Kalifornien Tag 11: San Francisco Teil 1

Ich muss gestehen, dass mir der Start in den elften Tag unserer Kalifornien-Tour nicht wirklich leicht fiel. Weniger als 6h Schlaf stellen nicht unbedingt das Optimum dar, wenn man in einen wirklich vollgepackten Tag startet. Dank des erfolgreichen Besuchs im Safeway am Vorabend (quasi auf den letzten Drücker) konnten wir den akuten Hunger aber zumindest einigermaßen wirksam bekämpfen. Unsere Unterkunft in San Francisco ist ein weiteres Mal eine Ferienwohnung – dieses Mal aber über VRBO gebucht. Die Wohnung heißt „Nautical Cottage“ und ist auch genauso eingerichtet. Alles (Poster, Bilder, Deko bis hin zur Bettwäsche) erinnert an Seefahrt und Segeln, was von der Szenerie her natürlich sehr schön ist. Leider ist die Residenz ziemlich kompakt, was zwei Weltenbummlern mit großem Gepäck schon etwas an ihre Grenzen bringt; auch das Fehlen einer vollwertigen Küche schmerzt.

Wie dem auch sei, gegen 07:45 kletterten wir in den Camaro, überredeten nach einer kurzen Phase der Irritation sein Verdeck dazu sich öffnen und steuerten den Chevy direkt in Richtung San Francisco. Die Fahrt über die Brücke in der Morgensonne ist dabei ein durchaus tolles Erlebnis, welches jedoch für den Beifahrer mehr Impressionen bereithält, als für den Steuermann (die Spuren über die Brücke sind für amerikanische Verhältnisse erstaunlich schmal). Direkt nach dem Wahrzeichen der Stadt geht es dann über kleinere Straßen in Richtung Hafenbereich / Pier 39. Zwei Dinge sind mir in diesem Kontext sehr negativ aufgefallen: Erstens ist der Verkehr in und um San Francisco meiner Meinung nach der Unangenehmste in ganz Kalifornien. Viele Menschen fahren hier extrem aggressiv, sehr wenig rücksichtsvoll und überaus hektisch. Das Tempolimits großzügig ignoriert werden (+20 MPH drüber und mehr), versteht sich von selbst. In LA braucht man nur Geduld, in San Francisco hingegen starke Nerven. Zweitens machen es die ausgeprägten Steigungen und Gefälle teilweise sehr schwierig den Querverkehr adäquat einzuschätzen. Insbesondere aus der recht flachen Camaro-Flunder heraus ist es daher eher ein Raten, als ein Wissen, ob denn nun von links jemand kommt. Das macht nicht so richtig Spaß .. oder das tut es doch, und es liegt an meinem Schlafmangel oder der leichten Erkältung.

In jedem Fall sind die Steigungen in San Francisco extremer, als man sich das vorstellen würde und jenseits dessen, was man intuitiv „alltagstauglich“ nennen würde. Teilweise sieht man beim Fahren nur noch ein ganz klein wenig Asphalt und dafür umso mehr Himmel. An anderen Abschnitten geht es derart steil bergab, dass ein gewisses Vertrauen zu den Bremsen Grundvoraussetzung ist. Die Motorbremse ist jedenfalls selbst im zweiten Gang absolut wirkungslos. Vor dem Hintergrund dieser Schilderungen ist es sicher verständlich, warum es vorgeschrieben ist, Fahrzeuge am Hang stets mit eingeschlagenen Reifen zu parken.

Wir stellten den Camaro hingegen in einem unamerikanisch kleinen, aber sehr gut gelegenen und äußerst preiswerten Parkhaus (12$ als sog. „Early Bird“, bei Einfahrt bis 09:00 Uhr und Ausfahrt vor 18:00 Uhr) ab und begaben uns zielgerichtet zum Pier 33, um unsere Alcatraz Tour (Abfahrt geplant für 09:10 Uhr, Boarding 30 Minuten vorher) zu beginnen. Sobald man auf den „Vorplatz“ des Anlegers erreicht, ist man dabei im Epizentrum der touristischen Erschließung der Gefängnisinsel angekommen. In vielen großen Reihen werden die vorgebuchten Besucher der nächsten zwei bis drei Touren zusammengepfercht und auf ihren Transport zu Insel vorbereitet. Hat man keine Tickets zuvor gekauft, hätte man frühstens ins vier Tagen (!) an der Tour teilnehmen können oder auf sein Glück in der Schlange für die Warteliste vertrauen müssen. Man könnte auch sagen: Die Alcatraz-Touren laufen auf 100%. Genau so fühlt man sich dann auch. Ständig wird man gegängelt, angehalten sich zu beeilen und auf keinen Fall stehen zu bleiben. Dieser Eindruck bessert sich erst, wenn man auf der Insel angekommen ist und dem Strom der ankommenden Besucher ein wenig Vorsprung gegeben hat. Dann nervt zwar noch die Bahn, welche Menschen mit eingeschränkter Mobilität vom Dock aus zum Zellentrakt fährt und dabei ständig hupt, aber das lernt man nach einigen Minuten zu ignorieren.

Sobald es etwas ruhiger wird, begreift man, wie faszinierend der Besuch auf der Gefängnisinsel eigentlich ist. Man befindet sich mitten in der Bucht, hat in alle Richtungen eine fantastische Aussicht und kann zudem jenen Ort näher erkunden, an dem einige der bekanntesten Verbrecher der USA inhaftiert waren. Durch diverse Filme (v.a. The Rock) hat man natürlich schon eine gewisse Vorstellung von der Anlage, welche nebenbei gesagt erstaunlich umfassend erfüllt wird. Richtig spannend wird es im Zellentrakt – jenem Gebäude, welches nach wie vor im aktuellen Zustand erhalten wird und im Prinzip das Zentrum der Gefängnisinsel darstellt. Hier erhält man die Geräte für eine individuell durchgeführte Audio-Tour, die wirklich extrem empfehlenswert ist. Meiner Meinung nach sollte man auch keine Scheu davor haben die deutsche Version zu wählen, denn die Übersetzung bzw. Vertonung ist hervorragend gemacht und man hat keine Schwierigkeiten ihr inhaltlich zu folgen. So wird man Stück für Stück durch den Zellentrakt geführt und erfährt Wissenswertes u.a. über berühmte Insassen, Ausbruchsversuche, das Leben auf der Insel und den Gefängnisalltag. Durch die punktuelle Einspielung von authentischen Hintergrundgeräuschen wird das Erlebte wesentlich intensiver und spätestens wenn man mal einige Augenblicke in einer Isolationshaft-Zelle verbracht hat, versteht man, warum das Thema Flucht für scheinbar sehr viele Insassen eine zentrale Rolle spielte. Offiziell gelang es übrigens nur einer aus drei Männern bestehenden Gruppe das Gefängnis lebendig zu verlassen. Ob sie in den Fluten rund um Alcatraz ertrunken sind oder es vielleicht doch nach Südamerika geschafft haben, ist bis heute nicht bekannt. Die Tour dauert rund 90 Minuten, anschließend kann man sich so lange man möchte frei auf den zugänglichen Bereichen der Insel (das sind womöglich weniger, als man vermuten würde) bewegen. Nach etwas über 2h glaubten wir alles gesehen zu haben und traten die Rückreise via Schiff gen Festland an. Auch hier wieder langes Anstehen und vergleichsweise wenig serviceorientierte Behandlung .. dies hat den Eindruck des Events insgesamt dann doch etwas getrübt.

Anschließend besuchten wir das Pier 39, einen touristisch extrem intensiv erschlossenen Bereich des Hafens. Futterstände, Restaurants und Souvenir-Läden drängen sich hier dicht an dicht und man gewinnt den Eindruck, dass sich San Francisco selbst als Markte etabliert hat und jeder zweite ein Teil dieser Kollektion tragen muss. Heftig. Wesentlich schöner und unterhaltsamer sind die Seelöwen, die in der Sonne liegen, sich versuchen gegenseitig von den Plattformen zu schubsen und scheinbar unbehelligt von allen Touristenströmen das Leben genießen – sehr nett. Unser nächster Stopp bestand in der Endstation einer Cable Car-Linien, von welcher wir aus eine kurze Stadtbesichtigung mittels dieser außergewöhnliche Fahrzeuge starten wollten. Leider hatten wir etwas Pech, denn die Linie stand über 15 Minuten still, nach denen wir die Geduld verloren und zu Fuß aufbrachen. Die im Anschluss zurückgelegten Kilometer halfen zwar viele interessante Eindrücke der Stadt zu gewinnen (sie erinnert mich übrigens ein wenig an ein riesiges Stuttgart), waren körperlich jedoch unerwartet anstrengend. Es war heißer als gedacht und steiler als erhofft, so dass wir schon gut gefordert waren. Außerdem gestaltete sich die Navigation mittels des touristischen Faltplans als ein wenig „schwierig“, so dass wir den ein oder anderen winzigen Umweg nahmen. Nach einem Abstecher zur legendären Lombard Street erreichten wir jedoch ultimativ unser eigentliches Ziel: Den Cable Car Barn bzw. das Cable Car Museum. Hier kann man neben einer historischen Ausstellung auch die „Umlenkrollen“ und den Antrieb der vier Linien (dieser erfolgt jeweils zentral, vom Cable Car Barn aus) besichtigen. Ist das nicht ein total faszinierender und irgendwie auch abwegiger Gedanke? Da gibt es ein großes Gebäude, in dem stehen vier Motoren und die treiben über diverse, in der ganzen Stadt verteilte Umlenkrollen ein geschlossenes System an, dass mit konstant 9,55 Meilen pro Stunde bis zu 10t schwere Waggons durch die Straßen zieht? Steht man übrigens auf der Straße neben einer Cable Car Linie, kann man das knapp unter dem Asphalt verlaufende (nicht sichtbare) Seil bzw. dessen Bewegung ganz deutlich hören. Die großen Räder im Cable Car Museum, dessen Besuch im Übrigen kostenlos ist, zu sehen, hat mich enorm fasziniert. Auch durch den Geruch der Anlage sowie die Aussichten auf das Wartungspersonal und den Steuerstand ergibt sich ein extrem authentischer Eindruck, der so sicherlich nicht alltäglich ist. Sollte man unbedingt mal gesehen haben!

Vom Cable Car Barn aus spazierten wir durch China Town (wow .. das ist auch authentisch und kann schon einen ziemlichen Kulturschock darstellen) und anschließend hoch zum Coit Tower. Von diesem aus hat man – wie eigentlich von überall in San Francisco – einen fantastischen Blick auf die Stadt und die Bucht. Eine Besichtigung im eigentliche Sinne, also mit Aufstieg nach oben, mussten wir uns aus Zeitgründen verkneifen – auch hier hätte man signifikante Wartezeiten akzeptieren müssen. So spazierten wir langsam zurück in Richtung Hafengebiet, um anschließend bei einem extrem leckeren Ben & Jerrys Hot Fudge Core Sundae den Blick auf den Trubel im und um das Wasser zugenießen. Danach verließen wir das sichere Parkhaus und fuhren zum Place of Fine Arts, einem ziemlich gediegenen Park in der Nähe der Golden Gate Bridge. Hier bewunderten wir die mächtigen Bauten und unternahmen anschließend einen Abstecher zu Crissy Field, einem Strand mit perfekter Sicht auf die Bay Area (inkl. Golden Gate Bridge), der von Joggern und Kitesurfern gleichermaßen geschätzt wird. Insbesondere letztere geben schon ein tolles Bild ab, wenn sie mehrere Meter durch die Luft fliegen oder (wie heute gesehen) mit neuartigen Boards nahezu dauerhaft über dem Wasser schweben (dabei bleibt nur eine kleine „Flosse“ im Wasser).

Danach wurde es Zeit erneut über die Golden Gate Bridge zu fahren, um einen der beliebten Aussichtspunkte für den Sonnenuntergang anzusteuern. Diese sind derart begehrt, dass es – große Überraschung – gegen 18:15 Uhr natürlich keine Parkplätze mehr gibt. Also hoffen, warten, wenden, nochmal warten, fluchen, weiterfahren und anschließend über einen ca. 1km langen Trail mehr oder weniger zügig den Berg hochhetzen. Dort angekommen bietet sich eine faszinierende Sicht auf die Brücke und die Bucht, wobei wir heute wettertechnisch wirklich viel Glück hatten und keinerlei Seenebel das beeindruckende Panorama störte. Uns blieben ca. 10 Minuten bevor die Sonne langsam hinter dem Berg versank – genug Zeit für ein paar schöne Schnappschüsse, aber definitiv keine Gelegenheit zum Durchatmen. Danach wanderten wir zurück ins Tal, um gegen 20:00 Uhr und mit rund 30.000 Schritten an diesem Tag unter unseren Sohlen den Abend zu beginnen.

Morgen werden wir nochmals einige Stunden in San Francisco bzw. dem Golden Gate Park verbringen, bevor wir anschließend über einige Zwischenstationen nach Monterey / Carmel fahren. Mal schauen, ob wir dort mal wieder für einige Minuten zur Ruhe kommen können..

Kalifornien Tag 10: Yosemite

Liebes Tagebuch, „eigentlich“ bin ich davon ausgegangen, diesen Beitrag ganz entspannt um 20:00 Uhr abends schreiben zu können, bevor ich es mir dann vor dem TV gemütlich mache. „Uneigentlich“ erreichten wir unsere Unterkunft aber erst gegen 00:15 Uhr nachts, nachdem es vorher kleinere Herausforderungen hinsichtlich unseres fahrbaren Untersatzes gab.

Ungewöhnlicher Beitragsbeginn für einen ungewöhnlichen Beitrag – doch der Reihe nach. Da wir bereits am Abend zuvor ein wenig länger als geplant wach waren (es galt noch einige Dinge für San Francisco zu organisieren), trafen wir die naive Entscheidung erst um 07:30 Uhr in unseren Yosemite-Tag zu starten. Großer Fehler. Während wir nämlich die kurvigen Routen im Sequoia noch größtenteils ungestört genießen konnten, gerieten wir im Yosemite von Anfang an in die große, träge SUV- und Ich-fahre-nur-einmal-pro-Jahr-einen-Mietwagen-Flut. Es war sehr frustrierend. Dazu kommt der Umstand, dass der Yosemite zum einen wesentlich größer als der Sequoia National Park ist und es zum anderen diverse Übernachtungsmöglichkeiten direkt im Park gibt. Es gibt daher eine gar nicht so kleine Anzahl von Besuchern, die einen wesentlichen Zeitvorteil haben, was sich neben viel frequentierten Straßen auch in Form von relativ knappen Parkmöglichkeiten manifestiert. Wir fuhren trotzdem ganz tapfer bis hinauf zum Glacier Point, einem auf rund 2.200m gelegenen Aussichtspunkt mit beeindruckenden Impressionen des Parks, insbesondere des Half Domes. Diesen durchaus schönen Hotspot teilt man sich natürlich mit vielen anderen Menschen und noch mehr Selfie-Sticks .. das kann schon ziemlich nervig werden. Dafür war das Wetter schön und die Luft klar, so dass im Prinzip ideale Bedingungen für ein paar nette Panorama-Fotos herrschten.

Vom Glacier Point aus wollten wir eigentlich einen kurzen Abstecher zum Sentinel Dome Trail machen, welcher u.a. eine Aussicht auf die El Capitan genannte Formation bieten soll. Parkmöglichkeiten? 0. Wartender Besucher, die bereits kreuz und quer mit Warnblinker standen? Viele. Wir versuchten unser Glück nach diversen Fehlschlägen bei nahegelegenen Parkbuchten anschließend am Beginn einer Einbiegung, in der wir das wilde Stahlpferd aber fast festgefahren hätten – wenig erfreulich. Danach hielten wir auf dem Weg zum Yosemite Valley bzw. Curry Village noch am Tunnel View (die Faszination desselben zeigte sich mir nicht so recht; man fährt durch einen Tunnel, danach kommt ein großer Parkplatz und von diesem hat man eine recht nette Sichtachse durch ein paar Felsformationen) und einer „Hängebrücke“ über einen Fluss, von dem leider nicht viel mehr als ein breiteres Rinnsal übrig war.

Am Ziel angekommen gab es nur ein Problem: Der Parkplatz am Trailhead war nicht nur voll, er war auch bereits in völlig unkoordiniertem Chaos versunken. Die Menschen stellten ihre Fahrzeuge hier so wild ab, dass das Ausparken vermutlich einer Partie Mikado gleichkam (Vollkasko-Versicherungen mit 0€ Sebstbeteiligung machen es möglich .. genau so sehen gefühlt 99% der Fahrzeuge hier auch aus). Also wieder zum Parkplatz am Beginn der Wanderpfade zurück in das „Dorf“ fahren und von dort mit dem innovativem Hybrid-Bus-Shuttle weiter. Nun konnte unsere Wanderung zu den Vernal Falls (nur rund 2,4km pro Richtung) endlich beginnen. Mit Hinblick auf die allgemeine Erschöpfung und meine leichte Erkältung sahen wir vom sonst so beliebten Panorama-Trail (1h Busfahrt vom Valley zum Glacier Point und dann 14km Wanderung zurück zum Fahrzeug) ab. Die von uns gewählte Route bot dennoch ein adäquates Maß an Wandererfahrung, um unseren Bedarf nach Natur und das tägliche Schrittziel gleichermaßen zu erfüllen. Leider muss man an dieser Stelle fairerweise zugeben, dass man dem Yosemite – meiner Meinung nach – die akute Trockenheit im Vergleich zu allen bisher während unserer Reise besuchten Orten am meisten ansieht. Flüsse sind Bäche, Bäche sind Rinnsale, die Flora ist vergleichsweise unspektakulär und der vorherrschende Farbton ist beige. Dies wird besonders an den Vernal Falls deutlich, an denen man mit Hilfe von Spuren im Stein die eigentliche Breite des Wasserfalls erkennen kann. Diese würde ich auf ca. 20m schätzen, von denen aktuell weniger als ein Meter geblieben ist. Während also Stationen wie LA,San Diego und der Sequoia meiner Meinung nach nicht so extrem unter der Trockenheit leiden (oder man es als Besucher ohne Vergleichswerte nicht so extrem merkt), ist der Eindruck im Yosemite schon ein wenig getrübt.

Absolut fantastisch war hingegeben unsere Fahrt vom Yosemite über das nord-westliche Tor und den Highway 120 nach San Francisco. Die Straßen sind hier zwar größtenteils einspurig (zumindest im Parkbereich), aber gut ausgebaut, breit und sehr einfach zu befahren. Ein absolutes Highlight ist der Abschnitt des Hwy 120 direkt nach dem Park, der sich in weichen (aber dennoch breiten) Serpentinen nach unten windet. Diverse Pässe in den Alpen stehen dieser tollen Route sicherlich in Nichts nach. Das Panorama weiß hier wirklich zu beeindrucken und der Fahrer kann sich eines breiten Grinsens nicht erwähren. Natürlich ist es auch hier nur eine Frage der Zeit, bis man vom Geruch arg strapazierter Bremsen des SUVs vor einem betört wird – wer brauch schon eine Motorbremse, wenn Bremsbeläge doch so erschwinglich sind (mit anderen Worten: Ab und an möchte man schon ganz fest ins Lenkrad beißen). Auch die flachereren Abschnitte der Strecke sind toll, führen sie doch an riesigen Rinderherden und scheinbar unendlichen (bewässerten) Obstplantagen vorbei. Kurz vor San Francisco ging es dann noch kurz über eine mautpflichtige Brücke (wir mussten über die südliche Route einfahren), die einen ersten, faszinierenden Blick auf die Bay Area gestattete.

Dann wurde es nervig, denn wir erreichten Sixt in San Francisco um unseren leicht kränkelnden Mustang zu tauschen. Im Rahmen eines längeren Telefonats mit Sixt in Deutschland und Sixt in Los Angeles wurde uns schließlich am Vortag versichert, dass man in San Francisco bereits auf uns warten würde und ein Fahrzeug der gleichen Kategorie (Cabrio) bereitstehen würde. Wir vermuteten es bereits und so kam es auch: Es wusste natürlich niemand von uns. So wurde es eine ziemlich lange Odyssee, an deren Ende man uns ein altes Mustang Cabrio (2013 oder so) präsentierte – da hatten wir schon rund 90 Minuten gewartet (erstaunlich, wie lange es dauert ein Fahrzeug zu reinigen und vorzufahren). Meine Stimmung hatte einen Tiefpunkt erreicht, denn auf das alte Modell hatte ich offen gesagt so gar keine Lust mehr. Also wieder in die Station und nochmal von vorn. Um den geneigten Leser nicht zu langweiligen, kürze ich ab: Wir erhielten einen (ziemlich nackigen) 328i, mit dem wir von San Francisco zu Sixt nach San Jose fuhren. Dort tauschten wir das Fahrzeug erneut – dieses Mal gegen einen Chevrolet Camaro RS. San Jose hätte zwar am Samstag Nachmittag auch planmäßig auf unserer Route gelegen, aber so lange konnte die Station das Fahrzeug leider nicht blockieren. Ansonsten war Sixt in San Jose aber wirklich so, wie man es sich wünscht: Alle freundlich, alle dialogbereit, alle verständnisvoll und eine extrem beeindruckende Fahrzeugauswahl. Der Camaro selbst ist doch deutlich anders als der Mustang, aber ebenfalls ein witziges Fahrzeug. Dazu an anderer Stelle mehr.

Der Rest unseres spannenden Tages bestand daraus um 22:50 Uhr noch schnell einen Safeway (Supermarkt) zu frequentieren, bevor wir die letzten 70km inklusive Überquerung durch Golden Gate Bridge zurücklegten. So erreichten wir unser Ziel in Paradise Cay (im Prinzip auf der von San Francisco gegenüberliegenden Seite der Bay Area) um 00:15 Uhr und schafften es um 01:15 Uhr auch irgendwann einzuschlafen. Ein spannender Tag ging zu Ende..

Kalifornien Tag 9: Sequoia National Park

Unser Tag im Sequoia National Park erinnerte mich ein wenig an Everglades City – eine Übernachtung in einem Motel irgendwo im Nirgendwo und dann, nach einem „Trucker-Frühstück“, ein zeitiger Start in den Tag. Zugegeben, es gibt stilvollere Arten zu übernachten und insbesondere nach den zwei Nächten im Wynn war das Best Western schon ein gewisser Kulturschock, aber er war dennoch annehmbar (d.h. sauber, recht modern und vergleichsweise ruhig). Auch wenn es vorteilhaft ist mit dem Mietwagen direkt vor der Tür des Apartments parken zu können, würde ich generell empfehlen um ein Zimmer im oberen Stockwerk zu bitten. So fühlt man sich zumindest etwas sicherer und wird morgens nicht von durchziehenden Elefantenherden über einem geweckt 😉

Wie dem auch sei, kurz nach 08:00 Uhr waren wir soweit fit für den Tag und starteten die Tour in Richtung Park. Da man im Sequoia selbst nicht schlafen kann (zumindest nicht soweit uns bekannt), ist eine Anreise von ca. 30 Minuten bis zum Tor zu kalkulieren. Sowohl die letzten Kilometer vor dem Park, als auch jene darin sind für kurvenaffine Autofahrer ein Highlight. Zwar gibt es relativ strikte Tempolimits, doch zumindest morgens ist sehr wenig los, die Straßen sind hervorragend ausgebaut und mit Hinblick auf das typisch amerikanische Fahrwerkssetup in Kombination mit der lustlosen Automatik kann man auch bei moderaten Geschwindigkeiten schon richtig Spaß haben. Klappt natürlich nur so lange, bis die riesigen SUVs in größeren Mengen aufschlagen und sich mit 15 Meilen pro Stunde und 45 minütigem, dauerhaften Bremseinsatz (ich übertreibe nicht!) die Berge runterquälen. Aber selbst bei so geringen Geschwindigkeiten macht die Reise zum und durch den National Park richtig Spaß. Noch vor den Toren sieht man am Kaweah River die extremen Auswirkungen der derzeitigen Trockenheit. Der laut Karte direkt an der Straße verlaufende Fluss (den man wohl sonst eine Art sehr großen Stausee bezeichnen würde) führt ca. 15m zu wenig Wasser, wodurch sich einige hundert Meter um das Flussbett eine grüne Oase aus Bäumen und Sträuchern gebildet hat. Landschaftlich noch spannender ist die Vegetation im Park, die ab einer gewissen Höhe – ganz plötzlich – primär aus den wahrlich gigantischen Riesenmammutbäumen besteht. Ab hier wird es für den Fahrer wirklich herausfordernd sich zu konzentrieren, denn überall gibt es ungewöhnliche Baumkonstruktionen, beeindruckende Sichtachsen und scheinbar endlose Weitsichten zu entdecken. Witzig war eine Situation gleich bei der Anreise, als ein SUV im Gegenverkehr direkt nach einer Kurve stoppte und scheinbar ohne Grund langsam zurücksetzte. Daraufhin erklärte mir Dani, dass sie mir sofort Bescheid sagen würde, sobald sie einen Bären sehen würde. Keine 50m bzw. eine Spitzkehre später hieß es dann „EIN BÄR!“ und tatsächlich kraxelte ein recht kleiner Schwarzbär gerade langsam von einem Baum. Sehr niedlich anzusehen und insbesondere aus dem sicheren Auto – wenn auch bei geöffnetem Verdeck – eine ideale Situation für einen sicheren Erstkontakt.

Danach fuhren wir weiter bergauf, bis zum Parkplatz am Moro Rock. Dort angekommen hieß es erstmal umziehen, denn „irgendwie“ hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Temperatur bis auf 7°C (auf rund 2050m Höhe) fallen würde. Anschließend noch ein Halt im wasserlosen Toilettenhäuschen, bevor wir den recht kurzen aber knackigen Aufstieg bewältigten. Der Stieg ist dabei größtenteils so schmal, dass keine zwei Personen aneinander vorbeipassen, weshalb der Trail zur Hauptsaison sicherlich nur bedingt empfehlenswert ist. Die Aussicht von der Spitze hingegeben ist durchaus beeindruckend und gestattet im Prinzip eine 360° Übersicht – nett.

Nachdem Moro Rock fuhren wir die wenigen Kilometer zum Tunnel Log – einem riesigen Baum, der quer über der Straße liegt und mit einer Durchfahrtsöffnung für (flache) Fahrzeuge versehen wurde. Wenn wir an dieser Stelle jemals Bilder einfügen, wird klarer werden, was ich damit meine 😉 Das Fotomotiv ist jedenfalls sehr bekannt und ein kurzer Abstecher daher fast schon Pflicht.

Anschließend parkten wir am Giant Tree Museum – welches übrigens in jüngerer Vergangenheit bewusst verkleinert wurde, mit dem Ziel den Sinn des National Parks nicht zu konterkarieren – um von dort den weniger als 1km langen Giant Tree Trail abzulaufen. Hierbei handelt es sich im Prinzip „nur“ um einen geteerten, rollstuhltauglichen Rundweg um eine ziemlich beeindruckende Lichtung. Das gesamte Areal ist jedoch so schön angelegt und bietet derart tolle Impressionen, dass sich ein Besuch definitiv lohnt. Naturfreunde allerdings, die große Erkundungstrips bevorzugen, sollten jene lieber auf den insgesamt 64km langen Wegen unternehmen, die man im Museum geduldig erklärt bekommt. Da ich zur Zeit allerdings mit Kratzen im Hals ein ganz klein wenig schwächle, war ich um die „Sequoia Light“-Version nicht böse 😉

Vom Giant Tree Museum fuhren wir weiter zum General Sherman Tree – dem größten Baum der Welt (vom Volumen her). Um zu diesem zu gelangen, muss man den eigentlichen Einstiegspunkt zu einer kurzen Wanderung passieren (hier gibt es nur noch Behindertenparkplätze), um sein Fahrzeug eine halbe Meile später abzustellen. Von hier aus geht es dann – ganz komfortabel – nur noch bergab, bis man den gigantischen Baum und die Besuchermassen nicht mehr übersehen kann. Der Sherman Tree selbst ist wirklich beeindruckend, bildet aber im insgesamt malerischen Park nur den Punkt auf dem I. Will sagen: Es gibt so viele große, dicke und einmalig geformte Bäume, Felsen und Strukturen zu sehen, dass es unfair wäre den Sequoia National Park auf seinen berühmtesten „Bewohner“ zu reduzieren. Vom Riesenbaum aus bietet es sich an dem Congress Trail zu folgen, einem rund 3km langen Rundweg, der weniger intensiv frequentiert wird und auf dem man viele Gelegenheit hat die Weite, Ruhe und vor allem auch Höhe des Parks ausgiebig zu bewundern. Während wir am Moro Rock noch mit vereinzelten Nebelschwaden zu kämpfen hatten, schien mittlerweile eine kräftige kalifornische Sonne – toll. Nachdem man den Congress Trail absolviert hat und wieder am Sherman Tree angekommen ist, kann man die eigene Sportlichkeit auf eine Probe stellen: Entweder mit dem Shuttle-Bus wieder zum Fahrzeug gebracht werden oder den Anstieg zum Parkplatz aus eigener Kraft zurücklegen .. wir entschieden uns übrigens für letztgenannte Option.

Vor dem Hintergrund dieser sportlichen Aktivitäten schmeckt dann auch das Mittagessen im rund 50km entfernten Applebee’s deutlich besser, obgleich die Anreise etwas nervig war (die eigentlich von uns angestrebte Ausfahrt aus dem Park war kurzfristig gesperrt, so dass wir im Prinzip auf dem gleichen Weg aus dem Park ausfahren mussten, den wir auch für die Anreise genutzt hatten). Dennoch macht das Mustang-Fahren bei steigenden Temperaturen, mit tollen Aussichten und einem warmen Wind um die Nase im Sequoia schon richtig viel Spaß. Für ein Cabrio möglicherweise die beste Strecke die wir in den USA bisher erlebt haben und auch deutlich spannender als z.B. die offene Fahrt von Miami gen Key West. Tipp: Besser vor der Einfahrt, z.B. in Three Rivers tanken – sonst kann es im Park u.U. schonmal zu doofen Momenten kommen.

Der Rest unseres Tages verlief weitestgehend unspektakulär. Um Danis Einkaufsliste erfolgreich abarbeiten zu können, stoppten wir in insgesamt vier Supermärkten (ich gebe es ja zu, einen davon gab es schon gar nicht mehr) und gelangten anschließend gegen 20:00 Uhr zu unserer Unterkunft in der Nähe des Yosemite National Parks. An dieser Stelle kann ich nur ein weiteres Mal von unseren äußerst positiven Erfahrungen mit Airbnb berichten. Schon in Los Angeles hatten wir über dieses Portal eine moderne, liebevoll eingerichtete und qualitativ absolut überzeugende Unterkunft inklusive riesigem Pool (wie berichtet) gefunden. Das diese nochmals übertroffen werden könnte, hätte ich nicht gedacht. Hier in Coarsegold wurden wir fast wie im Wynn empfangen – nur halt auf Ferienwohnungs-Art. Pool, Whirlpool, Luxus-Luftbett mit einstellbarer Dämpfung (wie ein Wasserbett, nur mit Luft), Klimaanlage, 65 Zoll (!) Samsung LCD neuster Generation, Apple TV, NetFlix-Flatrate, gefüllter Kühlschrank, moderne Küche, Willkommensgeschenke und ein extrem freundlicher, zurückhaltender Gastgeber. Mehr kann sich kaum wünschen und hätten wir mehr Zeit, würden wir auch bedenkenlos eine Woche in dieser tollen Unterkunft verbringen. Beeindruckend ist übrigens auch der Sternenhimmel bei Nacht. Hier – relativ abgeschieden von größeren Städten und begleitet vom lauten Zirpen der Zikaden – macht es richtig Spaß dem extrem klar erkennbaren Großen Wagen bei seiner Fahrt zuzusehen.

Morgen geht es für uns dann durch den Yosemite, bevor wir abends nach San Francisco weiterfahren. Hier müssen wir am Flughafen zwischenstoppen, um uns von unserem Mustang Cabrio zu verabschieden. Nachdem bereits während der Fahrt nach Vegas der fällige Ölwechsel angekündigt und dieser auf dem Weg zum Sequoia dann auch eingefordert wurde, gab es heute eine Warnlampe die besagte „Powertrain Failure, see dealer“. Zwar war die Meldung nach einem Neustart des Fahrzeugs verschwunden, doch weitere >1000 Meilen und rund 1,5 Wochen wollen wir so nicht weiterfahren. Mal schauen, mit welchem Reisebegleiter wir also ab morgen Abend unterwegs sein werden.

Kalifornien Tag 6,7 & 8: Las Vegas – A City Out Of This World

Long time no talk würde man hier sagen – lange nichts voneinander gehört. Nun, dass liegt wahrscheinlich daran, dass die Tage sechs, sieben und acht unserer Rundreise durch Kalifornien ganz im Weichen der Wüstenmetropole Las Vegas standen und diese – gemäß eines oft verwendeten Claims – außerhalb dieser Welt liegt. Dies bedeutet, dass man (zumindest von San Diego aus) über 5h Anreise quer durch die Wüste kalkulieren muss und wir einen ähnlichen Zeitrahmen für die Weiterfahrt zum Sequoia National Park benötigen. Ohne  vorgreifen zu wollen, war der Ausflug in die Mitte des Nichts jedoch jeden Kilometer und jede Stunde wert.

Die Fahrt nach Las Vegas selbst verläuft unspektakulär bis erdrückend. Sobald man Los Angeles in östlicher Richtung verlässt, nimmt die Bevölkerungsdichte ab. Kilometer für Kilometer wird auch die Natur grauer, einheitlicher und lebloser, so dass man sich (insbesondere ab Barstow) schon mal etwas verloren fühlen kann. Bedingt durch die „großzügigen“ Tempolimits in den USA darf man an keiner Stelle der Wüste schneller als 70 Meilen pro Stunde – weniger als 113 km/h – fahren. Sollte der Bedarf für eine temporäre Tempoerhöhung, z.B. für einen Überholvorgang eines Trucks bestehen, fängt ab 75 Meilen pro Stunde das Kombiinstrument unseres Ford Mustangs an zu piepen – es wurde eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 Meilen pro Stunde eingestellt. Ist das nicht verrückt? Ein über 300 PS starkes Fahrzeug, dass bei kaum 120 km/h abgeriegelt ist. Nach viel Nichts, vereinzelten Tankstellen und viel Geduld kommen dann noch 1,2 Gefängnisse in Sichtweite der Interstate, bevor plötzlich tiefer gelegen eine Skyline mit vielen Einheitsbauten darum auftaucht: Las Vegas ist in Sicht. Die letzten ca. 20km sind dann schnell zurückgelegt, kommen doch die Silhouetten der berühmten Hotels & Casinos immer näher. Auch die Fahrt zum Ort unserer Übernachtung – dem Wynn – könnte einfacher kaum sein (ich hab es dennoch geschafft mich einmal zu verfahren), muss man doch nur von der Interstate abfahren, kurz einer ich denke 5 spurigen Straße folgen, dann links abbiegen, an der zweiten Ampel rechts fahren und schon steht man im Self Parking Bereich des Hotels. Da wir das Auto während unserer Zeit in Vegas mehrfach nutzen wollten, haben wir die Option den Valet-Service zu nutzen bewusst ausgelassen. Dies stellt im Wynn meiner Meinung nach keinen Nachteil dar – die Wege aus dem Parkhaus zu den Gäste-Aufzügen sind vergleichsweise kurz und können auch ohne Inanspruchnahme des Bell Desks problemlos mit mehreren Gepäckstücken zurückgelegt werden.

Also rein in das Hotel (ich war vorher noch nie im Wynn .. die Lage ist ja doch etwas exponierter als z.B. die des Caesars) und plötzlich ist es wieder da, dass ganze Vegas-Gefühl (siehe Beitrag vom Anfang des Jahres). Viele Menschen, noch mehr Bling Bling, überall das Jaulen, Hupen und Klingeln von Automaten .. ja, hier ist es laut .. überall. Spätestens an der Rezeption kehrt dann leichte Ernüchterung ein; auch in einem Fünf-Sterne-Haus muss man einige Minuten auf den Check-In warten (im Vergleich zu dem was wir z.B. im Bellagio gesehen haben allerdings alles noch im Rahmen). Dieser verläuft dann weitestgehend unaufgeregt, bevor die Phase der Neugier beginnt. Wie hoch wird unser Zimmer liegen? Wie modern wird es sein? Wie ist die Aussicht? Das Wynn selbst gilt ja eines der pompösesten Hotels am Strip und legt – nach eigener Aussage – viel Wert auf Exklusivität und Luxus. Dies kann man in nahezu allen Bereichen des Hotels glaubhaft nachvollziehen. Der Casino-Bereich wirkt freundlich, die Servicekräfte recht stilvoll gekleidet, die verbauten Materialen sind sehr hochwertig, alles ist sauber und gepflegt und die gesamte Anlage (Eröffnungsjahr: 2005) vermittelt einen modernen Eindruck. Auch unser Zimmer hat uns nicht enttäuscht: 32. Etage (von 60) mit einer tollen Sicht auf den Strip und das Gelände vor dem Hotel inklusive großem, künstlichen Wasserfall (zur Erklärung: Der Wasserfall gehört zur Parasol Down Bar). Auch die Innenausstattung ist absolut gelungen – stimmige Farben, großzügige Dimensionen, tolle Details & Deko und sehr hochwertige Möbel. Besonders faszinierend ist aber der Moment, wenn man das Zimmer erstmalig betritt, neben der Tür am Bedienpanel auf „All on“ drückt, die Lichter langsam heller werden und vor allem die blickdichte Gardine elektrisch zur Seite fährt und den Panorama-Blick auf den Strip freigibt – das ist schon großes Kino. Auch Menschen mit schlechter Orientierung (wie mir) kann das Wynn wärmstens empfohlen werden – anders als andere große Häuser (auch hier sei exemplarisch das Caesars genannt) sind alle Strukturen klar und gut verständlich nachzuvollziehen. Durch die relativ einfache Grundform des Bogens kann man sein Ziel nicht allzu sehr verfehlen, was hilft unnötige Meilen zu Fuß zurückzulegen. Dieser Bedarf es dann allerdings um den Strip zu erkunden. Durch die Esplanade genannte Shopping-Meile des Hotels geht es zu einer Fußgänger-Brücke, über die man zum Palazzo bzw. wunschweise zu den Grand Canal Shoppes gelangt. Durch diese kann man das gesamte Areal, an der Gondel-Strecke und dem Marcos Platz entlang bis zu Maddam Tausads zurücklegen – und unterwegs schon locker mehrere Tausend Dollar ausgeben 😉 Danach am besten ein paar Schritte weiter an der Straße entlang, diese überqueren und in die The Forum Shops at Caesars gehen. Hier gelangt man über die bekannte, spiralförmige Rolltreppe nach oben, von wo aus man der großzügigen Shopping-Mall bis zum Casino-Bereich folgen kann. Diesen bis zur pompösen Rezeption des Caesars durchquere, dort wieder kurz unter freien Himmel begeben, der Fußgänger-Brücke zum Bellagio folgen und dieses anschließend durch die Shops und den Casino-Bereich bis zum japanischen Garten besichtigen. Nun kann man das berühmte Resort mit dem Wasserspiel vor der Tür am Haupteingang verlassen und entweder nach rechts weitergehen (hier würde dann das neue City Center mit weiteren Shops folgen), oder man wendet sich nach links und bewundert den Blick über das Paris, die Eifelturm-Replik und die Fontänen. Nun hat man bereits einen relativ großen Teil des Strips gesehen, vermutlich viele Eindrücke gewonnen und war dem heißen Wetter mit seinen hitzigen Winden (und den nervigen Verkäufern am Straßenrand) so wenig wie möglich ausgesetzt.

Besonders empfehlenswert ist natürlich ein ausgiebiger Besuch der Fountains (haben wir gleich drei Mal gemacht). Diese bieten ab ca. 15:00 Uhr (bin mir da nicht sicher) bis tief in die Nacht hinein alle 30 Minuten (vor Sonnenuntergang) bzw. alle 15 Minuten (bei Dunkelheit) eine ca. 3-4 minütige, faszinierende Choreographie aus Licht, Wasser und Musik. Dies ist so schön, dass man abends meist ein paar Minuten warten muss, wenn man direkt am Geländer stehen möchte. Die Wartezeit kann man bei kühlen Getränken und / oder durch Fotos mit hübschen Damen (beides gegen kleines Geld) bedarfsweise einfach überbrücken – in Vegas ist man stets gut versorgt 😉 Dies gilt umso mehr für die unzähligen Restaurants, Bars und Snack-Stände, die allerorts auf Kontakt mit der hoffentlich großzügig ausgestatteten Kreditkarte warten. Wenn man eine tolle Zeit haben möchte und bereit ist ein wenig Geld zu investieren, gibt es dafür vermutlich keinen Ort auf dem so kompakt so viele Möglichkeiten geboten werden, wie in der Stadt der Sünde.

Nach einer ersten ausgedehnten Stadttour bestand unser Abendprogramm im Besuch des XS Nachtclubs, direkt  im Wynn. Dem Vernehmen nach ist das XS seit mehr als sechs Jahren der beliebteste Club der Stadt und es wird einiges getan, um diesen Zustand zu erhalten. So gibt es nicht nur exklusive Events (wie z.B. den Sunday Night Swim, bei dem zu guter Musik wild im Pool gefeiert werden darf), sondern auch hochkarätige DJs. Mit David Guetta, Skrillex und Avicii – um nur drei große Namen zu nennen – hat man im XS die Möglichkeit hervorragend unterhalten zu werden. So auch während unseres Besuchs, als David Guetta dem Club im Rahmen eines Sunday Night Swims wirklich gut eingeheizt hat. Dank Übernachtung im Hotel hatten wir Skip the Line Passes, was etwaige Wartezeiten (zumindest bis 23:00 Uhr) schon mal wirkungsvoll vermeidet. Trotzdem war von 22:30 Uhr bis ca. 00:00 Uhr erstaunlich wenig los. Ein paar Menschen im Pool, relativ viele leere Cabanas und Tische (alles recht teuer) und eine eher gediegene Beschallung. Trotzdem strömten fortwährend Menschen in den Club, in dem die Stimmung ab ca. Mitternacht auch merklich an Fahrt gewann. Vermutlich trugen auch die Getränke (ab ca. 14$ für den preiswertesten Cocktail) ihren Teil dazu bei, dass es langsam richtig vorwärts ging. Pünktlich um 01:30 Uhr stoppte dann die Musik und die Menge wurde laut. Ganz unvermittelt stand David Guetta – laut Forbes der zweit best verdienende DJ der Welt im Jahr 2015 – auf der Bühne und verlieh dem Abend mit seinem Song „Play Hard“ („Work Hard, Play Hard“) das passende Credo.

Wer sich die Werbevideos des XS Clubs angesehen hat und von mühsam zusammengeschnittenen Highlights aus sechs Jahren ausgeht, dem kann ich glücklicherweise versichern, dass dem nicht so ist. Durch das Zusammenspiel aus toller Architektur, sehr gutem Service, perfekter Lichtinstallation, super Soundsystem und vor allem authentisch agierenden DJs macht es wirklich Spaß im Vorzeigeclub des Wynns zu feiern. Sicherlich hatten wir auch „Glück“ (okay, wir haben natürlich bewusst das David Guetta Event gewählt und unsere Reise drumherum geplant, aber das klappt ja nicht immer) mit dem Mainact, denn die Art wie David Guetta die 2h von 01:30 Uhr bis ca. 03:30 Uhr gefüllt hat, war schon extrem mitreißend. Man hatte immer das Gefühl, dass er selbst richtig Spaß bei der Sache hat und nicht einfach nur zu mitgebrachter Konservenmusik ein wenig klatscht. Immer wieder hat er neue Spannungsmomente erzeugt, die sich dann in kräftigen Beats, begleitet von einer grellen Lichtshow, Nebelstößen und „Konfetti“ (das metallische Zeug, was bei allen großen Jubel-Momenten im TV zum Einsatz kommt und den Boden übrigens enorm rutschig macht) entladen haben. Dabei herrschte unter den Gästen größtenteils eine enorm gute Stimmung, wen man auch angelächelt hat, alle waren happy. So happy, dass man (und vor allem Frau) sich schon diverser Annäherungsversuche erwehren muss, was unterm Strich aber gut klappt.

Zusammenfassend kann man – wie man hier sicherlich merkt – das Erlebte kaum adäquat beschreiben, weshalb ich mich darauf beschränke zu sagen, dass der Abend im XS Club für mich das bisherige Highlight der Reise war. Hätten wir die Gelegenheit gehabt das Event in der nächsten Nacht zu wiederholen – und es sei es für den fünffachen Preis gewesen – ich wäre sofort dabei gewesen. An dieser Stelle noch ein Hinweis: Will man möglichst weit vorn an der Bühne dabei sein, sollte man spätestens ab 00:30 Uhr langsam anfangen sich in diesen Bereich zu begeben und dort zu bleiben. Sobald es richtig los geht, riegeln die Sicherheitsleute den Tanzbereich ab, und weisen sogar weinende Damen solange ab, bis jemand freiwillig den Rückzug antritt. In diesem Bereich gibt es für Normalsterbliche übrigens keine Gelegenheit neue Getränke zu bestellen oder den biologischen Grundbedürfnissen nachzugehen, weshalb man ggf. vorsorgen sollte. Außerdem wird es im Club naturgemäß recht laut (im Poolbereich wesentlich weniger intensiv), weshalb man auch hier entweder entsprechend planen sollte (im Zweifelsfall Ohropax) oder ein paar Stunden Taubheitsgefühl nicht zu vermeiden sind (in denen schläft man ja meist eh). Falls man im XS feiert, ist es natürlich genial im Wynn zu schlafen. Raus aus dem Club, wenige Meter bis zum Fahrstuhl gehen und nach maximal fünf Minuten kann man mit Aussicht auf den Strip mit der ägyptischen Seide im Californian King Bed kuscheln.

Außer die Nacht zum Tage zu machen, waren wir in Vegas eigentlich nur shoppen (insbesondere die Forum Shops at the Caesars beherbergen meiner Meinung nach ein paar nette Läden; auch das Premium Outlet North hat uns recht gut gefallen .. sein Pendant im Süden eher nicht so), essen (Guy Fieri, die Cheesecake Factory im Caesars und eine Double Frozen Hot Chocolate im Serendipity 3 möchte ich hervorheben) und spazieren. Dadurch, dass in Vegas alles unglaublich groß ist, sind die Distanzen weitaus länger, als man meinen würde. Nur weil man das Wynn vom Bellagio aus fast sehen kann, heißt das nicht, dass man nicht trotzdem 30 – 40 Minuten benötigt, um diese Strecke zu Fuß zu überbrücken. Allerdings gibt es soviel zu sehen, dass hier sozusagen der Weg das Ziel ist. Bedingt durch diesen Umstand mussten wir einen Besuch der Freemont Street und auch die Besichtigung des Hover Damms aufschieben .. weniger ist ja bekanntlich manchmal mehr und wir wurden auch so schon von Eindrücken erschlagen. Auch der Besuch einer Show (wir wollten gern Le Reve schauen) bleibt als offener Punkt auf der ToDo-List – just während unseres Aufenthalts hatte das Ensemble geschlossen zwei Wochen Urlaub.

Das Gefühl einer omnipräsenten Reizüberflutung gilt leider nicht für die Rückfahrt. Während man auf dem Weg nach Vegas ja tendenziell von einer gewissen Neugier abgelenkt wird, ist die Reise durch die Wüste zurück gen Westküste enorm langweilig. Mit einer kleinen Umfahrung mussten wir an einem Tag knapp 600km überbrücken, was bei extrem eintöniger Landschaft (obwohl der Regen in der Wüste schon interessant war) und geringen Geschwindigkeiten definitiv nicht unterhaltsam ist. Etwas interessanter wird es erst wieder ab Bakersfield, wenn die Landwirtschaft an Bedeutung gewinnt und die Szenerie wieder lebendiger wird. Trotzdem ein ganz schön langer Ritt und einen Umweg durch das Death Valley (nochmal +150km) hätte ich mir definitiv nicht mehr vorstellen können.

Nach Los Angeles, San Diego und Las Vegas werden wir jetzt zwei Tage Natur erleben (Sequoia und Yosemite National Park), bevor es dann in die Bay Area nach San Francisco geht. Mal schauen, wie regelmäßig wir die Berichterstattung halten können 😉

Kalifornien Tag 5: San Diego Teil 2

Wenn man schon 300m entfernt vom Stand übernachtet, dann gehört ein Morgenspaziergang an selbigem für uns einfach dazu. Insbesondere nach den vergleichsweise tristen Starts in den Tag in North Hollywood ist es hier in San Diego geradezu gediegen: Auf dem Weg zum Boardwalk einen Lamborghini Hurracan bewundern, ein paar schwer schleppenden Surfern ausweichen und schon kann man die Morgenstimmung am Pazifik genießen. Die Temperaturen sind dabei noch relativ angenehm, obgleich man realistisch betrachtet wenig mehr als einen Bikini tragen müsste (was in diversen Frühstückslokalen jedoch ungünstig wäre .. ich sag nur: No Shoes, No Shirt, No Service).

Begleitet vom harmonischen Rauschen der Wellen sind wir also erstmal eine ausgedehnte Runde bis hinter das Hotel del Coronado gelaufen, bevor wir mit leicht knurrenden Mägen den Rückweg antraten. Zu diesem Zeitpunkt (gegen 07:30 Uhr) wird man dabei schon von größeren Gruppen Joggern unterschiedlichster Geschwindigkeiten überholt, die dabei so ausgerüstet sind, dass man meinen könnte, sie würden aktuell einen Marathon zurücklegen. Ist mir in Deutschland – und ich laufe jetzt schon sechs Jahre – so noch nie passiert. Allerdings ist es durchaus nachvollziehbar, dass die hiesigen Laufstrecken am Meer und an den Piers entlang auch wesentlich motivierender sind.

Nach einem adäquaten Frühstück steuerten wir den Mustang anschließend in Richtung Downtown bzw. an den Harbor Drive von San Diego. Die Midway öffnet ihre Tore um 10:00 Uhr und wir wollten – gemäß der Empfehlung aus Danis Reiseführer – pünktlich vor Ort sein. Dieses Vorgehen hat sich grundsätzlich als sinnvoll herausgestellt, da bei frühzeitiger Anreise noch genügend Kapazitäten auf dem Parkplatz direkt am Museumsschiff zur Verfügung stehen. Für nur 10$ kann man hier den ganzen Tag sehr zentral und extrem sicher sein Fahrzeug abstellen .. der Haken ist nur, dass es wesentlich mehr Touristen als Stellplätze gibt 😉 Da wir zwischen unserer Ankunft und dem Beginn der Öffnungszeiten noch etwas Zeit hatten, erstanden wir kurzerhand noch Tickets für die zwei stündige, große Hafenrundfahrt, die wir später antreten wollten. Wie wir im weiteren Verlauf des Tages herausfanden, war unsere Wahl dabei nicht ideal (später mehr).

Als wir gegen 09:45 Uhr wieder an der Midway ankamen, wurden mit der Schattenseite der Reiseführer-Empfehlung bekannt gemacht: Vor dem Schiff hatte sich bereits eine relativ lange Schlange gebildet – scheinbar hatten viele die Intention die Tour über den Flugzeugträger so früh wie möglich zu beginnen. Es gibt einen separaten Eingang für Besucher mit bereits bezahlten Online Tickets, weshalb ich den Kauf selbiger zurückblickend nur wärmstens empfehlen kann, auch wenn es keine preislichen Vorteile gibt (hinterher ist man immer schlauer..).

Der Versuch den Besuch der Midway (rund 4500 Mann Besatzung; fast 300m lang) selbst zu beschreiben, ist im Prinzip ein müßiges Unterfangen. Egal wie viele Details und Impressionen ich versuchen könnte in diesem Absatz zu beschreiben, dem gigantischen Umfang an sehenswerten Details, außergewöhnlichen Exponaten und kompetenten Veteranen, die auf menschlich unglaublich sympatische Art Rede und Antwort stehen, kann ich nur in Ansätzen gerecht werden. Stark vereinfacht gesprochen, hat man fast vollständigen Zutritt zum Hauptdeck und zum Flugdeck – auf beiden befinden sich insgesamt über 60 Exponate von extrem hoher Qualität. Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken und anzuschauen, man kann in Cockpit-Nachbildungen Platz nehmen, durch Hubschrauber krabbeln oder einfach die Aussicht von der riesigen, schwimmenden Stadt genießen. Außerdem gibt es diverse Auf- und Abgänge in das Unterdeck, in dem man u.a. die Krankenstation (inkl. Zahnarzt, Intensivstation und OP-Saal), die Offiziers Messe, die Wäscherei, die Küche (für Mannschaften und Offiziere getrennt), das Postbüro und vieles mehr besichtigen kann. Die Abgrenzung zwischen der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen und gesperrten Abschnitten wurde dabei sehr elegant gelöst, so dass man nicht (wie in anderen Museen oft der Fall) das Gefühl hat nur einen winzigen Bruchteil des Objekts sehen zu dürfen. Auch einen Teil der Maschinenräume kann man besichtigen und dabei den Ausführungen eines sehr engagierten, kompetenten Veteranen lauschen. Überhaupt trifft man überall auf der Midway auf solche Volunteers, die stets sehr aufgeschlossen und kommunikationsfreudig wirken. Während die von ihnen vermittelte Stimmung im Museum in Pensacola z.B. eher gedrückt bzw. getragen wirkte, ist man auf dem zum Museum umfunktionierten und auf Hochglanz polierten Flugzeugträger in San Diego viel offener. Vermutlich könnte man einen ganzen Tag damit verbringen den spannenden und wirklich abwechslungsreichen Ausführungen der ehemaligen Navy-Angehörigen zuzuhören und hätte sich dabei nicht eine Minute gelangweilt (ich weiß, das klingt etwas platt, ist aber meine ehrliche Einschätzung).

Auch auf dem Flugdeck gibt es vielfältige und praxisnahe Erläuterungen zum Start- und Ladevorgang von Jets und Hubschraubern. Wenn einem das ein ehemaliger Experte in seinem Job am „lebenden Objekt“ erklärt (sprich er dabei direkt neben einem solchen Jet, z.B. mit Fanghaken, steht) ist das schon sehr authentisch und beeindruckend. Überhaupt stellen die Exponate auf der „Sonnenterrasse“ der Midway die allermeisten Technikmuseen locker in den Schatten. Hier sieht man, dass mit viel Liebe zum Detail und Kompetenz gearbeitet wird, was sich sehr positiv auf den Gesamteindruck auswirkt. Natürlich begeistert allein die Größe und Opulenz des Flugdecks, auf dem man schon eine ziemlich ausgedehnte Bewegungsfreiheit im Schatten der gigantischen Brückenturm-Struktur genießt. Auch der Blick auf den Hafen und die Coronado-Bridge lädt zum Verweilen ein, wenn man nicht unter einem gewissen Zeitdruck (wie wir) steht. Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen an der 30 Minuten langen Brückenführung teilzunehmen, bei der man ganz nach oben in den Kommandoturm klettert (vier Stockwerke aufwärts) und den Blick des Airbosses und des Captains nachvollzieht. Auch hier erläutern Veteranen Abläufe und interessante Details, obgleich man durch die begrenzten räumlichen und zeitlichen Kapazitäten schon ein wenig eingeschränkt wird.

Da wir etwas mehr Zeit als erwartet auf der Midway verbrachten, entschlossen wir uns kurzerhand unsere Hafenrundfahrt vorzuverlegen, damit wir am Ende noch genügend Zeit für das maritime Museum haben würden. An dieser Stelle erfuhr unser USA-Urlaub eine erste kleine Delle in der Zufriedenheitskurve. Wer in Deutschland schon mal eine Hafenrundfahrt gemacht hat, hat vermutlich erlebt, dass der Kapitän auf der Brücke steht, das Schiff steuert und dabei einige interessante Details über die Lautsprecher erklärt. In San Diego moderiert der Captain die Fahrt vor dem Ablegen wie einen Boxkampf an und stellt den für jedes Deck zuständigen Service Teamchef vor .. wow. Danach steuert dann „jemand“, während der Captain mit Buschjäger-Hut gegen die Sonne geschützt und Funk-Headset ausgestattet über das Oberdeck läuft und erklärt, was man gerade so sehen kann. Die Erklärungen waren zwar etwas leise und in etwa so detailliert wie die ersten zwei Sätze eines Wikipedia Artikels, aber immerhin. Leider nahmen schon nach wenigen Minuten die Aussetzer in der Moderation massiv zu, da es anscheinend ein Problem mit dem Sound-System gab. Ab nun bestand die größte Show darin, wie der Captain sein Funkheadset durch die Gegend warf, danach das Kabel mehrfach knotete, das konventionelle Mikro nach einigen Versuchen ebenfalls über das Deck schleuderte und irgendwann genervt auf der Brücke verschwand. Unterhaltsam, aber nicht so richtig informativ. Für die meist amerikanischen Gäste schien das aber kein Problem zu sehen, da der Konsum größerer Mengen Bier (in der prallen Sonne bestimmt entsprechend stimulierend) scheinbar sowieso höchste Priorität hatte. So kann ich an dieser Stelle leider keine spannenden Informationen verteilen, außer das im Hafen von San Diego derzeit ein atomgetriebener Flugzeugträger liegt und ziemlich viele weitere Navy-Schiffe. Was man im Vorbeifahren halt so sieht bzw. aufschnappt 😉

Auf Grund dieser grandiosen Erfahrung entschlossen wir uns dazu unsere 2h Premium-Rundfahrt durch beide Hafenbereiche im Rahmen des turnusmäßigen Stopps zur Halbzeit zu beenden (Erklärung: Es gibt eine Rundfahrt durch den nördlichen Hafen und eine durch den südlichen. Wir dachten: 2h Fahrt = große Runde auf eigener Strecke durch alle Bereiche. Realität ist aber: 2h Tour = 1h Fahrt durch einen Bereich, dann Anlegen,  dann partieller Tausch der Passagiere, dann nochmal 1h Fahrt durch den zweiten Bereich). Durch diesen geschickten Schachzug sollte uns genügend Zeit bleiben, um das maritime Museum in vollen Zügen genießen zu können. Kurz vor unserem Abflug habe ich bei Facebook gelesen, dass die HMS Surprise nach knapp vier Monaten im Dock nun wieder zurück ist und freute mich (als jemand, der Master and Commander sicher schon 5x gesehen hat) daher schon sehr auf den Besuch. Achtung: Es folgt die zweite Delle in unserer Zufriedenheitskurve. Während die Dame am Ticketschalter nämlich freudig meine Kreditkarte belastete, entdeckte ich das unerfreuliche Schild mit der Aufschrift: „Sorry, HMS Surprise is in Maintenance“. Darauf angesprochen, erklärte man uns, dass die Coastguard das Schiff noch nicht wieder abgenommen habe. Das wir trotzdem den vollen Eintrittspreis zahlen mussten, quittierte die Bedienung nur mit den Worten „Thank you“. Das maritime Museum in Kurzform: Ein Segelschiff, welches man nur von außen sehen kann, ein russisches U-Boot auf dem ziemlich viel fehlt, eine Replika eines alten Segelschiffs, die noch gebaut wird und nicht betreten werden darf, eine Art Flussschiff, in dem man nur wenige Räume sehen kann, ein recht kleines amerikanisches U-Boot, das man für die Ausstellung massiv verändert hat (Schotts mit Türen, durch die man aufrecht gehen kann und so) und eine kleine Ausstellung auf einer schwimmenden Plattform. Einzig die Star of India, ein 1863 gebautes Segelschiff, dass auch heute noch an speziellen Anlässen als solches genutzt wird, war wirklich sehenswert. Hier konnte man neben dem Oberdeck auch zwei Unterdecks mit ziemlich interessanten Exponaten und auskunftsfreudigen Volunteers erkunden, was schon einen gewissen Mehrwert dargestellt hat. Insgesamt fanden wir das Museum jedoch ziemlich enttäuschend, da es auf uns einen unordentlichen und altbackenen Eindruck machte und man das Gefühl hat auf jedem Meter mindestens drei „No Visitors“-Schildern zu begegnen.

Nach dieser eher ernüchternden Erfahrung (man sollte halt nie zu hohe Erwartungen haben) unternahmen wir noch einen ziemlich langen Spaziergang an der Pier (tolle Aussichten, viel Bewegung auf dem Wasser, Strandkünstler an der Promenade, schöne Aussichten auf die Stadt .. wirklich nett), bevor wir mit einem gewissen Zeitdruck wieder nach Coronado zurückfuhren. Mit einem Rucksack voller Getränke, Süßigkeiten und einer Decke bestückt, begaben wir uns pünktlich zum Sonnenuntergang an den Strand und gesellten uns zu der riesigen Menschenmenge die diesem Erlebnis schon gestern beigewohnt hat. Die Atmosphäre ist dabei ebenso grandios wie der Sand fein und weich .. ich glaube, so ein geniales „Beach Life“ haben wir noch nie erlebt.

Fazit: San Diego Boardwalk & Midway sind absolute Highlights. Es gibt viel zu sehen, viel zu lernen, viel zu bestaunen und man sollte dafür meiner Meinung nach mindestens einen Tag einplanen. Wir waren ca. 3h auf der Midway, was eigentlich viel zu wenig war (insbesondere, wenn man der guten Audio-Tour lauschen möchte). Die Hafenrundfahrt stand durch die technischen Schwierigkeiten unter keinem guten Stern, folgte aber auch ansonsten einer ziemlich langweiligen Route (Hinfahren, drehen, auf genau der selben Strecke zurückfahren). Ob einem die Exponate des maritimen Museums den Eintritt wert sind, muss man abwägen .. der Zeitbedarf hält sich zumindest in Grenzen (ich denke max. 90 Minuten).

Der Abschied von San Diego bzw. Coronado fällt mir definitiv schwer und wenn der Flug hierher nicht so lange wäre, könnte ich mir gut vorstellen hier (also mal so ganz ohne Rundtour) eine Woche Strandurlaub zu machen. Das gesamte Flair ist ziemlich einzigartig und es gibt im Prinzip keinerlei Kritikpunkte – sicherlich einer der schöneren Orte um die Seele baumeln zu lassen.

Morgen früh begeben wir uns dann auf die ca. 535km lange Fahrt in die Stadt der Sünde – Las Vegas, wir kommen!

Kalifornien Tag 4: Alles klebt / San Diego Teil 1

Vorab: Ich muss daran arbeiten, die Beiträge wieder etwas kompakter zu gestalten. So eine Kurzgeschichte wie jene vom Tag 3 mit über 2.200 Wörtern tippt sich nämlich nicht eben nebenbei runter, was die verfügbare Freizeit am Abend zwischen Abendbrot und „Jetzt aber dringend schlafen“ nahezu vollständig ausfüllt. In Florida war das etwas entspannter, da es fast 2h früher dunkel wurde – hier in Kalifornien ist die Sonne erst gegen 19:15 Uhr vollständig hinterm Horizont verschwunden.

Der vierte Tag unserer Reise begann mit dem Abschied von Los Angeles – einer Stadt, die uns sehr positiv überrascht hat. Dennoch bekamen wir beim Versuch der Weiterreise gen Süden die volle Breitseite des hiesigen Verkehrs ab – einer der größten Kritikpunkte an der Movie-Metropole. Es geht nur schleppend vorwärts und jedes Mal, wenn man glaubt einen Knotenpunkt passiert zu haben, stockt der Verkehr nach wenigen Kilometern erneut. Man muss daher entweder mit diesem Umstand leben, oder geschickt drum herum planen. Dies verlangt jedoch ein Maß an Flexibilität, dass teilweise nicht erreicht werden kann (heute hätte wir laut Google Stauprognose z.B. vor 5:45 Uhr oder nach 10:00 Uhr fahren müssen – im Prinzip kaum darstellbar).

Mit viieeel Geduld, bereits gut durchgekocht (30°C noch vor 10:00 Uhr) und ein wenig angenervt erreichten wir nach einem kurzen Zwischenstopp (viel Wärme = viel Wasserbedarf = viele biologische Grundbedürfnisse) gegen 11:30 Uhr La Jolla Beach bzw. den Ellen Browning Scripps Park. Dani berichtete mir im Vorfeld, dass wir dort „maximal 10 Minuten“ brauchen werden, da man sehr schnell dorthin gelangen könne und quasi direkt am Park parkt. Ich stellte mich also auf keinen kurzen Halt ein, wie wir ihn in Florida mehrfach hatten: Parken, ein paar Meter gehen, ein paar Fotos, weiter. Eigenartigerweise (…) hatten ziemlich viele Menschen ein scheinbar gesteigertes Interesse daran den Park „mal eben kurz“ zu besichtigen. Vier Runden um den Block und eine sagen wir lebendige Diskussion später hatten wir tatsächlich einen Stellplatz für unser wildes Stahlpferd gefunden. Vorteil: Die Region ist wirklich toll. Steilküste, steinerne Plateaus, Seelöwen, Pelikane, große Rollwellen, Taucher, Paddler, Schnorchler, Surfer .. alle Aspekte einer lebendigen Badeslandschaft sind erfüllt oder deutlich übererfüllt. Nachteil: Trotz „nur“ 28°C verbindet sich die Kleidung aufs Innigste mit dem Körper – hoher Luftfeuchtigkeit sei Dank.

Wir unternahmen trotzdem einen relativ ausgedehnten Spaziergang an der Küstenlinie entlang, gingen mit den Seelöwen (im vertretbaren Abstand) auf Tuchfühlung, bestaunten die Künste der Surfer und versuchten den stellenweise bissigen Geruch (entweder vom Seetang oder den Meeresbewohnern) zu ignorieren – manchmal gar nicht so einfach. Nach ca. 1h setzten wir unser Fahrzeug ca. 1km weiter in Richtung Süden um und brachen zu einem weiteren Spaziergang an die sog. „Tide Pools“ auf. Hierbei handelt es sich um einen recht flachen Küstenabschnitt aus Sandstein, in dem sich wasserstandsabhängig mal kleine, mal große Bassins bilden in welchen sich einiges Getier tümmelt. Im Prinzip ein bisschen wie eine Mischung aus Wattenmeer und Teufelsmauer (das hilft natürlich nur jenen, die letztgenanntes Naturphänomen kennen). Durch die aufbrandenden Wellen gibt es hier ständig etwas zu sehen und auch zu hören, so dass man allein an diesen Pools vermutlich locker einen Tag verbringen könnte.

Wir fuhren trotzdem weiter, denn unser Tagesprogramm umfasste noch ziemlich viele Punkte. Die Anreise zum nächsten Stopp – den Sunset Cliffs – gestaltete sich so, wie man sich Kalifornien vorstellt. Breite Straßen, warmer Wind, jede Menge Surfer am Straßenrand und Surfboard-bepackte SUVs im Verkehr, coole Musik im Radio, offener „Sportwagen“ (sagen wir einfach Cruiser mit Kultstatus) unterm Hintern – kurzum: Perfekt. Zu vergleichen maximal mit der Anreise morgens um 07:00 im Mustang Cabrio nach Miami Beach – ebenfalls bei entspannten 25°C und mehr. An den Cliffs angekommen betritt man die Domäne der Surfer. Die Straße direkt am Kamm wird von unzähligen Fahrzeugen besiedelt, die meist nur einem Zweck dienen; dem, ein Board zu transportieren. Dieses wird dann über steile Treppen gen Wasser transportiert, wo es eingesetzt und einige hundert Meter ins freie Meer gebracht wird. Dort geht dann der Spaß los – und die hiesigen Cracks haben uns dabei glauben gemacht, dass der Ritt auf der Welle überdurchschnittlich einfach sei. Doch auch wenn der Wind erfrischend und die Villen in erster Reihe beeindruckend waren, nahm der Wunsch nach einer Dusche doch immer mehr zu.

Auf dem weiteren Weg in Richtung San Diego galt es jedoch erstmal den knurrenden Magen zu beruhigen. Entgegen der sonst von uns präferierten Lokale besuchten wir hierzu ein Denny’s (im Prinzip eine Art besseres Schnellrestaurant, aber mit Bedienung am Tisch), welches uns sehr positiv überraschte. Sicherlich ist die Ausstattung und Anmutung nicht mit einer Cheesecake Factory, einem Applebee’s oder einem Chilli’s vergleichbar, aber bei rund 1/3 niedrigeren Preisen bekommt man trotzdem annehmbare Qualität geboten. Ab und an sicher eine gute Option.

Als nächste Station steuerten wir das Cabrillo National Monument – eine Art Park auf einer Halbinsel im Stadtgebiet von San Diego, welche zum Großteil zum Militär gehört – an. Hier erstanden wir kurzerhand den Annual Pass für die Nationalparks (80$ für freie Einfahrt in nahezu alle Parks für 1 Jahr) und legten anschließend die letzten Meter in Richtung Aussichtsterrasse per pedes zurück. Was man dann zu sehen bekommt, ist schon ziemlich beeindruckend. Vor einem liegt eine riesige Stadt (1,3 Millionen Einwohner) in einer Bucht, in selbiger liegen extrem viele Boote, darunter das ein oder andere Exemplar der amerikanischen Marine, vor Anker. Außerdem kann man den Flugzeugträger Midway im Hafen erkennen und am Horizont zeichnet sich bereits Tijuana in Mexiko ab (die Grenze ist so nah, dass das Mobiltelefon sogar schon in mexikanische Netze roamed). Diese an sich schon äußerst spannende Szenerie wird durch ein Gewusel an kleinen und größeren Booten, Patrouille fliegenden Hubschrauber & Flugzeugen und großen Containerschiffen am Horizont weiter aufgewertet – wirklich malerisch.

Nachdem wir die Aussicht vom Visitor Center und später vom Leuchtturm aus ausgiebig genossen hatten, stoppten wir auch kurz noch bei den Tide Pools im Park. Leider herrschte zum Zeitpunkt unseres Besuchs schon Hochwasser, so dass es hier nicht wirklich viel zu sehen gab. Da uns unsere Kraft ein wenig zu verlassen drohte, strichen wir kurzer Hand den geplanten Abstecher ins Gaslamp Quarter und steuerten direkt unser Hotel auf der Coronado-Halbinsel an. Diese ist – ähnlich zu Sanibel Island – der Stadt etwas vorgelagert, kann aber mautfrei über eine vielspurige, optisch beeindruckende Brücke  erreicht werden. Wir erledigten noch kurz einige Besorgungen in einem lokalen Supermarkt (man kann nie genug Wasser haben) und zogen anschließend in unser beschauliches, klimatisiertes (!!) Hotelzimmer 300m entfernt vom Strand ein.

Eine kurze Pause später unternahmen wir einen ersten Spaziergang durch den Ort mit grober Hauptrichtung Strand und waren sehr positiv überrascht. Alles ist super, es gibt die unterschiedlichsten Geschäfte und Restaurants und es ist angenehm viel los, ohne dass sich das erstickende Gefühl großer Menschenansammlungen wie in LA einstellt. Der Strand selbst ist perfekt – anders kann man es nicht sagen. Sehr breit, sehr lang, sehr fein und unvorstellbar sauber. Außerdem tummeln sich auch während und nach Sonnenuntergang allerlei Menschen direkt am Wasser, ohne jedoch, dass man dabei Angst haben müsste. Gefühlt ist die Dichte an Militärangehörigen und ihren Familien & Freunden hier so hoch, dass man sich keine Gedanken um etwaige Gefahren machen muss. Coronado (mit dem legendären Coronado Hotel, welches übrigens nicht zu übersehen und sehr imposant ist) scheint – so zumindest unsere Eindrücke bisher – ein perfekter Ort für einen entspannten Badeurlaub zu sein. Es ist ruhig, es ist sicher, es ist abwechlungsreich, es ist sauber (derart sauber, dass man an der Promenade über weite Strecken barfuß gehen kann, ohne auch nur in einen Stein zu treten), es gibt viel zu sehen und es ist wesentlich leiser und entspannter als z.B. LA oder Miami. Wie sagte Dani so passend: „Wie Key West für Erwachsene“. Abends einen Cocktail in der Beachbar des Hotel Coronado bei Live-Musik .. da kann das Leben schon Spaß machen.

San Diego scheint wirklich cool und extrem vielfältig zu sein. Ob dem auch wirklich so ist, werden wir morgen weiter ergründen. Auf dem Plan stehen neben einem Besuch der Midway die Erkundung des maritimen Museums, die Teilnahme an einer Hafenrundfahrt und – falls wir es zeitlich unterkriegen – der nachgeholte Spaziergang durch das Gaslamp Quarter. Auch ein Strandspaziergang im Sonnenuntergang müssen wir noch irgendwie unterbekommen, bevor es am Sonntag Morgen in Richtung des Landesinneren, nach Vegas, geht.

Kalifornien Tag 3: Warner Bros. Studios & Griffith Observatory

Unser dritter und zugleich letzer Tag in Los Angeles sollte – mehr oder weniger unerwarteter Weise – das bisher größte Highlight unserer Tour für uns bereithalten: Die Warner Bros. Studio Tour. Man muss an dieser Stelle ein wenig aufpassen, denn oftmals wird mit dem Begriff Studio Tour ein Besuch der Universal Studios assoziiert, die ja im Prinzip einen Vergnügungspark mit Fahrgeschäften, Snack-Buden, Souvenirständen usw. vor dem Hintergrund einer „Movie-Szenerie“ darstellen. Die Warner Bros. Studio Tour hingegen würde ich eher mit einer Werksbesichtigung bei einem Automobilhersteller wie z.B. VW oder Audi vergleichen. Man erhält die seltene Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen an einem Ort zu werfen, der einem sonst gänzlich fremd ist. Wie auch beim Besuch des Fabrikbands bei der Fahrzeugherstellung bekommt man das „Produkt“ (in diesem Fall also Filme und Serien) aus einer gänzlich anderen Perspektive zu sehen – je nach persönlicher Interessenlage absolut faszinierend.

Der Grad der Attraktivität der Studio Tour hängt sicherlich immer ein wenig davon ab, wie hoch die eigene Affinität gegenüber filmischen Werken ausgeprägt ist und welche Formate man genau präferiert. Warner Bros. ist aber an derart vielen aktuellen und historischen Produktionen beteiligt, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Das fängt bei legendären Serien wie Emergency Room / ER, Two and a half Men und Friends an und setzt sich u.a. bei Chuck, Heart of Dixie, The Mentalist, Castle und Pretty little Liars fort. Auch filmische Highlights wie Matrix, Master and Commander, Herr der Ringe, Inception und viele weitere wurden zumindest in Teilen auf dem riesigen „Lot“ der Warner Bros. Studios produziert. Je mehr Bezug man zu diesen Werken hat, desto intensiver wird die Erfahrung während der Tour. Da erkennt man plötzlich Szenerien wieder, von denen man niemals geglaubt hätte, dass das Original wirklich so aussieht. Die Metro-Gleise in Chicago beispielsweise, unter denen sich bei Emergency Room immer mal wieder bei strömendem Regen diverse Dramen abgespielt haben, stehen in der Realität in Form von auf alt aufbereiteten, lackierten Plastik-Stelzen ohne Gleise darüber vor der Fassade eines Gebäudes. Man kann sich einfach nicht vorstellen, wie aus diesem Set das spätere, im TV gezeigte und sehr glaubwürdige Werk entsteht – jedenfalls so lange nicht, bis man die Tour weiter verfolgt.

Denn im Verlauf dieser bekommt man nicht nur den Unterschied von Fassade zu Studio erklärt, sondern lernt auch die Wirkung von Licht und Perspektive, die Arbeitsweise eines Greenscreens und noch vieles mehr kennen. Den Rahmen der eigentlichen Tour bildet dabei die Fahrt mit einem elektrisch betriebenen, offenen „Kleinbus“ (eigentlich eine Art Golfkart), der von einem Guide gesteuert wird. Dieser lenkt, erklärt und steht jederzeit für Fragen zur Verfügung. Das Event wird als „not prescribed“ beschrieben, d.h. jede Tour soll individuell sein und sich an den Interessen der jeweiligen Gruppe orientieren. Ob dem nun wirklich so ist, sei dahingestellt (letztlich durchfährt man einen Teil des Produktionsgeländes, besichtigt ein Museum, sieht sich eine der Produktionshallen von innen an, besichtigt eine Fahrzeugausstellung, geht kurz durch die riesige Requisitensammlung und besucht zum Ende eine Art interaktive Ausstellung in der Stage 48), tut der Sache aber überhaupt kein Abbruch. Jede einzelne Station ist extrem interessant und an jedem Punkt warten viele, gut gelaunte und kompetente WB Mitarbeiter darauf das gezeigte zu erklären, weitere Informationen zu geben oder einfach alles dafür zu tun, dass der Tag noch unvergesslicher wird. Dabei hat man an keiner Stelle das Gefühl, dass irgendjemand genervt davon wäre, dass im 10 Minuten Takt (oder sogar noch häufiger) Touristengruppen an seinem Arbeitsplatz vorbei laufen und unzählige Fotos schießen oder das stumpf nach Schema F ein vordefinierter Plan abgearbeitet werden soll. Auch ist der Anteil der „Guck mal hier in die Kamera, oh toll, für 30€ kannst du einen Abzug erwerben“-Aktionen extrem gering bzw. nicht vorhanden. Im Gegenteil, sehr oft bieten die Guides an ein Foto mit der eigenen Kamera zu machen und selbst im Souvenirshop am Schluss hat man das Gefühl, dass die Faszination an den Produkten den Mitarbeitern wichtiger ist, als tatsächlich Umsatz zu generieren. Da werden Zauberstäbe aus Harry Potter gezeigt, es wird zu Fotos angeregt und dabei ganz locker gescherzt .. ganz ganz toll.

Besonders beeindruckend fanden wir neben der genialen Atmosphäre insgesamt:

  • Die Umsetzung der Kulissen und diese gezeigt und erklärt zu bekommen. Erst wenn man bekannte Sets mit eigenen Augen gesehen hat, versteht man den Effekt, der durch bestimmte Beleuchtungen oder Perspektiven erreicht wird. Das gesamte Studio ist dabei unter der Prämisse errichtet worden, dass jedes Gebäude universal genutzt werden kann. Das bedeutet beispielsweise, dass sogar die regulären Büros im Stil eines Motels erbaut wurden und daher in diversen Produktionen als Tatort herhalten mussten. An dieser Stelle merkt man auch die Universalität der Szenerie. Türen erhalten andere Garnituren, Straßenlampen werden getauscht und schon kann ein bestehendes Gebäude für eine ganz andere Produktion genutzt werden. Dies geht soweit, dass einige Formate zu 100% auf dem Gelände der WB Studios gedreht werden und gar keine externen Drehorte mehr genutzt werden. Wirklich irritierend ist dabei die Größe (oder sollte man eher sagen „Kleine“) der meisten Sets – welche Tiefenwirkung hier durch Tricks erreicht wird, ist verblüffend.
  • Um unterschiedlichste Szenerien umsetzen zu können, muss es natürlich auch Menschen geben, die diese bauen. Man besichtigt in diesem Zusammenhang die sog. „Mill“, eine Art riesige Holzwerkstatt, in der Fassaden und ganze Wände für „One Camera Productions“ (also Produktionen, die in geschlossenen Räumen gedreht werden, bei der jeweils nur eine Kamera gleichzeitig genutzt werden kann) hergestellt werden. Diese Elemente werden beschriftet und anschließend innerhalb der unterschiedlich großen Stages (im Prinzip leere Hallen mit starkem Schallschutz) nach Bauplan aufgebaut und mit entsprechenden Requisiten präpariert. Außerdem gibt es Spezialisten, die Innen- und Außenszenarien gemäß des gewünschten Looks aufbereiten: Alt, verrostet, schäbig – mit Hammer, Meißel und Farbe lassen sich beeindruckende Effekte erzielen.
  • Damit die fertigen Sets auch glaubwürdig aussehen, sind natürlich diverse Dekogegenstände und weitere „Zusatzausstattungen“ (wie Möbel etc.) erforderlich. Diese werden bei Warner Bros. im sogenannten „Property Department“ gelagert, aus dem sie bedarfsweise für neue Produktionen ausgeliehen werden können. Dieses Gebäude sieht aus wie eine gigantisch große Verkaufsfläche für Klein- und Dekoartikel in einem typischen Möbelhaus. Auf engstem Raum gibt es von Kronleuchtern, über Möbel (z.B. die legendären Sessel aus Matrix, in denen Morpheus und Neo beim „Rote oder blaue Pille“-Gespräch sitzen), Telefone, Schwerter bis hin zu Antiquitäten wirklich alles Erdenkliche an Deko zu sehen. Unser Tour Guide berichtete, dass WB nach Ende des zweiten Weltkriegs spezielle Einkäufer auf drei Monate lange Shopping-Touren durch Europa geschickt hat, um Schlösser, Antiquariate etc. für anstehende Produktionen abzuklappern. In Zwischenzeit müsse man jedoch so gut wie nichts mehr neu anschaffen. Eine glaubwürdige Aussage.
  • Wirklich beeindruckend war auch die Ausstellung zu Filmfahrzeugen, die während unseres Besuchs ausschließlich Exponate mit Bezug zu den Batman-Filmen gezeigt hat. Insbesondere der über 1,2 Millionen Dollar teure Buggy für den nächsten Teil der Film-Serie war doch sehr sehenswert, handelt es sich um ein vollständig funktionsfähiges Fahrzeug, dass von Grund auf neu konstruiert wurde. Das muss man sich mal überlegen – da bauen Ingenieure einmalige Prototypen vom ersten bis zum letzten Teil einzig und allein für den Zweck des Films – vom Motor, den Bremsen, über das Chassis, Getriebe bis hin zu den Achsen. Für die Innenaufnahmen des Wagens gibt es übrigens jeweils ein separates Modell, da sich die filmischen Ansprüche an Innen- und Außendarstellung i.d.R. nicht vereinen lassen (man erklärte uns, dass beim Batmobil z.B. die Mechanik zum Herausfahren der Sitze in der Realität mit dem Einbauort des Motors kollidieren würde).
  • Die Möglichkeiten und Ausmaße der Postproduction glaubt man so lange nicht, bis sie einem an konkreten Beispielen Schritt für Schritt vor Augen geführt werden. Wenn Gandalf zum Beispiel im Herr der Ringe durch Frodos zu Hause schreitet (das ist diese kleine, geduckte Hütte im Berg) und die Zwerge auf ihre anstehende Mission einschwört, steht er während der Produktion in einem komplett leeren, grünen Raum. An einigen Positionen hängen Ausdrucke der Gesichter der Zwerge, scheinbar um dem Schauspieler eine Hilfe zu geben – aber das war es auch. Außerdem werden die Zwerge und Gandalf zeitgleich in zwei getrennten Räumen mit einer gekoppelten Kamera-Installation gefilmt, wobei die Kamera beim weißen Zauberer rund 20 Zentimeter näher dran ist, wodurch er im fertig gerechneten Film größer als seine Mitstreiter wirkt. Extrem beeindruckend sind auch die Erklärungen zum Thema „Layers“, also der schrittweisen Hinzufügung weiterer Ebenen mit Bildinhalten oder Verfremdungen der vorhandenen Bildinhalte. So erhält der Schauspieler vor dem Greenscreen im ersten Schritt einen Hintergrund, im zweiten wird selbiger farblich etwas aufgepeppt / angepasst und im dritten kommt selektive Unschärfe hinzu. Im Ergebnis erhält man einen bildlichen Eindruck, den es „im echten Leben“ so nie geben würde, aber den wir als TV- bzw. Kino-Konsument einfach erwarten und gewohnt sind.
  • In qualitativ hochwertigen Produktionen kommt der Bearbeitung des Tons mindestens so viel Aufmerksamkeit wie dem des Bildes zu. So wird am Beispiel von Gravity anschaulich gezeigt, welche verschiedenen Tonquellen hier miteinander verwoben werden, um das finale, überzeugende Klangbild zu erreichen. Da wären zunächst die Stimmen der Schauspieler, die vor allem im englischsprachigen Original schon großartig sind. Danach hat man sich damit beschäftigt, wie Astronauten die entsprechenden Geräusche im All wahrnehmen würden. Für die mechanischen Umgebungsgeräusche wurde per Filter eine passende Simulation errechnet. Hinzu kommt das Empfinden der eigenen Stimme welche – ein wenig wie Unterwasser – ziemlich dumpf und stark basslastig klingt und zusätzlich vom eigenen pochenden Herzschlag untermalt wird. Danach wird ein Soundtrack passend zu der Szene kreiert und eingespielt – bedarfsweise von einem bis zu 100 Personen umfassenden Orchester direkt auf dem WB-Gelände. In einem letzten Schritt werden nun alle drei Tonquellen stimmig abgemixt und das uns bekannte Resultat entsteht. Wenn man diesen Prozess mal in seine Einzelschritte zerlegt und auf einer entsprechend überzeugenden HiFi-Anlage gehört hat, weiß man, wie viel Mühe hier in dem Ergebnis steckt, dass wir am Ende einfach nur als „Wow .. hat mich intuitiv überzeugt“ hinnehmen.
  • Spannend fanden wir auch einen echten (also keine Replika!) Academy Award, besser bekannt als Oscar, in den eigenen Händen zu halten. Zwar unter dem kritischen Blick eines Warner Bros. Mitarbeiters, der sichtlich um die Kratzfähigkeit unserer Ringe besorgt war, aber dennoch ohne Panzerglas und frei von zusätzlichen Gebühren. Die etwas über 3,5kg schwere Statuette ist dabei übrigens überraschend schwer.

Die drei zuletzt genannten Highlights spielen sich alle in der sog. Stage 48 ab – einem Bereich der Tour, den man eigenständige durchläuft und hinsichtlich des Zeitbedarfs individuell anpassen kann. Wir fanden diesen Abschnitt jedoch derart interessant, dass wir uns weit über 1h Zeit gelassen haben, um die Erklärungen zu lesen, Vorführungen zu besuchen und interaktive Installationen zu testen. Wie bereits erwähnt, sorgen auch in der Stage 48 eine Vielzahl extrem freundlicher Mitarbeiter für eine Wohlfühlatmosphäre, die wirklich nicht selbstverständlich ist.

Nach dem Ende der Tour (die ich im Übrigen relativ betrachtet ziemlich preisattraktiv finde) hat man eigentlich nur noch einen Wunsch: Sofort mehr davon. Zurückblickend wäre eine VIP-Tour vielleicht eine coole Idee gewesen .. man muss ja noch Ziele haben 😉

Nach den Warner Bros. Studios wollten wir der 37°C heißen Luft durch ein paar Stunden in einer gekühlten Shoppingmall entgehen. Wir fuhren hierzu kurzerhand nach Glendale, was sich aber als vergleichsweise enttäuschend herausgestellt hat. Die Mall war zwar recht modern und sauber, doch sie wirkte fast schon steril und unsere Versuche den heimischen Kleiderschrank ein wenig zu erweitern, scheiterte leider auf ganzer Linie. Immerhin das Hägen Dasz Eis war extrem lecker, wobei ich immer wieder über den Umstand überrascht bin, dass man zwar nicht preiswert mal eben Zwischendurch ein Eis essen kann (unter 4$ geht nix), dafür aber auch große Varianten (3 Kugeln plus Sahne plus Kekse etc.) mit rund 7$ nicht exorbitant mehr kosten.

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir anschließend im Griffith Observatory, dass heute zumindest von einer leichten Brise umspielt wurde, die den Aufenthalt auf dem Berg etwas erträglicher machte. Auch sonst war zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht allzu viel los, so dass wir die vielfältigen Installationen, deren Besuch übrigens kostenfrei ist, ganz in Ruhe erkunden konnten. Das ist recht nett, aber an sich vermutlich eher kein Highlight. Selbiges stellt eher eine Teilnahme an den sehr bekannten Vorführungen im Observatorium dar, die mit 7$ pro Person zu dem fair bepreist sind. Leider war unser Timing nicht ideal, so dass wir rund 2h von der Ankunft bis zum Start unseres Happenings überbrücken mussten. Die Show selbst war dabei wirklich toll, insbesondere da es sich überraschenderweise um eine Live Performance handelte. Dies bedeutet, dass die zuvor vorbereitete Bild- und Soundshow während ihrer Laufzeit von einer Moderatorin begleitet und erklärt wurde. Das mag jetzt etwas dröge klingen, war in der Praxis aber sehr authentisch und stimmig – insgesamt kann man eine Teilnahme nur empfehlen. Auch sonst kann man im Griffith Park relativ entspannt auch größere Zeitspannen überbrücken; gegen Abend kommen beispielsweise ganze Heerscharen um den Sonnenuntergang über der Metropolregion zu beobachten. Außerdem hat man ab 19:00 Uhr die Gelegenheit einen Blick durch die Teleskope des Observatoriums zu werfen – ebenfalls kostenlos.

Einzig negativ war der Verkehr auf dem Rückweg, der uns ziemlich viel Zeit und Nerven gekostet hat. Dieser gehört zu LA aber mindestens ebenso dazu wie das Show-Business und will entweder ertragen oder geschickt umgangen werden (dafür muss man aber zeitlich schon ziemlich flexibel sein).

Wie man sicherlich an der schieren Länge dieses Beitrags schon merkt, geht ein sehr interessanter und ereignisreicher Aufenthalt in Los Angeles zu Ende. Obgleich ich vor den drei Tagen hier Angst hatte wir haben eher zu viel Zeit für die Metropole eingeplant, bin ich jetzt umso positiver überrascht. LA bietet unglaubliche viele Facetten, wahnsinnig viele Highlights und sehenswerte Attraktionen für jeden Geschmack. Insbesondere für Menschen mit Interesse an Filmen und Serien sowie allem was dazu gehört, bietet Los Angeles sehr spannende Hotspots. Wir haben hier jedenfalls Eindrücke gewonnen, die unsere Erwartungen weit überstiegen haben. Morgen früh geht es dann weiter nach San Diego – es bleibt spannend.

Kalifornien Tag 2: Erkundung von LA

Die erste Nacht in einem fremden Bett ist ja oft ein wenig gewöhnungsbedürftig – bei 36°C Lufttemperatur auch noch gegen 22:00 Uhr und einem permanent laufenden Standlüfter wird dieses Gefühl eher noch intensiviert. Auch das die auf dem Grundstück lebende Katze (mit Glocke) nachts mehrmals an unserem offenen, zweiflügligen Portal vom Schlafzimmer zum Pool vorbeischlich, war durchaus etwas spannend 😉 Aber nach mehr als 24h ohne Schlaf sind dem Körper scheinbar alle Störfaktoren egal oder sie treten zumindest in den Hintergrund, so dass wir mit Ausnahme kleinerer Unterbrechungen fast 9h durchgeschlafen haben.

Die Idylle unseres Frühstücks wurde von der Erkenntnis unterbrochen, dass wir bei Google nicht die Stauprognose von unserer Unterkunft zum TCL Theatre (gedacht 10 – 15 Minuten), sondern die Gegenrichtung (daher real 30 – 45 Minuten) eruiert hatten, so dass es plötzlich höchste Zeit zum Aufbruch war. Rein in den Mustang, schnell über ein paar Querstraßen und schwupp, schon standen wir im erwarteten Stau auf dem Freeway. Zum Glück ist dieser relativ entspannt, da die automobile Masse sich einfach nur langsam vorwärts bewegt und aggressive Spurwechsel eher selten zu beobachten sind. Also nur warten, aber sonst eher unproblematisch. Leider „verpassten“ wir die Einfahrt zum geplanten Parkhaus (genauer gesagt konnten wir keine zeitgerechte Einigung darüber erzielen, ob die zur Verfügung stehende Einfahrt auch die richtige sei), so dass wir auf Plan B ausweichen mussten. So lernten wir ein für uns neues Kuriosum kennen: Überlange Parkplätze, bei denen zwei Fahrzeuge in Reihe geparkt werden. Der Fahrer des vorderen Wagens, welcher das hintere Auto quasi blockiert, muss dabei seine Schlüssel an einer Art Rezeption abgeben, welche etwaige Konflikte bedarfsweise durch eigenständiges Umparken auflöst. Für uns Europäer vor dem Hintergrund typischer Haftungsfragen etc. eine ziemlich abwegige Idee.

Da Plan B so gut funktioniert hat, fanden wir uns pünktlich am Hollywood Boulevard ein, spazierten am legendären Chinese Thearte vorbei und holten unsere Tickets für die vorab gebuchte sechs Stunden lange Tour durch LA ab. Da wir uns nicht sicher waren, wie gut wir die Anreise und den Jetlag verkraften würden, dachten wir ein paar Stunden im Bus sitzen, unterbrochen von mehreren Pausen zur Erkundung einzelner Highlights, sei eine gute Idee. Da laut Aussage unseres Fahrers heute der heißeste Tag des Jahres werden sollte, erschien der geplante Tagesablauf sogar noch besser gewählt. Ohne Vorgreifen zu wollen, lässt sich festhalten, dass trotz minimaler Besatzung pro Bus (12 Personen) die Klimaanlage desselben bei 107 Grad Fahrenheit (knapp 42°C) Außentemperatur auch nur eingeschränkt im Stande ist Wunder zu vollbringen.

Bevor unsere Tour startete, hatten wir durch eine kurzfristige Terminverschiebung rund 1h Zeit, so dass wir uns die Gegend einige Blocks rauf und runter um das Theatre etwas näher anschauten. Zum Glück kann man sich die Zeit hier sehr gut vertreiben, gibt es doch über rund 1 Meile verteilt den berühmten Walk of Fame mit den in den Boden eingelassenen Sternen zu sehen. Wie wir später erfuhren, muss eine 12 köpfige Jury der Hollywood Chamber of Commerce über die Zuteilung eines Sterns entscheiden, dessen zukünftiger Besitzer dann noch 30.000$ für etwaige Aufwendungen bezahlen muss. Dafür erhält man dann eine augenscheinlich ziemlich haltbare Bodenplatte mit goldenen Akzenten und dem eigenen Namen – ziemlich cool. Ein Stern auf den Walk of Fame kann man für Aktivitäten aus fünf verschiedenen Kategorien erhalten, so dass eine Person theoretisch auch mehrere Sterne haben kann (Walt Disney haben wir zum Beispiel 2x gefunden). Ansonsten dachte ich aber immer, dass die Sterne „individueller“ sind – dem ist nicht so. Die wirklich eigenständige Note eines Stars findet sich in den signierten Betonplatten direkt vor dem Theatre, wo neben Hand- und Fußabdrücken (bzw. viel mehr Schuhabdrücken) auch diverse, handgeschriebene Weisheiten und Floskeln zu finden sind. Sogar R2D2 und C3PO aus Star Wars haben hier ihre unverwechselbaren Spuren hinterlassen. Später erfuhren wir während unserer Tour, dass im Rahmen der Oscar-Verleihung (bzw. der Vergabe der Academy Awards) 12 Millionen Dollar allein für diese eine Nacht ausgegeben werden, um den Boulevard optisch und sicherheitstechnisch adäquat herzurichten. Beeindruckend.

Gegen 09:35 Uhr begann dann unsere fast 80 Meilen lange Tour durch LA, die von unserem Fahrer Randy interessant und gut verständlich kommentiert wurde. Randy machte uns auf die diverse Gebäude aufmerksam, welche in bekannten Filmen genutzt wurden – z.B. das Appartment (bzw. Hotel) in dem Julia Roberts in „Pretty Woman“ wohnt und aus welchem sie über eine Feuerleiter von Richard Gere erretet wurde – die Leiter ist wirklich da und das Hotel zudem äußerst preiswert. Auch kannte sich unser Guide hervorragend mit den diversen Residenzen der lokalen Celebrities sowie der ihnen gehörenden Objekte aus, so dass man an der ein oder anderen Ecke schon sehr interessante Einblicke bekam. Das von Bernie Ecclestone als Hochzeitsgeschenk für seine Tochter erworbene Anwesen zum Beispiel trotz in seiner Größe und Opulenz jeglicher Beschreibung. Andere bekannte Highlights, wie z.B. das Playboy Mansion verstecken sich hinter einem massiven Tor, durch welches sich keine bzw. nur wenige Einblicke gewinnen lassen. Leider gilt diese Aussage für nahezu alle Objekten in den Nobelorten Bel Air, Beverly Hills bzw. zu einem gewissen Grad Hollywood. Dass die Gegend etwas vornehmer wird, merkt man neben den vielen Toren (die vermutlich den Zugang zu den allermeisten attraktiven Anwesen schon frühzeitig und gänzlich blockieren) daran, dass es keine Fußwege gibt. Mit dem Auto vorbei fahren ist daher (wo es denn überhaupt möglich ist) erlaubt, aber zu Fuß eine Erkundungstour starten ist nicht erwünscht. In jedem Fall sind die wohlhabenden Gemeinden um LA ein hervorragender Ort um das zu sehen, was mit normalsterblichen Mitteln einfach unerreichbar ist. Auffallend ist übrigens auch die Frequenz an Rolls Royce Limousinen, die ihre Besitzer standesgemäß in den noblen „Hideout“ bringen.

Von Bevery Hills aus ging es (rein geographisch betrachtet) wieder hinab ins beschauliche Santa Monica, genauer gesagt an die Santa Monica Pier. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei selbiger um eine hölzerne Seebrücke, die aber gigantische Dimensionen hat und sogar einen kleinen Vergnügungspark inkl. Achterbahn und Riesenrad beherbergt. Wie wir schnell feststellten, ist dies eine richtig nette Ecke der Metropolregion und auch die immensen Temperaturen lassen sich direkt am Meer bzw. über selbigem wesentlich besser aushalten. Auf unserer 30 Minuten langen Erkundungstour zu Fuß versuchten wir so viele Eindrücke wie möglich zu gewinnen und ließen es uns nicht nehmen für nur 3,50$ pro Stück ein „full organic“ Wassereis Geschmacksrichtung Erdbeere quasi zu verschlingen – sehr angenehm. Auffallend ist – wie scheinbar in ganz LA – der krasse Kontrast zwischen arm und reicht auf engstem Raum. Direkt auf dem Rasen vor hochpreisigen Eigenstumswohnungen schlafen Obdachlose .. mitten in der Sonne, völlig ungeschützt und sogar in ziemlich großer Anzahl. Ein in dieser Form ziemlich irritierender Anblick. (Anmerkung für Computerspieler: Die Pier entspricht dermaßen genau der Abbildung in GTA V, dass es einem fast die Sprache verschlägt. Sogar Dani war beeindruckt!)

Von Santa Monica (sehr hübsch) ging es weiter nach Venice Beach (weniger hübsch). Venice ist grundsätzlich so wie am Vortag schon beschrieben (tagsüber hübsch, nachts gefährlich), nur noch krasser als gedacht. Randy berichtete uns von eskalierender Bandengewalt und Schießereien – für uns Europäer ziemlich unvorstellbar und sicherlich für die ganze Gegend ein belastender Umstand. Ferner scheint Venice laut Randy die verrücktesten Typen aus aller Welt anzuziehen, was die Lebensqualität in diesem Gebiet vermutlich nicht eben steigert.

Nach der Durchfahrt dieses ambivalenten Gebiets ging es wieder steil bergauf – zum über der Stadt thronenden Griffith Observatory. Der Blick von selbigem auf das Hollywood-Sign und über die 17 Millionen Einwohner beherbergende Region insgesamt ist absolut beeindruckend und zugleich irritierend. Man sieht jede Menge Villen, pulsierende Verkehrsadern, gigantische Gebäudekomplexe und dazwischen karge Hänge, sandige Pfade und eine ziemlich stark vertrocknete Vegetation. Ausblick und Anblick bilden einen faszinierenden Mix, dem man sich vermutlich lange hingeben könnte, wenn man den ca. 40°C ohne jeglichen Schatten besser hätte trotzen können. Ganz schön heftig, aber auch sehr lohnenswert. Insbesondere die Vorstellungen in der Sternwarte sollen qualitativ überzeugen können – mal schauen, ob wir das noch ausprobieren können.

Nach dem vergleichsweise kurzen Halt über den Dächern von LA ging es – mittlerweile war fast 14:00 Uhr – endlich zum Lunch am Farmers Market. Selbiger soll über 100 Möglichkeiten der Nahrungsaufnahme bieten und an die beste Mall der Region angrenzen (so Randy). Tatsächlich fühlten wir uns stark an den großen Basar in Istanbul in amerikanischer Machart erinnert. Schmale Gassen, wenig Durchlüftung, viele kleine Buden .. zumindest an diesem Tag nicht ideal. Wir entschieden uns für ein paar klimatisierte Plätze in einem pseudo-deutschen (bayrischen) Biergarten. Die Qualität der Speisen war überragend, der Preis in Ordnung, der Service für amerikanische Verhältnisse schlecht und die Musik gänzlich ungewohnt – es lief Antenne Bayern im Livestream. Dennoch war die Mahlzeit lange überfällig und half ideal dabei wieder ein wenig abzukühlen.

Eine Stunde später steuerte unser Bus auf die letzte Station des Tages zu – den berühmten Rodeo Drive. Selbiger hält aus meiner Sicht exakt alles ein, was er verspricht. Sehr viele hochklassige Läden (jeweils deutlich größer als in anderen Einkaufsstraßen dieser Art die ich kenne), immens viele hübsche Menschen, relativ viele teure Autos. Leider haben wir weder einen Star, noch ein richtiges automobiles Highlight gesehen – Porsche 911 und Bentley reißen ja mittlerweile niemanden mehr vom Hocker 😉 Insgesamt hat uns diese Gegend wirklich gut gefallen .. Spazieren gehen, ein überteuertes Eis essen und People Watching betreiben – am Rodeo Drive kann man es mit ein wenig Freizeit sicher richtig gut gehen lassen.

Gegen 16:00 Uhr waren wir dann wieder am Auto, um 20$ Parkgebühren ärmer und nun wieder auf eigene Faust unterwegs. Während der Tour hatten wir uns die Namen einiger netter Ecken notiert, so dass wir nun mittels OpenStreetMap-Material auf unserem Garmin Oregon in Kombination mit unserem Garmin Nüvi nochmals einige Luxusecken ansteuerten. Dabei lenkten wir den Mustang bevorzugt über relativ kleine, kurvige Straßen quer durch die Hollywood-Hills, in denen auch erstaunlich viele „normale“ Häuser stehen. Wirklich exklusiv wird es hier wohl nur in den Stichstraßen, die man in der Regel nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil befahren kann. Trotzdem ist es sehr spannend sich diesen Aspekt von Hollywood auf diese Weise zu erschließen – zudem ist der Fahrtwind im Cabrio in Kombination mit der Klima wesentlich entspannter als ein Spaziergang. Auf diese Weise legten wir rund 60km zurück, schossen das ein oder andere spannende Foto und trotzen der Hitze. Am Ende noch ein kurzer Zwischenstopp im Ralph’s um für das Abendessen einzukaufen (Schwarzbrot oder was auch immer genau das dunkle Weißbrot darstellen soll für 4,99$) und schon war Tag 2 in Kalifornien so gut wie beendet. Den Ausklang dieses ereignisreichen Teils unserer Rundtour stellte eine exzessive Nutzung des hauseigenen Pools dar. Dieser ist mit ca. 25°C sehr angenehm temperiert, außergewöhnlich sauber und vor allem riesig. Ich bin kein Experte für das Schätzen von Dimensionen, aber ich würde auf ungefähr 20x7m tippen – ziemlich beeindruckend. Die Unterwasserbeleuchtung sorgt insbesondere bei Dunkelheit für eine stimmige Atmosphäre, denn Sternegucken in LA, während man auf dem Rücken durch den Pool schwimmt, ist schon wirklich cool.

Morgen werden wir dann die Warner Bros. Studiotour besuchen und uns danach vermutlich eine kühle Mall suchen. Gerüchteweise soll es erst am Wochenende milder werden – nach den kühlen Azoren und dem Kälteeinbruch in Florida haben wir jetzt also das krasse Gegenteil erwischt. Abwechslung schadet bekanntlich nicht 😉

Kalifornien Tag 1: Anreise & Marina del Ray

Eigentlich müsste ich unseren ersten Reisebericht zu unserer Kalifornien-Tour ja Tag 0, dem Montag davor beginnen. Warum? Weil die Piloten der Lufthansa bzw. die Vereinigung Cockpit gegen 08:00 Uhr diesen schönen Tages weitreichende Streiks auf allen Langstreckenverbindungen für Dienstag aus Deutschland von 08:00 bis 23:59 Uhr heraus bekannt gegeben hat. Timing: 10/10.

Da ich am Montag zugleich meinen letzten Arbeitstag vor unserer Auszeit hatte, begann die Woche also perfekt. Gern hätte ich in diesem Moment auch einfach gestreikt, denn mittlerweile kann einem das Verständnis für den doch stark gebeutelten Berufsstand des Piloten bzw. seine wortführenden Vertreter ja bisweilen abhanden kommen. Ging aber nicht, denn leider (?) verfüge ich nicht über die Möglichkeiten meine Arbeit einfach so konsequenzlos zu unterbrechen. Also begann der Tag für Dani mit ein paar erheiternden Telefonaten. Grundsätzlich kann die Hotline erstmal gar nicht aktiv werden, so lang kein Streik seitens der Lufthansa angekündigt wird. Das war immerhin kurz vor 10:00 Uhr schon der Fall. Dann wiederum riet man uns zu warten – mindestens so lange, bis der Sonderflugplan bekannt gegeben würde. Schließlich seien ja am 08.09.2015 drei Verbindungen nach LA geplant und die Lufthansa sei schon bestrebt, diese durchzuführen.

Schon gegen 15:00 Uhr war der Plan bekannt und es stand fest: Dank freiwillig arbeitender Crews und ziemlich viel Glück waren wir auf genau den einen Flug gen Los Angeles gebucht, der tatsächlich planmäßig stattfinden sollte. Also Sachen zu Ende gepackt, Taxi bestellt, aufgeregt versucht ein paar Stunden Schlaf zu finden .. das übliche halt. Da ich quasi bis ganz kurz vor Urlaubsbeginn noch allerhand um die Ohren hatte, freute ich mich riesig auf den erholsamen Flug. 12h nix anderes tun, als Wolken anzustarren, Filme zu gucken und Entspannungsmusik zu hören. Zu unserem Glück kam es genau so.

Der Transfer zum Flughafen klappte super, an der Gepäckabgabe und an der Security war nix los und der Rest der Wartezeit verging sozusagen rasant. Zwar war das Personal am Flughafen an diesem Tag alles andere als freundlich, aber die Prozesse liefen wie am Schnürchen. Zwei Obstschalen, vier Beutel Cracker, „Terminator Genesys“, „Furious 7“ und „San Andreas“ später (nur zur Sicherheit: also drei Kinofilme später) setzten wir in LA auf – oder besser stellten wir ziemlich unsanft Kontakt mit dem Boden her. Ansonsten war unsere erste Erfahrung mit der A380 – auch in der Economy – super. Relativ viel Platz, alles sehr modern, insbesondere im Upper Deck bei Weitem nicht so ein Gewusel wie man es sonst gewohnt ist und enorm freundliche Flugbegleiter. Es gab ständig Getränke und Snacks und man hatte wirklich das Gefühl, dass sich die Airline um ein kundenorientiertes Auftreten bemühte. Ganz großer Daumen nach oben! Auch der Komfort ist mit relativ (!) angenehmer Beinfreiheit, einstellbaren Kopfstützen und einem eigenen Ablagefach zwischen Sitz und Fenster ziemlich gut. Klar, eine Fußstütze wäre toll und eine schlaftaugliche Position findet die Mehrheit der Passagiere wohl dennoch erst in der Business Class. Schade war übrigens das die Darstellung zum Flugverlauf nicht funktionierte, dafür wurden wir auf den beeindruckenden Überflug von Las Vegas „manuell“ vom Piloten aufmerksam gemacht.

Im Flughafengebäude angekommen verlief die Immigration wie auch die letzten Male super. Dank „ESTA 2nd Timer“ konnten wir die automatisierten Kontrollterminals benutzen, denen im Anschluss nur noch eine kurze persönliche Kontrolle durch einen Beamten folgt. Das ging fix, war wie immer freundlich und professionell und verlief ohne den kleinsten Anlass zu einer Beschwerde. Weniger prickelnd war die fast 45 Minuten lange Wartezeit auf unsere Koffer – es gibt halt immer Ups und Downs. Durch den Zoll durften wir dieses Mal sogar gänzlich ohne Interview, so dass wir uns sofort in Richtung Mietwagen weiter orientieren konnten. Nach den mittlerweile wiederholt eher weniger begeisternden Erfahrungen mit Hertz entschieden wir uns dieses Mal für Sixt – was in LA so seine Tücken hat. Denn wie alle (?) anderen Vermieter auch, muss man vom Terminal aus mit einem Shuttlebus zur Mietstation fahren. Diese soll „nur 3 Minuten“ vom Flughafen entfernt in einem Hotel liegen .. drei Minuten können ganz schön lang sein. Denn anders als Enterprise, Alamo & Hertz hat Sixt kein eigenes Shuttle („We are working on it“), sondern man muss mit einem Hotelshuttle fahren. Auf dieses mussten wir in relativ warmer Kleidung bei absolut betrachtet sehr warmen 29°C mehr als 30 Minuten warten. Nicht cool.

Bei Sixt angekommen dann wiederum alles besser als erwartet: Freundliche und kundenorientierte Mitarbeiter, die sogar autoaffin sind. Da der in Aussicht gestellte Camaro dann aber doch weitere 20 Minuten Verzögerung für eine Aufbereitung bedeutet hätte, entschieden wir uns (wie im Vorjahr) für ein Mustang Convertible. Natürlich das neue Modell und natürlich ein Sechszylinder. Das der Wagen wieder silber ist hat den netten Effekt, dass die Fotos fast wie während des Florida-Trips entstanden wirken 😉 Tatsächlich tat ich mich mit der Entscheidung gegen den Camaro ziemlich schwer, doch mit Hinblick auf unser Gespräch und die insgesamt neun Ortswechsel stellt der Mustang schon eine ziemlich nette und frisch modernisierte Option dar. Das heißt dennoch nicht, das eine Gewöhnungsphase an den amerikanischen Verkehr und die vergrößernden Außenspiegeln entfallen kann 😉

Da die wirklich nützliche Stauvorhersage-Funktion von Google Maps und auf geschliffene Weise sagte „Ihr könnt um 15:30 Uhr losfahren und 2,5h brauchen oder um 19:00 losfahren und weniger als 1h benötigen“ und wir unseren Reiseplan sowieso leicht umgestellt hatten, beschlossen wir den Besuch in Marina del Ray drastisch vorzuziehen. Also rein in den Mietwagen, raus auf die Straßen und schon nach 8 Kilometern und 0 Stau wieder stoppen. Klamottenwechsel, Eheringe kurz verlegen, Kamera an, Sonnenbrille auf und los geht es. An Hand eines vielversprechenden Routenplans wollten wir uns einige Stunden in MDR (wie Marina del Ray hier häufig abgekürzt wird) vertreiben und auch dem legendären Venice Beach einen Besuch abstatten.

Nun folgte wieder so ein Down: Marina del Ray ist zwar riesig, aber deshalb nicht zwangsläufig auch schön. Man kann zwar endlos viele Yachten bestaunen, doch Quantität geht hier doch eher vor Qualität, was den geneigten „Boat-Spotter“ natürlich nicht vom Hocker reißt. Dennoch schlenderten wir an zwei Basins entlang und konnten neben einem Maybach 57 auch die ein oder andere schwimmende Perle entdecken. Danach wurde es Zeit für eine Nahrungsaufnahme, deren Einordnung allerdings etwas schwer fällt (16:00 Uhr Ortszeit entspricht 01:00 Uhr gefühlter Zeit .. gar nicht so einfach). Unsere Wahl fiel auf die durchaus empfehlenswerte Cheesecake Factory, die von einem relativ gemischten, tendenziell leicht gehobenen Publikum frequentiert wird. Ein Caesars Salad nach amerikanischer Art, Pommes und einen grandiosen Käsekuchen mit frischen Erdbeeren später ging es uns besser. Zwar kam die Müdigkeit beim Sitzen bereits etwas durch, doch das Essen gab uns neue Kraft.

So brachen wir zur Erkundung der kleinen Kanäle an der Grenze zwischen Marina del Ray und Venice Beach auf und was soll ich sagen: Ein echtes Highlight. Kleine Brücken, schmale Gassen, luxoriöse Bauten unterschiedlichster Stile und wenige Berührungsängste .. der Spaziergang durch dieses Kleinod hat richtig Spaß gemacht. Der Stil ist wie gesagt sehr gemischt und lässt sich meiner Meinung nach als moderne Kreuzung des verspielten Stils aus St. Augustine und der eher extrovertierten Art Deko Gebäude in Miami beschreiben. Richtig cool und vielleicht ein kleiner Geheimtipp .. während unseres Besuchs haben wir jedenfalls gleich drei Fotoshootings gesehen. Natürlich sind auch die Kanäle von der aktuellen Dürre in Kalifornien betroffen – Ertrinken kann hier derzeit jedenfalls niemand 😉

Je mehr man sich dem Strand nähert (das sind nur 1-2 Blöcke) desto stärker scheint der Lebensstandard zu sinken. Pompöse Konstruktionen aus Marmor, Glas und Eisen weichen klassischen Betonklötzen mit nur sehr bedingt attraktivem Vorgarten. Die Straßen werden schmutziger, die Gassen dunkler .. wenn man das gesehen hat, weiß man denke ich, warum ein Besuch von Venice Beach am Abend als eher nicht empfehlenswert gilt. Tagsüber geht man natürlich einfach weiter und findet sich wenige Minuten später am Strand wieder. Selbiger ist extrem imposant – fast wie in Miami Beach. Endlos lang, fast genauso breit, sehr fein, durchzogen von Life Guard Hütten (nicht ganz so ausgefallene wie in Miami) und permanent unter dem Einfluss von großen Wellen stehend. Venice ist Beach Life pur und bietet mindestens so viel „People Watching“ (auch bekannt als Sehen & Gesehen werden) wie Miami .. ziemlich beeindruckend, so viele so körperbewusste Menschen auf einem Fleck zu sehen. Spätestens im Vergleich mit dem Besuch eines deutschen Freibads möchte man sofort an der Green Card Lotterie teilnehmen 😉

Cool ist übrigens auch die Möglichkeit nach einem anstrengenden Spaziergang durch den Sand über den geteerten und relativ gepflegten Boardwalk den Rückweg zu bestreiten. Selbiger bietet sehr beeindruckende Sichtachsen, die in GTA übrigens perfekt nachgebildet wurden .. als Computerspieler oder interessierter ITler kann man sich ein Schmunzeln hier nicht verkneifen.

Nach unserem ziemlich ausgedehnten Spaziergang (ca. 11km) legten wir noch einen Stopp bei „Ralphs“ ein (bei uns würde man ihn wohl REWE nennen, allerdings ohne das ein Hubschrauber auf dem Dach daneben landet – so bei uns geschehen) und setzten dann Kurs gen Unterbringung. Der Verkehr war mittlerweile relativ human, so dass wir die rund 35km einigermaßen (!) problemlos zurücklegen konnten. Dennoch ist die Orientierung im amerikanischen Verkehr einer Großstadt mit entsprechend nur bedingt rücksichtsvollen Verkehrsteilnehmern noch dazu im Dunkeln nicht gänzlich trivial. Wir haben es trotzdem hinbekommen. Enorm bemerkenswert war der extreme Temperaturanstieg, nachdem wir die Hollywood Hills passiert hatten. Während wir Marina del Ray bei entspannten 26°C verließen, kamen wir in North Hollywood bei weniger komfortablen 35°C (gegen 20:00 Uhr abends) an. Heftig. Blöd war dann auch, dass wir unsere Gastgeber (Buchung via Airbnb als Prämerie) nicht auffinden konnten – außer ein paar beleuchteten Fenstern und einem bellenden Hund war nichts zu machen. Ohne hier zu sehr ins Detail gehen zu wollen, aber nach 23h auf den Beinen ist das nicht unbedingt das, was man braucht. Wenigstens wissen wir jetzt, dass man unter den genannten Bedingungen schlecht bis gar nicht im Mustang schlafen kann – nur, falls das mal jemand probieren sollte.

Letztendlich wurde nach einer halben Stunde Warten aber alles gut .. sagen wir einfach, es gab ein Missverständnis. Jetzt sitze ich hier, frisch geduscht, am eiskalten Pool, bei 35°C um 22:00 Uhr Ortszeit (07:00 Uhr biologischer Zeit) und beende diese Zeilen. Morgen geht es gegen 08:00 Uhr zu unserer geführten Tour durch LA (Beifahren macht auch mal Spaß), auf die ich schon sehr gespannt bin. Bis jetzt würde ich sagen, dass wir einen weiteren verrückten, lauten, stickigen, aber einmaligen Flecken Erde entdeckt haben .. mal sehen, wie sich die Impressionen diesbezüglich weiterentwickeln.

Für etwaige Qualitätsmängel in diesem Beitrag, wie in allen folgenden, entschuldige ich mich. In der Projektsprache würden wir sozusagen von einer hohen Agilität und zeitnahen Arbeitsergebnissen sprechen 😉

Viva Las Vegas

Ein kleiner Teaser zur Eröffnung..
Ein kleiner Teaser zur Eröffnung..

Las Vegas zählt sicherlich zu jenen Orten auf der Welt, zu denen fast jeder Mensch eine Vielzahl von Assoziationen hat. Durch Kinofilme, Erzählungen sowie in diversen Songs wird das Bild „Stadt der Sünde“ auf unterschiedlichste Art gezeichnet und verbreitet .. und so beginnt man sich zu fragen: Was ist eigentlich dran? Durch eine ausgesprochen positive Begebenheit in Form einer Dienstreise mit Unterhaltungsanteil kann ich an dieser Stelle glücklicherweise berichten: Eine ganze Menge!

Doch der Reihe nach .. das neue Jahr war erst 10 Tage alt, als das erste Abenteuer 2015 begann – mein Kurztrip nach Las Vegas. Von Frankfurt aus sollte es via Direktflug mit Condor in rund 12h in die Wüsten-Metropole gehen, in der ich zusammen mit zwei Kollegen vier Tage verbringen durfte. Die Vorzeichen standen dabei recht gut, durften wir uns doch im ziemlich bekannten Caesars Palace einquartieren (als ich die Buchungsbestätigung erhalten habe, habe ich erstmal Google Maps aufgerufen um zu schauen, wo das Hotel überhaupt liegt..), während die von uns besuchte Veranstaltung – also das eigentliche Hauptziel unserer Reise – im Venetian stattfinden würde. Leider brachte ich aus dem Weihnachtsurlaub eine ziemlich lästige Erkältung mit, weshalb bis ganz kurz vor Abflug nicht klar war, ob ich denn überhaupt die lange Reise antreten konnte. Aber dann war es plötzlich Sonntag Morgen, der TTRS schlummerte neben einem Ferrari 458 im Business Parking Bereich des Frankfurter Flughafens und ich fand mich nach einer ziemlich langen Wartezeit an den zwei Security-Schaltern am Gate in Richtung Westküste wieder. Die letzten Minuten vor Beginn des Boardings vergingen rasch und schneller als erwartet fanden wir uns auf unseren „Premium-Sitzplätzen“ in der letzten Reihe des Fliegers wieder (und nein, die Business Klasse ist bei Condor nicht ganz hinten, sondern wie in jedem Flugzeug ganz vorn ;-)). In weiser Voraussicht hatte mein Kollege die Sitzplatzreservierungen so gewählt, dass „der Flügel unsere Sicht auf gar keinen Fall stören würde“. Stimmt, tat er nicht. Dafür war lange Zeit nicht so ganz klar, ob wir in einem U-Boot, oder doch einem Airbus saßen. Dieser Eindruck wurde beim Start nicht eben besser, da der Übergang von Rollen zu Fliegen bedingt durch die starken Winde hinsichtlich der „Holprigkeits-Levels“ recht fließend war .. es ging also lustig los 😉

Wie bei jedem „Langstreckenflug“ begann nun der langweilige Teil und mit Hinblick auf Reiserichtung und Zeitverschiebung galt es wach zu bleiben. Eifrig genoss ich also das In-Seat Entertainment-Programm (doof, dass ich die meisten Inhalte davon keine acht Wochen zuvor während unserer Florida-Reise bereits geschaut hatte) und hoffte, dass die 12h Reisezeit schnell vergehen würden. Das klappte generell auch ziemlich gut, mit der kleinen Ausnahme, dass ein Teilnehmer eines Junggesellenabschieds ca. sechs Reihen vor uns seinen Mageninhalt großflächig über die gesamte Reihe verteilte und den Rest mittels eines kleinen Becherchens, dass er während des Vorgangs der reversiblen Nahrungsaufnahme als Auffangbehälter nutzte, auch noch auf dem Gang in Richtung Waschraum verstreute. Nicht schön. In Folge dessen roch es eine ganze Weile lang nach unglaublich süßlichem Parfüm und die Gäste der nun nicht mehr benutzbaren Plätze standen den restlichen Flug über rum .. auch irgendwie doof. Irgendwann setzten wir dann aber doch zur Landung an und wurden *Trommelwirbel* mit Regen empfangen. Im Ernst .. grauer Himmel und schönster Nieselregen, der die Bedingungen beim Abflug fast noch unterbot. In Kombination mit der dichten Wolkendecke blieb uns also zumindest ein beeindruckender Anflug über den Strip erspart, den wir bedingt durch unsere außergewöhnlich guten Sitzplätze sowieso nur sehr eingeschränkt hätten genießen können 😉 Also raus aus dem Flieger, einmal kurz durch den McCarran Airport spaziert und eine kurze Wartezeit an der Immigration später (selbige war übrigens sehr viel freundlicher als in Florida) befanden wir uns auf amerikanischem Boden. Hat sich gut angefühlt 🙂

Las Vegas, 14:00 Uhr, der Himmel grau, das Haar sitzt
Las Vegas, 14:00 Uhr, der Himmel grau, das Haar sitzt

Am Taxistand des Flughafens dann das mehr oder weniger bekannte Bild: Vergleichsweise alte Autos, graue Parkhäuser, dunkler Himmel .. aber irgendwo am Horizont ein paar blinkende Fassaden. Als die Fahrt begann, stellte sich augenblicklich ein Gefühl ein, das sinnbildlich für die gesamte Reise nach Las Vegas gelten kann: Reizüberflutung. Nicht nur, dass man sich im Taxi kaum vor Flyern retten konnte, unter dem Dachhimmel des über 250.000 Meilen alten Fahrzeugs war ein Monitor montiert, auf dem – wahlweise auf Chinesisch oder Englisch – für lokale Restaurants und Special Offers in den hiesigen Ressorts geworben wurde; schrill, bunt und natürlich in einer Endlosschleife. Durch den zähen Verkehr hindurch näherten wir uns jedoch stetig den immer größer werdenden „Wahrzeichen“ der Stadt an. Das allgemeine vertraute Bild von Hotels bzw. Casinos wie dem MGM Grand, dem Luxor und später auch dem Paris, Planet Hollywood, Bellagio und natürlich dem Caesars Palace wurde immer größer und plötzlich waren wir mitten drin. Wer noch nie in Las Vegas war,  wird vermutlich – genau wie wir – enorm überrascht von den nahezu unvorstellbaren Dimensionen des Strips sein. Insbesondere die bekanntesten Hotels sind einfach so riesig, dass man spontan nicht glauben will, dass all diese verteilten Gebäude und Ableger dazu gehören. Ein Hochhaus steht hier neben dem anderen, alle individuell in der Gestaltung, überall prangen riesige Videowände und von jeder Seite aus hört man irgendwo laute Musik, werbetreibende Promotor oder hupende Autos. Wahnsinn. Es begann bereits langsam zu Dämmern, als wir endlich vor dem Caesars ausstiegen und wenige Meter später, bei der Ankunft in der Lobby, ein weiteres Mal sprachlos waren. Ich weiß, dass es plump (vielleicht sogar kitschig klingt), aber der Eingangsbereich des Ressorts war einfach so viel größer, pompöser, detaillverliebter und beeindruckender, als ich mir das jemals hätte vorstellen können. Beeindruckend war dann übrigens auch die Zeit, die der Concierge benötigte, um uns drei einzuchecken, mit einem Zimmer Upgrade zu versorgen und drei Räume zu finden, die möglichst nah beieinander lagen. Glücklicherweise hatte er irgendwann Erfolg und überreichte uns mit einem breiten Grinsen die Key Cards zu unseren Zimmern, gefolgt von einer abermals überraschend komplizierten Erklärung, wie wir denn nun zum Forum Tower gelangen würden.

Eingangsbereich des Caesars - bedarf keiner weiteren Worte
Eingangsbereich des Caesars – bedarf keiner weiteren Worte

Der geneigte Leser ahnt es bereits: Es war ein weiteres Mal Zeit für ein „Wow, SO habe ich mir das nie vorgestellt“-Erlebnis. Um zu unseren Unterkünften zu gelangen, mussten wir nämlich einen recht großen Teil des Komplexes durchqueren und passierten so bereits viele der Pokertische, Craps-Tische, Roulette-Stationen und Spielautomaten, bevor wir an mehreren Restaurants und Shops vorbeischlenderten, um dann endlich an einer Batterie von Aufzügen anzukommen. Der gesamte von uns bis dahin durchquerte Bereich wirkte dabei sehr edel, sauber und pompös, wandelte man doch über Teppich, an Säulen und jeder Menge Marmor vorbei. Rasch brachte uns einer der Aufzüge in den 21. Stock, wo unsere Premium-Zimmer auf uns warteten. Wir hatten (mittlerweile) große Erwartungen, die nicht enttäuscht wurden: Direkt vom Bett aus konnte man auf den Strip schauen, der bereits in allen erdenklichen Farben blinkte und blitzte. An den bodentiefen Fenstern stehend, fühlte man sich dem Abgrund in Form des Parkplatzes sehr nah und immer mal wieder vergegenwärtigte eine anbrandende Windböe, in welch exponierter Lage bzw. Höhe man sich befand. Auch sonst ließ das Zimmer keine Wünsche offen, war es doch relativ modern eingerichtet, groß, sauber, angenehm klimatisiert und grenzte an ein Bad, welches nicht nur eine überdimensionale Dusche sondern (natürlich) auch einen sehr großen Whirlpool bot. Ja, Vegas ist schon ganz schön cool 😉

Man hat schon schlechter residiert .. hinter diesen Vorhängen wartet der tolle Ausblick
Man hat schon schlechter residiert .. hinter diesen Vorhängen wartet der tolle Ausblick

Auch (oder gerade) wenn der Tag schon recht lang war, wurde es nun jedoch Zeit für etwas Bewegung und vor allem eine vernünftige Nahrungsaufnahme – die Verpflegung im Flugzeug war (wie nicht anders zu erwarten) eher minimalistisch. In frischen Klamotten trafen wir uns also am Fahrstuhl, fuhren erneut in das relativ verwirrend angelegte Erdgeschoss und bahnten uns unseren Weg in Richtung Ausgang. Dort angekommen, benötigten wir erneut einen kurzen Moment um all die Eindrücke zu verarbeiten, denn der überdachte Ankunftsbereich des Ressorts mit den zahlreich wartenden Stretch-Limousinen ist ebenfalls nicht gerade alltäglich. Mittlerweile hatte der Strip bereits jene Farben angenommen, die man meist mit dem Wort „Las Vegas“ assoziiert: Dunkler Himmel und sonst alle Variationen die der Regenbogen hergibt – Hauptsache hell und nicht zu übersehen. Über diverse (abgeschaltete) Rolltreppen steuerten wir langsam in Richtung Hard Rock Cafe, welches rund eine Meile südlich am South Las Vegas Boulevard („Strip“ klingt cooler, oder?) auf uns wartete. Es war ein toller Spaziergang, obgleich die lokale Infrastruktur auf Regen offensichtlich nicht so gut reagiert, selbst wenn dieser schon wieder seit geraumer Zeit aufgehört hat. Bei ca. 15°C nutzten wir die Gelegenheit weitere Eindrücke von Vegas zu sammeln und erhaschten bereits einen ersten Blick auf die berühmten Fontänen vor dem Bellagio – ein absolutes Highlight -, das neue City Center und das Paris mit seinem unmöglich zu übersehenden Ballon und der Eifelturm-Replik im etwas verkleinerten Format. Dabei ist es gar nicht so einfach stets auf dem richtigen Pfad zu bleiben, geht es doch fortwährend über Rolltreppen nach oben und unten, um die großen, teilweise 12 spurigen Kreuzungen zu überqueren.

In Las Vegas ist alles etwas größer
In Las Vegas ist alles etwas größer

Nachdem wir mehrere, riesige Videowände und einen gigantischen Harley Davidson Händler passiert hatten, war es dann soweit – Ankunft im Hard Rock Cafe. Hier erlebten wir ein weiteres Mal typisch amerikanischen Service: Eine Mitarbeiterin hieß uns willkommen und fragte nach den Präferenzen hinsichtlich des Sitzplatzes, eine weitere Dame führte uns zu einer Fotowand und bot uns an Erinnerungsbilder zu schießen und schon die dritte Ansprechpartnerin des Tages brachte uns zu unseren Plätzen, wo der vierte Mitarbeiter sich uns vorstellte und die Bestellung aufnahm. Ja, so fühlen sich viele Menschen gebraucht 😉 Das Essen und die Atmosphäre im HRC waren wie gewohnt absolut exzellent – insbesondere nach dem langen Flug tat eine warme, vollwertige Mahlzeit doch sehr gut. Spätestens während des Rückwegs zum Hotel übermannte uns die Müdigkeit zusehends, so dass wir das Wasserspiel vor dem Bellagio nur bedingt genießen konnten. Wieder im Caesars angekommen verabschiedeten wir uns voneinander und ich versuchte die letzten Minuten vor dem dringend benötigten Schlaf mit einem Bad im Whirlpool nochmals so lang wie möglich auszudehnen – der ausbleibende Jetlag würde es mir danken. Als ich jedoch feststellen musste, dass ich für den Versuch eine einzige Seite c’t zu lesen fünf Anläufe brauchte, wurde es endgültig Zeit zu schlafen – gegen 20:00 Uhr Ortszeit begann der Strip so richtig zu pulsieren, während mein erster Tag in Las Vegas ging zu Ende.

Da will man eigentlich gar nicht schlafen, oder?
Da will man eigentlich gar nicht schlafen, oder?

Der nächste Morgen begann nach einer ziemlich erholsamen Nacht (glücklicherweise gelang es mir bis 05:00 Uhr durchzuschlafen) und einem grandiosen Ausblick aus dem Hotelzimmer (ich glaube, den werde ich so schnell nicht vergessen) erneut mit der Herausforderung „Nahrungssuche“. Frühstück zu kriegen ist in Las Vegas nämlich gar nicht so einfach wie man meinen würde – zumindest nicht, wenn man die horrenden Kosten für den Zimmerservice meiden möchte (Croissant: 14$; Schale mit Früchten: 22$, Servicegebühr 6$ usw.).

Der Blick aus dem Fenster
Der Blick aus dem Fenster

Zum Glück mussten wir einfach nur dem Strom der Menschen durch die Lobby folgen, um zur (scheinbar einzigen) validen Nahrungsquelle zu gelangen .. einer Art Take Away Restaurant (eher eine Take Away Theke) die von Crepes über Eis bishin zu Burgern nahezu alles anbot bzw. frisch zubereitete. Für nur ca. 15$ gab es eine heiße Schokolade und einen (ziemlichen kleinen) Crepes – nicht billig, aber durchaus lecker. Weniger stilecht waren die Plastikstühle, auf denen wir unsere Mahlzeit zu uns nahmen .. ich bin mir sicher, dass diese gestern noch Tüten im Supermarkt waren 😉

Unechtes aber stilechtes Besteck
Unechtes aber stilechtes Besteck

Nach dem erfolgreichen Start in den Tag wurde es Zeit die Registrierung für unsere Veranstaltung abzuschließen, weshalb wir uns bei schönster Morgensonne in Richtung des Venetians begaben. Las Vegas bei Tag ist noch einmal etwas ganz anderes als Las Vegas bei Nacht (zugegeben: etwas weniger imposant, aber dennoch sehenswert) und bietet – unabhängig von der Tageszeit – sehr viele optische und akustische Reize. überall Musik, an jeder Ecke verkleidete Menschen (Transformers lagen zur Zeit unserer Reise scheinbar schwer im Trend) und alle paar Meter Werber, die Flyer bzw. Visitenkarten abzugeben hatten (primär zur Vermittlung von Kontakten für einsame Menschen). Schon eine ziemliche Flut von Impressionen, wenn es noch nicht mal 10 Uhr morgens ist.. Trotzdem kamen wir unserem Ziel, welches vom Hotelzimmer aus betrachtet wesentlich näher wirkte – stetig näher und standen nach einigen Minute vor dem Venetian – einem riesigen, über 7000 Zimmer großen Ressort mit sehr großem Casino-Bereich und einer unglaublich pompösen Szenerie. Wie wir in den nächsten Tagen bei mehreren Besuchen feststellen konnten, ist das Venetian mit seinen Kanälen, den singenden Gondolirie und der Interpretation des Markusplatzes wirklich extrem beeindruckend.

Jede Ecke, jedes noch so kleine Detail wirkt hochwertig, verspielt, gepflegt .. in Summe einfach überzeugend. Das Venetian vermittelt das Flair eines (kleinen) perfekten Venedigs mindestens so gut, wie das Caesars den Eindruck eines römischen Palastes imitiert. Wie wir im Laufe unseres Aufenthalts weiterhin feststellen konnten, verfügt das Venetian neben einem sehr ansprechenden, großen Casino-Bereich auch über unvorstellbar geräumige Optionen um Veranstaltungen auszurichten. Ernsthaft, allein der Ballsaal, in welchem die Mahlzeiten während des Events gereicht wurden, war unbeschreiblich groß. Die Dimensionen sind vielleicht noch am besten mit denen einer (einigermaßen) hübschen Messehalle vergleichbar – absolut beeindruckend. Die Hauptveranstaltung selbst fand ebenfalls in einem Messehalle-ähnlichen „Raum“ statt – bestuhlt für über 4000 Personen und mit nicht weniger als (glaub ich) fünf Leinwänden ausgestattet. Oft fühlte ich mich eher an ein Konzert, als an einen Kongress erinnert. Während unserer Woche in Las Vegas habe ich mich übrigens einmal derart im Inneren des Venetian verlaufen, dass ich einfach immer den Schildern in Richtung Ausgang folgen und mich dann von dort neu orientieren musste .. zum Glück hat diese Notfallübung gut funktioniert und ich konnte meine Kollegen in nur 30 Minuten wiederfinden.

Ein schöner Ort zum Verlaufen
Ein schöner Ort zum Verlaufen

Fast unmittelbar gegenüber des Venetian Resort Hotels befindet sich der Eingang zu dem „The Forum Shops at Caesars“ – einer Shopping-Mall, die nach einigen hundert Metern in den Casino- und Hotelbereich übergeht. Was hier so banal klingt, ist ein unglaublich großer Komplex, der es einem im Prinzip erlaubt, mehrere hundert Meter am Strip entlang überdacht zurückzulegen – vom Venetian, über die Shops, das Caesars, bis ins Bellagio. Die Shops selbst sind natürlich – wie fast alles in Las Vegas – sehr pompös angelegt. Das geht bei den üppigen Dimensionen los, zieht sich über die berühmten, runden Rolltreppen und mündet in einer Vielzahl hochpreisiger Shops, die sich sehr edel und auserlesen präsentieren. Ernsthaft, ich denke die preiswerteste Option Kleidung im Caesars zu kaufen dürfte H&M sein – danach folgt vermutlich eine lange Weile nichts und dann nach Guess & co die üblichen Luxusmarken ala Louis Vuitton. Überhaupt gibt es in Las Vegas gefühlt alle 500m einen LV-Shop – die vielen, noch verpackten Taschen des beliebten Herstellers, die beim Rückflug im Flieger zu bewundern waren, lassen allerdings darauf schließen, dass durchaus genügend ernsthafte Interessenten zugegen sind 😉 Natürlich wird auch das Einkaufen im Caesars als Erlebnis zelebriert, was sich zum Beispiel in einem großen Aquarium, einer beeindruckenden Licht / Feuershow zum Thema Atlantis und einer abermals extrem gepflegt wirkenden Szenerie manifestiert. Ernsthaft, an der Interpretation des Trevi-Brunnens zu stehen, bei leicht schummriger Beleuchtung und unter einem vom (nicht realen) Sonnenuntergang lila gefärbtem Himmel, der sich in dem perfekt schwarz glänzenden Marmorboden reflektiert, fühlt sich in der Tat nach der idealen Vorstellung eines Frühlingsabends in Italien an. Überhaupt wirken viele der Orte in Las Vegas wie aus einem (wirklich sehr sehr guten) Themenpark und weniger wie aus der realen Welt.

Abendstimmung (nachmittags) im Caesars

Etwas realer, aber immer noch sehr außergewöhnlich fühlt sich ein Besuch im berühmten Bellagio an. Während das Venetian und das Caesars bereits sehr edel wirken, befindet sich das Bellagio nochmals auf einem etwas höheren Level (wobei ich mich hier auf die öffentlichen Bereiche und nicht die Zimmer beziehe). Der Casino-Bereich ist so riesig, dass man an jeder Kreuzung denkt „Was? Hier geht es auch noch weiter?“. Alles wirkt sehr sauber, sehr aufgeräumt und einladend – eben so, wie man sich das vor einem Besuch auch vorstellen würde. Die Lobby ist ebenfalls sehr pompös und eines der beliebtesten Fotomotive – ebenso wie der chinesische Garten, der sich direkt anschließt. Während unseres Besuchs wurde hier – sehr zur Atmosphäre passende – Live-Musik gespielt. Wäre der Bereich nicht so überlaufen, könnte der chinesische Garten womöglich sogar ein Ort der Ruhe sein. So bleiben die Gondoliere im Venetian als beeindruckendere Klangerfahrung im Gedächtnis. Das absolute Highlight des Bellagios ist sicherlich das Wasserspiel vor dem Ressort, welches (Achtung, die folgenden Angaben sind nur Vermutungen) in den Abendstunden alle 15 Minuten und ab glaube ich 15:30 Uhr alle 30 Minuten stattfindet. Mir gefielen die vielen unterschiedlichen Variationen und Kombinationen aus Musik, Höhe, Intensität und Form der Wasserstrahlen so sehr, dass ich wahrscheinlich auch einen ganzen Tag oder besser eine ganze Nacht hier hätte verbringen können. Vor dem Bellagio stehend, mit Blick auf die Fontänen, das Caesars und den Reflektionen des Eifelturms im Wasser ist schon etwas ganz Besonderes eine eine sicher nicht alltägliche Erfahrung.

Abendstimmung - allerdings eine sehr Spezielle
Abendstimmung – allerdings eine sehr Spezielle
Eine der Hauptattraktionen in Aktion
Eine der Hauptattraktionen in Aktion

Insgesamt gibt es meiner Meinung nach viele dieser „Wow – so hätte ich mir das nie vorgestellt“-Eindrücke in Las Vegas zu entdecken. Alles was man hierzu tun muss, ist den Strip rauf und runter zu laufen, die verschiedenen Ressort-Lobbys zu besuchen und dieses gigantische Spektakel auf sich einwirken zu lassen. Vom Klang der gemieteten Harleys und Ferraris auf der Straße über die omnipräsente Ansprache der Promotor – die Stadt in der Wüste ist einfach immer laut und zu jedem Zeitpunkt unglaublich intensiv. Um den Spaß vollkommen auskosten zu können, muss man sich jedoch dreier Dinge bewusst sein:

  1. Las Vegas ist einfach sehr teuer. Das ist so und das sollte man von Vornherein in Kauf nehmen. Obgleich auch die hübscheren Hotels vergleichsweise preiswert sind, geht die Erfüllung von Grundbedürfnissen wie Essen und Trinken sehr ins Geld. Ein Gutes Steak bei Ruth Chris? 60$ plus Steuern und Trinkgeld sind da keine Seltenheit. Drei große Bier? Schnell sind 48 Dollar plus Steuern und Trinkgeld in Flüssigkeit verwandelt. Man kann in Las Vegas sehr viel Spaß haben, sehr gut Essen und viele tolle Eindrücke sammeln, aber auch ohne Geld in den Casinos (oder Shops) zu lassen, sollte man für diese tolle Erfahrung einfach ein gewisses Maß an Ausgaben als „unvermeidbar“ betrachten.Nebenbei gesagt: Neben dem Caesar Salad im Hard Rock Cafe waren allein die Quad-Fries in Guy Fieri’s Vegas Kitchen + Bar ein Grund nochmal wiederzukommen.
  2. Las Vegas ist – wie schon gesagt – sehr laut. Nach vier Tagen in der Wüstenstadt hatte ich vor allem einen Wunsch: Ruhe. Sobald man das Hotelzimmer verlässt, ist man in Las Vegas im Zentrum eines Vergnügungsparks. Überall sind sehr viele Menschen, überall sind laute Geräusche (Werbung, Automaten, Chip-Stapel, Autos), überall blinkt es und sobald man die Hotels verlässt, wird man ständig von Promotern angequatscht. Das kann sehr anstrengend sein.Auch in den Casinos spazieren zu gehen (oder gar zu spielen) ist nicht eben erholsam, sind die Automaten – wie bereits beschrieben – doch sehr laut und ist die Luft manchmal sehr schlecht. Die Tatsache, dass man in den meisten Bereichen der Casinos noch Rauchen darf, war zumindest für mich enorm überraschend.
  3. Las Vegas ist nicht groß. Es gibt den Strip und dieser ist für sich genommen auch extrem beeindruckend und bietet Sehenswürdigkeiten, die einen mehrere Tage lang beschäftigen können, aber dann fällt die Attraktivitätskurve doch sehr steil ab. Wer mal aus der Stadt rausgefahren ist, vorbei an den kleinen Hochzeitskapellen, der wird diesen Eindruck sicherlich bestätigen können. Zusammenfassend gibt es also einen spannenden Kern, ein meiner Meinung nach recht unattraktives Gebiet um diesen Kern und dann jede Menge Wüste. An dieser Stell sei übrigens angemerkt, dass ich mir die Wedding Chapels niemals so vorgestellt hätte. Der Standort und die Gestaltung derselben erinnern mich an ein relativ unattraktives Gewerbegebiet in Deutschland – und wer würde dort schon heiraten wollen.
Die besagten Quadfries .. ein Traum
Die besagten Quadfries .. ein Traum

Ferner sei angemerkt, dass das Bild über einen derart surrealen Ort wie Las Vegas sicherlich immer im Kopf des Lesenden / des Neugierigen entsteht. Nach den ersten Tagen in Nevada war ich der festen Überzeugung, dass die meisten Filme, die an diesem Ort spielen, massiv geschönt oder zumindest stark „optimiert“ sind. Nach meiner Rückkehr haben wir dann zuerst „21“ und kürzlich auch nochmals Ocean’s Eleven gesehen (übrigens spielt auch eine der Eröffnungsszenen von Iron Man in Las Vegas, genauer gesagt im Caesars Palace) und ich war absolut überrascht: Die Stadt sieht so aus, wie ich sie erlebt habe, das Casinos sind authentisch und sogar der Lärmpegel ist weitestgehend real. Auch Aussehen und Kleidung der meisten Casino-Besucher, ebenso wie Erscheinung und Frequenz der asiatischen Highroller habe ich genau so (oder ähnlich) erlebt .. einzig die rauchgeschwängerte Luft geben die Filme so natürlich nicht wieder. Insgesamt war ich aber sehr positiv angetan: Eigentlich ist Las Vegas ziemlich genau so, wie es im Film gezeigt wird .. man kann es nur scheinbar nicht glauben und macht sich sein eigenes Bild.

Abschiedsstimmung am Bellagio
Abschiedsstimmung am Bellagio

Abschließend noch ein paar Gedanken zum Thema Glücksspiel: Es ist enorm beeindruckend zu sehen, mit welcher Frequenz und offensichtlichen Leichtigkeit in den Casinos im Sekundentakt Geld den Besitzer wechselt. Tausende Dollar werden binnen weniger Sekunden gesetzt, verdoppelt, verloren, von Bargeld in Chips bzw. andersherum verwandelt. Die Faszination der sich permanent vergrößernden bzw. verkleinernden Chip-Stapel, die Eleganz und Sicherheit mit der die Croupiers die Plastikwährung auszählen, bewegen und nahezu artistisch handhaben, die Professionalität und Aufmerksamkeit der Pit Bosse im Hintergrund, der scheinbar lockere Umgang der Gäste untereinander und mit den Casino-Mitarbeitern .. das alles trägt zu einem meiner Meinung nach ziemlich einmaligen Erlebnis bei. Einsam bleibt in Las Vegas vermutlich niemand allzu lange .. reich allerdings – bei unvorsichtigem Handeln – auch nicht. In Summe habe ich jedenfalls (mit Ausnahme eines Poker-Turnier Gewinners) kaum jemanden gesehen, der die Casinos reicher verlassen hat, als er sie zuvor betreten hatte.

Eine grüne Oase mitten in der Wüste
Eine grüne Oase mitten in der Wüste

In Summe war der Kurztrip nach Las Vegas jede Minute, jeden Dollar und jede Anstrengung wert. Zwei 12 Stunden Flüge in bisher unbekannter Enge (zum Glück bin ich ja recht kompakt), mehrere Nächte mit sehr wenig Schlaf und Reizüberflutung in jeder Minute außerhalb des Hotelzimmers – die Wüstenstadt bietet einfach derart viele, surreale Eindrücke, dass man vermutlich einfach dort gewesen sein muss, um das hier Beschriebene glauben zu können. Die Intensität mit der die Stadt der Sünde den Besucher permanent überwältigt, führt zu bleibenden Erinnerungen, die eine Reise dorthin unbedingt zur Empfehlung machen.

Prädikat: Besonders empfehlenswert
Prädikat: Besonders empfehlenswert

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