Kalifornien Tag 14: Elkhorn Slough & PCH

Einer der besten Momente des Urlaubs gehörte eigentlich noch zum dreizehnten Tag unserer Rundreise: Einschlafen bei offenem Fenster (Fliegengittern sei Dank) zum Klang der Wellen. Wow .. das ist schon ein ziemlich tolles Gefühl. Das Aufwachen am Morgen danach wurde ebenfalls durch die Natur bestimmt, als ziemlich „aufgeweckte“ Vögel weit vor dem eigentlichen Wecker den Tag begrüßten.

Dank guter Vorarbeit konnten wir nach einem raschen Frühstück und einer kurzen Räumaktion pünktlich zu unserer knapp 30 Minuten langen Fahrt zurück gen Norden aufbrechen. Dies war zwar grundsätzlich etwas kontraproduktiv zu unserer weiteren Reiseroute, ließ sich aber durch terminliche Rahmenfaktoren nicht vermeiden. Da unsere eigentlich geplanten Wasseraktivitäten (eine Art Rafting im Yosemite) auf Grund der akuten Trockenheit entfallen musste, entschieden wir uns für eine geführte Kajak-Tour durch den bzw. auf dem Elkhorn Slough. Bei diesem handelt es sich – laut Wikipedia – um einen tidenabhängigen Sumpf bzw. eine Flussmündung, die rund 7 Meilen in das Landesinnere reicht. Obgleich das Gebiet grundsätzlich mit dem Meer verbunden ist, ist es durch „Dämme“ so isoliert, dass es weitestgehend keine Wellen gibt. Der Slough steht trotzdem unter dem Einfluss des Tidenwechsels, so dass der geneigte Paddler durchaus in einen Kampf mit der Natur verstrickt werden kann 😉

Da wir noch nie mit einem Kajak unterwegs waren, den Einfluss von Wind und Strömung nicht so richtig einschätzen konnten und wir gute Erfahrungen mit geführten Touren durch die Natur in Amerika gemacht haben, entschieden wir uns für ein dreistündiges Event mit Guide. Wie auch schon bei unserer Manatee-Erfahrung hatten wir erneut das Glück, die einzigen Teilnehmer der Tour zu sein. Der gesamte Ablauf unseres Abenteuers verlief sehr routiniert und angenehm. Nach einem kurzen Shakehands mit unserem Guide (Riley, einem Surfer- und Naturtypen wie aus dem Lehrbuch .. sehr sympatisch und unkompliziert) erhielten wir zunächst die Ausrüstung. Diese besteht im Slough – da das Risiko des Kippens sehr gering ist – „nur“ aus einem sog. Sprayskirt (einem Spritzschutzrock, der verhindert, dass Wasser von oben in das Cockpit des Kajaks läuft), einer Schwimmweste und pro Person einem Paddel. Ein Neoprenanzug ist glücklicherweise nicht erforderlich. Ferner hatten wir die Wahl, ob wir ein oder zwei Kajaks nehmen wollten, entschieden uns aber ausschließlich (!) auf Grund von Danis Erkältung für die Teamwork-Option mit einem gemeinsamen Boot. Dieses wartete am Steg einige Meter entfernt im Wasser schwimmend bereits auf uns, so dass wir sehr komfortabel und risikofrei einsteigen konnten (für Anfänger ist das wirklich super). Schon vom Steg aus konnten wir diverse Wasservögel und Seelöwen in wenigen Metern Entfernung erkennen – Augenblicke später versuchten wir vorsichtig in ihre Richtung zu paddeln. Das Kajak ließ sich dabei – insbesondere im Vergleich mit einem Kanu – wesentlich einfacher manövrieren. Unser Zweisitzer verfügte sogar über ein fußgesteuertes Ruder, was die „Navigation“ schon ziemlich spaßig machte. Einige Momente später stieß auch Riley in seinem Einsitzer zu uns, so dass wir die Fahrt den Slough hinauf antraten. Das gute am Elkhorn ist die Tatsache, dass er insgesamt recht flach ist. Die Wassertiefe beträgt selten mehr als einen Meter, so dass man die über und unter Wasser lebenden Tiere sehr gut entdecken und beobachten kann. So präsentierte uns Riley gleich zu Beginn eine ca. 15cm große Schnecke (im Prinzip einen schleimigen Diskuss), sowie später die bekannten Sand Dollars, eine 15 Pfund schwere kalifornische Schnecke und unzählige Seelöwen, Wasservögel (u.a. Kormorane, Pelikane, Reiher, Kraniche und sogar einen Fischadler, der ca. 20m entfernt von uns erfolgreich auf Jagd ging) und Seeotter. Letztere waren der eigentlich Grund warum wir uns für die Tour entschieden haben – und wir wurden nicht enttäuscht. Laut unserem Guide sind die im Elkhorn Slough lebenden Otter die größten der Welt und sie weisen eine ziemlich hohe Populationsdichte auf. Beides ist scheinbar auf das sehr gute Nahrungsangebot zurückzuführen. Während die Otter optisch also wesentlich präsenter sind, als jene Exemplare, die wir so kennen, sind sie mindestens genauso niedlich. Insbesondere wenn ein Otter nach erfolgreicher Jagd auf dem Rücken schwimmend auftaucht, nur seine Flossen und sein Kopf aus dem Wasser guckt und er seine erbeutete Schnecke knackt, wirken die kleinen Wasserbewohner schon ziemlich glücklich 😉

Auch das Gefühl auf dem Wasser zu sein ist natürlich toll. Überall um einen herum gibt es etwas zu sehen und zu entdecken, das Paddel plätschert beruhigend im Wasser und der Oberkörper wird von der kalifornischen Sonne angenehm erwärmt. Dies ist so lange toll, bis man die Rückfahrt gegen den Wind und gegen die Strömung antreten muss 😉 Auf Grund der kleinen Gruppe und „unserer“ physischen Leistungsfähigkeit (Dani hat übrigens tolle Fotos gemacht) entschied sich Riley für die Rückfahrt durch einen gewundenen Seitenarm, die er sonst nicht antritt. Das hat zwar durch die vielen Kurven richtig Spaß gemacht, war aber auch ziemlich anstrengend. Wie kommentierte unser Guide so passend: „Like driving a school bus, right?“ (Fährt sich wie ein Schulbus, oder?). Auf den letzten Metern unserer dreistündigen Tour und kurz vor dem Anleger war ich dann auch recht froh bald wieder an Land zu sein und trotz Spritzschutz einigermaßen klamm. Insgesamt eine wirklich coole Erfahrung, die wir Menschen mit Affinität zur Natur nur empfehlen können (es gibt auch Touren mit motorisierten Flößen über den Slough .. aber das ist dann natürlich weit weniger friedlich).

Mit einigen neuen Eindrücken im Gepäck und körperlich ziemlich erschöpft, traten wir gegen 13:00 Uhr die Weiterfahrt über den Highway 1, auch bekannt als Pacific Coast Highway gen Süden an. Um an dieser Stelle wie so oft ganz ehrlich zu sein: Der Highway 1 fühlt sich wie eine große Version des 17 Mile Drive an. Es gibt alle paar Meter bzw. teilweise Kilometer eine Haltebucht, man hat nahezu ständig eine sehr gute Sicht auf den Pazifik (zumindest bis San Luis Obispo) und es ist sehr viel los. Sehr viel los führt zu sehr niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten (ich denke insgesamt ca. 50% des erlaubten Tempos), so dass man stellenweise schon ziemlich gute Nerven braucht. Mit anderen Worten: Ca. 3h lang mit 30 – 80 km/h (eher 30) zu fahren, kann schon ein wenig anstrengend sein. Die Ausblicke auf das Meer sind dafür stellenweise wirklich spektakulär, was aber für den Beifahrer naturgemäß schöner ist, als für den Fahrer (ich habe meist sehr viele Rücklichter gesehen, manchmal ein wenig Dani und ganz selten ein bisschen Meer). Wäre der PCH aber leer und hätte man ein vernünftiges Fahrzeug, wäre die Strecke ein Traum für jeden mit Affinität zu Kurven. Selbst im Bereich der Tempolimits (meist 55 MPH) könnte man hier richtig Spaß haben und würde anschließend sicherlich mit einem enorm breiten Grinsen eines der Lokale mit Panoramasicht frequentieren.

So aber blieb aus meiner Sicht unser Stopp am Elephant Seal Viewpoint das eigentliche Highlight der Tour. Hier kann man in sicherer Entfernung und touristisch sehr gut erschlossen (d.h. riesiger Parkplatz, hohe Geländer, viele Erklärungsschilder) außergewöhnliche viele, besonders große Seelöwen (man vergebe mir etwaige Schwächen in der Beschreibung der Fauna) bei der Auslebung ihres entspannten Lebensstils beobachten. Die riesigen und an Land recht ungelenk wirkenden Tiere bei ihren entspannten Nickerchen am Strand bzw. teilweise in der Brandung zu beobachten, ist schon ziemlich unterhaltsam. Mindestens ebenso eindrucksvoll ist der Mut bzw. die Neugier der Squirrels am Parkplatz (das sind die kleinen Eichhörnchen-artigen Tiere, deren Flöhe kürzlich zu einigen Pesterkrankungen im Yosemite führten), die keinerlei Berührungsängste zeigen und Besucher gern um überschüssige Nahrungsmittel erleichtern. Selbstverständlich wird überall auf die Gefahren hingewiesen und darum gebeten die Tiere eben nicht zu füttern. Ausgehend von dem heute Erlebten und mit Hinblick auf die körperliche Präsenz einiger Exemplare würde ich aber behaupten, dass diese „Richtlinie“ nicht ausnahmslos eingehalten wird. Zugegeben, wenn so ein kleines (alles relativ..) Squirrel auf seinen Hinterpfoten stehend die vorderen Pfoten auffordernd in die Luft reckt, fällt es schon einigermaßen schwer, nicht weich zu werden 😉 Anders gesagt: Für Dani waren die Seals der Höhepunkt unseres Stopps, für mich das gierige Rieseneichhörnchen.

Gegen 18:30 Uhr erreichten wir dann Solvang – leider einige Minuten später als erhofft und damit erst kurz vor Sonnenuntergang. Unsere Erkundung der außergewöhnlichen Gemeinde wandelten wir daher kurzer Hand in eine automobile Tour, in deren Rahmen wir die wichtigsten Straßen abfuhren. Dabei wurden wir grundsätzlich sehr positiv überrascht: Die Imitation einer dänischen (oder zumindest skandinavischen) Gemeinde mitten in Kalifornien ist ziemlich gut gelungen und auch deutlich weitreichender als vermutet. Auch in den Nebenstraßen entsprechen die meisten Gebäude dem lokalen Stil, wodurch sich nicht der Eindruck künstlicher Fassaden entlang einer Shopping-Meile einstellt – ziemlich cool. Positiven wirken sich auch die teilweise pompösen Hotel- und Businesskomplexe aus, die ebenfalls eine skandinavische Optik aufgreifen. So zum Beispiel auch unser Hotel, dass nach außen hin aus vielen kleinen, aneinander gereihten Hütten besteht (wir wohnen scheinbar im Turmzimmer des Rathauses). Innen wird hingegeben eher Standardkost geboten.

Morgen fahren wir dann über Santa Barbara und Los Angeles nach Newport Beach, wobei wir an einen recht strikten Zeitplan gebunden sind, wenn wir nicht erneut mehrere Stunden im Stau verlieren möchten. Ich hoffe, dass wir in Newport nochmal rund zwei entspannte Tage auf der von uns gemieteten Yacht verbringen und diverse Aktivitäten auf dem Wasser genießen können (Kajaks und Standup-Paddle-Boards gehören zur Ausstattung). Da wir in Newport aber voraussichtlich keinen Internetzugang haben werden, vermute ich, dass es das nächste und letzte Update an dieser Stelle etwas zeitverzögert (d.h. eventuell erst nach unserer Rückkehr) geben wird.

Kalifornien Tag 13: Carmel-by-the-Sea

Tag 13 unserer Reise durch Kalifornien sollte ganz im Zeichen eines entspannten Tages am Meer stehen – und wurde es auch. Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück im Hotel (dieses wird in einer Kühltasche gelagert gegen 08:00 Uhr vor die Zimmertür gestellt) brachen wir gegen 09:30 Uhr – und damit eigentlich viel zu spät – in Richtung Point Lobos auf. Es handelt sich dabei um ein rund 3 Meilen südlich von Carmel gelegenes Schutzgebiet, dass touristisch äußerst beliebt ist (Platz 1 aller Attraktionen in der Region Monterey / Carmel). Obgleich dies grundsätzlich ein gutes Zeichen ist, tut man sich natürlich keinen Gefallen damit, an einem Sonntag mit perfektem Wetter hier in Spätaufsteher-Manier aufzuschlagen. Ergebnis: Lot full / keine freien Parkplätze mehr, so die vernichtende Nachricht beim Versuch der Einfahrt in das Tor (Kostenpunkt übrigens 10$ pro Fahrzeug). Ich hatte jedoch noch vor unserem Aufbruch den Tipp gelesen, einfach direkt am Highway 1 zu parken, was auf dem großzügigen Seitenstreifen direkt in der Nähe des Parks legal und kostenlos möglich ist.

Also stellten wir den Camaro fix ab (sogar im Schatten) und gingen die nur rund 300m zum Tor zu Fuß. Dort erklärte uns ein Ranger sehr freundlich die verschiedenen Trails im Park und empfahl uns mit Hinblick auf den uns zur Verfügung stehenden Zeithorizont (grundsätzlich den ganzen Tag) eine ausgedehnte Rundwanderung einmal um die Halbinsel. Er erklärte uns, dass wir dafür voraussichtich ca. 2h benötigen würden, was wir mit Hinblick auf die Entfernungsangaben auf unserem Garmin GPS für ziemlich optimistisch hielten – aber man weiß ja nie. So begaben wir uns auf sehr gut ausgebauten und hervorragend ausgeschilderten Pfaden gegen den Uhrzeigersinn in den Park. Die ersten ca. 500m legt man dabei in einem recht dichten Wald zurück, bevor man das Meer wieder präsenter wahrnimmt und plötzlich oberhalb von Gibson Beach steht. Gibson Beach ist ein relativ kleiner, sehr grobkörniger Strand, der aber malerisch in eine Bucht eingebettet liegt. Gemeinsam mit dem fantastischen Ausblick auf die großen Rollwellen, die sich optisch beeindruckend an den zerklüfteten Felsen in der Brandung brechen, ist das schon ziemlich paradiesisch. Dieser Eindruck wird überraschenderweise in den meisten Bereichen des Parks aufrechterhalten: Hinter jeder Abbiegung gibt es etwas Neues zu entdecken, alle paar Meter sieht die Natur ein wenig anders aus und gibt es weitere Details zu erkunden. Besonders der South Shore Trail (also jener Bereich, den wir als erstes erkundet haben) stellt dabei ein absolutes Highlight dar. Immer wieder entdeckt man grandiose Aussichten auf kleine Felsgrotten, glasklares Wasser, türkisfarbene Lagunen und riesige, flache Felsen, die das Meer  immer wieder mit Gischt überzieht. In Point Lobos wachsen ausgedehnte Tangwälder, die den ufernahen Bereichen eine faszinierende Optik verleihen. Die Ober- und Unterströmungen werden durch das Seegras sehr gut visualisiert, so dass man einen Eindruck davon gewinnen kann, welche Kräfte hier wirken. Toll anzusehen, aber ganz sicher nichts zum Schwimmen (obgleich sich rund die Hälfte der Fläche des Parks unter Wasser befindet).

Ein weiteres Highlight stellen die Tide Pools dar, also größere Gebiete flacher Felsen, die je nach Stand der Gezeiten von Wasser überspült werden bzw. trocken fallen. In diesen Gebieten darf man (partiell, aber auf recht großer Fläche) legal rumkraxeln, was ich äußerst beeindruckend finde. Zum einen kann man der Gischt und den Wellen so ganz nahe kommen, zum anderen gibt es Bereiche der Pools, die nie oder nur selten trocken fallen und daher von diversen Meeresbewohnern frequentiert werden. So kann man Krebse und Seeigel in größeren Mengen sehen, gerade so, als ob man tauchen oder schnorcheln wäre. Durch die Gezeiten verändert sich das Bild dabei permanent, weitere Bereiche fallen trocken oder eben noch „sichere“ Steine werden plötzlich überspült – total cool. Wenn die Sonne nicht mit 25°C gebrannt hätte und unsere Reiseplanung etwas loser gewesen wäre, hätte ich hier vermutlich auch einen halben Nachmittag verbringen können 😉 So zogen wir jedoch weiter in Richtung Sea Lion Trail, der aktuell jedoch leider gesperrt ist. Zwar konnten wir so zahlreiche Seelöwen hören und mit Hilfe des Teleobjektivs auch sehen, aber ein wenig schade war es dann doch diesen recht bekannten Teil des Parks nicht betreten zu können. Mit der China Cove ist zur Zeit übrigens auch eine weitere recht beliebte Bucht gesperrt – klar, die Natur hat hier natürlich Vorrang. Insgesamt waren wir rund 3,5h und etwas mehr als 10km im Point Lobos unterwegs. Der Ausflug hat uns aber rückblickend so gut gefallen, dass ich ihn definitiv als eines der Highlights unserer Rundreise bezeichnen würde. Diesen Eindruck teilten scheinbar auch ein paar amerikanische Wanderer die im Bereich des South Shore Trails ungläubig auf die malerischen Buchten blickten und staunten: „This is looking like Hawaii!“.

Nach der kurzen Rückfahrt von Point Lobos zu unserem Hotel und einer einstündigen Pause starteten wir auf eine kleine Erkundungstour durch Carmel selbst. Wie gestern schon angedeutet, ist die Kleinstadt am Meer definitiv sehr besonders. Malerische, kleine Häuschen (vorwiegend von Geschäften und Galerien genutzt) wechseln sich mit herrschaftlichen Anwesen – insbesondere am Meer – ab. Die Offerten der lokalen Makler befinden sich selten im sechsstelligen Bereich; eine Villa mit bester Sicht (und gigantischen Abmessungen) wird aktuell z.B. für 37,5 Millionen Dollar angeboten. Gerüchteweise wohnt u.a. Brad Pitt in Carmel, wobei wir uns von diesem Umstand nicht persönlich überzeugen konnten 😉 Ansonsten ist es hier definitiv anders als in den meisten Städten: Es gibt keine Parkuhren, keine Briefkästen, keine Fußwege (zumindest nur sehr wenige direkt in der Innenstadt) und keine Straßenlaternen. Insbesondere letzteres ist wirklich irritierend, wenn man z.B. nachts noch mit dem Auto durch die Stadt fährt oder nach einem Dinner nach Hause spaziert. Damit trotz fehlender Parkuhren schön regelkonform geparkt wird, patrouilliert übrigens dauerhaft (zumindest tagsüber) ein spezielles Fahrzeug, welches die abgestellten Autos elektronisch erfasst und die Standzeiten überwacht. Insgesamt ist Carmel schon wirklich sehr speziell, vielleicht ein wenig schrullig, eher nicht jugendlich und daher zwar sehr interessant, aber vermutlich für nicht mehr als 3-4 Tage zu empfehlen.

Gegen 16:30 Uhr brachen wir planmäßig zum sog. 17 Mile Drive auf, einer Art privatem Streckennetz zwischen Monterey und Carmel. Für 10$ pro Fahrzeug darf man einfahren und sich im Prinzip beliebig bewegen (also keine Einbahnstraße). Es gibt 21 markante Punkte, die auf einer Karte markiert sind und zusätzlich durch Schilder gekennzeichnet wurden. In der Realität hat man also die Möglichkeit alle 200m – 2km anzuhalten und eine unterschiedliche Aussicht auf das Meer und die Landschaft zu genießen. Selbige ist primär von mehreren großen, luxuriösen Golfresorts geprägt, so dass es viel Grün und stets zahlreiche Golfcarts zu sehen gibt. Dazwischen stehen – natürlich – diverse Villen, für deren Bewunderung es teilweise eigens Parkbuchten direkt an der Straße gibt. Leider hat mich der 17 Mile Drive aus zwei Gründen nicht so ganz überzeugt: Erstens ist er kürzer, als man denkt. Von Monterey aus ist man relativ schnell in Carmel – die 17 Meilen beziehen sich nämlich auf das gesamte Straßennetz. Dieses umfasst auch einige Verbindungen im „Hinterland“, die dann aber so ähnlich aussehen, wie „normale“ Landstraßen in Kalifornien und auch keine spektakulären Impressionen bieten. Zweitens fand ich auch die Aussichtspunkte direkt am Meer weniger beeindruckend, als erhofft. Insbesondere vor dem Hintergrund eines Vergleichs mit den Eindrücken aus Point Lobos am Morgen kann man eine leichte Ernüchterung nicht leugnen. Trotzdem ist der 17 Mile Drive fast schon Pflicht, und sei es nur um einen Blick auf den relativ bekannten „Lonely Cypress Tree“ zu werfen. Wir fuhren hin und her, stoppten oft, machten viele Fotos und nahmen noch den ein oder anderen Umweg und waren trotzdem maximal 2h beschäftigt.

Wieder im Hotel angekommen folgte eine kurze Recherche für das Abendessen, nach derer wir uns für den Besuch eines italienischen Restaurants entschieden. Dekoration, Ambiente und Musik haben uns sehr gut gefallen, auch wenn der Gesamteindruck (Menge & Qualität der Speisen, Qualität des Services) eher eine 2-3 ergeben haben. Charakteristisch war die weniger als 1km kurze Wanderung zurück in unsere Unterkunft – wie zuvor beschrieben natürlich ohne Straßenbeleuchtung.

Morgen werden wir dann 3h Kajaken gehen, bevor wir die Fahrt über den Highway 1 – besser bekannt als Pacific Coast Highway oder kurz PCH – antreten werden. Als einen Übernachtungsstopp mit geringem Besichtigungsanteil haben wir Solvang vorgesehen.

Kalifornien Tag 12: San Francisco Teil II / Monterey

Ich muss zugeben, dass der Urlaub ganz langsam ein wenig anstrengend wird. Man bemerkt, wie die Toleranz gegenüber Stresssituationen abnimmt, wie auch kleine Störfeuer der Zufriedenheit leicht zu eskalieren drohen und wie man neue Eindrücke nicht mehr mit der kindlichen Naivität und Vorfreude aufnimmt, wie in den ersten Tagen unserer Tour. Das ist zwar ein wenig schade, lässt sich meiner Meinung nach aber nur schwer vermeiden. Vermutlich bräuchten wir jetzt 2-3 Tage ohne Programm, ohne Highlights .. einfach nur am Strand und mit dem Rauschen der Wellen in den Ohren. So aber versuchen wir – sicherlich nachvollziehbarer Weise – so viel wie möglich zu sehen und zu erleben, was in Kombination mit einer leichten Erkältung (mittlerweile leider bei uns beiden) nicht so ganz einfach ist.

Einen ersten Schritt zur Erholung gönnten wir uns daher heute Morgen, als wir einfach mal nicht um 07:00 Uhr wie geplant, sondern erst um 08:00 Uhr in den Tag starteten. Danach stand – mal wieder – das Packen der Koffer an, welche wir anschließend in einer Runde Tetris für Fortgeschrittene in den Camaro sortierten. Während im Mustang unsere beiden größeren Koffer noch locker in der Gepäcklucke verschwinden, muss im Chevy hier schon für mindestens ein Teil die Rücksitzbank bemüht werden. Anders als im Ford ist es nämlich erforderlich eine Art Rollo im Kofferraum auszuziehen, damit das Verdeck geöffnet werden kann. Dieses reduziert das Ladevolumen aber derart stark, dass eine gewisse Planung unentbehrlich wird. In jedem Fall hatten wir Erfolg und ersetzten den eigentlich vorgesehenen Spaziergang durch Paradise Cay durch eine kurze Ausfahrt – zurückblickend absolut in Ordnung ein kein allzu großer Verlust.

Danach ging es ein letztes Mal über die Golden Gate Bridge (wieder 5$ weniger), bevor wir uns erneut ins Getümmel der steilen und 90° verwinkelten Straßen San Franciscos stürzten. Zum Glück war an diesem Samstag Morgen nicht ganz so viel los wie am Freitag zuvor, so dass das Fahren fast Spaß gemacht hat. Trotzdem ist die Sichtung der Bereiche direkt links und rechts vorm Fahrzeug im Camaro so herausfordernd wie noch in keinem anderen von mir bisher bewegten Fahrzeug, so dass ein wenig Teamwork hier unerlässlich ist. Apropos Teamwork: Im Chevy befindet sich die Handbremse rechts von der wuchtigen Mittelkonsole, so dass diese präferiert durch den Copiloten zu bedienen ist 😉 Das erste Ziel unserer heutigen Etappe waren die sog. Painted Ladies, fünf in Pastellfarben angemalte Häuser im viktorianischen Stil in einer recht netten Wohngegend. In der Realität waren wir ein wenig enttäuscht, was aber vermutlich auf die relativ ungünstigen Lichtverhältnisse an diesem Morgen zurückzuführen ist.

Als nächsten Stopp fuhren wir zum Strawberry Hill im Golden Gate Park. Selbiger ist riesig, so dass man entweder ein geübter Läufer ist oder mit dem Auto in die Nähe des eigentlichen Ziels fährt. Noch vor unserer Ankunft hatte das Wetter richtig aufgedreht – über 25°C sind laut den Einheimischen äußerst ungewöhnlich für diesen Ort zu dieser Zeit. Bei allerbesten Bedingungen spazierten wir also eine relativ ausgedehnte Runde um den künstlichen (vermute ich zumindest) See mit Insel in der Mitte. Auf selbiger befindet sich ein ebenfalls künstlicher Wasserfall, der der ganzen Anlage einen sehr schönen Touch gibt. Den See könnte man mit einem Wassertreter (25$/h), einem Ruderboot (20$/h) oder einem Elektroboot (34$/h) unsicher machen. Tut man dies aber aber etwas sportlicher, wird man vermutlich kaum länger als 30 Minuten für eine Erkundung des Terrains benötigen 😉 Wir erklommen stattdessen den Gipfel des Eilands und bewunderten die Aussicht vom Ursprungsort des Wasserfalls – San Francisco bietet immer wieder beeindruckende Impressionen.

Im Anschluss wollten wir eigentlich die Bisons in ihrem sog. „Paddock“ besuchen (dieser wird übrigens laut Hinweisschild von Marissa Meyer, der amtierenden Chefin von Yahoo, unterstützt). Leider war die „Weide“ ziemlich trocken, was die Bisons augenscheinlich dazu bewog sich sehr tief auf eine kleine Wiese neben dem eigentlichen Areal zurückzuziehen. Wir versuchten diese zwar über lose Pfade so gut wie möglich zu erreichen, kamen aber nicht allzu nah an die stattlichen Tiere heran. Schade, aber leider nicht zu ändern.

Nun war für uns die Zeit gekommen San Francisco und der Bay Area „Bye“ zu sagen und unsere Weiterfahrt gen Süden anzutreten. Unterwegs hielten wir bei der berühmten Garage in Palo Alto, in der Bill Hewlett und Dave Packard durch ihre Forschungen das Sillicon Valley begründet haben sollen. Als ehemaliger HPler und jemand der in der IT-Branche tätig ist, fand ich es durchaus lohnenswert diesen Ort zu besuchen. Dies geht scheinbar sehr vielen Menschen so, denn in den wenigen Minuten unserer Anwesenheit hielten fortwährend Taxis, Limousinen und Mietwagen um den unscheinbaren Bau zu besichtigen. Das durchaus geschichtsträchtige Gebäude wird dabei touristisch in keinster Weise ausgeschlachtet. Eine dezente Messing-Tafel vor dem sehr gepflegten Haus (direkt neben dem Hinweisschild, welches besagt, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt), daneben ein Zaun, hinter dem sich die besagte Garage befindet. Die gesamte Wohngegend ist übrigens außerordentlich schön – grün, sauber, ruhig, optisch alles recht uniform und gesetzt. Anders gesagt: Hier hätte ich mir auch vorstellen können zu tüfteln, bin mir aber nicht sicher, ob ich stattdessen nicht lieber Surfen am Strand gelernt hätte 😉

Auf der Weiterfahrt in Richtung Süden stoppten wir noch kurz in Cupertino, genauer gesagt am One Infinite Loop – besser bekannt als dem Hauptsitz von Apple. Da der riesige Bürokomplex recht unscheinbar ist und es keine Besuchsmöglichkeiten gibt, ist der Abstecher unspektakulär, kostet aber auch weniger als 10 Minuten. Mit Hinblick auf die weitere Tagesplanung sagten wir die Stopps bei Google und Facebook ab, obgleich es schon faszinierend ist, wie viele Branchenriesen hier auf wie wenig Raum residieren. Ansonsten waren wir vom doch sehr zähen Verkehr auf dem Highway 101 einigermaßen genervt, was durch die teilweise 35°C Lufttemperatur nicht eben angenehmer wurde. Auch der Zwischenstopp bei einem Applebee’s nahe San Jose verlief derart enttäuschend, dass wir das Trinkgeld erstmals auf ein schmerzendes Level senken mussten.

Gegen 16:00 Uhr kamen wir dann endlich in Monterey – einer ziemlich bekannten Stadt am Meer – an. Das Timing war perfekt, denn so konnten wir den Abendtarif eines zentral gelegenen Parkhauses nutzen, das nur zwischen „Ganzer Tag“ für 15$ und „Abendtarif“ für 5$ unterscheidet. Überhaupt gibt es in den Ballungsgebieten zunehmend viele Parkflächen, auf denen keine sog. „In & Out Privileges“ gewährt werden, d.h. einfahren, zahlen und beim Ausfahren ist das Geld futsch. Zu Fuß waren es nur wenige Meter bis zur Cannary Row – dem gefühlten Zentrum des Städtchens. Auch die Cannary Row „erfreut“ sicher einer extrem fortgeschrittenen touristischen Erschließung, was sich in lauten Bars, grellen Schildern und dem omnipräsenten Vorhandensein von Souvenirshops äußert. Ich fühlte mich ein wenig eine Mischung aus La Jolla und dem Pier 39 in San Francisco erinnert. Einer der negativen Aspekte der Cannery Row ist meiner Meinung nach ihre „Unvollständigkeit“. Immer mal wieder gibt es Bauruinen, die die wenigen Strandabschnitte zusätzlich blockieren bzw. dem optischen Gesamteindruck nicht gerade zuträglich sind. Auch das ziemlich bekannte Monterey Bay Aquarium befindet sich übrigens in (oder sogar am Ende?) der Cannery Row. Alles in allem eine kleine Enttäuschung, wenn ich ganz ehrlich bin.

Schöner war da schon der Pacific Grove, eine etwas gediegenere, weiter im Südwesten gelegene Region Montereys. Hier stehen sehr klassische Gebäude mit bester Sicht, das Meer rollt in stattlichen Wellen auf einen felsigen Strand und alle paar Kilometer gibt es Parkplätze mit schönster Panorama-Option. Nach einem bereits recht intensiven Tag eine schöne Station um ein wenig Ruhe zu tanken.

Den letzten Stopp des Tages (mal abgesehen von einem Ausflug zum Supermarkt) legten wir in Carmel ein – dem noch reicheren Pendant zu Monterey. Beide Städte sind (außer durch den Highway) über eine mautpflichtige Straße namens 17 Mile Drive verbunden, den wir morgen gegen Abend befahren wollen. Ansonsten wirkt Carmel wie eine reiche, kleine und komprimierte Version von San Francisco. Das bedeutet, es gibt größtenteils das gleiche Schachbrettmuster im Straßenbau, es geht ständig bergauf und bergab und es herrscht stellenweise ein immenser Parkplatzmangel. Im Vergleich zu San Francisco sind die meisten Straßen aber wesentlich kleiner und in schlechtem (unebenen) Zustand, so dass sich die Luxuskarossen dieser Welt schon ganz schön umeinander schieben müssen. Auch hier heißt es: Beim Einparken die Räder schön in Richtung Bordstein einschlagen. Dies möchte man aber auch intuitiv schon machen, denn das man beim Ausparken trotz Automatik mit Handbremse anfahren muss, habe ich sonst auch noch nicht erlebt 😉 Ansonsten kann ich von Carmel noch gar nicht viel berichten, denn außer einem ausgedehnten Spaziergang am Strand und dem Einzug in unsere Suite haben wir noch nicht viel unternommen. Ersterer begann erst etwas enttäuschend (Sand rau, viel Seegras am Strand, Wasser eiskalt), nahm dann aber eine sehr positive Wendung, als wir neben einem Seehund gleich drei Delfine in Ufernähe erspähen konnten. Diese waren so verspielt, dass sie sogar aus dem Wasser gesprungen sind – sicherlich etwas, was man außerhalb einer Show sonst eher selten im Sonnenuntergang sieht. Letzteres (also unser Hotelzimmer) ist erneut ein absoluter Glücksgriff. Es ist vergleichsweise modern, extrem geräumig (sicherlich 60m2 oder mehr), gut gelegen und hochwertig eingerichtet. Gerade gegen Ende einer Reise (siehe Einleitung) ist es ja doch immer ganz schön, wenn alles passt und man sich einfach wohlfühlt.

Morgen werden wir versuchen es etwas ruhiger angehen zu lassen und wollen vor allem das Leben am Strand genießen. Abends dann der 17 Mile Drive in den Sonnenuntergang, bevor wir erneut für die Weiterfahrt gen Süden packen müssen. Die letzten beiden Stationen heißen dann Solvang (als Zwischenstopp) und Newport Beach (zum Abschied).

Kalifornien Tag 11: San Francisco Teil 1

Ich muss gestehen, dass mir der Start in den elften Tag unserer Kalifornien-Tour nicht wirklich leicht fiel. Weniger als 6h Schlaf stellen nicht unbedingt das Optimum dar, wenn man in einen wirklich vollgepackten Tag startet. Dank des erfolgreichen Besuchs im Safeway am Vorabend (quasi auf den letzten Drücker) konnten wir den akuten Hunger aber zumindest einigermaßen wirksam bekämpfen. Unsere Unterkunft in San Francisco ist ein weiteres Mal eine Ferienwohnung – dieses Mal aber über VRBO gebucht. Die Wohnung heißt „Nautical Cottage“ und ist auch genauso eingerichtet. Alles (Poster, Bilder, Deko bis hin zur Bettwäsche) erinnert an Seefahrt und Segeln, was von der Szenerie her natürlich sehr schön ist. Leider ist die Residenz ziemlich kompakt, was zwei Weltenbummlern mit großem Gepäck schon etwas an ihre Grenzen bringt; auch das Fehlen einer vollwertigen Küche schmerzt.

Wie dem auch sei, gegen 07:45 kletterten wir in den Camaro, überredeten nach einer kurzen Phase der Irritation sein Verdeck dazu sich öffnen und steuerten den Chevy direkt in Richtung San Francisco. Die Fahrt über die Brücke in der Morgensonne ist dabei ein durchaus tolles Erlebnis, welches jedoch für den Beifahrer mehr Impressionen bereithält, als für den Steuermann (die Spuren über die Brücke sind für amerikanische Verhältnisse erstaunlich schmal). Direkt nach dem Wahrzeichen der Stadt geht es dann über kleinere Straßen in Richtung Hafenbereich / Pier 39. Zwei Dinge sind mir in diesem Kontext sehr negativ aufgefallen: Erstens ist der Verkehr in und um San Francisco meiner Meinung nach der Unangenehmste in ganz Kalifornien. Viele Menschen fahren hier extrem aggressiv, sehr wenig rücksichtsvoll und überaus hektisch. Das Tempolimits großzügig ignoriert werden (+20 MPH drüber und mehr), versteht sich von selbst. In LA braucht man nur Geduld, in San Francisco hingegen starke Nerven. Zweitens machen es die ausgeprägten Steigungen und Gefälle teilweise sehr schwierig den Querverkehr adäquat einzuschätzen. Insbesondere aus der recht flachen Camaro-Flunder heraus ist es daher eher ein Raten, als ein Wissen, ob denn nun von links jemand kommt. Das macht nicht so richtig Spaß .. oder das tut es doch, und es liegt an meinem Schlafmangel oder der leichten Erkältung.

In jedem Fall sind die Steigungen in San Francisco extremer, als man sich das vorstellen würde und jenseits dessen, was man intuitiv „alltagstauglich“ nennen würde. Teilweise sieht man beim Fahren nur noch ein ganz klein wenig Asphalt und dafür umso mehr Himmel. An anderen Abschnitten geht es derart steil bergab, dass ein gewisses Vertrauen zu den Bremsen Grundvoraussetzung ist. Die Motorbremse ist jedenfalls selbst im zweiten Gang absolut wirkungslos. Vor dem Hintergrund dieser Schilderungen ist es sicher verständlich, warum es vorgeschrieben ist, Fahrzeuge am Hang stets mit eingeschlagenen Reifen zu parken.

Wir stellten den Camaro hingegen in einem unamerikanisch kleinen, aber sehr gut gelegenen und äußerst preiswerten Parkhaus (12$ als sog. „Early Bird“, bei Einfahrt bis 09:00 Uhr und Ausfahrt vor 18:00 Uhr) ab und begaben uns zielgerichtet zum Pier 33, um unsere Alcatraz Tour (Abfahrt geplant für 09:10 Uhr, Boarding 30 Minuten vorher) zu beginnen. Sobald man auf den „Vorplatz“ des Anlegers erreicht, ist man dabei im Epizentrum der touristischen Erschließung der Gefängnisinsel angekommen. In vielen großen Reihen werden die vorgebuchten Besucher der nächsten zwei bis drei Touren zusammengepfercht und auf ihren Transport zu Insel vorbereitet. Hat man keine Tickets zuvor gekauft, hätte man frühstens ins vier Tagen (!) an der Tour teilnehmen können oder auf sein Glück in der Schlange für die Warteliste vertrauen müssen. Man könnte auch sagen: Die Alcatraz-Touren laufen auf 100%. Genau so fühlt man sich dann auch. Ständig wird man gegängelt, angehalten sich zu beeilen und auf keinen Fall stehen zu bleiben. Dieser Eindruck bessert sich erst, wenn man auf der Insel angekommen ist und dem Strom der ankommenden Besucher ein wenig Vorsprung gegeben hat. Dann nervt zwar noch die Bahn, welche Menschen mit eingeschränkter Mobilität vom Dock aus zum Zellentrakt fährt und dabei ständig hupt, aber das lernt man nach einigen Minuten zu ignorieren.

Sobald es etwas ruhiger wird, begreift man, wie faszinierend der Besuch auf der Gefängnisinsel eigentlich ist. Man befindet sich mitten in der Bucht, hat in alle Richtungen eine fantastische Aussicht und kann zudem jenen Ort näher erkunden, an dem einige der bekanntesten Verbrecher der USA inhaftiert waren. Durch diverse Filme (v.a. The Rock) hat man natürlich schon eine gewisse Vorstellung von der Anlage, welche nebenbei gesagt erstaunlich umfassend erfüllt wird. Richtig spannend wird es im Zellentrakt – jenem Gebäude, welches nach wie vor im aktuellen Zustand erhalten wird und im Prinzip das Zentrum der Gefängnisinsel darstellt. Hier erhält man die Geräte für eine individuell durchgeführte Audio-Tour, die wirklich extrem empfehlenswert ist. Meiner Meinung nach sollte man auch keine Scheu davor haben die deutsche Version zu wählen, denn die Übersetzung bzw. Vertonung ist hervorragend gemacht und man hat keine Schwierigkeiten ihr inhaltlich zu folgen. So wird man Stück für Stück durch den Zellentrakt geführt und erfährt Wissenswertes u.a. über berühmte Insassen, Ausbruchsversuche, das Leben auf der Insel und den Gefängnisalltag. Durch die punktuelle Einspielung von authentischen Hintergrundgeräuschen wird das Erlebte wesentlich intensiver und spätestens wenn man mal einige Augenblicke in einer Isolationshaft-Zelle verbracht hat, versteht man, warum das Thema Flucht für scheinbar sehr viele Insassen eine zentrale Rolle spielte. Offiziell gelang es übrigens nur einer aus drei Männern bestehenden Gruppe das Gefängnis lebendig zu verlassen. Ob sie in den Fluten rund um Alcatraz ertrunken sind oder es vielleicht doch nach Südamerika geschafft haben, ist bis heute nicht bekannt. Die Tour dauert rund 90 Minuten, anschließend kann man sich so lange man möchte frei auf den zugänglichen Bereichen der Insel (das sind womöglich weniger, als man vermuten würde) bewegen. Nach etwas über 2h glaubten wir alles gesehen zu haben und traten die Rückreise via Schiff gen Festland an. Auch hier wieder langes Anstehen und vergleichsweise wenig serviceorientierte Behandlung .. dies hat den Eindruck des Events insgesamt dann doch etwas getrübt.

Anschließend besuchten wir das Pier 39, einen touristisch extrem intensiv erschlossenen Bereich des Hafens. Futterstände, Restaurants und Souvenir-Läden drängen sich hier dicht an dicht und man gewinnt den Eindruck, dass sich San Francisco selbst als Markte etabliert hat und jeder zweite ein Teil dieser Kollektion tragen muss. Heftig. Wesentlich schöner und unterhaltsamer sind die Seelöwen, die in der Sonne liegen, sich versuchen gegenseitig von den Plattformen zu schubsen und scheinbar unbehelligt von allen Touristenströmen das Leben genießen – sehr nett. Unser nächster Stopp bestand in der Endstation einer Cable Car-Linien, von welcher wir aus eine kurze Stadtbesichtigung mittels dieser außergewöhnliche Fahrzeuge starten wollten. Leider hatten wir etwas Pech, denn die Linie stand über 15 Minuten still, nach denen wir die Geduld verloren und zu Fuß aufbrachen. Die im Anschluss zurückgelegten Kilometer halfen zwar viele interessante Eindrücke der Stadt zu gewinnen (sie erinnert mich übrigens ein wenig an ein riesiges Stuttgart), waren körperlich jedoch unerwartet anstrengend. Es war heißer als gedacht und steiler als erhofft, so dass wir schon gut gefordert waren. Außerdem gestaltete sich die Navigation mittels des touristischen Faltplans als ein wenig „schwierig“, so dass wir den ein oder anderen winzigen Umweg nahmen. Nach einem Abstecher zur legendären Lombard Street erreichten wir jedoch ultimativ unser eigentliches Ziel: Den Cable Car Barn bzw. das Cable Car Museum. Hier kann man neben einer historischen Ausstellung auch die „Umlenkrollen“ und den Antrieb der vier Linien (dieser erfolgt jeweils zentral, vom Cable Car Barn aus) besichtigen. Ist das nicht ein total faszinierender und irgendwie auch abwegiger Gedanke? Da gibt es ein großes Gebäude, in dem stehen vier Motoren und die treiben über diverse, in der ganzen Stadt verteilte Umlenkrollen ein geschlossenes System an, dass mit konstant 9,55 Meilen pro Stunde bis zu 10t schwere Waggons durch die Straßen zieht? Steht man übrigens auf der Straße neben einer Cable Car Linie, kann man das knapp unter dem Asphalt verlaufende (nicht sichtbare) Seil bzw. dessen Bewegung ganz deutlich hören. Die großen Räder im Cable Car Museum, dessen Besuch im Übrigen kostenlos ist, zu sehen, hat mich enorm fasziniert. Auch durch den Geruch der Anlage sowie die Aussichten auf das Wartungspersonal und den Steuerstand ergibt sich ein extrem authentischer Eindruck, der so sicherlich nicht alltäglich ist. Sollte man unbedingt mal gesehen haben!

Vom Cable Car Barn aus spazierten wir durch China Town (wow .. das ist auch authentisch und kann schon einen ziemlichen Kulturschock darstellen) und anschließend hoch zum Coit Tower. Von diesem aus hat man – wie eigentlich von überall in San Francisco – einen fantastischen Blick auf die Stadt und die Bucht. Eine Besichtigung im eigentliche Sinne, also mit Aufstieg nach oben, mussten wir uns aus Zeitgründen verkneifen – auch hier hätte man signifikante Wartezeiten akzeptieren müssen. So spazierten wir langsam zurück in Richtung Hafengebiet, um anschließend bei einem extrem leckeren Ben & Jerrys Hot Fudge Core Sundae den Blick auf den Trubel im und um das Wasser zugenießen. Danach verließen wir das sichere Parkhaus und fuhren zum Place of Fine Arts, einem ziemlich gediegenen Park in der Nähe der Golden Gate Bridge. Hier bewunderten wir die mächtigen Bauten und unternahmen anschließend einen Abstecher zu Crissy Field, einem Strand mit perfekter Sicht auf die Bay Area (inkl. Golden Gate Bridge), der von Joggern und Kitesurfern gleichermaßen geschätzt wird. Insbesondere letztere geben schon ein tolles Bild ab, wenn sie mehrere Meter durch die Luft fliegen oder (wie heute gesehen) mit neuartigen Boards nahezu dauerhaft über dem Wasser schweben (dabei bleibt nur eine kleine „Flosse“ im Wasser).

Danach wurde es Zeit erneut über die Golden Gate Bridge zu fahren, um einen der beliebten Aussichtspunkte für den Sonnenuntergang anzusteuern. Diese sind derart begehrt, dass es – große Überraschung – gegen 18:15 Uhr natürlich keine Parkplätze mehr gibt. Also hoffen, warten, wenden, nochmal warten, fluchen, weiterfahren und anschließend über einen ca. 1km langen Trail mehr oder weniger zügig den Berg hochhetzen. Dort angekommen bietet sich eine faszinierende Sicht auf die Brücke und die Bucht, wobei wir heute wettertechnisch wirklich viel Glück hatten und keinerlei Seenebel das beeindruckende Panorama störte. Uns blieben ca. 10 Minuten bevor die Sonne langsam hinter dem Berg versank – genug Zeit für ein paar schöne Schnappschüsse, aber definitiv keine Gelegenheit zum Durchatmen. Danach wanderten wir zurück ins Tal, um gegen 20:00 Uhr und mit rund 30.000 Schritten an diesem Tag unter unseren Sohlen den Abend zu beginnen.

Morgen werden wir nochmals einige Stunden in San Francisco bzw. dem Golden Gate Park verbringen, bevor wir anschließend über einige Zwischenstationen nach Monterey / Carmel fahren. Mal schauen, ob wir dort mal wieder für einige Minuten zur Ruhe kommen können..

Kalifornien Tag 10: Yosemite

Liebes Tagebuch, „eigentlich“ bin ich davon ausgegangen, diesen Beitrag ganz entspannt um 20:00 Uhr abends schreiben zu können, bevor ich es mir dann vor dem TV gemütlich mache. „Uneigentlich“ erreichten wir unsere Unterkunft aber erst gegen 00:15 Uhr nachts, nachdem es vorher kleinere Herausforderungen hinsichtlich unseres fahrbaren Untersatzes gab.

Ungewöhnlicher Beitragsbeginn für einen ungewöhnlichen Beitrag – doch der Reihe nach. Da wir bereits am Abend zuvor ein wenig länger als geplant wach waren (es galt noch einige Dinge für San Francisco zu organisieren), trafen wir die naive Entscheidung erst um 07:30 Uhr in unseren Yosemite-Tag zu starten. Großer Fehler. Während wir nämlich die kurvigen Routen im Sequoia noch größtenteils ungestört genießen konnten, gerieten wir im Yosemite von Anfang an in die große, träge SUV- und Ich-fahre-nur-einmal-pro-Jahr-einen-Mietwagen-Flut. Es war sehr frustrierend. Dazu kommt der Umstand, dass der Yosemite zum einen wesentlich größer als der Sequoia National Park ist und es zum anderen diverse Übernachtungsmöglichkeiten direkt im Park gibt. Es gibt daher eine gar nicht so kleine Anzahl von Besuchern, die einen wesentlichen Zeitvorteil haben, was sich neben viel frequentierten Straßen auch in Form von relativ knappen Parkmöglichkeiten manifestiert. Wir fuhren trotzdem ganz tapfer bis hinauf zum Glacier Point, einem auf rund 2.200m gelegenen Aussichtspunkt mit beeindruckenden Impressionen des Parks, insbesondere des Half Domes. Diesen durchaus schönen Hotspot teilt man sich natürlich mit vielen anderen Menschen und noch mehr Selfie-Sticks .. das kann schon ziemlich nervig werden. Dafür war das Wetter schön und die Luft klar, so dass im Prinzip ideale Bedingungen für ein paar nette Panorama-Fotos herrschten.

Vom Glacier Point aus wollten wir eigentlich einen kurzen Abstecher zum Sentinel Dome Trail machen, welcher u.a. eine Aussicht auf die El Capitan genannte Formation bieten soll. Parkmöglichkeiten? 0. Wartender Besucher, die bereits kreuz und quer mit Warnblinker standen? Viele. Wir versuchten unser Glück nach diversen Fehlschlägen bei nahegelegenen Parkbuchten anschließend am Beginn einer Einbiegung, in der wir das wilde Stahlpferd aber fast festgefahren hätten – wenig erfreulich. Danach hielten wir auf dem Weg zum Yosemite Valley bzw. Curry Village noch am Tunnel View (die Faszination desselben zeigte sich mir nicht so recht; man fährt durch einen Tunnel, danach kommt ein großer Parkplatz und von diesem hat man eine recht nette Sichtachse durch ein paar Felsformationen) und einer „Hängebrücke“ über einen Fluss, von dem leider nicht viel mehr als ein breiteres Rinnsal übrig war.

Am Ziel angekommen gab es nur ein Problem: Der Parkplatz am Trailhead war nicht nur voll, er war auch bereits in völlig unkoordiniertem Chaos versunken. Die Menschen stellten ihre Fahrzeuge hier so wild ab, dass das Ausparken vermutlich einer Partie Mikado gleichkam (Vollkasko-Versicherungen mit 0€ Sebstbeteiligung machen es möglich .. genau so sehen gefühlt 99% der Fahrzeuge hier auch aus). Also wieder zum Parkplatz am Beginn der Wanderpfade zurück in das „Dorf“ fahren und von dort mit dem innovativem Hybrid-Bus-Shuttle weiter. Nun konnte unsere Wanderung zu den Vernal Falls (nur rund 2,4km pro Richtung) endlich beginnen. Mit Hinblick auf die allgemeine Erschöpfung und meine leichte Erkältung sahen wir vom sonst so beliebten Panorama-Trail (1h Busfahrt vom Valley zum Glacier Point und dann 14km Wanderung zurück zum Fahrzeug) ab. Die von uns gewählte Route bot dennoch ein adäquates Maß an Wandererfahrung, um unseren Bedarf nach Natur und das tägliche Schrittziel gleichermaßen zu erfüllen. Leider muss man an dieser Stelle fairerweise zugeben, dass man dem Yosemite – meiner Meinung nach – die akute Trockenheit im Vergleich zu allen bisher während unserer Reise besuchten Orten am meisten ansieht. Flüsse sind Bäche, Bäche sind Rinnsale, die Flora ist vergleichsweise unspektakulär und der vorherrschende Farbton ist beige. Dies wird besonders an den Vernal Falls deutlich, an denen man mit Hilfe von Spuren im Stein die eigentliche Breite des Wasserfalls erkennen kann. Diese würde ich auf ca. 20m schätzen, von denen aktuell weniger als ein Meter geblieben ist. Während also Stationen wie LA,San Diego und der Sequoia meiner Meinung nach nicht so extrem unter der Trockenheit leiden (oder man es als Besucher ohne Vergleichswerte nicht so extrem merkt), ist der Eindruck im Yosemite schon ein wenig getrübt.

Absolut fantastisch war hingegeben unsere Fahrt vom Yosemite über das nord-westliche Tor und den Highway 120 nach San Francisco. Die Straßen sind hier zwar größtenteils einspurig (zumindest im Parkbereich), aber gut ausgebaut, breit und sehr einfach zu befahren. Ein absolutes Highlight ist der Abschnitt des Hwy 120 direkt nach dem Park, der sich in weichen (aber dennoch breiten) Serpentinen nach unten windet. Diverse Pässe in den Alpen stehen dieser tollen Route sicherlich in Nichts nach. Das Panorama weiß hier wirklich zu beeindrucken und der Fahrer kann sich eines breiten Grinsens nicht erwähren. Natürlich ist es auch hier nur eine Frage der Zeit, bis man vom Geruch arg strapazierter Bremsen des SUVs vor einem betört wird – wer brauch schon eine Motorbremse, wenn Bremsbeläge doch so erschwinglich sind (mit anderen Worten: Ab und an möchte man schon ganz fest ins Lenkrad beißen). Auch die flachereren Abschnitte der Strecke sind toll, führen sie doch an riesigen Rinderherden und scheinbar unendlichen (bewässerten) Obstplantagen vorbei. Kurz vor San Francisco ging es dann noch kurz über eine mautpflichtige Brücke (wir mussten über die südliche Route einfahren), die einen ersten, faszinierenden Blick auf die Bay Area gestattete.

Dann wurde es nervig, denn wir erreichten Sixt in San Francisco um unseren leicht kränkelnden Mustang zu tauschen. Im Rahmen eines längeren Telefonats mit Sixt in Deutschland und Sixt in Los Angeles wurde uns schließlich am Vortag versichert, dass man in San Francisco bereits auf uns warten würde und ein Fahrzeug der gleichen Kategorie (Cabrio) bereitstehen würde. Wir vermuteten es bereits und so kam es auch: Es wusste natürlich niemand von uns. So wurde es eine ziemlich lange Odyssee, an deren Ende man uns ein altes Mustang Cabrio (2013 oder so) präsentierte – da hatten wir schon rund 90 Minuten gewartet (erstaunlich, wie lange es dauert ein Fahrzeug zu reinigen und vorzufahren). Meine Stimmung hatte einen Tiefpunkt erreicht, denn auf das alte Modell hatte ich offen gesagt so gar keine Lust mehr. Also wieder in die Station und nochmal von vorn. Um den geneigten Leser nicht zu langweiligen, kürze ich ab: Wir erhielten einen (ziemlich nackigen) 328i, mit dem wir von San Francisco zu Sixt nach San Jose fuhren. Dort tauschten wir das Fahrzeug erneut – dieses Mal gegen einen Chevrolet Camaro RS. San Jose hätte zwar am Samstag Nachmittag auch planmäßig auf unserer Route gelegen, aber so lange konnte die Station das Fahrzeug leider nicht blockieren. Ansonsten war Sixt in San Jose aber wirklich so, wie man es sich wünscht: Alle freundlich, alle dialogbereit, alle verständnisvoll und eine extrem beeindruckende Fahrzeugauswahl. Der Camaro selbst ist doch deutlich anders als der Mustang, aber ebenfalls ein witziges Fahrzeug. Dazu an anderer Stelle mehr.

Der Rest unseres spannenden Tages bestand daraus um 22:50 Uhr noch schnell einen Safeway (Supermarkt) zu frequentieren, bevor wir die letzten 70km inklusive Überquerung durch Golden Gate Bridge zurücklegten. So erreichten wir unser Ziel in Paradise Cay (im Prinzip auf der von San Francisco gegenüberliegenden Seite der Bay Area) um 00:15 Uhr und schafften es um 01:15 Uhr auch irgendwann einzuschlafen. Ein spannender Tag ging zu Ende..

Kalifornien Tag 9: Sequoia National Park

Unser Tag im Sequoia National Park erinnerte mich ein wenig an Everglades City – eine Übernachtung in einem Motel irgendwo im Nirgendwo und dann, nach einem „Trucker-Frühstück“, ein zeitiger Start in den Tag. Zugegeben, es gibt stilvollere Arten zu übernachten und insbesondere nach den zwei Nächten im Wynn war das Best Western schon ein gewisser Kulturschock, aber er war dennoch annehmbar (d.h. sauber, recht modern und vergleichsweise ruhig). Auch wenn es vorteilhaft ist mit dem Mietwagen direkt vor der Tür des Apartments parken zu können, würde ich generell empfehlen um ein Zimmer im oberen Stockwerk zu bitten. So fühlt man sich zumindest etwas sicherer und wird morgens nicht von durchziehenden Elefantenherden über einem geweckt 😉

Wie dem auch sei, kurz nach 08:00 Uhr waren wir soweit fit für den Tag und starteten die Tour in Richtung Park. Da man im Sequoia selbst nicht schlafen kann (zumindest nicht soweit uns bekannt), ist eine Anreise von ca. 30 Minuten bis zum Tor zu kalkulieren. Sowohl die letzten Kilometer vor dem Park, als auch jene darin sind für kurvenaffine Autofahrer ein Highlight. Zwar gibt es relativ strikte Tempolimits, doch zumindest morgens ist sehr wenig los, die Straßen sind hervorragend ausgebaut und mit Hinblick auf das typisch amerikanische Fahrwerkssetup in Kombination mit der lustlosen Automatik kann man auch bei moderaten Geschwindigkeiten schon richtig Spaß haben. Klappt natürlich nur so lange, bis die riesigen SUVs in größeren Mengen aufschlagen und sich mit 15 Meilen pro Stunde und 45 minütigem, dauerhaften Bremseinsatz (ich übertreibe nicht!) die Berge runterquälen. Aber selbst bei so geringen Geschwindigkeiten macht die Reise zum und durch den National Park richtig Spaß. Noch vor den Toren sieht man am Kaweah River die extremen Auswirkungen der derzeitigen Trockenheit. Der laut Karte direkt an der Straße verlaufende Fluss (den man wohl sonst eine Art sehr großen Stausee bezeichnen würde) führt ca. 15m zu wenig Wasser, wodurch sich einige hundert Meter um das Flussbett eine grüne Oase aus Bäumen und Sträuchern gebildet hat. Landschaftlich noch spannender ist die Vegetation im Park, die ab einer gewissen Höhe – ganz plötzlich – primär aus den wahrlich gigantischen Riesenmammutbäumen besteht. Ab hier wird es für den Fahrer wirklich herausfordernd sich zu konzentrieren, denn überall gibt es ungewöhnliche Baumkonstruktionen, beeindruckende Sichtachsen und scheinbar endlose Weitsichten zu entdecken. Witzig war eine Situation gleich bei der Anreise, als ein SUV im Gegenverkehr direkt nach einer Kurve stoppte und scheinbar ohne Grund langsam zurücksetzte. Daraufhin erklärte mir Dani, dass sie mir sofort Bescheid sagen würde, sobald sie einen Bären sehen würde. Keine 50m bzw. eine Spitzkehre später hieß es dann „EIN BÄR!“ und tatsächlich kraxelte ein recht kleiner Schwarzbär gerade langsam von einem Baum. Sehr niedlich anzusehen und insbesondere aus dem sicheren Auto – wenn auch bei geöffnetem Verdeck – eine ideale Situation für einen sicheren Erstkontakt.

Danach fuhren wir weiter bergauf, bis zum Parkplatz am Moro Rock. Dort angekommen hieß es erstmal umziehen, denn „irgendwie“ hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Temperatur bis auf 7°C (auf rund 2050m Höhe) fallen würde. Anschließend noch ein Halt im wasserlosen Toilettenhäuschen, bevor wir den recht kurzen aber knackigen Aufstieg bewältigten. Der Stieg ist dabei größtenteils so schmal, dass keine zwei Personen aneinander vorbeipassen, weshalb der Trail zur Hauptsaison sicherlich nur bedingt empfehlenswert ist. Die Aussicht von der Spitze hingegeben ist durchaus beeindruckend und gestattet im Prinzip eine 360° Übersicht – nett.

Nachdem Moro Rock fuhren wir die wenigen Kilometer zum Tunnel Log – einem riesigen Baum, der quer über der Straße liegt und mit einer Durchfahrtsöffnung für (flache) Fahrzeuge versehen wurde. Wenn wir an dieser Stelle jemals Bilder einfügen, wird klarer werden, was ich damit meine 😉 Das Fotomotiv ist jedenfalls sehr bekannt und ein kurzer Abstecher daher fast schon Pflicht.

Anschließend parkten wir am Giant Tree Museum – welches übrigens in jüngerer Vergangenheit bewusst verkleinert wurde, mit dem Ziel den Sinn des National Parks nicht zu konterkarieren – um von dort den weniger als 1km langen Giant Tree Trail abzulaufen. Hierbei handelt es sich im Prinzip „nur“ um einen geteerten, rollstuhltauglichen Rundweg um eine ziemlich beeindruckende Lichtung. Das gesamte Areal ist jedoch so schön angelegt und bietet derart tolle Impressionen, dass sich ein Besuch definitiv lohnt. Naturfreunde allerdings, die große Erkundungstrips bevorzugen, sollten jene lieber auf den insgesamt 64km langen Wegen unternehmen, die man im Museum geduldig erklärt bekommt. Da ich zur Zeit allerdings mit Kratzen im Hals ein ganz klein wenig schwächle, war ich um die „Sequoia Light“-Version nicht böse 😉

Vom Giant Tree Museum fuhren wir weiter zum General Sherman Tree – dem größten Baum der Welt (vom Volumen her). Um zu diesem zu gelangen, muss man den eigentlichen Einstiegspunkt zu einer kurzen Wanderung passieren (hier gibt es nur noch Behindertenparkplätze), um sein Fahrzeug eine halbe Meile später abzustellen. Von hier aus geht es dann – ganz komfortabel – nur noch bergab, bis man den gigantischen Baum und die Besuchermassen nicht mehr übersehen kann. Der Sherman Tree selbst ist wirklich beeindruckend, bildet aber im insgesamt malerischen Park nur den Punkt auf dem I. Will sagen: Es gibt so viele große, dicke und einmalig geformte Bäume, Felsen und Strukturen zu sehen, dass es unfair wäre den Sequoia National Park auf seinen berühmtesten „Bewohner“ zu reduzieren. Vom Riesenbaum aus bietet es sich an dem Congress Trail zu folgen, einem rund 3km langen Rundweg, der weniger intensiv frequentiert wird und auf dem man viele Gelegenheit hat die Weite, Ruhe und vor allem auch Höhe des Parks ausgiebig zu bewundern. Während wir am Moro Rock noch mit vereinzelten Nebelschwaden zu kämpfen hatten, schien mittlerweile eine kräftige kalifornische Sonne – toll. Nachdem man den Congress Trail absolviert hat und wieder am Sherman Tree angekommen ist, kann man die eigene Sportlichkeit auf eine Probe stellen: Entweder mit dem Shuttle-Bus wieder zum Fahrzeug gebracht werden oder den Anstieg zum Parkplatz aus eigener Kraft zurücklegen .. wir entschieden uns übrigens für letztgenannte Option.

Vor dem Hintergrund dieser sportlichen Aktivitäten schmeckt dann auch das Mittagessen im rund 50km entfernten Applebee’s deutlich besser, obgleich die Anreise etwas nervig war (die eigentlich von uns angestrebte Ausfahrt aus dem Park war kurzfristig gesperrt, so dass wir im Prinzip auf dem gleichen Weg aus dem Park ausfahren mussten, den wir auch für die Anreise genutzt hatten). Dennoch macht das Mustang-Fahren bei steigenden Temperaturen, mit tollen Aussichten und einem warmen Wind um die Nase im Sequoia schon richtig viel Spaß. Für ein Cabrio möglicherweise die beste Strecke die wir in den USA bisher erlebt haben und auch deutlich spannender als z.B. die offene Fahrt von Miami gen Key West. Tipp: Besser vor der Einfahrt, z.B. in Three Rivers tanken – sonst kann es im Park u.U. schonmal zu doofen Momenten kommen.

Der Rest unseres Tages verlief weitestgehend unspektakulär. Um Danis Einkaufsliste erfolgreich abarbeiten zu können, stoppten wir in insgesamt vier Supermärkten (ich gebe es ja zu, einen davon gab es schon gar nicht mehr) und gelangten anschließend gegen 20:00 Uhr zu unserer Unterkunft in der Nähe des Yosemite National Parks. An dieser Stelle kann ich nur ein weiteres Mal von unseren äußerst positiven Erfahrungen mit Airbnb berichten. Schon in Los Angeles hatten wir über dieses Portal eine moderne, liebevoll eingerichtete und qualitativ absolut überzeugende Unterkunft inklusive riesigem Pool (wie berichtet) gefunden. Das diese nochmals übertroffen werden könnte, hätte ich nicht gedacht. Hier in Coarsegold wurden wir fast wie im Wynn empfangen – nur halt auf Ferienwohnungs-Art. Pool, Whirlpool, Luxus-Luftbett mit einstellbarer Dämpfung (wie ein Wasserbett, nur mit Luft), Klimaanlage, 65 Zoll (!) Samsung LCD neuster Generation, Apple TV, NetFlix-Flatrate, gefüllter Kühlschrank, moderne Küche, Willkommensgeschenke und ein extrem freundlicher, zurückhaltender Gastgeber. Mehr kann sich kaum wünschen und hätten wir mehr Zeit, würden wir auch bedenkenlos eine Woche in dieser tollen Unterkunft verbringen. Beeindruckend ist übrigens auch der Sternenhimmel bei Nacht. Hier – relativ abgeschieden von größeren Städten und begleitet vom lauten Zirpen der Zikaden – macht es richtig Spaß dem extrem klar erkennbaren Großen Wagen bei seiner Fahrt zuzusehen.

Morgen geht es für uns dann durch den Yosemite, bevor wir abends nach San Francisco weiterfahren. Hier müssen wir am Flughafen zwischenstoppen, um uns von unserem Mustang Cabrio zu verabschieden. Nachdem bereits während der Fahrt nach Vegas der fällige Ölwechsel angekündigt und dieser auf dem Weg zum Sequoia dann auch eingefordert wurde, gab es heute eine Warnlampe die besagte „Powertrain Failure, see dealer“. Zwar war die Meldung nach einem Neustart des Fahrzeugs verschwunden, doch weitere >1000 Meilen und rund 1,5 Wochen wollen wir so nicht weiterfahren. Mal schauen, mit welchem Reisebegleiter wir also ab morgen Abend unterwegs sein werden.

Kalifornien Tag 6,7 & 8: Las Vegas – A City Out Of This World

Long time no talk würde man hier sagen – lange nichts voneinander gehört. Nun, dass liegt wahrscheinlich daran, dass die Tage sechs, sieben und acht unserer Rundreise durch Kalifornien ganz im Weichen der Wüstenmetropole Las Vegas standen und diese – gemäß eines oft verwendeten Claims – außerhalb dieser Welt liegt. Dies bedeutet, dass man (zumindest von San Diego aus) über 5h Anreise quer durch die Wüste kalkulieren muss und wir einen ähnlichen Zeitrahmen für die Weiterfahrt zum Sequoia National Park benötigen. Ohne  vorgreifen zu wollen, war der Ausflug in die Mitte des Nichts jedoch jeden Kilometer und jede Stunde wert.

Die Fahrt nach Las Vegas selbst verläuft unspektakulär bis erdrückend. Sobald man Los Angeles in östlicher Richtung verlässt, nimmt die Bevölkerungsdichte ab. Kilometer für Kilometer wird auch die Natur grauer, einheitlicher und lebloser, so dass man sich (insbesondere ab Barstow) schon mal etwas verloren fühlen kann. Bedingt durch die „großzügigen“ Tempolimits in den USA darf man an keiner Stelle der Wüste schneller als 70 Meilen pro Stunde – weniger als 113 km/h – fahren. Sollte der Bedarf für eine temporäre Tempoerhöhung, z.B. für einen Überholvorgang eines Trucks bestehen, fängt ab 75 Meilen pro Stunde das Kombiinstrument unseres Ford Mustangs an zu piepen – es wurde eine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 80 Meilen pro Stunde eingestellt. Ist das nicht verrückt? Ein über 300 PS starkes Fahrzeug, dass bei kaum 120 km/h abgeriegelt ist. Nach viel Nichts, vereinzelten Tankstellen und viel Geduld kommen dann noch 1,2 Gefängnisse in Sichtweite der Interstate, bevor plötzlich tiefer gelegen eine Skyline mit vielen Einheitsbauten darum auftaucht: Las Vegas ist in Sicht. Die letzten ca. 20km sind dann schnell zurückgelegt, kommen doch die Silhouetten der berühmten Hotels & Casinos immer näher. Auch die Fahrt zum Ort unserer Übernachtung – dem Wynn – könnte einfacher kaum sein (ich hab es dennoch geschafft mich einmal zu verfahren), muss man doch nur von der Interstate abfahren, kurz einer ich denke 5 spurigen Straße folgen, dann links abbiegen, an der zweiten Ampel rechts fahren und schon steht man im Self Parking Bereich des Hotels. Da wir das Auto während unserer Zeit in Vegas mehrfach nutzen wollten, haben wir die Option den Valet-Service zu nutzen bewusst ausgelassen. Dies stellt im Wynn meiner Meinung nach keinen Nachteil dar – die Wege aus dem Parkhaus zu den Gäste-Aufzügen sind vergleichsweise kurz und können auch ohne Inanspruchnahme des Bell Desks problemlos mit mehreren Gepäckstücken zurückgelegt werden.

Also rein in das Hotel (ich war vorher noch nie im Wynn .. die Lage ist ja doch etwas exponierter als z.B. die des Caesars) und plötzlich ist es wieder da, dass ganze Vegas-Gefühl (siehe Beitrag vom Anfang des Jahres). Viele Menschen, noch mehr Bling Bling, überall das Jaulen, Hupen und Klingeln von Automaten .. ja, hier ist es laut .. überall. Spätestens an der Rezeption kehrt dann leichte Ernüchterung ein; auch in einem Fünf-Sterne-Haus muss man einige Minuten auf den Check-In warten (im Vergleich zu dem was wir z.B. im Bellagio gesehen haben allerdings alles noch im Rahmen). Dieser verläuft dann weitestgehend unaufgeregt, bevor die Phase der Neugier beginnt. Wie hoch wird unser Zimmer liegen? Wie modern wird es sein? Wie ist die Aussicht? Das Wynn selbst gilt ja eines der pompösesten Hotels am Strip und legt – nach eigener Aussage – viel Wert auf Exklusivität und Luxus. Dies kann man in nahezu allen Bereichen des Hotels glaubhaft nachvollziehen. Der Casino-Bereich wirkt freundlich, die Servicekräfte recht stilvoll gekleidet, die verbauten Materialen sind sehr hochwertig, alles ist sauber und gepflegt und die gesamte Anlage (Eröffnungsjahr: 2005) vermittelt einen modernen Eindruck. Auch unser Zimmer hat uns nicht enttäuscht: 32. Etage (von 60) mit einer tollen Sicht auf den Strip und das Gelände vor dem Hotel inklusive großem, künstlichen Wasserfall (zur Erklärung: Der Wasserfall gehört zur Parasol Down Bar). Auch die Innenausstattung ist absolut gelungen – stimmige Farben, großzügige Dimensionen, tolle Details & Deko und sehr hochwertige Möbel. Besonders faszinierend ist aber der Moment, wenn man das Zimmer erstmalig betritt, neben der Tür am Bedienpanel auf „All on“ drückt, die Lichter langsam heller werden und vor allem die blickdichte Gardine elektrisch zur Seite fährt und den Panorama-Blick auf den Strip freigibt – das ist schon großes Kino. Auch Menschen mit schlechter Orientierung (wie mir) kann das Wynn wärmstens empfohlen werden – anders als andere große Häuser (auch hier sei exemplarisch das Caesars genannt) sind alle Strukturen klar und gut verständlich nachzuvollziehen. Durch die relativ einfache Grundform des Bogens kann man sein Ziel nicht allzu sehr verfehlen, was hilft unnötige Meilen zu Fuß zurückzulegen. Dieser Bedarf es dann allerdings um den Strip zu erkunden. Durch die Esplanade genannte Shopping-Meile des Hotels geht es zu einer Fußgänger-Brücke, über die man zum Palazzo bzw. wunschweise zu den Grand Canal Shoppes gelangt. Durch diese kann man das gesamte Areal, an der Gondel-Strecke und dem Marcos Platz entlang bis zu Maddam Tausads zurücklegen – und unterwegs schon locker mehrere Tausend Dollar ausgeben 😉 Danach am besten ein paar Schritte weiter an der Straße entlang, diese überqueren und in die The Forum Shops at Caesars gehen. Hier gelangt man über die bekannte, spiralförmige Rolltreppe nach oben, von wo aus man der großzügigen Shopping-Mall bis zum Casino-Bereich folgen kann. Diesen bis zur pompösen Rezeption des Caesars durchquere, dort wieder kurz unter freien Himmel begeben, der Fußgänger-Brücke zum Bellagio folgen und dieses anschließend durch die Shops und den Casino-Bereich bis zum japanischen Garten besichtigen. Nun kann man das berühmte Resort mit dem Wasserspiel vor der Tür am Haupteingang verlassen und entweder nach rechts weitergehen (hier würde dann das neue City Center mit weiteren Shops folgen), oder man wendet sich nach links und bewundert den Blick über das Paris, die Eifelturm-Replik und die Fontänen. Nun hat man bereits einen relativ großen Teil des Strips gesehen, vermutlich viele Eindrücke gewonnen und war dem heißen Wetter mit seinen hitzigen Winden (und den nervigen Verkäufern am Straßenrand) so wenig wie möglich ausgesetzt.

Besonders empfehlenswert ist natürlich ein ausgiebiger Besuch der Fountains (haben wir gleich drei Mal gemacht). Diese bieten ab ca. 15:00 Uhr (bin mir da nicht sicher) bis tief in die Nacht hinein alle 30 Minuten (vor Sonnenuntergang) bzw. alle 15 Minuten (bei Dunkelheit) eine ca. 3-4 minütige, faszinierende Choreographie aus Licht, Wasser und Musik. Dies ist so schön, dass man abends meist ein paar Minuten warten muss, wenn man direkt am Geländer stehen möchte. Die Wartezeit kann man bei kühlen Getränken und / oder durch Fotos mit hübschen Damen (beides gegen kleines Geld) bedarfsweise einfach überbrücken – in Vegas ist man stets gut versorgt 😉 Dies gilt umso mehr für die unzähligen Restaurants, Bars und Snack-Stände, die allerorts auf Kontakt mit der hoffentlich großzügig ausgestatteten Kreditkarte warten. Wenn man eine tolle Zeit haben möchte und bereit ist ein wenig Geld zu investieren, gibt es dafür vermutlich keinen Ort auf dem so kompakt so viele Möglichkeiten geboten werden, wie in der Stadt der Sünde.

Nach einer ersten ausgedehnten Stadttour bestand unser Abendprogramm im Besuch des XS Nachtclubs, direkt  im Wynn. Dem Vernehmen nach ist das XS seit mehr als sechs Jahren der beliebteste Club der Stadt und es wird einiges getan, um diesen Zustand zu erhalten. So gibt es nicht nur exklusive Events (wie z.B. den Sunday Night Swim, bei dem zu guter Musik wild im Pool gefeiert werden darf), sondern auch hochkarätige DJs. Mit David Guetta, Skrillex und Avicii – um nur drei große Namen zu nennen – hat man im XS die Möglichkeit hervorragend unterhalten zu werden. So auch während unseres Besuchs, als David Guetta dem Club im Rahmen eines Sunday Night Swims wirklich gut eingeheizt hat. Dank Übernachtung im Hotel hatten wir Skip the Line Passes, was etwaige Wartezeiten (zumindest bis 23:00 Uhr) schon mal wirkungsvoll vermeidet. Trotzdem war von 22:30 Uhr bis ca. 00:00 Uhr erstaunlich wenig los. Ein paar Menschen im Pool, relativ viele leere Cabanas und Tische (alles recht teuer) und eine eher gediegene Beschallung. Trotzdem strömten fortwährend Menschen in den Club, in dem die Stimmung ab ca. Mitternacht auch merklich an Fahrt gewann. Vermutlich trugen auch die Getränke (ab ca. 14$ für den preiswertesten Cocktail) ihren Teil dazu bei, dass es langsam richtig vorwärts ging. Pünktlich um 01:30 Uhr stoppte dann die Musik und die Menge wurde laut. Ganz unvermittelt stand David Guetta – laut Forbes der zweit best verdienende DJ der Welt im Jahr 2015 – auf der Bühne und verlieh dem Abend mit seinem Song „Play Hard“ („Work Hard, Play Hard“) das passende Credo.

Wer sich die Werbevideos des XS Clubs angesehen hat und von mühsam zusammengeschnittenen Highlights aus sechs Jahren ausgeht, dem kann ich glücklicherweise versichern, dass dem nicht so ist. Durch das Zusammenspiel aus toller Architektur, sehr gutem Service, perfekter Lichtinstallation, super Soundsystem und vor allem authentisch agierenden DJs macht es wirklich Spaß im Vorzeigeclub des Wynns zu feiern. Sicherlich hatten wir auch „Glück“ (okay, wir haben natürlich bewusst das David Guetta Event gewählt und unsere Reise drumherum geplant, aber das klappt ja nicht immer) mit dem Mainact, denn die Art wie David Guetta die 2h von 01:30 Uhr bis ca. 03:30 Uhr gefüllt hat, war schon extrem mitreißend. Man hatte immer das Gefühl, dass er selbst richtig Spaß bei der Sache hat und nicht einfach nur zu mitgebrachter Konservenmusik ein wenig klatscht. Immer wieder hat er neue Spannungsmomente erzeugt, die sich dann in kräftigen Beats, begleitet von einer grellen Lichtshow, Nebelstößen und „Konfetti“ (das metallische Zeug, was bei allen großen Jubel-Momenten im TV zum Einsatz kommt und den Boden übrigens enorm rutschig macht) entladen haben. Dabei herrschte unter den Gästen größtenteils eine enorm gute Stimmung, wen man auch angelächelt hat, alle waren happy. So happy, dass man (und vor allem Frau) sich schon diverser Annäherungsversuche erwehren muss, was unterm Strich aber gut klappt.

Zusammenfassend kann man – wie man hier sicherlich merkt – das Erlebte kaum adäquat beschreiben, weshalb ich mich darauf beschränke zu sagen, dass der Abend im XS Club für mich das bisherige Highlight der Reise war. Hätten wir die Gelegenheit gehabt das Event in der nächsten Nacht zu wiederholen – und es sei es für den fünffachen Preis gewesen – ich wäre sofort dabei gewesen. An dieser Stelle noch ein Hinweis: Will man möglichst weit vorn an der Bühne dabei sein, sollte man spätestens ab 00:30 Uhr langsam anfangen sich in diesen Bereich zu begeben und dort zu bleiben. Sobald es richtig los geht, riegeln die Sicherheitsleute den Tanzbereich ab, und weisen sogar weinende Damen solange ab, bis jemand freiwillig den Rückzug antritt. In diesem Bereich gibt es für Normalsterbliche übrigens keine Gelegenheit neue Getränke zu bestellen oder den biologischen Grundbedürfnissen nachzugehen, weshalb man ggf. vorsorgen sollte. Außerdem wird es im Club naturgemäß recht laut (im Poolbereich wesentlich weniger intensiv), weshalb man auch hier entweder entsprechend planen sollte (im Zweifelsfall Ohropax) oder ein paar Stunden Taubheitsgefühl nicht zu vermeiden sind (in denen schläft man ja meist eh). Falls man im XS feiert, ist es natürlich genial im Wynn zu schlafen. Raus aus dem Club, wenige Meter bis zum Fahrstuhl gehen und nach maximal fünf Minuten kann man mit Aussicht auf den Strip mit der ägyptischen Seide im Californian King Bed kuscheln.

Außer die Nacht zum Tage zu machen, waren wir in Vegas eigentlich nur shoppen (insbesondere die Forum Shops at the Caesars beherbergen meiner Meinung nach ein paar nette Läden; auch das Premium Outlet North hat uns recht gut gefallen .. sein Pendant im Süden eher nicht so), essen (Guy Fieri, die Cheesecake Factory im Caesars und eine Double Frozen Hot Chocolate im Serendipity 3 möchte ich hervorheben) und spazieren. Dadurch, dass in Vegas alles unglaublich groß ist, sind die Distanzen weitaus länger, als man meinen würde. Nur weil man das Wynn vom Bellagio aus fast sehen kann, heißt das nicht, dass man nicht trotzdem 30 – 40 Minuten benötigt, um diese Strecke zu Fuß zu überbrücken. Allerdings gibt es soviel zu sehen, dass hier sozusagen der Weg das Ziel ist. Bedingt durch diesen Umstand mussten wir einen Besuch der Freemont Street und auch die Besichtigung des Hover Damms aufschieben .. weniger ist ja bekanntlich manchmal mehr und wir wurden auch so schon von Eindrücken erschlagen. Auch der Besuch einer Show (wir wollten gern Le Reve schauen) bleibt als offener Punkt auf der ToDo-List – just während unseres Aufenthalts hatte das Ensemble geschlossen zwei Wochen Urlaub.

Das Gefühl einer omnipräsenten Reizüberflutung gilt leider nicht für die Rückfahrt. Während man auf dem Weg nach Vegas ja tendenziell von einer gewissen Neugier abgelenkt wird, ist die Reise durch die Wüste zurück gen Westküste enorm langweilig. Mit einer kleinen Umfahrung mussten wir an einem Tag knapp 600km überbrücken, was bei extrem eintöniger Landschaft (obwohl der Regen in der Wüste schon interessant war) und geringen Geschwindigkeiten definitiv nicht unterhaltsam ist. Etwas interessanter wird es erst wieder ab Bakersfield, wenn die Landwirtschaft an Bedeutung gewinnt und die Szenerie wieder lebendiger wird. Trotzdem ein ganz schön langer Ritt und einen Umweg durch das Death Valley (nochmal +150km) hätte ich mir definitiv nicht mehr vorstellen können.

Nach Los Angeles, San Diego und Las Vegas werden wir jetzt zwei Tage Natur erleben (Sequoia und Yosemite National Park), bevor es dann in die Bay Area nach San Francisco geht. Mal schauen, wie regelmäßig wir die Berichterstattung halten können 😉

Kalifornien Tag 5: San Diego Teil 2

Wenn man schon 300m entfernt vom Stand übernachtet, dann gehört ein Morgenspaziergang an selbigem für uns einfach dazu. Insbesondere nach den vergleichsweise tristen Starts in den Tag in North Hollywood ist es hier in San Diego geradezu gediegen: Auf dem Weg zum Boardwalk einen Lamborghini Hurracan bewundern, ein paar schwer schleppenden Surfern ausweichen und schon kann man die Morgenstimmung am Pazifik genießen. Die Temperaturen sind dabei noch relativ angenehm, obgleich man realistisch betrachtet wenig mehr als einen Bikini tragen müsste (was in diversen Frühstückslokalen jedoch ungünstig wäre .. ich sag nur: No Shoes, No Shirt, No Service).

Begleitet vom harmonischen Rauschen der Wellen sind wir also erstmal eine ausgedehnte Runde bis hinter das Hotel del Coronado gelaufen, bevor wir mit leicht knurrenden Mägen den Rückweg antraten. Zu diesem Zeitpunkt (gegen 07:30 Uhr) wird man dabei schon von größeren Gruppen Joggern unterschiedlichster Geschwindigkeiten überholt, die dabei so ausgerüstet sind, dass man meinen könnte, sie würden aktuell einen Marathon zurücklegen. Ist mir in Deutschland – und ich laufe jetzt schon sechs Jahre – so noch nie passiert. Allerdings ist es durchaus nachvollziehbar, dass die hiesigen Laufstrecken am Meer und an den Piers entlang auch wesentlich motivierender sind.

Nach einem adäquaten Frühstück steuerten wir den Mustang anschließend in Richtung Downtown bzw. an den Harbor Drive von San Diego. Die Midway öffnet ihre Tore um 10:00 Uhr und wir wollten – gemäß der Empfehlung aus Danis Reiseführer – pünktlich vor Ort sein. Dieses Vorgehen hat sich grundsätzlich als sinnvoll herausgestellt, da bei frühzeitiger Anreise noch genügend Kapazitäten auf dem Parkplatz direkt am Museumsschiff zur Verfügung stehen. Für nur 10$ kann man hier den ganzen Tag sehr zentral und extrem sicher sein Fahrzeug abstellen .. der Haken ist nur, dass es wesentlich mehr Touristen als Stellplätze gibt 😉 Da wir zwischen unserer Ankunft und dem Beginn der Öffnungszeiten noch etwas Zeit hatten, erstanden wir kurzerhand noch Tickets für die zwei stündige, große Hafenrundfahrt, die wir später antreten wollten. Wie wir im weiteren Verlauf des Tages herausfanden, war unsere Wahl dabei nicht ideal (später mehr).

Als wir gegen 09:45 Uhr wieder an der Midway ankamen, wurden mit der Schattenseite der Reiseführer-Empfehlung bekannt gemacht: Vor dem Schiff hatte sich bereits eine relativ lange Schlange gebildet – scheinbar hatten viele die Intention die Tour über den Flugzeugträger so früh wie möglich zu beginnen. Es gibt einen separaten Eingang für Besucher mit bereits bezahlten Online Tickets, weshalb ich den Kauf selbiger zurückblickend nur wärmstens empfehlen kann, auch wenn es keine preislichen Vorteile gibt (hinterher ist man immer schlauer..).

Der Versuch den Besuch der Midway (rund 4500 Mann Besatzung; fast 300m lang) selbst zu beschreiben, ist im Prinzip ein müßiges Unterfangen. Egal wie viele Details und Impressionen ich versuchen könnte in diesem Absatz zu beschreiben, dem gigantischen Umfang an sehenswerten Details, außergewöhnlichen Exponaten und kompetenten Veteranen, die auf menschlich unglaublich sympatische Art Rede und Antwort stehen, kann ich nur in Ansätzen gerecht werden. Stark vereinfacht gesprochen, hat man fast vollständigen Zutritt zum Hauptdeck und zum Flugdeck – auf beiden befinden sich insgesamt über 60 Exponate von extrem hoher Qualität. Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken und anzuschauen, man kann in Cockpit-Nachbildungen Platz nehmen, durch Hubschrauber krabbeln oder einfach die Aussicht von der riesigen, schwimmenden Stadt genießen. Außerdem gibt es diverse Auf- und Abgänge in das Unterdeck, in dem man u.a. die Krankenstation (inkl. Zahnarzt, Intensivstation und OP-Saal), die Offiziers Messe, die Wäscherei, die Küche (für Mannschaften und Offiziere getrennt), das Postbüro und vieles mehr besichtigen kann. Die Abgrenzung zwischen der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen und gesperrten Abschnitten wurde dabei sehr elegant gelöst, so dass man nicht (wie in anderen Museen oft der Fall) das Gefühl hat nur einen winzigen Bruchteil des Objekts sehen zu dürfen. Auch einen Teil der Maschinenräume kann man besichtigen und dabei den Ausführungen eines sehr engagierten, kompetenten Veteranen lauschen. Überhaupt trifft man überall auf der Midway auf solche Volunteers, die stets sehr aufgeschlossen und kommunikationsfreudig wirken. Während die von ihnen vermittelte Stimmung im Museum in Pensacola z.B. eher gedrückt bzw. getragen wirkte, ist man auf dem zum Museum umfunktionierten und auf Hochglanz polierten Flugzeugträger in San Diego viel offener. Vermutlich könnte man einen ganzen Tag damit verbringen den spannenden und wirklich abwechslungsreichen Ausführungen der ehemaligen Navy-Angehörigen zuzuhören und hätte sich dabei nicht eine Minute gelangweilt (ich weiß, das klingt etwas platt, ist aber meine ehrliche Einschätzung).

Auch auf dem Flugdeck gibt es vielfältige und praxisnahe Erläuterungen zum Start- und Ladevorgang von Jets und Hubschraubern. Wenn einem das ein ehemaliger Experte in seinem Job am „lebenden Objekt“ erklärt (sprich er dabei direkt neben einem solchen Jet, z.B. mit Fanghaken, steht) ist das schon sehr authentisch und beeindruckend. Überhaupt stellen die Exponate auf der „Sonnenterrasse“ der Midway die allermeisten Technikmuseen locker in den Schatten. Hier sieht man, dass mit viel Liebe zum Detail und Kompetenz gearbeitet wird, was sich sehr positiv auf den Gesamteindruck auswirkt. Natürlich begeistert allein die Größe und Opulenz des Flugdecks, auf dem man schon eine ziemlich ausgedehnte Bewegungsfreiheit im Schatten der gigantischen Brückenturm-Struktur genießt. Auch der Blick auf den Hafen und die Coronado-Bridge lädt zum Verweilen ein, wenn man nicht unter einem gewissen Zeitdruck (wie wir) steht. Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen an der 30 Minuten langen Brückenführung teilzunehmen, bei der man ganz nach oben in den Kommandoturm klettert (vier Stockwerke aufwärts) und den Blick des Airbosses und des Captains nachvollzieht. Auch hier erläutern Veteranen Abläufe und interessante Details, obgleich man durch die begrenzten räumlichen und zeitlichen Kapazitäten schon ein wenig eingeschränkt wird.

Da wir etwas mehr Zeit als erwartet auf der Midway verbrachten, entschlossen wir uns kurzerhand unsere Hafenrundfahrt vorzuverlegen, damit wir am Ende noch genügend Zeit für das maritime Museum haben würden. An dieser Stelle erfuhr unser USA-Urlaub eine erste kleine Delle in der Zufriedenheitskurve. Wer in Deutschland schon mal eine Hafenrundfahrt gemacht hat, hat vermutlich erlebt, dass der Kapitän auf der Brücke steht, das Schiff steuert und dabei einige interessante Details über die Lautsprecher erklärt. In San Diego moderiert der Captain die Fahrt vor dem Ablegen wie einen Boxkampf an und stellt den für jedes Deck zuständigen Service Teamchef vor .. wow. Danach steuert dann „jemand“, während der Captain mit Buschjäger-Hut gegen die Sonne geschützt und Funk-Headset ausgestattet über das Oberdeck läuft und erklärt, was man gerade so sehen kann. Die Erklärungen waren zwar etwas leise und in etwa so detailliert wie die ersten zwei Sätze eines Wikipedia Artikels, aber immerhin. Leider nahmen schon nach wenigen Minuten die Aussetzer in der Moderation massiv zu, da es anscheinend ein Problem mit dem Sound-System gab. Ab nun bestand die größte Show darin, wie der Captain sein Funkheadset durch die Gegend warf, danach das Kabel mehrfach knotete, das konventionelle Mikro nach einigen Versuchen ebenfalls über das Deck schleuderte und irgendwann genervt auf der Brücke verschwand. Unterhaltsam, aber nicht so richtig informativ. Für die meist amerikanischen Gäste schien das aber kein Problem zu sehen, da der Konsum größerer Mengen Bier (in der prallen Sonne bestimmt entsprechend stimulierend) scheinbar sowieso höchste Priorität hatte. So kann ich an dieser Stelle leider keine spannenden Informationen verteilen, außer das im Hafen von San Diego derzeit ein atomgetriebener Flugzeugträger liegt und ziemlich viele weitere Navy-Schiffe. Was man im Vorbeifahren halt so sieht bzw. aufschnappt 😉

Auf Grund dieser grandiosen Erfahrung entschlossen wir uns dazu unsere 2h Premium-Rundfahrt durch beide Hafenbereiche im Rahmen des turnusmäßigen Stopps zur Halbzeit zu beenden (Erklärung: Es gibt eine Rundfahrt durch den nördlichen Hafen und eine durch den südlichen. Wir dachten: 2h Fahrt = große Runde auf eigener Strecke durch alle Bereiche. Realität ist aber: 2h Tour = 1h Fahrt durch einen Bereich, dann Anlegen,  dann partieller Tausch der Passagiere, dann nochmal 1h Fahrt durch den zweiten Bereich). Durch diesen geschickten Schachzug sollte uns genügend Zeit bleiben, um das maritime Museum in vollen Zügen genießen zu können. Kurz vor unserem Abflug habe ich bei Facebook gelesen, dass die HMS Surprise nach knapp vier Monaten im Dock nun wieder zurück ist und freute mich (als jemand, der Master and Commander sicher schon 5x gesehen hat) daher schon sehr auf den Besuch. Achtung: Es folgt die zweite Delle in unserer Zufriedenheitskurve. Während die Dame am Ticketschalter nämlich freudig meine Kreditkarte belastete, entdeckte ich das unerfreuliche Schild mit der Aufschrift: „Sorry, HMS Surprise is in Maintenance“. Darauf angesprochen, erklärte man uns, dass die Coastguard das Schiff noch nicht wieder abgenommen habe. Das wir trotzdem den vollen Eintrittspreis zahlen mussten, quittierte die Bedienung nur mit den Worten „Thank you“. Das maritime Museum in Kurzform: Ein Segelschiff, welches man nur von außen sehen kann, ein russisches U-Boot auf dem ziemlich viel fehlt, eine Replika eines alten Segelschiffs, die noch gebaut wird und nicht betreten werden darf, eine Art Flussschiff, in dem man nur wenige Räume sehen kann, ein recht kleines amerikanisches U-Boot, das man für die Ausstellung massiv verändert hat (Schotts mit Türen, durch die man aufrecht gehen kann und so) und eine kleine Ausstellung auf einer schwimmenden Plattform. Einzig die Star of India, ein 1863 gebautes Segelschiff, dass auch heute noch an speziellen Anlässen als solches genutzt wird, war wirklich sehenswert. Hier konnte man neben dem Oberdeck auch zwei Unterdecks mit ziemlich interessanten Exponaten und auskunftsfreudigen Volunteers erkunden, was schon einen gewissen Mehrwert dargestellt hat. Insgesamt fanden wir das Museum jedoch ziemlich enttäuschend, da es auf uns einen unordentlichen und altbackenen Eindruck machte und man das Gefühl hat auf jedem Meter mindestens drei „No Visitors“-Schildern zu begegnen.

Nach dieser eher ernüchternden Erfahrung (man sollte halt nie zu hohe Erwartungen haben) unternahmen wir noch einen ziemlich langen Spaziergang an der Pier (tolle Aussichten, viel Bewegung auf dem Wasser, Strandkünstler an der Promenade, schöne Aussichten auf die Stadt .. wirklich nett), bevor wir mit einem gewissen Zeitdruck wieder nach Coronado zurückfuhren. Mit einem Rucksack voller Getränke, Süßigkeiten und einer Decke bestückt, begaben wir uns pünktlich zum Sonnenuntergang an den Strand und gesellten uns zu der riesigen Menschenmenge die diesem Erlebnis schon gestern beigewohnt hat. Die Atmosphäre ist dabei ebenso grandios wie der Sand fein und weich .. ich glaube, so ein geniales „Beach Life“ haben wir noch nie erlebt.

Fazit: San Diego Boardwalk & Midway sind absolute Highlights. Es gibt viel zu sehen, viel zu lernen, viel zu bestaunen und man sollte dafür meiner Meinung nach mindestens einen Tag einplanen. Wir waren ca. 3h auf der Midway, was eigentlich viel zu wenig war (insbesondere, wenn man der guten Audio-Tour lauschen möchte). Die Hafenrundfahrt stand durch die technischen Schwierigkeiten unter keinem guten Stern, folgte aber auch ansonsten einer ziemlich langweiligen Route (Hinfahren, drehen, auf genau der selben Strecke zurückfahren). Ob einem die Exponate des maritimen Museums den Eintritt wert sind, muss man abwägen .. der Zeitbedarf hält sich zumindest in Grenzen (ich denke max. 90 Minuten).

Der Abschied von San Diego bzw. Coronado fällt mir definitiv schwer und wenn der Flug hierher nicht so lange wäre, könnte ich mir gut vorstellen hier (also mal so ganz ohne Rundtour) eine Woche Strandurlaub zu machen. Das gesamte Flair ist ziemlich einzigartig und es gibt im Prinzip keinerlei Kritikpunkte – sicherlich einer der schöneren Orte um die Seele baumeln zu lassen.

Morgen früh begeben wir uns dann auf die ca. 535km lange Fahrt in die Stadt der Sünde – Las Vegas, wir kommen!

Kalifornien Tag 4: Alles klebt / San Diego Teil 1

Vorab: Ich muss daran arbeiten, die Beiträge wieder etwas kompakter zu gestalten. So eine Kurzgeschichte wie jene vom Tag 3 mit über 2.200 Wörtern tippt sich nämlich nicht eben nebenbei runter, was die verfügbare Freizeit am Abend zwischen Abendbrot und „Jetzt aber dringend schlafen“ nahezu vollständig ausfüllt. In Florida war das etwas entspannter, da es fast 2h früher dunkel wurde – hier in Kalifornien ist die Sonne erst gegen 19:15 Uhr vollständig hinterm Horizont verschwunden.

Der vierte Tag unserer Reise begann mit dem Abschied von Los Angeles – einer Stadt, die uns sehr positiv überrascht hat. Dennoch bekamen wir beim Versuch der Weiterreise gen Süden die volle Breitseite des hiesigen Verkehrs ab – einer der größten Kritikpunkte an der Movie-Metropole. Es geht nur schleppend vorwärts und jedes Mal, wenn man glaubt einen Knotenpunkt passiert zu haben, stockt der Verkehr nach wenigen Kilometern erneut. Man muss daher entweder mit diesem Umstand leben, oder geschickt drum herum planen. Dies verlangt jedoch ein Maß an Flexibilität, dass teilweise nicht erreicht werden kann (heute hätte wir laut Google Stauprognose z.B. vor 5:45 Uhr oder nach 10:00 Uhr fahren müssen – im Prinzip kaum darstellbar).

Mit viieeel Geduld, bereits gut durchgekocht (30°C noch vor 10:00 Uhr) und ein wenig angenervt erreichten wir nach einem kurzen Zwischenstopp (viel Wärme = viel Wasserbedarf = viele biologische Grundbedürfnisse) gegen 11:30 Uhr La Jolla Beach bzw. den Ellen Browning Scripps Park. Dani berichtete mir im Vorfeld, dass wir dort „maximal 10 Minuten“ brauchen werden, da man sehr schnell dorthin gelangen könne und quasi direkt am Park parkt. Ich stellte mich also auf keinen kurzen Halt ein, wie wir ihn in Florida mehrfach hatten: Parken, ein paar Meter gehen, ein paar Fotos, weiter. Eigenartigerweise (…) hatten ziemlich viele Menschen ein scheinbar gesteigertes Interesse daran den Park „mal eben kurz“ zu besichtigen. Vier Runden um den Block und eine sagen wir lebendige Diskussion später hatten wir tatsächlich einen Stellplatz für unser wildes Stahlpferd gefunden. Vorteil: Die Region ist wirklich toll. Steilküste, steinerne Plateaus, Seelöwen, Pelikane, große Rollwellen, Taucher, Paddler, Schnorchler, Surfer .. alle Aspekte einer lebendigen Badeslandschaft sind erfüllt oder deutlich übererfüllt. Nachteil: Trotz „nur“ 28°C verbindet sich die Kleidung aufs Innigste mit dem Körper – hoher Luftfeuchtigkeit sei Dank.

Wir unternahmen trotzdem einen relativ ausgedehnten Spaziergang an der Küstenlinie entlang, gingen mit den Seelöwen (im vertretbaren Abstand) auf Tuchfühlung, bestaunten die Künste der Surfer und versuchten den stellenweise bissigen Geruch (entweder vom Seetang oder den Meeresbewohnern) zu ignorieren – manchmal gar nicht so einfach. Nach ca. 1h setzten wir unser Fahrzeug ca. 1km weiter in Richtung Süden um und brachen zu einem weiteren Spaziergang an die sog. „Tide Pools“ auf. Hierbei handelt es sich um einen recht flachen Küstenabschnitt aus Sandstein, in dem sich wasserstandsabhängig mal kleine, mal große Bassins bilden in welchen sich einiges Getier tümmelt. Im Prinzip ein bisschen wie eine Mischung aus Wattenmeer und Teufelsmauer (das hilft natürlich nur jenen, die letztgenanntes Naturphänomen kennen). Durch die aufbrandenden Wellen gibt es hier ständig etwas zu sehen und auch zu hören, so dass man allein an diesen Pools vermutlich locker einen Tag verbringen könnte.

Wir fuhren trotzdem weiter, denn unser Tagesprogramm umfasste noch ziemlich viele Punkte. Die Anreise zum nächsten Stopp – den Sunset Cliffs – gestaltete sich so, wie man sich Kalifornien vorstellt. Breite Straßen, warmer Wind, jede Menge Surfer am Straßenrand und Surfboard-bepackte SUVs im Verkehr, coole Musik im Radio, offener „Sportwagen“ (sagen wir einfach Cruiser mit Kultstatus) unterm Hintern – kurzum: Perfekt. Zu vergleichen maximal mit der Anreise morgens um 07:00 im Mustang Cabrio nach Miami Beach – ebenfalls bei entspannten 25°C und mehr. An den Cliffs angekommen betritt man die Domäne der Surfer. Die Straße direkt am Kamm wird von unzähligen Fahrzeugen besiedelt, die meist nur einem Zweck dienen; dem, ein Board zu transportieren. Dieses wird dann über steile Treppen gen Wasser transportiert, wo es eingesetzt und einige hundert Meter ins freie Meer gebracht wird. Dort geht dann der Spaß los – und die hiesigen Cracks haben uns dabei glauben gemacht, dass der Ritt auf der Welle überdurchschnittlich einfach sei. Doch auch wenn der Wind erfrischend und die Villen in erster Reihe beeindruckend waren, nahm der Wunsch nach einer Dusche doch immer mehr zu.

Auf dem weiteren Weg in Richtung San Diego galt es jedoch erstmal den knurrenden Magen zu beruhigen. Entgegen der sonst von uns präferierten Lokale besuchten wir hierzu ein Denny’s (im Prinzip eine Art besseres Schnellrestaurant, aber mit Bedienung am Tisch), welches uns sehr positiv überraschte. Sicherlich ist die Ausstattung und Anmutung nicht mit einer Cheesecake Factory, einem Applebee’s oder einem Chilli’s vergleichbar, aber bei rund 1/3 niedrigeren Preisen bekommt man trotzdem annehmbare Qualität geboten. Ab und an sicher eine gute Option.

Als nächste Station steuerten wir das Cabrillo National Monument – eine Art Park auf einer Halbinsel im Stadtgebiet von San Diego, welche zum Großteil zum Militär gehört – an. Hier erstanden wir kurzerhand den Annual Pass für die Nationalparks (80$ für freie Einfahrt in nahezu alle Parks für 1 Jahr) und legten anschließend die letzten Meter in Richtung Aussichtsterrasse per pedes zurück. Was man dann zu sehen bekommt, ist schon ziemlich beeindruckend. Vor einem liegt eine riesige Stadt (1,3 Millionen Einwohner) in einer Bucht, in selbiger liegen extrem viele Boote, darunter das ein oder andere Exemplar der amerikanischen Marine, vor Anker. Außerdem kann man den Flugzeugträger Midway im Hafen erkennen und am Horizont zeichnet sich bereits Tijuana in Mexiko ab (die Grenze ist so nah, dass das Mobiltelefon sogar schon in mexikanische Netze roamed). Diese an sich schon äußerst spannende Szenerie wird durch ein Gewusel an kleinen und größeren Booten, Patrouille fliegenden Hubschrauber & Flugzeugen und großen Containerschiffen am Horizont weiter aufgewertet – wirklich malerisch.

Nachdem wir die Aussicht vom Visitor Center und später vom Leuchtturm aus ausgiebig genossen hatten, stoppten wir auch kurz noch bei den Tide Pools im Park. Leider herrschte zum Zeitpunkt unseres Besuchs schon Hochwasser, so dass es hier nicht wirklich viel zu sehen gab. Da uns unsere Kraft ein wenig zu verlassen drohte, strichen wir kurzer Hand den geplanten Abstecher ins Gaslamp Quarter und steuerten direkt unser Hotel auf der Coronado-Halbinsel an. Diese ist – ähnlich zu Sanibel Island – der Stadt etwas vorgelagert, kann aber mautfrei über eine vielspurige, optisch beeindruckende Brücke  erreicht werden. Wir erledigten noch kurz einige Besorgungen in einem lokalen Supermarkt (man kann nie genug Wasser haben) und zogen anschließend in unser beschauliches, klimatisiertes (!!) Hotelzimmer 300m entfernt vom Strand ein.

Eine kurze Pause später unternahmen wir einen ersten Spaziergang durch den Ort mit grober Hauptrichtung Strand und waren sehr positiv überrascht. Alles ist super, es gibt die unterschiedlichsten Geschäfte und Restaurants und es ist angenehm viel los, ohne dass sich das erstickende Gefühl großer Menschenansammlungen wie in LA einstellt. Der Strand selbst ist perfekt – anders kann man es nicht sagen. Sehr breit, sehr lang, sehr fein und unvorstellbar sauber. Außerdem tummeln sich auch während und nach Sonnenuntergang allerlei Menschen direkt am Wasser, ohne jedoch, dass man dabei Angst haben müsste. Gefühlt ist die Dichte an Militärangehörigen und ihren Familien & Freunden hier so hoch, dass man sich keine Gedanken um etwaige Gefahren machen muss. Coronado (mit dem legendären Coronado Hotel, welches übrigens nicht zu übersehen und sehr imposant ist) scheint – so zumindest unsere Eindrücke bisher – ein perfekter Ort für einen entspannten Badeurlaub zu sein. Es ist ruhig, es ist sicher, es ist abwechlungsreich, es ist sauber (derart sauber, dass man an der Promenade über weite Strecken barfuß gehen kann, ohne auch nur in einen Stein zu treten), es gibt viel zu sehen und es ist wesentlich leiser und entspannter als z.B. LA oder Miami. Wie sagte Dani so passend: „Wie Key West für Erwachsene“. Abends einen Cocktail in der Beachbar des Hotel Coronado bei Live-Musik .. da kann das Leben schon Spaß machen.

San Diego scheint wirklich cool und extrem vielfältig zu sein. Ob dem auch wirklich so ist, werden wir morgen weiter ergründen. Auf dem Plan stehen neben einem Besuch der Midway die Erkundung des maritimen Museums, die Teilnahme an einer Hafenrundfahrt und – falls wir es zeitlich unterkriegen – der nachgeholte Spaziergang durch das Gaslamp Quarter. Auch ein Strandspaziergang im Sonnenuntergang müssen wir noch irgendwie unterbekommen, bevor es am Sonntag Morgen in Richtung des Landesinneren, nach Vegas, geht.

Kalifornien Tag 3: Warner Bros. Studios & Griffith Observatory

Unser dritter und zugleich letzer Tag in Los Angeles sollte – mehr oder weniger unerwarteter Weise – das bisher größte Highlight unserer Tour für uns bereithalten: Die Warner Bros. Studio Tour. Man muss an dieser Stelle ein wenig aufpassen, denn oftmals wird mit dem Begriff Studio Tour ein Besuch der Universal Studios assoziiert, die ja im Prinzip einen Vergnügungspark mit Fahrgeschäften, Snack-Buden, Souvenirständen usw. vor dem Hintergrund einer „Movie-Szenerie“ darstellen. Die Warner Bros. Studio Tour hingegen würde ich eher mit einer Werksbesichtigung bei einem Automobilhersteller wie z.B. VW oder Audi vergleichen. Man erhält die seltene Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen an einem Ort zu werfen, der einem sonst gänzlich fremd ist. Wie auch beim Besuch des Fabrikbands bei der Fahrzeugherstellung bekommt man das „Produkt“ (in diesem Fall also Filme und Serien) aus einer gänzlich anderen Perspektive zu sehen – je nach persönlicher Interessenlage absolut faszinierend.

Der Grad der Attraktivität der Studio Tour hängt sicherlich immer ein wenig davon ab, wie hoch die eigene Affinität gegenüber filmischen Werken ausgeprägt ist und welche Formate man genau präferiert. Warner Bros. ist aber an derart vielen aktuellen und historischen Produktionen beteiligt, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Das fängt bei legendären Serien wie Emergency Room / ER, Two and a half Men und Friends an und setzt sich u.a. bei Chuck, Heart of Dixie, The Mentalist, Castle und Pretty little Liars fort. Auch filmische Highlights wie Matrix, Master and Commander, Herr der Ringe, Inception und viele weitere wurden zumindest in Teilen auf dem riesigen „Lot“ der Warner Bros. Studios produziert. Je mehr Bezug man zu diesen Werken hat, desto intensiver wird die Erfahrung während der Tour. Da erkennt man plötzlich Szenerien wieder, von denen man niemals geglaubt hätte, dass das Original wirklich so aussieht. Die Metro-Gleise in Chicago beispielsweise, unter denen sich bei Emergency Room immer mal wieder bei strömendem Regen diverse Dramen abgespielt haben, stehen in der Realität in Form von auf alt aufbereiteten, lackierten Plastik-Stelzen ohne Gleise darüber vor der Fassade eines Gebäudes. Man kann sich einfach nicht vorstellen, wie aus diesem Set das spätere, im TV gezeigte und sehr glaubwürdige Werk entsteht – jedenfalls so lange nicht, bis man die Tour weiter verfolgt.

Denn im Verlauf dieser bekommt man nicht nur den Unterschied von Fassade zu Studio erklärt, sondern lernt auch die Wirkung von Licht und Perspektive, die Arbeitsweise eines Greenscreens und noch vieles mehr kennen. Den Rahmen der eigentlichen Tour bildet dabei die Fahrt mit einem elektrisch betriebenen, offenen „Kleinbus“ (eigentlich eine Art Golfkart), der von einem Guide gesteuert wird. Dieser lenkt, erklärt und steht jederzeit für Fragen zur Verfügung. Das Event wird als „not prescribed“ beschrieben, d.h. jede Tour soll individuell sein und sich an den Interessen der jeweiligen Gruppe orientieren. Ob dem nun wirklich so ist, sei dahingestellt (letztlich durchfährt man einen Teil des Produktionsgeländes, besichtigt ein Museum, sieht sich eine der Produktionshallen von innen an, besichtigt eine Fahrzeugausstellung, geht kurz durch die riesige Requisitensammlung und besucht zum Ende eine Art interaktive Ausstellung in der Stage 48), tut der Sache aber überhaupt kein Abbruch. Jede einzelne Station ist extrem interessant und an jedem Punkt warten viele, gut gelaunte und kompetente WB Mitarbeiter darauf das gezeigte zu erklären, weitere Informationen zu geben oder einfach alles dafür zu tun, dass der Tag noch unvergesslicher wird. Dabei hat man an keiner Stelle das Gefühl, dass irgendjemand genervt davon wäre, dass im 10 Minuten Takt (oder sogar noch häufiger) Touristengruppen an seinem Arbeitsplatz vorbei laufen und unzählige Fotos schießen oder das stumpf nach Schema F ein vordefinierter Plan abgearbeitet werden soll. Auch ist der Anteil der „Guck mal hier in die Kamera, oh toll, für 30€ kannst du einen Abzug erwerben“-Aktionen extrem gering bzw. nicht vorhanden. Im Gegenteil, sehr oft bieten die Guides an ein Foto mit der eigenen Kamera zu machen und selbst im Souvenirshop am Schluss hat man das Gefühl, dass die Faszination an den Produkten den Mitarbeitern wichtiger ist, als tatsächlich Umsatz zu generieren. Da werden Zauberstäbe aus Harry Potter gezeigt, es wird zu Fotos angeregt und dabei ganz locker gescherzt .. ganz ganz toll.

Besonders beeindruckend fanden wir neben der genialen Atmosphäre insgesamt:

  • Die Umsetzung der Kulissen und diese gezeigt und erklärt zu bekommen. Erst wenn man bekannte Sets mit eigenen Augen gesehen hat, versteht man den Effekt, der durch bestimmte Beleuchtungen oder Perspektiven erreicht wird. Das gesamte Studio ist dabei unter der Prämisse errichtet worden, dass jedes Gebäude universal genutzt werden kann. Das bedeutet beispielsweise, dass sogar die regulären Büros im Stil eines Motels erbaut wurden und daher in diversen Produktionen als Tatort herhalten mussten. An dieser Stelle merkt man auch die Universalität der Szenerie. Türen erhalten andere Garnituren, Straßenlampen werden getauscht und schon kann ein bestehendes Gebäude für eine ganz andere Produktion genutzt werden. Dies geht soweit, dass einige Formate zu 100% auf dem Gelände der WB Studios gedreht werden und gar keine externen Drehorte mehr genutzt werden. Wirklich irritierend ist dabei die Größe (oder sollte man eher sagen „Kleine“) der meisten Sets – welche Tiefenwirkung hier durch Tricks erreicht wird, ist verblüffend.
  • Um unterschiedlichste Szenerien umsetzen zu können, muss es natürlich auch Menschen geben, die diese bauen. Man besichtigt in diesem Zusammenhang die sog. „Mill“, eine Art riesige Holzwerkstatt, in der Fassaden und ganze Wände für „One Camera Productions“ (also Produktionen, die in geschlossenen Räumen gedreht werden, bei der jeweils nur eine Kamera gleichzeitig genutzt werden kann) hergestellt werden. Diese Elemente werden beschriftet und anschließend innerhalb der unterschiedlich großen Stages (im Prinzip leere Hallen mit starkem Schallschutz) nach Bauplan aufgebaut und mit entsprechenden Requisiten präpariert. Außerdem gibt es Spezialisten, die Innen- und Außenszenarien gemäß des gewünschten Looks aufbereiten: Alt, verrostet, schäbig – mit Hammer, Meißel und Farbe lassen sich beeindruckende Effekte erzielen.
  • Damit die fertigen Sets auch glaubwürdig aussehen, sind natürlich diverse Dekogegenstände und weitere „Zusatzausstattungen“ (wie Möbel etc.) erforderlich. Diese werden bei Warner Bros. im sogenannten „Property Department“ gelagert, aus dem sie bedarfsweise für neue Produktionen ausgeliehen werden können. Dieses Gebäude sieht aus wie eine gigantisch große Verkaufsfläche für Klein- und Dekoartikel in einem typischen Möbelhaus. Auf engstem Raum gibt es von Kronleuchtern, über Möbel (z.B. die legendären Sessel aus Matrix, in denen Morpheus und Neo beim „Rote oder blaue Pille“-Gespräch sitzen), Telefone, Schwerter bis hin zu Antiquitäten wirklich alles Erdenkliche an Deko zu sehen. Unser Tour Guide berichtete, dass WB nach Ende des zweiten Weltkriegs spezielle Einkäufer auf drei Monate lange Shopping-Touren durch Europa geschickt hat, um Schlösser, Antiquariate etc. für anstehende Produktionen abzuklappern. In Zwischenzeit müsse man jedoch so gut wie nichts mehr neu anschaffen. Eine glaubwürdige Aussage.
  • Wirklich beeindruckend war auch die Ausstellung zu Filmfahrzeugen, die während unseres Besuchs ausschließlich Exponate mit Bezug zu den Batman-Filmen gezeigt hat. Insbesondere der über 1,2 Millionen Dollar teure Buggy für den nächsten Teil der Film-Serie war doch sehr sehenswert, handelt es sich um ein vollständig funktionsfähiges Fahrzeug, dass von Grund auf neu konstruiert wurde. Das muss man sich mal überlegen – da bauen Ingenieure einmalige Prototypen vom ersten bis zum letzten Teil einzig und allein für den Zweck des Films – vom Motor, den Bremsen, über das Chassis, Getriebe bis hin zu den Achsen. Für die Innenaufnahmen des Wagens gibt es übrigens jeweils ein separates Modell, da sich die filmischen Ansprüche an Innen- und Außendarstellung i.d.R. nicht vereinen lassen (man erklärte uns, dass beim Batmobil z.B. die Mechanik zum Herausfahren der Sitze in der Realität mit dem Einbauort des Motors kollidieren würde).
  • Die Möglichkeiten und Ausmaße der Postproduction glaubt man so lange nicht, bis sie einem an konkreten Beispielen Schritt für Schritt vor Augen geführt werden. Wenn Gandalf zum Beispiel im Herr der Ringe durch Frodos zu Hause schreitet (das ist diese kleine, geduckte Hütte im Berg) und die Zwerge auf ihre anstehende Mission einschwört, steht er während der Produktion in einem komplett leeren, grünen Raum. An einigen Positionen hängen Ausdrucke der Gesichter der Zwerge, scheinbar um dem Schauspieler eine Hilfe zu geben – aber das war es auch. Außerdem werden die Zwerge und Gandalf zeitgleich in zwei getrennten Räumen mit einer gekoppelten Kamera-Installation gefilmt, wobei die Kamera beim weißen Zauberer rund 20 Zentimeter näher dran ist, wodurch er im fertig gerechneten Film größer als seine Mitstreiter wirkt. Extrem beeindruckend sind auch die Erklärungen zum Thema „Layers“, also der schrittweisen Hinzufügung weiterer Ebenen mit Bildinhalten oder Verfremdungen der vorhandenen Bildinhalte. So erhält der Schauspieler vor dem Greenscreen im ersten Schritt einen Hintergrund, im zweiten wird selbiger farblich etwas aufgepeppt / angepasst und im dritten kommt selektive Unschärfe hinzu. Im Ergebnis erhält man einen bildlichen Eindruck, den es „im echten Leben“ so nie geben würde, aber den wir als TV- bzw. Kino-Konsument einfach erwarten und gewohnt sind.
  • In qualitativ hochwertigen Produktionen kommt der Bearbeitung des Tons mindestens so viel Aufmerksamkeit wie dem des Bildes zu. So wird am Beispiel von Gravity anschaulich gezeigt, welche verschiedenen Tonquellen hier miteinander verwoben werden, um das finale, überzeugende Klangbild zu erreichen. Da wären zunächst die Stimmen der Schauspieler, die vor allem im englischsprachigen Original schon großartig sind. Danach hat man sich damit beschäftigt, wie Astronauten die entsprechenden Geräusche im All wahrnehmen würden. Für die mechanischen Umgebungsgeräusche wurde per Filter eine passende Simulation errechnet. Hinzu kommt das Empfinden der eigenen Stimme welche – ein wenig wie Unterwasser – ziemlich dumpf und stark basslastig klingt und zusätzlich vom eigenen pochenden Herzschlag untermalt wird. Danach wird ein Soundtrack passend zu der Szene kreiert und eingespielt – bedarfsweise von einem bis zu 100 Personen umfassenden Orchester direkt auf dem WB-Gelände. In einem letzten Schritt werden nun alle drei Tonquellen stimmig abgemixt und das uns bekannte Resultat entsteht. Wenn man diesen Prozess mal in seine Einzelschritte zerlegt und auf einer entsprechend überzeugenden HiFi-Anlage gehört hat, weiß man, wie viel Mühe hier in dem Ergebnis steckt, dass wir am Ende einfach nur als „Wow .. hat mich intuitiv überzeugt“ hinnehmen.
  • Spannend fanden wir auch einen echten (also keine Replika!) Academy Award, besser bekannt als Oscar, in den eigenen Händen zu halten. Zwar unter dem kritischen Blick eines Warner Bros. Mitarbeiters, der sichtlich um die Kratzfähigkeit unserer Ringe besorgt war, aber dennoch ohne Panzerglas und frei von zusätzlichen Gebühren. Die etwas über 3,5kg schwere Statuette ist dabei übrigens überraschend schwer.

Die drei zuletzt genannten Highlights spielen sich alle in der sog. Stage 48 ab – einem Bereich der Tour, den man eigenständige durchläuft und hinsichtlich des Zeitbedarfs individuell anpassen kann. Wir fanden diesen Abschnitt jedoch derart interessant, dass wir uns weit über 1h Zeit gelassen haben, um die Erklärungen zu lesen, Vorführungen zu besuchen und interaktive Installationen zu testen. Wie bereits erwähnt, sorgen auch in der Stage 48 eine Vielzahl extrem freundlicher Mitarbeiter für eine Wohlfühlatmosphäre, die wirklich nicht selbstverständlich ist.

Nach dem Ende der Tour (die ich im Übrigen relativ betrachtet ziemlich preisattraktiv finde) hat man eigentlich nur noch einen Wunsch: Sofort mehr davon. Zurückblickend wäre eine VIP-Tour vielleicht eine coole Idee gewesen .. man muss ja noch Ziele haben 😉

Nach den Warner Bros. Studios wollten wir der 37°C heißen Luft durch ein paar Stunden in einer gekühlten Shoppingmall entgehen. Wir fuhren hierzu kurzerhand nach Glendale, was sich aber als vergleichsweise enttäuschend herausgestellt hat. Die Mall war zwar recht modern und sauber, doch sie wirkte fast schon steril und unsere Versuche den heimischen Kleiderschrank ein wenig zu erweitern, scheiterte leider auf ganzer Linie. Immerhin das Hägen Dasz Eis war extrem lecker, wobei ich immer wieder über den Umstand überrascht bin, dass man zwar nicht preiswert mal eben Zwischendurch ein Eis essen kann (unter 4$ geht nix), dafür aber auch große Varianten (3 Kugeln plus Sahne plus Kekse etc.) mit rund 7$ nicht exorbitant mehr kosten.

Den Nachmittag und Abend verbrachten wir anschließend im Griffith Observatory, dass heute zumindest von einer leichten Brise umspielt wurde, die den Aufenthalt auf dem Berg etwas erträglicher machte. Auch sonst war zum Zeitpunkt unseres Besuchs nicht allzu viel los, so dass wir die vielfältigen Installationen, deren Besuch übrigens kostenfrei ist, ganz in Ruhe erkunden konnten. Das ist recht nett, aber an sich vermutlich eher kein Highlight. Selbiges stellt eher eine Teilnahme an den sehr bekannten Vorführungen im Observatorium dar, die mit 7$ pro Person zu dem fair bepreist sind. Leider war unser Timing nicht ideal, so dass wir rund 2h von der Ankunft bis zum Start unseres Happenings überbrücken mussten. Die Show selbst war dabei wirklich toll, insbesondere da es sich überraschenderweise um eine Live Performance handelte. Dies bedeutet, dass die zuvor vorbereitete Bild- und Soundshow während ihrer Laufzeit von einer Moderatorin begleitet und erklärt wurde. Das mag jetzt etwas dröge klingen, war in der Praxis aber sehr authentisch und stimmig – insgesamt kann man eine Teilnahme nur empfehlen. Auch sonst kann man im Griffith Park relativ entspannt auch größere Zeitspannen überbrücken; gegen Abend kommen beispielsweise ganze Heerscharen um den Sonnenuntergang über der Metropolregion zu beobachten. Außerdem hat man ab 19:00 Uhr die Gelegenheit einen Blick durch die Teleskope des Observatoriums zu werfen – ebenfalls kostenlos.

Einzig negativ war der Verkehr auf dem Rückweg, der uns ziemlich viel Zeit und Nerven gekostet hat. Dieser gehört zu LA aber mindestens ebenso dazu wie das Show-Business und will entweder ertragen oder geschickt umgangen werden (dafür muss man aber zeitlich schon ziemlich flexibel sein).

Wie man sicherlich an der schieren Länge dieses Beitrags schon merkt, geht ein sehr interessanter und ereignisreicher Aufenthalt in Los Angeles zu Ende. Obgleich ich vor den drei Tagen hier Angst hatte wir haben eher zu viel Zeit für die Metropole eingeplant, bin ich jetzt umso positiver überrascht. LA bietet unglaubliche viele Facetten, wahnsinnig viele Highlights und sehenswerte Attraktionen für jeden Geschmack. Insbesondere für Menschen mit Interesse an Filmen und Serien sowie allem was dazu gehört, bietet Los Angeles sehr spannende Hotspots. Wir haben hier jedenfalls Eindrücke gewonnen, die unsere Erwartungen weit überstiegen haben. Morgen früh geht es dann weiter nach San Diego – es bleibt spannend.