Kalifornien Tag 5: San Diego Teil 2

Wenn man schon 300m entfernt vom Stand übernachtet, dann gehört ein Morgenspaziergang an selbigem für uns einfach dazu. Insbesondere nach den vergleichsweise tristen Starts in den Tag in North Hollywood ist es hier in San Diego geradezu gediegen: Auf dem Weg zum Boardwalk einen Lamborghini Hurracan bewundern, ein paar schwer schleppenden Surfern ausweichen und schon kann man die Morgenstimmung am Pazifik genießen. Die Temperaturen sind dabei noch relativ angenehm, obgleich man realistisch betrachtet wenig mehr als einen Bikini tragen müsste (was in diversen Frühstückslokalen jedoch ungünstig wäre .. ich sag nur: No Shoes, No Shirt, No Service).

Begleitet vom harmonischen Rauschen der Wellen sind wir also erstmal eine ausgedehnte Runde bis hinter das Hotel del Coronado gelaufen, bevor wir mit leicht knurrenden Mägen den Rückweg antraten. Zu diesem Zeitpunkt (gegen 07:30 Uhr) wird man dabei schon von größeren Gruppen Joggern unterschiedlichster Geschwindigkeiten überholt, die dabei so ausgerüstet sind, dass man meinen könnte, sie würden aktuell einen Marathon zurücklegen. Ist mir in Deutschland – und ich laufe jetzt schon sechs Jahre – so noch nie passiert. Allerdings ist es durchaus nachvollziehbar, dass die hiesigen Laufstrecken am Meer und an den Piers entlang auch wesentlich motivierender sind.

Nach einem adäquaten Frühstück steuerten wir den Mustang anschließend in Richtung Downtown bzw. an den Harbor Drive von San Diego. Die Midway öffnet ihre Tore um 10:00 Uhr und wir wollten – gemäß der Empfehlung aus Danis Reiseführer – pünktlich vor Ort sein. Dieses Vorgehen hat sich grundsätzlich als sinnvoll herausgestellt, da bei frühzeitiger Anreise noch genügend Kapazitäten auf dem Parkplatz direkt am Museumsschiff zur Verfügung stehen. Für nur 10$ kann man hier den ganzen Tag sehr zentral und extrem sicher sein Fahrzeug abstellen .. der Haken ist nur, dass es wesentlich mehr Touristen als Stellplätze gibt 😉 Da wir zwischen unserer Ankunft und dem Beginn der Öffnungszeiten noch etwas Zeit hatten, erstanden wir kurzerhand noch Tickets für die zwei stündige, große Hafenrundfahrt, die wir später antreten wollten. Wie wir im weiteren Verlauf des Tages herausfanden, war unsere Wahl dabei nicht ideal (später mehr).

Als wir gegen 09:45 Uhr wieder an der Midway ankamen, wurden mit der Schattenseite der Reiseführer-Empfehlung bekannt gemacht: Vor dem Schiff hatte sich bereits eine relativ lange Schlange gebildet – scheinbar hatten viele die Intention die Tour über den Flugzeugträger so früh wie möglich zu beginnen. Es gibt einen separaten Eingang für Besucher mit bereits bezahlten Online Tickets, weshalb ich den Kauf selbiger zurückblickend nur wärmstens empfehlen kann, auch wenn es keine preislichen Vorteile gibt (hinterher ist man immer schlauer..).

Der Versuch den Besuch der Midway (rund 4500 Mann Besatzung; fast 300m lang) selbst zu beschreiben, ist im Prinzip ein müßiges Unterfangen. Egal wie viele Details und Impressionen ich versuchen könnte in diesem Absatz zu beschreiben, dem gigantischen Umfang an sehenswerten Details, außergewöhnlichen Exponaten und kompetenten Veteranen, die auf menschlich unglaublich sympatische Art Rede und Antwort stehen, kann ich nur in Ansätzen gerecht werden. Stark vereinfacht gesprochen, hat man fast vollständigen Zutritt zum Hauptdeck und zum Flugdeck – auf beiden befinden sich insgesamt über 60 Exponate von extrem hoher Qualität. Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken und anzuschauen, man kann in Cockpit-Nachbildungen Platz nehmen, durch Hubschrauber krabbeln oder einfach die Aussicht von der riesigen, schwimmenden Stadt genießen. Außerdem gibt es diverse Auf- und Abgänge in das Unterdeck, in dem man u.a. die Krankenstation (inkl. Zahnarzt, Intensivstation und OP-Saal), die Offiziers Messe, die Wäscherei, die Küche (für Mannschaften und Offiziere getrennt), das Postbüro und vieles mehr besichtigen kann. Die Abgrenzung zwischen der Öffentlichkeit zugänglichen Bereichen und gesperrten Abschnitten wurde dabei sehr elegant gelöst, so dass man nicht (wie in anderen Museen oft der Fall) das Gefühl hat nur einen winzigen Bruchteil des Objekts sehen zu dürfen. Auch einen Teil der Maschinenräume kann man besichtigen und dabei den Ausführungen eines sehr engagierten, kompetenten Veteranen lauschen. Überhaupt trifft man überall auf der Midway auf solche Volunteers, die stets sehr aufgeschlossen und kommunikationsfreudig wirken. Während die von ihnen vermittelte Stimmung im Museum in Pensacola z.B. eher gedrückt bzw. getragen wirkte, ist man auf dem zum Museum umfunktionierten und auf Hochglanz polierten Flugzeugträger in San Diego viel offener. Vermutlich könnte man einen ganzen Tag damit verbringen den spannenden und wirklich abwechslungsreichen Ausführungen der ehemaligen Navy-Angehörigen zuzuhören und hätte sich dabei nicht eine Minute gelangweilt (ich weiß, das klingt etwas platt, ist aber meine ehrliche Einschätzung).

Auch auf dem Flugdeck gibt es vielfältige und praxisnahe Erläuterungen zum Start- und Ladevorgang von Jets und Hubschraubern. Wenn einem das ein ehemaliger Experte in seinem Job am „lebenden Objekt“ erklärt (sprich er dabei direkt neben einem solchen Jet, z.B. mit Fanghaken, steht) ist das schon sehr authentisch und beeindruckend. Überhaupt stellen die Exponate auf der „Sonnenterrasse“ der Midway die allermeisten Technikmuseen locker in den Schatten. Hier sieht man, dass mit viel Liebe zum Detail und Kompetenz gearbeitet wird, was sich sehr positiv auf den Gesamteindruck auswirkt. Natürlich begeistert allein die Größe und Opulenz des Flugdecks, auf dem man schon eine ziemlich ausgedehnte Bewegungsfreiheit im Schatten der gigantischen Brückenturm-Struktur genießt. Auch der Blick auf den Hafen und die Coronado-Bridge lädt zum Verweilen ein, wenn man nicht unter einem gewissen Zeitdruck (wie wir) steht. Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen an der 30 Minuten langen Brückenführung teilzunehmen, bei der man ganz nach oben in den Kommandoturm klettert (vier Stockwerke aufwärts) und den Blick des Airbosses und des Captains nachvollzieht. Auch hier erläutern Veteranen Abläufe und interessante Details, obgleich man durch die begrenzten räumlichen und zeitlichen Kapazitäten schon ein wenig eingeschränkt wird.

Da wir etwas mehr Zeit als erwartet auf der Midway verbrachten, entschlossen wir uns kurzerhand unsere Hafenrundfahrt vorzuverlegen, damit wir am Ende noch genügend Zeit für das maritime Museum haben würden. An dieser Stelle erfuhr unser USA-Urlaub eine erste kleine Delle in der Zufriedenheitskurve. Wer in Deutschland schon mal eine Hafenrundfahrt gemacht hat, hat vermutlich erlebt, dass der Kapitän auf der Brücke steht, das Schiff steuert und dabei einige interessante Details über die Lautsprecher erklärt. In San Diego moderiert der Captain die Fahrt vor dem Ablegen wie einen Boxkampf an und stellt den für jedes Deck zuständigen Service Teamchef vor .. wow. Danach steuert dann „jemand“, während der Captain mit Buschjäger-Hut gegen die Sonne geschützt und Funk-Headset ausgestattet über das Oberdeck läuft und erklärt, was man gerade so sehen kann. Die Erklärungen waren zwar etwas leise und in etwa so detailliert wie die ersten zwei Sätze eines Wikipedia Artikels, aber immerhin. Leider nahmen schon nach wenigen Minuten die Aussetzer in der Moderation massiv zu, da es anscheinend ein Problem mit dem Sound-System gab. Ab nun bestand die größte Show darin, wie der Captain sein Funkheadset durch die Gegend warf, danach das Kabel mehrfach knotete, das konventionelle Mikro nach einigen Versuchen ebenfalls über das Deck schleuderte und irgendwann genervt auf der Brücke verschwand. Unterhaltsam, aber nicht so richtig informativ. Für die meist amerikanischen Gäste schien das aber kein Problem zu sehen, da der Konsum größerer Mengen Bier (in der prallen Sonne bestimmt entsprechend stimulierend) scheinbar sowieso höchste Priorität hatte. So kann ich an dieser Stelle leider keine spannenden Informationen verteilen, außer das im Hafen von San Diego derzeit ein atomgetriebener Flugzeugträger liegt und ziemlich viele weitere Navy-Schiffe. Was man im Vorbeifahren halt so sieht bzw. aufschnappt 😉

Auf Grund dieser grandiosen Erfahrung entschlossen wir uns dazu unsere 2h Premium-Rundfahrt durch beide Hafenbereiche im Rahmen des turnusmäßigen Stopps zur Halbzeit zu beenden (Erklärung: Es gibt eine Rundfahrt durch den nördlichen Hafen und eine durch den südlichen. Wir dachten: 2h Fahrt = große Runde auf eigener Strecke durch alle Bereiche. Realität ist aber: 2h Tour = 1h Fahrt durch einen Bereich, dann Anlegen,  dann partieller Tausch der Passagiere, dann nochmal 1h Fahrt durch den zweiten Bereich). Durch diesen geschickten Schachzug sollte uns genügend Zeit bleiben, um das maritime Museum in vollen Zügen genießen zu können. Kurz vor unserem Abflug habe ich bei Facebook gelesen, dass die HMS Surprise nach knapp vier Monaten im Dock nun wieder zurück ist und freute mich (als jemand, der Master and Commander sicher schon 5x gesehen hat) daher schon sehr auf den Besuch. Achtung: Es folgt die zweite Delle in unserer Zufriedenheitskurve. Während die Dame am Ticketschalter nämlich freudig meine Kreditkarte belastete, entdeckte ich das unerfreuliche Schild mit der Aufschrift: „Sorry, HMS Surprise is in Maintenance“. Darauf angesprochen, erklärte man uns, dass die Coastguard das Schiff noch nicht wieder abgenommen habe. Das wir trotzdem den vollen Eintrittspreis zahlen mussten, quittierte die Bedienung nur mit den Worten „Thank you“. Das maritime Museum in Kurzform: Ein Segelschiff, welches man nur von außen sehen kann, ein russisches U-Boot auf dem ziemlich viel fehlt, eine Replika eines alten Segelschiffs, die noch gebaut wird und nicht betreten werden darf, eine Art Flussschiff, in dem man nur wenige Räume sehen kann, ein recht kleines amerikanisches U-Boot, das man für die Ausstellung massiv verändert hat (Schotts mit Türen, durch die man aufrecht gehen kann und so) und eine kleine Ausstellung auf einer schwimmenden Plattform. Einzig die Star of India, ein 1863 gebautes Segelschiff, dass auch heute noch an speziellen Anlässen als solches genutzt wird, war wirklich sehenswert. Hier konnte man neben dem Oberdeck auch zwei Unterdecks mit ziemlich interessanten Exponaten und auskunftsfreudigen Volunteers erkunden, was schon einen gewissen Mehrwert dargestellt hat. Insgesamt fanden wir das Museum jedoch ziemlich enttäuschend, da es auf uns einen unordentlichen und altbackenen Eindruck machte und man das Gefühl hat auf jedem Meter mindestens drei „No Visitors“-Schildern zu begegnen.

Nach dieser eher ernüchternden Erfahrung (man sollte halt nie zu hohe Erwartungen haben) unternahmen wir noch einen ziemlich langen Spaziergang an der Pier (tolle Aussichten, viel Bewegung auf dem Wasser, Strandkünstler an der Promenade, schöne Aussichten auf die Stadt .. wirklich nett), bevor wir mit einem gewissen Zeitdruck wieder nach Coronado zurückfuhren. Mit einem Rucksack voller Getränke, Süßigkeiten und einer Decke bestückt, begaben wir uns pünktlich zum Sonnenuntergang an den Strand und gesellten uns zu der riesigen Menschenmenge die diesem Erlebnis schon gestern beigewohnt hat. Die Atmosphäre ist dabei ebenso grandios wie der Sand fein und weich .. ich glaube, so ein geniales „Beach Life“ haben wir noch nie erlebt.

Fazit: San Diego Boardwalk & Midway sind absolute Highlights. Es gibt viel zu sehen, viel zu lernen, viel zu bestaunen und man sollte dafür meiner Meinung nach mindestens einen Tag einplanen. Wir waren ca. 3h auf der Midway, was eigentlich viel zu wenig war (insbesondere, wenn man der guten Audio-Tour lauschen möchte). Die Hafenrundfahrt stand durch die technischen Schwierigkeiten unter keinem guten Stern, folgte aber auch ansonsten einer ziemlich langweiligen Route (Hinfahren, drehen, auf genau der selben Strecke zurückfahren). Ob einem die Exponate des maritimen Museums den Eintritt wert sind, muss man abwägen .. der Zeitbedarf hält sich zumindest in Grenzen (ich denke max. 90 Minuten).

Der Abschied von San Diego bzw. Coronado fällt mir definitiv schwer und wenn der Flug hierher nicht so lange wäre, könnte ich mir gut vorstellen hier (also mal so ganz ohne Rundtour) eine Woche Strandurlaub zu machen. Das gesamte Flair ist ziemlich einzigartig und es gibt im Prinzip keinerlei Kritikpunkte – sicherlich einer der schöneren Orte um die Seele baumeln zu lassen.

Morgen früh begeben wir uns dann auf die ca. 535km lange Fahrt in die Stadt der Sünde – Las Vegas, wir kommen!

Porsche 911 Carrera – Ein ErFAHRungsbericht

Es gibt eine Frage, die ich im Zusammenhang mit unserem Porsche immer wieder höre: Wie fährt sich so ein 911er denn eigentlich? Gemeinhin hat man die Tendenz zu antworten: Naja, wie wohl? Wie jedes andere Auto (mit Automatik) auch. Okay, den Zündschlüssel steckst du links rein, Fuß auf das große linke Pedal, dann drehst du den Schlüssel nach rechts, anschließend wird es kurz laut, dann ziehst du den Wählhebel der Automatik zu dir hin bis in Stufe D und – Achtung – dann musst du vielleicht kurz etwas mehr Gas geben als gewohnt, da sich die Parkbremse erst bei kurzem Krafteinfluss löst. Danach schwimmst du einfach im Verkehr mit – so wie mit jedem anderen Auto auch.

Sieht (noch) ganz friedlich aus, oder?
Sieht (noch) ganz friedlich aus, oder?

Ja, dass ist die Wahrheit. Die Wahrheit, wenn man Autofahren als emotionslose Fortbewegung von A nach B begreift – als Vorgang des Transports. Für derart rationale Tätigkeiten wurden Autos vermutlich einmal ersonnen. Doch wer danach fragt, wie sich ein Porsche fährt, den interessiert vielleicht nicht nur für das Rational-Vernünftige. Und genau diesen Menschen sage ich – und das ist mir auch erst ganz langsam bewusst geworden – ein 911er fährt sich ganz bestimmt nicht wie jeder andere PKW auch. Der 911er ist ein Abenteuer – ein Erlebnis für die Sinne, eine Prüfung der eigenen Gelassenheit und Vernunft und am Ende des Tages damit auch eins: Eine faszinierende Legende.

Heckansicht mit einer wilden Kombination aus Tradition & Moderne
Heckansicht mit einer wilden Kombination aus Tradition & Moderne

Das beginnt bereits lange bevor der Wählhebel die „D“-Stellung erreicht und die Aluminium-Flunder in den automobilen Einheitsbrei der Pendlerschaft gen Arbeitsstätte eintaucht. Schon auf dem Weg zum Porsche bahnt sich Vorfreude an – zumindest dann, wenn man das Fahrzeug noch als solches wahrnimmt und nicht schon alle Sinne abgestumpft sind. Klar, irgendwann wird vermutlich jeder 911er, jeder Ferrari, jeder Bugatti, jede Villa und jedes teure Essen zur Gewohnheit – aber der Weg dahin ist hoffentlich lang. Man geht also auf den Wagen zu und kurz bevor man ihn erreicht, beginnt die Suche nach der Form des eleganten Schlüssels, dessen Design der Fahrzeugsilhouette nachempfunden wurde. Die Finger tasten sich an den lackierten Wangen des Öffners entlang und mit einem frechen Blinken signalisiert der Elfer: Willkommen zu Hause.

Handschmeichler mit Erinnerungsstück. Die Bremsscheibe begleitet mich schon ganz schön lang
Handschmeichler mit Erinnerungsstück. Die Bremsscheibe begleitet mich schon ganz schön lang

Spätestens mit dem Signal der Leuchten ist die gesamte Wahrnehmung auf das Fahrzeug fokussiert. Sein langer Bug, die charakteristischen Kotflügel (ich rede insbesondere von diesen markanten „Hügeln“ links und rechts der Motorhaube), die riesigen 20″ Felgen, die unverwechselbare Seitenlinie, der charakterstarke Heckdeckel – der Elfer hält viele Details bereit, die das Auge zu beschäftigen wissen.

Nach einem kurzen Zug am Türgriff öffnet sich der Innenraum, dessen Zutritt eine relativ deutliche Bewegung gen Boden erfordert. Kaum sitzt man im Sportsitz und hat die Tür mit einem satten Plopp geschlossen, setzt sich der Strom an Eindrücken fort. Der Schlüssel rastet merklich wahrnehmbar in das Zündschloss ein, woraufhin der Sitz beginnt einige Zentimeter nach vorn (in die abgespeicherte Position) zu fahren, das Radio beginnt zu spielen, die Soundanlage liefert einen satten Klang, im Display des Kombinstruments blendet langsam (von links nach rechts) den Schriftzug „Carrera S“, begleitet von einer stilisierten Darstellung der Fahrzeugsilhouette ein. Noch bevor man überhaupt den Motor gestartet hat, nimmt man den Geruch des Leders wahr, welches überall im Innenraum verbaut ist, spürt die bequemen, aber sehr konturierten Sportsitze (okay, dann 18-fach elektrischer Verstellung kann man den deutlich wahrnehmbaren Gegendruck an den Schultern auch bewusst minimieren) und sucht erneut den Kontakt zum haptisch nahezu perfekten Schlüssel. Eine kurze Drehung nach rechts und das Lenkrad fährt in Position (sprich es senkt sich ab); die Spiegel klappen sich aus – jetzt kann es losgehen. Je nach Laune vielleicht noch ein kurzer Griff bzw. Taster nach rechts zur „Sport-Taste“, die den Sound des Boxers etwas markanter wahrnehmbar macht, die Sportabgasanlage aktiviert, die Gaspedalkennlinie schärft und die Start/Stopp-Automatik abschaltet.

Charakterwahl via Sport-Taste. Hoffentlich ist die Beschriftung langlebig..
Charakterwahl via Sport-Taste. Hoffentlich ist die Beschriftung langlebig..

Fuß auf die Bremse, linke Hand an den Schlüssel, kurze Stille, Drehung und dann: Adrenalinkick. Sechs Zylinder, parallel zur Fahrbahn gelagert, 3,8 Liter Hubraum und 400 PS melden sich zum Dienst. Zur Begrüßung dreht das Triebwerk kurz hoch und allerspätestens in diesem Moment weiß auch der letzte „Ein Auto muss mich nur von A nach B Bringen“-Rationalist, dass ein 911er kein normales Auto ist – obgleich man ihn so fahren kann. Wenn man will. Wenn man ignorant genug ist. Wenn man das Autofahren wieder auf den reinen Akt der Fortbewegung reduziert. In diesem Moment weiß man, dass die im Prospekt genannten Attribute „reif“, „geradlinig“ und „verwurzelt“ zwar definitiv vorhanden sind, sie jedoch nicht die Überhand über die außerdem genannten Eigenschaften „entschlossen“, „stürmisch“, „frei“ und den dominierenden Begriff „Stärke“ haben. Der 911er ist ein ambivalentes Fahrzeug, gereift über sieben Generationen und diverse Facelifts, adaptiert an die Moderne und neue Märkte, aber dennoch faszinierend und definitiv ein Sportwagen im eigentlichen Sinne.

Ist man mit dem Porsche erstmal auf der Straße, werden die Eindrücke nicht eben weniger. Die Lenkung geht relativ schwer, wirkt dabei jedoch unglaublich präzise. Die Karosse ist recht breit, lässt sich aber durch die deutlich wahrnehmbare Falz auf den Kotflügeln sehr gut überschauen. Der Rückspiegel bietet eine unbeschwerte Sicht nach hinten, durch das getönte Glasdach scheint Sonne in den Innenraum, der Bordcomputer meldet 2,2 Bar Reifendruck vorn und 2,8 Bar hinten, der Öldruck beträgt 2,3 Bar, die Öltemperatur 95°C: Die Welt ist in Ordnung. Sie ist kein Ort der Ruhe, kein Ort der Entspannung, kein Ort der Gemütlichkeit .. aber sie ist schön.

Sobald man mit dem 911er unterwegs ist, scheint die gesamte Interaktion mit dem Straßenverkehr viel intensiver zu sein, als in anderen Fahrzeugen. Die einen machen Platz, die anderen drängeln und versuchen sich auszuprobieren, die dritten schauen einfach nur .. nur Gewohnheit scheint es relativ selten zu geben. Dabei fährt sich der Elfer – insbesondere bei deaktiviertem Sportmodus – extrem entspannt, schaltet früh hoch und gleitet auf der Autobahn sogar ziemlich oft bei Leerlaufdrehzahl einfach mit (das sogenannte „Segeln“). Schaltet man die Sportabgasanlage nicht an, nimmt man bei moderaten Geschwindigkeiten Wind- und Abrollgeräusche wesentlich präsenter wahr, als das dünne Brummen des Motors (akustisch auffällig sind maximal die deutlich wahrnehmbaren Geräusche, die entstehen, wenn sich auch nur ein kleines Steinchen in einen der Radkästen verirrt. Das klar wahrnehmbare Prasseln ist definitiv nichts, was man aus anderen Fahrzeugen gewohnt ist). Je nach Laune kann man dabei manuell schalten (ich habe bisher vergessen auf die geniale Haptik des Sportlenkrads und der großen Schaltpaddles hinzuweisen) oder sich einfach an der perfekten Intuition des PDK genannten Doppelkupplungsgetriebes erfreuen.

Im Bild zu sehen: Das besagte SportDesign-Lenkrad inkl. Schaltwippen
Im Bild zu sehen: Das besagte SportDesign-Lenkrad inkl. Schaltwippen

Aber wehe, wenn der Adrenalinpegel steigt, wenn der Porsche den Eindruck hat: Jetzt bitte Alarm. Dann dreht der freiatmende Sauger lässig über die 5000, 6000 und 7000 Umdrehungen pro Minute, um bei 7.800 Umdrehungen unter wildem Kreischen den nächsthöheren Gang einzulegen. Ganz ehrlich, der Elfer ist dabei nicht wesentlich schneller als sagen wir ein TTRS, aber er absolviert die gleiche Übung mit soviel mehr Drama. Alles fühlt sich leichtfüßig, spontan und energiegeladen an, was man z.B. spürt, wenn das Doppelkupplungsgetriebe binnen eines Wimpernschlags und auf minimalen Impuls des Gaspedals hin mehrere Gänge zurückschaltet und das Organ des Sportlers sofort mehrere Oktaven höher kreischt. Die Geschwindigkeit dieser Transformation von „Ich kann, aber muss nicht“ zu „Attacke“ ist unglaublich. Man fährt nicht von A nach B, man sitzt nicht hinter dem Steuer um anzukommen, sondern man zelebriert automobile Ingenieurskunst am lebenden Objekt. Kann man nicht beschreiben, muss man erlebt haben. Das subjektive Empfinden von Geschwindigkeit und Kraft lässt sich sogar noch intensivieren, wenn man die Sport-Taste drückt und mit ihr auch die Sportabgasanlage aktiviert wird (man kann sie übrigens auch unabhängig vom Sport-Modus ein- bzw. ausschalten). Jetzt Sprotzelt und Brabbelt der Boxer-Motor derart klar wahrnehmbar im Innenraum, dass man sich ein Grinsen von Ohr zu Ohr kaum verkneifen kann. Kaum geht man bei diesem Betriebsmodus vom Gas, emittiert der Boxer den Sound künstlich erzeugter Fehlzündungen, die jedoch sofort unterbrochen werden, sobald man wieder etwas mehr Leistung abruft. Das vergleichsweise Ungewohnte hierbei ist der Lastbereich: Selbst bei 50km/h vom Gas zu gehen, führt zu der beschriebenen Akustikkulisse – alles andere als alltäglich. Das die Umwelt hier entsprechend partizipiert und sich der ein oder andere Passant ab und an umschaut, sei nur am Rande erwähnt 😉 Sehr emotionsgeladen sind im Sportmodus übrigens auch Zurückschaltvorgänge, wie sie beim Zurollen auf eine Ampel ja durchaus häufig vorkommen. Die Höhe der Drehzahl verhält sich in diesem Fall direkt proportional zum Puls des Fahrers – inklusive Gänsehautgefahr bei heiserem Kreischen.

Spiel mit mir! Jetzt!!
Spiel mit mir! Jetzt!!

Das Erlebnis Porsche-Fahren endet meist nach dem Parkvorgang, der – genau wie das Losfahren bzw. Rangieren allgemein – durchaus kraftintensiv sein kann. Mit automatisch absenkenden Spiegeln und einer Rückfahrkamera inkl. dynamischen Leitlinien ausgestattet gibt es zwar diverse Hilfsmittel, die korrekte Nutzung selbiger obliegt aber (zum Glück) immer noch dem Fahrer. Steigt man dann aus, wird man neben dem Surren der anklappenden Spiegel vom markanten Geruch kleiner Gummiteilchen verabschiedet, die freudig mit der Abgasanlage kuscheln – begleitet von einem romantischen Knistern. Das Ende der Fahrt markiert dabei meist nicht das Ende des Tages mit dem Elfer – viel zu oft erwischt man sich dabei, wie man beim Vorbeigehen einen Blick auf ihn wirft oder gar gezielte Umwege geht, um diesen Vorgang überhaupt erst zu ermöglichen.

Ganz toll
Fishing for Compliments

Zusammenfassend fährt sich ein 911 Carrera also in der Tat wie jedes andere Auto auch und kann daher auch von nahezu jedem Menschen problemlos bewegt werden. Dies ist aber noch nicht mal die halbe Wahrheit, sondern in der Realität ein wesentlich kleinerer Anteil am Gesamterlebnis Porsche. Ein Erlebnis, dass manchmal schon vor dem Aufstehen im Kopf beginnt, mit jedem Schritt zum Auto intensiver wird, auf jedem gefahrenen Kilometer reich an Impressionen ist und noch nach dem Ende der Fahrt anhält. Es ist ein teurer, nicht selbstverständlicher und vermutlich auch entbehrungsreicher Spaß, der jedoch jeden mit „Benzin im Blut“ berühren und nicht wieder loslassen wird.

Abendstimmung zum Abschluss. einen Neunelfer muss man wirken lassen.
Abendstimmung zum Abschluss. einen Neunelfer muss man wirken lassen.

Ich vermute dieser kurze Bericht entspricht nicht dem üblichen Schema zur Beschreibung der Eindrücke, die man in den ersten Wochen mit einem Neuwagen erlebt hat. Er vermittelt jedoch dennoch – und hoffentlich sogar viel besser als jede „nüchterne“ Schilderung es gekonnt hätte – einen Eindruck dessen, auf was man sich mit einem 911er (oder vermutlich auf jedem anderen Zweitürer aus Zuffenhausen) freuen kann. Faszination. Leidenschaft. Spaß. Und die ein oder andere mentale Herausforderung 😉

Da Bilder bekanntermaßen viel mehr sagen als Worte, habe ich -quasi als Novum für diesen Blog – das erste Mal die GoPro mit ins Fahrzeug genommen. Folgend ein kurzer Teaser (1 min) und ein rund 9 Minuten langer Clip für alle, die etwas mehr Sportabgasanlagen-Sound wollen 😉 Ich warne jedoch bewusst davor, dass ich mit dem Medium Film noch nicht allzu vertraut bin und zudem unsere Kamera dringend ersetzt bzw. durch ein neueres Modell ergänzt werden muss. Dennoch wünsche ich viel Spaß (ich empfehle die Videos entweder via Klick auf den YouTube-Button unten rechts in größerer Darstellung zu betrachten oder gleich den Vollbild-Modus durch einen Klick auf die Schaltfläche ganz rechts zu aktivieren)!

Zum Warmwerden:

Wenn’s ein bisschen mehr sein darf:

Florida Tag 14 – One giant leap

Der Start in den vierzehnten Tag unseres Urlaubs im Sunshine State verlief unauffällig: Während wir uns mit einem durchschnittlichen Hotelfrühstück stärkten, erklärten die Moderatoren der im TV laufenden Morgenshow die außergewöhnliche und sehr unfreundliche Wetterlage. Nachdem wir jetzt gelernt haben, dass der Dienstag Morgen der kälteste seit 1973 zu diesem Zeitpunkt (also Mitte November) war, wissen wir nun, dass wir vielleicht einfach etwas Pech hatten (und ich dachte, dass hätten wir auf den Azoren schon zur Genüge aufgebraucht). Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen müssen wir quasi froh sein, wenn unser Rückflug am Freitag (Zwischenstopp in Charlston) problemlos und ohne Schneechaos verläuft .. Drücken wir die Daumen.

Mit Hinblick auf die unwirtlichen Bedingungen setzten wir die Beobachtung des Sonnenaufgangs am Strand aus und fuhren direkt zum KSC, dem Kennedy Space Center. Selbiges öffnete zum Zeitpunkt unseres Besuchs um 09:00 Uhr (dies variiert denke ich je nach Saison), offiziell waren die Parkplätze (10$ pro Tag) ab 08:30 Uhr zugänglich. Da wir etwas früh dran waren, tankten wir noch schnell, was mir die Gelegenheit gibt mich kurz über dieses Thema zu beschweren: Dank der verbesserten Betrugsvorsorge muss man beim Tanken via Kreditkarte stets die Postleitzahl des Kreditkarteninhabers eingeben .. für ausländische Kreditkarten funktioniert dies naturgemäß nicht. Also jedes Mal reinrennen, erklären, die Säule freischalten, tanken .. habe ich mir im Vorfeld einfacher vorgestellt (und ich hab keine Ahnung, wie man außerhalb der Öffnungszeiten bezahlen soll). Da wir uns mittlerweile den 4000km Gesamtstrecke nähern und der Mustang so ca. 9l/100km verbraucht, haben wir aber genügend Gelegenheit gehabt den Prozess hinreichend zu üben..

In jedem Fall war zum Zeitpunkt unserer Ankunft weder ein Parkhäuschen, noch ein Kassenplatz geöffnet, so dass wir in erster Reihe parken und die Öffnung des Geländes abwarten konnten. Nach und nach versammelten sich mehr und mehr „Early Birds“, so dass wir kurz vor 09:00 Uhr die vierte Gruppe in der Schlange waren. Just in dem Moment, in dem wir begannen unsere Wünsche vorzutragen, begann die Einspielung der Nationalhymne über alle Lautsprecher. Ja, da guckt man als unerfahrener Europäer schon mal doof, wenn plötzlich jede Kommunikation unterbrochen wird und alle Einheimischen die Hand aufs Herz drücken. Einige Augenblicke später war dir Zeremonie vorbei und die erstaunlich unfreundliche Nasa-Mitarbeiterin am Schalter setzte den Dialog mit uns fort („It’s so cold today – I should have stayed at home“). Keine rund 150$ später hielten wir zwei Eintrittskarte und zwei Voucher für die KSC Close-Up Explorers Tour in unseren Händen und begaben uns gen Eingang. Hier erfolgte ein kurzer Sicherheitscheck inklusive Metalldetektor, man darf aber grundsätzlich alle „üblichen“ Gegenstände, inkl. Rucksäcken, mit auf das Gelände nehmen. Direkt nach dem wir den Visitor Complex betreten hatten, begaben wir uns zum „Atlantis“-Bereich, der sich thematisch mit den Shuttle-Missionen beschäftigt und die relativ bekannte Attraktion „Shuttle Launch Experience“ beherbergt. Doch der Reihe nach..

Ähnlich wie in gut organisierten Vergnügungsparks nutzt die NASA zunächst sehr geschickte Methoden zur Gruppierung und Separierung von Besucherströmen. So läuft man erst mal eine relativ lang angelegte, kreisförmige Rampe hinauf, an deren Ende man auf den Einlass zum nächsten Raum warten muss. In diesem wird dann auf einer recht großen Leinwand und ein gut gemachter Film (mit Schauspielern und so) zur Geschichte des Shuttle-Programms gezeigt – kurzweilig, stimmig und informativ. Nachdem dieser Abschnitt beendet wurde, geht es weiter in einen zweiten, kathedralen-artigen Raum mit einer mehrfach gewölbten Decke, die – ebenso wie die Wände – von mehreren Beamern mit einer nahtlosen, sehr großen Darstellung angestrahlt wird. Nach einer kurzen Wartezeit beginnt hier eine Projektion, die bild- und tontechnisch hervorragend umgesetzt ist und den Start eines Atlantis-Shuttles zeigt. Dabei nimmt man zunächst virtuell die Position eines Beobachters im Wald ein, dessen Blick dann sehr schnell unmittelbar auf die Startplattform gezoomed wird. Bei diesem fühlt man sich dann mittendrin, statt nur dabei .. der Raum wird hell, der Boden bebt, der entstehende Dampf dringt von der vorderen Leinwand auf die seitlichen Projektionsflächen .. wirklich klasse gemacht. In den kommenden Minuten werden der Verlauf und die Erfolge des Shuttle-Programms gezeigt und man beginnt sich intensiv zu fragen, ob man jenes Shuttle auf dem Ausstellungsgelände noch zu sehen bekommt. Kurz vor Schluss erzählt die Stimme des Erzählers dann mit markigen Worten wie viele Jahre das Programm lief (26), wie viele Millionen Meilen das Shuttle zurückgelegt hat, wie viele Missionen es gab … bei den Worten „Welcome home“ öffnet sich dann der Vorhang und man blickt direkt auf die originale Atlantis-Fähre, die leicht angeschrägt von der Decke hängt. Das Gefühl dabei ist schwierig zu beschreiben, aber die Präsentation ist auf jeden Fall mitreisend und extrem gut gemacht – ein Highlight!

Der dann zugängliche Präsentationsraum ist auch generell gesprochen hervorragend gemacht. Man kann u.a. durch eine Raumstation krabbeln, sich an verschiedenen Simulatoren versuchen, eine Ausstiegsrutsche testen, in einem Cockpit Platz nehmen und natürlich die Atlantis von aus nahezu allen Blickwinkeln betrachten. Obgleich die Zeit für einen eintägigen Besuch im KSC generell recht knapp ist, sollte man sich unserer Meinung nach für diesen Abschnitt die nötige Ruhe nehmen .. viel besser wird es im gesamten Space Center definitiv nicht mehr. Um den Immersionslevel hoch zu halten, kann man direkt vom Shuttle aus zur Shuttle Launch Experience starten. Auch hier kommt das Prinzip der mehrphasigen Unterhalt zum Einsatz. Als geschlossene Gruppe betritt man zunächst einen Empfangsraum, in dem einem ein ehemaliger NASA Mission Commander einige Dinge über den Start einer Rakete, den Ablauf, die Kräfte, die verschiedenen Phasen und so weiter erzählt. Erneut werden hier alle Register der modernen Optionen für Themenparks gezogen – das Licht ist sehr dynamisch, wummernde Bässe machen das Geschehen erlebbar und angestrahlter Dampf intensiviert die Erfahrung. Nach die ersten Erklärung, die uns sehr gut gefallen hat, geht es weiter in eine Art Lobby, in der man sich für den Zutritt zum Shuttle Launch Exerpience Simulator anstellt. Es gibt 5 oder 6 Simulatoren und in jeden Passen ca. 30 Leute, so dass die Wartezeiten eigentlich recht gering sein sollten (bei uns war – bedingt durch die Nebensaison – so gut wie nichts los). Erneut erfolgt eine Videoeinweisung, bevor man dann endlich Platz nehmen darf. Schnell noch anschnallen, Sicherheitscheck durch das Personal (Row 1 ok, Row 2 ok, Row 3 ok ..), bevor es dann zu einer weiteren Wartezeit kommt (ich denke das soll die Spannung erhöhen). Dann klappt die gesamte Kabine 90°C nach hinten und es wird die Startprozedur eines Shuttles simuliert. Erneut wummert und kracht es munter und es werden eifrig Vibrationseffekte und adaptive Rückenpolster in den Sitzen eingesetzt. Dabei erzählt der Mission Commander was aktuell passiert. Das Ganze ist leider recht schnell vorbei, fühlt sich aber erstaunlich glaubwürdig an (durch das viele Ruckeln bewegt sich die Gesichtshaut tatsächlich so, wie man das bei starker Beschleunigung – z.B. aus einer Achterbahn – kennt). Angeblich wurde die SLE über 10 Jahre entwickelt und ist laut mehreren beteiligten Astronauten der realistischste Simulator seiner Art .. sollte man also definitiv mitnehmen (man möge bitte trotzdem bedenken, dass es die Shuttle Launch Experience schon seit mehr 5 Jahren gibt .. technisch also definitiv nicht auf dem allerneuesten Stand).

Nach der „Shuttle-Show“ und der Launch Experience ist man jedenfalls ziemlich begeistert und durchaus versucht im direkt angegliederten Geschenkeshop eifrig zuzugreifen – die Qualität der feilgebotenen Waren ist aber durchaus höher als das, was man an dieser Stelle aus diversen Parks gewohnt ist. Auch zwischendurch geschossene Fotos kann man erwerben – 10$ pro Bild aus der SLE und 35$ für eine Mappe mit zwei Fotos vor dem Atlantis-Shuttle .. sportlich. Unglücklicherweise – das muss ich ehrlich so schreiben – ging es unserer Meinung nach danach etwas bergab. Die sonstigen Ausstellungen auf dem Hauptgelände wirken doch durchaus etwas in Würde gealtert (bei den hiesigen Renovierungsshows würde man „dated“ sagen) und nicht dem Stand der Technik entsprechend. Man glaubt einfach von einem Aha-Erlebnis zum nächsten schlendern und können .. was leider auf nahezu keinen Bereich im Visitor Complex zutrifft. Auch die verschiedenen Verköstigungsmöglichkeiten sind eher ernüchternd .. eine typische Mensa sieht in aller Regel wesentlich attraktiver aus. Hätte ich so nicht vermutet..

Um 13:30 Uhr begann dann unsere – im Gegensatz zu den Standard-Touren – kostenpflichtige Close-Up Explorer Tour. Hierbei wird man mit einem separaten Guide und ca. 40 anderen Personen in einem Bus über das Gelände hin zu verschiedenen Highlights gefahren. Unterwegs erfolgen Erklärungen des Guides und das Gefährt stoppt an verschiedenen Stellen um den neugierigen Gästen die Möglichkeit zu geben Fotos zu machen. Um auch an dieser Stelle gewohnt ehrlich zu sein, waren wir auch hiervon nicht 100%ig überzeugt. Frühere Touren ermöglichten zum Beispiel den unmittelbaren Zutritt in einen Startbereich für Weltraumfahrzeuge (in das „Pad“), so dass man direkt dort stehen kann, wo der Schub der Triebwerke auf den Boden trifft. Auch ein Besuch des Vehicle Assembly Buildings, in dem die Raketen vereinfacht gesagt zusammen gebaut werden (eines der volumentechnisch größten Gebäude der Welt, welches 52 Stockwerke hoch ist, aber nur aus einem Stockwerk besteht), war wohl früher ebenso möglich wie ein Besuch des Bereichs, in dem die Module der ISS vorbereitet wurden. Heute fährt man mit dem Bus „nur“ über das Gelände und kann aus vergleichsweise großer Distanz Fotos schießen .. das ist etwas schade und entspricht erneut nicht den Erwartungshaltungen den man von ähnlichen „Hinter den Kulissen“-Touren in anderen Museen / Ausstellungen so kennt. Trotzdem waren die verschiedenen Lokationen natürlich äußerst beeindruckend anzusehen und ich möchte die Teilnahme an der Tour nicht missen. Insbesondere das bereits angesprochene Vehicle Assembly Building, das Launchpad 39B und der Platform-Mover (ein gigantisches Fahrzeug um zusammengebaute Raketen zu transportieren) waren überaus imposant.

Die Tour endet nach rund 2h am Saturn V-Center und es bahnt sich erneut eine der einmaligen Erfahrungen an .. man hat nämlich keine Ahnung, was jetzt passiert. In mittlerweile gewohnter Manier wartet man auf den Einlass in einen Raum, wodurch man (mal wieder) zu einer neuen Gruppe zusammengefasst wird. In diesem Raum wird einem dann auf drei großen Bildschirmen die Historie der verschiedenen Missionen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gezeigt, ebenso erfolgt ein kurzer Abriss über die Historie der NASA (Sputnik, Kennedy, Herausforderung an die Nation etc.). Ein Fokuspunkt liegt dabei auf dem eigentlichen Startvorgang, den ein ehemaliger Mitarbeiter des Fire Rooms erklärt, von dem aus die Mondmissionen gesteuert wurden. Danach öffnen sich die Türen und man betritt – zu meiner großen Überraschung – einen Nachbau der originalen Kommandozentrale. Nachbau nur deshalb, weil das eigentliche Gebäude in der Zwischenzeit verfallen ist (die Koordination der Missionen erfolgt ja bekanntlich mittlerweile von Houston aus), die originalen Konsolen wurden aber ab- und in diesem Raum aufgebaut. Auch die gesamte Einrichtung des Raums – inklusive der „gläsernen“ Rückwand wurde entsprechend rekonstruiert, was man aber erst später merkt. In den folgenden Minuten wird man rund fünf Minuten lang Zeuge des Startvorgangs, wobei die diversen Anzeigen über und in den Konsolen (soweit für den Laien erkennbar) mit realen Informationen beschickt und mit historischem Bildmaterial kombiniert werden. Wenn die Rakete dann abhebt, man den Lärm hört, durch das Pseudo-Glas der nachempfundenen Rückseite des Raums das rote Leuchten der Triebwerke flackert und alles wackelt, fühlt sich das schon ganz schön beeindruckend an. Selten war Geschichte derart greifbar.

Im nächsten Raum wartet dann – für mich wieder recht überraschend – eine Saturn V-Rakete, die der Länge nach unter der Decke hängt. Sie wohnt dabei in einem äußerst geräumigen Hangar (bestimmt mehr als 100m lang), der verschiedene Ausstellungen in den Seitenräumen und diverse Exponate unter der Rakete bietet. Auch hier kann man locker eine Stunde verbringen (einfach nur weil die gesamte Szene so toll wirkt) .. wenn das Center nicht schließt. Außerdem bietet sich im Saturn V-Komplex unserer Meinung nach die beste Gelegenheit etwas im KSC zu essen – hell, freundlich, geräumig .. wenngleich die Kantine noch eher als das Gebäude schließt.

So verließen wir das Kenny Space Center gegen 17:00 Uhr mit einigen neuen, extrem beeindruckenden Erfahrungen, aber auch etwas gemischten Gefühlen. Ein Besuch in diesem fast schon legendären Museum ist ein Muss und wird für jeden tolle Erlebnisse bereithalten. Insbesondere der Shuttle Atlantis-Bereich, der Saturn V-Komplex und die Dimensionen des Vehicle Assembly Buildigs sind einfach gigantisch. An einigen anderen Stellen wird man möglicherweise enttäuscht, denn einige Bereiche wirken einfach veraltet bzw. bleiben hinter den Erwartungen und Möglichkeiten zurück. An dieser Stelle sei zudem angemerkt, dass uns die Servicequalität an vielen Stellen als überraschend schlecht im Gedächtnis geblieben ist .. ziemlich untypisch für die Vereinigten Staaten.

So endet mein Bericht aus einem Zimmer mit dem Namen „Asian Spa Suite“ in Saint Augustine (rund 1,5h nördlich von Cape Canaveral). Dieses ist zwar klein, aber extrem fein, denn die Raumaufteilung besteht aus ca. 50% Wohnen und 50% Wellness-Bereich (große Dusche, künstlicher Kamin, Wanne mir Whirlpool). Morgen werden wir die historische Stadt (immerhin die Älteste von Siedlern gebaute Stadt Amerikas) erkunden und danach unsere letzte Station auf Amelia Island ansteuern.

Palm Beach – Wo der Luxus wohnt (Tag 3)

Unser dritter Tag im Sunshine State stand ganz im Zeichen des Luxus – ein Tagestrip nach Palm Beach war geplant. Palm Beach ist eine relativ überschaubare Gemeinde (<10.000 Einwohner), die rund 100km nördlich von Miami an der Ostküste Floridas liegt und deren Einwohner laut Wikipedia ein durchschnittliches Einkommen von mehr als 100.000 USD pro Jahr haben .. das klingt vielversprechend.

Da ich mich gestern so intensiv über den Verkehr ausgeheult habe, werde ich heute einfach wieder bei diesem Thema ansetzen .. dieses Mal aber mit einer guten Nachricht: Die Fahrt nach und von Palm Beach verlief relativ gesittet und sogar fast vollständig staufrei. Beeindruckend fand ich die vier Polizeiautos, die verteilt über eine Strecke von nicht mal 60km Autobahn eifrig gelasert und auch sofort die Verkehrssünder angehalten haben (das ist ein ziemlich cooles Bild, wenn die Sheriffs eiligst in ihren Wagen springen, dieser wie ein Tannenbaum anfängt zu leuchten und sie mit heulendem Motor an einem vorbeischießen). Jede dieser Aktionen sorgte dafür, dass der Verkehr für mindestens 2 Minuten gesitteter lief, bevor erneut das lustige Spurwechseln bei mehr als 20 Meilen über dem Speedlimit begann .. schon lustig hier.

In Palm Beach angekommen, sahen wir uns mit einer recht überraschenden Situation konfrontiert: Wir fanden keinen öffentlichen Parkplatz – zumindest keinen, bei auf dem man mehr als 2 Stunden stehen durfte. Die Vorzeichen für dieses Kuriosum haben sich bereits zuvor bei unserer Internetrecherche abgezeichnet und gehen scheinbar darauf zurück, dass die Einwohner von Palm Beach dem Vernehmen nach nicht allzu viel vom Tourismus halten. Verständlich, würde ich vermutlich auch nicht wollen, dass sich alle 5 Minuten jemand für meinen Vorgarten begeistert oder Fettfinger an meinem Bentley hinterlässt.. Luxusprobleme. Man kann also entweder in West Palm Beach parken, einen Supermarkt-Parkplatz zweckentfremden, einen Museums-Parkplatz zweckentfremden (alles nicht empfehlenswert, da die Parking Enforcement permanent patrouilliert) oder etwas weiter suchen. Schon nach der dritten Runde fanden wir einen öffentlichen Parkplatz in der Nähe eines Convention Centers, auf dem wir unser Auto bis zu 10h für nur 2USD pro Stunde parken durften .. yippie, das Abenteuer konnte beginnen.

Vom Parkplatz aus waren es nur 1,5km Spaziergang zu einem sehr empfehlenswerten Fahrradverleih – unserem primären Ziel. Bereits unterwegs kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus: Bilderbuch-artig angelegte Alleen, perfekt geschnittene Rasenflächen, malerisch angelegte Anwesen .. Palm Beach wirkt wie ein Retorenstadtteil aus einem Themenpark. Leider habe ich noch keinen solchen Park gefunden, in dem derart viele Bentleys (vor allem diese), Rolls Royce, Porsche, Ferrari, Lamborghini, Corvette, Aston Martin und Jaguar die Straßen unsicher machen. Im Ernst, während man in Bad Homburg den Eindruck gewinnen könnte, bei der Einbürgerung gäbe es einen 911er zum neuen Ausweis dazu (leider ist dem nachweislich nicht so), scheint es in Palm Beach Bentley Continentals in unterschiedlichsten Farben und Ausführungen als Willkommenspräsent zu geben .. enorm beeindruckend und für jeden Autonarr ein Highlight.

Irgendwann erreichten wir dann auch pünktlich zur Öffnung (09:00 Uhr) den Bike Shop. Für nur (Achtung) 39USD pro Person (plus Steuern) erhält man für einen halben Tag wirklich ganz fantastische und extrem bequeme Fahrräder. Im Ernst, der Preis ist aus meiner Sicht fast schon unverschämt (da das Rad mehr kostet, als unser Mustang am Tag), aber die Qualität der Waren übertraf alles (Unmotorisierte), was ich bisher bewegen durfte. Frisch besattelt begaben wir uns auf die Spuren des Lake Trails, einem sehr gut befahrbaren, geteerten Weg direkt zwischen der Wasserkante und der ersten Reihe der alles andere als preisoptimierten Immobilien. Somit ergaben sich Eindrücke, die mit Worten leider nur unzureichend zu beschreiben sind. Unglaublich detailverliebte Vorgärten, riesige Palmen, saubere Wege, freundliche Menschen, gigantische, mehrgeschossige Yachten, szenische Sichtachsen und unglaublich prunkvolle Anwesen bilden ein Ensemble, dass die Sinne förmlich überflutet. Palm Beach hinterlässt so einen Eindruck, der mindestens ebenso intensiv ist, wie jener von Miami Beach .. allerdings in einer ganz anderen Ausprägung (Miami: „Laut“, Palm Beach: „Luxus“). Diese vielen Aspekte, kombiniert mit einem Wetter, dass kaum Verbesserungspotential bietet und einer sehr guten Stimmung, führt zu einem Urlaubstag den man mit „Viel besser geht es eigentlich gar nicht“ zusammenfassen könnte. Im Ernst, Palm Beach sei jedem empfohlen, der sich für die schönen Seiten des Lebens begeistern kann und ist definitiv eine Reise wert.

Die Begeisterungskurve fällt drastisch ab, sobald man die Brücke in Richtung West Palm Beach überquert. Zwar sind die ersten Kilometer hier ebenfalls noch recht nett anzuschauen, spätestens 3km in Richtung Norden erkennt man aber den krassen Kontrast zwischen dem Überfluss auf „Sonnenseite“ und dem Leben der „Anderen“. Beobachtet haben wir dies auf dem Weg zum Phil Foster Park, wo wir „eigentlich“ an einem künstlichen Riff das Schnorcheln üben wollten. Vor Ort angekommen konnten wir jedoch nicht so recht verstehen, was an einem Stand unter der Brücke, wenige Meter von der Fahrrinne des Hafens entfernt, so besonders einladend sein soll. Da auch sonst niemand im Wasser war, entschlossen wir uns diesen Tagespunkt spontan zu streichen.

Erneut ging es über die I95 zurück gen Süden, um einen kurzen Zwischenstopp in Lauderdale by the Sea zu verbringen. Bei einem schönen Strandspaziergang konnten wir uns einen Eindruck von den hiesigen Geburtstagsfeiern (mit der ganzen Familie und riesigen Zelten am Strand) verschaffen, und dabei ein wenig durchatmen. So gestärkt setzten wir ein weiteres Mal die Segel – nun in Richtung Sawgrass Mills Shopping Center in der Nähe von Fort Lauderdale.

Sawgrass Mills wird mindestens einem amerikanischen Leitsatz gerecht: Think big! Obwohl Dani und ich durchaus Shopping-affin sind und in diesem Zusammenhang sicherlich schon den ein oder anderen Konsumtempel intensiv besucht haben, war noch kein einziger davon so groß wie dieses Zentrums des Kommerzes. Etwas unschön: Zum einen ist Sawgrass definitiv schon ziemlich in die Jahre gekommen (was man zum Beispiel an der vergleichsweise „klassischen“ Innenarchitektur sieht) und zum anderen ist die Parksituation ein wenig herausfordernd. Die verschiedenen Stellbereiche verteilen sich nämlich quasi sternförmig um die Mall und freie Kapazitäten zu identifizieren ist alles andere als einfach. Auch hier begegnet einem nach wenigen Augenblicken ein Officer der Parking Enforcement, der dafür sorgt, dass auch alle brav nach den Regeln spielen. Nun ja, irgendwann fanden wir ein temporäres Zuhause für unser Stahlross und konnten endlich in das Einkaufserlebnis mit den angeblich so günstigen Preisen starten. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Meiner Meinung nach muss man die Preise sehr genau im Einzelfall vergleichen. Renommierte Marken wie Lacoste oder Hugo Boss bewegen sich preislich ziemlich genau auf dem Niveau von Deutschland. Bei anderen Marken wie Asics kann man einigermaßen sparen (ich denke ca. 70% der für „uns“ üblichen Preise), bei verschiedenen Luxusprodukten (wie z.B. Michael Kors) sogar vergleichsweise sehr viel (bis zu 50% der deutschen Preise).

Spätestens jetzt ist es aber an der Zeit über unser (und auch explizit mein) Highlight des abendlichen Ausflugs zu sprechen: Dem Besuch im Victorias Secret Store. Als gemeiner Europäer ist man die Unterwäsche-Tempel dieses sehr renommierten Herstellers ja gar nicht gewohnt, und so kommt man in den ersten Minuten gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Hervorragendes Shop-Design (zwar recht „rosa“, aber nicht quitschig), riesige Auswahl, sehr schöne Produkte, sehr attraktive Menschen und äußerst engagiertes und eingespieltes Personal .. so erlebt man den Unterwäschekauf sicherlich nicht jeden Tag. Der gesamte Ablauf von „Ich kenne meine Größe nicht“ über das Zusammenstellen einer ersten Auswahl, der Begleitung in eine Kabine, der „Nachlieferung“ alternativer Größen und der gemeinsamen Suche nach Ergänzungen und passenden Teilen ist absolut beispiellos. Einzig als Mann fühlt man sich bei Victorias Secret ein wenig verloren, gibt es doch kaum einen Platz im Store, an dem man nicht im Weg rumsteht. Das der typische Shopping-Vorgang hier schon mal locker mehr als eine Stunde dauern kann, macht diese Sondersituation nicht eben einfacher. Macht aber nichts, denn es gibt sicher unangenehmere Orte für einen Mann um „geparkt“ zu werden, als in einem Unterwäsche-Geschäft.

Nach unserem (zumindest für Dani) sehr ergiebigen Einkaufsbummel ging es gegen 21:30 Uhr so langsam wieder zurück in Richtung Lauderdale by the Sea. Kaum rollt man vom Parkplatz los (natürlich mit geöffnetem Verdeck) wird einem ein weiteres Mal bewusst, wie toll die Tage und Abende in Florida doch sind: 27°C, seichter Wind, coole Musik aus dem Radio (klingt für uns übrigens absolut gewohnt .. bis auf die gesprochenen Passagen entspricht die Auswahl der Songs zu gefühlt 99% YouFM) und das lässige Brabbeln von 3,7l-Hubraum machen schon Spaß. Es ist einfach toll so entspannt durch die Landschaft zu rollen und ein wenig das „Feeling“ der Metropolregion aufzusaugen, obgleich man quasi permanent unter einer Reizüberflutung leidet. Überall blitzt und blinkt es, buhlen Schilder und Stores um Aufmerksamkeit, verstecken sich mehr oder weniger wichtige Hinweise zu den aktuellen Verkehrsregeln am Straßenrand. Während man in Deutschland wichtige Schilder (z.B. Tempolimits) sehr einfach erkennen kann (u.a. da diese im Dunkeln vernünftig reflektieren), gehen die recht kleinen, weißen, unscheinbaren Tafeln in der Nacht Floridas schon mal ziemlich leicht unter.

An dieser Stelle noch eine abschließende Bemerkung zum Thema Bevölkerungsdichte, die mich so zumindest ein wenig überrascht hat: Auf der gesamten Fahrt von Lauderdale by the Sea bis nach Sunrise (ca. 25km) konnte ich nicht ein Fleckchen „freie Landschaft entdecken. Gleiches gilt im Prinzip auch für nahezu die gesamte Strecke von Miami bis nach Lauderdale by the Sea – die gesamte Metropolregion scheint eine große Stadt zu sein, die fast fließend ineinander übergeht. Meiner Meinung nach ist das Gefühl vielleicht ein wenig mit dem Ruhrgebiet in Deutschland zu vergleichen, obgleich ich die Entsprechung in Florida doch wirklich wesentlich attraktiver finde 😉 Soviel zu Tag 3, an dem eigentlich Regen angesagt war, die Vereinigten Staaten sich aber wieder mal von ihrer besten Seite gezeigt haben. Ich bin gespannt was unser morgiger Tag bringen wird .. geplant ist ein Abstecher nach Fort Lauderdale.

Florida Tag 1 – Anreise und Ankunft in Lauderdale by the Sea

Die Uhr des Notebooks, welches noch nicht auf die lokale Zeit eingestellt wurde, zeigt 2:28 Uhr. Vor rund 22h begann unser Abenteuer Florida finale Züge anzunehmen: Der Wecker klingelte um 04:15 Uhr und keine 35 Minuten später saßen wir im pünktlich bereitstehenden Taxi in Richtung Frankfurt Flughafen.

Am „Heimatflughafen“ verlief alles unproblematisch und mustergültig: Kurze (keine) Warteschlangen, freundliches Personal, wenig Gewusel. Ganz pünktlich begann der Boarding (sogar ohne Bus fahren zu müssen) und entsprechend startete unser Flug in Richtung Tegel. Unser Zwischenstopp im Hauptstadtflughafen hätte anschließend kaum ernüchternder seien können. 60er Jahre und Chaos bzw. mangelnde Koordination bestimmen die Szene. Das Bordpersonal schickt uns zu Terminal A (ein gar nicht sooo kurzer Fußweg, wie anachronistisch), die Tafel in Terminal A schickt uns zu einem Gate in Terminal B, die Dame vor dem Gate schickt uns zurück zu einem Schalter (erst nochmal die Unterlagen prüfen!), die Dame am Schalter schickt uns zum nächsten Schalter (Passierschein A38) und während wir der tollen Odyssee folgen, mache ich mir Gedanken darum, dass der Puffer bis zum Anschlussflug gar nicht sooo großzügig bemessen war.

Sei es drum .. irgendwann hatten wir auch die zweite Security des Tages passiert und saßen wenige Minuten und eine kurze Busfahrt später in einem recht neuen A330. Schlecht: Genau unsere Reihe hatte kein Fenster; Gut: Entgegen unserer Erwartungen gab es ein ziemlich modernes und umfangreiches Entertainment-Programm mit eigenem Bildschirm für jeden im Sitz des Vordermanns. Hier hat sich Airberlin wirklich nicht lumpen lassen .. Spiele, Musik, Filme, Serien, Dokumentationen, alles war da und mit eigenen Kopfhörern (die gratis ausgeteilten waren qualitativ wirklich absolut unterirdisch) sehr gut als Zeitvertrieb geeignet. Auch sonst war der Flug im Prinzip absolut vorbildlich .. es gab insgesamt drei Mahlzeiten, zwischendurch eine extra Flasche Wasser .. Süßigkeiten, Zeitungen, Decken, Kissen .. was will man mehr. 10:45 Uhr Flugzeit sind natürlich kein Pappenstiel, so dass wir ziemlich viel Zeit hatten die vorgestellten Unterhaltungsmöglichkeiten zur Ergänze zu erkunden.

Gesamtfazit Flug: Besser ging es kaum .. außer vielleicht in der Business-Class 😉

In Miami angekommen sputeten wir uns ziemlich, um bei der Immigration keine allzu Schlange ertragen zu müssen. Die Gänge hier sind wirklich eeeeeeeeeewig lang und trotz vieler Beförderungsbänder hat man das Gefühl den Staat noch vor der Passkontrolle zu Fuß zu erkunden 😉 Irgendwann kamen wir an, wurden freundlich aber bestimmt in die Schlange komplimentiert und begannen zu warten. Ich schätze so ca. 20 Minuten später waren wir dran, traten gemeinsam vor, durften jeweils 4 Finger + 1 jeder Hand scannen lassen und anschließend ein Foto machen lassen .. das war es auch. Danach ging es weiter zur Gepäckausgabe, wo schon fleißige Mitarbeiter dabei waren die Koffer neben das Band zu stapeln. Kenne ich so überhaupt nicht, stellt aber kein Problem dar .. wenn man denn das Prinzip verstanden hat. Anschließend noch einmal durch den Zoll, der dann auch auch nochmal Pass gegen reale Erscheinung prüft und ein paar Smalltalk fragen stellt (Wie lang seit ihr verheiratet, wie lang bleibt ihr hier, was seht ihr euch an..) und dann ist es soweit: Wir sind endlich „frei“ auf amerikanischem Boden.

Gesamtfazit Immigration und Abwicklung am Flughafen: Auch sehr gut .. und auch sehr freundlich und relativ fix .. hier gab es nichts zu meckern.

Kaum waren wir „frei“, ging der Stress weiter: Auf zum Shuttletrain und weiter zum Car Rental Center. Kaum standen wir bei Hertz in der Schlange, wurden wir auch schon von einem sehr freundlichen Mitarbeiter darauf angesprochen, dass wir als Gold Member (seit einer Woche) gern zum Gold-Schalter mit viel kürzerer Schlange gehen könnten. Gesagt, getan .. leider wurde das Serviceerlebnis dann etwas weniger vorbildlich. Die Dame am Schalter wirkte recht frustriert, gab minutenlang überhaupt kein Feedback, bevor sie dann sagte „Lot 102, have a nice day“. Okay .. In Lot 102 wartete zu unserer Freude ein Ford Mustang Cabrio. Leider aus 2014 und nicht das neue Modell (Mustang VI) und leider mit 36606 Meilen bereits recht „eingelebt“. Wer noch nie in einem Mustang saß und die Verarbeitung europäischer Fahrzeuge gewohnt ist, kann unseren „Schreckmoment“ beim Randevouz mit dem Pferdchen vermutlich nur schwerlich nachvollziehen. An dieser Stelle nur soviel: Der Mustang sieht nicht nur von Außen so retro aus .. und er fährt sich im Übrigen auch so (Automatik .. Kickdown beim Einfädeln .. dauert gefühlte Stunden). Nunja, leider hatte unser Ford neben diversen optischen Makeln auch einen linken Außenspiegel, der sich nicht mehr vollständig einstellen ließ (das Glas saß am völlig verzogenen Spiegelgehäuse fest .. yeah). Ich erspare dem geneigten Leser die Tortur mit Beschwerde und „haben kein anderes Auto“ und der „liebevollen Nachbesserung“ des Stationsmitarbeiters (so hart wollte ich das Plastik einfach nicht anfassen), aber irgendwann blubberten wir mit unserem Ponycar davon. Hertz bleibt sich halt irgendwie treu und bemüht sich den „guten“ Eindruck der Azoren nicht allzu sehr in Vergessenheit geraten zu lassen.

Dach auf (dauert ewig), Sonnenbrille auf, Jacke aus (28°C und blauer Himmel): Bei der Auffahrt auf die Highways Floridas kommt Urlaubsstimmung auf. Die bleibt jedoch nicht lange, da wir fast die gesamten 50km bis zu unserem Hotel in einem sehr zäh fließenden Verkehr stecken, der sich mit dem üblichen Stau im Rhein Main Gebiet an einem Freitag um 15:00 Uhr vergleichen lässt. Nicht lustig. Das man sich als regelkonformer Ausländer ständig aus Hindernis fühlt, trägt zur Entspannung nach dem 12h Flug ebenfalls nicht allzu sehr bei.

Umso toller der Moment, an dem wir erstmals am Strand Fort Lauderdale (100m Luftlinie vom tollen Hotel) ankommen. Salzige, warme Meerluft, weißer, feiner und sehr sauberer Strand und Palmen .. da kommt sofort Urlaubsstimmung auf. Irgendwie fühlt man sich sofort zu Haus und die maritime Atmosphäre, verbunden mit den schönen Häusern und Restaurants am Strand erzeugt sofort Wohlfühlklima.

Nachdem wir ein wenig im Atlantik (überraschend warm) Wassertreten waren und erste Eindrücke von Florida gesammelt haben, entschlossen wir uns zu einer kleinen Drei-Stopp-Tour, bestehend als Geldautomat, Supermarkt und Futtersuche. Ersteres lief problemlos, Zweiteres war für mich ein interessanter Erstkontakt. Salopp gesagt fühlte sich der hiesige „Public Grocery Store“ ein wenig wie Hornbach mit Nahrung, statt Baumaterialien in den Regalen an 😉 Wie dem auch sei .. nette Auswahl, faire Preise und unsere Grundversorgung in den nächsten Tagen war gesichert. Aus Gründen der Einfachheit verlagerten wir das Abendessen zu Wendy’s – eine erste große Enttäuschung. In so „klassischem“, gut eingewohnten Ambiente, angereichert mit Frittenduft, durfte ich bisher noch nie Fast Food dinieren. Aber gut, als Speise nach einem derart langen Tag zumindest akzeptabel..

Jetzt ist es 03:00 Uhr (21:00 Uhr Ortszeit) und so langsam fallen uns wirklich die Augen zu. Ich weiß, dass es diesem Beitrag an einer finalen Qualitätssicherung und an Fotos fehlt .. aber kommt Zeit, kommt Feinschliff 😉 Gute Nacht!

Mit dem Audi A6 Allroad nach Dänemark

Es ist dieses Gefühl von Freiheit, von Auszeit, davon etwas Außergewöhnliches zu tun, dass einen packt, wenn man zu später Stunde nach einem langen Arbeitstag irgendwo in Deutschland unterwegs ist. Bei wenig Verkehr, guter Musik, einsetzendem Sonnenuntergang und mit einem Kofferraum voller Gepäck stellt sich schnell die positive Vorahnung auf Urlaub, darauf ein paar Tage etwas ganz anderes zu sehen und zu tun, ein.

Urlaub am Horizont..
Urlaub am Horizont..

Dieses Jahr sollte uns unser kurzes Sommerintermezzo nach dreijähriger Pause erneut nach Dänemark zum Hochseeangeln führen .. und um einer eher anstregenden Reise im MINI John Cooper Works Roadster (spätestens nach 300km hat man das Gefühl, dass diverse Körperteile keinen Meter mehr sitzen wollen) oder unserem Audi TTRS zu entgehen und außerdem das notwendige Transportvolumen zur Verfügung zu haben, begaben wir uns nach reiflicher Überlegung in die Hände von Europcar. Da SIXT ja eher für seine Mietobjekte aus München bekannt ist (und wir diese ja schon zur Genüge bewegt haben) und andere Autovermietungen eher wenig spannend sind (persönliche Erfahrungen verbieten Hertz, Avis war von den Konditionen her nicht spannend, Enterprise in der avisierten Kategorie auch nicht) stellte sich der renommierte Anbieter aus Hamburg recht schnell als Favorit heraus.

Bei der Abwägung „Hoffnung auf Upgrade“ vs. Gewissheit entschieden wir uns letztendlich vor dem Hintergrund der vergleichsweise langen Mietdauer (10 Tage) für Gewissheit und buchten einen Audi A6 Avant oder ähnlich (LWAR). Wenige Stunden später wurde die Reservierung bestätigt und so begann das Warten auf den Beginn des Urlaubs und die Gewissheit darüber, welches Fahrzeug wir letztendlich erhalten würden. Mobilitätspuristen würden jetzt sicherlich sagen „Ist doch egal .. hauptsache irgendetwas Großes, mit dem man von A nach B kommt“ – aber diese Haltung konnte ich leider (?) noch nie in mir entdecken 😉 Also wurde fleißig gegoogled und heraus kam mehr oder minder die Gewissheit, dass es entweder ein relativ mager ausgestatteter A6, ein gut ausgestatteter A6, ein E-Klasse T-Modell oder – sozusagen im Best Case – ein A6 Allroad werden könnte. Telefonisch konnte uns die Station auch 24h vor Mietbeginn noch in keinster Weise weiterhelfen, so wir uns einfach überraschen lassen mussten.

Am Tag unseres Urlaubsbeginns ging dann alles ganz schnell: Arbeitstag beenden, noch kurz die letzten Besorgungen erledigen und dann schnell zu Europcar. Die Station war nahezu komplett leer gefegt, so dass im Prinzip sofort klar war, dass der einzige in Frage kommende Wagen auf dem Platz unser sein musste – ein schwarzer Audi A6 Allroad. Erster Kommentar von Dani: „Was für hässliche Felgen.“. Vor dem Hintergrund der möglichen Alternativen waren meine Gedanken zugegebenermaßen etwas positiver und so störten mich die Winterfelgen mit Winterreifen bei 26°C eher weniger. Rasch waren die notwendigen Formalitäten erledigt und bereits nach wenigen Minuten verließen wir den Parkplatz der Europcar Niederlassung. Schon nach dem Öffnen der Tür war klar, dass mit Ausstattung hier nicht gespart wurde. BOSE, Abstandstempomat, LED-Scheinwerfer, abblendbare Innen- und Außenspiegel, MMI+, Keyless Go, automatische Heckklappenbetätigung, Glasschiebedach, 3.0L TDI, Standheizung .. Herz was willst du mehr.

Unser Begleiter für den "Roadtrip"
Unser Begleiter für den „Roadtrip“

Beim Einparken in die heimische Einfahrt bemerkte ich anschließend das Vorhandensein der Rückfahrkamera – ebenfalls sehr hilfreich bei einem Fahrzeug mit diesen Abmessungen. An diesem Punkt muss ich übrigens gestehen, dass der Umstieg vom TT (mit Stronic) auf den A6 (ebenfalls mit Stronic) zumindest auf den ersten Metern ein wenig „spannend“ war. Beim Anfahren hatte ich das Gefühl, dass das Getriebe erst noch prüfen würde, ob es wirklich Lust darauf hatte sich in Bewegung zu setzen, während ich bei der ersten Bremsung spontan befürchtete, die Verzögerung würde gar nicht mehr einsetzen. Anders gesagt: das Fahrgefühl meines „Daily Drivers“ könnte kaum stärker von dem des A6 Avants abweichen. Diese doch recht irritierende (wenngleich nicht unerwartete) Erfahrung trat jedoch recht schnell in den Hintergrund; Fuß, Hand und Kopf gewöhnten sich an den Lastenesel.

Okay, ein wenig dramatisch - aber der Auftritt des Allroad ist durchaus bemerkenswert
Okay, ein wenig dramatisch – aber der Auftritt des Allroad ist durchaus bemerkenswert

Nachdem wir zu Hause angekommen sehr positiv von den Ladeeigenschaften des Ingolstädters überrascht wurden, konnte unser knapp 600km langer Trip zu ersten Zwischenstation (Laboe) auch bereits nach wenigen Minuten beginnen. Während wir es sonst gewohnt sind im Kofferraum und auf der Rücksitzbank unserer Autos Tetris zu spielen, bot der Allroad als einzige Herausforderung das selbst gesteckte Ziel die Rücksitzbank gänzlich unbenutzt zu lassen 😉 Keine 100km später lag die typisch hohe Verkehrsdichte des Rhein-Main-Gebiets hinter uns, so dass wir ein wenig mehr Zeit hatten uns mit den Details des Audis zu beschäftigen. Was wirklich sehr positiv auffällt, ist die hochwertige und optisch wie haptisch beeindruckende Verarbeitung des Innenraums (zumindest in der uns präsentierten Ausstattung). Alcantara wechselt sich mit angenehm zu berührendem Leder ab und bildet insbesondere im Bereich der Sitzmittelbahn eine nahezu ideale Grundlage für lange und entspannte Fahrten. Auch alle sonstigen Oberflächen sehen wertig aus und fühlen sich auch so an – hier haben die Fahrzeugbauer aus Ingolstadt ganze Arbeit geleistet. Das MMI-Bedienkonzept, ergänzend um die diversen Anzeigemodi im Kombiinstrument und die zugehörigen Lenkradtasten, mag nicht sofort intuitiv erscheinen, ist jedoch meiner Meinung nach schlüssig. Als Autobegeisterter habe ich mich sehr darüber gefreut hier viele neue Menüs, Einstellungen und Ansichten zu entdecken – wer einfach nur Fahren will, findet manche Dialoge vielleicht ein wenig zu überfrachtet.

Aufgeräumter Innenraum, wertige Verarbeitung
Aufgeräumter Innenraum, wertige Verarbeitung

Als Langstreckentransporter macht der Allroad seine Sache in jedem Fall exzellent: Geringe Innengeräusche in Kombination mit einer sehr bequemen Sitzposition führen zu geringer Ermüdung und vermitteln stets ein hohes Gefühl an Sicherheit. Dieses wird noch verstärkt, wenn man die zahlreichen Helfer wie Abstandstempomat (ACC), Totwinkelassistent und Spurhalteassistent (alles drei Funktionen, die ich zuvor noch nie in dieser Intensität testen konnte) aktiviert. Zwar wird das Lenkgefühl bei aktiviertem Lane Assist meiner Meinung nach extrem synthetisch (so stark habe ich mich jedenfalls selten an ein Computerspiel erinnert gefühlt) und auch recht gewöhnungsbedürftig, doch der subjektive Sicherheitsgewinn ist bemerkenswert. Je mehr man sich auf das System einlässt, desto faszinierter ist man, wenn der Audi den Fahrer ganz sanft, nahezu unmerklich dazu drängt dem Kurvenverlauf zu folgen – dies funktioniert insbesondere auf Autobahnen ganz fantastisch! Ein wenig anstrengend wird es allenfalls dann, wenn man dazu tendiert, auf einer für das System unerwünschten Position der Fahrbahn zu fahren (wenn man z.B. auf einer sehr breiten Autobahnspur tendenziell links der Mitte fährt – in diesem Fall muss man permanent etwas Kraft aufwenden, um den Wagen in dieser Spur zu halten).

Das obligatorische Reise-Selfie ;-)
Das obligatorische Reise-Selfie 😉

Den Totwinkelassistent (Side Assist) habe ich in dieser Form auch das erste Mal in Aktion erlebt – ihn würde ich tendenziell als weniger attraktiv einstufen. Zwar sind seine Anzeigen ebenfalls sehr deutlich wahrnehmbar und durchaus hilfreich, zumindest während unserer ca. 2300km mit dem Fahrzeug habe ich jedoch nicht soviel Vertrauen aufgebaut, auf den üblichen Schulterblick zu verzichten (was womöglich auch gar nicht vorgesehen bzw. empfehlenswert ist). Im Gegensatz zum Lane Assist und Abstandstempomat erfordert der Totwinkelwarner ein merkliches Umdenken um seine Vorteile vollkommen ausnutzen zu können – und das ist definitiv ein Prozess, den man in 10 Tagen nicht abschließen kann. Die Funktionsweise des besagten abstandsabhängigen Tempomaten gefiel mir hingegen wesentlich besser, obgleich man als Fahrer hier permanent zwischen „Nicht doch jetzt schon“ und „Ehm .. worauf wartest du?!“ pendelt. Sicherlich ist der konsequente Einsatz dieses Assistenzsystems ganz besonders gewöhnungsbedürftig (und zugleich sicherheitskritisch), weshalb man als Mann im Driver’s Seat womöglich nochmals kritischer hinterfragt und prüft. Es gab in jedem Fall diverse Situationen (insbesondere zähfließender Verkehr mit vergleichsweise geringen Geschwindigkeitsänderungen) in denen ich das ACC-Systeme sehr begrüßte, während es in anderen Momenten doch ein vergleichsweise hohes Maß an Anpassung des eigenen Fahrstils erfordert (z.B. wenn man auf der Autobahn recht frühzeitig die Spur wechseln muss, damit der Tempomat nicht beginnt hinter dem vorausfahrenden LKW einzubremsen). In jedem Fall bringt auch das ACC subjektiv ein zusätzliches Plus an Sicherheit – wenn es doch nur manchmal auch etwas mehr gleiten könnte (die armen Bremsen..).

Hier gut zu sehen: Das Optikpaket der Offroad-Variante
Hier gut zu sehen: Das Optikpaket der Offroad-Variante

Bei soviel Schwärmerei ist es augenscheinlich kein Wunder, dass wir unser Ziel wohlbehalten, guter Laune und nahezu top erholt erreicht haben (das nahezu könnte man bestimmt streichen, wenn Europcar sich dazu entschieden hätte auch noch die Sitzbelüftung und Massagesitze zu ordern). Nach einer erholsamen Nacht verbrachten wir einen tollen Tag im schönen Laboe (inklusive Besuch des Marine Ehrendenkmals), bevor wir am Abend die Weiterfahrt nach Dänemark antraten.

Nach einer kühlen Dusche am Strand war es ein herrliches Gefühl die Sandalen auszuziehen, in bequeme Turnschuhe zu schlüpfen und sich anschließend in den perfekt klimatisierten Innenraum des Audis zu kuscheln. Den uneingeschränkten Komfort dieser mobilen Behausung mussten wir auf dem Weg gen Norden nur noch ein weiteres Mal verlassen, denn trotz eines moderaten Verbrauchs von ca. 8,3l/100km und einer sehr guten Reichweite von deutlich über 800km war halt irgendwann ein Zwischenstopp zur Kraftstoffzufuhr erforderlich. Ansonsten ließen wir uns vom Klang des BOSE-Soundsystems begeistern (ehrlich, wenn das BOSE im TT doch nur so klingen würde..) bzw. bei fortgeschrittener Stunde von einem Hörbuch ablenken. Je dunkler es wurde, desto mehr erfreuten wir uns am Licht der LED-Scheinwerer, die ich in dieser Form ebenfalls noch nicht erlebt hatte. Um es kurz zu machen: Nett, ungewohnte Lichtfarbe, interessante Ausleuchtungsszenarien z.B. beim Abbiegen und Rangieren, aber insgesamt aus meiner Sicht kein Quantensprung wie von Halogen zu Xenon. Sehr spannend wäre in diesem Zusammenhang sicherlich ein ausführlicher Test eines Fahrzeugs mit Matrix LED-Scheinwerfern. Während der vergleichsweise entschleunigten Fahrt über die dänischen Autobahnen (hier hatte mein Cayman vor drei Jahren bereits seinen Verbrauchsrekord aufgestellt) hatten wir jede Menge Zeit uns mit den tiefsten Tiefen des MMIs zu beschäftigen. So entdeckten wir nun auch die vielfältigen Modi und Kombinationsmöglichkeiten selbiger um das hervorragende Luftfahrwerk, den Motor, das Getriebe und die Lenkung gemäß den Präferenzen des Fahrers zu parametrisieren – schon ziemlich verspielt 😉

Stilechte Ankunft am Ferienhaus - auch das kann der A6 Allroad sehr gut
Stilechte Ankunft am Ferienhaus – auch das kann der A6 Allroad sehr gut

Bevor ich mich an dieser Stelle der beruhigenden Wirkung Dänemarks und seiner wilden Strände und weichen Landschaft widmen (würde), bleibt eigentlich nur noch ein Feature im Detail zu thematisieren: Das Luftfahrwerk. Dieses kann mittels verschiedener Einstellungen – angefangen von dynamic über auto bishin zu „Allroad“ – hinsichtlicher seiner Dämpfungseigenschaften und seiner Höhe (!) verstellt werden. Das Kind im Manne kann also ganz fasziniert beobachten, wie sich der Horizont aus Sicht des Fahrers merklich bewegt, wenn vom „Dynamic“-Modus (wenig Bodenfreiheit) auf den „Allroad“-Modus (viel Bodenfreiheit) umgeschaltet wird. Diese Funktion konnte bisher weder das Luftfahrwerk in unserem 5er, noch (natürgemäß) das adaptive Fahrwerk in Cayman, Boxster oder TT bieten (die Fahrwerke der drei letztgenannten verstellen sich schließlich „nur“ hinsichtlich der Härte und dies mittels spezieller Dämpfer). Kaum ist der faszinierende Vorgang nach wenigen Sekunden beendet, passt der Allroad noch besser zu seinem bulligen, hervorragend verarbeiteten Bodykit und wird dann auch seinem Namen (zumindest ansatzweise) gerecht. Den Überblick und die Weitsicht eines Touaregs vermittelt der Avant aus Ingolstadt jedoch auch in diesem Modus (mit Hinblick auf die Höhe der Sitzposition) übrigens nicht; der Einstieg wird jedoch sehr bequem.

In der Standardeinstellung des Fahrwerks wirken die Reifen wirklich etwas verloren im Radkasten
In der Standardeinstellung des Fahrwerks wirken die Reifen wirklich etwas verloren im Radkasten
So sieht es aus, wenn das Fahrwerk seine maximale Höhe eingenommen hat
So sieht es aus, wenn das Fahrwerk seine maximale Höhe eingenommen hat

Außer den bereits intensiv geschilderten, positiven Erfahrungen, bleiben einige kleinere Mängel: Das Keyless Go-System mochte den Schlüssel manchmal nicht sofort erkennen (geschenkt), zwei Mal sprang der Motor beim Betätigen des Start-Stopp-Knopfes nicht an, einmal stotterte der Motor die ersten zwei  bis drei Sekunden heftig bei ca. 500 Umdrehungen / Minute (wenig vertrauenserweckend) und um 22:30 Uhr auf einer einsamen Autobahn in Dänemark meldete der Bordcomputer: Öl nachfüllen, Weiterfahrt zur Werkstatt möglich. 65km später und 255,95 dänische Kronen ärmer war dieser Missstand behoben (hier sehe ich das Versagen eher bei Europcar, welches den Betrag entgegen der Absprache mit der Hotline und der Station übrigens auch noch nicht korrekt erstattet hat). Ein wenig irritierend fand ich zudem den Umstand, dass man beim Parken stets manuell den Wählhebel der Automatik auf „P“ stellen muss – beim 5er geschieht dies automatisch, wenn man bei getretener Fußbremse den Motor stoppt. Dafür muss man beim Münchener Modell Autohold nach jedem Start aufs neue aktivieren – der Audi ist hier wesentlich intelligenter 😉

Kurz vor der Rückgabe - hier schon wieder in Bedrängnis durch Danis Spaßmobil ;-)
Kurz vor der Rückgabe – hier schon wieder in Bedrängnis durch Danis Spaßmobil 😉

Insgesamt war unser (am Ende nur) 9 tägiger Roadtrip mit dem A6 Allroad eine tolle Erfahrung. Das Auto hat alle meine Erwartungen erfüllt bzw. sogar übertroffen und es war schön die ausführliche Gelegenheit zu haben, so viele für mich neue Assistenzsysteme auszuprobieren. Als Lastenesel leistet der Audi Großes (vor allem auch mit Hinblick auf die Variabilität des Kofferraums und dank cleverer Details wie dem verschiebbaren Gepäcknetz) und gibt einem stets das Gefühl souverän, sicher und unglaublich komfortabel unterwegs zu sein. Haptisch ist er meiner Meinung nach auf Augenhöhe mit dem BMW 5er; beim Fahrgefühl liegt der A6 meiner Meinung nach sogar vorn. Vom ersten Meter an fühlt man sich wohl und innerlich entschleunigt, obgleich man definitiv zügig vorankommen kann. Subjektiv fand Dani die 258PS unseres 530d ein wenig spritziger, was jedoch auch am höheren Gewicht des Allroads liegen kann. Im Vergleich zu meinem Daily Driver war der A6 insbesondere ab ca. 150 km/h recht träge, aber dies ist mit Hinblick auf das Fahrzeugkonzept wohl normal und Jammern auf hohem Niveau. Auch unseren Extremtest (1100km in 10:30h) hat der Audi erfolgreich gemeistert – wir waren so erholt, dass wir fast nochmal losgefahren wären 😉

Abendstimmung mit wuchtigem Chromgrill
Abendstimmung mit wuchtigem Chromgrill

Schlussbemerkung (für alle, die auf etwas mehr Input zu Dänemark gewartet haben): Ich empfehle einen Trip nach Langeland bei konstant viel Sonnenschein, seichtem Wind und Temperaturen um 25°C. Hochseeangeln, Geocachen, Strandspaziergänge, Multicopter fliegen und vor allem das hervorragende dänische Eis garantieren erholsame Stunden 😉 Dies vermag trotzdem nicht darüber hinweg zu täuschen, dass ich beim Angeln ein weiteres Mal nur erster Verlierer wurde 😉

Weitere Eindrücke des Autos gibt es hier: Klick.

Weitere Impressionen unseres Dänemark Urlaubs dort: Klick.

Auf in die Lüfte: Erste Schritte mit dem Multicopter

Es begab sich um die Osterzeit herum, dass ich – warum kann ich gar nicht mehr so genau sagen – mal wieder vom Thema Modellflug bzw. viel mehr Multicopter-Flug fasziniert wurde. In den letzten Jahren hat mich die Idee den sicheren Boden unter mir zu lassen und eine neue Sichtweise zu gewonnen immer mal wieder begeistert.. der Schwerpunkt lag dabei jedoch immer auf dem Flug mit einer Kamera an Bord – dem sogenannten „First Person View-Verfahren“ (auch: Immersionsflug).

Thematischer Vorgriff - es soll ja interessant bleiben ;-)
Thematischer Vorgriff – es soll ja interessant bleiben 😉

Flugzeuge finde ich persönlich nicht so recht spannend und Hubschrauber als entspanntes, auch Einsteiger-freundliches Hobby vielleicht etwas zu ambitioniert, und so schienen alle meine Wünsche in einem Multicopter (sprich einem kleinen Fluggerät mit mehreren Luftschrauben) zu kulminieren. Das Interessante daran ist die immense technische Weiterentwicklung in diesem Bereich in den letzten Jahren, so dass die kleinen (und größeren) Flugobjekte mittlerweile Kompass- und GPS-gestützt durch die Luft schweben und damit die Kombination aus moderner Technik/IT und dem alten Wunsch des Fliegens ganz neue und sehr spannende Aspekte gewinnt.

Genug des Prosas: Ich wollte so ein „Ding“ haben. Es sollte eine Kamera tragen können, später die Möglichkeit bieten das Kamera-Bild am Boden in Echtzeit zu betrachten und es wäre toll, wenn die Flugzeit möglichst lange wäre. In jüngster Vergangenheit werden all diese Anforderungen „eigentlich“ ziemlich perfekt vom der DJI Phantom 2 Copter vereint, welcher quasi als Rundum-Sorglos-Paket angeboten wird. Akku mit immenser Flugzeit, Ladegerät, fertig aufgebauter Copter, Fernbedienung und diverse nette Erweiterungen (dazu gleich mehr) werden hier quasi ohne großen Bastelaufwand und nahezu startbereit angeboten. Fand ich zunächst sehr ansprechend und mit Hinblick auf die  riesige Community und die sehr vielen Videos auch extrem verlockend. Die DJI Phantom ist quasi zur Zeit der „Standard“ und womöglich auch eine ideale Wahl, wenn man relativ schnell und mit wenig Recherche-Arbeit sehr ansehnliche Erfolge erreichen möchte – YouTube bietet hier eine enorme Vielfalt respektabler Beweise.

Doch je mehr ich die Informationen verschlang (die Feiertage sind echt toll für sowas), desto mehr Zweifel kamen mir. Der Gedanke ein mehr oder weniger proprietäres System von der Stange zu nutzen, gefiel mir nicht so recht .. das Plastikbomber-mäßige Aussehen der Phantom traf ebenfalls nur bedingt meinen Geschmack. Also fing ich an mich zu alternativen Lösungen bzw. selbstgebauten Coptern zu informieren und startete einen ersten zarten Versuch Dani für das Thema zu begeistern. Klappte zunächst nur bedingt.

Aber da Dani eine sehr verständnisvolle (und manchmal auch diplomatische) Frau ist, sagte sie nicht „Werd erwachsen!“, nein, sie sagte „Kauf dir doch erstmal etwas Kleines um auszuprobieren, ob dir das wirklich Spaß macht“. Gesagt getan, nach kurzer Suche sollte ein Blade Nano QX als unzerstörbarer Indoor-Trainings-Copter den Weg zu uns finden. Nun stellte sich relativ schnell heraus, dass es diesen entweder mit einer mitgelieferten Standard-Fernbedienung („Funke“) geben sollte, oder als „Bind to Flight“-Version, die sich mit den meisten Spektrum-Fernbedienungen versteht. Durch einen glücklichen Zufall erstand ich dann auch recht fix per Kleinanzeige eine nicht mehr ganz neue, aber sehr wenig verwendete Spektruk DX7 (nicht S) gemeinsam mit „ein paar“ Spektrum-Empfängern. Damit war der Anfang gemacht 😉

Unser Übungsgerät - klein, unzerstörbar, 5 Minuten Flugzeit / Akku, 18g leicht
Unser Übungsgerät – klein, unzerstörbar, 5 Minuten Flugzeit / Akku, 18g leicht

Parallel konnte ich Dani plötzlich für den Gedanken Copter gewinnen, als ich ihr eröffnete, dass sie ja ihren eigenen haben könnte („Mit pinken Propellern?“ Klaaaar!). Die Suche wurde also intensiviert, mein Hirn gab keine Ruhe („Haben wollen!!!“). Plötzlich entdeckte ich ein ziemlich nettes Paket bestehend aus Copter, Gimbal (einer Art Kamera-Halterung, die die Bewegung des Fluggeräts kompensiert, so dass die Kamera im Idealfall ein stabiles und nivelliertes Bild zeigt) und einer GoPro Hero 2. Das „Ding“ nannte sich Bumblebee und ich fand das könnte auf Frauen (meine Frau) attraktiv wirken. Tat es auch und so wurde der Deal schnell finalisiert. Einige Stunden später fand ich heraus, dass unsere Hummel gar nicht so kompakt wie erhofft sein würde und es sich in der Tat um einen klappbaren Carbon-Rahmen mit 55cm Abstand von Motor zu Motor handelt .. wow .. das würde ja cool werden. Dani zeigte sich zum Glück auch sehr tolerant und so erreichte uns Bumblebee schon wenige Tage später per Paket.

Wer hier keine Assoziationen zu Star Wars hat ;-)
Wer hier keine Assoziationen zu Star Wars hat 😉

Bumblebee schickte seinem Eintreffen einen ganzen Schwarm voller zusätzlicher Anschaffungen voraus – ist klar, so ein Copter fliegt ja nicht von Faszination und guten Wünschen. Also trafen in ziemlich vielen Sendungen neben unserem Übungscopter ein Ladegerät (Graupner Ultramat 16s), ein Balanceradapter, ein paar Ersatz-Luftschrauben (man weiß ja nie), eine „Wuchtmaschine“ für Luftschrauben (jaja, so etwas gibt es), viele lustige andere Adapterkabel, zwei LiPo Akkus, zwei Lipo-Schutztaschen, eine Lötstation und noch diverse andere Kleinigkeiten ein. Dani brachte es perfekt auf den Punkt, als sie sagte, dass „der Boden des Fasses ohne Bodens bald erreicht sei“. Mittlerweile habe ich die Hoffnung aufgegeben, dass sie damit Recht hat 😉 Nahezu täglich durfte ich eine oder mehrere Sendungen aus dem Postkasten fischen (bzw. sie manchmal mühsam heraus operieren) und am 2. Mai trafen dann auch die Akkus aus dem niederländischen Zentrallager eines großen, bekannten Modellbau-Händlers ein.

Theoretisch (hihi) waren jetzt alle Komponenten beisammen und theoretisch hätte ich die Lipos laden und auch an Bumblebee anschließen können .. sollen. Laden ging, anschließen aber nicht, denn Bumblebee bevorzugte 4mm Bullet-Connectoren für die Stromversorgung, während die Akkus mit 5,5mm Anschlüssen kamen. Also Zeit für den ersten Einsatz der Lötstation und den ersten Besuch beim hiesigen Modellbauladen um sog. XT60-Stecker zu kaufen. Videos wurden geguckt, Express-Bestellungen ausgelöst und weitere Ersazteile trafen ein. Einige sehr sehr frustrierende Stunden später (diese gefühlt unterarm-dicken Kabel der 5800 mAh Lipos mit dem XT60 Stecker zu verheiraten, ist für Lötanfänger gar nicht so einfach) schien der Traum vom Erststart am May the Fourth – dem Star Wars Tag („May the FORCE be with you“) – geplatzt. Weitere Videos wurden geschaut, und mit neu erstarktem Mut machten wir uns am 04.05. nochmals an eine sehr lange Lötsession (danke, Dani!).

Profi an der Werkbank - erkennt man sofort ;-)
Profi an der Werkbank – erkennt man sofort 😉

Kaum war diese beendet, begann ich auch schon damit den Copter das erste mal mit dem Rechner zu verbinden. Dies klappte alles andere als gut, da der DJI-Treiber (als Flight Controller kommt eine Naza Lite zum Einsatz) zunächst nicht so richtig sollte, wie er wollte .. geschenkt, hat nach ein wenig Basteln dann geklappt. Anschließend die Ehe auf Probe mit der Funke (auch hierzu hatte ich seeeehr viel gelesen) und damit die nächsten Probleme: Die Umschaltung der Steuerungsmodi (GPS, Höhe halten, manuell) sowie die Aktivierung der Notfallabsicherung (Failsafe, bringt den Copter zurück und landet ihn, wenn es ein Problem mit der Fernbedienung gibt .. oder auf entsprechenden Befehl hin) funktionierte nicht. Das eifrige Wälzen meiner gefühlt 50 Lesezeichen brachte Abhilfe (weitere Details in einem separaten Beitrag später), so dass am Boden alles gut aussah.

Operation am offenen Herzen - Die Hummel von unten
Operation am offenen Herzen – Die Hummel von unten

Kurz vor dem Jungfernflug löste sich dann unser als aller erstes gelöteter XT60-Stecker vom LiPo: Bye bye Akku Nummer 1 (zumindest bis zur nächsten Lötsession, nix Böses passiert). Was soll’s .. Lipo 2 und alles Zubehör eingepackt und los auf das Feld .. so kurz vor Sonnenuntergang und nach sooo vielen Stunden der Recherche und Bastelei wollten wir unbedingt wissen, ob das Monster leben würde. Vor Ort angekommen ging dann nochmal alles schief, was schief gehen konnte (Ups .. ERST die Fernbedienung anmachen .. oh .. wo war die Anleitung zur Kalibrierung des Kompasses .. PLOPP, oh da ist der Lipo einfach so aus der Halterung gefallen und liegt jetzt im Acker), bevor Bumblebee leicht herausfordernd zum Ersatzflug bereit stand. Eine beherzte Bewegung meiner beiden Daumen später erwachte das Monstrum zum Leben und wenige Augenblicke später erhob es sich .. mehr oder weniger souverän 😉 Wie sich nach wenigen Augenblicken herausstellen sollte, waren die Kanäle für Ruder und Aileron jeweils „reversed“ (also verkehrtherum), so dass sich die wilde Hummel ganz schön seitenverkehrt flog. Macht nix, eine erneute Landung zur Umkonfiguration der Fernbedienung (auch ein Thema für sich .. später mehr) wollte ich nicht einschieben, so dass es mit ein paar verqueren Gehirnwindungen schon klappten sollte. Tat es 🙂 Den Copter in der Luft zu sehen war ein sehr cooles Gefühl und hat sich auch deutlich interessanter angefühlt als den kleinen Blade Nano in der Wohnung zu bewegen (dafür ist letzterer wesentlich herausfordernder, da agiler).

Durchstarten, durchstarten!!
Durchstarten, durchstarten!!

Nun kann man von einem Erstflug nicht zu viel erwarten (zu hektisch, zu unsicher, zu geringe Distanzen, Equipment nicht richtig eingestellt) – wir hatten trotzdem sehr viel Spaß! Der Copter hat zum Glück alles gut überstanden und auch die ersten Aufnahmen der GoPro konnten gesichtet werden – siehe Videobeitrag am Ende dieses Artikels. Bisher hat das Thema Multicopter kein bisschen Faszination eingebüßt – im Gegenteil, ich habe das Gefühl hier erst ganz am Anfang zu stehen (leider auch was die Anschaffungen angeht ;-)).

Ca. 1700g brummen durch die Lüfte
Ca. 1700g brummen durch die Lüfte

An dieser Stelle vielen lieben Dank an Dani für die unermüdliche Unterstützung (der Copter mit den pinken Luftschrauben kommt auch noch) und ein Sorry an die geneigte Leserschaft, dass dieser Beitrag möglicher Weise etwas weniger detailliert als gewohnt ist – später mehr!

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Herz schlägt Verstand. Erneut. Hello, Audi TTRS

Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich an dieser Stelle von unserer Anschaffung des fahrdynamischen Duos MINI John Cooper Works Roadster und BMW 530d Limousine berichtet. Ich habe die Vorzüge dieser Konstellation beschrieben und hatte das Gefühl (die Hoffnung?) die ideale Kombination aus Spaß, Vernunft, Luxus und Alltagstauglichkeit gefunden zu haben.

Ich habe mich geirrt.

Nicht geirrt in den Autos, ihren Eigenschaften, ihren Vorteilen oder ihren Eigenheiten, sondern geirrt in meiner Fähigkeit Attribute wie Langstreckentauglichkeit, Ladevolumen, Innengeräusche und soziale Akzeptanz zu schätzen. Ich will an dieser Stelle auf gar keinen Fall sagen, dass der 5er ein schlechtes Auto ist oder war (mal abgesehen von meinen katastrophalen Erfahrungen mit dem BMW Service, dem vor allem in Kurven deutlich spürbaren, hohen Gewicht des 5ers und seiner Präferenz Bremsbeläge zum Frühstück zu verschlingen), doch er passte einfach nicht zu mir. Nach einigen Monaten der Freude über das „erhabene“ Fahrgefühl wich diese einer steten Frustration über die querdynamische Trägheit der Limousine, und ihre kühle Ausstrahlung von Gediegenheit und Seniorität wollten einfach keine Emotionen bei mir wecken.

Audi TT, Porsche Cayman, Porsche Boxster, BMW5er .. in jedem Assessment-Center wohl eine dankbare Reihe aus dem Abschnitt „Finde den Fehler“. So ertappte ich mich immer mal wieder dabei die einschlägigen Fahrzeugbörsen nach möglichen Folgekandidaten zu durchsuchen und ein Fahrzeug zu finden, dass ein wenig besser zu mir passen könnte. Sportlich sollte es sein, zwei Sitzen würden im Prinzip völlig ausreichen und eine uneingeschränkte Wintertauglichkeit lagen mir am Herzen. So leid es mir tat und tut fielen daher (zumindest für mich .. und auf Basis meiner ganz individuellen Erfahrungen) die Modelle aus Zuffenhausen durch das Raster. Die einzig mögliche Option wäre hier ein 911 4(S) gewesen (okay, ein Turbo ginge auch noch ;-)), für den ich mich aber zumindest zur Zeit noch ein wenig zu jung fühle. Da die Option „reiner Drittwagen“ für mich ebenfalls ausgeschlossen war und ist und wir mit dem MINI als Roadster für den Sommer absolut glücklich sind, schärfte sich das Zielbild immer weiter. Irgendwann hatte ich einen glutorangenen Audi S3 im Blick und dachte: Geile Farbe, aber sonst vorbei am Ziel. Und dann war die Zieldefinition plötzlich gefunden: Ein oranger Audi TTS sollte es werden. Zwar waren wir bei diesem Modell ja schon mal – und so ganz top frisch ist es auch nicht mehr – aber sonst kamen hier eigentlich alle Wunscheigenschaften zusammen. Glücklicherweise war auch Dani von der Idee recht angetan und so begann ein über mehrere Wochen hinweg mal mehr, mal weniger intensiver Prozess des Grübelns und Zweifelns.

Mitte September erreichte die Diskussion dann ein neues Level, als ich ganz unverhofft beim Durchschauen noch unvernünftigerer Autos DIE Zieldefinition entdeckte. Meine gesamte Aufmerksamkeit galt plötzlich einem Fahrzeug, dass ich zuvor stets als „Wäre schon toll, aber können wir nicht machen“ abgetan hatte. Weiß (grau) außen, Weiß (beige) innen, dazu viel Leder und Alcantara drumherum und eine sonstige Ausstattungsliste, die kaum Wünsche offen ließ. Das Gesamtpaket hörte auf den Namen Audi TTRS und lockte neben seinen 340PS aus außergewöhnlichen 2,5 Litern Hubraum und fünf Zylindern mit einem gewissen Understatement, welches das Fahrzeug auch für den eingeschränkten Kundenalltag interessant machte. Die Fantasien ob eines knalligen Spaßmobils wichen denen eines dezenten Sportlers, der im Gegensatz zum TTS recht modern unterwegs ist (S-Tronic Doppelkupplungsgetriebe mit 7 Gängen) und niemals den Gedanken „wieder nur ein vier Zylinder“ aufkommen lassen sollte.

Präsent, energisch, präzise. TTRS
Präsent, energisch, präzise. TTRS (die Kennzeichenauswahl hat übrigens ewig gedauert)

Schlagartig intensivierten wir die Bemühungen dem 5er möglichst rasch ein neues Zu Hause zu vermitteln und eine anstrengende Zeit begann. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, möchte ich an dieser Stelle nur zusammenfassend sagen: Zum Glück wurde alles ziemlich schnell ziemlich gut. So trennte uns eigentlich nur noch eine Entfernung von schlappen 460km einfacher Distanz von einer Probefahrt, die das Potential hatte in einer großartigen Entscheidung zu münden. Dank intensiver Unterstützung von Dani stürzten wir uns dann auch Hals über Kopf in dieses Abenteuer und standen an einem Dienstagmittag endlich vor unserem Wunschfahrzeug. Das Wetter meinte es besonders gut mit uns (…) und so durften wir bei wechselnd intensiven Regenschauern die Vorzüge des Allradantriebs ein weiteres Mal bewundern. Nachdem also die letzte Telefonkonferenz des Tages bewältigt war, machten wir mit dem suzukagrauen Renner die Straßen um Passau unsicher. Dabei reichte schon eine knappe Stunde um herauszufinden, was wir eigentlich schon wussten: Der TT wird (auch als RS) niemals die Emotionen, den Purismus, das Charisma und die Authentizität eines Porsche erreichen oder vermitteln. Aber als Begleiter für den Alltag, bei Regen, bei Schnee, in der Stadt und bei Kundenterminen erledigt er einen exzellenten Job. Er bietet eine außergewöhnlich gute Übersicht, ein fast schon synthetisch-einfaches Fahrgefühl und ein (für Sportwagen-Verhältnisse) hohes Maß an Komfort. In der RS-Version hat er jedoch auch das, was mir an unserem „ersten TT“ am meisten gefehlt hat: Leistung, Sound, Souveränität und ein gewisses Maß an Prestige. Durch die Sportabgasanlage mit schaltbarer Klappe ergibt sich darüber hinaus die Möglichkeit je nach Laune, Situation und Tagesform die passende akustische Kulisse zu generieren, was ich – in Kombination mit dem beeindruckenden 2,5L-Triebwerk – als fast schon ideal bezeichnen würde. Das uns auch der Alcantara-Dachhimmel, die genialen Schalensitze, die Carbon-Außenspiegel und das außergewöhnliche Bicolor-Leder überzeugt haben, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt 😉

So fiel die Entscheidung für den TTRS schneller als erwartet und deutlicher als zuvor gedacht. Wenige Stunden nach der Probefahrt war der Kaufvertrag unterschrieben (ein eigenartiges Gefühl, wenn die Autobörsen dieser Welt plötzlich melden „Dieses Angebot ist leider nicht mehr verfügbar“) und keine neun Tage später war auch schon der Tag der Abholung erreicht.

Die einzige bildhafte Erinnerung der Probefahrt .. muss der Vollständigkeit halber gezeigt werden
Die einzige bildhafte Erinnerung der Probefahrt .. muss der Vollständigkeit halber gezeigt werden

 

Das ging schneller als gedacht..
Das ging schneller als gedacht..

In bester Tradition begann der „Tag der Tage“ bereits deutlich vor Sonnenaufgang um 4:30 Uhr – so schlichen wir mit ganz kleinen Augen und schweren Koffern wenige Minuten später los in Richtung S-Bahn.

 

Zu früh? Für eine Fahrzeugabholung niemals!
Zu früh? Für eine Fahrzeugabholung niemals!

Von dort aus ging es kurze Zeit später mit der ungewohnt pünktlichen Bahn in Richtung Frankfurt, wobei Dani augenscheinlich nicht der müdeste Fahrgast war 😉 Angekommen am Hauptbahnhof gab es dann auch endlich Frühstück (es wurde auch wirklich Zeit!), bevor wir nach dieser kurzen Stärkung auch schon in „unserem“ ICE Platz nehmen durften. Als konsequenter Bahn-Verweigerer war ich über die großzügigen und komfortablen Sitzplätze in der ersten Klasse sehr positiv überrascht und kam schnell zu dem Urteil, dass wir es für die nächsten vier Stunden hier aushalten könnten. Ungewohnt pünktlich setzte sich der Zug dann auch gegen 06:22 Uhr von Frankfurt aus in Richtung Passau (bzw. Wien) in Bewegung – bis hier hin lief also alles nach Plan und ohne jeglichen Anlass zur Kritik.

Ein akzeptables Mittel der Anreise
Ein akzeptables Mittel der Anreise

Als wir Minute um Minute das Gewirr der Rhein-Main-Metropole hinter uns ließen, konnte ich mich endlich auch dazu motivieren mein Notebook aus der Tasche zu kramen und mich von der mangelnden Eignung des in den Vordersitz integrierten Klapptischs als Arbeitgrundlage überzeugen. Als dann auch noch die Verbindung des Laptops mit dem nicht vorhandenen Hotspot fehlschlug, freute ich mich umso mehr über die direkt unter dem Sitz befindliche Steckdose – so versorgt sollte mein iPhone im Notfall einige Stunden als Quelle einer Internetverbindung herhalten können. Während so langsam die Sonne aufging und die nebelverhangene Landschaft an uns vorbeizog (vorbei sausen wäre bei maximal 127 km/h wohl übertrieben), konnte ich also sogar ein wenig produktiv sein – prima. Rund 2h vor Passau ließ sich dann eine gewisse Aufregung nicht mehr leugnen. Letztendlich hatte ich zwar schon längere Zeit an der Ablösung des 5ers rumgetüftelt, doch die eigentliche Umsetzung dieses tollkühnen Plans erfolgte ja dann doch sehr kurzfristig und binnen weniger Tage.

Ich - leicht nervös
Ich – leicht nervös

Um keinen zu perfekten Eindruck bei uns zu hinterlassen und die Vorteile der ersten Klasse hervorzuheben, hatte sich die Bahn dann doch noch etwas einfallen lassen. Während zu Beginn unserer Reise nur vier hygienische Einrichtungen mit mehr oder minder freundlichen Hinweisschildern gesperrt waren, waren es ab Regensburg mindestens acht. So mussten wir also von unserem Sitzplatz ganz vorn bis zum nächsten WC ganze fünf Waggons durchwandern, welche in der Zwischenzeit prall gefühlt mit nur bedingt glücklichen Menschen waren. Ich frage mich, wie sich die Bahn solche Zustände im Hochsommer und bei erhöhtem Flüssigkeitsbedarf vorstellt.. Letztlich erreichten wir unser Ziel wohlbehalten und mit nur – fast schon lächerlichen – 10 Minuten Verspätung. Augenblicke später war das Autohaus kontaktiert und nach wenigen Minuten saßen wir in einem A5 Sportback mit Fahrtrichtung TTRS.

Etwas überraschend steuert unser Verkäufer die Limousine jedoch nicht gen Audi Zentrum sondern zu einem etwas abgelegeneren Außenstandort. Dort fand ich ein weiterer Glaskasten in dem nach Bekunden des Autohauses die Neuwagenanlieferungen erfolgen und die Fahrzeuge für Ihre Übergabe an den zukünftigen Besitzer vorbereitet werden. Schon von draußen konnten wir den frisch aufbereiteten, suzukagrauen TTRS sehen, der (wie bei der Werksabholung auch) mit ausgefahrenem Spoiler auf uns wartete. Er befand sich dabei in guter Gesellschaft, parkte doch direkt daneben ein werksneuer RS6 mit reichlich vielen Carbon-Extras. Nach einer kurzen Besichtigung des hervorragend aufbereiteten Wagens startete der übliche Unterschriften-Marathon, welcher jedoch – genau wie die restliche Abholung – sehr entspannt ablief. Nachdem alle Signaturen geleistet waren, gab es dann zu meiner großen Überraschung noch recht viele Dreingaben zum Auto. Mit zwei Kulis, zwei Schlüsselanhänger, einer Audi-Thermoskanne, einem Audi-Regenschirm, einem Audi-Faltkorb, einem Satz Gummifußmatten für den Winter und einem Blumenstrauß nach Wunsch für Dani (inklusive Transportvorbereitung) stellte das Audi Zentrum Passau und unser Verkäufer einen neuen Rekord auf. Auch insgesamt war ich sehr positiv überrascht vom Gebrauchtwagenkauf und kann festhalten, dass dieser (für mich ganz individuell) angenehmer als die Werksabholung in Ingolstadt ablief und auch die Erfahrungen mit Porsche, BMW und MINI mehr oder weniger stark in den Schatten stellte. Bevor wir mit dem neuen (vollgetankten) Spaßmobil in Richtung Wochenende aufbrechen konnten, galt es noch kurz dieses aus der Abholungshalle zu manövrieren (das Angebot den Verkäufer dies tun zu lassen, lehnte mein männliches Ego ab), was glücklicherweise recht problemlos klappte. Nach ein paar mal Vor und Zurück, ein wenig Quitschen, einem letzten netten Händedruck hieß es schließlich „Start frei“ und so rollten wir auf den 19″ großen, pulverbeschichteten Rotor-Felgen auf zu neuen Ufern.

Dani macht es sich heimisch
Dani macht es sich heimisch

Unsere Reise endete bereits nach weniger als einem Kilometer, da unsere mitgebrachten Utensilien erst noch verstaut werden wollten. Schnell fand mein Kenu Airframe (abnehmbare iPhone-Halterung – sehr zu empfehlen) ein neues zu Hause und auch die sonstigen Utensilien wie Sonnenbrille, Parkuhr, Eiskratzer, Garagentoröffner und co waren zügig verstaut. So präpariert starteten wir unsere 560km lange Reise in Richtung elterlicher Heimat. Sicherlich gibt es spannendere Details als den vielen zähfließenden Verkehr, die Umleitungen, die Schleicher und alle sonstigen „Störungen“, die dafür sorgten, dass unsere Odyssee fast 7h dauern sollte, weshalb ich an dieser Stelle weitere Ausführungen unterlasse. Die wichtigsten Details waren jedoch: 9,6l Durchschnittsverbrauch, betörender Sound in allen Geschwindigkeits- und Drehzahlbereichen, sehr souveränes Fahrgefühl auch bei höheren Geschwindigkeiten und eine definitiv intensiv geprüfte Langstreckentauglichkeit der Schalensitze.

Das Cockpit - schlicht, aber gut verarbeitet (iPhone-Halterung: Siehe linke Düse)
Das Cockpit – schlicht, aber gut verarbeitet (iPhone-Halterung: Siehe linke Düse)
Auch nach einem langen Tag ist Dani gewohnt gut drauf. Schön auch das Bicolor-Leder und die Prägung in den Schalensitzen
Auch nach einem langen Tag ist Dani gewohnt gut drauf. Schön auch das Bicolor-Leder und die Prägung in den Schalensitzen

Das sicherlich faszinierendste Gefühl am TTRS ist seine Leistung in Kombination mit dem Geräuschniveau und dem völlig unaufgeregten Fahrgefühl. Ich glaube noch kein Fahrzeug bewegt zu haben, dass so satt auf der Straße liegt und dabei trotzdem – binnen weniger Momente – eine wahre Leistungsexplosion entwickeln kann. Insbesondere wenn die S-Tronic unter Last nahezu unmerklich, aber umso stärker hörbar die Gänge wechselt, fühlt man sich wie als Passagier in der Schaufel eines Katapults. Wie ich bereits erwähnte: Weniger emotional als in einem Porsche, aber dafür sehr beherrschbar und sehr unaufgeregt. Auch sonst wirkt das gesamte Auto „geschliffen“ (weshalb manchem auch einige Emotionen fehlten dürften): Die Lenkung bietet bei geringen Geschwindigkeiten eine hervorragende Leichtgängigkeit, bei höheren Geschwindigkeiten eine gute Rückmeldung, das Bremspedal entspricht den Erwartungen an ein ganz normales Fahrzeug, der Innenraum überrascht weder mit tiefer Sitzposition, noch mit übertriebener Enge oder lauten Außengeräuschen. Bei Tempo 170 gleitet die Landschaft vorbei, während Beifahrerin und Fahrer sich ganz entspannt und bei normaler Lautstärke unterhalten können – letzterer freut sich nebenbei über die extreme Spurtreue des Sportlers aus Ingolstadt. Was mir – auch nach mittlerweile knapp 2000km im TTRS – sehr gut gefällt, ist dessen Facettenreichtum. Humanes Mitschwimmen auf der Autobahn (Verbrauch: 9,1l/100km) ist genauso möglich, wie ein leicht extrovertierter Zwischenspurt, begleitet vom gierigen Sound des Turbotriebwerks (Verbrauch 11l+). Beide „Extreme“ liegen stets nur ein paar Centimeter Pedalweg auseinander und bieten absolut faszinierende Gestaltungsmöglichkeiten: Wenn man beim Auffädeln auf die Autobahn (im fünften Gang; Motor bereits akustisch gut wahrnehmbar) denkt: „Nett .. aber ein bisschen mehr Leistung wäre grad schon gut“ und dann mit einem entschiedenen Druck den Kick-Down auslöst, hat man Gefühl, als würde nochmals eine weitere Leistungsstufe gezündet. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet dann binnen weniger Augenblicke abermals herunter, Momente später wird der sprichwörtliche Tritt ins Kreuz vom dumpfen Gröhlen aus den zwei ovalen Endrohren begleitet und das Coupe kennt nur eine Richtung: Vorwärts.

Suzukagrau, schwarze Rotor-Felgen - was braucht man(n) mehr
Suzukagrau, schwarze Rotor-Felgen – was braucht man(n) mehr

Nachteile? Gibt es natürlich .. wie bei jedem Auto. Wenn man das BOSE-System ganz leise stellt, hört man, wie der Gurt lustig mit dem Bicolor-Leder kuschelt und leicht knarzende Geräusche von sich gibt (okay, in der Kiste ist aber auch sehr viel Leder verbaut .. und die Gurtschnalle meines Caymans hat lauter gequietscht). Auch das nicht mehr ganz frische MMI Navigation Plus (RNS-E) dürfte durchaus ein Update mit Internetanbindung usw. vertragen – aber es wirkt trotzdem nicht zu antiquiert und tut seinen Dienst nach wie vor sehr gut. Es kann sogar einige Dinge um Lichtjahre besser als mein 5er – man kann es zum Beispiel wenige Sekunden nach dem Einschalten sofort benutzen und sogar die Sprachdialogsteuerung ist dann schon gesprächsfreudig. Auch die relativ geringe Reichweite ist nicht unbedingt ein Pluspunkt des Fahrzeugs, wobei ich hier eher das geringe Tankvolumen und weniger den Kraftstoffverbrauch bemängele. Auch das HUD des 5ers und eine optische Anzeige des PDC-Systems fehlen mir ein wenig .. aber dies ist in Summe zu verkraften.

Schlüsselanhänger aus Carbon - lang gesucht und richtig entschieden (außergewöhnlich leicht)
Schlüsselanhänger aus Carbon – lang gesucht und richtig entschieden (außergewöhnlich leicht)
Zum Schlüsselanhänger passende Echtcarbon-Außenspiegel (original Audi)
Zum Schlüsselanhänger passende Echtcarbon-Außenspiegel (original Audi)

Denn was bleibt ist der Sieg des Herzens über den Verstand – ein weiteres Mal. Es ist die Freude an der kompakten, stämmigen Form, an dem präsenten (aber doch variablen) Sound, an den faszinierenden Fahrleistungen, an der tadellosen Verarbeitung des Innenraums inklusive sündhaft teurem Alcantara-Dachhimmel, an hübschen Details wie den Carbon-Außenspiegeln und an der inneren Überzeugung im richtigen Auto zu sitzen. Das dies nichtso ganz falsch sein kann, bestätigen wohl auch die ab und an „Daumen hoch“ zeigenden Mitmenschen – die soziale Kompatibilität des Fahrzeugs scheint daher ein weiterer Pluspunkt.

Schnörkellos und elegant in den Sonnenuntergang
Schnörkellos und elegant in den Sonnenuntergang

Demnächst an dieser Stelle mehr dazu, ob mein RNS-E vielleicht doch Tempolimits anzeigt, wie ich die Herrschaft über den Klappenauspuff zurückgewonnen habe und über die lange Suche nach passenden Winterrädern .. hoffentlich jedoch keine Beiträge über etwaige Schwächen der Bremsanlage.

Weitere Impressionen gibt es in der Galerie: Link.

Das neue Immerdrauf: SAL1680Z

Wie ich hier ja bereits vor Kurzem berichtete habe, bin ich auf der Suche nach einem neuen Objektiv für den „alltäglichen“ Einsatz an unserer Sony Alpha 65. Alltäglich beschränkt sich hierbei natürlich auf die Anlässe, bei denen die Kamera auch tatsächlich zum Einsatz kommt – und als Hobby-Fotograf bzw. Amateur sind das gar nicht sooo viele 😉

Glücklicherweise lässt sich auch bei der Objektivsuche das gleiche Lösungsschema anwenden, dass bei nahezu allen Anschaffungsprozessen mit unklarem Ausgang funktioniert: Frage die Internetseiten bzw. Foren dieser Welt und du wirst ganz sicher verzweifeln 😉 Obgleich es hier eine schier endlose Flut an Informationen, Eindrücken und Berichten gibt, führt das im Prinzip völlig unklare Maß an Subjektivität und Vergleichbarkeit zu einer – je länger man gräbt, desto schlimmer – sehr fragilen Faktenlage.

SAL 1680Z - keine Sorge, etwaiger Staub ist nur auf dem Filter
SAL 1680Z nebst Köcher – keine Sorge, etwaiger Staub befindet sich nur auf dem Filter

Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sich die meisten Sony-Anwender im Internet im Bereich des „Immerdraufs“, also des Objektivs mit einer variablen Brennweite irgendwo zwischen 16mm und sagen wir 135mm mit der Vorgabe „sollte grundsätzlich bezahlbar sein“ für das Sony SAL16-105, das Sony SAL18-135 sowie das Sony SAL16-80Z relativ einheitlich begeistern können. Gemein haben alle drei Linsen, dass sie von der eingebauten Objektivkorrektur der neueren / größeren Sony Alphas profitieren können und zudem recht wertstabil sind. Meine Präferenz lautete daher generell SAL18135 DT, da ich als bisheriger Nutzer eines 18-200mm von Sigma an eine entsprechend variable Brennweite gewöhnt war und diese (suboptimalerweise) auch explizit für die Bildgestaltung einsetze.

Durch eine glückliche Begebenheite hatte ich dann jedoch kurzfristig die Chance an ein gebrauchtes, aber optisch und technisch einwandfreies SAL 1680Z (d.h. ein Objektiv der Carl Zeiss Linie) zu kommen, dass gemeinhin als sehr leistungsfähig, aber grundsätzlich eher „kostenintensiv“ bekannt ist. So fokussierte ich meine Informationsbeschaffung auf eben jenes Modell und fand erneut ambivalente Eindrücke. Die einen schwärmten von der guten Abbildungsleistung und einem „Mercedes SL Objektiv“, während die anderen die Optik als überbewertet bezeichneten und auf eine Vignettierung am oberen Brennweitenende sowie ein mechanisches Klappern verwiesen.

Yam yam, Futter voraus (nur oberflächlich bearbeitet, klar ginge hier noch mehr)
Yam yam, Futter voraus (nur oberflächlich bearbeitet, klar ginge hier noch mehr)

Um es kurz zu machen: Wir entschieden uns zu „Mut zur Lücke“ (Wiederverkauf wäre ja auch kein Beinbruch) und weniger als 24h nachdem ich das Geld via PayPal auf die Reise geschickt hatte, vermeldete die Packstation auch schon den Eingang der Sendung. Zeitgleich traf von Amazon (Prime sei Dank) auch gleich noch der passende UV-Filter ein, denn die neue Linse sollte dieses Mal einigeraßen anständig geschützt werden.

Geliefert wurde absolut mustergültig und – für ein mehrere Jahre altes Objektiv – in einem unerwartet perfekten Zustand: Karton, Rechnung, Deckel, Objektivköcher – alles da und alles in sehr gutem Zustand. Fix war alles ausgepackt und ebenso rasch rastete die unerwartet schwere Optik an der Alpha 65 ein. Wow, der Gewichtsvorteil gegenüber der alten Alpha 300 war wieder kompensiert, so dass die Kombination aus Body und Kamera nun um die 1kg auf die Waage bringt und die untrainierte Hand spontan schon ziemlich fordert. Ansonsten spielen die mechanische Verarbeitung und die Haptik natürlich in einer anderen Liga als die des Sigma 18200 oder des Kitobjektivs: Der Zoom bewegt sich richtig schön satt und präzise, die gesamte Mechanik zeigt kein Spiel. Im Vergleich zum bisher eingesetzten Sigma fällt besonders der fehlende „Lock“-Button auf, der eine ungewollte Verstellung der Brennweite verhindert. Glücklicherweise ist unser Exemplar des SAL 1680Z nicht vom sogeannten „Lens Creeping“ betroffen (also dem ungewollten Verstellen der Brennweite, wenn das Objektiv z.B. direkt nach unten gerichtet wird) – ein riesen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Reisezoom (aber auch etwas ungewohnt, schließlich fehlt eine Bewegung).

Schöne Farben, ansprechendes Bokeh - mir gefällt es :-)
Schöne Farben, ansprechendes Bokeh – mir gefällt es 🙂

In der Tat bin ich nach mehreren Praxiseinsätzen immernoch überrascht, wie sicher und stabil die eingestellte Brennweiten gehalten werden, auch wenn ich die Kamera nebst Objektiv am Gurt trage und die Linse daher direkt gen Boden zeigt. Der „Lock“-Knopf ist hier definitiv ein verzichtbares „Feature“ (Ausnahme: beim Fotografieren im 90° Winkel nach oben verlangt die Schwerkraft dann doch ihren Tribut).

Einige Anwender berichten von vereinzelten, klappernden Exemplares der 1680Z. Dies kann ich bei meinem Exemplar nur bedingt bestätigen (glücklicherweise), dennoch ist ein gewisses Spiel bzw. eine Bewegung der mechanischen Teile im Tumbus bei minimaler Brennweite wahrnehmbar. Dies äußert sich vor allem dadurch, dass man das Gefühl einer gewissen, minimalen Bewegung in der Kamera bzw. im Objektiv hat, wenn man die Hand beim Gehen an diese legt. Nicht schlimm, aber ein wenig ungewohnt. Der Effekt ist dennoch derart minimal, dass ich ihn erst nach mehreren Einsätzen bemerkt hab.

 

A bisserl was Lustiges aus dem Hessenpark - auch hier sehr feine Details im Gesicht erkennbar ;-)
A bisserl was Lustiges aus dem Hessenpark – auch hier sehr feine Details im Gesicht erkennbar 😉

Was die Qualität und Abbildungsleistung des Objektivs angeht, kann ich als Laie ehrlich gesagt nur wenig qualifizierte Aussagen treffen. Meine ersten Indoor-Testaufnahmen bei vergleichsweise schlechtem Licht (und ohne Stativ) haben keine signifikante Differenzierung zur Kitlinse erkennen lassen. Spätestens jedoch bei besserem Licht bzw. bei Tageslichtaufnahmen in der Natur erzeugt das 1680Z dann doch Aufnahmen mit einem bis dahin ungekannten Detailgrad. Was hier an feinen Strukturen, Details und Schärfe auf den resultierenden Bildern zu erkennen ist, ist schon faszinierend.

Spontan-Portrait - ohne JPEG-Komprimierung auch mit noch mehr Details
Spontan-Portrait – ohne JPEG-Komprimierung auch mit noch mehr Details

Bezüglich der Brennweite im Alltag steht der wirkliche „Real World“-Test für mich noch aus .. der Urlaub kommt schließlich noch. Hier muss sich zeigen, ob ich mit den 80mm Maximalbrennweite zumindest den Großteil der Alltagssituationen abbilden kann und (für meine Verhältnisse) ansprechende Bilder dabei heraus kommen. Für kommende Events (vor allem in 2014) steht jedoch ein SAL55-300 (einfach etwas kompakter als das für mich zu große und schwere Tamron 70-300 USD) oben auf der Wunschliste. Auch ein Makroobjektiv wäre perspektivisch durchaus mal eine tolle Investition, denn mein Hang dazu kleine Objekte groß abzubilden, kommt den Fähigkeiten unseres neuen Spielzeugs aus der Zeiss-Linse naturgemäß nur bedingt entgegen (hier schlägt wohl auch der nicht allzu schnelle Autofokus zu). Mal schauen, welche Fotogelegenheiten sich demnächst noch ergeben werden 🙂

Aus SLR mach SLT: Umstieg auf die Sony Alpha 65

Seit Mitte 2008 begleitet uns eine Sony Alpha 350 immer dann, wenn die laienhaften fotografischen Ansprüche einmal über den Fähigkeitsbereich einer Kompaktkamera hinaus gehen sollen. Die Alpha hat uns seit damals – war sie doch ein vergleichsweise preisattraktiver Einstieg in die Welt der digitalen Spiegel-Reflexfotografie – treu auf vielen Urlaubsreisen begleitet und auch das ein oder andere Portrait- und Produktfoto generiert. Trotzdem haben wir die Fotokunst seit jeher eher amateurhaft betrieben und daher trotz intensiver Lektüre diverser Bücher und Guides den Spaß stets vor den professionellen Anspruch gestellt. Vermutlich reichte uns auch deshalb ein Sigma 18-200 als „Immerdrauf“ für nahezu alle Ansprüche; RAW-Fotografie und digitale Nachbearbeitung gehörten nur sehr selten bzw. nur äußerst rudimentär zu unserem Fokusbereich.

Ein erster Versuch Aufmerksamkeit zu haschen ;-) (Sony Alpha 65 + Sigma 18-200 *schäm*)
Ein erster Versuch Aufmerksamkeit zu haschen 😉 (Sony Alpha 65 + Sigma 18-200 *schäm*)

Nach knapp fünf Jahren (und über 15.000 Auslösungen) hatte ich das Gefühl, dass mal etwas Neues her musste. Schon länger hatte ich Lust mich wieder etwas intensiver mit dem Thema Fotografie zu beschäftigen und das Upgrade unserer Kompaktkamera auf die vergleichsweise neue Sony Cyber-shot WX200 konnte hier natürlich nur für den „Schnappschuss-Bereich“ Verbesserungen mit sich bringen (ohne hier detailliert auf die WX200 eingehen zu wollen, bietet sie eine intuitive Bedienung, nette Bildprogramme, eine sehr schnelle Auslösezeit und einen für ihre sehr kompakten Abmessungen äußerst respektablen optischen Zoombereich). So kam es, dass ich mich mal wieder intensiver mit den einschlägigen Vergleichswebseiten und Foren zur digitalen Fotografie beschäftigte und diese nach hilfreichen Produktempfehlungen durchforstete.

Wie immer fanden sich auf 10 Seiten bzw. in 10 Beiträgen mindestens 11 Meinungen – trotzdem verschob sich mein initialer Gedanke „diesmal aber Canon“ (ich dachte an eine EOS 650D oder 700D) doch relativ schnell (erneut) in Richtung Sony. Besonders faszinierend fand ich die sehr überzeugenden Berichte über die OLED-basierten elektronischen Sucher der Sony Alpha 65 und höher. Folglich steigerten sich meine Präferenzen auch nahtlos von der zunächst avisierten Alpha 57 zur Alpha 65. Die üblichen Portale bescheinigten eben selbiger vergleichsweise sehr gute Kritiken und so ließ ich mich erneut in der Herstellerwahl in Richtung pro Sony beeinflussen. Als dann auch noch ein vergleichsweiser guter Amazon Warehouse Deal für die A65 nebst Kit-Objektiv auftauchte, entschied ich mich einfach mal für den Sprung ins kalte Wasser. Beeinflusst wurde ich zu diesem Zeitpunkt sicher auch durch den Gedanken, dass ich bei der Alpha 65 ja auch das bestehende Sigma-Objektiv weiterverwenden konnte, während der Umstieg zu Canon auch hier eine weitere Investition erfordert hätte. Zumindest dieser Punkt steht mittlerweile übrigens arg zur Diskussion – später mehr hierzu 😉

Alpha 350 (links) und Alpha 65 (rechts, mit Kitlinse) im optischen Direktvergleich
Alpha 350 (links) und Alpha 65 (rechts, mit Kitlinse) im optischen Direktvergleich

Nur einen Tag der nach der Bestellung war es also soweit: Die Alpha 65 wartete in gewohnter Verpackung und mit vergleichsweise vertrautem Design und bereits verstandener Bedienung auf mich. Das Unboxing verlief unspektakulär und auch die ersten Fotos waren schnell geschossen. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass die neue Alpha (wie von vielen Rezensenten im Internet angekündigt) tatsächlich deutlich mehr Bilddetails auf die Speicherkarte bannte. Apropos Speicherkarte:  Im Vergleich zur Alpha 350 ist der Wechsel auf ein rein SD(HC)-basiertes Gerät wirklich sehr angenehm, entfällt doch der permanente Griff zum externen Kartenleser und auch das Handling der Secure Digital Cards gestaltet sich deutlich angenehmer, als das der vergleichsweise „alten“ CF-Medien.

Auch ansonsten weiß der „neue“ Body durchaus zu gefallen: Rund 40 Gramm geringeres Gewicht, ein deutlich konturierterer Griff sowie ein irgendwie intuitiver zu bedienender Einschaltknopf haben (neben dem deutlich feineren Sensor und diversen anderen Verbesserungen) durchaus ihre Vorteile. Ansonsten merkt man der Alpha 65 optisch und akustisch kaum an, dass der schlagende Spiegel durch eine halbtransparente Folie ersetzt wurde. Auch das Auslösegeräusch ist durchaus angenehm; wird nun aber durch die Bewegung des Verschlusses bestimmt und ist nicht mehr durch den charakteristischen Spiegelschlag gekennzeichnet.

Von der Seite her fällt auf, dass die Alpha 65 über einen deutlich konturierteren Griff verfügt (ferner ist auf dem Bild bereits die Wechselplatte meines Mantona Stativs montiert)
Von der Seite her betrachtet fällt auf, dass die Alpha 65 über einen deutlich konturierteren Griff verfügt (ferner ist auf dem Bild bereits die Wechselplatte meines Mantona Stativs montiert)

Eben der Aspekt Spiegel vs. Folie bringt uns auch schon zur größten und wesentlichsten Neuerung der Kamera: Die signifikant verbesserten Eigenschaften der spiegellosen EVIL-Kameras (electronic viewfinder interchangeable lens) mit Hinblick auf den sogenannte Live View-Betrieb bzw. die Verwendung des elektronischen Suchers bzw. des LC-Displays. Während letzteres nun mehr 3″ groß ist (eine angenehme Größe, die trotzdem genügend Fläche für Tasten am Kamera-Body lässt), ist ersterer (also der elektronische Sucher) meiner Meinung nach das Highlight der Kamera. Während der optische Sucher bei klassischen Spiegelreflexkameras ja eher einen begrenzten Informationsgehalt hat und bei typischen spiegellosen Kameras verschiedene Nachteile mit sich bringt (verzögerte Wiedergabe, Farbverfälschungen etc.) findet man bei der Alpha 65 eine ganz neue Generation dieser Bedienungseinheit vor sich. Dank OLED-Technologie blickt man auf ein quasi verzögerungsfreies Live Bild, welches zudem 100% des Bildbereiches darstellt und eine leicht vergrößerte Darstellung bietet. Zu diesen bereits ganz angenehmen Eigenschaften gesellt sich – vereinfacht gesagt – die Möglichkeit nahezu alle Bedienhilfen und Inhalte, welche auf dem LC-Displays angezeigt werden können, auch im elektronischen Sucher darstellen zu können. Dies bedeutet, dass man quasi im ganz Verborgenen (und auch bei hellstem Tageslicht) den Bildkatalog durchblättern und Menüeinstellungen vornehmen kann.

Auch während des eigentlichen Fotografierens bietet der Sucher zahlreiche Features, weshalb einige Rezensenten im Internet gern vom Feeling eines „Jet-Cockpits“ sprechen. Tatsächlich kann man u.a. verschiedene Raster als Gestaltungshilfe darstellen und eine digitale Wasserwaage aktivieren. Darüberhinaus bekommt man auf Basis des Live Bildes – welches die Leistung des Autofokus nicht beeinflusst – auch gleich eine vergleichsweise präzise Vorstellung des späteren Bildes, dass nach Betätigung des Auslösers binnen kürzester Zeit auf die Speichermedium geschrieben wird (grundsätzlich kann der elektronische Sucher schlicht alle Inhalte wiedergeben, die man auch auf dem LC-Display darstellen kann. Ferner erfolgt die Umschaltung zwischen beiden Wiedergabegeräten nun automatisch, wenn man sich den Sucher mit dem Gesicht nähert – klappt prima!).

Ein kläglicher Versuch den Blick auf den elektronischen Sucher wiederzugeben
Ein kläglicher Versuch den Blick auf den elektronischen Sucher wiederzugeben

Zusammenfassend – und ohne im Detail auf die sonstigen Features der A65 einzugehen – habe ich so die Lust an der Amateur-Fotografie sehr rasch wiederentdeckt. Als kurzer Vermerk sei an dieser Stelle jedoch erwähnt, dass die Alpha der SLT-Generation nun auch über einen GPS-Empfänger verfügt, der mich bisher „so einigermaßen“ überzeugt hat. Meist findet die Kamera (unter der Voraussetzung das die GPS-Unterstützungsdaten aktuell sind) relativ fix die aktuelle Position und speichert diese in die EXIF-Informationen des jeweiligen Fotos. „Leider“ (hier scheiden sich Geister) werden die Standort-Daten nur dann geschrieben, wenn diese auch tatsächlich vorliegen. Dieses Verhalten gleicht (soweit mir bekannt) dem der größeren Alpha 77, während die „kleineren“ Geräte im „standortlosen Fall“ die zuletzt ermittelten Koordinaten verwenden. Ich persönlich hätte dieses Verhalten vermutlich bevorzugt, auch wenn hierbei natürlich unter Umständen inkorrekte Daten verwendet werden.

Ein Schnappschuss aus dem Hessenpark
Ein Schnappschuss aus dem Hessenpark

Ein ganz wesentlicher Punkt im Kontext des Themas (digitale) Fotografie stellt sicherlich auch die Bildbearbeitung dar, ohne die heute – zumindest gefühlt – kaum mehr ein beeindruckendes Bild aufkommt. Bisher habe ich mich hier mit ein wenig Zuschnitt und schneller Kontrast- und Helligkeitsmogelei mit Paint.Net und co begnügt. Trotzdem reizte mich schon immer der Gedanke an leistungsfähigere Lösungen ala Adobe Lightroom. Spätestens seit einer kürzlich zelebrierten Hochzeit (bei der ich der Fotografin bei der Bildauswahl beiläufig über die Schulter schaute) war daher klar, dass ich mir Lightroom zumindest einmal ansehen wollte.

Was soll ich sagen? Wer sich bisher nie mit diesem tollen Tool aus dem Hause Adobe beschäftigt hat, hat etwas verpasst. Im Vergleich zu den üblichen Verdächtigen dieser prestigeträchtigen und hochpreisigen Softwareschmiede (vor allem Photoshop etc.) gefällt Lightroom mit einem recht intuitiven Interface und Funktionen und Abläufen, die sich sehr schnell und meist auch ohne Studium des Handbuchs erlernen lassen. In kürzester Zeit sind Bilder nicht destruktiv retuschiert, verschwinden Hautunreinheiten und werden zu dunkle Fotobereiche heller (und bedarfsweise schärfer). Besonders hilfreich ist hierbei neben den sehr guten Vergleichsoptionen (Ursprung vs. aktuellem Zustand) nebst Schnappschussfunktion (aktuellen Zwischenstand speichern) die leistungsfähige Bibliothek. Diese hilft immens dabei auch größere Bildsammlungen rasch zu importieren und hinsichtlich der Attraktivität der einzelnen „Werke“ zu klassifizieren bzw. zu filtern – viel besser kann man sich den Workflow zur „Entwicklung“ von digitalen Fotos kaum vorstellen.

Selten hat Bildbearbeitung und Katalogisierung so viel Spaß gemacht: Lightroom
Selten hat Bildbearbeitung und Katalogisierung so viel Spaß gemacht: Lightroom (hier: Vorher-Nachher-Vergleich)

Was bleibt sind an dieser Stelle zwei Erkenntnisse: Die Alpha 65 macht mir sehr viel Spaß und bietet meiner Meinung nach ein sehr vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis. Sie zeichnet wesentlich detailreichere Fotos als ihre Vorgängerin auf und weiß dabei insbesondere durch den elektronischen Sucher auf OLED-Basis zur überzeugen. Trotzdem ist sie fast schon ein Auslaufmodell, ist doch spätestens Anfang 2014 mit der Nachfolgegeneration (dann gerüchteweise völlig ohne Spiegel bzw. Folie) zu rechnen. Wie bereits eingangs angedeutet, hat sich jedoch der Gedanke „dann können wir die Objektive ja weiterverwenden“ als Irrglaube erwiesen. Das Sigma 18-200 – einstmals sicher eine vergleichsweise preisattraktive und universelle Option für ein „Immerdrauf“ – stellt sich im Zusammenspiel mit der sehr hochauflösenden Alpha 65 als klare Schwachstelle heraus. Im Interesse einer verbesserten Abbildungsleistung und schärferer Fotos wird hier sicherlich zeitnah die Anschaffung einer (mehrerer) Alternativen auf dem Plan stehen. Aktuell denke ich dabei an ein Sony SAL18-135 (immer noch ein wenig kompromissbehaftet) als Alltagsbegleiter und ein Sony SAL 55-300 (kompakter als ein Tamron 70-300 USD) für die weiter entfernten Motive dieser Welt .. mal schauen. In jedem Fall steht tollen neuen Urlaubseindrücken nun (fast) nichts mehr im Wege 🙂

Schöne Farben, nettes Bokeh -allein, es fehlt an Schärfe
Schöne Farben, nettes Bokeh – allein, es fehlt an Schärfe