Back in town (time?): Wochenendtrip nach Stuttgart

Die Hitzewelle vorbei, das Unwetter überstanden, eine lange Woche neigte sich dem Ende zu .. also kam es bei einem ausgedehnten Feierabendspaziergang, wie es kommen musste: Die Diskussion der Pläne für das Wochenende kam auf.

Mit Hinblick auf die nahezu optimalen Wetterverhältnisse und zusammen mit einem gewissen Fernweh stand schnell die Königsfrage im Raum (auf dem Feldweg) – Stuttgart oder Trier? In Trier haben wir schon einmal ein sehr warmes, aber auch sehr eindrucksvolles Wochenende voller Sehenswürdigkeiten und Spaß verbracht .. warum also nicht noch mal? Mit Stuttgart wiederum verbanden uns, abgesehen von diversen negativen, mit dem Studium zusammenhängenden Erinnerungen, rund drei schöne Jahre zwischen 2006 und 2009. Da wir neben dem Sightseeing-Effekt auch ein wenig Shoppen wollten, fiel die Entscheidung letztendlich auf Stuttgart.

Während ich verschiedene Hotel-Optionen eruierte, erinnerte ich mich auch noch an die Neueröffnung des Meilenwerks in Böblingen und spätestens zu diesem Zeitpunkt gab es kein Halten mehr. Zwar konnte ich mich Freitagnacht nicht mehr dafür begeistern unsere Unterkunft auch tatsächlich zu buchen, doch ging ich dieser Tätigkeit einfach mit ganz kleinen Augen um 07:00 Uhr am Samstagmorgen nach. Als kleinen Malus musste ich die 7h Verzögerung daraufhin mit einem Mehrpreis von 20€ vergüten, aber ein tolles Wochenende kann es schließlich nicht geschenkt geben. Keine Stunde später setzten wir uns in Bewegung und näherten uns auf den morgendlichen, fast völlig leeren Autobahnen rasch dem Ziel. Okay, rund um Karlsruhe kamen wir kurz zum Stehen und die A8 macht ja bis kurz vor Stuttgart derzeit ebenfalls keinen Spaß (keine Ahnung welches Chaos das im Berufsverkehr geben soll), aber das konnte unserer guten Laune keinen Abbruch tun. Nahezu fast perfekt gemäß unserer Planung erreichten wir also kurz nach 10:00 Uhr das Gelände des Meilenwerks Region Stuttgart in Böblingen – sperriger Name aber absolut überzeugender Ersteindruck. Ein fast wolkenloser Himmel spannte sich über ein sehr großzügiges Gelände voller mit Glas verkleideter Gebäude, die von hervorragend asphaltierten Straßen und Parkplätzen in rauen Mengen umsäumt wurden. Wer die Klassikstadt in Frankfurt kennt, hat hier gleich das erste Aha-Erlebnis (kein ewiger Stau auf der Hanauer, kein Poltern über das Kopfsteinpflaster der letzten Kilometer .. nein, alles toll).

Das aus mehreren Hallen bestehende Meilenwerk von außen
Das aus mehreren Hallen bestehende Meilenwerk von außen

Rasch war die Spiegelreflex angelegt und dann gingen wir auch schon – an einem frisch vermählten paar mit Audi S7 als Brautfahrzeug vorbei – auf das zu, was für einen Eingang hielten. Augenblicke später zeigte sich, dass wir mit unserer Vermutung richtig lagen, denn vor unserem Auge zeigte sich eine stattliche Ansammlung chromblitzender und auf Hochglanz polierter Oldtimer, die in einer toll hergerichteten Halle mit beeindruckender Deckenkonstruktion auf die Komplimente neugieriger Besucher warteten. Tatsächlich kamen wir – je näher wir den Exponaten (nun, eigentlich den zum Verkauf angebotenen Waren) traten – gar nicht mehr aus dem Staunen heraus. Während die Nase den typischen Duft von Ausstellungen alter Fahrzeuge aufnahm, wanderte unser Blick über perfekt hergerichtetes Leder, makellos lackierte Flächen und bis ins letzte Detail gepflegte Karossen. Die Ausstellung bestand aus ca. 30 Fahrzeugen, die allesamt so aussahen, als hätten sie noch nicht einen einzigen Kilometer auf eigenen Räder zurückgelegt. Einzig der Filz in einer geöffneten Flügeltür eines Mercedes 300 SL zeigte minimale Spuren eines Wassereinbruchs, was aber auch wirklich die einzige Gebrauchsspur war, die wir entdecken konnten. Ansonsten hat es wirklich viel Spaß gemacht den Fahrzeugpark ganz in Ruhe zu bewundern und die verschiedenen Epochen des Automobilbaus revue passieren zu lassen. Thematisch passend gibt es in den angrenzenden Räumlichkeiten historische Tanktellenausrüstung sowie diverse „alte“ Automaten (z.B. einen Colaspender zum Sonderpreis von rund 5.00€) zu sehen. Untergebracht ist dies alles in einer thematisch passenden, restaurierten Werft-Halle des ehemaligen Flughafens Böblingen.

Panoramablick über die Verkaufsfläche historischer Fahrzeuge
Panoramablick über die Verkaufsfläche historischer Fahrzeuge (von unten)
... und ein paar Meter weiter von oben
… und ein paar Meter weiter von oben

Danach ging es in eine weitere Halle weiter, die das Herz eines jeden Automobil-Begeisterten einfach höher schlagen lassen muss. Am Eingang ging es dabei noch recht gelassen los .. ein paar Glasboxen (jeweils zu zweit übereinander angeordnet, was vielleicht etwas unglücklich ist) mit mehr oder weniger seltenen Wagen wie einem Alfa Romeo 8C Competizione Spider, einem Ford GT40 sowie einem Audi R8 V10 Spyder. Neugieriger wurde ich dann beim Anblick eines Ferrari F40, während sich im Hintergrund schon die Umrisse diverser Mclaren MP4-12C erkennen ließen .. nett. Doch dann sahen wir die ganze Pracht der Halle, die (für jemanden dessen Fokus primär auf zeitgenössischen Fahrzeugen liegt) kaum zu toppen war: Da stand eine ganze Herde Lamborghini Gallardos in unterschiedlichsten Varianten (Spyder, LP560-4, LP570-4 Superleggera), neben einem extrem seltenen LM002, allesamt beaufsichtigt von einem Ferrari Enzo (!), der seinerseits gemütlich eine Dodge Viper anschwieg. Von der Beschreibung weiterer Highlights wie einem Porsche 997 Turbo Cabrio (fast schon Massenware), diversen Bentleys, Corvettes und co. möchte ich an dieser Stelle absehen.

Eine Zusammenstellung mit Seltenheitswert ...
Eine Zusammenstellung mit Seltenheitswert …
Faszinierend bis ins Detail
Faszinierend bis ins Detail

Gleich nachdem sich mein Auge an dem weißen Gallardo LP 570-4 satt gesehen hatte (soviel Zeit hatte ich noch nie, um mir die Meisterwerke aus Sant’Agata anzusehen) weiteten sie sich ein weiteres Mal: Quell der vielen Stiere war eine gläserne Lambo-Werkstatt, in der diverse Techniker eifrig umher wuselten. Dort standen neben weiteren Gallardos auch zwei Aventadore,  von denen insbesondere das Modell in orange (sollte ich lieber sagen arancio borealis) äußerst beeindruckend war. Direkt neben dem Wagen mit italienischer Zulassung stand ein scheinbar werksneuer Motor .. was dem geneigten Beobachter dies wohl sagen sollte 😉 Auch auf der Empore gab es – neben diversen äußerst nett eingerichteten Meetingräumen – weitere Augenschmeichler zu sehen: Ein weiterer oranger Superleggera, ein mattschwarzes LP 560-4 Coupe, Wiesmann MF3, Bentley, Porsche .. was auch immer man zu sehen suchte, es stand unschuldig dort herum. Ohne große Absperrungen, ohne unfreundliches Personal (die Erinnerung an das Porsche-Museum ist immer noch ganz lebendig) .. einfach respektvoll, gepflegt und dezent. Wow.

Ich (das Rote rechts im Bild) wäre am liebsten gleich da geblieben..
Ich (das Rote rechts im Bild) wäre am liebsten gleich da geblieben..

Nach vielen Minuten der Begeisterung traten wir so langsam wieder den Rückweg in Richtung Auto an, nicht ohne jedoch noch einen Zwischenstopp in der „PS Kultur“ einzulegen. Auch diese fasziniert bereits aus einiger Distanz, ist sie doch Verkaufsfläche und Serviceanbieter für die italienischen Kultmarken Ferrari und Maserati (ja okay, Harley Davidson gibt es dort auch zu sehen; reizt mich aber nicht). Nachdem wir bereits von außen diverse F430 in der Werkstatt gesehen hatten, traten wir dann tatsächlich mutig (und wie einige andere auch) in den Showroom. Vorbei ging es an diversen Maseratis eine relativ schmale, weiße und irgendwie verheißungsvolle Treppe hinauf in die „Ausstellung 1. OG“. Als wir dort ankamen, stockte mir kurzzeitig der Atem. Die gesamte Fläche war gefüllt mit diversen Ferraris (und wenigen Maseratis) der aktuellen Generation; in der Mitte stand als Dekoration ein klassischer F40. Was man sonst nur ganz kurz und vereinzelt auf der Straße sieht, stand hier in Rudelformation herum und konnte – erneut ganz ohne Absperrungen oder permanente Beobachtung – in Ruhe bewundert werden. 458s in allen Farben und Varianten, F430, F430 Spider, 599 GTB, California, F12 Berlinetta, Ferrari Four .. die Produktpalette der automobilen Meisterwerke aus Modena zeigte sich in beeindruckender Gänze. Endlich ergab sich die Gelegenheit all die vielen dezenten Details der in Aluminium bzw. Carbon gebrachten Kindheitsträume zu bewundern und dem Mythos Ferrari ein wenig näher zu kommen.

Nur ein ganz kleiner Ausschnitt dessen, was man nur als "faszinierend" bezeichnen kann
Nur ein ganz kleiner Ausschnitt dessen, was man nur als „begeisternd“ bezeichnen kann
Sollte sich jemals die Möglichkeit ergeben ein derartiges Fahrzeug anzuschaffen .. und sollte es dann noch Straßen und Benzin geben: DAS (ohne Dach) wäre mein Favorit
Sollte sich jemals die Möglichkeit ergeben ein derartiges Fahrzeug anzuschaffen .. und sollte es dann noch Straßen und Benzin geben: DAS (ohne Dach) wäre mein Favorit

Die Eindrücke des Meilenwerks waren so nachhaltig, dass sie mich auch noch lange nach Verlassen des Geländes beschäftigten. In jedem Fall ist den Machern des Geländes hier ein Zentrum automobiler Begeisterung gelungen, dass meiner Meinung nach deutschlandweit seines Gleichen sucht. Alle Technik-Museen und Ausstellungen die wir bisher gesehen haben, können hier jedenfalls nicht mithalten .. ein ganz große Empfehlung für alle „Petrolheads“.

Nach diesem absolut gelungenen Start in den Tag ging es weiter in Richtung City, denn diese war ja das eigentliche Ziel unserer Reise. Die Strecke führte uns dabei durch den Heslacher Tunnel, was sofort Erinnerungen an vergangene Zeiten aufkommen lies. Kurz nach dem Tunnel entdeckten wir dann auch schon das, was zu Studienzeiten eine Baustelle war und mittlerweile die Gestalt unseres Hotels angenommen hatte. Nach einer kurzen Reise durch die vergleichsweise großzügige Tiefgarage (kein Vergleich mit den teilweise extrem kleinen Boxen in der Innenstadt) und einigen Schritten später standen wir gegen 12:00 Uhr zwei Stunden zu früh an der Rezeption. Hier wurden wir zwar etwas ost-europäisch, aber durchaus freundlich empfangen und erhielten ganz unverhofft sogar ein Zimmerupgrade. Augenblicke später genossen wir mit einem breiten Grinsen den Ausblick vom umlaufenden Balkon auf den sonnigen Marienplatz und den idyllischen Anblick der hügeligen Schwaben-Metropole. Auch sonst zeigte ich das Park Inn by Radisson von seiner besten Seite: Ein hervorragend klimatisierter Raum, stilvolle Innenausstattung, sehr guter Zustand des gesamten Interieurs – was will man mehr?

Panoramablick vom Hotel
Panoramablick vom Hotel

Da wir ja aber eigentlich gekommen waren um die alten Zeiten revue passieren zu lassen, und nicht um Autos oder Hotels zu bewundern, begaben wir uns schnellen Schrittes in Richtung U-Bahn-Haltestelle. Mit einem Lächeln ging es dabei vorbei an der Zacke (Zahnradbahn; eine Fahrt damit haben wir leider zeitlich nicht unterbekommen) und kurze Zeit später saßen wir auch schon in der rumpelnden, sauberen und gepflegten Bahn. Drei Stationen später („Charlottenplatz“) hatte uns das Tageslicht wieder und schon nach wenigen Schritten fanden wir uns auf dem gut bevölkerten Schlossplatz wieder – schön, wieder einmal hier zu sein. Die Königsbaupassagen im Blick überquerten wir den Platz und wendeten uns dann zunächst in Richtung Rotebühlplatz, da so langsam „Hunger“ das dominierende Gefühl wurde. Auf dem Weg zu einer Stärkung besuchten wir diverse Geschäfte und rasch kamen uns immer mehr bereits vergessen geglaubte Erinnerung wieder ins Gedächtnis. Die offenkundlich zufriedenen Menschen auf der Königstraße, das geordnete Chaos, die Straßenkünstler .. Stuttgart hat zweifelsfrei seinen ganz eigenen Charme, der sich mit der „kosmopolitischen“, engeren und lauteren Zeil in Frankfurt meiner Meinung nach gar nicht vergleichen lässt. In den folgenden Stunden schlenderten wir also durch die Stadt, genossen das Wetter, die Stimmung und das Glück, dass wir hier waren – es war definitiv eine gute Entscheidung das Wochenende in südlichen Gefilden zu verbringen. Gegen 18:00 Uhr und nach zwei stärkenden Frapuccino steuerten wir, bepackt mit diversen Einkaufstüten, erneut das Hotel an. Unterwegs statteten wir noch kurz der berühmt-berüchtigten Baustelle Stuttgart 21 einen Besuch ab. Neben den scheinbar an jede freie Fläche gesprühten Parolen gab es (zumindest nach meinem Empfinden) erstaunlich wenig zu sehen .. ehrlich gesagt haben wir uns die physikalische Manifestation des Dauerstreitfalls deutlich ausladender vorgestellt.

Back in Town .. einfach tolle Stimmung
Back in Town .. einfach tolle Stimmung

Der Tag war bereits recht lang, unsere Füße gequält und unsere Köpfe voller neuer, alter Eindrücke. Was lag da also näher als ein leckeres Abendessen dort, wo es früher schon immer sehr gut und sehr unterhaltsam war. Eine kurze Bahnfahrt und wenige Gehminuten später fanden wir uns an einem etwas versteckt gelegenen, sehr netten Platz im Enchilada wieder. Erfreulicherweise (welch Zufall..) war zum Zeitpunkt unseres Abendbrots Happy Hour, weshalb wir unser Mahl auch noch sehr preisattraktiv durch sehr gut schmeckende Cocktails aufwerteten. Das Enchilada wusste dabei uneingeschränkt zu überzeugen: Freundliches Personal, überraschend schnelle Servicezeiten, gute Stimmung und qualitativ sehr ansprechende Speisen und Getränke – so soll es sein.

Die leckerste Stärkung seit Langem
Die leckerste Stärkung seit Langem

Gut gestärkt und mit den Impressionen eines tollen Tages im Kopf (und mit äußerst leckeren Churros im Bauch) spazierten wir erneut gen Schlossplatz. Bei sommerlich angenehmen 20°C kamen uns jede Menge Junggesellenabschiede (mind. 5) und gut gekleidete Menschen entgegen; wie auch schon tagsüber wurden die Straßen von jeder Menge Lebensfreude geflutet. Auf dem Schlossplatz angekommen spielte ein Jazz-Band und unterhielt die Massen, so dass es weder einen freien Platz auf den Grünflächen, noch ein Eiscafe gab, bei dem man nicht mindestens fünf Minuten hätte anstehen müssen. Wir setzten uns einfach auf die Stufen vor den Königsbaupassagen und genossen den Abend .. nach den stressigen letzten Wochen ein toller Kontrast. Unter dem Licht eines aufgehenden Vollmondes wurden wir (präziser: wurde Dani) dann noch unfreiwillig zu Mitwirkenden einer Zaubershow, was jedoch ebenfalls recht erheiternd war. Es war gegen 22:30 Uhr, als uns unsere mittlerweile etwas lahmen Füße (>20.000 Schritte an diesem Tag) zurück in Richtung Hotel trugen .. ein toller Tag ging zu Ende.

Abendstimmung im Ländle
Abendstimmung im Ländle

Der Sonntagmorgen begann etwas untypisch mit einem Frühstück auf dem Zimmer. Mangels passender Ausstattung wurde das Frühstück im Bett zumindest zu einem Frühstück am Bett .. mit erneut perfekter Aussicht auf das um 07:30 Uhr noch ziemlich verschlafene Stuttgart. Abseits der typischen Restaurant-Atmosphäre stärkten wir uns mit Brot, Brötchen, Saft, Cornflakes, Croissants und Allem, was sonst noch zu einem gelungenen Start in den Tag gehörte, bevor wir in Richtung Wilhelma aufbrachen. Trotz des parallel stattfindenden Stuttgart Laufes erreichten wir unser Ziel ohne größere Verzögerungen und fanden uns nur wenige Minuten nach Öffnung des extrem beeindruckenden zoologischen Gartens schon gegen 08:30 Uhr in den Gewächshäusern wieder.

Zwei-Mann-Frühstück mit Aussicht
Zwei-Mann-Frühstück mit Aussicht

Abseits der sonst durch die schmalen Pfade wandelnden Touristenmassen bewunderten wir ganz in Ruhe die reichhaltige und äußerst gepflegte Ausstellung (die wir insgesamt schon das vierte Mal besuchten) und wurden uns ein weiteres Mal bewusst, dass es (zumindest im deutschsprachigen Raum) vermutlich keinen tolleren und liebevoller gestalteten Zoo gibt. Während unserer ausgedehnten Runde durch die Wilhelma – als Erstbesucher sollte man meiner Meinung nach definitiv 5 bis 8h einplanen – verließ uns dann kurz nach einem Besuch der fröhlich grasenden Kühe kurzzeitig das Glück: Eine dunkle Regenwolke ergoss sich zusammen mit der ein oder anderen Sturmböhe über dem Rosensteinpark. Glücklicherweise fanden wir spontan Zuflucht im Schweinestall, wo wir den ca. 20 Minuten dauernden Schauer entspannt abwarten konnten.

 

Sauwetter im Schweinestall
Sauwetter im Schweinestall

Danach ging es erneut zurück auf den sehr gut gestalteten Rundweg, der vorbei an ungezählten Highlights führt (sehr toll fand ich neben dem Amazonenhaus auch die neue Behausung der Menschenaffen). Spätestens nach den vielen Aquarien war jedoch die Grenze unserer Aufnahmefähigkeit erreicht, so dass wir nach rund 3,5h beeindruckt aber zugleich auch erschöpft den Rückweg in Richtung Auto antraten. Die Heimreise (ebenfalls sehr vertraut) über die A81, A6 und A5 gestaltete sich übrigens signifikant besser als die Variante A5 / A8, so dass wir in weniger als 2h wieder in Frankfurt bzw. Oberursel ankamen.

Die Wilhelma - immer wieder einen Besuch wert
Die Wilhelma – immer wieder einen Besuch wert

So ging ein wirklich beeindruckendes, uneingeschränkt empfehlenswertes und geradezu nach Wiederholung verlangendes Wochenende zu Ende .. Adee, Stuttgart.

Viele weitere Impressionen (von Tieren, Autos und Stuttgart selbst) gibt es drüben in der Gallery: Link.

Back in Snow: Beginn der Skisaison 2013 im Zillertal

Es war ein ausgesprochen ruhiger Morgen, der vorletzte Tag des bereits etwas müden 2012, als wir nach fast neun Monaten Abstinenz wieder auf die Ski-Pisten dieser Welt zurückkehrten.

Zuvor wurde die Ende März sorgfältig eingelagerte Ausrüstung Stück für Stück aus dem Winterschlaf befreit und in Teilen erneuert bzw. verbessert. Passend zu der schon lange überfälligen Skikleidung wurden Helme gesucht und bestellt, ferner kamen Danis Ski kurzfristig zum kleinen Service (nur Wachsen; die Kanten waren laut Aussage des Schleifers noch in Ordnung).

Bei meinen Skiern entfiel dieser Prozess, da ich mich frecherweise über den Sommer dazu entschieden hatte meine Atomic Vario Carbon mit 166cm Länge durch ein paar Atomic D2 Varioflex 75 zu ersetzen. Im Rahmen dieses „Upgrades“ konnte ich auch auf mit 157cm etwas kürzere Bretter umsteigen, was sich später als recht gute Entscheidung herausstellen sollte (auch insgesamt bin ich mit den Skiern sehr zufrieden, da sie Vibrationen doch merklich besser dämpfen).

Die Anschaffung der Skiklamotten hat sogar noch etwas mehr Spaß gemacht, zieht sich die Auswahl und der Kauf von zwei paar Hosen plus Jacken plus Second Layer Shirts + Ski-Socken doch naturgemäß über mehrere Etappen. Wir haben in diesem Zusammenhang u.a. das Salomon Outlet in der Nähe von München sowie das Wertheim Village besucht – in beiden Fällen mit wenig Erfolg. Die meisten Artikel stammen letztendlich aus einem sehr guten Sportladen nahe der Zeil (Sportarena), der neben einer tollen Auswahl zum Zeitpunkt unserer Suche auch sehr interessante Angebote zu bieten hatte.

Bestens vorbereitet und heiß auf den Schnee freuten wir uns also sehr, als die Bedingungen am 30.12.2012 einen schönen Skitag zulassen sollten. So fielen wenige Tage zuvor immerhin 20cm Neuschnee, was die etwas dünne Schneedecke (selbst auf dem Berg nur ca.85cm) immerhin ein wenig auffüllte. Die Anreise so kurz vor dem Jahreswechsel verlief deutlich entspannter als bei unserem Trip ins Zillertal im März, so dass wir nur rund 1,5h nach Abfahrt guter Laune auf dem recht leeren Parkplatz der Talstation in Kaltenbach ankamen. In diesem Zusammenhang sei übrigens angemerkt, dass mit viel Tetris-Erfahrung und gutem Willen tatsächlich vier paar Ski in die originale BMW Ski Tasche (Pro) passen und sich diese immer noch durch die Durchreiche der 5er Limousine führen lässt. Zuvor hätte ich die Machbarkeit dieser Maßnahme entschieden bestritten 😉

"Fast" wie in der Werbung ;-)
„Fast“ wie in der Werbung 😉

Der Start in den Skitag verlief dann etwas holprig, denn die Gondelbahn hatte bereits ca. 500m nach Verlassen der Talstation massive Probleme uns weiter gen Gipfel zu bewegen. Nach einem längeren Stopp irgendwo im nirgendwo (mit hervorragendem Blick auf die parallel verlaufende Bahn, die kontinuierlich glückliche Skifahrer nach oben beförderte) blieb sie unterwegs noch mehrmals kurz stehen .. so stellt man sich guten Service eigentlich nicht vor. Oben angekommen herrschten jedoch gute Bedingungen – wir ließen den Nebel des Tals hinter uns und fanden uns in Mitten einer schönen Schneelandschaft mit besten Bedingungen und unter einem strahlend blauen Himmel wieder – schöner kann der Beginn der Saison fast nicht sein. Die ersten Meter auf den Brettern fühlten sich dann zwar etwas ungewohnt an, verliefen jedoch ohne weitere Auffälligkeiten. Als wir uns einige Minuten später nahe des Gipfels wiederfanden, ging der Spaß so richtig los. Als ob es kaum eine Pause gegeben hatte wedelten wir die Pisten herunter (in sofern man bei unserem aktuellen Fähigkeitslevel von Wedeln sprechen kann) und genossen den Tag.

Sandy und Dani voller Erwartung in der schaukelnden Gondel
Sandy und Dani voller Erwartung in der schaukelnden Gondel
Im Hintergrund das neblige Tal ;-)
Im Hintergrund das neblige Tal 😉

Eigentlich hätte alles gut sein können, wenn ich nicht nach rund 1,5h aus bisher ungeklärter Ursache gestürzt und Dani Augenblicke später in mich hineingefahren wäre („Ich hab nur noch eine blaue Kugel gesehen .. da ging nix mehr“). Als wir beide wieder Kontrolle über unsere ein paar Meter gerutschten Körper hatten, fehlten Dani beide Ski, während sie im Gegenzug drei blaue Flecken erhalten hat. Mindestens eines ihrer Bretter hat sich wohl beim Kontakt mit meinem Ellenbogen verabschiedet, welcher sogar heute noch ziemlich weh tut (aber weder blau noch dick ist). Zum Glück ging es uns sonst gut; das Equipment war noch ganz und bevor wir uns versahen, half uns ein sehr freundlicher Skifahrer auf, unterstützte beim Anschnallen und wünschte uns trotzdem weiterhin viel Spaß – so stellt man sich Kollegialität auf der Piste vor.

Morgenfeeling auf der Piste - was will man mehr?
Morgenfeeling auf der Piste – was will man mehr?

Bis ca. 11:00 Uhr verlief der Tag ansonsten bestens – gute Pistenverhältnisse, schöne Abfahrten, wie aus dem Hochzillertal bereits gewohnt schnelle Lifte und relativ geringe Wartezeiten. Doch spätestens dann kam es, wie es kommen musste: Es wurde voll. Nachdem wir das erste mal mehr als 10 Minuten anstehen mussten, entschieden wir uns zu einer etwas vorgezogenen Mittagspause – zurückblickend keine schlecht Idee. Nach einem tollen Essen auf ca. 2000m höhe und bei konstant schönem Sonnenschein, ging es frisch gestärkt auf die mittlerweile wieder etwas weniger frequentierten Pisten.

Verdiente Mittagspause mit Skifahrer Brause, Dani und Teichi
Verdiente Mittagspause mit Skifahrer Brause, Dani und Teichi

Am Ende des Tages lautete unsere Statistik laut Skiline so: 7.158 hm, 92 Pistenkilometer, 18 Liftfahrten, 414 Minuten Spaß. Bis auf die Minuten der Kollision würde ich diese Zusammenfassung vorbehaltlos unterschreiben, obgleich ich bei den Pistenkilometern irgendwie am Zweifeln bin (das nächste mal also doch wieder per GPS messen, denn dieser Wert ist leider nicht plausibel) 😉

Doch unser Skierlebnis im Zillertal sollte damit nicht enden: Eigentlich (…) wollten wir bereits am 01.01.2013 wieder hoch motiviert in den Schnee starten. Auf Grund eines kleinen gesundheitlichen Zwischenfalls (super Start in das neue Jahr) mussten wir unsere Pläne jedoch verschieben, so dass wir erst gegen 12:00 Uhr des 02.01.2013 in Zell am Ziller zu Freunden stoßen sollten, die dort eine recht nette Hütte im Tal gemietet hatten. Um selbige noch am gleichen Tag auf der Piste treffen zu können, begaben wir uns nach telefonischer Anweisung mit dem Auto nach Gerlos. Die Fahrt dorthin verlief über den Gerlos Pass und ich war ziemlich glücklich, dass in den letzten Tag wenig Neuschnee gefallen war. Auf engen Kurven konnte sich die Aktiv Integrallenkung austoben und der Durchschnittsverbrauch bewegte sich zumindest ansatzweise in Richtung seines gewohnten Niveaus. Rund 30 Minuten später schleppten wir unsere Ski gen leerer Gondel und ließen uns bei recht freundlichen Wetterbedingungen in Richtung Gipfelstation transportieren. Dort angekommen trafen wir auf ein ziemliches Gewusel an Kindern und Anfängern, dem wir durch ein paar Abfahrten in Richtung Isskogel entkamen. Dani war so gut in Form, dass sie gleich den zweiten Lift springend statt fahrend verließ (im Übrigen unter lautem Beifall der umstehenden Skifahrer) – es verhieß ein spannender Tag zu werden 😉 An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir die Liftanlagen in der Zillertal Arena insgesamt als weniger komfortabel, etwas „nostalgischer“ und weniger Anfänger-freundlich als im Hochzillertal empfunden haben .. insgesamt stellt dies jedoch kein Problem dar.

Micha im Schnee .. so macht der Winter Spaß
Micha im Schnee .. so macht der Winter Spaß

So kurvten (carvten) wir also eifrig in Richtung Übergangsjoch und wie der Name schon vermuten lässt, hatten einige Pisten eher Ziehwegcharakter. Auffällig fand ich die teilweise sehr langen Liftpassagen (die Fahrt auf dem Krimml-X-Press inklusive Zwischenstation entspricht gefühlt schon fast dem zeitlichen Umfang eines Einkehrschwungs), die stellenweise in ungewohnt luftiger Höhe erfolgen. Dies in Kombination mit stellenweise auftretendem Nebel lässt einem schon manchmal ein wenig den Bauch kribbeln .. insbesondere wenn die Fahrt mal wieder abrupt stoppt. Irgendwann erreichten wir den ausgemachten Treffpunkt, schnallten unsere Ski ab und begannen zu warten. Wir warteten und warteten, studierten den Pistenplan bis wir ihn auswendig kannten, rannten durch den Schnee und versuchten unsere kälter werdenden Füße bestmöglich zu wärmen. Die Sonne ging, der Nebel kam, wir blieben allein. Dann irgendwann, nach ca. 35 Minuten des frostigen Wartens (zum Glück war es nicht wirklich kalt..) und kurz bevor wir wieder weiterziehen wollten, gesellten sich unsere Bekannten zu uns. Gemeinsam mit den bereits einigermaßen ortskundigen Fahrern steuerten wir in Richtung Königsleitenspitze, wo teilweise sehr tolle Pisten zu bewundern waren. Insbesondere die rote 36a, zu erreichen mit dem Fussalm-Express (selbige ist übrigens meiner Meinung nach nicht so der Hit und recht kostenintensiv), hat es uns angetan. Eine tolle Piste mit einigen einladenden Buckeln direkt am Rand sowie einer Half-Pipe kurz vor der Liftstation (wenn man es sich denn zutraut .. wir eher noch nicht). Leider ging dieser Skitag recht schnell zu ende, so dass wir gegen 16:00 Uhr mit Hinblick auf die zunehmend schlechter werdenden Bedingungen die Talabfahrt antraten. Selbige ist mir als ausgesprochen schön im Gedächtnis geblieben – nicht zu langweilig, nicht zu eng, nicht zu frequentiert, nicht zu kurz .. Skifahrer-Herz, was willst du mehr. Während unsere Begleiter sich zum Skibus begaben, enterten wir den treu wartenden BMW (Fünf Personen plus Equipment plus Reisegepäck hätten einfach keinen Platz gehabt). Auf dem Weg zurück zur Hütte bewunderten wir nochmals den schön gelegenen und ziemlich chicen Ort Gerlos .. nicht der schlechteste Ort zum Leben 😉 Auch die Rückfahrt in Richtung Zell am Ziller bot erneut tolle Aussichten und faszinierende Impressionen mit Blick auf das in der Dämmerung versinkende Tal .. einfach toll. Kurze Zeit später durfte ich dieses szenische Schauspiel übrigens erneut bewundern, denn irgendwie waren die Skibus-Verbindungen zu diesem Zeitpunkt wohl nicht so toll, so dass ich gleich noch mal nach Gerlos und zurück fahren durfte.

Am Horizont: Dani auf dem Weg gen Tal
Am Horizont: Dani auf dem Weg gen Tal

Am Folgetag war von unseren Bekannten eine Skisafari von Gerlos nach Königsleiten und anschließend zurück nach Zell am Ziller (diesmal jedoch auf Brettern) geplant. Wir begaben uns morgens also per Skibus (fuhr direkt vor der Hütte ab) in Richtung Gerlos und ich genoss es, diese Strecke auch mal als Beifahrer bewundern zu dürfen. Ansonsten blieb mir der Bus jedoch vor allem als eng und langsam im Kopf .. unser Fall war dies eher weniger. Ansonsten verlief so eine Skisafari genau so, wie man es sich grob vorstellen würde: Vieeeel Lift fahren, recht wenig Skifahren und stets eine gewisse terminliche Verbindlichkeit im Hinterkopf (ein Taxi von Gerlos nach Zell hätte ca. 45€ gekostet). Leider kam in unserem Fall dazu, dass am 03.01. abermals deutlich mehr los war, als z.B. am 30.12.. So warteten wir stellenweise mehr als 20 Minuten am Lift, geprägt von ständigem Drängeln und sinkender Stimmung. Auch an den Gondeln herrschte so viel Gewusel und Gedrängel, wie ich es noch nicht erlebt hatte. Beim Versuch nach oben zu kommen, begaben sich die Leute (mangels fehlender Absperrungen) immer weiter in Richtung Einfahrpunkt der Gondeln, so dass sie recht bald nahe der Betonkante standen. Hielt man sich im eigentlichen Einstiegsbereich auf, war man quasi chancenlos – nervig.

Kein Finger vor der Linse sondern tatsächlich Nebel
Kein Finger vor der Linse sondern tatsächlich Nebel

Leider wurden wir vor allem nach unserer Mittagspause mit zunehmend schlechter werdenden Witterungsverhältnissen konfrontiert. Es stellte sich ein feiner Schneegriesel ein, der vom auffrischenden Wind (bis zu 40 km/h) direkt in unsere Gesichter geblasen wurde. Dies ging kurze Zeit später mit deutlich schlechter werdenden Sichtbedingungen einher, so dass sich die kollektive Masse an Skifahrern eher schlecht als recht die bereits raus ausgefahrenen Pisten herunterquälte. Insbesondere im bereits erwähnten Krimml-X-Press (der Verbindung zurück nach Zell am Ziller) verging uns die Laune arg: Horizontal anfliegende Schneeflocken, getrieben von einem kräftigen Wind, ließen die lange und recht hohe Liftfahrt zur Ewigkeit werden und förderten den Wunsch nach einer heißen Dusche. Vom Übergangsjoch begaben wir uns dann auch auf recht direkten Pfaden in Richtung Rosenalm und von dort aus mit der Karspitzbahn zurück ins Tal. Dort angekommen kam auch recht schnell der Bus; schade nur, dass unsere Unterkunft die letzte Station der Route war (nie wieder!). Die Skiline-Statistik dieses Tages ist irgendwie zu lückenhaft, kommt sie doch auf 14 Liftfahrten (obgleich hier laut grafischer Darstellung definitiv einige fehlen) aber nur 30 Pistenkilometer.

Schlechtes Wetter, gute Laune
Schlechtes Wetter, gute Laune

Es war gegen 16:30 Uhr als wir wieder in unserer Unterkunft ankamen, und schon im Lift trafen wir die Entscheidung: Heut geht es zurück nach Haus. Nach 15 Tagen unterwegs und mit Hinblick auf die für den Folgetage abermals schlechter angesagten Wetterbedingungen freuten wir uns sehr auf die Rückkehr in die heimische „Basis“. Auch die geradezu furchteinflößenden Verkehrsverhältnisse aus dem Tal heraus und gen Norden, welche wir auf der Fahrt nach Zell am Ziller im Rahmen unserer Anreise beobachtet hatten, trugen einen gewichtigen Teil zu dieser Entscheidung bei. In der Tat stand der Verkehr am 02.01. fast auf die gesamte Länge von der Autobahnauffahrt bis weiter hinter Kaltenbach.

Das Fazit dieser ersten Skitage der neuen Saison: Auch die Zillertal Arena bietet einige schöne Abfahrten und mit seinen insgesamt drei verbundenen Hauptgebieten viele Möglichkeiten. Moderner wirkt jedoch das Hochzillertal. Skifahren über Neujahr kann man machen .. genügend Geduld für eine ganze Woche im Schnee mit derart vielen Menschen hätte ich aber nicht.

Die Rückfahrt nach Frankfurt verlief übrigens (inkl. Tanken und Versorgungsstopp bei McDonalds) in knapp unter 5h trotz viel Regen recht problemlos; das Zillertal bleibt daher in gut überbrückbarer „Schlagdistanz“.

Reisetagebuch 2012 Tag 3: Ab zur Südspitze Sylts

Nach einem ereignisreichen, aber gleichzeitig auch recht anstrengenden zweiten Tag in Sylt, fielen wir schnell in einen sehr tiefen Schlaf. Dieser wurde – zumindest in meinem Fall – relativ unsanft beendet, als Dani mich um 06:00 Uhr nachts morgens auf das laute Prasseln des Regens aufmerksam machen wollte.

Eben jener Klang, verstärkt durch den Wind, welcher die Tropfen mit zusätzlicher Wucht auf das Dachfenster aufschlagen ließ, versprach nicht unbedingt ideale Aussichten für den kommenden Urlaubstag. Etwas zerknirscht schlief ich wieder ein, um rund 1,5h später von einer abermals optimierten Geräuschkulisse geweckt zu werden: Auf dem Nachbargrundstück wurden Pflastersteine mit so einer tollen, technisch beeindruckenden, hydraulischen Betonsäge passgerecht in Form gebracht. Dies geschah naheliegender Weise in einer sehr deutlich wahrnehmbaren Lautstärke, welche das generell schon nicht angenehme Kreischen abermals in den Vordergrund treten ließ. Zusammenfassend könnte man sagen, dass der Start in unseren dritten Tag auf Sylt also alles andere als entspannt verlief.

Wie dem auch sei – der Wetterbericht deutete daraufhin, dass dieser Montag der schönste Tag der Woche (gemessen an Sonnenstunden und Höchsttemperaturen) werden sollte und während wir noch leicht schläfrig frühstückten, bahnte sich dann auch bereits die Sonne einen Weg durch die Wolken. So kam es dann auch, dass wir wie überraschend oft während unseres Kurztripps nach Sylt um 09:30 Uhr mit geöffnetem Verdeck gen Tagesplanung aufbrechen konnten. Nachdem wir am Vortag ja bereits den nördlichsten Punkt Deutschlands erkundet hatten, stand heute der Sylter Süden auf dem Plan. Die 19km bis Hörnum verliefen erneut auf recht leeren Straßen und führten uns sowohl durch einige kleine Ortschaften, als auch vorbei am Parkplatz der legendären Sansibar (später mehr..). Angekommen am Zielort fand sich ein sehr zentral gelegener und fast völlig leerer Parkplatz, welcher mit 2€ für 3h auch noch sehr günstig war.

Morgendliche Idylle am Hörnumer Strand
Morgendliche Idylle am Hörnumer Strand

Unter blauem Himmel und bei leichtem Wind stapften wir also am sehr sauberen Oststrand der Insel gen Süden und ließen unseren Blick dabei über das fast völlig platte Meer schweifen. Die Bedingungen waren wirklich traumhaft (so traumhaft sie zumindest an einem September Morgen an der Nordsee sein können) und im Schatten des schönen Hörnumer Leuchtturms ließen wir fast völlig ungestört und begleitet nur vom Schreien einiger Möwen und dem Rauschen des Meeres die Seele baumeln. Während wir den Hafen Meter um Meter hinter uns ließen, fielen uns immer wieder die ungewohnt großen Quallen auf, welche in Form blauer Buckel in unregelmäßigen Abständen den Strand schmückten und dabei reglos der Brandung trotzten.

Die Sylter Küste von ihrer friedlichen Seite
Die Sylter Küste von ihrer friedlichen Seite

Die Beschaulichkeit der Ostküste endete abrupt am Südkap, dass sich durch eine vom Meer umkämpfte (und zum Baden gesperrte) Landzunge ankündigte. Auf einer Entfernung von wenigen Schritten traf Landschutz auf relativ starken Wind; prallte die bewegte See auf das platte Meer direkt vor der Insel. Unmittelbar vor uns fand ein Naturschauspiel statt, dass ich in dieser Intensität bisher fast noch nirgendwo gesehen hatte (dagegen empfand ich das Aufeinandertreffen von Ost- und Nordsee an der Nordspitze des dänischen Festlandes langweilig. Dies mag jedoch an den damaligen Witterungsbedingungen gelegen haben). Gebannt starten wir auf die bewegten Wassermassen, deren lautes Rauschen sich mit dem Tosen des Windes vermischte und einem buchstäblich die Sorgen aus dem Kopf wehte.

Links Ruhe; rechts Sturm .. beeindruckend
Links Ruhe; rechts Sturm .. beeindruckend

Nach einigen Minuten der ausgiebigen Bewunderung dieser imposanten Kraftdemonstration setzten wir unseren Weg langsam entlang der Sylter West-Seite gen Norden fort – begleitet von einer einsetzenden Flut und einer angenehm erwärmten Frühherbst-Luft (17°C .. man wird bescheiden). Kurze Zeit später erreichten wir eine weitere Variante der auf Sylt vielfach anzutreffenden Wellenbrecher – diesmal in Form von Tetrapoden. Auch diese bildeten erneut eine tolle Kulisse für das Schauspiel Kraft des Meeres gegen Insel: Wieder und wieder prallte die Dünung gegen die eigenwilligen Betonkonstrukte; flog die Gischt in mehr oder minder fein zerstäubten Tropfen durch die Luft. Der Geruch des Meeres drückte sich – wohl auch getrieben durch den Wind – tief in unsere Lungen, während unsere Haut mehr und mehr von der salzhaltigen Luft aufnahm. Insgesamt fand ich diese Szenerie so toll, dass man hier durchaus auch mehrere Stunden hätte verbringen können: Der sich ständig verändernde Anblick der Wellen, die mal mehr, mal weniger durch die Tetrapoden zischten, die ihrerseits zum Klettern, Sitzen und Ausguck nehmen einluden, faszinierte mich.

Dani bringt sich in Sicherheit
Dani bringt sich in Sicherheit
Die Wellenbrecher in Action
Die Wellenbrecher in Action

Einige Minuten des Staunens später setzten wir unsere Wanderung fort und erreichten recht schnell eine beschauliche Katensiedlung in den Dünen. Naiverweise könnte man den sich bietenden Anblick am ehesten mit Schlumpfhausen vergleichen: In relativ weitläufigem Abstand steht hier Haus an Haus, tief eingekuschelt in den Hang und verbunden über kleine Holztreppen. Neben vielen liebevollen Details auf und an den Grundstücken wird der Eindruck dominiert vom Blau des Meeres und dem Grün der Dünenbepflanzung, die scheinbar jeden freien Fleck zwischen den vergleichsweise kleinen Behausungen einzunehmen scheint. Gerüchteweise ist diese Wohnsiedlung besonders begehrt – u.a. beim Showmaster der wohl bekanntesten Quiz-Sendung auf RTL 😉

Schlumpfine sucht ihr Haus
Schlumpfine sucht ihr Haus

Zurück im Hörnumer Hafen wurde es erneut Zeit für eine kurze Stärkung – diesmal in Form von leckeren Crepes, die wir uns direkt am Strand und mit einer malerischen Aussicht auf das Meer und den Leuchtturm schmecken ließen. Anschließend statteten wir dem Hafen noch einen kurzen Besuch ab und nutzten die Gelegenheit einem Austern-Kutter beim Anlegen und dem anschließenden Löschen seiner Ladung zuzusehen. Als Landratte ist allein das schon ein recht interessanter Prozess, da die eingesetzten Geräte – genau wie der Kutter selbst – doch schon einigermaßen interessante Dimensionen haben 😉

Stärkung am Strand - perfektes (und leckeres) Urlaubsfeeling
Stärkung am Strand – perfektes (und leckeres) Urlaubsfeeling

Auf dem Rückweg vom Südkap hielten wir unterwegs auf dem Parkplatz einer weiteren Sylter Institution, die schon von Weitem her mit wehenden Piratenflaggen auf sich aufmerksam macht: Der Sansibar. Dank eher untypischer Besuchszeit und Nachsaison gab es hier mehr als ausreichend freie Parkkapazitäten, so dass einem weiteren kleinen Spaziergang nichts im Wege stand. So ließen wir das Mercedes-Benz VIP-Shuttle links liegen und begaben uns zunächst auf einem großzügig dimensionierten Sandweg durch die Dünen in Richtung Süden. Kaum hatten wir den Strand erreicht, drehten wir erneut gen Norden ab und näherten uns so „auf der Seeseite“ dem legendären Restaurant. Bereits die letzten Meter vor diesem waren einigermaßen enttäuschend, wirkte der Stand hier weder besonders weiß, noch besonders aufgeräumt. Der Aufgang zur Sansibar erfolgte dann über einen recht netten Steg und schon standen wir mitten im Mythos. Was soll ich sagen .. mir kam es vor, wie eine tiefergelegte Skihütte mit durchaus ambitionierten Gästen mitten in den Dünen. Will sagen: Definitiv nicht schlecht, aber letztendlich doch absolut greifbar und keinesfalls atemberaubend. Zu den kulinarischen Eindrücken kann ich natürlich an dieser Stelle nichts sagen. Was mich aber in jedem Fall als Gast des Hauses zumindest irritieren würde, wären die Menschenmasse, die zwischen „Haupthaus“ und Außenbereich auf dem Weg zum Strand munter durchlaufen. So entsteht doch ein sehr unruhiger Eindruck, der zumindest nicht meinen Präferenzen entsprechen würde.

Jaaaa, das ist die Sansibar (ohne den Leuten auf den Teller zu fotografieren)
Jaaaa, das ist die Sansibar (ohne den Leuten auf den Teller zu fotografieren)

Anschließend hieß es zurück in den Boxster und auf zur nächsten Tagesstation: Nun sollte es nach Keitum im Sylter Osten gehen. Da wir ausnahmsweise mal nicht die üblichen Hauptverkehrsstraßen fahren wollten, entschieden wir uns eine der vielen Nebenstrecke zu fahren, die das Navi in reichlicher Vielfalt anbot. Wie sich nach einigen Kilometern zeigen sollte, führte unser Weg über so manchen Abschnitt, den man landläufig eher als (bestenfalls noch geteerten) Feldweg bezeichnen würde 😉 So fuhren wir kreuz und quer auf legalen (!) Strecken durch die Felder der Insel und mussten so manchem Trecker ausweichen .. eine witzige Zwischeneinlage. Nach einigen imposanten Kilometern erreichten wir letztendlich auch unser Ziel und lernten erneut eine ganz neue Seite von Sylt kennen.

Sichtachse durch Keitum
Sichtachse durch Keitum

Wenn ich Hörnum spaßeshalber mit Schlumpfhausen verglichen habe, so ist mir Keitum als ein extrem sauberes, bis ins letzte Detail gepflegtes und sehr malerisches Hobbingen im Gedächtnis geblieben. Selten (vielleicht noch nie?) habe ich eine Ortschaft gesehen, die derart perfekt in Szene gesetzt wurde und den Eindruck versprühte, einem Bilderbuch entsprungen zu sein. Kleine Gasse münden hier in Straßen, die sich in perfektem Zustand befinden und Katen schmiegen sich nahtlos an imposante, größere Häuser. Dazwischen finden sich vereinzelt sehr renommierte Einzelhändler, die als solche jedoch kaum zu erkennen sind. Zusammenfassend hinterließ Keitum auf mich den Eindruck eines Museumsdorfes, das aus einer Zeit zu stammen scheint, als die Welt noch in Ordnung und frei von omnipräsenten Hundekot war.

Malerisch, stimmig, schön
Malerisch, stimmig, schön

Diese nahezu perfekte Idylle wurde während unseres Spaziergangs nur von einem Detail unterbrochen: Die zunehmend Frequenz von parkenden Fahrzeugen mit roten Zetteln hinter der Windschutzscheibe – wie so oft, ergibt sich der Eindruck von Perfektion also nicht von selbst 😉 Während wir also leicht verträumt an den verwarnten Fahrzeugen entlang schlenderten, ergab sich ein durch interessanter Dialog: Er: „Sag mal, parken wir eigentlich auch so wie die?“ Sie: „Oh .. guck mal, da steht unser Auto .. genau zwischen den anderen mit Zettel“. Glücklicherweise hatten wir kein Knöllchen, fuhren aber dennoch rasch weiter 😉 Auf dem Weg zu unserer nächsten Station schauten wir noch kurz beim La Martina Heritage Store vorbei – da es von dieser Art quasi nur genau einen einzigen in Deutschland gibt, kann ein Besuch ja nicht schade. Der Laden selbst ist übrigens (für alle Interessierten) sehr nett umgesetzt und erinnert ein klein wenig an Hollister in edel: Schicke Ausstattung, feine Waren, die gesamte Produktpräsentation im Stile eines gediegenen Strandhauses. Obgleich unser Besuch leider nicht von Erfolg gekrönt war, waren die Eindrücke doch durchaus sehenswert.

Nordische Dorfidylle
Nordische Dorfidylle

Von Keitum aus fuhren wir bei offenem Verdeck und bester Stimmung weiter in die Braderuper Heide, stoppten jedoch zwischendurch im kleinen aber feinen Munkmarsch. Neben dem ein oder anderen recht netten Hotel besticht dieses primär durch seinen malerischen Hafen, der auch die ein oder andere Sunseeker Yacht beherbergt – immer wieder schön zu sehen.

Unser anschließender Spaziergang durch die Braderuper Heide blieb uns als eine sehr empfehlenswerte und vor allem für Menschen mit Blick für die schönen Details der Natur tolle Erfahrung im Gedächtnis. Auf kleinen Pfaden und über viele Treppen geht es quasi quer durch die Dünen, während man mal längere, mal kürzere Sichtachsen auf das Meer, die Landschaft und umliegende Ortschaften hat – sehr abwechslungsreich und erneut sehr malerisch. Während uns eine frische Brise um die Nase wehte und wir von einer freundlichen September Sonne beschienen wurden, meldeten sich unsere Füße mehr und mehr zu Wort. So toll die Natur hier auch war und so sehr wie die Nähe zum Meer genossen .. ganz langsam wurde es Zeit für eine Pause. So erreichten wir nach einigen sich in die Länge ziehenden Minuten das Auto und wiederum einige Kilometer später gegen 16:00 Uhr unsere Ferienwohnung – zu diesem Zeitpunkt lagen bereits 22.000 Schritte hinter uns.

Die Braderuper Heide: Kleine Pfade, verspielte Treppen, schöne Aussicht
Die Braderuper Heide: Kleine Pfade, verspielte Treppen, schöne Aussicht
Einige von uns fanden den Tag zu anstrengend
Einige von uns fanden den Tag zu anstrengend

Nach 1,5h Erholung ging es wieder los – Erholen kann man sich schließlich auch nach dem Urlaub noch 😉 Erneut fuhren wir nach Kampen und diesmal nahmen wir auch die digitale Spiegelreflex mit .. die tollen Impressionen des Vortages sollten diesmal auch in digitale Memoiren umgewandelt werden. So wandelten wir auf vertrauten Pfaden und erklommen bei tollster Abendstimmung noch einmal die Uwe-Düne (ich glaube dieses mal hat Dani den Wettlauf auch gewonnen). Langsam schien sich eine gewisse Ruhe über die Insel zu legen, steuerten mehr und mehr Autos aus dem Sylter Norden zurück in Richtung der größeren Gemeinden.

Wie schon am Vortag gingen wir entlang des Roten Kliffs einige hundert Meter gen Süden, bevor wir über eine Treppe den Strand betraten. Auch an diesem Abend hatten wir Glück, bildete doch die Kombination aus untergehender Sonne, wenig Wind und rauschendem Meer eine urlaubsgerechte Komposition aus romantischen Sinneseindrücken für Ohr und Auge.

Panoramablick von Uwe Düne (höchste Erhebung Sylts)
Panoramablick von Uwe Düne (höchste Erhebung Sylts)
Das Rote Kliff - ist klar, oder? (keine digitale Nachbearbeitung!)
Das Rote Kliff – ist klar, oder? (keine digitale Nachbearbeitung!)

Die Harmonie des Augenblicks wurde dann durch den Anblick eines „armen“ Seehund-Babies unterbrochen, das aus ungeklärten Gründen allein am Strand lag und scheinbar hilfsbedürftig war. Noch bevor wir zum Handy greifen konnten, stand bereits eine andere Familie um den „Kleinen“ und hatte das Telefon in der Hand. So setzten wir uns in einen nahegelegenen Strandkorb und beobachteten das Geschehen. Bereits nach wenigen Minuten kam ein Pick-Up über den Strand gedüst, der sich (irgendwie ein wenig wie bei Baywatch) der kleinen Robbe näherte. Mit kundigem Blick wurde das Tier zunächst ausgiebig beobachtet, dann umrundet und wenige Handgriffe später mittels einer speziellen Bahre auf die Ladefläche des Fahrzeugs gehoben. Der Seehundretter verschwand ebenso schnell wie er kam .. und bevor wir uns versahen, war die Sonne ebenfalls hinter den Horizont gesunken.

Die kleine Robbe - ihr Schicksal nahm ein gutes Ende!
Die kleine Robbe – ihre Reise nahm ein gutes Ende!

 

So ging eine weitere tolle Strandwanderung zu Ende und wenige Minuten später erreichten wir erschöpft, aber glücklich (wie eigentlich jeden Abend), die Ferienwohnung. Nach 30.000 Schritten an diesem Tag schliefen wir schnell, sehr schnell, ein.

Ein toller Tag und eine Saison gehen zu Ende
Ein toller Tag und eine Saison gehen zu Ende

Und auch für diesen tollen Tag gilt: Viel mehr weitere Eindrücke finden sich in der Galerie: Klick.