New England States Tag 15: ein perfekter Tag am Meer

Ich weiß, die letzten Tage waren unsere Reisebericht durchaus ambivalent und zwischen der ein oder anderen Zeile ließ sich auch Enttäuschung über verschiedene Kleinigkeiten recht deutlich herauslesen. Aber so ist das halt, wenn sich auf einer großen Tour befindet, große Erwartungen hat und diese dann nicht immer erfüllt werden. Zum Teil müssen wir uns sicherlich falsche bzw. unrealistische Ansprüche eingestehen, einen weiteren Teil macht vermutlich das immer benötigte Quäntchen Glück (mit dem Wetter, den Walen, dem Stau, …) aus und manche Dinge, sind einfach doof (z.B. unrealistische Beschreibungen, Fälle von klassischem Touristennepp). Je nach Zusammensetzung der genannten Faktoren kann die Stimmung dann schon mal eine gewisse Tendenz entwickeln und dann ist er plötzlich da – der Frust – zumindest kurz. Wie man über die letzten 14 Tage sicherlich gemerkt hat, fiel es mir zudem schwer unsere Rundreise durch die Neu England-Staaten nicht immer wieder mit dem Benchmark aus dem letzten Jahr, Kalifornien, zu vergleichen. Auch an der Westküste war nicht immer alles perfekt, aber wenn etwas mal etwas nicht so toll war, dann lag es eigentlich immer an uns (zu müde, zu erschöpft, leicht kränkelnd .. und nach zwei Wochen auf Tour mit immer neuen Eindrücken zeigt das dicke Fell hat langsam Aufallerscheinungen). Warum jetzt aber diese eher philosophische Einleitungen? Weil heute endlich mal wieder ein perfekter Tag war. Vom Frühstück in der Sonne, über das Mittagessen am Meer bis zum Sonnenuntergang am Strand war es ein Urlaubstag wie aus dem Bilderbuch, einer der hilft wieder aufzutanken und der die notwendige Kraft für anstehende Herausforderungen nach der Reise gibt.

Wie bereits gestern angekündigt, fuhren wir wesentliche Stationen des zuvor bei Regen absolvierten Trips ab und steuerten daher zunächst Chatham im Südosten an. Den touristischen Ortskern durchfuhren wir ohne Stopp und stellten unseren schneeweißen Ford Escape an einem der wenigen, legalen Parkplätze in der Nähe des Strandes ab. Die künstliche Verknappung der freien Stellflächen und deren schlechte Ausschilderung ist auch in Chatham (ähnlich wie in den Hamptons) signifikant, so dass man sich häufig auf ein winziges Stück Seitenstreifen quetscht, während nebenan ein parkähnliches Grundstück mit einem kleinen Haus darauf steht. Nun, Exklusivität hat halt ihren Preis.

Der Spaziergang direkt entlang des Wassers war erneut sehr faszinierend. Da die Tide gegen 06:00 Uhr am höchsten war, lief während unseres Besuchs ein breiter und erstaunlich kräftiger Strom in Richtung der offenen See – kein Wunder, dass das Baden hier verboten ist. An einigen Stellen scheint es zusätzliche Unterströmungen zu geben, so dass die Wassermassen richtig laut plätschern. Ab und an treibt dann schon mal eine Robbe (oder ein Seehund?) vorbei, der die Strömung wie ein Anhalter nutzt. Je weiter man auf der trocken gelegten Landzunge spaziert, desto lauter wird das Meer – bis zu einem Punkt, an dem man denkt, man stünde neben einem sehr hohen Wasserfall. Ab und an kämpfen einlaufende Fischerboote gegen die Strömung an, was man an der geringen Geschwindigkeit und dem auffällig lauten Motorgeräusch hört – durch die außergewöhnliche Form der Bucht fahren die Kutter ja auch in weniger als 50m Entfernung vorbei.

Nach einem sehr ausgedehnten und landschaftlich beeindruckenden Spaziergang kehrten wir zu unserem Ausgangspunkt zurück, um anschließend einige Meilen weiter nach Norden zu fahren – zum Fischerhafen von Chatham. Hier wollten wir gestern schon kurz halten, scheiterten aber an fehlenden Parkmöglichkeiten (die überall präsenten „No parking anytime, 50$ fine“-Schilder schrecken dann doch etwas ab). Heute hatten wir etwas mehr Glück und so endlich Gelegenheit die Besucherterrasse im Hafen näher zu erkunden. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war dieser Tipp aus dem Reiseführer wirklich ein Volltreffer. Von der Plattform aus kann man Fischern zuschauen, die unmittelbar vor- und unter den neugierigen Zuschauern ihre Fracht löschen, begleitet von verspielten (und vermutlich hungrigen) Seehunden. Außerdem hat man eine sehr schöne Weitsicht über die Bucht und das bunte Treiben darin, so dass man – entsprechendes Interesse vorausgesetzt – hier ganz locker eine Stunde zubringen kann.

Von Chatham aus fuhren wir weiter gen Norden, genauer gesagt zum Fort Mills Trail. Dieser ist recht kurz (1,2 Meilen) und führt durch eine recht schöne Marschlandschaft direkt am Meer. Etwas problematisch sind die erstaunlich großen Hirschzecken – man sollte den Weg besser nicht allzu weit verlassen 😉 Ansonsten ist der Pfad aber recht ereignisarm, weshalb ich zurückblickend empfehlen würde die Aussicht von einem anderen Punkt zu genießen und die Wanderung bei Zeitknappheit eher auszulassen.

Im weiteren Verlauf steuerten wir – wie gestern – den Coastguard Beach (an diesem gab es heute keinen einzigen Parkplatz, weshalb wir weiterfuhren), die Three Sisters (die bei Sonnenschein eigentlich nur wie drei größere Littfaßsäulen aussehen) und schließlich den Great Island Trail im Westen an. Über einen ziemlich ausgewaschenen, aber kurzen Weg gelangten wir bei bester Musik (Ultra Japan über Sirius war wirklich fantastisch) auf einen abgelegenen Parkplatz in unmittelbarer Wassernähe. Etwas nervös machte mich zunächst das dezente Schild mit der Aufschrift „Attention: This lot is affected by high tide“ (Achtung: Der Parkplatz säuft bei Hochwasser ab – salopp übersetzt), Augenblicke später hatte ich beim Aussteigen ein Déjà-vu an „Die Mumie“. Sobald ich einen Fuß auf den Boden gesetzt hatte, schreckten hunderte kleiner Winkerkrabben (das kommt heraus, wenn man „Krebs mit einer großen Schere“ googled) auf und bewegten sich in Richtung des schützenden Schilfs. Die unerwartete Menge dieser kleinen Krabbler und ihre schnellen Bewegungen können durchaus einschüchternd wirken, so dass ich meine nur sandalen-bewährten Füße nur noch mit Vorsicht aufsetzte. Je näher man hinschaut, desto mehr neugierige Krabben entdeckt man, die in meist sehr geringer Entfernung mal schnell, mal langsam über den Boden huschen. Nach einigen Minuten beschlossen wir für die geplante Wanderung einen anderen Parkplatz zu wählen und überließen unsere kleinen Voyeure wieder sich selbst – sicherlich zur Erleichterung auf beiden Seiten.

Der sich nun anschließende Spaziergang entlang des Great Island Trails war ebenfalls nett, aber nicht außergewöhnlich. Auch hier gab es sehr schöne Aussichten über das Umland zu bewundern, wobei der Strand nicht allzu toll war (recht viel Seegrass, rauer Sand), weshalb wir den Ausflug etwas verkürzten und nach rund 3km zum Auto zurückkehrten. Mit knurrenden Mägen stoppten wir im Anschluss für eine kurze Stärkung bei Ben & Jerrys, da wir wenigstens einmal in diesem Urlaub einen Eisbecher nach amerikanischer Art essen wollten. Daraus wurde leider nichts, da auch dieser Ben & Jerrys „nur“ Kugeleis und andere Kleinigkeiten verkauft, aber keine richtigen Eisbecher. Die Wahl des Stopps hat zudem zumindest meinem Bauch nicht gefallen, da ich die nächsten 1,5h mit eher unangenehmen Gefühlen zu kämpfen hatten. Unseren Besuch am Race Point in der Nähe von Provicetown ließen wir uns trotzdem nicht nehmen. Auch hier müsste man – wenn die Saison nicht bereits vorbei wäre – eigentlich 20$ für’s Parken bezahlen, wobei der Strand auch wirklich sehr lang und „einigermaßen“ weich ist. Theoretisch dürfte man Teile der Küstenlinie übrigens sogar befahren, wobei hierfür eine separate Genehmigung erforderlich ist. Ab und an gab es sogar Seelöwen in unmittelbarer Ufernähe zu sehen, was schon schön war. Nach einem kurzen Spaziergang fanden wir einen schönen Platz um unsere Decken auszubreiten und eine kleine Pause einzulegen (fand mein Bauch ganz toll). Als wir wieder aufwachten, war das Rauschen des Meeres erstaunlich laut, was daran lag, dass das Wasser auf 2m an uns herangekommen war – ganz offensichtlich war die Flut auf dem Vormarsch.

Also packten wir unsere Sachen zusammen und fuhren ein weiteres Mal nach Provincetown. Das „Flair“ der sehr individuellen Stadt entsprach nach wie vor dem am Vortag. Ein buntes Gewusel, sehr viele Menschen, sehr viele unterschiedliche Geräusche und Gerüche – in P-Town ist schon echt viel los. Im Gegensatz zu unserem Besuch gestern hatten wir jedoch etwas mehr Zeit, so dass wir den Hafen ausgiebig besichtigten und uns auch das Angebot der lokalen Souvenir-Künstler-Stände („Crafted here on site“ / Hier vor Ort hergestellt) näher ansahen. Die feilgebotenen Waren waren zum Teil schon durchaus nett, die Preisgestaltung scheint aber einen heftigen Touristen-Zuschlag zu beinhalten (geschnitzte Schilder in mittlerer Größe ab 140$ etc.). Zum Abendessen gab es Lobsterroll (also zumindest für Dani) direkt am Wasser – quasi als Übung für den vollen Lobster, der morgen auf dem Programm steht.

Als sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, steuerten wir erneut den Race Point, genauer gesagt die Herring Cove an. Es handelt sich hierbei um einen sehr langen Parkplatz, der leicht erhöht an einem Strand liegt. Man hat also eine hervorragende Sicht auf die Küste, das Meer und den Sonnenuntergang und kann diesen wunschweise – wie wir – direkt aus dem geöffneten Kofferraum genießen. Das Panorama und die Farben des Sonnenuntergangs waren dabei wirklich schön – ganz, wie man sich das Ende eines perfekten Tags am Meer vorstellt. So haben wir Cape Cod nach einem langen und facettenreich Tag ziemlich lieb gewonnen. Die sanften Landschaften sind zum Teil sehr reizvoll und die vielen verschiedenen Strände bieten jeweils ganz eigene Reize. Im Gegensatz zu den Hamptons ist die kleine Insel im Osten Massachusetts‘ stark bewaldet, weshalb sie einen ursprünglichen, natürlicheren Charakter versprüht. Die starke Tourismus-Industrie, die Exklusivität inkl. riesiger Prunkbauten und die z.T. künstliche Parkplatzknappheit hat man jedoch genauso. Ernsthaft, insbesondere zur Saison kann eine mehrtägige Rundtour auf Cape Cod mit wechselnden Stationen pro Tag schon durchaus preisintensiv werden, kostet doch nahezu jeder Parkplatz in der Regel zwischen 15 und 25$ pro Tag – Stellflächen mit stundengenauer Abrechnung gibt es tendenziell eher selten. In den Touristeninformationen wird ein Seasonal Park Sticker für 60$ angeboten, wobei wir uns mangels Bedarf nicht näher mit den zugehörigen Bedingungen beschäftigt haben – die Anschaffung könnte sich aber ggf. schnell amortisieren. In jedem Fall sollte man die Distanzen auf der Insel nicht unterschätzen. Selbst zur Nebensaison mit wenig Verkehr dauert die Fahrt von P-Town im Norden zu unserer Unterkunft in Dennis Port (ziemlich in der Mitte des horizontalen Teils von Cape Cod gelegen) etwas über 1h – man darf halt niemals vergessen, dass man meist mit maximal 80 km/h pro Stunde unterwegs ist, häufig weniger).

Morgen endet dann leider unser Abenteuer an der Ostküste – glücklicherweise erst um 22:10 Uhr in Boston. So bleibt uns fast der gesamte Tag, um nochmals das Maximum aus unserem letzten Tag auf Cape Cod zu holen. Ideen und Möglichkeiten gibt es so viele (eine Fahrradtour auf den sehr gut ausgebauten Wegen, eine Kajak-Tour durch die Marsch-Landschaften, eine Stand Up Paddle Tour und so vieles mehr), wobei wir vermutlich auf eine Kombination aus Mini Golf, Hafen in Chatham, Strandspaziergang und Lobster essen setzen werden. Ich vermute den morgigen Beitrag nicht zur gewohnten Zeit veröffentlichen zu können und bitte daher um etwas Geduld.

Von einem anderen Stern? Mercedes AMG-GT S Probefahrt

Acht Zylinder, zwei Turbolader, 510 PS, 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 650 Newtonmeter Drehmoment, Höchstgeschwindigkeit 310 km/h – im Autoquartett sind das Kennzahlen, die aufhorchen lassen. Es sind gleichzeitig auch die Eckdaten, die den Mercedes-AMG GT S definieren, den wir kürzlich Probe gefahren sind. Obgleich ich bekennender Porsche-Fan und –Bewunderer bin und mich die Charakteristik und der Sound der Boxer-angetriebenen Sportwagen aus Zuffenhausen immer wieder begeistern, war ich sehr erfreut über die Möglichkeit auch mal einen der Herausforderer zu bewegen. Dies zu realisieren war einfacher als befürchtet, wofür sich Mercedes (bzw. die lokale Niederlassung) definitiv ein großes Lob und auch einen Dank verdient hat.

Um mit den technischen Fakten die ein Fahrzeug definieren weiterzumachen, sollte mindestens noch das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, die Transaxle-Bauweise (Motor vorn, Getriebe direkt an der angetriebenen Achse hinten) und das Leergewicht von immerhin etwas über 1600kg genannt werden. Man könnte also meinen, der AMG GT S ist ein (gar nicht so kleines) Moppelchen. Ist er meiner Meinung nach auch. Doch der Reihe nach.

Der AMG GT S - unser Rendezvous für einen Tag
Der AMG GT S – unser Rendezvous für einen Tag

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Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 2

Eigentlich könnte ich diesen Erlebnisbericht unseres letzten vollen Tages in Kalifornien sehr kurz zusammenfassen: Wie gestern, nur besser. Im Ernst, unser heutiger Tag in Newport Beach kam meiner Definition von „perfekt“ in unbekannten Maß nahe. Knapp 30°C, ein leichter Wind, keinerlei Wolken, schöne Häuser, riesige Boote, tolle Autos, Spaß auf und im Wasser, keine Uhr, kein Smartphone, keine einzige E-Mail, ganz viel Zeit zu zweit .. wie gut solche Tage tun, merkt man erst, wenn man einen davon erlebt hat. Sicherlich werden diese Zeilen zusätzlich positiv davon beeinflusst, dass ich erneut auf meinem Autoren-Captain-Sessel residieren darf 😉

Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach
Impressionen des Tagesanbruchs in Newport Beach

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Kalifornien Tag 15: Newport Beach Tag 1

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich vermutlich auf dem besten Platz, an dem ich jemals einen Beitrag verfasst habe: Mein Rücken kuschelt sich in das weiße, weiche Leder eines Captain-Sessels an Bord einer Hunter 45 Yacht im Hafen von Newport Beach. Das Notebook steht auf der Navigationskarte, gegenüber von mir befindet sich ein an der Wand montierter 46″ Flachbildschirm, überall um mich herum befindet sich feinstes Holz und beschallt werden wir von einem BOSE-Soundsystem, welches wiederum an ein Sirius-Satellitenradio angeschlossen (viele Sender, keine Werbung, sehr gute Qualität) ist. Eine sanfte Beleuchtung verleiht dem geräumigen Salon eine beruhigende Atmosphäre, während ich den Tag geistig nochmals rekapituliere. Mein Smartphone liegt ungenutzt herum – ohne WLAN oder LTE-Netz spendet es angenehme Ruhe.

Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour
Unser letztes (schwimmendes) Zuhause für diese Tour

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Kalifornien Tag 14: Elkhorn Slough & PCH

Einer der besten Momente des Urlaubs gehörte eigentlich noch zum dreizehnten Tag unserer Rundreise: Einschlafen bei offenem Fenster (Fliegengittern sei Dank) zum Klang der Wellen. Wow .. das ist schon ein ziemlich tolles Gefühl. Das Aufwachen am Morgen danach wurde ebenfalls durch die Natur bestimmt, als ziemlich „aufgeweckte“ Vögel weit vor dem eigentlichen Wecker den Tag begrüßten.

Dank guter Vorarbeit konnten wir nach einem raschen Frühstück und einer kurzen Räumaktion pünktlich zu unserer knapp 30 Minuten langen Fahrt zurück gen Norden aufbrechen. Dies war zwar grundsätzlich etwas kontraproduktiv zu unserer weiteren Reiseroute, ließ sich aber durch terminliche Rahmenfaktoren nicht vermeiden. Da unsere eigentlich geplanten Wasseraktivitäten (eine Art Rafting im Yosemite) auf Grund der akuten Trockenheit entfallen musste, entschieden wir uns für eine geführte Kajak-Tour durch den bzw. auf dem Elkhorn Slough. Bei diesem handelt es sich – laut Wikipedia – um einen tidenabhängigen Sumpf bzw. eine Flussmündung, die rund 7 Meilen in das Landesinnere reicht. Obgleich das Gebiet grundsätzlich mit dem Meer verbunden ist, ist es durch „Dämme“ so isoliert, dass es weitestgehend keine Wellen gibt. Der Slough steht trotzdem unter dem Einfluss des Tidenwechsels, so dass der geneigte Paddler durchaus in einen Kampf mit der Natur verstrickt werden kann 😉

Da wir noch nie mit einem Kajak unterwegs waren, den Einfluss von Wind und Strömung nicht so richtig einschätzen konnten und wir gute Erfahrungen mit geführten Touren durch die Natur in Amerika gemacht haben, entschieden wir uns für ein dreistündiges Event mit Guide. Wie auch schon bei unserer Manatee-Erfahrung hatten wir erneut das Glück, die einzigen Teilnehmer der Tour zu sein. Der gesamte Ablauf unseres Abenteuers verlief sehr routiniert und angenehm. Nach einem kurzen Shakehands mit unserem Guide (Riley, einem Surfer- und Naturtypen wie aus dem Lehrbuch .. sehr sympatisch und unkompliziert) erhielten wir zunächst die Ausrüstung. Diese besteht im Slough – da das Risiko des Kippens sehr gering ist – „nur“ aus einem sog. Sprayskirt (einem Spritzschutzrock, der verhindert, dass Wasser von oben in das Cockpit des Kajaks läuft), einer Schwimmweste und pro Person einem Paddel. Ein Neoprenanzug ist glücklicherweise nicht erforderlich. Ferner hatten wir die Wahl, ob wir ein oder zwei Kajaks nehmen wollten, entschieden uns aber ausschließlich (!) auf Grund von Danis Erkältung für die Teamwork-Option mit einem gemeinsamen Boot. Dieses wartete am Steg einige Meter entfernt im Wasser schwimmend bereits auf uns, so dass wir sehr komfortabel und risikofrei einsteigen konnten (für Anfänger ist das wirklich super). Schon vom Steg aus konnten wir diverse Wasservögel und Seelöwen in wenigen Metern Entfernung erkennen – Augenblicke später versuchten wir vorsichtig in ihre Richtung zu paddeln. Das Kajak ließ sich dabei – insbesondere im Vergleich mit einem Kanu – wesentlich einfacher manövrieren. Unser Zweisitzer verfügte sogar über ein fußgesteuertes Ruder, was die „Navigation“ schon ziemlich spaßig machte. Einige Momente später stieß auch Riley in seinem Einsitzer zu uns, so dass wir die Fahrt den Slough hinauf antraten. Das gute am Elkhorn ist die Tatsache, dass er insgesamt recht flach ist. Die Wassertiefe beträgt selten mehr als einen Meter, so dass man die über und unter Wasser lebenden Tiere sehr gut entdecken und beobachten kann. So präsentierte uns Riley gleich zu Beginn eine ca. 15cm große Schnecke (im Prinzip einen schleimigen Diskuss), sowie später die bekannten Sand Dollars, eine 15 Pfund schwere kalifornische Schnecke und unzählige Seelöwen, Wasservögel (u.a. Kormorane, Pelikane, Reiher, Kraniche und sogar einen Fischadler, der ca. 20m entfernt von uns erfolgreich auf Jagd ging) und Seeotter. Letztere waren der eigentlich Grund warum wir uns für die Tour entschieden haben – und wir wurden nicht enttäuscht. Laut unserem Guide sind die im Elkhorn Slough lebenden Otter die größten der Welt und sie weisen eine ziemlich hohe Populationsdichte auf. Beides ist scheinbar auf das sehr gute Nahrungsangebot zurückzuführen. Während die Otter optisch also wesentlich präsenter sind, als jene Exemplare, die wir so kennen, sind sie mindestens genauso niedlich. Insbesondere wenn ein Otter nach erfolgreicher Jagd auf dem Rücken schwimmend auftaucht, nur seine Flossen und sein Kopf aus dem Wasser guckt und er seine erbeutete Schnecke knackt, wirken die kleinen Wasserbewohner schon ziemlich glücklich 😉

Auch das Gefühl auf dem Wasser zu sein ist natürlich toll. Überall um einen herum gibt es etwas zu sehen und zu entdecken, das Paddel plätschert beruhigend im Wasser und der Oberkörper wird von der kalifornischen Sonne angenehm erwärmt. Dies ist so lange toll, bis man die Rückfahrt gegen den Wind und gegen die Strömung antreten muss 😉 Auf Grund der kleinen Gruppe und „unserer“ physischen Leistungsfähigkeit (Dani hat übrigens tolle Fotos gemacht) entschied sich Riley für die Rückfahrt durch einen gewundenen Seitenarm, die er sonst nicht antritt. Das hat zwar durch die vielen Kurven richtig Spaß gemacht, war aber auch ziemlich anstrengend. Wie kommentierte unser Guide so passend: „Like driving a school bus, right?“ (Fährt sich wie ein Schulbus, oder?). Auf den letzten Metern unserer dreistündigen Tour und kurz vor dem Anleger war ich dann auch recht froh bald wieder an Land zu sein und trotz Spritzschutz einigermaßen klamm. Insgesamt eine wirklich coole Erfahrung, die wir Menschen mit Affinität zur Natur nur empfehlen können (es gibt auch Touren mit motorisierten Flößen über den Slough .. aber das ist dann natürlich weit weniger friedlich).

Mit einigen neuen Eindrücken im Gepäck und körperlich ziemlich erschöpft, traten wir gegen 13:00 Uhr die Weiterfahrt über den Highway 1, auch bekannt als Pacific Coast Highway gen Süden an. Um an dieser Stelle wie so oft ganz ehrlich zu sein: Der Highway 1 fühlt sich wie eine große Version des 17 Mile Drive an. Es gibt alle paar Meter bzw. teilweise Kilometer eine Haltebucht, man hat nahezu ständig eine sehr gute Sicht auf den Pazifik (zumindest bis San Luis Obispo) und es ist sehr viel los. Sehr viel los führt zu sehr niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeiten (ich denke insgesamt ca. 50% des erlaubten Tempos), so dass man stellenweise schon ziemlich gute Nerven braucht. Mit anderen Worten: Ca. 3h lang mit 30 – 80 km/h (eher 30) zu fahren, kann schon ein wenig anstrengend sein. Die Ausblicke auf das Meer sind dafür stellenweise wirklich spektakulär, was aber für den Beifahrer naturgemäß schöner ist, als für den Fahrer (ich habe meist sehr viele Rücklichter gesehen, manchmal ein wenig Dani und ganz selten ein bisschen Meer). Wäre der PCH aber leer und hätte man ein vernünftiges Fahrzeug, wäre die Strecke ein Traum für jeden mit Affinität zu Kurven. Selbst im Bereich der Tempolimits (meist 55 MPH) könnte man hier richtig Spaß haben und würde anschließend sicherlich mit einem enorm breiten Grinsen eines der Lokale mit Panoramasicht frequentieren.

So aber blieb aus meiner Sicht unser Stopp am Elephant Seal Viewpoint das eigentliche Highlight der Tour. Hier kann man in sicherer Entfernung und touristisch sehr gut erschlossen (d.h. riesiger Parkplatz, hohe Geländer, viele Erklärungsschilder) außergewöhnliche viele, besonders große Seelöwen (man vergebe mir etwaige Schwächen in der Beschreibung der Fauna) bei der Auslebung ihres entspannten Lebensstils beobachten. Die riesigen und an Land recht ungelenk wirkenden Tiere bei ihren entspannten Nickerchen am Strand bzw. teilweise in der Brandung zu beobachten, ist schon ziemlich unterhaltsam. Mindestens ebenso eindrucksvoll ist der Mut bzw. die Neugier der Squirrels am Parkplatz (das sind die kleinen Eichhörnchen-artigen Tiere, deren Flöhe kürzlich zu einigen Pesterkrankungen im Yosemite führten), die keinerlei Berührungsängste zeigen und Besucher gern um überschüssige Nahrungsmittel erleichtern. Selbstverständlich wird überall auf die Gefahren hingewiesen und darum gebeten die Tiere eben nicht zu füttern. Ausgehend von dem heute Erlebten und mit Hinblick auf die körperliche Präsenz einiger Exemplare würde ich aber behaupten, dass diese „Richtlinie“ nicht ausnahmslos eingehalten wird. Zugegeben, wenn so ein kleines (alles relativ..) Squirrel auf seinen Hinterpfoten stehend die vorderen Pfoten auffordernd in die Luft reckt, fällt es schon einigermaßen schwer, nicht weich zu werden 😉 Anders gesagt: Für Dani waren die Seals der Höhepunkt unseres Stopps, für mich das gierige Rieseneichhörnchen.

Gegen 18:30 Uhr erreichten wir dann Solvang – leider einige Minuten später als erhofft und damit erst kurz vor Sonnenuntergang. Unsere Erkundung der außergewöhnlichen Gemeinde wandelten wir daher kurzer Hand in eine automobile Tour, in deren Rahmen wir die wichtigsten Straßen abfuhren. Dabei wurden wir grundsätzlich sehr positiv überrascht: Die Imitation einer dänischen (oder zumindest skandinavischen) Gemeinde mitten in Kalifornien ist ziemlich gut gelungen und auch deutlich weitreichender als vermutet. Auch in den Nebenstraßen entsprechen die meisten Gebäude dem lokalen Stil, wodurch sich nicht der Eindruck künstlicher Fassaden entlang einer Shopping-Meile einstellt – ziemlich cool. Positiven wirken sich auch die teilweise pompösen Hotel- und Businesskomplexe aus, die ebenfalls eine skandinavische Optik aufgreifen. So zum Beispiel auch unser Hotel, dass nach außen hin aus vielen kleinen, aneinander gereihten Hütten besteht (wir wohnen scheinbar im Turmzimmer des Rathauses). Innen wird hingegeben eher Standardkost geboten.

Morgen fahren wir dann über Santa Barbara und Los Angeles nach Newport Beach, wobei wir an einen recht strikten Zeitplan gebunden sind, wenn wir nicht erneut mehrere Stunden im Stau verlieren möchten. Ich hoffe, dass wir in Newport nochmal rund zwei entspannte Tage auf der von uns gemieteten Yacht verbringen und diverse Aktivitäten auf dem Wasser genießen können (Kajaks und Standup-Paddle-Boards gehören zur Ausstattung). Da wir in Newport aber voraussichtlich keinen Internetzugang haben werden, vermute ich, dass es das nächste und letzte Update an dieser Stelle etwas zeitverzögert (d.h. eventuell erst nach unserer Rückkehr) geben wird.

Kalifornien Tag 13: Carmel-by-the-Sea

Tag 13 unserer Reise durch Kalifornien sollte ganz im Zeichen eines entspannten Tages am Meer stehen – und wurde es auch. Nach einer sehr erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück im Hotel (dieses wird in einer Kühltasche gelagert gegen 08:00 Uhr vor die Zimmertür gestellt) brachen wir gegen 09:30 Uhr – und damit eigentlich viel zu spät – in Richtung Point Lobos auf. Es handelt sich dabei um ein rund 3 Meilen südlich von Carmel gelegenes Schutzgebiet, dass touristisch äußerst beliebt ist (Platz 1 aller Attraktionen in der Region Monterey / Carmel). Obgleich dies grundsätzlich ein gutes Zeichen ist, tut man sich natürlich keinen Gefallen damit, an einem Sonntag mit perfektem Wetter hier in Spätaufsteher-Manier aufzuschlagen. Ergebnis: Lot full / keine freien Parkplätze mehr, so die vernichtende Nachricht beim Versuch der Einfahrt in das Tor (Kostenpunkt übrigens 10$ pro Fahrzeug). Ich hatte jedoch noch vor unserem Aufbruch den Tipp gelesen, einfach direkt am Highway 1 zu parken, was auf dem großzügigen Seitenstreifen direkt in der Nähe des Parks legal und kostenlos möglich ist.

Also stellten wir den Camaro fix ab (sogar im Schatten) und gingen die nur rund 300m zum Tor zu Fuß. Dort erklärte uns ein Ranger sehr freundlich die verschiedenen Trails im Park und empfahl uns mit Hinblick auf den uns zur Verfügung stehenden Zeithorizont (grundsätzlich den ganzen Tag) eine ausgedehnte Rundwanderung einmal um die Halbinsel. Er erklärte uns, dass wir dafür voraussichtich ca. 2h benötigen würden, was wir mit Hinblick auf die Entfernungsangaben auf unserem Garmin GPS für ziemlich optimistisch hielten – aber man weiß ja nie. So begaben wir uns auf sehr gut ausgebauten und hervorragend ausgeschilderten Pfaden gegen den Uhrzeigersinn in den Park. Die ersten ca. 500m legt man dabei in einem recht dichten Wald zurück, bevor man das Meer wieder präsenter wahrnimmt und plötzlich oberhalb von Gibson Beach steht. Gibson Beach ist ein relativ kleiner, sehr grobkörniger Strand, der aber malerisch in eine Bucht eingebettet liegt. Gemeinsam mit dem fantastischen Ausblick auf die großen Rollwellen, die sich optisch beeindruckend an den zerklüfteten Felsen in der Brandung brechen, ist das schon ziemlich paradiesisch. Dieser Eindruck wird überraschenderweise in den meisten Bereichen des Parks aufrechterhalten: Hinter jeder Abbiegung gibt es etwas Neues zu entdecken, alle paar Meter sieht die Natur ein wenig anders aus und gibt es weitere Details zu erkunden. Besonders der South Shore Trail (also jener Bereich, den wir als erstes erkundet haben) stellt dabei ein absolutes Highlight dar. Immer wieder entdeckt man grandiose Aussichten auf kleine Felsgrotten, glasklares Wasser, türkisfarbene Lagunen und riesige, flache Felsen, die das Meer  immer wieder mit Gischt überzieht. In Point Lobos wachsen ausgedehnte Tangwälder, die den ufernahen Bereichen eine faszinierende Optik verleihen. Die Ober- und Unterströmungen werden durch das Seegras sehr gut visualisiert, so dass man einen Eindruck davon gewinnen kann, welche Kräfte hier wirken. Toll anzusehen, aber ganz sicher nichts zum Schwimmen (obgleich sich rund die Hälfte der Fläche des Parks unter Wasser befindet).

Ein weiteres Highlight stellen die Tide Pools dar, also größere Gebiete flacher Felsen, die je nach Stand der Gezeiten von Wasser überspült werden bzw. trocken fallen. In diesen Gebieten darf man (partiell, aber auf recht großer Fläche) legal rumkraxeln, was ich äußerst beeindruckend finde. Zum einen kann man der Gischt und den Wellen so ganz nahe kommen, zum anderen gibt es Bereiche der Pools, die nie oder nur selten trocken fallen und daher von diversen Meeresbewohnern frequentiert werden. So kann man Krebse und Seeigel in größeren Mengen sehen, gerade so, als ob man tauchen oder schnorcheln wäre. Durch die Gezeiten verändert sich das Bild dabei permanent, weitere Bereiche fallen trocken oder eben noch „sichere“ Steine werden plötzlich überspült – total cool. Wenn die Sonne nicht mit 25°C gebrannt hätte und unsere Reiseplanung etwas loser gewesen wäre, hätte ich hier vermutlich auch einen halben Nachmittag verbringen können 😉 So zogen wir jedoch weiter in Richtung Sea Lion Trail, der aktuell jedoch leider gesperrt ist. Zwar konnten wir so zahlreiche Seelöwen hören und mit Hilfe des Teleobjektivs auch sehen, aber ein wenig schade war es dann doch diesen recht bekannten Teil des Parks nicht betreten zu können. Mit der China Cove ist zur Zeit übrigens auch eine weitere recht beliebte Bucht gesperrt – klar, die Natur hat hier natürlich Vorrang. Insgesamt waren wir rund 3,5h und etwas mehr als 10km im Point Lobos unterwegs. Der Ausflug hat uns aber rückblickend so gut gefallen, dass ich ihn definitiv als eines der Highlights unserer Rundreise bezeichnen würde. Diesen Eindruck teilten scheinbar auch ein paar amerikanische Wanderer die im Bereich des South Shore Trails ungläubig auf die malerischen Buchten blickten und staunten: „This is looking like Hawaii!“.

Nach der kurzen Rückfahrt von Point Lobos zu unserem Hotel und einer einstündigen Pause starteten wir auf eine kleine Erkundungstour durch Carmel selbst. Wie gestern schon angedeutet, ist die Kleinstadt am Meer definitiv sehr besonders. Malerische, kleine Häuschen (vorwiegend von Geschäften und Galerien genutzt) wechseln sich mit herrschaftlichen Anwesen – insbesondere am Meer – ab. Die Offerten der lokalen Makler befinden sich selten im sechsstelligen Bereich; eine Villa mit bester Sicht (und gigantischen Abmessungen) wird aktuell z.B. für 37,5 Millionen Dollar angeboten. Gerüchteweise wohnt u.a. Brad Pitt in Carmel, wobei wir uns von diesem Umstand nicht persönlich überzeugen konnten 😉 Ansonsten ist es hier definitiv anders als in den meisten Städten: Es gibt keine Parkuhren, keine Briefkästen, keine Fußwege (zumindest nur sehr wenige direkt in der Innenstadt) und keine Straßenlaternen. Insbesondere letzteres ist wirklich irritierend, wenn man z.B. nachts noch mit dem Auto durch die Stadt fährt oder nach einem Dinner nach Hause spaziert. Damit trotz fehlender Parkuhren schön regelkonform geparkt wird, patrouilliert übrigens dauerhaft (zumindest tagsüber) ein spezielles Fahrzeug, welches die abgestellten Autos elektronisch erfasst und die Standzeiten überwacht. Insgesamt ist Carmel schon wirklich sehr speziell, vielleicht ein wenig schrullig, eher nicht jugendlich und daher zwar sehr interessant, aber vermutlich für nicht mehr als 3-4 Tage zu empfehlen.

Gegen 16:30 Uhr brachen wir planmäßig zum sog. 17 Mile Drive auf, einer Art privatem Streckennetz zwischen Monterey und Carmel. Für 10$ pro Fahrzeug darf man einfahren und sich im Prinzip beliebig bewegen (also keine Einbahnstraße). Es gibt 21 markante Punkte, die auf einer Karte markiert sind und zusätzlich durch Schilder gekennzeichnet wurden. In der Realität hat man also die Möglichkeit alle 200m – 2km anzuhalten und eine unterschiedliche Aussicht auf das Meer und die Landschaft zu genießen. Selbige ist primär von mehreren großen, luxuriösen Golfresorts geprägt, so dass es viel Grün und stets zahlreiche Golfcarts zu sehen gibt. Dazwischen stehen – natürlich – diverse Villen, für deren Bewunderung es teilweise eigens Parkbuchten direkt an der Straße gibt. Leider hat mich der 17 Mile Drive aus zwei Gründen nicht so ganz überzeugt: Erstens ist er kürzer, als man denkt. Von Monterey aus ist man relativ schnell in Carmel – die 17 Meilen beziehen sich nämlich auf das gesamte Straßennetz. Dieses umfasst auch einige Verbindungen im „Hinterland“, die dann aber so ähnlich aussehen, wie „normale“ Landstraßen in Kalifornien und auch keine spektakulären Impressionen bieten. Zweitens fand ich auch die Aussichtspunkte direkt am Meer weniger beeindruckend, als erhofft. Insbesondere vor dem Hintergrund eines Vergleichs mit den Eindrücken aus Point Lobos am Morgen kann man eine leichte Ernüchterung nicht leugnen. Trotzdem ist der 17 Mile Drive fast schon Pflicht, und sei es nur um einen Blick auf den relativ bekannten „Lonely Cypress Tree“ zu werfen. Wir fuhren hin und her, stoppten oft, machten viele Fotos und nahmen noch den ein oder anderen Umweg und waren trotzdem maximal 2h beschäftigt.

Wieder im Hotel angekommen folgte eine kurze Recherche für das Abendessen, nach derer wir uns für den Besuch eines italienischen Restaurants entschieden. Dekoration, Ambiente und Musik haben uns sehr gut gefallen, auch wenn der Gesamteindruck (Menge & Qualität der Speisen, Qualität des Services) eher eine 2-3 ergeben haben. Charakteristisch war die weniger als 1km kurze Wanderung zurück in unsere Unterkunft – wie zuvor beschrieben natürlich ohne Straßenbeleuchtung.

Morgen werden wir dann 3h Kajaken gehen, bevor wir die Fahrt über den Highway 1 – besser bekannt als Pacific Coast Highway oder kurz PCH – antreten werden. Als einen Übernachtungsstopp mit geringem Besichtigungsanteil haben wir Solvang vorgesehen.

Kalifornien Tag 12: San Francisco Teil II / Monterey

Ich muss zugeben, dass der Urlaub ganz langsam ein wenig anstrengend wird. Man bemerkt, wie die Toleranz gegenüber Stresssituationen abnimmt, wie auch kleine Störfeuer der Zufriedenheit leicht zu eskalieren drohen und wie man neue Eindrücke nicht mehr mit der kindlichen Naivität und Vorfreude aufnimmt, wie in den ersten Tagen unserer Tour. Das ist zwar ein wenig schade, lässt sich meiner Meinung nach aber nur schwer vermeiden. Vermutlich bräuchten wir jetzt 2-3 Tage ohne Programm, ohne Highlights .. einfach nur am Strand und mit dem Rauschen der Wellen in den Ohren. So aber versuchen wir – sicherlich nachvollziehbarer Weise – so viel wie möglich zu sehen und zu erleben, was in Kombination mit einer leichten Erkältung (mittlerweile leider bei uns beiden) nicht so ganz einfach ist.

Einen ersten Schritt zur Erholung gönnten wir uns daher heute Morgen, als wir einfach mal nicht um 07:00 Uhr wie geplant, sondern erst um 08:00 Uhr in den Tag starteten. Danach stand – mal wieder – das Packen der Koffer an, welche wir anschließend in einer Runde Tetris für Fortgeschrittene in den Camaro sortierten. Während im Mustang unsere beiden größeren Koffer noch locker in der Gepäcklucke verschwinden, muss im Chevy hier schon für mindestens ein Teil die Rücksitzbank bemüht werden. Anders als im Ford ist es nämlich erforderlich eine Art Rollo im Kofferraum auszuziehen, damit das Verdeck geöffnet werden kann. Dieses reduziert das Ladevolumen aber derart stark, dass eine gewisse Planung unentbehrlich wird. In jedem Fall hatten wir Erfolg und ersetzten den eigentlich vorgesehenen Spaziergang durch Paradise Cay durch eine kurze Ausfahrt – zurückblickend absolut in Ordnung ein kein allzu großer Verlust.

Danach ging es ein letztes Mal über die Golden Gate Bridge (wieder 5$ weniger), bevor wir uns erneut ins Getümmel der steilen und 90° verwinkelten Straßen San Franciscos stürzten. Zum Glück war an diesem Samstag Morgen nicht ganz so viel los wie am Freitag zuvor, so dass das Fahren fast Spaß gemacht hat. Trotzdem ist die Sichtung der Bereiche direkt links und rechts vorm Fahrzeug im Camaro so herausfordernd wie noch in keinem anderen von mir bisher bewegten Fahrzeug, so dass ein wenig Teamwork hier unerlässlich ist. Apropos Teamwork: Im Chevy befindet sich die Handbremse rechts von der wuchtigen Mittelkonsole, so dass diese präferiert durch den Copiloten zu bedienen ist 😉 Das erste Ziel unserer heutigen Etappe waren die sog. Painted Ladies, fünf in Pastellfarben angemalte Häuser im viktorianischen Stil in einer recht netten Wohngegend. In der Realität waren wir ein wenig enttäuscht, was aber vermutlich auf die relativ ungünstigen Lichtverhältnisse an diesem Morgen zurückzuführen ist.

Als nächsten Stopp fuhren wir zum Strawberry Hill im Golden Gate Park. Selbiger ist riesig, so dass man entweder ein geübter Läufer ist oder mit dem Auto in die Nähe des eigentlichen Ziels fährt. Noch vor unserer Ankunft hatte das Wetter richtig aufgedreht – über 25°C sind laut den Einheimischen äußerst ungewöhnlich für diesen Ort zu dieser Zeit. Bei allerbesten Bedingungen spazierten wir also eine relativ ausgedehnte Runde um den künstlichen (vermute ich zumindest) See mit Insel in der Mitte. Auf selbiger befindet sich ein ebenfalls künstlicher Wasserfall, der der ganzen Anlage einen sehr schönen Touch gibt. Den See könnte man mit einem Wassertreter (25$/h), einem Ruderboot (20$/h) oder einem Elektroboot (34$/h) unsicher machen. Tut man dies aber aber etwas sportlicher, wird man vermutlich kaum länger als 30 Minuten für eine Erkundung des Terrains benötigen 😉 Wir erklommen stattdessen den Gipfel des Eilands und bewunderten die Aussicht vom Ursprungsort des Wasserfalls – San Francisco bietet immer wieder beeindruckende Impressionen.

Im Anschluss wollten wir eigentlich die Bisons in ihrem sog. „Paddock“ besuchen (dieser wird übrigens laut Hinweisschild von Marissa Meyer, der amtierenden Chefin von Yahoo, unterstützt). Leider war die „Weide“ ziemlich trocken, was die Bisons augenscheinlich dazu bewog sich sehr tief auf eine kleine Wiese neben dem eigentlichen Areal zurückzuziehen. Wir versuchten diese zwar über lose Pfade so gut wie möglich zu erreichen, kamen aber nicht allzu nah an die stattlichen Tiere heran. Schade, aber leider nicht zu ändern.

Nun war für uns die Zeit gekommen San Francisco und der Bay Area „Bye“ zu sagen und unsere Weiterfahrt gen Süden anzutreten. Unterwegs hielten wir bei der berühmten Garage in Palo Alto, in der Bill Hewlett und Dave Packard durch ihre Forschungen das Sillicon Valley begründet haben sollen. Als ehemaliger HPler und jemand der in der IT-Branche tätig ist, fand ich es durchaus lohnenswert diesen Ort zu besuchen. Dies geht scheinbar sehr vielen Menschen so, denn in den wenigen Minuten unserer Anwesenheit hielten fortwährend Taxis, Limousinen und Mietwagen um den unscheinbaren Bau zu besichtigen. Das durchaus geschichtsträchtige Gebäude wird dabei touristisch in keinster Weise ausgeschlachtet. Eine dezente Messing-Tafel vor dem sehr gepflegten Haus (direkt neben dem Hinweisschild, welches besagt, dass es sich um ein Privatgrundstück handelt), daneben ein Zaun, hinter dem sich die besagte Garage befindet. Die gesamte Wohngegend ist übrigens außerordentlich schön – grün, sauber, ruhig, optisch alles recht uniform und gesetzt. Anders gesagt: Hier hätte ich mir auch vorstellen können zu tüfteln, bin mir aber nicht sicher, ob ich stattdessen nicht lieber Surfen am Strand gelernt hätte 😉

Auf der Weiterfahrt in Richtung Süden stoppten wir noch kurz in Cupertino, genauer gesagt am One Infinite Loop – besser bekannt als dem Hauptsitz von Apple. Da der riesige Bürokomplex recht unscheinbar ist und es keine Besuchsmöglichkeiten gibt, ist der Abstecher unspektakulär, kostet aber auch weniger als 10 Minuten. Mit Hinblick auf die weitere Tagesplanung sagten wir die Stopps bei Google und Facebook ab, obgleich es schon faszinierend ist, wie viele Branchenriesen hier auf wie wenig Raum residieren. Ansonsten waren wir vom doch sehr zähen Verkehr auf dem Highway 101 einigermaßen genervt, was durch die teilweise 35°C Lufttemperatur nicht eben angenehmer wurde. Auch der Zwischenstopp bei einem Applebee’s nahe San Jose verlief derart enttäuschend, dass wir das Trinkgeld erstmals auf ein schmerzendes Level senken mussten.

Gegen 16:00 Uhr kamen wir dann endlich in Monterey – einer ziemlich bekannten Stadt am Meer – an. Das Timing war perfekt, denn so konnten wir den Abendtarif eines zentral gelegenen Parkhauses nutzen, das nur zwischen „Ganzer Tag“ für 15$ und „Abendtarif“ für 5$ unterscheidet. Überhaupt gibt es in den Ballungsgebieten zunehmend viele Parkflächen, auf denen keine sog. „In & Out Privileges“ gewährt werden, d.h. einfahren, zahlen und beim Ausfahren ist das Geld futsch. Zu Fuß waren es nur wenige Meter bis zur Cannary Row – dem gefühlten Zentrum des Städtchens. Auch die Cannary Row „erfreut“ sicher einer extrem fortgeschrittenen touristischen Erschließung, was sich in lauten Bars, grellen Schildern und dem omnipräsenten Vorhandensein von Souvenirshops äußert. Ich fühlte mich ein wenig eine Mischung aus La Jolla und dem Pier 39 in San Francisco erinnert. Einer der negativen Aspekte der Cannery Row ist meiner Meinung nach ihre „Unvollständigkeit“. Immer mal wieder gibt es Bauruinen, die die wenigen Strandabschnitte zusätzlich blockieren bzw. dem optischen Gesamteindruck nicht gerade zuträglich sind. Auch das ziemlich bekannte Monterey Bay Aquarium befindet sich übrigens in (oder sogar am Ende?) der Cannery Row. Alles in allem eine kleine Enttäuschung, wenn ich ganz ehrlich bin.

Schöner war da schon der Pacific Grove, eine etwas gediegenere, weiter im Südwesten gelegene Region Montereys. Hier stehen sehr klassische Gebäude mit bester Sicht, das Meer rollt in stattlichen Wellen auf einen felsigen Strand und alle paar Kilometer gibt es Parkplätze mit schönster Panorama-Option. Nach einem bereits recht intensiven Tag eine schöne Station um ein wenig Ruhe zu tanken.

Den letzten Stopp des Tages (mal abgesehen von einem Ausflug zum Supermarkt) legten wir in Carmel ein – dem noch reicheren Pendant zu Monterey. Beide Städte sind (außer durch den Highway) über eine mautpflichtige Straße namens 17 Mile Drive verbunden, den wir morgen gegen Abend befahren wollen. Ansonsten wirkt Carmel wie eine reiche, kleine und komprimierte Version von San Francisco. Das bedeutet, es gibt größtenteils das gleiche Schachbrettmuster im Straßenbau, es geht ständig bergauf und bergab und es herrscht stellenweise ein immenser Parkplatzmangel. Im Vergleich zu San Francisco sind die meisten Straßen aber wesentlich kleiner und in schlechtem (unebenen) Zustand, so dass sich die Luxuskarossen dieser Welt schon ganz schön umeinander schieben müssen. Auch hier heißt es: Beim Einparken die Räder schön in Richtung Bordstein einschlagen. Dies möchte man aber auch intuitiv schon machen, denn das man beim Ausparken trotz Automatik mit Handbremse anfahren muss, habe ich sonst auch noch nicht erlebt 😉 Ansonsten kann ich von Carmel noch gar nicht viel berichten, denn außer einem ausgedehnten Spaziergang am Strand und dem Einzug in unsere Suite haben wir noch nicht viel unternommen. Ersterer begann erst etwas enttäuschend (Sand rau, viel Seegras am Strand, Wasser eiskalt), nahm dann aber eine sehr positive Wendung, als wir neben einem Seehund gleich drei Delfine in Ufernähe erspähen konnten. Diese waren so verspielt, dass sie sogar aus dem Wasser gesprungen sind – sicherlich etwas, was man außerhalb einer Show sonst eher selten im Sonnenuntergang sieht. Letzteres (also unser Hotelzimmer) ist erneut ein absoluter Glücksgriff. Es ist vergleichsweise modern, extrem geräumig (sicherlich 60m2 oder mehr), gut gelegen und hochwertig eingerichtet. Gerade gegen Ende einer Reise (siehe Einleitung) ist es ja doch immer ganz schön, wenn alles passt und man sich einfach wohlfühlt.

Morgen werden wir versuchen es etwas ruhiger angehen zu lassen und wollen vor allem das Leben am Strand genießen. Abends dann der 17 Mile Drive in den Sonnenuntergang, bevor wir erneut für die Weiterfahrt gen Süden packen müssen. Die letzten beiden Stationen heißen dann Solvang (als Zwischenstopp) und Newport Beach (zum Abschied).

Kalifornien Tag 10: Yosemite

Liebes Tagebuch, „eigentlich“ bin ich davon ausgegangen, diesen Beitrag ganz entspannt um 20:00 Uhr abends schreiben zu können, bevor ich es mir dann vor dem TV gemütlich mache. „Uneigentlich“ erreichten wir unsere Unterkunft aber erst gegen 00:15 Uhr nachts, nachdem es vorher kleinere Herausforderungen hinsichtlich unseres fahrbaren Untersatzes gab.

Ungewöhnlicher Beitragsbeginn für einen ungewöhnlichen Beitrag – doch der Reihe nach. Da wir bereits am Abend zuvor ein wenig länger als geplant wach waren (es galt noch einige Dinge für San Francisco zu organisieren), trafen wir die naive Entscheidung erst um 07:30 Uhr in unseren Yosemite-Tag zu starten. Großer Fehler. Während wir nämlich die kurvigen Routen im Sequoia noch größtenteils ungestört genießen konnten, gerieten wir im Yosemite von Anfang an in die große, träge SUV- und Ich-fahre-nur-einmal-pro-Jahr-einen-Mietwagen-Flut. Es war sehr frustrierend. Dazu kommt der Umstand, dass der Yosemite zum einen wesentlich größer als der Sequoia National Park ist und es zum anderen diverse Übernachtungsmöglichkeiten direkt im Park gibt. Es gibt daher eine gar nicht so kleine Anzahl von Besuchern, die einen wesentlichen Zeitvorteil haben, was sich neben viel frequentierten Straßen auch in Form von relativ knappen Parkmöglichkeiten manifestiert. Wir fuhren trotzdem ganz tapfer bis hinauf zum Glacier Point, einem auf rund 2.200m gelegenen Aussichtspunkt mit beeindruckenden Impressionen des Parks, insbesondere des Half Domes. Diesen durchaus schönen Hotspot teilt man sich natürlich mit vielen anderen Menschen und noch mehr Selfie-Sticks .. das kann schon ziemlich nervig werden. Dafür war das Wetter schön und die Luft klar, so dass im Prinzip ideale Bedingungen für ein paar nette Panorama-Fotos herrschten.

Vom Glacier Point aus wollten wir eigentlich einen kurzen Abstecher zum Sentinel Dome Trail machen, welcher u.a. eine Aussicht auf die El Capitan genannte Formation bieten soll. Parkmöglichkeiten? 0. Wartender Besucher, die bereits kreuz und quer mit Warnblinker standen? Viele. Wir versuchten unser Glück nach diversen Fehlschlägen bei nahegelegenen Parkbuchten anschließend am Beginn einer Einbiegung, in der wir das wilde Stahlpferd aber fast festgefahren hätten – wenig erfreulich. Danach hielten wir auf dem Weg zum Yosemite Valley bzw. Curry Village noch am Tunnel View (die Faszination desselben zeigte sich mir nicht so recht; man fährt durch einen Tunnel, danach kommt ein großer Parkplatz und von diesem hat man eine recht nette Sichtachse durch ein paar Felsformationen) und einer „Hängebrücke“ über einen Fluss, von dem leider nicht viel mehr als ein breiteres Rinnsal übrig war.

Am Ziel angekommen gab es nur ein Problem: Der Parkplatz am Trailhead war nicht nur voll, er war auch bereits in völlig unkoordiniertem Chaos versunken. Die Menschen stellten ihre Fahrzeuge hier so wild ab, dass das Ausparken vermutlich einer Partie Mikado gleichkam (Vollkasko-Versicherungen mit 0€ Sebstbeteiligung machen es möglich .. genau so sehen gefühlt 99% der Fahrzeuge hier auch aus). Also wieder zum Parkplatz am Beginn der Wanderpfade zurück in das „Dorf“ fahren und von dort mit dem innovativem Hybrid-Bus-Shuttle weiter. Nun konnte unsere Wanderung zu den Vernal Falls (nur rund 2,4km pro Richtung) endlich beginnen. Mit Hinblick auf die allgemeine Erschöpfung und meine leichte Erkältung sahen wir vom sonst so beliebten Panorama-Trail (1h Busfahrt vom Valley zum Glacier Point und dann 14km Wanderung zurück zum Fahrzeug) ab. Die von uns gewählte Route bot dennoch ein adäquates Maß an Wandererfahrung, um unseren Bedarf nach Natur und das tägliche Schrittziel gleichermaßen zu erfüllen. Leider muss man an dieser Stelle fairerweise zugeben, dass man dem Yosemite – meiner Meinung nach – die akute Trockenheit im Vergleich zu allen bisher während unserer Reise besuchten Orten am meisten ansieht. Flüsse sind Bäche, Bäche sind Rinnsale, die Flora ist vergleichsweise unspektakulär und der vorherrschende Farbton ist beige. Dies wird besonders an den Vernal Falls deutlich, an denen man mit Hilfe von Spuren im Stein die eigentliche Breite des Wasserfalls erkennen kann. Diese würde ich auf ca. 20m schätzen, von denen aktuell weniger als ein Meter geblieben ist. Während also Stationen wie LA,San Diego und der Sequoia meiner Meinung nach nicht so extrem unter der Trockenheit leiden (oder man es als Besucher ohne Vergleichswerte nicht so extrem merkt), ist der Eindruck im Yosemite schon ein wenig getrübt.

Absolut fantastisch war hingegeben unsere Fahrt vom Yosemite über das nord-westliche Tor und den Highway 120 nach San Francisco. Die Straßen sind hier zwar größtenteils einspurig (zumindest im Parkbereich), aber gut ausgebaut, breit und sehr einfach zu befahren. Ein absolutes Highlight ist der Abschnitt des Hwy 120 direkt nach dem Park, der sich in weichen (aber dennoch breiten) Serpentinen nach unten windet. Diverse Pässe in den Alpen stehen dieser tollen Route sicherlich in Nichts nach. Das Panorama weiß hier wirklich zu beeindrucken und der Fahrer kann sich eines breiten Grinsens nicht erwähren. Natürlich ist es auch hier nur eine Frage der Zeit, bis man vom Geruch arg strapazierter Bremsen des SUVs vor einem betört wird – wer brauch schon eine Motorbremse, wenn Bremsbeläge doch so erschwinglich sind (mit anderen Worten: Ab und an möchte man schon ganz fest ins Lenkrad beißen). Auch die flachereren Abschnitte der Strecke sind toll, führen sie doch an riesigen Rinderherden und scheinbar unendlichen (bewässerten) Obstplantagen vorbei. Kurz vor San Francisco ging es dann noch kurz über eine mautpflichtige Brücke (wir mussten über die südliche Route einfahren), die einen ersten, faszinierenden Blick auf die Bay Area gestattete.

Dann wurde es nervig, denn wir erreichten Sixt in San Francisco um unseren leicht kränkelnden Mustang zu tauschen. Im Rahmen eines längeren Telefonats mit Sixt in Deutschland und Sixt in Los Angeles wurde uns schließlich am Vortag versichert, dass man in San Francisco bereits auf uns warten würde und ein Fahrzeug der gleichen Kategorie (Cabrio) bereitstehen würde. Wir vermuteten es bereits und so kam es auch: Es wusste natürlich niemand von uns. So wurde es eine ziemlich lange Odyssee, an deren Ende man uns ein altes Mustang Cabrio (2013 oder so) präsentierte – da hatten wir schon rund 90 Minuten gewartet (erstaunlich, wie lange es dauert ein Fahrzeug zu reinigen und vorzufahren). Meine Stimmung hatte einen Tiefpunkt erreicht, denn auf das alte Modell hatte ich offen gesagt so gar keine Lust mehr. Also wieder in die Station und nochmal von vorn. Um den geneigten Leser nicht zu langweiligen, kürze ich ab: Wir erhielten einen (ziemlich nackigen) 328i, mit dem wir von San Francisco zu Sixt nach San Jose fuhren. Dort tauschten wir das Fahrzeug erneut – dieses Mal gegen einen Chevrolet Camaro RS. San Jose hätte zwar am Samstag Nachmittag auch planmäßig auf unserer Route gelegen, aber so lange konnte die Station das Fahrzeug leider nicht blockieren. Ansonsten war Sixt in San Jose aber wirklich so, wie man es sich wünscht: Alle freundlich, alle dialogbereit, alle verständnisvoll und eine extrem beeindruckende Fahrzeugauswahl. Der Camaro selbst ist doch deutlich anders als der Mustang, aber ebenfalls ein witziges Fahrzeug. Dazu an anderer Stelle mehr.

Der Rest unseres spannenden Tages bestand daraus um 22:50 Uhr noch schnell einen Safeway (Supermarkt) zu frequentieren, bevor wir die letzten 70km inklusive Überquerung durch Golden Gate Bridge zurücklegten. So erreichten wir unser Ziel in Paradise Cay (im Prinzip auf der von San Francisco gegenüberliegenden Seite der Bay Area) um 00:15 Uhr und schafften es um 01:15 Uhr auch irgendwann einzuschlafen. Ein spannender Tag ging zu Ende..

Kalifornien Tag 9: Sequoia National Park

Unser Tag im Sequoia National Park erinnerte mich ein wenig an Everglades City – eine Übernachtung in einem Motel irgendwo im Nirgendwo und dann, nach einem „Trucker-Frühstück“, ein zeitiger Start in den Tag. Zugegeben, es gibt stilvollere Arten zu übernachten und insbesondere nach den zwei Nächten im Wynn war das Best Western schon ein gewisser Kulturschock, aber er war dennoch annehmbar (d.h. sauber, recht modern und vergleichsweise ruhig). Auch wenn es vorteilhaft ist mit dem Mietwagen direkt vor der Tür des Apartments parken zu können, würde ich generell empfehlen um ein Zimmer im oberen Stockwerk zu bitten. So fühlt man sich zumindest etwas sicherer und wird morgens nicht von durchziehenden Elefantenherden über einem geweckt 😉

Wie dem auch sei, kurz nach 08:00 Uhr waren wir soweit fit für den Tag und starteten die Tour in Richtung Park. Da man im Sequoia selbst nicht schlafen kann (zumindest nicht soweit uns bekannt), ist eine Anreise von ca. 30 Minuten bis zum Tor zu kalkulieren. Sowohl die letzten Kilometer vor dem Park, als auch jene darin sind für kurvenaffine Autofahrer ein Highlight. Zwar gibt es relativ strikte Tempolimits, doch zumindest morgens ist sehr wenig los, die Straßen sind hervorragend ausgebaut und mit Hinblick auf das typisch amerikanische Fahrwerkssetup in Kombination mit der lustlosen Automatik kann man auch bei moderaten Geschwindigkeiten schon richtig Spaß haben. Klappt natürlich nur so lange, bis die riesigen SUVs in größeren Mengen aufschlagen und sich mit 15 Meilen pro Stunde und 45 minütigem, dauerhaften Bremseinsatz (ich übertreibe nicht!) die Berge runterquälen. Aber selbst bei so geringen Geschwindigkeiten macht die Reise zum und durch den National Park richtig Spaß. Noch vor den Toren sieht man am Kaweah River die extremen Auswirkungen der derzeitigen Trockenheit. Der laut Karte direkt an der Straße verlaufende Fluss (den man wohl sonst eine Art sehr großen Stausee bezeichnen würde) führt ca. 15m zu wenig Wasser, wodurch sich einige hundert Meter um das Flussbett eine grüne Oase aus Bäumen und Sträuchern gebildet hat. Landschaftlich noch spannender ist die Vegetation im Park, die ab einer gewissen Höhe – ganz plötzlich – primär aus den wahrlich gigantischen Riesenmammutbäumen besteht. Ab hier wird es für den Fahrer wirklich herausfordernd sich zu konzentrieren, denn überall gibt es ungewöhnliche Baumkonstruktionen, beeindruckende Sichtachsen und scheinbar endlose Weitsichten zu entdecken. Witzig war eine Situation gleich bei der Anreise, als ein SUV im Gegenverkehr direkt nach einer Kurve stoppte und scheinbar ohne Grund langsam zurücksetzte. Daraufhin erklärte mir Dani, dass sie mir sofort Bescheid sagen würde, sobald sie einen Bären sehen würde. Keine 50m bzw. eine Spitzkehre später hieß es dann „EIN BÄR!“ und tatsächlich kraxelte ein recht kleiner Schwarzbär gerade langsam von einem Baum. Sehr niedlich anzusehen und insbesondere aus dem sicheren Auto – wenn auch bei geöffnetem Verdeck – eine ideale Situation für einen sicheren Erstkontakt.

Danach fuhren wir weiter bergauf, bis zum Parkplatz am Moro Rock. Dort angekommen hieß es erstmal umziehen, denn „irgendwie“ hatten wir nicht damit gerechnet, dass die Temperatur bis auf 7°C (auf rund 2050m Höhe) fallen würde. Anschließend noch ein Halt im wasserlosen Toilettenhäuschen, bevor wir den recht kurzen aber knackigen Aufstieg bewältigten. Der Stieg ist dabei größtenteils so schmal, dass keine zwei Personen aneinander vorbeipassen, weshalb der Trail zur Hauptsaison sicherlich nur bedingt empfehlenswert ist. Die Aussicht von der Spitze hingegeben ist durchaus beeindruckend und gestattet im Prinzip eine 360° Übersicht – nett.

Nachdem Moro Rock fuhren wir die wenigen Kilometer zum Tunnel Log – einem riesigen Baum, der quer über der Straße liegt und mit einer Durchfahrtsöffnung für (flache) Fahrzeuge versehen wurde. Wenn wir an dieser Stelle jemals Bilder einfügen, wird klarer werden, was ich damit meine 😉 Das Fotomotiv ist jedenfalls sehr bekannt und ein kurzer Abstecher daher fast schon Pflicht.

Anschließend parkten wir am Giant Tree Museum – welches übrigens in jüngerer Vergangenheit bewusst verkleinert wurde, mit dem Ziel den Sinn des National Parks nicht zu konterkarieren – um von dort den weniger als 1km langen Giant Tree Trail abzulaufen. Hierbei handelt es sich im Prinzip „nur“ um einen geteerten, rollstuhltauglichen Rundweg um eine ziemlich beeindruckende Lichtung. Das gesamte Areal ist jedoch so schön angelegt und bietet derart tolle Impressionen, dass sich ein Besuch definitiv lohnt. Naturfreunde allerdings, die große Erkundungstrips bevorzugen, sollten jene lieber auf den insgesamt 64km langen Wegen unternehmen, die man im Museum geduldig erklärt bekommt. Da ich zur Zeit allerdings mit Kratzen im Hals ein ganz klein wenig schwächle, war ich um die „Sequoia Light“-Version nicht böse 😉

Vom Giant Tree Museum fuhren wir weiter zum General Sherman Tree – dem größten Baum der Welt (vom Volumen her). Um zu diesem zu gelangen, muss man den eigentlichen Einstiegspunkt zu einer kurzen Wanderung passieren (hier gibt es nur noch Behindertenparkplätze), um sein Fahrzeug eine halbe Meile später abzustellen. Von hier aus geht es dann – ganz komfortabel – nur noch bergab, bis man den gigantischen Baum und die Besuchermassen nicht mehr übersehen kann. Der Sherman Tree selbst ist wirklich beeindruckend, bildet aber im insgesamt malerischen Park nur den Punkt auf dem I. Will sagen: Es gibt so viele große, dicke und einmalig geformte Bäume, Felsen und Strukturen zu sehen, dass es unfair wäre den Sequoia National Park auf seinen berühmtesten „Bewohner“ zu reduzieren. Vom Riesenbaum aus bietet es sich an dem Congress Trail zu folgen, einem rund 3km langen Rundweg, der weniger intensiv frequentiert wird und auf dem man viele Gelegenheit hat die Weite, Ruhe und vor allem auch Höhe des Parks ausgiebig zu bewundern. Während wir am Moro Rock noch mit vereinzelten Nebelschwaden zu kämpfen hatten, schien mittlerweile eine kräftige kalifornische Sonne – toll. Nachdem man den Congress Trail absolviert hat und wieder am Sherman Tree angekommen ist, kann man die eigene Sportlichkeit auf eine Probe stellen: Entweder mit dem Shuttle-Bus wieder zum Fahrzeug gebracht werden oder den Anstieg zum Parkplatz aus eigener Kraft zurücklegen .. wir entschieden uns übrigens für letztgenannte Option.

Vor dem Hintergrund dieser sportlichen Aktivitäten schmeckt dann auch das Mittagessen im rund 50km entfernten Applebee’s deutlich besser, obgleich die Anreise etwas nervig war (die eigentlich von uns angestrebte Ausfahrt aus dem Park war kurzfristig gesperrt, so dass wir im Prinzip auf dem gleichen Weg aus dem Park ausfahren mussten, den wir auch für die Anreise genutzt hatten). Dennoch macht das Mustang-Fahren bei steigenden Temperaturen, mit tollen Aussichten und einem warmen Wind um die Nase im Sequoia schon richtig viel Spaß. Für ein Cabrio möglicherweise die beste Strecke die wir in den USA bisher erlebt haben und auch deutlich spannender als z.B. die offene Fahrt von Miami gen Key West. Tipp: Besser vor der Einfahrt, z.B. in Three Rivers tanken – sonst kann es im Park u.U. schonmal zu doofen Momenten kommen.

Der Rest unseres Tages verlief weitestgehend unspektakulär. Um Danis Einkaufsliste erfolgreich abarbeiten zu können, stoppten wir in insgesamt vier Supermärkten (ich gebe es ja zu, einen davon gab es schon gar nicht mehr) und gelangten anschließend gegen 20:00 Uhr zu unserer Unterkunft in der Nähe des Yosemite National Parks. An dieser Stelle kann ich nur ein weiteres Mal von unseren äußerst positiven Erfahrungen mit Airbnb berichten. Schon in Los Angeles hatten wir über dieses Portal eine moderne, liebevoll eingerichtete und qualitativ absolut überzeugende Unterkunft inklusive riesigem Pool (wie berichtet) gefunden. Das diese nochmals übertroffen werden könnte, hätte ich nicht gedacht. Hier in Coarsegold wurden wir fast wie im Wynn empfangen – nur halt auf Ferienwohnungs-Art. Pool, Whirlpool, Luxus-Luftbett mit einstellbarer Dämpfung (wie ein Wasserbett, nur mit Luft), Klimaanlage, 65 Zoll (!) Samsung LCD neuster Generation, Apple TV, NetFlix-Flatrate, gefüllter Kühlschrank, moderne Küche, Willkommensgeschenke und ein extrem freundlicher, zurückhaltender Gastgeber. Mehr kann sich kaum wünschen und hätten wir mehr Zeit, würden wir auch bedenkenlos eine Woche in dieser tollen Unterkunft verbringen. Beeindruckend ist übrigens auch der Sternenhimmel bei Nacht. Hier – relativ abgeschieden von größeren Städten und begleitet vom lauten Zirpen der Zikaden – macht es richtig Spaß dem extrem klar erkennbaren Großen Wagen bei seiner Fahrt zuzusehen.

Morgen geht es für uns dann durch den Yosemite, bevor wir abends nach San Francisco weiterfahren. Hier müssen wir am Flughafen zwischenstoppen, um uns von unserem Mustang Cabrio zu verabschieden. Nachdem bereits während der Fahrt nach Vegas der fällige Ölwechsel angekündigt und dieser auf dem Weg zum Sequoia dann auch eingefordert wurde, gab es heute eine Warnlampe die besagte „Powertrain Failure, see dealer“. Zwar war die Meldung nach einem Neustart des Fahrzeugs verschwunden, doch weitere >1000 Meilen und rund 1,5 Wochen wollen wir so nicht weiterfahren. Mal schauen, mit welchem Reisebegleiter wir also ab morgen Abend unterwegs sein werden.