New England States Tag 15: ein perfekter Tag am Meer

Ich weiß, die letzten Tage waren unsere Reisebericht durchaus ambivalent und zwischen der ein oder anderen Zeile ließ sich auch Enttäuschung über verschiedene Kleinigkeiten recht deutlich herauslesen. Aber so ist das halt, wenn sich auf einer großen Tour befindet, große Erwartungen hat und diese dann nicht immer erfüllt werden. Zum Teil müssen wir uns sicherlich falsche bzw. unrealistische Ansprüche eingestehen, einen weiteren Teil macht vermutlich das immer benötigte Quäntchen Glück (mit dem Wetter, den Walen, dem Stau, …) aus und manche Dinge, sind einfach doof (z.B. unrealistische Beschreibungen, Fälle von klassischem Touristennepp). Je nach Zusammensetzung der genannten Faktoren kann die Stimmung dann schon mal eine gewisse Tendenz entwickeln und dann ist er plötzlich da – der Frust – zumindest kurz. Wie man über die letzten 14 Tage sicherlich gemerkt hat, fiel es mir zudem schwer unsere Rundreise durch die Neu England-Staaten nicht immer wieder mit dem Benchmark aus dem letzten Jahr, Kalifornien, zu vergleichen. Auch an der Westküste war nicht immer alles perfekt, aber wenn etwas mal etwas nicht so toll war, dann lag es eigentlich immer an uns (zu müde, zu erschöpft, leicht kränkelnd .. und nach zwei Wochen auf Tour mit immer neuen Eindrücken zeigt das dicke Fell hat langsam Aufallerscheinungen). Warum jetzt aber diese eher philosophische Einleitungen? Weil heute endlich mal wieder ein perfekter Tag war. Vom Frühstück in der Sonne, über das Mittagessen am Meer bis zum Sonnenuntergang am Strand war es ein Urlaubstag wie aus dem Bilderbuch, einer der hilft wieder aufzutanken und der die notwendige Kraft für anstehende Herausforderungen nach der Reise gibt.

Wie bereits gestern angekündigt, fuhren wir wesentliche Stationen des zuvor bei Regen absolvierten Trips ab und steuerten daher zunächst Chatham im Südosten an. Den touristischen Ortskern durchfuhren wir ohne Stopp und stellten unseren schneeweißen Ford Escape an einem der wenigen, legalen Parkplätze in der Nähe des Strandes ab. Die künstliche Verknappung der freien Stellflächen und deren schlechte Ausschilderung ist auch in Chatham (ähnlich wie in den Hamptons) signifikant, so dass man sich häufig auf ein winziges Stück Seitenstreifen quetscht, während nebenan ein parkähnliches Grundstück mit einem kleinen Haus darauf steht. Nun, Exklusivität hat halt ihren Preis.

Der Spaziergang direkt entlang des Wassers war erneut sehr faszinierend. Da die Tide gegen 06:00 Uhr am höchsten war, lief während unseres Besuchs ein breiter und erstaunlich kräftiger Strom in Richtung der offenen See – kein Wunder, dass das Baden hier verboten ist. An einigen Stellen scheint es zusätzliche Unterströmungen zu geben, so dass die Wassermassen richtig laut plätschern. Ab und an treibt dann schon mal eine Robbe (oder ein Seehund?) vorbei, der die Strömung wie ein Anhalter nutzt. Je weiter man auf der trocken gelegten Landzunge spaziert, desto lauter wird das Meer – bis zu einem Punkt, an dem man denkt, man stünde neben einem sehr hohen Wasserfall. Ab und an kämpfen einlaufende Fischerboote gegen die Strömung an, was man an der geringen Geschwindigkeit und dem auffällig lauten Motorgeräusch hört – durch die außergewöhnliche Form der Bucht fahren die Kutter ja auch in weniger als 50m Entfernung vorbei.

Nach einem sehr ausgedehnten und landschaftlich beeindruckenden Spaziergang kehrten wir zu unserem Ausgangspunkt zurück, um anschließend einige Meilen weiter nach Norden zu fahren – zum Fischerhafen von Chatham. Hier wollten wir gestern schon kurz halten, scheiterten aber an fehlenden Parkmöglichkeiten (die überall präsenten „No parking anytime, 50$ fine“-Schilder schrecken dann doch etwas ab). Heute hatten wir etwas mehr Glück und so endlich Gelegenheit die Besucherterrasse im Hafen näher zu erkunden. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war dieser Tipp aus dem Reiseführer wirklich ein Volltreffer. Von der Plattform aus kann man Fischern zuschauen, die unmittelbar vor- und unter den neugierigen Zuschauern ihre Fracht löschen, begleitet von verspielten (und vermutlich hungrigen) Seehunden. Außerdem hat man eine sehr schöne Weitsicht über die Bucht und das bunte Treiben darin, so dass man – entsprechendes Interesse vorausgesetzt – hier ganz locker eine Stunde zubringen kann.

Von Chatham aus fuhren wir weiter gen Norden, genauer gesagt zum Fort Mills Trail. Dieser ist recht kurz (1,2 Meilen) und führt durch eine recht schöne Marschlandschaft direkt am Meer. Etwas problematisch sind die erstaunlich großen Hirschzecken – man sollte den Weg besser nicht allzu weit verlassen 😉 Ansonsten ist der Pfad aber recht ereignisarm, weshalb ich zurückblickend empfehlen würde die Aussicht von einem anderen Punkt zu genießen und die Wanderung bei Zeitknappheit eher auszulassen.

Im weiteren Verlauf steuerten wir – wie gestern – den Coastguard Beach (an diesem gab es heute keinen einzigen Parkplatz, weshalb wir weiterfuhren), die Three Sisters (die bei Sonnenschein eigentlich nur wie drei größere Littfaßsäulen aussehen) und schließlich den Great Island Trail im Westen an. Über einen ziemlich ausgewaschenen, aber kurzen Weg gelangten wir bei bester Musik (Ultra Japan über Sirius war wirklich fantastisch) auf einen abgelegenen Parkplatz in unmittelbarer Wassernähe. Etwas nervös machte mich zunächst das dezente Schild mit der Aufschrift „Attention: This lot is affected by high tide“ (Achtung: Der Parkplatz säuft bei Hochwasser ab – salopp übersetzt), Augenblicke später hatte ich beim Aussteigen ein Déjà-vu an „Die Mumie“. Sobald ich einen Fuß auf den Boden gesetzt hatte, schreckten hunderte kleiner Winkerkrabben (das kommt heraus, wenn man „Krebs mit einer großen Schere“ googled) auf und bewegten sich in Richtung des schützenden Schilfs. Die unerwartete Menge dieser kleinen Krabbler und ihre schnellen Bewegungen können durchaus einschüchternd wirken, so dass ich meine nur sandalen-bewährten Füße nur noch mit Vorsicht aufsetzte. Je näher man hinschaut, desto mehr neugierige Krabben entdeckt man, die in meist sehr geringer Entfernung mal schnell, mal langsam über den Boden huschen. Nach einigen Minuten beschlossen wir für die geplante Wanderung einen anderen Parkplatz zu wählen und überließen unsere kleinen Voyeure wieder sich selbst – sicherlich zur Erleichterung auf beiden Seiten.

Der sich nun anschließende Spaziergang entlang des Great Island Trails war ebenfalls nett, aber nicht außergewöhnlich. Auch hier gab es sehr schöne Aussichten über das Umland zu bewundern, wobei der Strand nicht allzu toll war (recht viel Seegrass, rauer Sand), weshalb wir den Ausflug etwas verkürzten und nach rund 3km zum Auto zurückkehrten. Mit knurrenden Mägen stoppten wir im Anschluss für eine kurze Stärkung bei Ben & Jerrys, da wir wenigstens einmal in diesem Urlaub einen Eisbecher nach amerikanischer Art essen wollten. Daraus wurde leider nichts, da auch dieser Ben & Jerrys „nur“ Kugeleis und andere Kleinigkeiten verkauft, aber keine richtigen Eisbecher. Die Wahl des Stopps hat zudem zumindest meinem Bauch nicht gefallen, da ich die nächsten 1,5h mit eher unangenehmen Gefühlen zu kämpfen hatten. Unseren Besuch am Race Point in der Nähe von Provicetown ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Auch hier müsste man – wenn die Saison nicht bereits vorbei wäre – eigentlich 20$ für’s Parken bezahlen, wobei der Strand auch wirklich sehr lang und „einigermaßen“ weich ist. Theoretisch dürfte man Teile der Küstenlinie übrigens sogar befahren, wobei hierfür eine separate Genehmigung erforderlich ist. Ab und an gab es sogar Seelöwen in unmittelbarer Ufernähe zu sehen, was schon schön war. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir einen schönen Platz um unsere Decken auszubreiten und eine kleine Pause einzulegen (fand mein Bauch ganz toll). Als wir wieder aufwachten, war das Rauschen des Meeres erstaunlich laut, was daran lag, dass das Wasser auf 2m an uns herangekommen war – ganz offensichtlich war die Flut auf dem Vormarsch.

Also packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren ein weiteres Mal nach Provincetown. Das „Flair“ der sehr individuellen Stadt entsprach nach wie vor dem am Vortag. Ein buntes Gewusel, sehr viele Menschen, sehr viele unterschiedliche Geräusche und Gerüche – in P-Town ist schon echt viel los. Im Gegensatz zu unserem Besuch gestern hatten wir jedoch etwas mehr Zeit, so dass wir den Hafen ausgiebig besichtigten und uns auch das Angebot der lokalen Souvenir-Künstler-Stände („Crafted here on site“ / Hier vor Ort hergestellt) näher ansahen. Die feilgebotenen Waren waren zum Teil schon durchaus nett, die Preisgestaltung scheint aber einen heftigen Touristen-Zuschlag zu beinhalten (geschnitzte Schilder in mittlerer Größe ab 140$ etc.). Zum Abendessen gab es Lobsterroll (also zumindest für Dani) direkt am Wasser – quasi als Übung für den vollen Lobster, der morgen auf dem Programm steht.

Als sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, steuerten wir erneut den Race Point, genauer gesagt die Herring Cove an. Es handelt sich hierbei um einen sehr langen Parkplatz, der leicht erhöht an einem Strand liegt. Man hat also eine hervorragende Sicht auf die Küste, das Meer und den Sonnenuntergang und kann diesen wunschweise – wie wir – direkt aus dem geöffneten Kofferraum genießen. Das Panorama und die Farben des Sonnenuntergangs waren dabei wirklich schön – ganz, wie man sich das Ende eines perfekten Tags am Meer vorstellt. So haben wir Cape Cod nach einem langen und facettenreich Tag ziemlich lieb gewonnen. Die sanften Landschaften sind zum Teil sehr reizvoll und die vielen verschiedenen Strände bieten jeweils ganz eigene Reize. Im Gegensatz zu den Hamptons ist die kleine Insel im Osten Massachusetts‘ stark bewaldet, weshalb sie einen ursprünglichen, natürlicheren Charakter versprüht. Die starke Tourismus-Industrie, die Exklusivität inkl. riesiger Prunkbauten und die z.T. künstliche Parkplatzknappheit hat man jedoch genauso. Ernsthaft, insbesondere zur Saison kann eine mehrtägige Rundtour auf Cape Cod mit wechselnden Stationen pro Tag schon durchaus preisintensiv werden, kostet doch nahezu jeder Parkplatz in der Regel zwischen 15 und 25$ pro Tag – Stellflächen mit stundengenauer Abrechnung gibt es tendenziell eher selten. In den Touristeninformationen wird ein Seasonal Park Sticker für 60$ angeboten, wobei wir uns mangels Bedarf nicht näher mit den zugehörigen Bedingungen beschäftigt haben – die Anschaffung könnte sich aber ggf. schnell amortisieren. In jedem Fall sollte man die Distanzen auf der Insel nicht unterschätzen. Selbst zur Nebensaison mit wenig Verkehr dauert die Fahrt von P-Town im Norden zu unserer Unterkunft in Dennis Port (ziemlich in der Mitte des horizontalen Teils von Cape Cod gelegen) etwas über 1h – man darf halt niemals vergessen, dass man meist mit maximal 80 km/h pro Stunde unterwegs ist, häufig weniger).

Morgen endet dann leider unser Abenteuer an der Ostküste – glücklicherweise erst um 22:10 Uhr in Boston. So bleibt uns fast der gesamte Tag, um nochmals das Maximum aus unserem letzten Tag auf Cape Cod zu holen. Ideen und Möglichkeiten gibt es so viele (eine Fahrradtour auf den sehr gut ausgebauten Wegen, eine Kajak-Tour durch die Marsch-Landschaften, eine Stand Up Paddle Tour und so vieles mehr), wobei wir vermutlich auf eine Kombination aus Mini Golf, Hafen in Chatham, Strandspaziergang und Lobster essen setzen werden. Ich vermute den morgigen Beitrag nicht zur gewohnten Zeit veröffentlichen zu können und bitte daher um etwas Geduld.

New England States Tag 14: die Geduldsprobe

Unser vierzehnter Tag an der Ostküste der Vereinigten Staaten begann zunächst ziemlich nach Plan: der Regen hatte aufgehört, der Himmel war immer noch recht zugezogen und der kleine Teich vor unserer Tür begann langsam auszutrocknen. Während die Arbeiter auf dem Anwesen gegenüber begannen das nächste Feriendomizil aufzuhübschen, frühstücken wir uns also gemütlich in den Tag.

Da wir noch keinen allzu guten Überblick über Cape Cod hatten – die beschauliche Insel ist immerhin 60km hoch und 50km breit – hatten wir am Vorabend eine Route aus mehreren verteilten Stationen geplant, um die Gegend etwas besser kennenzulernen. Stopp Nummer eins war das im Nordwesten gelegene Städtchen Sandwich, dass über tolle Strände verfügen soll. Bereits auf der rund 45 Minuten langen Fahrt kamen uns leichte Zweifel bezüglich unseres Vorhabens, denn plötzlich war der Regen zurück und obgleich die Intensität eher wechselhaft war, gab es plötzlich keine Tendenz für sonnige Bedingungen mehr. Irgendwann wurden die Straßen immer kleiner, wir erreichten unser Ziel und mussten sofort den Plan verwerfen zumindest ein paar Fotos zu machen, denn der Regen war unerfreulich intensiv. Dass er noch Reserven hatte, merkten wir auf dem rund 200m langen Weg auf den Strand – plötzlich wurden die Tropfen dicker und häufiger, so dass wir binnen weniger Augenblicke komplett durchnässt waren.

Machen wir es kurz und beschränken uns darauf, dass wir rund eine Stunde später an der zweiten Station im Südosten, genauer gesagt in Chatman, ankamen. Auch in Chatman nieselte es noch, aber hier war plötzlich erstaunlich viel los. Chatman ist touristisch sehr stark erschlossen und selbst in der Nebensaison hart an der Grenze zu überlaufen. Hinzu kommt der eher unglückliche Umstand, dass es so gut wie keinen (eigentlich gar keinen) öffentlichen Parkplatz gibt. Die einzige valide Option ist mehr als zwei Meilen vom Strand entfernt, was natürlich schon eine recht heftige Entfernung darstellt. Man darf jedoch 30 Minuten an einem Lookout-Point gegenüber der Coastguard-Station parken und der zugehörige, recht kurze Strandabschnitt hat es wirklich in sich. Die Fahrrinne verläuft hier sehr nah am Strand, so dass die einlaufenden Fischerboote ganz nah vorbei kommen. In weniger als 100m Abstand erstreckt sich eine weitere Insel, die größtenteils von Seehunden besiedelt wird – er ergibt sich also ein sehr schönes Panorama. Mich hat die Stimmung (es war zum Zeitpunkt unserer Besichtigung sehr neblig) an „Der Sturm“ erinnert – falls den Film aus 2000 noch jemand kennt 😉

Von Chatham aus fuhren wir weiter gen Norden, unser nächstes Ziel war das Visitor Center am Salt Pond. Da der Regen eher wieder zunahm, war das Center sehr stark frequentiert und schien für viele Besucher als eine Art Zuflucht zu fungieren. Leider waren die freundlichen Freiwilligen auch eher überfordert und hatten keine Informationen zu den Wetteraussichten für den Nachmittag. So richtig viele Dinge gab es hier leider nicht zu entdecken, so dass wir mit ein paar Broschüren zu nahegelegenen Wanderoptionen weiterzogen.

Die nächsten zwei Zwischenstationen unserer Reise fielen ebenfalls ins Wasser. „Eigentlich“ wollten wir eine Wanderung bei Coast Guard Beach unternehmen (uneigentlich waren wir da und haben im Auto 20 Minuten ein Schläfchen gehalten, um auf Besserung zu warten) und anschließend die Three Sister Lighthouses beim Nauset Light Beach besuchen. Da waren wir, gesehen haben aber nichts – ich hatte ein Dejavu an Two Lights in Maine. Aber immerhin kennen wir jetzt den Weg und können morgen einfach einen zweiten Versuch starten.

Am nächsten Zwischenstopp am Great Island Trail an der Westküste der Insel gab es außer seeeehr viel Marschland und noch mehr Regen ebenfalls nichts zu sehen, so dass wir letztendlich bis nach Provincetown (hier häufig einfach P-Town genannt) weiterfuhren. Wie bereits gestern beschrieben, gilt Provincetown als Hochburg Andersliebender und soll u.a. daher Ähnlichkeiten zu Key West besitzen. Nachdem wir da waren, würde ich das sehr touristische Städtchen als Key Wests „dirty little Sister“ beschreiben. Es gibt im Prinzip nur eine recht kleine Innenstadt, auf die sich alles konzentriert, diese besteht aus meist kleinen, sehr eng gepackten Geschäften, es hängen überall bunte Fahnen rum das übliche Verkehrschaos verbessert das Bild nicht eben. Negativ fiel mir der omnipräsente Geruch von Frittierfett auf, aber das ist sicherlich individueller Wahrnehmung geschuldet. Da wir unmittelbar nach unserer Ankunft in Provincetown (der Regen hatte endlich aufgehört und die Sonne kam langsam raus) Tickets für eine Walbeobachtungstour gebucht hatten, mussten wir unseren Spaziergang durch die bunte Stadt auf rund 1,5h beschränken – was denke ich aber auch weitestgehend ausreicht.

Pünktlich um 16:00 Uhr brachen wir dann auf unseren „3 bis 4 Stunden“ langen Bootsausflug in Richtung der Stellwagen Bank auf. Das Vehikel unserer Wahl war die „Dolphin X“, ein recht großes und modernes Schiff mit zwei Besucherdecks und recht sympatisch wirkender Crew (Kostenpunkt: 90$ für zwei Erwachsene). Das Meer war zum Zeitpunkt unserer Tour sehr ruhig, die Sonne versteckte sich ab und an hinter Schleierwolken und es war fast windstill – insgesamt sehr schöne Bedingungen für eine Ausfahrt bis zum Sonnenuntergang. Bereits nach den ersten Minuten waren wir positiv überrascht. Nichts klapperte an Bord, die Geräusche des Motors waren recht leise und wir fuhren mit über 40km/h in Richtung der Walgründe (meist zwischen 22 und 23 Knoten – also ziemlich flott). Nach rund 45 Minuten Fahrt, während der eine sehr hübsche Ozeanologin einige Grundlagen zu Walen und ihrem Verhalten vermittelte, begannen plötzlich die ersten Kinder laut zu kreischen – offensichtlich hatten wir unser Ziel erreicht.

Die dann folgenden rund 60 Minuten waren durchaus beeindruckend und überzeugten uns davon, dass die Tour ihren Preis tatsächlich wert war. Walbeobachtungstouren werden ja sehr häufig angeboten und bisher hatten wir immer Zweifel, ob sich ein solches Event lohnen würde bzw. ob man auch tatsächlich Wale sehen würde. Aufgrund einer persönlichen Erfahrung aus dem Freundeskreis haben wir uns dieses Mal aber auf das Abenteuer eingelassen und wurden sehr positiv überrascht. Über nahezu den gesamten Zeitraum konnten wir immer wieder Buckelwale („Humpback Whales“) bei der Jagd und Nahrungsaufnahme beobachten. Dabei gab es „ruhigere“ Momente (wenn die Wale ausgeatmet oder z.B. in Zeitlupe ihre Schwanzfloße aus dem Wasser gestreckt haben) und echte Highlights, wenn im Rudel gejagt wurde. Die Wale schwimmen dann unter Wasser im Kreis, stoßen Luftblasen aus und vermitteln damit dem Beutefisch die Information, dass dieser in eine Wand schwimmt. Die potentielle Nahrung wird von den Walen dann noch oben getrieben, so dass sich am Ende dieses Vorgangs ein spektakuläres Bild an der Wasseroberfläche ergibt. Da sind dann plötzlich ein, zwei oder gar drei Walmäuler, die mehrere Meter aus dem Wasser schauen und dazu ein wildes Getümmel aus Seevögeln, die versuchen ebenfalls ihren Teil abzugreifen. Das ganze geschieht teilweise so nah am Boot (teilweise nur ca. 30m vom Rumpf entfernt), dass es wirklich beeindruckend ist. Der Captain unseres Walbeobachtungsschiffs versuchte dabei immer wieder sachte an die Tiere heranzufahren und das Boot querab zu bringen, so dass möglichst viele Passagiere eine gute Sicht hatten. Die Ozeanologin erklärte parallel dazu das Geschehen mittels Funkmikrophon und Lautsprecher – das war alles in allem schon ziemlich professionell.

Ein wenig enttäuschend fand ich den Umstand, dass wir die Beobachtung nach ziemlich genau 1h abbrechen „mussten“ und zurück gen Hafen fuhren. Wären wir mit der gleichen Geschwindigkeit zurück- wie hingefahren, hätte die Tour aber nur 2,5h gedauert. Also wurde gedümpelt, so dass wir immerhin 2,75h unterwegs waren. Das war okay, aber wenn man 3-4h verspricht und das Glück hat recht schnell einen vielversprechenden Spot zu finden, hätte man sich meiner Meinung nach durchaus noch länger Zeit lassen können. So blieb uns leider der Anblick eines „springenden“ Wals verwehrt – wir sahen diesen äußerst bemerkenswerten Vorgang einmal aus sehr großer Entfernung und einmal nah am Boot, bemerkten ihn aber zu spät. Der ganze leicht Geschmack des durchaus weit verbreiteten „Touristennepps“ blieb also auch hier.

Einen romantischen Sonnenuntergang und 60 Minuten Fahrt später kamen wir wieder an unserem Ferienhaus an. Nun steht noch die Planung des morgigen Tages an, welcher aus aktueller Sicht signifikant bessere Wetterbedingungen bieten soll. Grundsätzlich werden wir vermutlich die gleichen Stationen wie heute ansteuern – dieses Mal allerdings mit mehr Bewegung und weniger Nebel bzw. Regen.

New England States Tag 13: Regen

Um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen, möchte ich die treuen Leser unseres täglichen Berichts bereits im Vorfeld darum bitten die mentale Enttäuschungsbereitschaft hochzufahren: die folgenden Zeilen werden kein Highlight. Der Grund dafür ist eigentlich ganz einfach: da wir heute außer rund 12h Regen (von 8 bis 8) nicht allzu viel erlebt haben, gibt es auch nicht allzu viel zu erzählen.

Alles begann schon während des Auszugs aus unserer vorletzten Unterkunft in Boston. Noch während wir unsere Habe ein vorletztes Mal verstaut haben (mittlerweile haben wir Übung, es war der Auszug aus unserer achten Unterkunft in diesem Urlaub, jeder kennt seine Aufgaben und jedes Teil hat seinen Platz in den Koffern – wir sind also sozusagen sehr effizient geworden), begann die Wetterprognose einzutreten: ein romantischer Landregen, mit wenig Wind und langen Fäden setzte ein. So fiel die Verabschiedung mit unseren Gastgebern etwas kürzer als erwartet aus und kurze Zeit später fuhren wir auf den Highway. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch guter Dinge, dass der Regen zumindest gegen Nachmittag nachlassen würde, so dass wir statt der zwei ursprünglich geplanten (in leicht konträren Richtungen gelegenen) Einkaufszentren nur eines ansteuerten: die Wrentham Village Premium Outlets.

Diese werden, wie die meisten großen Malls und Outlets in den USA, von der Simon Property Group betrieben, so dass man hinsichtlich der Auswahl der Shops und des Aufbaus der Anlage spätestens beim zweiten Trip in die Vereinigten Staaten vertrautes Terrain betritt. Insgesamt hat das Shopping-Erlebnis ein gemischtes Bild hinterlassen. Die Auswahl bei Nike war z.B. deutlich größer und besser als in anderen Outlets, auch das Angebot und die Preise in eher teureren Läden wie Coach und Kate Spade waren super. Sonst zuverlässige Quellen guter Deals wie Ascis waren bestenfalls durchwachsen und viele weitere von uns besuchte Shops, wie z.B. Merrell und Uggs, waren eher eine Enttäuschung (reale Straßenpreise in einem Outlet mit eingeschränkter Beratung zu zahlen, finde ich eher daneben). Wirklich bemerkenswert war das Burberry Outlet, da ich gar nicht wusste, dass es auch derartige Läden der ja grundsätzlich sehr hochpreisigen Marke gibt. Das einzige Objekt, welches uns gefallen hätte, lag trotzdem außerhalb des akzeptablen Preisbereichs (selbst mit einer gewissen Leidensbereitschaft). Besonders enttäuschend fand ich den Food Court bzw. die Auswahl an Restaurants – für amerikanische Verhältnisse kann man hier bestenfalls knapp über McDonalds-Niveau speisen, maximal auf „Dennys“-Level. Auch hier denke ich sehr gern an unseren perfekten und extrem eindrucksvollen Shopping-Trip nach „Fashion Island“ in Newport Beach zurück (2017 …).

Vom Outlet Center aus starteten wir auf die rund 1,5h dauernde Fahrt nach Cape Cod – bei Dauerregen. Unterwegs fiel auf, wie gut das Straßennetz auch in diesen eher entlegenen Winkel ausgebaut ist, geht es doch größtenteils über vierspurige Straßen. Laut Schilderung diverser Vermieter hier in der Gegend soll der Verkehr aber insbesondere zur Urlaubssaison eine Katastrophe sein – ähnlich wie in den Hamptons. Wir kamen problemlos durch und fanden unser Ferienhaus – unsere Unterkunft für die letzten drei Nächte in den Neu England-Staaten – auch auf Anhieb. Es ist das letzte Haus am Ende einer Straße, deren letzte 200m ungepflastert sind und auf deren letzten 30m sich nach dem Regen ein romantischer Teich gebildet hat. Eilig brachten wir unsere Gepäck nach Drinnen (den Schlüssel konnten wir einem vorher vereinbarten Versteck entnehmen) und begannen sogleich mit der Erkundung unseres Domizils.

Dabei muss man sich doch immer wieder über die klaffende Lücke zwischen Objektbeschreibung und Realität wundern, wobei die fast immer stark übertriebenen Bewertungen der meist amerikanischen Besucher in den gängigen Reiseportalen nicht eben weiterhelfen. Da man ja immer mit etwas Positivem beginnen soll: grundsätzlich ist das Haus schön, ziemlich modern, recht luftig, hat drei Schlafzimmer (dafür nur ein Badezimmer?) und ist ruhig gelegen. Weniger angenehm sind so kleine Details wie Fenster im Erdgeschoss die sich nicht mehr verriegeln lassen (zum Glück haben wir ja kaum Wertgegenstände dabei), ein falsches Passwort des Gäste-WLANs als im Handbuch zum Haus angegeben (offensichtlich konnte ich das Problem lösen), sehr wenig Toilettenpapier, fast gar keine Basisausstattung und diverse kleinere Mängel bei der Sauberkeit. Wirklich ärgerlich finde ich dann dreiste Falschaussagen (Airbnb: 3,5 Minuten zum Traumstrand; Realität: mindestens 5 Minuten zu einer Bucht voller Seegrass und geborstenen Muscheln, eingekesselt von Privatstränden), verbunden mit frechen Forderungen (bei Auszug alle Betten abgezogen, alle Handtücher in der Maschine und alle Böden gewischt – wofür zahlen wir doch gleich eine Reinigungsgebühr?). Aber gut, solche Dinge passieren und man muss halt daraus lernen.

Vom benachbarten Traumstand in Laufentfernung fuhren wir gegen 18:00 Uhr noch schnell zum West Dennis Beach, um wenigstens etwas Auslauf zu kriegen. Auch hier das Gute zuerst: der Stand ist ewig lang und man kann in beide Richtungen bis zum Horizont spazieren. Weniger erfreulich: überall Seegrass, überall scharfkantige Muscheln und fast überall tote Pfeilschwanzkrebse. Schieben wir es einfach auf ein Unwetter, dass bestimmt vor Kurzem über die sonst recht malerische Region gefegt ist.

Da wir bis zur angestrebten Beitragslänge noch ein paar Wörter Raum haben, erlaube ich neugierigen, potentiellen USA-Touristen noch kurz von unserem abendlichen Einkauf für die nächsten drei Tage zu berichten – denn wenn man sich für ein Ferienhaus entscheidet, plant man möglicherweise ja auch die ein oder andere Mahlzeit im trauten Heim einzunehmen. Das funktioniert auch ganz super, man sollte nur das aus Deutschland gewohnte Preisgefüge einfach mit dem Faktor zwei multiplizieren, dann gibt es an der Kasse auch keine unerfreulichen Überraschungen 😉 Ganz im Ernst, für einen kleinen Einkauf bestehend aus etwas Obst, Orangensaft, Toilettenpapier (preisoptimierte Wahl), ganz wenig Schokolade, Muffins für’s Frühstück, Joghurt, Brot, Tomaten, Eis und etwas Kleinkram ist man ganz schnell 70$ los. Man bemerke: kein Alkohol, keine sonstigen Getränke, keine Hygiene-Artikel – nichts von dem, was einen Einkauf sonst teuer macht. Signifikantes Einsparpotential gibt es durch die Kundenkarten der verschiedenen Märkte, die jedoch separat beantragt werden müssen und selbstverständlich nur an Kunden mit einer Adresse in den Vereinigten Staaten ausgegeben werden. Mittels dieser kann man z.B. den Preis zum Überleben absolut essentieller Kleinigkeiten (hier: Ben & Jerrys Eiscreme) von 4,99$ pro Packung auf 5$ für zwei (!) Becher drücken.

Glücklicherweise soll das Wetter morgen spätestens gegen Mittag aufklaren, so dass wir auf eine ausgedehnte Inselerkundung starten können. Auf unserem vorläufigen Plan für die nächsten Tage stehen neben ausgedehnten Strandspaziergängen potentielle Highlights wie eine Whale Watching Tour, eine Tour auf Stand Up Paddle-Boards und eine Besichtigung von Province Town (soll ein bisschen wie Key West sein). Ich bin daher vorsichtig optimistisch in den nächsten Tagen Beiträge mit mehr erheiternden Inhalten bieten zu können und hoffe der Bereicht des heutigen, umweltbedingt etwas suboptimalen Tages, war dennoch einigermaßen interessant.