Reisetagebuch 2012 Tag 1: Ich will wieder an die Nordsee..

Irgendwie ist das Thema Sommerurlaub bei uns bereits traditionell ein eher schwieriges. Zum Ende eines jeden Urlaubs nehmen wir uns vor das nächste mal „vieeeeeeeel mehr im Voraus“ zu planen und uns irgendeinen schone lange gehegten Reisewunsch zu erfüllen.

Dieses Jahr sah es sogar fast so aus, als ob uns das gelingen würde. Pläne wurden geschmiedet, Flüge verglichen, Reiserouten geplant, Mietwagen gesucht. Doch dann kam privat das ein oder andere „Projekt“ dazwischen und als diese soweit abgearbeitet waren, machte uns dann plötzlich der Job einen Strich durch die Rechnung. Vor Ende November gab es keine Chance mehr als eine Woche am Stück gemeinsam frei zu bekommen. Da ich so lange nicht mehr durchgehalten hätte (immerhin hatte ich dieses Jahr schon vier freie Tage) und die Bedingungen für eine nationale Reise (zumindest dieses Jahr) nicht mehr wirklich besser werden würden, entschieden wir uns mit rund drei Wochen Vorlaufzeit für 4 Tage Sylt + 3 Tage Warnemünde.

Und da sind wir nun: Beim Reisetagebuch 2012, Tag 1, der Anreise und Ankunft in Westerland nebst erster Eindrücke. Wie bei jedem Urlaubstripp kam vor der Erholung natürlich etwas Stress in Form des obligatorischen Großeinkaufs (am Donnerstag) sowie des möglichst effizienten Packens (am Freitag). Nach rund 3h Arbeit dachten wir Freitagabend auch noch auf einem guten Weg zu sein und das Schlimmste hinter uns zu haben. Um unser Ziel noch vor Sonnenuntergang zu erreichen, stellen wir den Wecker also frohen Mutes auf 06:45 Uhr und gingen beruhigt schlafen.

Das passt schon – das Auto hat ja gleich zwei Kofferräume!

Am ersten Urlaubstag erlebten wir dann unerfreulicherweise nach weniger als 20 Minuten den ersten Rückschlag: Obgleich wir das Auto schon teilweise beladen hatten, fügte sich die geplante Zusammenstellung an Koffern und Boxen für den vorderen Kofferraum des Boxsters nicht so zusammen, wie wir es gehofft hatten. Es gab ad-hoc nur drei Optionen: Ladung reduzieren (irgendwie konnte aber nix mehr da bleiben), die vordere Klappe ca. 5 cm offen lassen und mit Tape fixieren (nicht verkehrssicher und erst gar nicht stilecht) oder Umladen von stabilen und schönen Boxen in wenig ansehnliche Tüten. Keine 15 Minuten später und damit immer noch voll im Zeitplan, verließen wir die heimische Garage mit einem absolut randvoll gepackten Boxster. Sowohl der vordere als auch der hintere Kofferraum waren bis Oberkante Unterkiefer gefüllt und auch hinter den Sitzen waren die letzten Liter Stauraum beladen. Unser Anblick bewies: Man KANN mit dem Boxster zu zweit gut in den Urlaub fahren, MUSS man aber nicht. Nunja, in zwei Wochen sollten diese Sorgen der Vergangenheit angehören 😉

Gegen 07:30 Uhr schlugen wir also mit noch etwas kleinen Augen aber frohen Mutes beim Bäcker (gefrühstückt wurde während der Fahrt)  bzw. bei der Sparkasse (Ferienwohnung gab es nicht umsonst) auf. Wenige Minuten später fanden wir uns gemeinsam mit relativ wenigen Autos auf der A5 gen Norden wieder und näherten uns sogleich Meter um Meter dem 708km entfernten Ziel.

Man wächst an seinen Herausforderungen 😉

Bereits nach rund 40km – ich hatte mich gerade an das etwas andere Fahrgefühl des vollgeladenen Wagens gewöhnt – geriet unsere Reise das erste Mal ins Stocken. Ein ML hatte sich überlegt Feuer zu fangen, und im Rahmen der Bekämpfung dieser Störung beschlossen Feuerwehr und Polizei die Autobahn auf einen Fahrstreifen zu verengen – nicht lustig. Zum Glück verloren wir so nur rund 15 Minuten und spätestens nach diesem Zwischenfall galt das Zitat des Piloten aus „Pilots Eye – Düsseldorf – Male“ der da sagte: „Ab jetzt zieht sich’s“.

Um diese doch eher träge Transitphase zu verkürzen, brachte ich das PCM dazu „Blackout“ von Marc Elsberg wiederzugeben. Dabei handelt es sich um eines der interessantesten Hörbücher, dass ich bisher gehört habe (Hintergrund: IT-Angriff auf die Stromversorgungsinfrastruktur, soweit ich das beurteilen kann relativ realitätsnah, sehr spannend, absolute Empfehlung).

Studium der letzten Details noch während der Reise

Spätestens 30km vor Hamburg fing die Strecke an zäh zu werden und meine Lust zum Autofahren neigte sich bedächtig dem Ende. Im Elbtunnel stockte es wie immer, die Verkehrsdichte war hoch, die Durchschnittsgeschwindigkeit sank, die Stimmung tat es ihr gleich. Trotzdem erreichten wir irgendwann die letzte Ausfahrt der A7 vor der Bundesgrenze, welcher wir in Richtung Niebüll folgten. Spätestens hier war ich vom Tourismus in Schlewsig Holstein etwas enttäuscht. Die letzten ca. 50km bis zur Verladung auf den Autozug müssen auf einer einspurigen Bundesstraße zurückgelegt werden, welche dank mehrerer Ampeln und abknickender Vorfahrten dem touristischen Verkehrsaufkommen natürlich in keinster Weise gewachsen ist. Auch an der DB-Station konnte ich meine Begeisterung nicht so recht wiederfinden, herrschte doch allgemeiner Informationsmangel. Eine Tafel welche die aktuelle Wartezeit angibt fehlt ebenso wie (zumindest stellenweise) eine vernünftige Spurführung. So steht man also in langen Schlangen, starrt auf große rote Ampeln, beobachtet die anderen Autofahrer beim Kampf mit den Ticketautomaten und fragt sich, ob die Einordnung in Zone A oder Zone E jetzt irgendwie etwas Schlimmes zu sagen hat. Nebenbei kann man sich Gedanken darüber machen, ob es noch irgendwo eine Toilette gibt und wie man zu dieser Vordringen soll, ohne dem Nachbarn ein Autogramm der eigenen Tür zu geben. Kurzum: Ich fand die Situation schon zu zweit stressig; wie man diese mit Kindern meistern soll, ist mir ein Rätsel. Erfreulicherweise dauerte das gesamte Prozedere bei uns nur rund 40 Minuten, so dass wir uns (leider im Untergeschoss) und bei leicht einsetzendem Nieselregen ruckelnd und zuckelnd in Richtung Hindenburgdamm auf den Weg machten (Ticketkosten für Hin- und Zurück zusammen übrigens 86€).

Auffahrt auf den Autozug (perfektes Timing zum Drücken des Auslösers)

Ab hier wurde die Stimmung besser: Durch minimal geöffnete Fenster drang der Geruch des Meeres an unsere Nase, und während riesige Schaf- und Rinderherden an uns vorbei zogen, wurde das Land immer weniger und zunehmend mehr Meer umgab uns. Nach ca. 30 Minuten erreichten wir dann auch schon Westerland, wo wir in etwa genauso unspektakulär und fast schon unmerklich den Autozug verließen, wie wir ihn in Niebüll enterten. Die letzten 1,5km auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung waren dann schnell zurückgelegt, so dass wir unser Urlaubsdomizil für die nächsten vier Tage rund 8h nach Aufbruch in Friedrichsdorf in Augenschein nehmen konnten.

Rechts das Mutterschiff, links unser Domizil

Die aus dem Vergleich vieler Angebote als „Sieger“ hervorgegangene Ferienwohnung bestand in einem separaten Gebäude (am besten vergleichbar mit einem ausgebauten zwei-etagigen Bootsschuppen, ob gleich Dani der Meinung ist, da es sich um einen Neubau handelt) in der Nähe eines typischen Sylter Einfamilienhauses. Relativ zentral in Westerland gelegen, gingen wir von kurzen Strecken zu allen relevanten Orten (und damit natürlich auch zum Strand aus) und freuten uns auf einen modernen Standard. Tatsächlich befand sich das Objekt tatsächlich erst seit kurzem im Angebot und begeisterte uns mit einem absolut erstklassigen Zustand. Vor allem die vielen kleinen Details wie z.B. die Türknäufe in Form von Muscheln und das Sylt-Logo auf dem Stöpsel des Waschbeckens sorgten für das ein oder andere Lächeln – so fühlt man sich wohl. Auch sonst gab es in Form der separaten Schlafetage nebst Dachfenstern (tolles Prasseln bei Regen!), Einbauschränken, einem modernen Bad sowie einem eigenen Strandkorb mit Sichtschutz viele schöne Ausstattungsmerkmale zu finden. Entsprechend schnell waren auch die Formalitäten erledigt und der Schlüssel nebst Kurkarten übergeben.

Allgemeine Eindrücke des stimmigen Innenraums

Unmittelbar nach dem Auspacken eilten wir dann schnellen Schrittes in Richtung Promenade und Strand .. das frühe Aufstehen musste sich schließlich amortisieren – und außerdem knurrte uns beiden gehörig der Magen. Nach rund 800m befanden wir uns dann auch schon in Mitten der Westerländer Einkaufsmeile, die uns zurückblickend nicht so wirklich begeisterte. Zwar gibt es hier auffallend viele hochwertige Boutiquen (vorrangig für Bekleidung), die auch teilweise in schönen Gebäuden untergebracht sind, doch diese bestimmen (zumindest unserer subjektiven Wahrnehmung nach) nicht unbedingt das Bild der Promenade. An relativ zentralen Stellen finden sich vereinzelt recht angestaubt wirkende Geschäfte, die den eigentlich hochwertigen Eindruck einfach trüben.

Neutraler Eindruck der Westerländer Promenade – möge man sich selbst eine Meinung bilden

Wie dem auch sei .. zügig näherten wir uns dem entfernten Rauschen und nach einer kurzen Kontrolle der Kurkarten standen wir dann bereits mitten im Wind, aber mit tollem Blick auf das Meer.

Das erste Strandfeeling 2012

Da sich das Wetter hielt und das Gewusel nicht zu groß war, bogen wir spontan nach rechts ab und begaben uns vorbei an der Konzertmuschel in Richtung Norden. Vereinzelte Kite-Surfer fegten über die Wellen und während wir uns so langsam von der langen Fahrt erholten, kamen die ersten Begehrlichkeiten auf. Dani kämpfte mit dem Wind in den Haaren und mein Bauch meldete sich mit zunehmender Vehemenz und erinnerte an fehlenden Nachschub. So drehten wir nach ca. 2km wieder um und steuerten erneut die Promenade an. Zwar war eine erste Suche nach einer Mütze erfolglos, dafür verlief unser Erstkontakt mit der Lokalgröße „Gosch“ bzw. seinen Restaurants sehr positiv. Nach wenigen Minuten hielten wir eine stärkende Mahlzeit in den Händen, nach deren Genuss wir erneut in Richtung Strand aufbrachen.

Abendstimmung mit Blick auf das Hotel Miramar

Während die Sonne sich langsam aber unaufhaltsam auf den Horizont zu bewegte und sich das Meer Meter um Meter dem Niedrigwasserstand näherte, flanierten wir – ganz ungewohnt – auf einer Art gut ausgebautem Steg in Richtung Süden. Bei diesem Spaziergang kamen wir dann auch so langsam zur Ruhe und beschlossen erneut die Ferienwohnung anzusteuern. Noch unterwegs fiel uns dabei ein sonst so selbstverständliches Detail auf: Man sah weit und breit keine Schiffe, einen Hafen hat Westerland naheliegender Weise ebenfalls nicht zu bieten. Kein Problem, die folgenden Tage sollten uns ja noch ausreichend Gelegenheit geben die anderen „Ecken“ Sylts zu erkunden.

Sonnenuntergang am Strand von Westerland

Nach ca. 12.000 Schritten ging dieser Tag zur Neige, und wir fielen ziemlich müde in die etwas unvertrauten Betten. Leider verbrannte sich Dani kurz vorher an der Unterbaubeleuchtung (Halogen) der Küche, was eine schmerzliche Brandblase am Finger hinterließ 🙁

Weitere Foto finden sich wie immer in der Galerie: Klick.