist die Kleinstadt am Meer definitiv sehr besonders. Malerische, kleine Häuschen (vorwiegend von Geschäften und Galerien genutzt) wechseln sich mit herrschaftlichen Anwesen – insbesondere am Meer – ab. Die Offerten der lokalen Makler befinden sich selten im sechsstelligen Bereich; eine Villa mit bester Sicht (und gigantischen Abmessungen) wird aktuell z.B. für 37,5 Millionen Dollar angeboten. Gerüchteweise wohnt u.a. Brad Pitt in Carmel, wobei wir uns von diesem Umstand nicht persönlich überzeugen konnten 😉 Ansonsten ist es hier definitiv anders als in den meisten Städten: Es gibt keine Parkuhren, keine Briefkästen, keine Fußwege (zumindest nur sehr wenige direkt in der Innenstadt) und keine Straßenlaternen. Insbesondere letzteres ist wirklich irritierend, wenn man z.B. nachts noch mit dem Auto durch die Stadt fährt oder nach einem Dinner nach Hause spaziert. Damit trotz fehlender Parkuhren schön regelkonform geparkt wird, patrouilliert übrigens dauerhaft (zumindest tagsüber) ein spezielles Fahrzeug, welches die abgestellten Autos elektronisch erfasst und die Standzeiten überwacht. Insgesamt ist Carmel schon wirklich sehr speziell, vielleicht ein wenig schrullig, eher nicht jugendlich und daher zwar sehr interessant, aber vermutlich für nicht mehr als 3-4 Tage zu empfehlen.

Gegen 16:30 Uhr brachen wir planmäßig zum sog. 17 Mile Drive auf, einer Art privatem Streckennetz zwischen Monterey und Carmel. Für 10$ pro Fahrzeug darf man einfahren und sich im Prinzip beliebig bewegen (also keine Einbahnstraße). Es gibt 21 markante Punkte, die auf einer Karte markiert sind und zusätzlich durch Schilder gekennzeichnet wurden. In der Realität hat man also die Möglichkeit alle 200m – 2km anzuhalten und eine unterschiedliche Aussicht auf das Meer und die Landschaft zu genießen. Selbige ist primär von mehreren großen, luxuriösen Golfresorts geprägt, so dass es viel Grün und stets zahlreiche Golfcarts zu sehen gibt. Dazwischen stehen – natürlich – diverse Villen, für deren Bewunderung es teilweise eigens Parkbuchten direkt an der Straße gibt. Leider hat mich der 17 Mile Drive aus zwei Gründen nicht so ganz überzeugt: Erstens ist er kürzer, als man denkt. Von Monterey aus ist man relativ schnell in Carmel – die 17 Meilen beziehen sich nämlich auf das gesamte Straßennetz. Dieses umfasst auch einige Verbindungen im „Hinterland“, die dann aber so ähnlich aussehen, wie „normale“ Landstraßen in Kalifornien und auch keine spektakulären Impressionen bieten. Zweitens fand ich auch die Aussichtspunkte direkt am Meer weniger beeindruckend, als erhofft. Insbesondere vor dem Hintergrund eines Vergleichs mit den Eindrücken aus Point Lobos am Morgen kann man eine leichte Ernüchterung nicht leugnen. Trotzdem ist der 17 Mile Drive fast schon Pflicht, und sei es nur um einen Blick auf den relativ bekannten „Lonely Cypress Tree“ zu werfen. Wir fuhren hin und her, stoppten oft, machten viele Fotos und nahmen noch den ein oder anderen Umweg und waren trotzdem maximal 2h beschäftigt.

Wieder im Hotel angekommen folgte eine kurze Recherche für das Abendessen, nach derer wir uns für den Besuch eines italienischen Restaurants entschieden. Dekoration, Ambiente und Musik haben uns sehr gut gefallen, auch wenn der Gesamteindruck (Menge & Qualität der Speisen, Qualität des Services) eher eine 2-3 ergeben haben. Charakteristisch war die weniger als 1km kurze Wanderung zurück in unsere Unterkunft – wie zuvor beschrieben natürlich ohne Straßenbeleuchtung.

Morgen werden wir dann 3h Kajaken gehen, bevor wir die Fahrt über den Highway 1 – besser bekannt als Pacific Coast Highway oder kurz PCH – antreten werden. Als einen Übernachtungsstopp mit geringem Besichtigungsanteil haben wir Solvang vorgesehen.

Kalifornien Tag 12: San Francisco Teil II / Monterey

Ich muss zugeben, dass der Urlaub ganz langsam ein wenig anstrengend wird. Man bemerkt, wie die Toleranz gegenüber Stresssituationen abnimmt, wie auch kleine Störfeuer der Zufriedenheit leicht zu eskalieren drohen und wie man neue Eindrücke nicht mehr mit der kindlichen Naivität und Vorfreude aufnimmt, wie in den ersten Tagen unserer Tour. Das ist zwar ein wenig schade, lässt sich meiner Meinung nach aber nur schwer vermeiden. Vermutlich bräuchten wir jetzt 2-3 Tage ohne Programm, ohne Highlights .. einfach nur am Strand und mit dem Rauschen der Wellen in den Ohren. So aber versuchen wir – sicherlich nachvollziehbarer Weise – so viel wie möglich zu sehen und zu erleben, was in Kombination mit einer leichten Erkältung (mittlerweile leider bei uns beiden) nicht so ganz einfach ist.

Einen ersten Schritt zur Erholung gönnten wir uns daher heute Morgen, als wir einfach mal nicht um 07:00 Uhr wie geplant, sondern erst um 08:00 Uhr in den Tag starteten. Danach stand – mal wieder – das Packen der Koffer an, welche wir anschließend in einer Runde Tetris für Fortgeschrittene in den Camaro sortierten. Während im Mustang unsere beiden größeren Koffer noch locker in der Gepäcklucke verschwinden, muss im Chevy hier schon für mindestens ein Teil die Rücksitzbank bemüht werden. Anders als im Ford ist es nämlich erforderlich eine Art Rollo im Kofferraum auszuziehen, damit das Verdeck geöffnet werden kann. Dieses reduziert das Ladevolumen aber derart stark, dass eine gewisse Planung unentbehrlich wird. In jedem Fall hatten wir Erfolg und ersetzten den eigentlich vorgesehenen Spaziergang durch Paradise Cay durch eine kurze Ausfahrt – zurückblickend absolut in Ordnung ein kein allzu großer Verlust.

Danach ging es ein letztes Mal über die Golden Gate Bridge (wieder 5$ weniger), bevor wir uns erneut ins Getümmel der steilen und 90° verwinkelten Straßen San Franciscos stürzten. Zum Glück war an diesem Samstag Morgen nicht ganz so viel los wie am Freitag zuvor, so dass das Fahren fast Spaß gemacht hat. Trotzdem ist die Sichtung der Bereiche direkt links und rechts vorm Fahrzeug im Camaro so herausfordernd wie noch in keinem anderen von mir bisher bewegten Fahrzeug, so dass ein wenig Teamwork hier unerlässlich ist. Apropos Teamwork: Im Chevy befindet sich die Handbremse rechts von der wuchtigen Mittelkonsole, so dass diese präferiert durch den Copiloten zu bedienen ist 😉 Das erste Ziel unserer heutigen Etappe waren die sog. Painted Ladies, fünf in Pastellfarben angemalte Häuser im viktorianischen Stil in einer recht netten Wohngegend. In der Realität waren wir ein wenig enttäuscht, was aber vermutlich auf die relativ ungünstigen Lichtverhältnisse an diesem Morgen zurückzuführen ist.

Als nächsten Stopp fuhren wir zum Strawberry Hill im Golden Gate Park. Selbiger ist riesig, so dass man entweder ein geübter Läufer ist oder mit dem Auto in die Nähe des eigentlichen Ziels fährt. Noch vor unserer Ankunft hatte das Wetter richtig aufgedreht – über 25°C sind laut den Einheimischen äußerst ungewöhnlich für diesen Ort zu dieser Zeit. Bei allerbesten Bedingungen spazierten wir also eine relativ ausgedehnte Runde um den künstlichen (vermute ich zumindest) See mit Insel in der Mitte. Auf selbiger befindet sich ein ebenfalls künstlicher Wasserfall, der der ganzen Anlage einen sehr schönen Touch gibt. Den See könnte man mit einem Wassertreter (25$/h), einem Ruderboot (20$/h) oder einem Elektroboot (34$/h) unsicher machen. Tut man dies aber aber etwas sportlicher, wird man vermutlich kaum länger als 30 Minuten für eine Erkundung des Terrains benötigen 😉 Wir erklommen stattdessen den Gipfel des Eilands und bewunderten die Aussicht vom Ursprungsort des Wasserfalls – San Francisco bietet immer wieder beeindruckende Impressionen.

Im Anschluss wollten wir eigentlich die Bisons in ihrem sog. „Paddock“ besuchen (dieser wird übrigens laut Hinweisschild von Marissa Meyer, der amtierenden Chefin von Yahoo, unterstützt). Leider war die „Weide“ ziemlich trocken, was die Bisons augenscheinlich dazu bewog sich sehr tief auf eine kleine Wiese neben dem eigentlichen Areal zurückzuziehen. Wir versuchten diese zwar über lose Pfade so gut wie möglich zu erreichen, kamen aber nicht allzu nah an die stattlichen Tiere heran. Schade, aber leider nicht zu ändern.

Nun war für uns die Zeit gekommen San Francisco und der Bay Area „Bye“ zu sagen und unsere Weiterfahrt gen Süden anzutreten. Unterwegs hielten wir bei der berühmten Garage in Palo Alto, in der Bill Hewlett und Dave Packard durch ihre Forschungen das Sillicon Valley begründet haben sollen. Als ehemaliger HPler und jemand der in der IT-Branche tätig ist, fand ich es durchaus lohnenswert diesen Ort zu besuchen. Dies geht scheinbar sehr vielen Menschen so, denn in den wenigen Minuten unserer Anwesenheit hielten fortwährend Taxis, Limousinen und Mietwagen um den unscheinbaren Bau zu besichtigen. Das durchaus geschichtsträchtige Gebäude wird dabei touristisch in keinster Weise ausgeschlachtet. Eine dezente Messing-Tafel vor dem sehr gepflegten Haus (direkt neben dem Hinweisschild, welches besagt, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt), daneben ein Zaun, hinter dem sich die besagte Garage befindet. Die gesamte Wohngegend ist übrigens außerordentlich schön – grün, sauber, ruhig, optisch alles recht uniform und gesetzt. Anders gesagt: Hier hätte ich mir auch vorstellen können zu tüfteln, bin mir aber nicht sicher, ob ich stattdessen nicht lieber Surfen am Strand gelernt hätte 😉

Auf der Weiterfahrt in Richtung Süden stoppten wir noch kurz in Cupertino, genauer gesagt am One Infinite Loop – besser bekannt als dem Hauptsitz von Apple. Da der riesige Bürokomplex recht unscheinbar ist und es keine Besuchsmöglichkeiten gibt, ist der Abstecher unspektakulär, kostet aber auch weniger als 10 Minuten. Mit Hinblick auf die weitere Tagesplanung sagten wir die Stopps bei Google und Facebook ab, obgleich es schon faszinierend ist, wie viele Branchenriesen hier auf wie wenig Raum residieren. Ansonsten waren wir vom doch sehr zähen Verkehr auf dem Highway 101 einigermaßen genervt, was durch die teilweise 35°C Lufttemperatur nicht eben angenehmer wurde. Auch der Zwischenstopp bei einem Applebee’s nahe San Jose verlief derart enttäuschend, dass wir das Trinkgeld erstmals auf ein schmerzendes Level senken mussten.

Gegen 16:00 Uhr kamen wir dann endlich in Monterey – einer ziemlich bekannten Stadt am Meer – an. Das Timing war perfekt, denn so konnten wir den Abendtarif eines zentral gelegenen Parkhauses nutzen, das nur zwischen „Ganzer Tag“ für 15$ und „Abendtarif“ für 5$ unterscheidet. Überhaupt gibt es in den Ballungsgebieten zunehmend viele Parkflächen, auf denen keine sog. „In & Out Privileges“ gewährt werden, d.h. einfahren, zahlen und beim Ausfahren ist das Geld futsch. Zu Fuß waren es nur wenige Meter bis zur Cannary Row – dem gefühlten Zentrum des Städtchens. Auch die Cannary Row „erfreut“ sicher einer extrem fortgeschrittenen touristischen Erschließung, was sich in lauten Bars, grellen Schildern und dem omnipräsenten Vorhandensein von Souvenirshops äußert. Ich fühlte mich ein wenig eine Mischung aus La Jolla und dem Pier 39 in San Francisco erinnert. Einer der negativen Aspekte der Cannery Row ist meiner Meinung nach ihre „Unvollständigkeit“. Immer mal wieder gibt es Bauruinen, die die wenigen Strandabschnitte zusätzlich blockieren bzw. dem optischen Gesamteindruck nicht gerade zuträglich sind. Auch das ziemlich bekannte Monterey Bay Aquarium befindet sich übrigens in (oder sogar am Ende?) der Cannery Row. Alles in allem eine kleine Enttäuschung, wenn ich ganz ehrlich bin.

Schöner war da schon der Pacific Grove, eine etwas gediegenere, weiter im Südwesten gelegene Region Montereys. Hier stehen sehr klassische Gebäude mit bester Sicht, das Meer rollt in stattlichen Wellen auf einen felsigen Strand und alle paar Kilometer gibt es Parkplätze mit schönster Panorama-Option. Nach einem bereits recht intensiven Tag eine schöne Station um ein wenig Ruhe zu tanken.

Den letzten Stopp des Tages (mal abgesehen von einem Ausflug zum Supermarkt) legten wir in Carmel ein – dem noch reicheren Pendant zu Monterey. Beide Städte sind (außer durch den Highway) über eine mautpflichtige Straße namens 17 Mile Drive verbunden, den wir morgen gegen Abend befahren wollen. Ansonsten wirkt Carmel wie eine reiche, kleine und komprimierte Version von San Francisco. Das bedeutet, es gibt größtenteils das gleiche Schachbrettmuster im Straßenbau, es geht ständig bergauf und bergab und es herrscht stellenweise ein immenser Parkplatzmangel. Im Vergleich zu San Francisco sind die meisten Straßen aber wesentlich kleiner und in schlechtem (unebenen) Zustand, so dass sich die Luxuskarossen dieser Welt schon ganz schön umeinander schieben müssen. Auch hier heißt es: Beim Einparken die Räder schön in Richtung Bordstein einschlagen. Dies möchte man aber auch intuitiv schon machen, denn das man beim Ausparken trotz Automatik mit Handbremse anfahren muss, habe ich sonst auch noch nicht erlebt 😉 Ansonsten kann ich von Carmel noch gar nicht viel berichten, denn außer einem ausgedehnten Spaziergang am Strand und dem Einzug in unsere Suite haben wir noch nicht viel unternommen. Ersterer begann erst etwas enttäuschend (Sand rau, viel Seegras am Strand, Wasser eiskalt), nahm dann aber eine sehr positive Wendung, als wir neben einem Seehund gleich drei Delfine in Ufernähe erspähen konnten. Diese waren so verspielt, dass sie sogar aus dem Wasser gesprungen sind – sicherlich etwas, was man außerhalb einer Show sonst eher selten im Sonnenuntergang sieht. Letzteres (also unser Hotelzimmer) ist erneut ein absoluter Glücksgriff. Es ist vergleichsweise modern, extrem geräumig (sicherlich 60m2 oder mehr), gut gelegen und hochwertig eingerichtet. Gerade gegen Ende einer Reise (siehe Einleitung) ist es ja doch immer ganz schön, wenn alles passt und man sich einfach wohlfühlt.

Morgen werden wir versuchen es etwas ruhiger angehen zu lassen und wollen vor allem das Leben am Strand genießen. Abends dann der 17 Mile Drive in den Sonnenuntergang, bevor wir erneut für die Weiterfahrt gen Süden packen müssen. Die letzten beiden Stationen heißen dann Solvang (als Zwischenstopp) und Newport Beach (zum Abschied).